Das Gute,
die­ser Satz steht fest,
ist stets das Böse,
was man lässt.
(Wil­helm Busch)

Die klein­lau­te Mel­dung, dass die ukrai­ni­schen Sol­da­ten, wel­che die Schlan­gen­in­sel im Schwar­zen Meer ver­tei­dig­ten, wohl doch nicht den Hel­den­tod gestor­ben, son­dern gefan­gen genom­men wur­den, schafft es in der Goog­le­su­che noch nicht auf die vor­de­ren Plät­ze. Man soll­te eigent­lich froh dar­über sein, dass deren erfri­schend fre­ches „Fuck you“ an die rus­si­sche Mari­ne nicht zum Tod geführt hat, sofern sie es wirk­lich so gesagt und nicht statt­des­sen einen def­ti­gen rus­si­schen Fluch ver­wen­det haben, was ja auch in Ord­nung wäre. Doch statt Freu­de über das Lebens­zei­chen liest man zwi­schen den Zei­len ein selt­sa­mes Bedau­ern dar­über, dass sich wie­der mal einer die­ser „schö­nen Mythen“ von Hel­den­mut und Opfer­tod in Luft auflöst.

Da wir Par­tei in die­sem Krieg sind, fin­den die Schlach­ten natür­lich auch bei uns statt. Wenn schon nicht auf deut­schem Boden, dann doch in den Köp­fen. Und mei­ne Güte, wie groß sind die Ver­hee­run­gen, die dort ange­rich­tet wer­den! Sich dar­über bewusst zu wer­den, dass jede Mel­dung aus der und über die Ukrai­ne mit Lügen, Pro­pa­gan­da und Über­trei­bun­gen ange­rei­chert sein kann, soll­te man stets ein­kal­ku­lie­ren. Das bedeu­tet natür­lich, dass wir auch der Mel­dung vom Über­le­ben der Schlan­gen­in­sel­sol­da­ten nicht glau­ben kön­nen. Im Grun­de kön­nen wir in die­sem Kon­flikt nie­man­dem glau­ben, am wenigs­ten uns selbst und unse­rem Motiven.

Krie­ge wer­den nicht von Men­schen, son­dern von Regie­run­gen ange­zet­telt, mit Lügen geführt und mit Blut bezahlt. Das Papier ist weiß und gedul­dig, auf das Absich­ten, Begrün­dun­gen, Beschul­di­gun­gen, Lügen und Hel­den­ge­schich­ten geschrie­ben wer­den. Erst in der Rea­li­tät von Kiew und Char­kiw ver­las­sen die Wor­te den Raum des Abs­trak­ten und wer­den unge­dul­dig und rot. Der Nebel des Krie­ges liegt nun über der Welt und wir sind erkenn­bar nicht gewohnt, uns dar­in zurecht zu fin­den. Leicht ver­läuft man sich in den ange­bo­te­nen Nar­ra­ti­ven aus Pro­vo­ka­ti­on, emp­fun­de­ner Bedro­hung und schein­bar plau­si­blen natio­na­len Interessen.

Doch all das sind Details, die man getrost Frie­dens­ver­hand­lun­gen oder fer­nen his­to­ri­schen Betrach­tun­gen über­las­sen kann, weil in der Rea­li­tät ein ein­zi­ges Detail zur Ein­ord­nung von „Rich­tig“ und „Falsch“ genügt. Die­ses Detail ist auf bei­den Sei­ten unbe­strit­ten: Putin hat die sou­ve­rä­ne Ukrai­ne ange­grif­fen und ist des­halb der Aggres­sor. Putin ist Staats­ober­haupt und des­halb ist momen­tan jede Sank­ti­on, die den rus­si­schen Staat in sei­nem Mög­lich­kei­ten tref­fen kann, wei­ter Krieg zu füh­ren, gerecht­fer­tigt. Dass auch unbe­tei­lig­te Zivi­lis­ten und sogar erklär­te Geg­ner des rus­si­schen Angriffs von den Sank­tio­nen betrof­fen sind, ist aller­dings ein Dilem­ma. Aber so ist das bekannt­lich häu­fig in die­ser an Dilem­ma­ta rei­chen Zeit.

Anders sieht es mit der Legi­ti­mi­tät aus, wenn Sank­tio­nen auf ein­zel­ne, unbe­tei­lig­te Per­so­nen oder gar schon auf­grund der Zuschrei­bung „rus­sisch“ ange­wen­det wer­den. In einem Akt der kol­lek­ti­ven Rase­rei wer­fen sich die Deut­schen gera­de auf alles, was sie auch nur vage mit Russ­land in Ver­bin­dung brin­gen. Doch wird es Putin krat­zen, wenn Rus­sen (laut einer „Rich­tig­stel­lung“ der Kli­nik nur rei­che Rus­sen, die extra aus Russ­land anrei­sen, dass ist dann natür­lich in Ord­nung) in einer Münch­ner Kli­nik nicht mehr behan­delt wer­den? Stöhnt er getrof­fen auf, wenn Wod­ka (der zum größ­ten Teil nicht mal aus Russ­land kommt) aus unse­ren Rega­len ver­schwin­det oder eine deut­sche Bäcke­rei im patrio­ti­schen Rausch dem „Rus­si­schen Zupf­ku­chen“ das Ter­ro­ir ent­zieht? Wal­tet hier nicht viel­mehr die neu­deut­sche Ver­stie­gen­heit, durch die Ände­rung einer Benen­nung auch den Gegen­stand umfor­men zu kön­nen? Kommt uns das nicht bekannt vor? Sieht nicht jedes Pro­blem in Woki­stan wie ein Nagel aus, weil man nur den Can­cel-Ham­mer kennt? Ob Moh­ren­gas­se, Bis­marck­platz oder Rus­si­scher Zupf­ku­chen: umbe­nen­nen, umbe­nen­nen, umbenennen!

Und ist es wirk­lich die Gewiss­heit einer Bedro­hung, wel­che die Bay­ri­sche Staats­oper dazu bewog, die Opern­sän­ge­rin Anna Netreb­ko zu ent­las­sen, weil die­se sich nicht aus­rei­chend von Putin distan­ziert habe? Wie weit wäre denn „aus­rei­chend“ gewe­sen? Kniend? Auf dem Bauch lie­gend? Geht es um Buße, Distanz oder doch nur um schnö­de Kon­for­mi­tät und Kapi­tu­la­ti­on vor dem Stie­fel, der gera­de über dem Nacken schwebt und gern zutre­ten möch­te? Schon Saint-Just rief der fran­zö­si­schen Natio­nal­ver­samm­lung zu „mar­kiert den Abstand, der euch von den Ver­rä­tern trennt“ um klar zu machen, dass vor ihm nie­mand Gna­de fin­den wer­de, der im Pro­zess gegen den König für „nicht schul­dig“ gestimmt hat.

