„Vision für 2036“ heißt die Artikelserie, in der T‑Online das Spitzen­per­son­al deutsch­er Parteien bit­tet, in die Kristal­lkugel der eige­nen Erwartun­gen zu blick­en. Die Idee ist char­mant und gle­ichzeit­ig eine geschickt gestellte Falle. Denn wenn die Real­ität nicht wie son­st üblich ständig im Weg ist und der ide­ol­o­gis­che Gedanke frei fliegen kann – solange er der Parteilin­ie fol­gt – entwirft er oft eine Zukun­ft, in der sich der Bürg­er eigentlich lieber nicht aufhal­ten möchte. Man sollte Poli­tik­ern ohne­hin viel häu­figer zuhören, wie sie sich die Zukun­ft der Kinder vorstellen, die sie selb­st oft nicht haben, wenn man sie beim Lügen über die Gründe erwis­chen will, warum man sie über­haupt wählen soll. Den Auf­takt zur Inter­view-Serie machte Chris­t­ian Lind­ner und der bewies, was für ein hem­mungslos­er Oppor­tunist er ist, indem er eine Kli­mawan­deldystopie her­beiza­uberte, wie sie die Grü­nen nicht schreck­lich­er hät­ten an die Wand malen kön­nen. Doch gestern war die Linke dran und die schick­ten ihr tapfer­stes Rev­oluzzer-Rotkäp­pchen Kat­ja Kip­ping nach vorn, die uns erzählen sollte, wie 2036 wird, wenn es nach den Linken geht.

Grundeinkommen und „Zeitwohlstand“ für alle durch 20-Stunden-Woche

Bei der Suche nach dem unter­drück­ten und aus­ge­beuteten Pro­le­tari­er, den sie von den Fes­seln der Arbeit befreien kön­nte, haben Marx­is­ten wie Kip­ping längst eine Abstrak­tion erre­icht, die in der Wirk­lichkeit keine Entsprechung hat. Dabei spielt offen­bar keine Rolle, wie jemand heute sein Ver­hält­nis zur Arbeit definiert, wie fließend die Übergänge von Arbeit­szeit zu Freizeit in vie­len Berufen sind und wie erfül­lend es sein kann, an einem faszinieren­den Pro­jekt auch mal 100 und mehr Stun­den am Stück zu arbeit­en. Wis­senschaftler arbeit­en so. Kün­stler arbeit­en so. Linke arbeit­en so offen­bar nie.

„Umfra­gen zeigen, dass die Men­schen sich jet­zt schon eine 30-Stunde-Woche wün­schen. Mein Ziel ist die 20-Stun­den-Woche. Mir geht es um Zeit­wohl­stand für alle. Zeit ist die kost­barste Ressource, weil sie endlich ist.“

Was waren das für Umfra­gen und was genau war die Frage? Ging es nur um weniger Arbeit­szeit oder auch um gerin­geres Einkom­men? Hat jemand, der nur 20 Stun­den arbeit­et, einen größeren „Zeit­wohl­stand“ erre­icht, als jemand, der 40 Stun­den arbeit­et? Sind in dieser verz­er­rten Wahrnehmung nicht aus­gerech­net Arbeit­slose die wohlhabend­sten Men­schen? Und wenn ein Men­sch nicht arbeit­et und der andere 40 Stun­den, arbeit­en dann nicht im Grunde bei­de zusam­men je zwanzig? Schon deshalb, weil der 40er die Sozialleis­tun­gen erwirtschaftet, die der 0er benötigt, um seinen „Wohl­stand“ zu genießen? Ich breche die Satire hier ab, denn ich stelle keineswegs das Sys­tem unser­er sozialen Grund­sicherung in Frage, das tut unsere Regierung von ganz allein, indem sie Fak­ten schafft, die das Sys­tem bin­nen weniger Jahre zer­stören wer­den. Man muss aber immer wieder solche über­spitzten Fra­gen stellen, um dilet­tieren­des linkes Wirtschafts­denkens bloß zu leg­en. Solange näm­lich die 20-Stun­den-Woche nicht per Zwang einge­führt wird, wird es immer Men­schen geben, die mit ihrer restlichen Zeit nicht besseres anz­u­fan­gen wis­sen, als sie eben­falls mit wohl­standerzeu­gen­der Arbeit zu ver­brin­gen – schon deshalb, um im Alter irgend­wann eine Null-Stun­den-Woche genießen zu kön­nen. Die Idee jedoch, man könne den Men­schen per Ukas vorschreiben, wie sie ihre Zeit zu ver­brin­gen haben, kön­nte typ­is­ch­er nicht sein für jeman­den, der von marx­is­tis­ch­er Ide­olo­gie ger­adezu durch­drun­gen ist.

