Er seufzte viel und redete wie jemand, der seinem vier­jähren Kind erläutert, warum der Hausar­rest nötig und nur zu seinem besten sei. Der Ton­fall sein­er ein­stündi­gen Rede ver­rät Putin, der mit bewährter kom­mu­nis­tis­ch­er Dialek­tik ein Gedankenge­bäude vor dem Zuschauer errichtet, das schein­bar makel­los und unwider­leg­bar ist. Da ist viel von Geschichte die Rede, von Gemein­samkeit und Fam­i­lie. Wie ein Pate beschwört Putin, dass er nur das beste wolle für die Men­schen und dass der böse West­en nichts weniger im Schilde führe, als den Frieden zu zer­stören und die rus­sis­che Seele zu demüti­gen. Es gibt „die“ und es gibt „wir“. Ein kalter Schauer läuft einem über den Rück­en, denn die Rhetorik ken­nt man aus alten Zeit­en, als von Moskau aus betra­chtet der West­en stets bedin­gungs­los böse und das Reich des „großen Brud­ers“ bedin­gungs­los gut und fortschrit­tlich war.

Amerikanis­ch­er Impe­ri­al­is­mus gegen kom­mu­nis­tis­ches Über­mor­gen­paradies und jedes Argu­ment, dass für den West­en sprach, wurde flugs in die Abwehrmauer der marx­is­tis­chen Ide­olo­gie einge­mauert. Ja, je fes­ter das Argu­ment, umso höhere Mauern der Igno­ranz ließen sich daraus erricht­en. Putin hat es geschafft, den Mech­a­nis­mus dieser Denkweise von allen sozial­is­tis­chen Girlan­den zu befreien und durch nation­al­is­tis­ches Getöse zu erset­zen. Den Phan­tom­schmerz ver­gan­gener Größe ver­wan­delt er in ein warmes Gefühl der Hoff­nung, das viele Russen über die Kälte der indi­vidu­ellen Auswe­glosigkeit hin­wegtröstet wie eine ferne Sonne. Putin saß geduldig am bre­it­en Fluss der poli­tis­chen Gele­gen­heit­en und wartete ab, bis der West­en ein edles Prinzip nach dem anderen in diesem Fluss leicht­fer­tig ertränk­te und an ihm vor­bei schwim­men ließ. Ger­ade schwimmt die halbe Ukraine an ihm vor­bei, er muss nur zugreifen. Nur damit das klar ist: die let­zte Ver­ant­wor­tung vor der Geschichte und den Bürg­ern der Ukraine trägt Putin. Aber wie leicht wir es ihm gemacht haben, wie naiv wir sein Spiel mit­ge­spielt und dabei unsere Fähigkeit­en über­schätzt haben, ist unser Ver­sagen.

Putin, der Geheim­di­en­stler, Despot, Oli­garchenkönig, Strip­pen­zieher ein­er klep­tokratis­chen Elite, der Schme­ich­ler und Realpoli­tik­er war immer genau das, was er ist. Doch was sehen wir, wenn wir uns den Spiegel vorhal­ten? Sind wir bess­er? Haben wir uns vielle­icht gebessert? Han­deln wir klüger, rück­sichtsvoller und in Übere­in­stim­mung mit unseren demokratis­chen Prinzip­i­en, die wir bei jed­er Gele­gen­heit wie eine Mon­stranz vor uns her­tra­gen? Sind wir der Welt das Vor­bild, das wir gern in uns selb­st sehen wollen? Demokratisch, gerecht, durchge­gen­dert und kli­ma­neu­tral? Putins Ver­sprechen an Rus­s­land lautete „ich bringe euch Ord­nung“ und die hat er aus dem Jelzin-Chaos her­aus hergestellt. Seine hohen Zus­tim­mungswerte kom­men aus den Gen­er­a­tio­nen, die dieses Chaos durch­lei­den mussten und die Schaden­freude des West­ens schmeck­te bit­ter. Wie genau Putin das Land und die Oli­garchen unter seine per­sön­liche Kon­trolle brachte, welche Struk­turen errichtet wur­den, über all das rümpfte der West­en zwar gern die Nase, aber solange Gas und Öl flossen, wollte man lieber nicht so genau hin­schauen. Und für all jene, die dem Griff des Bären entkom­men woll­ten, gab es ja die NATO und die EU, die im Ver­sprechen machen auch ganz groß sind. Die NATO ver­sprach Sicher­heit, die sie aber zum Null­tarif aus Übersee geliefert bekom­men wollte und die EU mochte sich gern als die Entität für Human­is­mus und Fortschritt ver­standen wis­sen. Jed­er kann mit­machen, jed­er darf dabei sein und im Wet­t­lauf um Macht und Ein­flussge­bi­ete nehmen es sowohl die Nato als auch die EU nicht ganz so genau mit ihren eige­nen Kri­te­rien und Regeln.