Netreb­ko hat­te zu ihrem 50. Geburts­tag im Kreml Glück­wün­sche von Putin erhal­ten. Nicht gera­de ver­wun­der­lich, dass sich Staa­ten­len­ker gern mit aller­lei Künst­ler­pro­mi­nenz schmü­cken. Sowas hat man schon gern als Dekor. Gut, dass unse­re Poli­ti­ker so gar nicht anfäl­lig sind für der­lei Eitel­kei­ten und dass ame­ri­ka­ni­sche und bri­ti­sche Pop­stars für fet­te Gage nicht schon das hal­be nah­öst­lich-mit­tel­asia­ti­sche Dik­ta­to­ren-ABC ganz pri­vatim bei Geburts­tags­par­tys unter­hal­ten haben! Gegen Netreb­ko wal­tet die Kon­takt­schuld sogar in ihrer revi­sio­nis­ti­schen Form, denn als sie ihren Geburts­tag fei­er­te, glaub­te die Welt ja noch, Putin die Flau­sen aus­trei­ben zu kön­nen. Die Welt gab sich im Kreml die Klin­ke in die Hand und nun muss eine Opern­sän­ge­rin dafür büßen, dass sie sie etwas zu freu­dig gedrückt habe.

Das Deutsch-Rus­si­sche Muse­um in Karls­horst, eigent­lich einem beson­ders tief­grei­fen­den und fes­ten Ereig­nis in der Geschich­te, näm­lich der Kapi­tu­la­ti­on der Wehr­macht vor der Roten Armee im Jahr 1945 gewid­met, sorgt eben­falls für selt­sa­me Bil­der, indem der Namens­teil „Deutsch-Rus­sisch“ am Haus durch­ge­stri­chen wird und die Ukrai­ni­sche Fah­ne am Mast flat­tert. Ich den­ke zwar, dass man davor zurück­schre­cken wird, die Ereig­nis­se von 1945 post fes­tum umzu­schrei­ben und sich der Ukrai­ne zu erge­ben, aber was sen­den wir hier bit­te für schrä­ge Signa­le aus?

Streicht die Ungeimpften von der Liste und setzt die Russen drauf

All die Gespens­ter der Aus­gren­zung und gesell­schaft­li­chen Äch­tung sind gera­de los­ge­las­sen und fokus­sie­ren sich auf einen neu­en Feind. Frei nach Mao: Streicht die Unge­impf­ten von der Lis­te und setzt die Rus­sen drauf! Der Krieg in der Ukrai­ne trifft uns zu einem Zeit­punkt, in wel­chem das hal­be Land nach zwei Jah­ren Coro­na­dik­ta­tur nur zu gern irgend­je­man­den anbrül­len und win­del­weich prü­geln möch­te. Wie prak­tisch, dass da „der Rus­se“ ist und weil wir den Zün­delza­ren aller Reus­sen nicht zu fas­sen bekom­men, küh­len wir unser Müt­chen an Kuchen, Wod­ka, Läden mit rus­si­schen Besit­zern und Opern­sän­ge­rin­nen. Mehr mit­tel­al­ter­li­cher Furor geht kaum! Unter­des­sen fließt wei­ter zuver­läs­sig rus­si­sches Gas nach Euro­pa und weil die rus­si­schen Ban­ken von SWIFT abge­kop­pelt sind, las­sen wir die Zah­lun­gen über ame­ri­ka­ni­sche Ban­ken lau­fen. Man kann das „busi­ness as usu­al“ nen­nen, ver­lo­gen ist es auf jeden Fall und nützt Putin weit mehr als ihm die Kün­di­gung von Diri­gen­ten und Opern­di­ven schadet.

Ich ver­lan­ge nicht, dass wir sofort das Gas abstel­len, schon weil wir dankt unse­rer „klu­gen“ Poli­tik so ener­ge­ti­schen Selbst­mord bege­hen wür­den. Aber all die pein­li­chen Ersatz­hand­lun­gen bewir­ken bei Putin in etwa so viel, als wür­de man wegen einer Miss­ern­te in der Ukrai­ne in Bam­berg ein paar „Hexen“ ver­bren­nen. Schlim­mer noch: er kann all die­se Ereig­nis­se gegen uns ver­wen­den, indem er die Rus­sen sehen lässt, was hier pas­siert. Was gibt es Nütz­li­che­res für ihn, als all die Vor­ur­tei­le bestä­tigt zu fin­den, die er uns für sei­ne Kriegs­pro­pa­gan­da medi­en­wirk­sam unter­stellt hat? ‚Russ­land wird igno­riert, unge­recht behan­delt, aus­ge­grenzt, bedrängt…wir ste­hen allein gegen die unge­rech­te und bigot­te Welt des Wes­tens, nie­mand mag uns, wir sind allein, wir müs­sen zusam­men­hal­ten und alle hin­ter Putin stehen.‘

Wir wol­len Putin tref­fen, wer­fen aber allen Rus­sen die Tür vor der Nase zu. Auf die­se Wei­se wer­den wir letzt­lich nicht nur den Krieg in der Ukrai­ne, son­dern auch den psy­cho­lo­gi­schen Krieg um die Her­zen und den Ver­stand der Rus­sen ver­lie­ren. Bei­des ist aber not­wen­dig, damit die Rus­sen eines Tages die­sen Des­po­ten über­win­den kön­nen und nicht län­ger sei­nen Ver­spre­chun­gen von zurück­zu­er­lan­gen­der impe­ria­ler Grö­ße hin­ter­her­lau­fen. In Anbe­tracht des­sen, was gera­de in der Ukrai­ne geschieht und ange­sichts unse­rer Hilf­lo­sig­keit, wirk­lich zähl­ba­res gegen Putin in die Waag­scha­le zu wer­fen, muss man sich viel­leicht dazu zwin­gen, die eige­nen Vor­ur­tei­le und Affek­te run­ter­zu­schlu­cken und soll­te zumin­dest den hier leben­den Rus­sen die Hand zu rei­chen, statt ihnen spon­tan und in pein­li­chen Aktio­nen rechts und links eine einzuschenken.

