Robert Habeck fordert SolidaritätDie Träu­me­rei­en von „Coro­na-Bonds“, was ja nur ein ande­res Wort für „Euro-Bonds“ ist, fin­de ich ziem­lich ober­fläch­lich. Und zwar nicht in dem bekann­ten Sinn, dass dies eine laut EU-Ver­trä­gen ver­bo­te­ne Ver­ge­mein­schaf­tung von Schul­den füh­ren wür­de, son­dern weil Coro­na-Bond-Muez­zins wie Robert Habeck die ver­än­der­ten glo­ba­len Bedin­gun­gen kom­plett igno­rie­ren, in denen wir uns gera­de befin­den. Habecks Gast­bei­trag im Spie­gel möch­te ich des­halb eini­ge Bemer­kun­gen anfügen.

„Wir Deut­schen haben nach dem Zwei­ten Welt­krieg in beson­de­rem Maß davon pro­fi­tiert, dass die USA und unse­re Nach­bar­staa­ten uns beim finan­zi­el­len und insti­tu­tio­nel­len Auf­bau inten­siv unter­stützt haben – trotz der Ver­gan­gen­heit. Im Grund­satz wis­sen wir Deut­schen seit­dem, was Euro­pa für uns bedeu­tet – das gilt für alle demo­kra­ti­schen Par­tei­en im Land.“

Hier bezieht sich Habeck natür­lich auf den Mar­shall-Plan, der – neben den eben­falls gern genann­ten tür­ki­schen Gast­ar­bei­tern – immer wie­der als die Ursa­che der wirt­schaft­li­chen Wie­der­be­le­bung (West)Deutschlands genannt wird. Und natür­lich kann der Bei­trag der USA kaum hoch genug ein­ge­schätzt wer­den. Doch die Gel­der des Mar­shall-Plans dien­ten dem Wie­der­auf­bau ganz Euro­pas, nicht allein Deutsch­lands! Wir pro­fi­tier­ten nicht ein­mal beson­ders stark davon. Ins­ge­samt gin­gen an die Bun­des­re­pu­blik (also den West­teil) etwa 10% der Mit­tel, wäh­rend Groß­bri­tan­ni­en etwa 25% und Frank­reich 20% davon erhiel­ten. Von einer prin­zi­pi­el­len Ver­bun­den­heit mit den USA ist bei den Grü­nen indes nur noch in Spie­gel-Gast­bei­trä­gen zu lesen. Und selbst dort bekommt Habeck noch die Kur­ve. Denn eigent­lich müss­te sein Satz ja lau­ten: „Im Grund­satz wis­sen wir Deut­schen seit­dem, was die USA für uns bedeu­ten.“ – so lau­tet er aber nicht.

„Wenn wir also hier über euro­päi­sche Soli­da­ri­tät spre­chen, dann geht es nicht um das „Ob“, son­dern um das „Wie“ und „Wie viel““

Das ist albern. Natür­lich geht es immer zunächst um das „Ob“. Egal, ob es sich um Soli­da­ri­tät oder die Erhö­hung des Taschen­gel­des für die Kin­der han­delt. Soli­da­ri­tät als For­de­rung steht jedoch immer dann im Raum, wenn jemand ande­rer Leu­te Geld will. Soli­da­ri­tät ist aller­dings ein Begriff, der Frei­wil­lig­keit ver­langt. Insti­tu­tio­na­li­siert man ihn, macht ihn ver­pflich­tend und gießt ihn in Geset­ze und Finanz­markt­werk­zeu­ge, soll­te man ehr­li­cher­wei­se nicht mehr von Soli­da­ri­tät reden. Das Bild der Brief­mar­ke oben ist da ein gutes Bei­spiel. Die Mar­ke kos­te­te 15 Pfen­ni­ge, war aber nur 10 Pfen­ni­ge wert. Man konn­te auch „ech­te“ 10pf-Mar­ken kau­fen, wenn man nicht soli­da­risch sein woll­te. Habeck hebt die Hos­tie „Soli­da­ri­tät durch Coro­na-Bonds“ in die Höhe und nach­dem das Glöck­chen bim­melt, hat es sich in einen Haf­tungs­zwang ver­wan­delt. Er soll­te so ehr­lich sein, dass wir alle davon essen wer­den müs­sen. Mit der Frei­wil­lig­keit von Soli­da­ri­tät ist es dann vorbei.