Das Recht auf unbezahlte Arbeit

„Wenn alle dann nur halb so lang arbeit­en, fällt kein­er ins Boden­lose und alle haben Zeit für die anderen wichti­gen Dinge im Leben. Und wir brauchen viel mehr für die Arbeit mit Men­schen, in Bil­dung und Pflege.“

In diesem Satz zum Beispiel liegt ger­adezu eine Welt, vielle­icht auch nur ein Archipel. Ein Archipel Gulag. Und die typ­isch linke Vorstel­lung, bezahlte Arbeit sei etwas Schmutziges, See­len­los­es, etwas, das pro­fane Dinge schafft, die eh kein­er haben will und die uns durch „Kon­sumter­ror“ aufgezwun­gen wer­den. Die frei gewor­dene Zeit möchte die rote Kat­ja näm­lich nicht nut­zlosen Betra­ch­tun­gen und Vergnü­gun­gen opfern. Stattdessen soll nüt­zlich­es damit getan wer­den. „Arbeit mit Men­schen, in Bil­dung und Pflege.“ Alles Dinge, für die viele Men­schen heute einen erhe­blichen Teil ihrer Woche (meist so um die 40 Stun­den) auf­brin­gen und dafür – so viel Kap­i­tal­is­mus muss schon sein – bis­lang auch noch bezahlt wer­den! Eine schöne neue Welt, in der alle nur noch halb so viel „arbeit­en“ um sich dann „anderen“ Din­gen wie Bil­dung, Pflege und „Arbeit mit Men­schen“ ohne mon­etäre Forderun­gen zu wid­men. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber wenn ich heute Kom­mu­nis­ten von „Arbeit mit Men­schen“ reden höre, suche ich den Hor­i­zont nach Flucht­möglichkeit­en ab.

Kip­ping ist lei­der zu jung, um am sam­stäglichen „Sub­bot­nik“ in der DDR einen Spat­en gehal­ten haben zu kön­nen, weshalb sie sich wohl nur daran erin­nerte, dass die anwe­senden Erwach­se­nen immer so unglaublich fröh­lich waren, neben ihrer Arbeit an einem Sam­stag im Monat noch „frei­willig“ Parks und Rabat­ten zu pfle­gen. Aber das geht im Jahr 2036 natür­lich auch anders: da die 20-Stun­den-Woche auf Geheiß des mit­teleu­ropäis­chen Zen­tralkomi­tees einge­führt wurde und das von Kip­ping einge­führte bedin­gungslose Grun­deinkom­men ger­ade mal für die Hälfte der Miet­preis­bremsmi­ete reicht, leis­ten ger­ade die weni­gen verbliebe­nen Handw­erk­er mit ihrem „Zeit­wohl­stand“ soziale Arbeit, indem sie bei den Nach­barn Fliesen ver­legen, Duschen instal­lieren oder Hunde frisieren. Das bringt uns den Ver­hält­nis­sen im Arbeit­er- und Bauern­paradies DDR wieder deut­lich näher.

„Das beste Mit­tel, um mit­tel­ständis­che Unternehmen zu unter­stützen lautet, die Kaufkraft zu stärken. Es ist bekan­nt, dass Men­schen mit kleineren Einkom­men zusät­zlich­es Geld stärk­er vor Ort aus­geben. Das kurbelt den Umsatz an. Dazu kommt: Volk­swirtschaften hän­gen zusam­men. Wenn die einen mehr exportieren als importieren, entste­hen Han­del­süber­schüsse und das befeuert Krisen ander­swo. Die schla­gen dann auch zurück. Deshalb geht der Leit­satz von der nationalen Wet­tbe­werb­s­fähigkeit fehl. Es wäre bess­er, es würde möglichst viel vor Ort gefer­tigt.“