Ich sehe förm­lich, wie den Putin­ver­ste­hern beim Lesen dieser Zeilen ger­ade das Grin­sen im Gesicht fest wird. Denn klingt das nicht wie die Bestä­ti­gung der Exis­tenz von „Enflussge­bi­eten“ und „Sicher­heitsin­ter­essen“? Gewiss, kein Staat darf seine Sicher­heit auf Kosten eines anderen verbessern. Aber es gibt auch das Selb­st­bes­tim­mungsrecht der Völk­er, welch­es eben­falls in der UN-Char­ta geregelt und anerkan­nt ist. Die Vorstel­lung, es könne so etwas wie „Puffer­estaat­en“ geben, die sich eben damit abfind­en müssten, bes­timmte Dinge nicht tun zu dür­fen und denen ein ander­er Staat die Fre­unde und Feinde aus­suchen darf, ist obszön! Putins Gejam­mer über den NATO- und EU-Beitritt etwa Polens, der Slowakei, Rumäniens oder der baltischen Staat­en ist schließlich die direk­te Folge der impe­ri­alen und erdrück­end „brüder­lichen“ Poli­tik der Sow­je­tu­nion, als deren alleini­gen Recht­snach­fol­ger sich Rus­s­land betra­chtet. All die Satel­liten­staat­en des Sow­jet-Imperi­ums kon­nten gar nicht schnell genug weg kom­men vom rus­sis­chen Bären, der es allerd­ings auch ver­säumte, selb­st attrak­tive Ange­bote für das har­monis­che Zusam­men­leben in der Bären­höh­le zu machen. Zugegeben, man hat­te anfangs auch kaum die Kraft dazu und jede Menge Prob­leme, etwa an sein­er islamisch geprägten Süd­flanke. Doch wäre es selb­st jet­zt noch nicht zu spät dafür, solche Ange­bote zu machen. Doch Putin hat längst andere Wege gewun­den, seinen Ein­fluss zu ver­größern – und EU und Nato haben sie ihm geeb­net.

Die EU und die NATO

Als wolle man die Heirat­spoli­tik des alten europäis­chen Hochadels fort­führen, gibt die EU Ehev­er­sprechen ab, deren Erfül­lung besten­falls in weit­er Ferne liegt. Man nen­nt die Braut dann „Beitrittskan­di­dat“ und dieser Zus­tand kann Jahrzehnte andauern und sog­ar – wie bei der Türkei – ewig andauern. Die Ukraine erfüllt kein einziges Kri­teri­um zur Auf­nahme in die EU außer vielle­icht dem einen, in Europa zu liegen und den­noch ver­sucht Brüs­sel den Ein­druck zu erweck­en, als sei sie schon fast ein Biss­chen dabei. Und nahm man es mit den Kri­te­rien ander­er Erweiterungskan­di­dat­en nicht auch eher lock­er? Es mag sein, dass die Zeit kommt, die Ukraine in die EU aufzunehmen, auch wenn ich ver­mute, dass das Ver­falls­da­tum dieses überdehn­ten poli­tis­chen Kon­struk­ts noch davor liegt. Doch schon heute durch die Welt zu ziehen und alles anzuleck­en, was bald Brüs­sel gehören werde, ist gelinde gesagt dumme Poli­tik. Die NATO macht es nicht bess­er, wenn sie direkt und indi­rekt Ein­ladun­gen nach Kiew sendet. Da die Statuten der NATO einen Beitritt ohne­hin nur erlauben, wenn das beitre­tende Land keinen aktiv­en Ter­ri­to­ri­alkon­flikt hat, liegt es sog­ar im Inter­esse Putins, solche Kon­flik­te in sein­er Reich­weite am Glühen zu hal­ten. Die Aus­sicht auf die Mit­glied­schaft in der Nato war dem­nach – ganz gle­ich wie lange er sich noch hinziehen würde – sowohl für Georgien wie für die Ukraine ein vergiftetes Geschenk.