„Es geht nicht mehr dar­um, frü­her gemach­te Schul­den etwa Spa­ni­ens oder Ita­li­ens umzu­ver­tei­len, son­dern akut die aktu­el­le Kri­se zu bewäl­ti­gen. Das Virus hat die­se Län­der mit vol­ler Här­te getrof­fen – auch uns könn­te es so gehen, und wir in Deutsch­land federn die Wirt­schafts­kri­se gera­de mit Mil­li­ar­den an Kre­di­ten ab.“

Wie trennt man sau­ber „frü­her gemach­te“ Schul­den von der aktu­el­len Kri­se? Es gibt eine gewis­se Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem all­ge­mei­nen Zustand der Wirt­schaft und der Här­te, mit wel­cher das Virus die EU-Län­der traf. Denn der Zustand der Wirt­schaft ist mei­ner Mei­nung nach ein star­kes Indiz für den Zustand des jewei­li­gen Gesund­heits­sys­tems. Dar­aus dürf­te sich auch die Kor­re­la­ti­on erge­ben, von der Mar­kus Krall hier berichtet.

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Habeck appel­liert aber erneut an unse­re Soli­da­ri­tät und an die­ser Stel­le kann ich ihm sogar zustim­men. Hil­fe tut sicher Not. Auch für Spa­ni­en und Ita­li­en. Nur braucht es dafür kei­ne Coro­na-Bonds. Reden wir doch mal über die Mit­tel, wel­che die EU im Rah­men des „Green Deal“ ver­tei­len möch­te. Reden wir über direk­te Kre­di­te und reden wird vor allem über die Unfä­hig­keit der EU, in der Kri­se für ihre Mit­glie­der eine sinn­vol­le, hel­fen­de oder auch nur koor­di­nie­ren­de Rol­le zu spielen…und aus­ge­rech­net mit einem Finanz­markt­werk­zeug soll das nun bes­ser klappen?

Spekulative Attacke und spekulative Uneigennützigkeit

„Zwei­tens geht es nicht dar­um, wel­che Anrei­ze Coro­na-Bonds set­zen: Ita­li­en wird ja kein neu­es Virus erfin­den, nur damit die ande­ren Län­der in Zukunft wie­der ein­mal mit­haf­ten. Nie­mand möch­te, dass zukünf­tig jedes Land Geld ver­plem­pert und die Rech­nung in Brüs­sel oder Ber­lin abge­ben kann. Es ist aber erst recht nicht in unse­rem eige­nen Inter­es­se, dass die ita­lie­ni­sche oder spa­ni­sche Wirt­schaft durch spe­ku­la­ti­ve Atta­cken in die Knie gehen.“

Doch auch nach all dem Geplap­per dar­über, was ande­re Län­der sicher nicht wol­len und dass nie­mand gern Geld „ver­ple­me­re“ wis­sen wir immer noch nicht, wel­che Anrei­ze Coro­na-Bonds denn nun wirk­lich set­zen, Herr Habeck. Wis­sen Sie es etwa auch nicht? Und wer will durch spe­ku­la­ti­ve Atta­cken die spa­ni­sche Wirt­schaft „in die Knie“ zwin­gen? Übri­gens: dass nie­mand gern Rech­nun­gen nach Brüs­sel oder Ber­lin schi­cken oder anders­wie exter­na­li­sie­ren möch­te, hal­te ich für ein Gerücht, wel­ches die mensch­li­che Natur kom­plett igno­riert! Mit Rech­nungs­adres­sa­ten ist das wie mit Sub­ven­tio­nen – sie wer­den genutzt, weil sie da sind und weil man schön blö­de wäre, sie nicht zu nut­zen. Brüs­sel muss mich nur dar­um bit­ten oder mir einen ver­steck­ten Wink geben, schon sen­de ich mei­ne Rech­nun­gen dort hin. Mit Schlei­fe und Glit­zer, wenn gewünscht! Ich wäre auch sehr dank­bar für die „Soli­da­ri­tät“, für die dann natür­lich alle ande­ren auf­kom­men müs­sen, ohne gefragt zu werden.