Ein Merk­mal link­er Ide­olo­gie, der sich wie ein rot­er Faden durch all ihre Pläne zieht, ist die fixe Idee, man müsse Wirtschaft möglichst vor Ort in Ket­ten leg­en, Poli­tik hinge­gen immer möglichst inter­na­tion­al, ja, inter­na­tion­al­is­tisch auf­stellen. Das, was an Mit­tel­stand in Deutsch­land noch übrig ist, pro­duziert auch für den Export, oft sog­ar größ­ten­teils. Und aus­gerech­net dieser Export ist sehr wohl von der Wet­tbe­werb­s­fähigkeit abhängig, die sich aus zahlre­ichen Fak­toren speist. Dazu gehören Bil­dung, Infra­struk­tur, Rechtssicher­heit, Währung und vieles mehr. Wer hier, und sei es nur in einem Inter­view, von „Umsatz ankurbeln“ und „Volk­swirtschaften hän­gen zusam­men“ faselt, offen­bart eine bestürzende ökonomis­che Ahnungslosigkeit. So wenig man also den Grü­nen die innere Sicher­heit anver­trauen sollte, so wenig kann man der Linken die Wirtschaft­spoli­tik anver­trauen.

„Wir wollen Mil­lio­nen­ver­mö­gen besteuern, weil wir das Geld brauchen für Bil­dung und im Kampf gegen Armut. Als Sozial­istin­nen wollen wir zudem andere For­men von Eigen­tum stärken, zum Beispiel Genossen­schaften. In ein­er Genossen­schaft hätte jed­er Eigen­tümer einen Frei­be­trag. Wer sol­i­darisch wirtschaftet, wird belohnt.“

Bil­dung, soeben noch von Kip­ping in den Bere­ich des Freizeitvolon­tari­ats gerückt, kostet auf ein­mal doch Geld! Die Vorstel­lung, eine Hand­voll Dagob­ert Ducks säße in Deutsch­land auf einem Topf voller Gold und wenn man das erst wegges­teuert habe, könne man alle sozialen Wün­sche erfüllen, ist so unaus­rot­tbar wie das Gerücht von der Vogel­spinne in der Yuc­ca-Palme. In Zeit­en, in denen die Bun­desregierung Phan­tastil­liar­den Euro in Ret­tungsplä­nen und Bürgschaften im Feuer hat, erscheinen die großen Ver­mö­gen der üblichen Verdächti­gen gar nicht mal so gewaltig. Blöd ist zudem: man kann an die Ver­mö­gen nur ein­mal ran. Wenn man die Fam­i­lie Karl Albrecht nach linken Gerechtigkeit­sphan­tasien „behan­deln“ würde und bis auf das monatliche Gehalt eines Aldi-Mark­tleit­ers abschöpfen würde (was noch leicht unter dem Einkom­men eines linken Bun­destagsab­ge­ord­neten läge) kämen bei jedem Bun­des­bürg­er ein­ma­lig ca. 220 Euro an. Also etwa so viel, wie Oscar Lafontaine für eine Kiste seines geliebten Rotweines zahlen dürfte. Schon nach weni­gen Wochen wäre das Geld weg und ein men­schen­würdi­ges Leben im Saar­land kaum mehr möglich, man müsste an den näch­stärmeren Mil­liardär ran und die Rebe gäbe nach nur weni­gen Opfern später nur noch „Kröver Nack­tarsch“ für alle her. Ver­mö­gen entste­hen, Ver­mö­gen verge­hen – wer wüsste dies bess­er als Fam­i­lie Schickedanz oder aktuell die Aktionäre der Metro. Ver­hin­dert man hinge­gen ihre Entste­hung, muss man irgend­wann außer der Flucht über die eigene Staats­gren­ze gar nichts mehr ver­hin­dern.

Nationalstaat vs. sozialistische Internationale

„Deutsch­land sollte in allen Bünd­nis­sen bleiben – nur über den Spezial­fall Nato, die wir auflösen wollen, müssen wir gle­ich noch reden. Mul­ti­lat­er­al­is­mus ist ohne Alter­na­tive. Organ­i­sa­tio­nen wie die Unesco, UNHCR, die UN, die Kli­maforen müssen wir stärken. Andere wie die EU müssen wir demokratisieren. Die Nato wollen wir über­flüs­sig machen.“