Die Ukraine

Es war viel von Brüder­lichkeit die Rede in Putins Ansprache, davon, wie eng die Beziehun­gen doch seien zwis­chen Moskau und Kiew. Ich musste unwillkür­lich an eine Szene aus dem Film „Djan­go Unchained“ denken. Der unter seinem Pferd eingek­lemmte Sklaven­händler redete mit Engel­szuge auf die näherk­om­menden und nun befre­it­en und bewaffneten Sklaven ein und wie nahe man sich doch sei. „Ger­ry, hab‘ ich dich nicht meinen let­zten Apfel gegeben?“ Was ist ein Apfel wert, den man in Ket­ten essen muss? Was ist die „brüder­liche rus­sis­che Liebe“ und die beschworene gemein­same Ver­gan­gen­heit wert, angesichts Mil­lio­nen mit voller Absicht ver­hungert­er Ukrain­er im Holodomor? Der Impuls der Ukrain­er, den rus­sis­chen Bären lieber auf Abstand zu hal­ten, ja, ihn sog­ar von sich wegzus­toßen, kann man nur zu gut ver­ste­hen. Doch sollte man vorher prüfen, wie stark die Kette ist, die einen noch an den Bären bindet. Im Osten des Lan­des leben vor­wiegend Russen, die eine ver­dammt starke Kette bilden, an der Putin zer­rt. Für ihn – und da endet die brüder­liche Liebe abrupt – gibt es die Ukraine gar nicht. Ein Hirnge­spinst der Bolschewiken sei dieses Land! Und er geht weit zurück in der Geschichte, um seine Ansicht­en zu bele­gen. Wir dür­fen also ges­pan­nt sein auf die Forderung des ital­ienis­chen Präsi­den­ten, die Krim an Rom zurück­zugeben, weil er die Gren­zen seines Lan­des aus dem Jahr 180 n. C. im Traum gese­hen habe und nun ein­fordere. Wäre das nicht genau­so legit­im? Aber vielle­icht sind solche his­torischen Begrün­dun­gen für Ter­ri­to­ri­alkon­flik­te generell eitle Ver­stiegen­heit­en. Hier passt ein weit­eres Filmz­i­tat, dies­mal aus „The Tudors“: „Wir haben alle mal im Paradies gelebt. Das heißt nicht, dass wir da je wieder hinkön­nen.“

Die USA

In der Frage des Ein­flusses Rus­s­lands und der USA bin ich zugegeben­er­maßen vor­ein­genom­men. Auf­grund mein­er DDR-Erfahrun­gen ziehe ich den Adler jed­erzeit dem Bären vor. Doch auch der Adler macht es einem in let­zter Zeit nicht ger­ade leicht. Trump schaffte es mit sein­er zur Schau gestell­ten Unberechen­barkeit recht gut, den Deck­el auf den Kon­flik­ten in Osteu­ropa zu hal­ten. Doch die Krim ging der Ukraine noch unter Oba­ma ver­loren, ohne dass sich der West­en zu mehr als eini­gen halb­herzi­gen Sank­tio­nen hätte aufraf­fen kön­nen. Das Embar­go der Nord­stream2-Pipeline war Trumps Idee. Er war es auch, der die Europäer ermah­nte, ihre Vertei­di­gung­shaushalte zu erhöhen und davor warnte, sich zu abhängig von rus­sis­chen Energieliefer­un­gen zu machen. Aber das war eben Trump und wenn der 2+2=4 sagte, ver­langten die Europäer die Äch­tung der Alge­bra.