Ich muss­te das einst auch ler­nen und ange­sichts des irr­lich­tern­den Kreml­her­ren ist die­ser Pro­zess lei­der nie abge­schlos­sen. Mor­gen, am 5. März, jährt sich der Todes­tag Sta­lins, der mir nur des­halb im Gedächt­nis haf­tet, weil auch der rus­si­sche Kom­po­nist, des­sen Musik für mich ein ewi­ger Quell der Freu­de und Inspi­ra­ti­on ist, am sel­ben Tag, ja, zur sel­ben Stun­de starb: Pro­kof­jew. Ich will dar­an glau­ben, dass es nicht die Sta­lins und Putins sind, die Russ­land aus­ma­chen, son­dern die vie­len völ­lig nor­ma­len Men­schen und nicht zuletzt die Dos­to­jew­skis und Pro­kof­jews unter ihnen.

Die Impf­pflicht soll übri­gens immer noch kom­men, und wer jetzt noch dage­gen ist, kann ja nur ein heim­li­cher Put­in­ver­ste­her sein. Also, sei­en sie end­lich mal soli­da­risch! Der vier­te Schuss ist für die Ukrai­ne. Und jetzt: zwei Minu­ten Rus­sen­hass für alle! Ihr dürft die Mas­ken kurz abnehmen.

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28 Kommentare

  1. Als Mit­glied rus­si­sche Min­der­heit in Ukrai­ne habe ich all­täg­li­che Disk­tri­mi­nie­rung erlebt. Ange­fan­gen mit Namens­än­de­rung bis Schmier­gel­der aber nur für Leu­te mit „Natio­na­li­tät: rus­sisch“ im Pass­port. Irgend wann ist auch genug.
    Krieg in Ukrai­ne lauft seit 8 Jah­re, wird von EU als „anti­ter­ror Ope­ra­ti­on“ igno­riert. Die Bil­der weg zen­siert. Da muss man fra­gen wo waren die euro­päi­sche Wer­te 8 Jah­re lang? Haus von mei­ne Oma wur­de von ukrai­ni­sche Armee zerbombt.

    • Russ­land ist ein enorm gro­ßes Land, das größ­te über­haupt; 9% der Land­flä­che der Erde sind Russ­land. Wobei das Land ein ver­gleichs­wei­se win­zi­ges Brut­to­so­zi­al­pro­dukt hat, das gera­de so eben dem Frank­reichs ent­spricht. War­um müs­sen Rus­sen aus­ge­rech­net in der Ukrai­ne woh­nen?, hat Russ­land nicht genug Platz oder kei­nen Bedarf für mehr Arbeitskräfte?
      Putins Angriffs­krieg will mehr Ter­ri­to­ri­um für das ohne­hin lächer­lich rie­si­ge Russ­land. Das ist klas­si­scher Impe­ria­lis­mus wie im 19. Jahr­hun­dert, ein­schließ­lich die skru­pel­lo­sen Metho­den. Für die­ses Ziel klas­si­scher Groß­manns­sucht ver­kauft Putin tau­sen­de rus­si­sche Sol­da­ten, die elend ster­ben… ganz zu schwei­gen von rus­si­schen Mord­bren­ne­rei­en gegen Ukrainer. 

      Um das Haus Ihrer Groß­mutter tut es jedem nor­ma­len Men­schen Leid. Nie­mand ande­rer als Putin hat das ver­ur­sacht, indem er zuerst Rus­sen in die Ukrai­ne ein­si­ckern ließ, um einen Kon­flikt zu schü­ren und dann zwei Angriffs­krie­ge zu star­ten: 2014 wegen der Krim, jetzt 2022 gegen die gan­ze Ukraine.

      Zivi­lis­ten sind das ers­te Opfer eines Krie­ges. Furcht­bar. Die­ser Krieg ist ja nicht ‚aus­ge­bro­chen‘, kein Krieg bricht jemals aus. Krie­ge wie die­ser wer­den von Groß­manns­süch­ti­gen gestar­tet. Wes­halb der Mann nicht mehr Putin heißt; er heißt jetzt Putler.

      Lang lebe die Ukraine.

  2. Das meis­te hier beschrie­be­ne sind natür­lich Peti­tes­sen. Auf der ande­ren Sei­te ist es natür­lich schwie­rig, Sank­tio­nen so aus­zu­rol­len, dass die Leu­te wis­sen, wie sie han­deln sollten. 

    Jetzt lass ich mich prü­geln, aber so hab ich auch schon bei den chao­ti­schen ers­ten Coro­na-Maß­nah­men reagiert. Bevor man grob weiß, was zu tun ist, braucht es etwas Aktio­nis­mus. Wer sich ver­irrt hat, fin­det schnel­ler wie­der einen Anhalts­punkt, wenn er sich beim grü­beln bewegt. Bei Coro­na war mei­ne Geduld rapi­de erlo­schen und beim „rus­si­schen Zupf­ku­chen“ (übri­gens eine deut­sche, ver­mut­lich ost­deut­sche Krea­ti­on aus den 1990ern) hört sie auch rapi­de auf. 

    Aber ein rei­cher Rus­se kann auch ein chi­ne­si­sches Kran­ken­haus besu­chen. Denn dar­um geht es dann eben schon. Es soll schon stö­ren und zwar weni­ger die ein­fa­chen Leu­te und mehr die Wohl­ha­ben­den und Ein­fluss­rei­chen. Man kann in einem Kon­flikt nicht jeden Ein­zel­fall gerecht ent­schei­den, dem Putin-Kri­ti­ker hel­fen und dem Appa­rat­schik nicht. Putin wird auch nicht nach Ein­zel­mei­nun­gen fra­gen, wenn er die Häu­ser bom­bar­die­ren lässt. 

    Die eigent­lich viel wich­ti­ge­re Fra­ge ist, wie lan­ge das gut geht. Wann lässt die Dis­zi­plin nach? Wann bricht unser Leben hier im Wes­ten unter dem Infla­ti­ons­druck und den simul­ta­nen Kri­sen zusam­men? Ich den­ke, es wäre bes­ser, finan­zi­el­le Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten schnell und hart durch­zu­füh­ren als sich ewig auf zwei Wochen Kriegs­kur­ve abfla­chen einzurichten. 