„Es dro­hen in den ange­schla­ge­nen Volks­wirt­schaf­ten tie­fe Rezes­si­on und hohe Arbeits­lo­sig­keit, zusam­men ein Kon­junk­tur­pro­gramm für den Popu­lis­mus, der sich ohne­hin schon wie ein Gift in Euro­pa aus­ge­brei­tet hat.“

Nur zur Erin­ne­rung, Herr Habeck: auch die Volks­wirt­schaf­ten Deutsch­lands, Öster­reichs oder der Nie­der­lan­de sind gera­de ange­schla­gen. Und was den Popu­lis­mus angeht, scheint der selt­sa­mer­wei­se umso grö­ßer zu wer­den, je bes­ser die Kon­junk­tur­pro­gram­me zu des­sen Bekämp­fung aus­ge­stat­tet sind. Viel­leicht wären die Coro­na-Bonds ja selbst das bes­te „Kon­junk­tur­pro­gramm des Popu­lis­mus“, schließ­lich sit­zen alle pro­fes­sio­nel­len Popu­lis­ten in NGOs und Par­tei­en sehr dicht an den Quel­len der EZB-Gel­der und kön­nen in gro­ßen Schlu­cken trin­ken. Poli­ti­ker sind nun wirk­lich die letz­ten, die zwi­schen sinn­vol­len Inves­ti­tio­nen in Wirt­schafts­pro­gram­me und poli­ti­scher Land­schafts­pfle­ge sau­ber unter­schei­den kön­nen! Im Fall der EZB macht mir des­halb der Ein­fluss der (Zentral)Banker weit weni­ger Sor­gen als der der Politik.

Der Euro als politischer Selbstzweck

„Die durch­aus legi­ti­me Sor­ge der Uni­on um Sta­bi­li­tät, die sich in der Ableh­nung gemein­sa­mer Ver­schul­dung mani­fes­tiert, gefähr­det selbst die Sta­bi­li­tät, und zwar des Euro­raums und damit auch Deutsch­lands. Die Ableh­nung gemein­sa­mer Anlei­hen ist damit zu einem Selbst­zweck geworden.“

Wir kom­men dem Kern des Pro­blems näher! Selbst Habeck aner­kennt hier – sicher ohne es zu wol­len – dass es nicht um die Ret­tung Spa­ni­ens oder Ita­li­ens geht. Das wären ja Zie­le, denen man sich mora­lisch und nach­bar­schaft­lich ver­pflich­tet füh­len kann. Wer will schon, dass es Spa­ni­en und Ita­li­en dre­ckig geht! Es geht jedoch aus­schließ­lich um die Ret­tung des Euro­raums, also die Ret­tung einer poli­ti­schen Idee, die schon seit ihrer Grün­dung Schlag­sei­te hat. Habecks Satz müss­te also eigent­lich so lau­ten: Die For­de­rung nach gemein­sa­men Anlei­hen ist damit zum Selbst­zweck des Erhalts des Euro gewor­den. Wenn eine Wäh­rung – die ja nie Selbst­zweck, son­dern immer nur Werk­zeug sein soll­te – die Wirt­schafts­kraft ihres Gel­tungs­be­rei­ches jedoch nicht abbil­den kann, wenn sie hier bremst und dort ver­zerrt, wenn sie also vom poli­ti­schen Selbst­zweck über­formt wird, wel­chen Wert hat sie dann noch?