Eine der erste Amt­shand­lung Bidens war es, grünes Licht für Nordstream2 zu geben, nur um dann immer wieder unter­schiedliche Sig­nale in dieser Sache auszusenden. Mal war er dafür, mal dage­gen. Als Rus­s­land an der Gren­ze zur Ukraine immer mehr Trup­pen sta­tion­ierte, traute man seinen Ohren kaum. Wenn der rus­sis­che Ein­marsch nur eine „kleine Exkur­sion“ wäre statt eines umfassenden Angriffs, kön­nen man darüber hin­wegse­hen, so Biden. Dass Putin dies als Ein­ladung ver­stand, dürfte offen­sichtlich sein. Auch hat Biden ger­ade in Bezug auf die Ukraine ein Glaub­würdigkeit­sprob­lem. Denn er war es ja in sein­er Zeit als Vizepräsi­dent, der für die Ent­las­sung eines ukrainis­chen Staat­san­waltes sorgte, der aus­gerech­net gegen die Fir­ma wegen Kor­rup­tion ermit­telte, in deren Auf­sicht­srat sein Sohn Hunter fett absah­nte. Die Kor­rup­tion gedei­ht, wohin auch immer man in der Ukraine schaut. Das „bessere“ Sys­tem, das der West­en in der Ukraine anzu­bi­eten glaubt, beste­ht in Wirk­lichkeit aus densel­ben oli­garchis­chen Struk­turen wie es in Rus­s­land üblich ist und Putin sagt, das kön­nt ihr auch von mir haben.

Deutschland

Deutsch­land schafft es, sich mit sein­er Poli­tik gegenüber Rus­s­land auf allen Seit­en lächer­lich und ver­has­st zu machen. Die osteu­ropäis­chen Staat­en stießen wir mit dem Bau von Nordstream2 vor den Kopf, die Russen mit der Nicht-Inbe­trieb­nahme. Die USA set­zen sich gle­ich ganz über Deutsch­lands Inter­essen hin­weg und ver­fü­gen nach Belieben und unge­fragt über den deutschen Gashahn – nicht nur den von Nordstream2. Unsere Außen­min­is­terin „dro­ht“ den Russen damit, dass wir bere­it seien, harte wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen und unsere Vertei­di­gungsmin­is­terin ver­spricht der Ukraine ein paar Helme, die dann nicht mal dort ankom­men. Dazu kommt noch die „dümm­ste Energiepoli­tik der Welt“ (Wall­street Jour­nal), denn 50% unser­er Primären­ergie (Öl, Gas, Kohle) kom­men aus Putin­land. Das ist alles so pein­lich, nut­z­los und aufge­blasen, dass man es am besten auch in einem Filmz­i­tat zusam­men­fassen kann. Man muss unwillkür­lich an das „fliegende Suizid­kom­man­do“ aus der Schlussszene in „Das Leben des Bri­an“ denken.

Verfahrene Lage

Die Art von Poli­tik, die Putin macht, wird in Europa in den USA schon lange nicht mehr hergestellt. Und während man in Wash­ing­ton ger­ade den Abzug aus Afghanistan gründlich ver­mas­selt hat, befassen sich unsere Poli­tik­er voller Lei­den­schaft mit „unten­rum“ Befind­lichkeit­en von Bun­destagsab­ge­ord­neten. Nein, jed­er sieht, dass dieser „West­en“ nur mit sich selb­st und ver­sponnenen akademis­chen Pseudo­prob­le­men beschäftigt ist und längst zu kein­er kon­sis­ten­ten Außen­poli­tik mehr in der Lage ist. Man kann eben nicht jahre­lang Sank­tio­nen verkün­den und gle­ichzeit­ig munter Gas und Öl in Rus­s­land kaufen. Eben­so wie man nicht gle­ichzeit­ig aus Öl, Gas, Kohle und Atom­kraft aussteigen kann. Man kann auch nicht Rus­s­land für sys­tem­a­tis­ches Dop­ing im Sport schel­ten und dann unter ein­er Proxy-Flagge munter weit­er bei Wet­tkämpfen starten lassen. Der Ver­such, Fliegen zu ler­nen, indem man fällt und absichtlich den Boden ver­fehlt, ist gescheit­ert.

Auch der Plan, über die Ein­ver­lei­bung der Krim gewis­ser­maßen „Gras wach­sen“ zu lassen, ging nicht auf. Denn der Bär hört ein­fach nicht auf zu fressen, solange die Speisekam­mer offen ste­ht. Natür­lich wird Putin auch den näch­sten Raub demokratisch ausse­hen lassen! Erst bit­ten die „Volk­sre­pub­liken“ Luhan­sk und Donezk um „Hil­fe“ wie einst der afghanis­che Kom­mu­nis­ten­führer Nad­schibul­lāh und Syriens Dik­ta­tor Assad – denn die Russen wür­den sich selb­stre­dend nie in fremde Angele­gen­heit­en ein­mis­chen. Sie wollen ein­ge­laden sein! Dann wird es „Wahlen“ geben und schließlich kann Putin voller Stolz verkün­den, einige weit­ere Krümel rus­sis­ch­er Erde heim ins Reich geholt zu haben. Und betont der West­en nicht bei jed­er Gele­gen­heit, dass es Wahlen sind, die jede Entschei­dung demokratisch legit­imieren? Beschwören EU und USA nicht stets, dass die Mehrheit bes­timmt, wo es lang geht? Den baltischen Staat­en, wo große rus­sis­che Min­der­heit­en leben, schnürt sich bei dem Gedanken die Kehle zu.