Zur NATO-Pho­bie der Linken komme ich gle­ich noch, zunächst zur bere­its erwäh­n­ten Nei­gung der Linken zum Mul­ti­lat­er­al­is­mus. Dum­mer­weise sind näm­lich alle sozial­staatlichen Ein­rich­tun­gen und Errun­gen­schaften nation­al­staatlich organ­isiert. Es gibt keine inter­na­tionale Renten­ver­sicherung, keine inter­na­tionale Gew­erkschaft und selb­st unser Asyl­recht bedarf ein­er wichti­gen nation­al­staatlichen Entität, um über­haupt wirken zu kön­nen: Eine Gren­ze, die einen unsicheren Raum von einem sicheren Raum tren­nt, in den man über­haupt fliehen kann. Jede soziale Errun­gen­schaft der let­zten 100 Jahre ver­dankt sich einem funk­tion­ieren­den Nation­al­staat, wobei fair­erweise ange­merkt sein muss, dass auch nation­al­is­tis­che Bewe­gun­gen zum Out­put gehören. Wie man allerd­ings auf die Idee kom­men kann, aus­gerech­net die UN sei eine Organ­i­sa­tion, die es zu „stärken“ gälte, ist mir schleier­haft. „Stärken“ bedeutet in diesem Kon­text näm­lich nicht, ein Löf­felchen Leber­tran oder Sanos­tol, son­dern Geld und Kom­pe­tenz. Und da, wo die NATO „über­flüs­sig“ sei, möchte Kat­ja Kip­ping Befug­nisse ein­er Organ­i­sa­tion aufgew­ertet sehen, in der Despoten, Dik­ta­toren, Putschis­ten, Erzkom­mu­nis­ten, Islamis­ten und Erb-Monar­chen die Stim­men­mehrheit haben. Demokratis­che Legit­i­ma­tion haben jeden­falls die aller­wenig­sten der UN-Mit­glieder – wie bei Lenins Bart kommt Kip­ping dann auf die Idee, von dort wären eher Lenkung und Weisheit zu erwarten, als von einem nationalen Par­la­ment, dass durch freie Wahlen zusam­menge­set­zt wurde? Sel­bige Frage gilt übri­gens auch für die EU, nur eine Ebene unter der weltweit agieren­den UN.

„Ich bin gegen Rena­tion­al­isierung. Man muss die soziale Dimen­sion der EU stärken. Die EU sollte alle Mit­glied­staat­en verpflicht­en, eine sank­tions­freie Min­dest­sicherung einzuführen. Die Höhe kann sich unter­schei­den, je nach­dem ab wann in einem Land das Armut­srisiko begin­nt. Eine solche Min­dest­sicherung wäre der materielle Aus­druck ein­er sozialen Unions­bürg­er­schaft. Sie müsste wie jede Min­dest­sicherung über Steuern finanziert wer­den. Die Sozialver­sicherungssys­teme mit ihren Anwartschaften soll­ten dage­gen weit­er nation­al geregelt wer­den. Sie kämen dann genau­so wie Arbeit­slohn oben­drauf.“

Ich beantrage die Zulas­sung dieser Antwort als Beweis­stück „A“. Kat­ja Kip­ping mag die Rena­tion­al­isierung nicht, will aber die „sank­tions­freie Min­dest­sicherung“ an eine Staatzuge­hörigkeit und deren Armut­srisiko binden? Ein klar­eres Jein wurde zum Nation­al­staat wurde wohl nie gesprochen.

NATO-Phobie und Russophilie

 „Soll­ten wir in die Regierung kom­men, sollte Deutsch­land das Ein­stim­migkeit­sprinzip der Nato nutzen und inner­halb der Nato per Veto Krieg­sein­sätze und Aufrüs­tung block­ieren. Per­spek­tivisch wollen wir die Nato über­flüs­sig machen, stattdessen die UN stärken und sie zu einem Sys­tem kollek­tiv­er Sicher­heit machen. Spätestens seit Trump und Erdo­gan kann nie­mand mehr die Augen davor ver­schließen, dass die Nato kein Wer­te­bünd­nis ist. Als Boll­w­erk des West­ens gegen Rus­s­land hat es sich sowieso his­torisch erledigt.“ 

Um ehrlich zu sein, ich wüsste derzeit auch nicht zu sagen, was gegen einen Aus­tritt der Türkei aus der NATO spräche. Aber Trump hin oder her: ohne die USA gäbe es über­haupt keine NATO! Für mich und mein Ver­ständ­nis im Mil­itärischen war und ist die NATO nichts als ein exk­lu­siv­er Club, der im Ern­st­fall eine richtige Armee zu Hil­fe rufen kann. Insofern war und ist die NATO sehr wohl ein Wer­te­bünd­nis. Ein Bünd­nis näm­lich, dass seinen Mit­gliedern die Frage stellt: was ist es dir wert, dass die USA die Dreck­sar­beit erledigt, während du dir auf „No blood for oil“ Demos und Palästi­na-Soli-Ver­anstal­tun­gen ein gutes Gewis­sen ver­schafft hast. Was die NATO ohne die USA wert war, was europäis­che Diplo­matie und Friedens­be­seeltheit wert waren, kon­nten wir haut­nah in den Jugoslaw­ien-Zer­fall­skriegen beobacht­en, als die Europäer nicht mal vor ihrer eige­nen Haustür in der Lage waren, „ein Sys­tem kollek­tiv­er Sicher­heit“ herzustellen. Zwar sehe ich Rus­s­land auch nicht als akuten Feind, gegen den es ein Boll­w­erk braucht. Diese Tat­sache ist jedoch ger­ade nicht das Ergeb­nis link­er Außen­poli­tik oder rus­sis­ch­er Fried­fer­tigkeit, son­dern wirtschaftlich­er Potenz bzw. Unver­mö­gens.

