Das Gute,
dieser Satz ste­ht fest,
ist stets das Böse,
was man lässt.
(Wil­helm Busch)

Die klein­laute Mel­dung, dass die ukrainis­chen Sol­dat­en, welche die Schlangenin­sel im Schwarzen Meer vertei­digten, wohl doch nicht den Helden­tod gestor­ben, son­dern gefan­gen genom­men wur­den, schafft es in der Google­suche noch nicht auf die vorderen Plätze. Man sollte eigentlich froh darüber sein, dass deren erfrischend frech­es „Fuck you“ an die rus­sis­che Marine nicht zum Tod geführt hat, sofern sie es wirk­lich so gesagt und nicht stattdessen einen defti­gen rus­sis­chen Fluch ver­wen­det haben, was ja auch in Ord­nung wäre. Doch statt Freude über das Leben­sze­ichen liest man zwis­chen den Zeilen ein selt­sames Bedauern darüber, dass sich wieder mal ein­er dieser „schö­nen Mythen“ von Helden­mut und Opfer­tod in Luft auflöst.

Da wir Partei in diesem Krieg sind, find­en die Schlacht­en natür­lich auch bei uns statt. Wenn schon nicht auf deutschem Boden, dann doch in den Köpfen. Und meine Güte, wie groß sind die Ver­heerun­gen, die dort angerichtet wer­den! Sich darüber bewusst zu wer­den, dass jede Mel­dung aus der und über die Ukraine mit Lügen, Pro­pa­gan­da und Übertrei­bun­gen angere­ichert sein kann, sollte man stets einkalkulieren. Das bedeutet natür­lich, dass wir auch der Mel­dung vom Über­leben der Schlangenin­sel­sol­dat­en nicht glauben kön­nen. Im Grunde kön­nen wir in diesem Kon­flikt nie­man­dem glauben, am wenig­sten uns selb­st und unserem Motiv­en.

Kriege wer­den nicht von Men­schen, son­dern von Regierun­gen angezettelt, mit Lügen geführt und mit Blut bezahlt. Das Papi­er ist weiß und geduldig, auf das Absicht­en, Begrün­dun­gen, Beschuldigun­gen, Lügen und Heldengeschicht­en geschrieben wer­den. Erst in der Real­ität von Kiew und Charkiw ver­lassen die Worte den Raum des Abstrak­ten und wer­den ungeduldig und rot. Der Nebel des Krieges liegt nun über der Welt und wir sind erkennbar nicht gewohnt, uns darin zurecht zu find­en. Leicht ver­läuft man sich in den ange­bote­nen Nar­ra­tiv­en aus Pro­voka­tion, emp­fun­den­er Bedro­hung und schein­bar plau­si­blen nationalen Inter­essen.

Doch all das sind Details, die man get­rost Friedensver­hand­lun­gen oder fer­nen his­torischen Betra­ch­tun­gen über­lassen kann, weil in der Real­ität ein einziges Detail zur Einord­nung von „Richtig“ und „Falsch“ genügt. Dieses Detail ist auf bei­den Seit­en unbe­strit­ten: Putin hat die sou­veräne Ukraine ange­grif­f­en und ist deshalb der Aggres­sor. Putin ist Staat­sober­haupt und deshalb ist momen­tan jede Sank­tion, die den rus­sis­chen Staat in seinem Möglichkeit­en tre­f­fen kann, weit­er Krieg zu führen, gerecht­fer­tigt. Dass auch unbeteiligte Zivilis­ten und sog­ar erk­lärte Geg­n­er des rus­sis­chen Angriffs von den Sank­tio­nen betrof­fen sind, ist allerd­ings ein Dilem­ma. Aber so ist das bekan­ntlich häu­fig in dieser an Dilem­ma­ta reichen Zeit.

Anders sieht es mit der Legit­im­ität aus, wenn Sank­tio­nen auf einzelne, unbeteiligte Per­so­n­en oder gar schon auf­grund der Zuschrei­bung „rus­sisch“ angewen­det wer­den. In einem Akt der kollek­tiv­en Raserei wer­fen sich die Deutschen ger­ade auf alles, was sie auch nur vage mit Rus­s­land in Verbindung brin­gen. Doch wird es Putin kratzen, wenn Russen (laut ein­er “Richtig­stel­lung” der Klinik nur reiche Russen, die extra aus Rus­s­land anreisen, dass ist dann natür­lich in Ord­nung) in ein­er Münch­n­er Klinik nicht mehr behan­delt wer­den? Stöh­nt er getrof­fen auf, wenn Wod­ka (der zum größten Teil nicht mal aus Rus­s­land kommt) aus unseren Regalen ver­schwindet oder eine deutsche Bäck­erei im patri­o­tis­chen Rausch dem „Rus­sis­chen Zupfkuchen“ das Ter­roir entzieht? Wal­tet hier nicht vielmehr die neudeutsche Ver­stiegen­heit, durch die Änderung ein­er Benen­nung auch den Gegen­stand umfor­men zu kön­nen? Kommt uns das nicht bekan­nt vor? Sieht nicht jedes Prob­lem in Wok­istan wie ein Nagel aus, weil man nur den Can­cel-Ham­mer ken­nt? Ob Mohren­gasse, Bis­mar­ck­platz oder Rus­sis­ch­er Zupfkuchen: umbe­nen­nen, umbe­nen­nen, umbe­nen­nen!