„Das ist umso pro­ble­ma­ti­scher, als Deutsch­land und die EU ja nicht allein auf der Welt sind, son­dern sich in einem inter­na­tio­na­len Kon­text bewe­gen. So hat die US-Finanz- und Geld­po­li­tik in den letz­ten Wochen ent­schlos­sen und umfas­send reagiert. Die Federal Reser­ve Bank, also die Zen­tral­bank der USA, hat am 23. März unbe­grenz­te Anlei­he­käu­fe von US-Staats­an­lei­hen ange­kün­digt und am 1. April Ban­ken erlaubt, US-Staats­an­lei­hen unbe­grenzt und ohne Eigen­ka­pi­tal auf die Bilanz zu neh­men. Die Federal Reser­ve signa­li­siert damit: Gera­de wenn Wirt­schaft, Arbeits­plät­ze und der Wohl­stand der Nati­on bedroht sind, braucht es einen Sta­bi­li­täts­an­ker, den die Noten­bank ver­tei­digt: eine gemein­sa­me Sta­bi­li­täts­an­lei­he des Währungsraums.“

Und wie­der ist Habeck näher an der Wahr­heit, als ihm lieb sein kann. Natür­lich sind Deutsch­land und die EU nicht allein auf der Welt. Und unse­re Pro­ble­me sind gera­de welt­wei­te Pro­ble­me. Es han­delt sich ja um eine Kri­se, die bestehen­de loka­le Kri­sen noch über­la­gert und ver­stärkt – welt­weit! Man darf also fra­gen, wer um alles in der Welt die­se „Coro­na-Bonds“ über­haupt kau­fen soll? Und was die Anlei­he­käu­fe der FED angeht: nichts ande­res tut die EZB doch seit mehr als zehn Jah­ren! Erst unbe­grenzt, dann auf 30 Mil­li­ar­den pro Monat gede­ckelt! Die FED konn­te den Zins noch auf Null sen­ken, wäh­rend die EZB ihn schon auf Null erhö­hen müss­te! Der Euro ist kein Sta­bi­li­täts­an­ker für Län­der wie Grie­chen­land, Spa­ni­en, Por­tu­gal oder Ita­li­en. Er ist Pro­duk­ti­vi­täts­brem­se in Ita­li­en oder Spa­ni­en und Flucht­wäh­rung in Deutsch­land. Es gibt also nicht mal mehr den einen Euro, was sol­len da gemein­schaft­li­che Euro-Anlei­hen bewirken?

„Eine sol­che Klar­heit und [wie die der FED] bräuch­te es auch aus der Euro­zo­ne: Wir wer­den die Angrif­fe von Spe­ku­lan­ten abweh­ren und unse­re Wirt­schaft, Arbeits­plät­ze und unse­ren Wohl­stand sichern.“

Wie schon gesagt, die EZB macht im Grun­de nichts ande­res, als „Angrif­fe“ abzu­weh­ren, die es nicht gibt! In Wirk­lich­keit betreibt sie seit Jah­ren direk­te Staats­fi­nan­zie­rung, etwas, das ihr eigent­lich von den Grün­dungs­sta­tu­ten unter­sagt ist.

„Mit der Ansa­ge, dass Staats­an­lei­hen auch aus­fal­len kön­nen, hat sich Euro­pa selbst geschwächt und die Finanz­märk­te insta­bil gemacht.“

Ver­brei­tet Habeck hier Fake-News? Wel­che Staats­an­lei­hen fal­len denn gera­de aus? Die EZB kauf alles auf, was die­je­ni­gen, die Euro­län­dern Geld gelie­hen haben, nicht in den Büchern haben wol­len. Hier fällt über­haupt nichts aus! Das genau ist doch das Pro­blem. Gäbe es Aus­fall­ri­si­ken, gäbe es einen ech­ten Markt­zins. Weil die EZB aber im Not­fall immer ein­springt und „wha­te­ver it takes“ ruft, öff­net man der Spe­ku­la­ti­on erst Tür und Tor, weil man das Markt­ri­si­ko aus­schal­tet. De fac­to haben wir also bereits Euro­bonds: über die Haf­tungs­be­tei­li­gun­gen der Euro­län­der an der EZB!