„Der Kon­flikt in der Ukraine zeigt doch, dass die alte Poli­tik Kon­flik­te eher ange­heizt hat, statt sie zu ver­hin­dern. In der Ukraine gab es immer schon das Poten­zial von inter­nen Fliehkräften. Das EU-Assozi­ierungsabkom­men mit der Ukraine hat diese Fliehkräfte gestärkt. Und dann kamen noch kor­rupte Oli­garchen und eine aggres­sive Außen­poli­tik Rus­s­lands dazu.“

Der Kon­flikt in der Ukraine zeigt lediglich, wie begren­zt die Möglichkeit­en Rus­s­land sind und wie wenig die EU Putin und wie wenig Putin die EU ver­ste­ht. Linke wie Kat­ja Kip­ping ver­ste­hen Putin allerd­ings keinen Deut bess­er.

 „Ich sehe jeden­falls, dass die Poli­tik, die jahrzehn­te­lang von der Nato geprägt wurde, keinen Frieden gebracht hat. Abschreck­ung hat keinen Frieden gebracht. Also warum nicht auf ein Sys­tem der kollek­tiv­en Sicher­heit set­zen?“

Diese Abschreck­ung hat vierzig Jahre lang den Frieden in Europa gesichert, Du dumme Nuss! Schon vergessen? Wäre es anders, säßest du jet­zt nicht mit Pro­porz-Man­dat im Bun­destag und ich kön­nte (und müsste) mich nicht mit deinen alber­nen Aus­sagen befassen. Es spricht nichts dage­gen, sich mit Putin zu ver­ständi­gen. Doch die Spiel­regeln wer­den schon unter seinem Nach­fol­ger mit großer Wahrschein­lichkeit andere sein, wie soll man da von „kollek­tiv­er Sicher­heit“ sprechen? Für die Andeu­tung eines Ver­sprechens den Schutz der USA/NATO aufgeben? Nie­mand der bei Ver­stand ist und den Zus­tand unser­er Bun­deswehr ken­nt, wäre so dumm. Na ja, fast nie­mand. Denn auf die Frage, ob es in der links­drehen­den Dystopie von Kat­ja Kip­ping auch sowas wie Bünd­nis- und Bei­s­tand­spflicht gäbe, antwortet diese:

 „Nein, wir wollen die UN stärken und anson­sten eine andere Herange­hensweise: Wir wollen kein Vertei­di­gungs­bünd­nis und keine Bei­s­tandsverpflich­tun­gen. Die Welt braucht vielmehr zivile Kon­flik­t­präven­tion. Wir müssen raus aus der Logik der Aufrüs­tung und Mil­i­tarisierung.“

Schon wieder die UN! Die Welt hat Mund­wass­er und Zahn­sei­de, wer muss da noch zum Bohrer greifen! Zah­narzt­bohrer zu Pflugscharen! Merken sie was? Noch nicht? Kommt noch! Später vielle­icht…, wenn Karies trotz aller zivilen Kon­flik­t­präven­tion doch mal zuschla­gen sollte. Das sieht auch unsere Kat­ja ein.

„Autoritäre Herrsch­er sind ein Prob­lem.“

Und die gibt’s wirk­lich!

 „Ja, aber nicht nur in Rus­s­land. Die Türkei hat in Syrien die demokratis­che Enklave Afrin zer­stört, die Kur­den ver­trieben und islamistis­che Milizen unter­stützt. Auch gegen den Islamis­mus hat die Nato nicht geholfen. Der Krieg gegen den Ter­ror ist gescheit­ert: Es gibt heute lei­der nicht weniger Islamis­ten, son­dern mehr.“

Also weniger Zahn­sei­de und weniger Zah­närzte?