Ich fürchte, daran wird sich nichts ändern, solange Putin Präsi­dent ist. Wer oder was nach ihm kom­men wird, nun, davor soll­ten wir uns vielle­icht erst recht fürcht­en. Bis dahin bleibt nur zu hof­fen, dass Gun­nar Hein­sohn mit sein­er Ein­schätzung richtig liegt und Putin sich einen echt­en Krieg innen­poli­tisch gar nicht leis­ten kann. Da geht es ihm wie uns, die wir zudem auch tech­nisch dazu nicht in der Lage sind. Adres­sat der ganzen Insze­nierung von Stärke ist ohne­hin die eigene, schrumpfende und ent­täuschte Jugend, die die chao­tis­chen 90er Jahre und damit die ord­nungspoli­tis­chen Erfolge Putins gar nicht miter­lebt hat. Es kommt deshalb wohl weniger darauf an, was der West­en jet­zt beschließ, son­dern ob die Russen Putin wirk­lich glauben, der West­en sei eine Gefahr für das Land. Vielle­icht ist diese schein­bar unlös­bare Kette von gegen­seit­i­gen Dro­hun­gen auch nichts anderes als eine chi­ne­sis­che Fin­ger­falle. Das Prob­lem ist lei­der, dass bei­de Seit­en gle­ichzeit­ig aufhören müssen, daran zu ziehen.

Und wenn Sie, liebe Leser, nun ent­täuscht darüber sind, dass ich gar nicht beschrieben habe, was nun zu tun sei, muss ich Sie beun­ruhi­gen. Genau so ist es näm­lich. Und die Regierun­gen in Kiew, Wash­ing­ton, Brüs­sel und Berlin wis­sen es auch nicht. Einen Plan hat nur Putin.

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22 Kommentare

  1. Es fehlen Bemerkun­gen zur V3erteidigungsfähigkeit des West­ens, oder auch nicht. Denn die gibt es nicht. Gebt mir 100 Mann und genug Sprengstoff und in ein­er Woche friert D ahnunungs­los im Dunkeln.

    • …und wer sich fragt, wie das kommt, der muss nur mal schauen, was Gen­er­a­tion “Kli­maret­ter” unter “Kampf” ver­ste­hen. Alle sind ständig am kämpfen, auf der Straße, beim Demon­stri­eren, beim Twit­tern, beim Festkleben…und solche Leute ste­hen irgend­wann jeman­den mit einem Gewehr gegenüber.

  2. Sehr unan­genehm diese Wort­wahl, Herr Letsch: “Der rus­sis­che Bär frisst immer weit­er…” Ich halte sehr viel von Ihren ana­lytis­chen Kom­mentaren aber hier haben Sie aus ihrem Herzen wahrlich keine Mörder­grube gemacht.
    Für mich als Otto Nor­mal­bürg­er bleibt nur das Faz­it ihres let­zten Absatzes: Eine glob­al­isierte Kabale spielt ihre Spielchen auf meine Kosten. Wenn die west­lichen Demokratiedarsteller die Gele­gen­heit bekom­men , ziehen sie sehr gern die “entschlossen­er-Herrsch­er” Karte zum Wohle des Volkes (Trudeau et al).
    Ich entwick­ele mehr Ver­ständ­nis für Ste­fan Zweigs Hand­lungsweise…

    • Man kann sich natür­lich an den Fabel-Begrif­f­en entzün­den. Man kann aber auch die Real­itäten hin­ter der Meta­pher betra­cht­en und ein­fach mal einen aktuellen Blick nach Lem­berg oder Kiew wer­fen und bessere Begriffe find­en. Wie wäre es mit dem von RT, dass die Ukraine nun endlich “ent­naz­i­fiziert” werde? Bess­er?