    Die rus­si­schen Pan­zer müs­sen abzie­hen. Nie­mand weiß, ob sie sich in der Ukrai­ne fest­set­zen. Ent­spre­chend weiß auch kei­ner, ob sie irgend­wann wei­ter rol­len, nach Est­land, Lit­tau­en, Polen, zu uns. Es ist näm­lich abso­lut unklar, was die Rus­sen über­haupt wol­len. Laut Putin wol­len sie einen Völ­ker­mord stop­pen, der nicht statt­ge­fun­den hat. Man­gels Mas­sen­er­schie­ßun­gen und ande­rer Gräu­el, muss das Ver­bot von Rus­sia Today und die Fest­stel­lung des Ukrai­ni­schen als Amts­spra­che her­hal­ten. Das sind bei­des Maß­nah­men, die ich ableh­ne, aber sie sind kein Völkermord.

    Und natür­lich geht es laut rus­si­scher Pro­pa­gan­da um NATO-Mit­glied­schaf­ten und Mili­tär­ba­sen. Da alle Sied­lungs­ge­bie­te Russ­lands in ato­ma­rer Reich­wei­te lie­gen (eben­so wie umge­kehrt wir in Euro­pa und auch die US-Ame­ri­ka­ner), ist der ein­zi­ge „Angst­fak­tor“, dass die Ukrai­ne oder ein NATO-Land mit Boden­trup­pen Napo­le­on und Hit­ler nach­fol­gen wollen. 

    Also kurz: Putin hat kei­ne Angst vor NATO-Mit­glied­schaf­ten, Mili­tär­ba­sen oder Völ­ker­mor­den. Aber der Kon­flikt hat erfolg­reich die west­li­che Oppo­si­ti­on gespal­ten, die sich gera­de in der abklin­gen­den Coro­na-Situa­ti­on gesam­melt hatte.

    Nicht nur die AfD hat eine dubio­se Russ­land­ver­klä­rung. Die zieht sich durch sämt­li­che Umfra­gen und durch die Gesamt­be­völ­ke­rung. Ins­be­son­de­re wenn man einen Ver­gleich zu den Ame­ri­ka­nern anbie­tet. Ame­ri­ka­nern kann man nicht trau­en. Viel ver­trau­ens­wür­di­ger ist in den Augen vie­ler Deut­schen die rus­si­sche Ober­schicht. Auch dar­in zeigt sich unse­re Spal­tung und unse­re Ent­frem­dung. Ich hab mas­si­ve Schwie­rig­kei­ten, mich mit mei­nen Leu­ten zu iden­ti­fi­zie­ren. Ich weiß seit 2015 nicht mehr, wofür sie ste­hen. Sie ste­hen jeden­falls nicht für die Din­ge, denen sie immer Lip­pen­be­kennt­nis­se zuteil wer­den lie­ßen. Russ­land (und ande­re) wis­sen um die­se Ent­frem­dung und um die Spal­tung. Wer wird aus einem Fens­ter einen 19-jäh­ri­gen rus­si­schen Wehr­pflich­ti­gen erschie­ßen, um Ursu­la von der Ley­en zu ret­ten? Putin, Xi Jin­ping und ande­re sind bes­tens über unse­re Unei­nig­keit im Bil­de und wer­den sie zu nut­zen wissen.

  3. Ich möch­te auch noch etwas ein­brin­gen, was ich emp­fin­de bzw. beob­ach­te. Und zwar kommt nicht nur unbe­dingt das Bedürf­nis, irgend­wo drauf­hau­en zu kön­nen, gera­de zum Vor­schein, son­dern auch der Drang, end­lich mal wie­der etwas tun, wirk­lich hel­fen zu kön­nen, nütz­lich zu sein, gebraucht zu sein, wird gera­de bedient. 

    Ich zie­he mir kaum Medi­en rein, aber die gan­zen Aktio­nen über­all bekom­me ich schon mit. Auf die­sem Wege len­ken sich die Men­schen ab von ihren eige­nen Pro­ble­men und von den Din­gen, wo es wirk­lich hin­zu­schau­en wert wäre, zum Bei­spiel zu den tat­säch­li­chen Hin­ter­grün­den. Wenn man irgend­wo wirk­lich kon­kret hel­fen kann, fühlt man sich ein­fach nicht mehr ohn­mäch­tig (wie man sich ja oft fühlt im Leben, beson­ders auch in undurch­sich­ti­gen gesell­schaft­li­chen Kri­sen, wie Coro­na) und wei­ter­hin kann man sich selbst wie­der mal bestä­ti­gen, dass man ein guter Mensch ist. 

    Und end­lich hat auch der Über­kon­sum der Leu­te, das Zuviel an Kla­mot­ten und allem Mög­li­chen eine Adres­se und einen Ort, man kann den Sack Kla­mot­ten nütz­lich ein­set­zen und muss sich nicht mehr zuhau­se mit ihm aus­ein­an­der set­zen und Kon­se­quen­zen zie­hen, man wird nicht mehr an das Zuviel erinnert. 

    Ist zynisch, aber all das sehe ich, wenn ich die Leu­te und die­sen Aktio­nis­mus beobachte.

    • Ist nicht zynisch, son­dern glas­klar und gut beob­ach­tet ! Gleich­zei­tig aber auch nur eine Facet­te des gan­zen Bil­des ! Die jah­re­lan­ge und fuer mei­ne Begrif­fe, sehr ein­sei­ti­ge media­le Beschal­lung und Druck­be­tan­kung der Bevoel­ke­rung tra­egt nun auch reich­lich Fru­ech­te ! Inter­es­sant ist ja auch das sta­en­dig wie­der­hol­te Man­tra von der rus­si­schen Pro­pa­gan­da ! Hoe­ren die sich eigent­lich mal sel­ber zu ? Man muss schon hef­tig selbst­be­sof­fen und geschichts­ver­ges­sen durch das Leben tau­meln, um nicht spae­tes­tens nach der drit­ten Halb­wahr­heit , vor Scham rot anzu­lau­fen ! Moder­ne Zei­ten und trotz­dem intel­lek­tu­el­les Mittelalter !