Robert Habeck wünscht mehr Einfluss

„Damit ver­spielt Euro­pa die Chan­ce, an geo­po­li­ti­schem Ein­fluss zu gewin­nen. Euros machen nur etwa 20 Pro­zent der glo­ba­len Wäh­rungs­re­ser­ven aus, der Dol­lar hin­ge­gen liegt bei 60 Pro­zent. Und das, obwohl unse­re Wirt­schafts­leis­tung ver­gleich­bar ist.“

Da ist sie wie­der, die Sucht nach Welt­be­deu­tung und „geo­po­li­ti­schem Ein­fluss“. Bedeu­tung wobei? Ein­fluss wor­auf? Dass nur 20% der glo­ba­len Wäh­rungs­re­ser­ven auf Euro lau­ten, könn­te ja auch dar­an lie­gen, dass der Euro so grot­ten­schlecht kon­stru­iert ist und man sich in Kri­sen­zei­ten nicht aus­ge­rech­net auf ein sol­ches Kon­strukt ver­las­sen möch­te. Den Dol­lar gibt es (gesetz­lich) seit 1792, den Euro seit 1999 bzw. 2002. Man muss schon ziem­lich euro­zen­tris­tisch sein, um zu glau­ben, Ver­trau­en wach­se in Euro­pa prin­zi­pi­ell schnel­ler als anders­wo. Es ist sicher kein Zufall, dass sich Habeck auch in sei­nem Spie­gel-Arti­kel aus­ge­rech­net auf Öko­no­men wie Ken­neth Rog­off beruft, einen der füh­ren­den Ver­fech­ter der Bar­geld­ab­schaf­fung. Gera­de in der Kri­se zeigt sich näm­lich, dass die Men­schen ihre Geld­wer­te instink­tiv vor dem staat­li­chen Zugriff in Sicher­heit brin­gen möch­ten. Wer es sich leis­ten kann, ver­teilt sein Ver­mö­gen auf vie­le Kör­be, kauft Fremd­wäh­run­gen, Sach­wer­te und Gold.

Zu glau­ben, gemein­sa­me Anlei­he­pro­gram­me wür­den an der Welt­be­deu­tung des Euro etwas ändern, ist naiv. Das Ver­trau­en in die Sta­bi­li­tät einer Wäh­rung lässt sich nicht dadurch ver­bes­sern, dass man die Regeln lockert, auf die sich alle Teil­neh­mer ver­stän­digt haben. Schaut man sich die Ren­di­ten für 10-jäh­ri­ge Staats­an­lei­hen an, also die Kos­ten, zu denen sich Staa­ten aktu­ell mit­tel­fris­tig Geld lei­hen kön­nen, fällt auf, dass die USA, deren FED Habeck ja aus­drück­lich lobt, sogar höhe­re Zin­sen zah­len müs­sen als Spa­ni­en. Man fragt sich also schon wie­der, wo die „Spe­ku­lan­ten“ sit­zen mögen, die Spa­ni­en „in die Knie“ zwin­gen wollen.

Der Abstand zwi­schen grie­chi­schen (2,05%) und deut­schen (-0,52%) Anlei­hen (Stand: März 2020) zeigt aber vor allem eines: Inves­to­ren glau­ben nicht an einen tat­säch­li­chen „gemein­sa­men Euro­raum“. Trotz der bereits eng ver­floch­te­nen Haf­tun­gen ver­lie­ren sie lie­ber Geld an den deut­schen Staat, als mit den Staa­ten Grie­chen­land oder Ita­li­en wel­ches zu ver­die­nen. Kämen „Coro­na-Bonds“, wie Habeck es sich wünscht, fän­den Inves­to­ren ande­re Mit­tel, die Risi­ken inner­halb der Euro-Staa­ten zu gewich­ten. Was der grü­ne Par­tei­chef pro­pa­giert, ist in der Lebens­mit­tel­in­dus­trie aus guten Grün­den ver­bo­ten: Fleisch mit abge­lau­fe­nem Halt­bar­keits­da­tum mit fri­schem zu mischen, neu zu ver­pa­cken und als „Mélan­ge de mai­son“ erneut anzu­bie­ten. Vor dem Ver­zehr ist in jedem Fall abzuraten.