      • Zitat: “…dass die Ukraine nun endlich „ent­naz­i­fiziert“ werde? Bess­er?”
        Nein, natür­lich abso­lut nicht bess­er, da stimme ich Ihnen zu. Aber das zeigt doch nur, dass bei­de Seit­en ihre Pro­pa­gan­da vir­tu­os beherrschen. Es entwertet aus mein­er Sicht ihren Artikel, solche emo­tion­al befriedi­gen­den Orna­mente zu ver­wen­den.
        Was spricht dage­gen Putin als einen ratio­nalen Macht­poli­tik­er anzuse­hen, der strate­gisch sehr gut aufgestellt ist und auch vor Grausamkeit­en nicht halt macht. Das war doch in der Geschichte immer eine Quelle für Lobgesänge und Lor­beerkränze /sarc off/?
        Sie wis­sen doch selb­st- die näch­ste Stufe sind ” mas­sive Sank­tio­nen” und “entschlossene Gegenmassnahmen“und Mah­nung der staats­bürg­er­lichen Pflicht mit Leib und Habe die “west­lichen Werte” in der Ukraine zu schützen.
        Ich geste­he, ich habe Angst!

  3. Eine erfrischend unkon­ven­tionelle und den­noch nachvol­lziehbare Analyse. Dass Sie Wlads Fün­fte Kolonne zen­sieren, ist eben­falls erfreulich; so find­et man die ern­sthaften Argu­mente schneller und muss sie nicht unter so viel Müll erst her­aus­graben.
    Es gibt zwei zusät­zliche Argu­mente, die ich ernst nehmen muss, obwohl sie auch von den Kremeltrollen kom­men: Wie war denn das in Jugoslaw­ien? Hat da nicht “die Nato” auch Gren­zen verän­dert mit dem Argu­ment, die Men­schen wür­den unter­drückt und woll­ten mehrheitlich eine Sep­a­ra­tion? Und zweit­ens: Unbe­stre­it­bar ist die arro­gante Ukrain­isierung der rus­sis­chsprachi­gen Bevölkerung im Osten. Den Men­schen zu ver­bi­eten, Ihre Mut­ter­sprache in der Öffentlichkeit (ok, das ist sehr verkürzt) zu sprechen ist ja nur das i‑Tüpfelchen auf der Liste der Schika­nen (nein, es ist kein Genozid im Gange, wie Wlad behauptet). Es ist der bekan­nte Teufel­skreis: Eine eth­nis­che Min­der­heit will ihre Sit­ten, Gebräuche und Sprache beibehal­ten … die Zen­tral­regierung wit­tert Abspal­tung­s­ten­den­zen und geht gegen Sit­ten, Gebräuche und Sprache vor … dadurch ver­stärkt sie die Eigen­ständigkeits­be­stre­bun­gen bis hin zur Abspal­tung, im Zweifels­fall unter Zuhil­fe­nahme ander­er Staat­en. Beispiele bietet die Geschichte hun­derte. Geklappt hat das Sprachver­bot sel­ten (z.B. bei den “Deutschen” in Brasilien und den USA). Dass man daraus keine his­torischen Lehren zieht, ist ein­fach nur frus­tri­erend. Aber das ist ein anderes The­ma .…

    • Ich habe kein Prob­lem damit, wenn hier jemand Partei für Putin ergreift. Seit­en­weise Hor­rorgeschicht­en zu erzählen ist hier aber nicht der richtige Ort.

      • Oh, da habe ich mich wohl falsch aus­ge­drückt. Die bei­den von mir vor­ge­tra­ge­nen Aspek­te sollen keines­falls Putins Raubzug recht­fer­ti­gen. Sie gehoren gle­ich­wohl zum Ursachenkom­plex, den Herr Letsch so tre­f­fend beschrieben hat.

  4. Also ich bin ganz gewiss kein Putin-Ver­ste­her, aber ich sehe auch nicht wirk­lich, für wen sich die Sit­u­a­tion ver­schlechtert, wenn sich Gebi­ete, die schon ewig von Russen besiedelt wer­den, von der Ukraine los­sagen. Es sieht wohl so aus, als ob die über­ra­gende Mehrheit dort das so will und es wohl auch schon eine Ewigkeit so will.

    An der Stelle muss ich ein­schieben, dass bei mir das ganze Puffer­staaten­gerede und das “die amerikanis­chen Mil­itärstützpunk­te bedro­hen doch die Russen”-Gelaber auch nicht zieht. Die Russen haben und hat­ten nie Angst davor, vom West­en über­fall­en zu wer­den.