  4. Selbst­ver­ständ­lich hat er recht, der gute Roger Letsch. Der bra­ve Spie­ßer braucht immer mal jeman­den zum Drauf­hau­en: In sehr fins­te­ren Zei­ten war es der Jude, in den letz­ten ein­ein­halb Jah­ren waren es die „Anti­va­x­xer“ und jetzt ist es der Rus­se. Wohl­ge­merkt der Rus­se, nicht Putin oder sein post­so­wje­ti­sches poli­ti­sches Umfeld. Und das ist zum einen sel­ten doof und zum ande­ren schänd­lich. Die­je­ni­gen, die jetzt (angeb­lich) nicht mehr Dos­to­jew­ski lesen, haben ihn sowie­so nie gele­sen. Geschwei­ge denn ver­stan­den. Und die­je­ni­gen, die mutig ver­bal auf rus­si­sche Opern­di­ven ein­dre­schen, wür­den ihre eige­ne Frau ver­kau­fen, um auch nur ein­mal in die Nähe solch weib­li­cher Gött­lich­keit zu gelan­gen. Ich den­ke schon seit „Kli­ma“, die haben den Leu­ten um mich her­um ins Gehirn gesch… en. Und nach­dem sich eine (an sich lie­be) alte Freun­din, die extra dafür von Sylt kam, wei­ger­te, unser Haus zu betre­ten, weil wir „Unge­impf­ten“ sie dann auf die Inten­siv­sta­ti­on bräch­ten, den­ke ich, Boos­tern besei­tigt auch noch die Res­te ver­blie­be­nen Hirns im Kopf. Noch­mals: Roger hat recht. Es sind psy­chi­sche Mecha­nis­men im Gang, die offen­sicht­lich suk­zes­si­ve die Zivi­li­sa­ti­on in unse­ren Köp­fen auf Stein­zeit zurück­set­zen. Egal, wie das aktu­el­le The­ma lautet.

    • Dan­ke. Wenn Sie den Satz beher­zi­gen „Die Paro­len wech­seln, der Typus bleibt“, wenn Sie mit Eth­no­lo­gie beschäf­ti­gen und übli­che Tri­ba­lis­men stu­die­ren, sei es in Papua-Neu­gui­nea, sei es im Ori­no­ko-Gebiet, wenn Sie reka­pi­tu­lie­ren, was wir aus dem alten Rom wis­sen in unzäh­li­gen Berich­ten über den Mob, von Ereig­nis­sen der Sor­te Bar­tho­lo­mä­us-Nacht in der euro­päi­schen sog. Hoch­kul­tur ganz zu schwei­gen, usw. usf., wenn Sie schließ­lich das inner­art­li­che Ver­hal­ten, v.a. die Rudel- und Hor­den­me­cha­nik, von Pri­ma­ten stu­die­ren, gleich ob Schim­pan­sen oder Pavia­ne, dann sehen Sie, ein wie rares und zar­tes Gut das ist, was wir als „zivi­li­sier­tes Ver­hal­ten“ bezeich­nen, und wie unglaub­lich dünn die Decke der „Zivi­li­sa­ti­on“ ist. Ein Fir­nis, den man nicht mit­tels Mar­xis­men, Dekon­struk­ti­vis­men und ande­rer Para­de­bi­lis­men zer­stö­ren, son­dern pfle­gen und hüten müss­te. Müss­te, aber das dürf­te eine ver­geb­li­che Hoff­nung sein im Lich­te des­sen, wie die sog. Intel­li­genz über­wie­gend beschaf­fen ist. An Coro­na sieht man auch schön, dass es bereits der Kom­pe­tenz bedarf, um das Vor­han­den­sein von Kom­pe­tenz beur­tei­len zu kön­nen. Wäre es anders, könn­te nicht jemand wie Herr L., der in einem Film „Ger­man Psy­cho“ sicher Kan­di­dat für die Haupt­rol­le wäre, ein — zumin­dest vor­geb­lich — hohes Anse­hen genie­ßen. Auch ist die gegen­wär­ti­ge Zeit lehr­reich dar­in, auf immer wie­der über­ra­schen­de Wei­se zu zei­gen, wel­che Mit­men­schen sich als für Meu­ten­me­cha­nik anfäl­lig und wel­che sich als robust & auto­nom erwei­sen. In die­ser Mecha­nik spie­len die Mas­sen­me­di­en, vor allem die Tele­fik­ti­on, eine zen­tra­le Rol­le, schließ­lich sind die dar­auf ange­legt, dass ein Bild mehr lügt als tau­send Worte.

      • Es scheint, dass Regie­run­gen wei­ter­hin die Emo­tio­nen ihrer Bevöl­ke­rung mani­pu­lie­ren. Ich wun­de­re mich war­um? (Das ist Sar­kas­mus, ja.)

        • Tja… weil es ihnen nützt? 🙂 Aber was nützt schon den Nutz­lo­sen, außer mehr Nutzloses.
          Und dann star­tet der Aller­nutz­lo­ses­te einen Angriffs­krieg und weist sei­ne klei­nen Ange­stell­ten (Lot­te, Johan­nesK und kat­rin sei­fert bis jetzt, sie­he unten) an, die aller­nutz­lo­ses­te Scham­los­pro­pa­gan­da ins Inter­web­by zu tun. Hach ja.

  5. Nach der Gesell­schafts­spal­tung durch die staat­li­che Maß­nah­men­geil­heit (bezüg­lich eines durch omi­nö­se Umstän­de in Umlauf gebrach­ten Viru­ses), möch­te man sich schon gern ein eini­gen­des Ereig­nis zwecks (Wie­der-) Zusam­men­füh­rung wün­schen. Das ein­set­zen von Gemet­zel, das Ent­stel­len, das Töten an Men­schen, dies gan­ze hem­mungs­lo­se Unrecht böte sich ganz unfri­vol gespro­chen, und uner­war­te­ter wei­se, hier­zu an.
    Aber nein, dem Fein­geist ist anschei­nend das Unrecht an den (zumeist unin­for­mier­ten) rus­si­schen Bür­gern wich­ti­ger, als die see­li­sche, geis­ti­ge und vor allem kör­per­li­che Inte­gri­tät der schnö­den Ukrai­ner. Ich muss geste­hen, dass ich mir bis vor kur­zem kei­ne Hal­tung zu einem Ereig­nis hät­te vor­stel­len kön­nen, wel­ches mein poli­ti­sches Koor­di­na­ten­sys­tem soweit von denen ent­fer­nen soll­te, die bis­her noch eine Trutz­burg des Tros­tes für mich gewe­sen sind. Oder ich will es mal anders her­um sagen: wäre es allein Putins Krieg, nicht der sei­ner Bür­ger und Sol­da­ten, also der gesell­schaft­li­che Kräf­te und Auto­ri­tä­ten, die bis heu­te nicht die gerings­ten Anstal­ten machen eine halb­wegs kri­ti­sche Hal­tung gegen­über Ansin­nen und Ver­bre­chen des Kom­mu­nis­mus selbst­ver­ant­wort­lich zu ent­wi­ckeln, — ja dann wäre es höchs­te Eisen­bahn den Stab über die beschrie­be­nen teu­to­ni­schen Russ­land-Bas­her zu brechen.