PS: Wer übri­gens wis­sen möch­te, wie „Coro­na-Bonds“ oder „Euro-Bonds“ funk­tio­nie­ren könn­ten, der muss sich nur dar­an erin­nern, wie MBS (mor­tga­ge-backed secu­ri­ties) in den USA vor der Finanz­kri­se 2007/2008 funk­tio­nier­ten. Es geht auch bei „Euro-Bonds“ um das Rating, nichts wei­ter! Man möch­te errei­chen, dass Euro-Bonds das­sel­be posi­ti­ve Rating erhal­ten, wie etwa deut­sche Anlei­hen, damit die Zin­sen für den Emit­ten­ten nied­rig blei­ben. In den MBS steck­ten jede Men­ge Immo­bi­li­en­hy­po­the­ken unter­schied­lichs­ter Güte, die Pake­te erhiel­ten jedoch fast immer Best­no­ten von den Rating-Agen­tu­ren, selbst wenn sich unter einer dün­nen Sah­ne­schicht vor allem stark aus­fall­ge­fähr­de­te oder gar „not­lei­den­de“ Hypo­the­ken verbargen.

Am Ende ris­sen die­se selbst die guten Wer­te mit in den Abgrund. Es ist kein Zufall, dass die Befür­wor­ter von „Euro-Bonds“ oft auch die Ein­rich­tung einer euro­päi­schen Rating-Agen­tur for­dern, die dann mit der Risi­ko­ana­ly­se der „Euro-Bonds“ beauf­tragt wer­den könn­te. Ein Schelm, der da an Gefäl­lig­keits­gut­ach­ten und poli­ti­sche Ein­fluss­nah­me denkt! Denn sowas machen natür­lich nur gie­ri­ge Ban­ker! Staa­ten und deut­sche Par­tei­en han­deln stets rich­tig, ratio­nal und unei­gen­nüt­zig! Ich für mei­nen Teil hielt Euro-Bonds schon vor zwei Jah­ren für eine blö­de Idee und dabei blei­be ich.

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8 Kommentare

  1. > Den Dol­lar gibt es (gesetz­lich) seit 1792

    Eher seit 1971. Nixon-Schock und die Auf­he­bung der Gold­preis­bin­dung. Beim Dol­lar davor hat­te eine Unze Gold exakt 35$ wert zu sein, und konn­te ein­ge­tauscht wer­den. Dies wur­de ein­ge­stellt, nach­dem die Amis Geld­po­li­tik betrie­ben, mehr Geld gedruckt hat­ten, als sie Gold­re­ser­ven hatten. 

    Der Dol­lar nach 1971 ist fak­tisch ne ande­re Wäh­rung als der Dol­lar davor.

    Abge­se­hen davon ist die Regres­si­ons­li­nie des Herrn Dr. Mar­kus Kralls von eini­gen Extrem­wer­ten domi­niert. Wür­de man die Extrem­wer­te auf bei­den Sei­ten raus­neh­men, wür­de die Linie anders aussehen. 

    Mei­ner Mei­nung nach ist die bes­te Grö­ße, die man hat, die Ster­be­ra­te, und von da an kann man auf den Durch­seu­chungs­grad schlie­ßen, der bestimmt, inwie­weit das Medi­zin­sys­tem über­for­dert ist. Wenns nach dem Aus­bau des Medi­zin­sys­tems gin­ge, dürf­te Eng­land nicht unter den Top5 sein, und Tschechien/Polen/Estland und so wei­ter nicht so weit unten.

    Abge­se­hen davon: Die Ster­be­ra­te bei ARDS, was die medi­zi­ni­sche Bezeich­nung für Coro­na-Chans Wirk­me­cha­nis­mus ist, liegt unbe­han­delt bei 35% und 50%. Behan­delt liegt die Ster­be­ra­te bei 40%. Wenn man die Lun­ge lähmt und künst­lich beatmet – wobei dabei im Prin­zip die gan­ze Zeit ein dar­auf spe­zia­li­sier­ter Arzt neben dem Auto­ma­ten ste­hen muss – kommt man auf 35%. Auf-dem-Bauch-lie­gen vs. Auf-dem-Rücken-lie­gen hat einen grö­ße­ren Ein­fluss. Der Ein­fluss der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung wird über­schätzt. Die Fra­ge, wel­cher Stamm irgend­wo im Umlauf ist, spielt eine grö­ße­re Rol­le auf die Ster­be­ra­te, und der Durch­seu­chungs­grad, mul­ti­pli­ziert mit der Leta­li­tät des Stam­mes, bestimmt die Gesamt­zahl. Und der Durch­seu­chungs­grad scheint, auf den ers­ten Blick betrach­tet, mit Mul­ti­kul­ti und poli­ti­scher Kor­rekt­heit zu kor­re­lie­ren. Hug-a-Chi­ne­se-Day und Mas­ken­ver­schen­ken mit dem schwu­len Jens