„Ich frage nicht, wer zur Waffe oder Bombe greift. Mich beschäftigt, wie man ver­hin­dert, dass sich die Frage stellt.“

Mit­ten hinein in Ver­mei­dung und Präven­tion. Angesichts der Welt­lage ist dieser Ansatz aber in etwa so sin­nvoll, wie sich im acht­en Schwanger­schaftsmonat den Kopf über Ver­hü­tung zu zer­brechen. Präven­tion in allen Ehren aber wer von vorn here­in auss­chließen will, dass seine Bemühun­gen auch scheit­ern kön­nen, lei­det entwed­er an Größen­wahn oder ide­ol­o­gis­ch­er Verblendung – in Kip­pings Fall wohl an bei­dem.

 „Wenn man dem Islamis­mus den Nährbo­den entziehen will, braucht man keine Bomben, son­dern vor allem sehr viel Geld und einen Mar­shallplan für den Nahen Osten. Die Logik der Eskala­tion spielt der Rekru­tierung der Islamis­ten vielmehr in die Hände.“

Ein neuer Marshallplan und Steueroasen nach EU-Norm

Einen Mar­shallplan für den Nahen Osten? Wer soll den denn noch bezahlen, wenn wir alle nur 20 Stun­den arbeit­en und in unser­er Freizeit Fliesen ver­legen und Alte pfle­gen müssen? Oder soll die 20-Stun­den-Woche nur für Islamis­ten gel­ten, um ihnen die Kan­di­dat­en abspen­stig zu machen? Ich dachte ja bis­lang, den „Nährbo­den“ entzieht man den Islamis­ten am effek­tivsten dadurch, dass man sie nicht ernährt. Sollte der Staat nicht genau dort anset­zen?

„Wir gehen davon aus, dass min­destens 11.000 Steuer­prüfer fehlen. Die müssten wir schaf­fen. Das sind Arbeit­splätze, die direkt Geld ein­brin­gen. Bis zu 1,5 Mil­lio­nen Euro im Jahr pro Betrieb­sprüfer. Außer­dem wollen wir jeden Euro, der in Steueroasen fließt, direkt mit 50 Prozent besteuern. Der Betr­e­f­fende muss dann nach­weisen, dass es sich nicht um Steuer­hin­terziehung han­delt.“

Mehr Beamte, mehr Ver­wal­tung, mehr Bürokratie, mehr Kon­trolle, mehr Willkür, mehr Nährbo­den für Islamis­ten. Deutsch­land, das Land der Steuer­prüfer, Denun­zianten und Block­warte, präsen­tiert von der Linken. Steuerg­erechtigkeit lässt sich nach Mei­n­ung der Linken am besten dadurch her­stellen, dass man mit Zwang, Zeu­gen und Zan­gen das Geld aus dem let­zten Bettzipfel presst, anstatt durch nachvol­lziehbare und maßvolle Besteuerung Anreize zur Steuerehrlichkeit zu geben. Wobei ich jet­zt schon unbe­wusst die Argu­men­ta­tion Kip­pings übernehme und unter­stelle, dass es sich um Betrug han­delt, nicht um Steuerver­mei­dung. Betrug ist nicht zu entschuldigen, Steuerver­mei­dung dage­gen Bürg­erpflicht – erst recht die eines Unternehmers! Nie­mand muss mehr Steuern zahlen, als er eben muss! Selb­st jed­er Befür­worter möglichst sim­pler Bierdeck­el-Steuerge­set­ze ist der Mei­n­ung, dass in seinem konkreten Fall schon alles sehr genau und detail­liert ablaufen müsse. Wer Steuerver­mei­dung anprangert, ist nichts als ein erbärm­lich­er Heuch­ler!

 „Die EU sollte strenge Stan­dards dafür [für Steueroasen] fes­tle­gen.“

Wie gesagt: Heuchelei! Genau wie die Idee, den Wohnort als Maßstab der Besteuerung abzuschaf­fen.