    • Hmmm. Also sind Sie irgend­wie dage­gen, also gegen etwas, wobei das offen­sicht­lich irgend schwie­rig ist, das Etwas und das Dage­gen­sein und beson­ders das Offen­sicht­li­che. Na schön. Aber was ist es denn nun? Kom­mu­nis­mus-? Schö­de Ukrai­ner gar? Oder zwi­schen den Zei­len, ja. Aber welchen?
      Herrjeh.

  6. @ Lot­te und Johan­nesK: sind Sie rus­si­sche Trolle?
    @ Herr Lesch: „Lot­te“ und vie­le der Kom­men­ta­re zu Ihrem Arti­kel auf achgut.com ent­stam­men den Geis­tern, die Sie — ob Ihrer hie­si­gen Ant­wor­ten wohl unge­wollt- geru­fen haben. Sie haben mit Ihrer m.E. an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nen Ver­knüp­fung von Coro­na-Imp­fung und Rus­sen das Nar­ra­tiv der Russ­land-Freun­de bedient, die sich wie die Rus­sen als Opfer gerie­ren wollen. 

    Hier­zu die PM der AfD, die von „dem rus­si­schen Part­ner“ — zugleich unaus­ge­spro­chen nicht auch vom ukrai­ni­schen! — spricht und eine Stär­kung des „gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens“ wünscht:

    „Ber­lin, 24. Febru­ar 2022. Zum Angriff Russ­lands auf die Ukrai­ne tei­len der Bun­des­spre­cher und die stell­ver­tre­ten­de Bun­des­spre­che­rin der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land, Tino Chru­pal­la und Ali­ce Wei­del, mit:

    „Der Angriff Russ­lands auf die Ukrai­ne ist durch nichts gerecht­fer­tigt. Russ­land muss die Kampf­hand­lun­gen umge­hend ein­stel­len und sei­ne Trup­pen aus der Ukrai­ne zurück­zie­hen. Die Lösung zwi­schen­staat­li­cher Kon­flik­te kann nur am Ver­hand­lungs­tisch erfolgen.

    In den Gesprä­chen müs­sen dem rus­si­schen Part­ner end­lich glaub­wür­di­ge Ange­bo­te gemacht wer­den, die das gegen­sei­ti­ge Ver­trau­en wie­der stär­ken. Die Bun­des­re­gie­rung hat bei allen Ver­su­chen, gemein­sam mit unse­ren Ver­bün­de­ten eine fried­li­che Lösung des Kon­flikts her­bei­zu­füh­ren, die Unter­stüt­zung der Partei.“

    • Ja und was möch­ten Sie damit mit­tei­len, das die AfD rea­lis­ti­scher­wei­se „rus­si­sche Part­ner“ gesagt hat, oder möch­te Sie die jetzt netrebkoisieren?
      Die Bun­des­re­gie­rung hat die­ses Land so sys­te­ma­tisch von rus­si­scher Ener­gie abhän­gig gemacht, dass die­ser rus­si­sche Part­ner jetzt rea­lis­ti­scher­wei­se mehr wie ein DDR-Bru­der ist, den man sich bekannt­lich nicht aus­su­chen kann. Das war schon immer sehr dumm und ist grad jetzt düm­mer denn je wegen der sich stei­gern­den Kriegs­lüs­tern­heit des ewi­gen Hege­mons dor­ten, aber es ist lei­der Rea­li­tät. Wei­del und Chru­pal­la haben das erfasst.

      Und selbst­ver­ständ­lich trifft Roger Letsch voll ins Schwar­ze mit dem Ver­weis auf stei­gen­de Aggres­sio­nen wegen der sinn­lo­sen Maß­nah­men gegen den den Wuhan-Schnö­öf, stei­gen­den Aggres­sio­nen im gemei­nen Vol­ke auch in der Chef­eta­ge der Bay­ri­schen Staats­oper usw. usf., und gemei­nen Aktio­nen gegen unbe­tei­lig­te Rus­sen. Was glau­ben Sie wie es zu die­sen Aggres­sio­nen kommt? Man will drauf­schla­gen. Man will aber kei­ne deut­schen Auto­ri­tä­ten ver­prel­len, die sind zu nah an einem dran. Also sucht man einen Sün­den­bock der sich schlecht weh­ren kann. Das waren mal die Juden (sind es ja immer noch), das waren vori­gen Woche noch die Unge­impf­ten, und jetzt sind das ver­mu­te­te Put­in­ver­ste­her-plus. Ja? Wobei das ‚Plus‘ noch irgend­wie unkar ist, aber das ist es ja immer bei dump­fen Aggres­sio­nen gegen die-da.

      • zum ers­ten Absatz:
        Wer einen Krieg beginnt, stellt sich nach mei­ner Mei­nung als jemals her­aus, der kein Part­ner war und auch auf abseh­ba­re Zeit (10–20 Jah­re) kein Part­ner mehr wer­den kann.
        Die AfD hin­ge­gen hält Russ­land trotz des Krie­ges wei­ter für einen Part­ner. Die Bun­des­re­gie­rung zutref­fen­der­wei­se nicht mehr; die Abhän­gig­keit von Gas und Erd­öl wird ja (erst jetzt) reduziert.
        Ent­ge­gen Ihrer Mei­nung bin ich davon über­zeugt, dass die AfD durch die PM zum Aus­druck bringt, den Schul­ter­schluss mit Russ­land zu wol­len und kei­nes­falls eine Abkopp­lung, auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Und das ist Ver­rat an der Frei­heit. Was die AfD aber erwar­tungs­ge­mäß nicht davon abhält, zu behaup­ten, sie sei eine Ver­tei­di­ge­rin der Freiheit.

        zum zwei­ten Absatz:
        Netreb­ko und Ger­gi­jew (dem­nächst wohl auch Igor Zelen­sky (Bal­lett )) sind kei­ne „unbe­tei­lig­te Rus­sen“, son­dern haben Putin öffent­lich unter­stützt, Netreb­ko u.a. durch Kon­zer­te im Don­bass, Ger­gi­jew u.a. durch Unter­zeich­nung einer Erklä­rung zur Krim. 