    Immer die­se Betrieb­sam­keit. Man könn­te auch was aus der Situa­ti­on ler­nen, aber statt­des­sen stram­pelt man sich lie­ber ab, damit bloß nicht klar wird, wie bedeu­tungs­los die­ser gesell­schaft­li­che Scheiß eigent­lich ist. Das biss­chen Stei­ge­rung der Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit ist den gan­zen Stress doch nicht wert. Eigent­lich gehts nur dar­um, dass die Leu­te schiss vor der Erkennt­nis haben, dass ihr Ver­trau­en in Staat und Gesell­schaft fehl am Platz ist. Gott­ver­trau­en führt zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen, kos­tet aber weni­ger, und schränkt auch weni­ger ein.

    Naja, freu­en wir uns auf die zwei­te Wel­le. Und die drit­te. Und den gan­zen Scheiß, der danach pas­siert, wenn der Scheiß schei­tert, den man gemacht hat, um zu ver­hin­dern, dass das Uni­ver­sum einem end­lich den ver­dien­ten Schlag in die Fres­se gibt. Elen­des Herumgezappele.

  2. Erst Robert „Ich ken­ne kein Vater­land“ Habeck bei SPON, einen Tag spä­ter durf­te dann Jür­gen „Eine Eis­ku­gel“ Trit­tin bei WO ins sel­be Horn blasen.
    Aber hier wie dort kei­ne Nach­fra­ge, ob es z.B. auch Teil der euro­päi­schen Soli­da­ri­tät ist, dass alle im sel­ben Alter in Ren­te gehen. Oder ob auch in Zukunft eini­ge Fran­zo­sen bei­spiels­wei­se bereits mit Mit­te 50 das Ren­ten­al­ter erreicht haben, wäh­rend Deut­sche mög­lichst bis 70 arbei­ten sollen.
    Ob in Grie­chen­land Immo­bi­li­en in Zukunft ordent­lich ver­steu­ert wer­den oder ob noch immer die Regel gilt, wir bau­en nicht fer­tig dann müs­sen wir auch kei­ne Steu­ern zahlen. 

    Sei­en wir ehr­lich, wir wür­den das natür­lich auch alle in Anspruch neh­men, wenn der Staat uns ließe.
    Aber frü­he­re Ren­te und weni­ger Steu­ern und dann von ande­ren mehr Soli­da­ri­tät erwar­ten ist ein wenig unverschämt.
    Das gan­ze läuft aber offen­sicht­lich unter dem Mot­to: Ver­är­gert ihr eure Wäh­ler, dann müs­sen wir es nicht mit den unse­ren tun.

  3. … Herr Land­gre­be, Sie haben natür­lich unein­ge­schränkt Recht… nur:

    Auch (oder gera­de…) Dem­ago­gen sind Idi.… ! 

    Daß die, die ihnen nach­lau­fen, die noch grö­ße­ren Idi… sind, ist die Kehr­sei­te der Medaille!

  4. Herr Hobeck ist kein Idi­ot son­dern ein Ideo­lo­ge und Dem­ago­ge. Mit sei­nem Drei­ta­ge­bart und Schlaf­zim­mer­ge­sicht ver­brei­tet er eine ver­schla­ge­ne Harmlosigkeit.

    • Also ein Mer­ke­list und wür­di­ger Nach­fol­ger. Baby­face und faust­dick hin­ter den Ohren.

  5. Sor­ry … „Herr“ Habeck „denkt“…, „Herr“ Habeck wünscht…, „Herr“ Habeck meint…
    Ich mei­ne, der „Herr“ Habeck ist ein Idi.….. !

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