 „Momen­tan kann man seine Einkom­men­steuer drück­en, wenn man den Wohnort in ein anderes Land ver­lagert. Wir fordern die Steuer­staats­bürg­er­schaft: Wer etwa in Mona­co weniger Steuern zahlt, muss die Dif­ferenz hier nachzahlen.“

Hier muss ich lachen, denn Kat­ja Kip­ping scheint ihre Vorstel­lung von Steuer­paradiesen aus Grace-Kel­ly-Fil­men zu haben. Mona­co! Wohnort! Ket­ten wären sich­er prak­tis­ch­er. Und notwendig. Denn wir erin­nern uns, dass es aus­gerech­net Kat­jas feuchter Traum Rus­s­land war, der dem Steuer­flüchtling Gérard Depar­dieu angesichts der Hollande’schen Steuer­reform gern mit Wohnort und Staats­bürg­er­schaft aushalf. Fällt sich­er auch unter „zivile Kon­flik­t­präven­tion“. Was kommt als näch­stes? Zwangs-Staats­bürg­er­schaft? So wie im Iran oder Sau­di-Ara­bi­en, deren Staats­bürg­er­schaft man ein­fach nicht los wird, weil sie ihre Bürg­er nur ungern aus dem ver­meintlichen Paradies ent­lassen? Da wären wir ja auch hierzu­lande nicht mehr weit ent­fer­nt vom kip­pingschen Arbeit­er- und Bauern­paradies DDR.

„Das ist übri­gens gar nicht beson­ders sozial­is­tisch – in den USA gilt das längst.“

Ja, allerd­ings auch mit anderen Steuer­sätzen. Der Spitzen­s­teuer­satz von 39,6% wird für Fam­i­lien bei einem Jahre­seinkom­men von 470.000 Dol­lar fäl­lig. Zum Ver­gle­ich: in Deutsch­land sind es 45% ab 260.000 Euro (ab 55.000 Euro ist man auch schon mit 42% dabei). Wer möchte da nicht Bürg­er der USA sein.

„Und wenn jemand ander­swo mehr zahlt? Bekommt er dann Steuern erstat­tet?“ fragt der Inter­view­er von T‑Online noch. Kip­pings Antwort fällt knapp und unbe­grün­det aus wie ein Parteitags­beschluss: „Nein, dann hat er Pech gehabt.“

Glück muss man halt haben. Pech hinge­gen hat, wer 2036 in einem dein­dus­tri­al­isierten Deutsch­land leben muss, wenn es nach Kat­ja Kip­pings Träu­men umge­baut wurde. #ohne­mich!

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10 Kommentare

  1. Wie nur kommt ein solch­er Dummkopf in die Poli­tik? Keine Ahnung von dieser, aber auch von der Wirtschaft nicht. Von der Poli­tik habe ich eine kleine Ahnung (bilde ich mir zumin­d­est ein), von der Wirtschaft abso­lut keine. Doch habe es sog­ar ich erkan­nt, daß KK auss­chließlich Dummheit­en redet. Darum meine Frage am Anfang.
    lg
    caru­so

    • “Doch habe es sog­ar ich erkan­nt, daß KK auss­chließlich Dummheit­en redet. ”

      Wenns Stim­men bringt, reicht das doch. Oder geht es etwa um etwas anderes?

      Mal abge­se­hen davon, fände ich eine 20-Stun­den-Woche auch gut. Wäre sog­ar ein­fach real­isier­bar. Ein­fach die Steuern auf 0% senken, dann haben alle sog­ar bei ein­er 20-Stun­den-Woche mehr als jet­zt. Außer natür­lich Beamten, und was son­st noch vom Geld ander­er Leute lebt.

  2. Kip­pings Gerede über Krieg und Frieden ist infan­til. Zu einem Frieden gehören zwei, zu einem Krieg reicht schon ein­er. Und seit der Teheran­er Geisel­nahme in der US-Botschaft 1979 bis 1981 erleben wir einen kaum ver­hüll­ten Krieg des Islam (nicht ‑ismus…) gegen die west­liche Welt. Geopoli­tisch sitzen ehe­ma­liger West­block und Ost­block längst im gle­ichen Boot. Bei­de vertei­di­gen näm­lich die Errun­gen­schaften der jüdisch-christlich-europäis­chen Kul­tur.

    Egal wer ger­ade in den USA oder in Rus­s­land am Rud­er ist: Bei­de Län­der haben große und qual­i­fizierte Think­tanks und solide Diplo­maten­schulen. Bei­de ver­fü­gen mit den Five Eyes über erstk­las­siges Hin­ter­grund­wis­sen – im Gegen­satz zu Kon­ti­nen­taleu­ropa, das immer noch von pubertären Jugendlichen und ihren Weltverbesserungsträu­men regiert wird. Das ist lei­der in hohem Maße auch in Mit­telmeer­län­dern wie Frankre­ich und Ital­ien zu sehen, deren bek­iffte Jugend für den Sozial­is­mus auf die Straße geht.