        Wie­so soll­ten deut­sche Steu­er­gel­der dazu ver­wen­det wer­den, Per­so­nen in Lohn und Brot zu hal­ten, die sich trotz Auf­for­de­rung nicht von dem rus­si­schen Nar­ra­tiv distan­zie­ren, dass Selen­skyi (als Jude!) ein Nazi sei, der getö­tet wer­den müs­se, und zudem nicht ein­mal den Krieg verurteilen?
        Zu den Steu­er­gel­dern gilt dies nicht nur zu „Rus­sen“, son­dern auch für den Ex-Kanz­ler Schröder.

        Auch Sie ver­su­chen, wie offen­sicht­lich vie­le der Kom­men­ta­to­ren auf die­ser und wei­te­ren ähn­li­chen Sei­ten, eine Opfer­rol­le („Sün­den­bock“) evtl. für sich selbst zu fin­den. Die Juden­ver­fol­gung und ‑ermor­dung in eine Rei­he zu stel­len mit Unge­impf­ten und Put­in­ver­ste­hern ist ver­stie­gen. Mir ist kein Impf­geg­ner bekannt, der in einem KZ ermor­det wor­den wäre — kön­nen Sie mir sol­che benen­nen, evtl. auch gleich ein paar Millionen? 

        Dumm ist es in der Tat (da bin ich bei Ihnen), pau­schal Rus­sen eine medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung zu ver­sa­gen, Kuchen umzu­be­nen­nen oder gar — dann schon kri­mi­nell — Läden zu beschmie­ren o.ä.. Aber eine gene­rel­le oder gar kon­zer­tier­te Dämo­ni­sie­rung von Rus­sen kann ich nicht erken­nen und hof­fent­lich wird es so etwas auch nie geben. Ich tref­fe mich übri­gens nach­her mit einem Impf­geg­ner zum Kaf­fee, einen schö­nen Sams­tag noch!

        • Kaf­fee mit Unge­impf­ten schmeckt gleich noch­mal so gut 🙂 wie ich weiß, denn sol­chen trin­ke ich meist mit mir selbst. Gut‘ Kaf­fee wün­sche ich Ihnen. 

          Zum Bei­trag: Die Bun­des­re­gie­rung hat seit Jah­ren alles dafür getan, um Deutsch­land abhän­gig von rus­si­scher Ener­gie zu machen, also hat sie damit Tat­sa­chen geschaf­fen. Die AfD sieht die­sen Punkt rich­tig, egal wen man da mag, oder wen weniger. 

          Ich habe NICHT Unge­impf­te, Put­in­ver­ste­her, und Juden in eine Opfer­rei­he gestellt, das wäre absurd. Bloß das deut­sche Spon­tanres­sen­ti­ment ist das glei­che. Wobei Netreb­ko und Ger­gi­jew Musi­ker sind; deren Pri­vat­mei­nun­gen mögen Teils bescheu­ert sein, tun aber nichts zur Sache. Sache ist allein, dass das Musi­ker und kei­ne Poli­ti­ker sind. Musi­ker müs­sen kei­nen Krieg ver­ur­tei­len oder etwas übers Kli­ma sagen, war­um müss­ten sie das sol­len?, und wenn sie es tun, ist es nicht wei­ter relevant. 

          Dem Rest stim­me ich zu. Einen schö­nen Mitt­woch noch! 

          P.S.
          Lang lebe die Ukraine.

  7. Er igno­riert den Fakt, dass die Ukrai­ne kein sou­ve­rä­ner Staat ist. Die NATO daher schön auf pol­ni­scher Sei­te bleibt, sie ken­nen die wah­ren Gren­zen (1918) und die wer­den wahr­schein­lich wie­der her­ge­stellt. Das schmeckt vie­len nicht, die die­se kri­mi­nel­le Okku­pa­ti­ons­ver­wal­tung der grün- roten Faschis­ten unter­stüt­zen. Kaum jemand liest die Bun­des­be­rei­ni­gungs­ge­set­ze durch, beson­ders die aus den Jah­ren 2006–2007. Die „BRiD“ ist bald Geschich­te. Putin hat in sei­nen Reden erwähnt, wer die Macht ab 1917 in Russ­land usw. hat­te, wie sie von aus­län­di­schen Mäch­ten aus­ge­übt wur­de. Wer sich die wah­re Geschich­te ansieht, merkt was kommt und wie gehirn­ge­wa­schen die deut­schen Völ­ker wurden.

      • Haha. In der Tat.
        Die Lot­te kligt genau­so wie die ewig glei­chen Leser­brie­fe auf der Sei­te von Sven von Storch, der sel­ber ja gar nicht so ist; aber irgend­wie kön­nen sie dort die­se lot­ti­schen Leser­brie­fe nicht raus­schmei­ßen. Tja, die wah­re Geschich­te, und die Lot­te mag den Put­ler auf die wah­re Wei­se. Seufz.

  8. Ein schö­ner und inter­es­san­ter Arti­kel, Herr Letsch.
    Im Gro­ßen und Gan­zen stim­me ich Ihrem Kom­men­tar und Ihrer Ansicht zu. Aller­dings unter­schla­gen Sie an eini­gen Stel­len auch Fak­ten, die für Jeder­mann zugäng­lich und nach­voll­zieh­bar sind, die auch erklä­ren, was die Ursa­che und Grün­de für den so genann­ten „Angriff“ sind.

    * Dass acht Jah­re lang Men­schen in der Ost­ukrai­ne durch Angrif­fe ukrai­ni­scher Mili­zen und Streit­kräf­te tyran­ni­siert und ermor­det wur­den, und in der gesam­ten Ukrai­ne Men­schen aus­ge­beu­tet wur­den und wer­den, wird hier mit kei­nem Wort erwähnt.
    * Dass die Ukrai­ne bereits in den Neun­zi­gern für den Kin­der­han­del bekannt war, wo Müt­tern die neu­ge­bo­re­ne Kin­der weg­ge­nom­men und ins Aus­land für Tau­sen­de von Euros und Dol­lar ver­kauft wurden.
    * Die so demo­kra­ti­sche Ukrai­ne, in der Oppo­si­tio­nel­le ermor­det und TV- und Radio­sen­der ver­bo­ten wer­den. Wo rus­sisch-spre­chen­de ver­prü­gelt und dis­kri­mi­niert werden. 