    Ich glaub aber halt auch nicht, dass der Bär jet­zt ewig weit­er frisst. Allen­falls wird Südos­se­tien noch ein Kan­di­dat. Aber Georgien ist halt wie die Ukraine ein undemokratis­ches Moloch, das sich von Rus­s­land nicht genug moralisch unter­schei­det, als dass es uns zu scheren hat. Was uns küm­mern sollte, ist die Gas und Strom­rech­nung sowie die grüne Infla­tion und die Migra­tionser­pres­sung der Weißrussen. Wir kriegen Men­schen­rechte nicht mal gegen Bashar al Trudeau in Kana­da durchge­set­zt, da kön­nen wir uns die ange­blich gut meinen­den Sank­tio­nen gegenüber den Ost­dik­taturen auch schenken.

    Und Sie schreiben ja zu recht, dass eine kriegerische Eskala­tion Putin innen­poli­tisch nichts nützt. Wem nützen dann Sank­tio­nen? Was sollen sie bewirken?

    Komisch auch, dass die gle­ichen Leute, die über­all Posten für “Palästi­nenser” in inter­na­tionalen Organ­i­sa­tio­nen ein­richt­en, die Anerken­nung von den ostukrainis­chen Gebi­eten skan­dal­isieren wollen. Die Ostukrain­er schießen nicht dauern Raketen rüber und predi­gen nicht die Ver­nich­tung Kiews. Wür­den die Araber in den betr­e­f­fend­en Gebi­eten Israels aufhören, um sich zu schla­gen, würde ihnen kein Men­sch die Unab­hängigkeit miss­gön­nen. Und Tai­wan will ich auch vor Peking gesichert wis­sen.

    • Mein Kom­men­tar “did not age well”. Da war der Wun­sch Vater des Gedankens, Mut­ter der zerdep­perten Porzel­lankiste und stand Pate. Das hat man davon, wenn man auch nur eine Sekunde seinen Zynis­mus her­ab­stuft.

    • Was für ein Kriegshet­zer bist du eigentlich , oder bist du ein russkij troll? Oder doch nur ein Idiot Na dann los, las­set uns die von Israelis beset­zten Gebi­ete mit Gewalt zurückgewinnen…Ben willst einen „total­en Krieg“?

  5. Mich beazhlt nie­mand dafür, mir Gedanken zu machen. Aber schön zu sehen, dass Sie so para­noid sind.

  6. Ich hätte natür­lich ahnen kön­nen, dass hier reich­lich Kom­mentare der absichtsvollen Art abge­set­zt wer­den, bei denen schon die Länge und der Sub­text klar erken­nen lassen, wer sie bezahlt. Macht ruhig, das ist kein Prob­lem. Aber ich möchte nochmal anmerken, dass hier jed­er Kom­men­tar von mir freigeschal­tet wer­den muss und hier nicht der Paulan­er­garten ist. 😉

  7. Nicht ganz richtig.…aber völ­lig falsch!
    Es ist ein gemein­sames Spiel aller. Alle hän­gen von einan­der ab. Der Impe­ri­al­is­mus ist glob­al, was jegliche Nation­al­ität hin­wegge­spült hat. Also sehen wir nur noch ein Spiel, um die “dum­men” Men­schen in Angst und Schreck­en zu ver­set­zen.
    WEF hat vor kurzem Büro in Rus­s­land eröffnet!
    Chi­na ist die Werk­bank der Welt — wie von Lenin bere­its 1916 voraus­ge­sagt. Wird also gebraucht und spielt mit. Müssen die auch — ohne Expa­tri­ats wür­den die es noch nicht schaf­fen — aus eigen­em 2‑jährigen Erleben abgeleit­et.
    Bun­des­deutsche “Demokratie” seit 1949 ein Schaus­piel, um dem “Osten” wie auch den eige­nen Unter­ta­nen zu zeigen, dass Kap­i­tal­is­mus bess­er wäre. haha­ha­ha.…
    Bessere Erken­nt­nis mit Hil­fe des dialek­tis­chen und his­torischen Mate­ri­al­is­mus´.

  8. Endlich mal eine ser­iöse Lagebeschrei­bung. Wieso traut sich kein einziger (west­lich­er) Poli­tik­er, dieses Schlüsse zu ziehen?

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