    Meine Hoff­nung ist, dass Mit­telosteu­ropa hier an die besseren Tra­di­tio­nen anknüpft. Polen und Hab­s­burg wer­den sich bald aus unserem Kinder­garten ver­ab­schieden, wie es Britain längst getan hat und Skan­di­navien wohl ins­ge­heim auch schon erwägt.

    Wer vertei­digt dann Wes­teu­ropa gegen die reak­tionären Massen? Die ver­has­sten Amis oder Russen? Oder die ischi­askranken Poli­tikprofis aus dem Maas-Rhein-Mosel-Raum (Bel­gien, Lux­em­burg, Saar­land, NRW)?

  3. Mir ist keine IDE­OLO­Gie bekan­nt, welche die Men­schheit weit­erge­bracht hätte. Jed­er Ide­ologe vertei­digt seine Inter­essen und sein darauf aufge­bautes Welt­bild bis aufs Blut. Die jew­eili­gen Spitzen­pro­tag­o­nis­ten sind aus­tauschbar.

  4. “Wir müssen raus aus der Logik der Aufrüs­tung und Mil­i­tarisierung.“ ist doch schon soweit, heute reichen gegen das deutsche Volk schon sim­ple Mess­er auf der Straße.…

  5. Hach ja, diesel­ben sozial­is­tis­chen Fan­tasien wie eh und je. Ich kenne sie alle, und ich habe auch­den Sozial­is­mus in vollem Gal­lopp sehen dür­fen (nicht als Genosse, nur als faschis­tisch-kap­i­tal­is­tis­ch­er Feind aber Devisen­bringer).
    Ich fürchte aber, die Linke hat die Rech­nung ohne die Geschenke der offe­nen Gren­zen gemacht. Die wer­den ihr den Marsch blasen, wenn sie gemütlich gemein­nützig irgend erwas mit­machen sollen. Die sind hier, um auf irgend eine Art Kohle zu machen. Und die 220€ pro Kopf gibt es auch nicht, bis 2036 haben alle Reichen hier schon den Gröne­mey­er gemacht.

  6. Verehrter Herr Letsch ,
    auch von mir ein dick­es Kom­pli­ment dafür , das Sie es schaf­fen den bull-shit talk der Frau Kip­ping der­art intel­li­gent und humor­voll zu kom­men­tieren . Mir wäre dazu kein vernün­ftiger Halb­satz einge­fall­en . Respekt !

  7. Wenn wir sie nicht gründlich rezip­ieren, wer­den sie uns eines Tages regieren. Das gilt es zu ver­hin­dern, dazu ist kein Aufwand zu hoch. 😉

    • Sie regieren uns schon. Merkels Poli­tik ist eine Poli­tik der linken Ein­flüster­er. Die hörige CDU ist nur noch Stim­mvieh für links-grüne Gut­men­sch­stand­punk­te. Aber Sie haben vol­lkom­men recht. Man kann nicht taten­los zuschauen. Geht mir selb­st so. Schreibe mir bald die Fin­ger wund.( für mein seel­is­ches Gle­ichgewicht und so was ähn­lich­es wie Gerechtigkeit­sempfind­en) Sin­nvoller kann man seine geisti­gen Kapaz­itäten nicht ver­prassen!

  8. Uuu­u­uh, Herr Letsch, ich bekomme Gänse­haut, wenn ich zuviel von diesem zusam­men­hanglosen, unl­o­gis­chen Gebrabbel ein­er Kip­ping rezip­ieren muß! Mal wieder meine Hochachtung, mit wieviel Ern­sthaftigkeit Sie auf diesen Unsinn einge­hen. Es tut mir schon als Außen­ste­hen­der leid um Ihre ver­schwen­de­ten men­tal­en Ressourcen für diesen Ein­satz . Perlen vor die Säue!
    Aug­stein, Kip­ping, KGE, Habeck und Co, also reiche nicht­snutzige Erben, Parteivertreter ohne Arbeit­ser­fahrung, eine Stu­di­en­ab­brecherin der The­olo­gie und ein Kinder­buch­schreiber­ling wollen Poli­tik machen für die arbei­t­ende Bevölkerung? Je klein­er das Licht, umso phan­tasielos­er und zwang­hafter die Ziele
    solch­er Per­so­n­en. Die Men­schen reagieren langsam, aber wenn sie richtig sauer wer­den, wird das nicht der Stoff sein für Kinder­büch­er, ver­wöh­nte Mil­lionäre und abge­halfterte The­olo­gi­es­tu­dentin­nen.

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