    Was den­ken Sie, wer dies her­bei­ge­führt hat. Der wehr­te Wes­ten, ange­führt von den USA. Russ­land gilt schon seit über hun­dert Jah­ren als Feind des Anglo-Ame­ri­ka­ni­schen Rau­mes. Und die­sen gilt es zu ver­nich­ten, mit allen Mitteln.
    Mei­ne Bit­te an die­ser Stel­le. Las­sen bit­te die­se ein­sei­ti­ge, übri­gens im Wes­ten weit ver­brei­te­te, Sichtweise.
    Wenn Sie schon vom Tyran­nen Putin (den Sie mit Sta­lin im sel­ben Satz erwäh­nen) spre­chen, dann unter­schla­gen Sie bit­te nicht den Gegen­part. Alles ande­re ist Framing, das nicht bes­ser ist, als das, was die Medi­en tun.

    Mit freund­li­chen Grüßen,
    Johannes

    • Unter­schla­gen ist viel­leicht etwas ten­den­zi­ös. Ich unter­schla­ge nichts, son­dern stel­le fest, dass all das, was die Ukrai­ne vor­her auch ver­zapft haben mag, nicht als Begrün­dung für einen Ein­marsch die­ser Art taugt, auch wenn Putin das ver­sucht und nun Sie auch. Nee nee, hier reden wir ja nicht mehr von Regel­brü­chen und ent­täusch­ten Erwar­tun­gen. Für all die Punk­te Ihrer Auf­zäh­lung ist es zu spät und wenn man die ein­zel­nen Argu­men­te nimmt, tref­fen sie 1:1 auch auf jede Men­ge Unge­heu­er­lich­kei­ten zu, die Putin eige­nen Oppo­si­tio­nel­len, im eige­nen Land oder auch in Geor­gi­en so ver­zapft. Wer den Krieg beginnt, setzt sich ins Unrecht, Punkt. Der Rest sind Pro­pa­gan­da und ver­zwei­fel­te Rechtferigungsversuche.

    • guten Tag Herr Johan­nes, Ihren Komen­tar fin­de ich tadel­los. vie­len Dank dafür!
      Lie­ber Gruß v Frau Seifert

  9. Die­je­ni­gen die sich jetzt laut­stark am all­ge­mei­nen „Rus­sen-Bashing“ betei­li­gen, sind die, die schon wäh­rend der Coro­na-Kri­se und auch bei kom­men­den glo­ba­len Kri­sen nicht die gerings­te Ahnung haben, woge­gen sie über­haupt wettern.

  10. Aha, sind wir wie­der so weit?

    Ich glau­be, den Antrag den mün­che­ner Eng­löi­schen Gar­ten wegen des BREXITS in Euro­pa-Gar­ten zu tau­fen lebt auch noch.

  11. Dan­ke Herr Letsch. Ich emp­feh­le die Lek­tü­re von „Die letz­ten Tage der Mensch­heit“. Karl Kraus hat das Werk ja weit­ge­hend aus Ori­gi­nal­zi­ta­ten mon­tiert. Zum Beispiel:

    Sze­ne 34:

    Der Fia­ker (nach­ru­fend): „A so a noti­ger Bei­tel vardächtiga!“
    Die Men­ge: „Loßts’n gehn! Mochts kane Repras­sa­li­en, dös ghört si net! Mir san net aso!“
    Ein Ame­ri­ka­ner vom Roten Kreuz (zu einem andern): “Look at the peop­le how enthusiastic
    they are!“
    Die Men­ge: „Zwa Eng­län­der! Reden S‘ deutsch! Gott stra­fe Eng­land! Hauts es! Mir san in Wean“ (Die Ame­ri­ka­ner flüch­ten in ein Durch­haus.) „Loßts es gehn! Mir san net aso!“
    Ein Tür­ke (zu einem andern): „Regar­dez l’en-thousi­asme de tout le monde!“
    Die Men­ge: „Zwa Fran­zo­sen! Reden S‘ deutsch! Hauts es! Mir san in Wean!“ (Die Tür­ken flüch­ten in das Durch­haus.) „Loßts es gehn! Mir San net aso! Dös war ja ttir­kisch! Sechts denn net, die ham ja an Fez! Dös san Bun­des­ge­nos­sen! Holts es ein und sing­ts den Prinz Eugen!“
    (Zwei Chi­ne­sen tre­ten schwei­gend auf.)
    Die Men­ge: „Japa­ner san do! Japa­ner san a no in Wean! Auf­hän­gen sollt ma die Bagasch bei ihna­re Zopf!“
    Einer: „Loßts es gehn! Dös san ja Kineser“
    Zwei­ter: „Bist sel­ber a Kineser!“
    Der ers­te: „‚leicht du!“
    Drit­ter: „Alle Kine­ser san Japaner!“
    Vier­ter: „San So viel­leicht a Japaner?“
    Drit­ter: „Na.“
    Vier­ter: „Na ols­tern, aber a Kine­ser san S‘ do!“
    (Geläch­ter.)
    Fünf­ter: „Oba oba oba wos treibts denn, habts denn net in der Zei­tung g’le­sen, schau­ts her, da stehts“ (er zieht ein Zei­tungs­blatt her­vor): »Der­ar­ti­ge Aus­schrei­tun­gen des Patria­tis­mus kön­nen in kee­ner Wei­see gedudldeet wer­den und sind über­dies geeigneet,“

    Sze­ne 35:
    „den Frem­den­ver­kehr zu schä­di­ge­en«. Wo soll sich denn da nacher ein Frem­den­ver­kehr ent­wi­ckeln, wo denn, no olstern!“
    Sechs­ter: „Bra­vo! Recht hot er! Der Frem­den­ver­kehr, wann mr eahm hebn wolln, das is schwer, das is net aso —“
    Sie­ben­ter: „Halts Mäul! Krieg is Krieg und wann einer ame­ri­ka­nisch daher­redt oder tür­kisch oder so —“
    Ach­ter: „So is. Jetzt is Krieg und da gibts kei­ne Würschtel!“
    (Eine Dame mit leich­tem Anflug von Schnurr­bart ist aufgetreten.)
    Die Men­ge: „Ah do schau­ts her! Das kennt ma schon, ein ver­klei­de­ter Spi­on! Var­haf­ten! Einspirn
    stantape!“

    usw.

  12. Dan­ke, Sie haben mir voll aus der See­le geschrie­ben! Unsäg­lich und dumm, was da gera­de pas­siert. Und gera­de die­je­ni­gen, die immer Pau­scha­li­sie­run­gen und Aus­gren­zun­gen Ein­zel­ner oder Min­der­hei­ten anpran­ger­ten, tun sich als die größ­ten Eife­rer her­vor. (und ich bin kein Rus­se, habe auch über­haupt kei­ne dies­be­züg­li­chen Beziehungen).

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