Und ist es wirk­lich die Gewis­sheit ein­er Bedro­hung, welche die Bayrische Staat­sop­er dazu bewog, die Opern­sän­gerin Anna Netre­bko zu ent­lassen, weil diese sich nicht aus­re­ichend von Putin dis­tanziert habe? Wie weit wäre denn „aus­re­ichend“ gewe­sen? Kniend? Auf dem Bauch liegend? Geht es um Buße, Dis­tanz oder doch nur um schnöde Kon­for­mität und Kapit­u­la­tion vor dem Stiefel, der ger­ade über dem Nack­en schwebt und gern zutreten möchte? Schon Saint-Just rief der franzö­sis­chen Nation­alver­samm­lung zu „markiert den Abstand, der euch von den Ver­rätern tren­nt“ um klar zu machen, dass vor ihm nie­mand Gnade find­en werde, der im Prozess gegen den König für „nicht schuldig“ ges­timmt hat.

Netre­bko hat­te zu ihrem 50. Geburt­stag im Kreml Glück­wün­sche von Putin erhal­ten. Nicht ger­ade ver­wun­der­lich, dass sich Staaten­lenker gern mit aller­lei Kün­stler­promi­nenz schmück­en. Sowas hat man schon gern als Dekor. Gut, dass unsere Poli­tik­er so gar nicht anfäl­lig sind für der­lei Eit­elkeit­en und dass amerikanis­che und britis­che Pop­stars für fette Gage nicht schon das halbe nahöstlich-mit­te­lasi­atis­che Dik­ta­toren-ABC ganz pri­va­tim bei Geburt­stagspar­tys unter­hal­ten haben! Gegen Netre­bko wal­tet die Kon­tak­tschuld sog­ar in ihrer revi­sion­is­tis­chen Form, denn als sie ihren Geburt­stag feierte, glaubte die Welt ja noch, Putin die Flausen aus­treiben zu kön­nen. Die Welt gab sich im Kreml die Klinke in die Hand und nun muss eine Opern­sän­gerin dafür büßen, dass sie sie etwas zu freudig gedrückt habe.

Das Deutsch-Rus­sis­che Muse­um in Karl­shorst, eigentlich einem beson­ders tief­greifend­en und fes­ten Ereig­nis in der Geschichte, näm­lich der Kapit­u­la­tion der Wehrma­cht vor der Roten Armee im Jahr 1945 gewid­met, sorgt eben­falls für selt­same Bilder, indem der Namen­steil „Deutsch-Rus­sisch“ am Haus durchgestrichen wird und die Ukrainis­che Fahne am Mast flat­tert. Ich denke zwar, dass man davor zurückschreck­en wird, die Ereignisse von 1945 post fes­tum umzuschreiben und sich der Ukraine zu ergeben, aber was senden wir hier bitte für schräge Sig­nale aus?

Streicht die Ungeimpften von der Liste und setzt die Russen drauf

All die Gespen­ster der Aus­gren­zung und gesellschaftlichen Äch­tung sind ger­ade los­ge­lassen und fokussieren sich auf einen neuen Feind. Frei nach Mao: Stre­icht die Ungeimpften von der Liste und set­zt die Russen drauf! Der Krieg in der Ukraine trifft uns zu einem Zeit­punkt, in welchem das halbe Land nach zwei Jahren Coro­nadik­tatur nur zu gern irgend­je­man­den anbrüllen und windel­we­ich prügeln möchte. Wie prak­tisch, dass da „der Russe“ ist und weil wir den Zün­delzaren aller Reussen nicht zu fassen bekom­men, kühlen wir unser Mütchen an Kuchen, Wod­ka, Läden mit rus­sis­chen Besitzern und Opern­sän­gerin­nen. Mehr mit­te­lal­ter­lich­er Furor geht kaum! Unter­dessen fließt weit­er zuver­läs­sig rus­sis­ches Gas nach Europa und weil die rus­sis­chen Banken von SWIFT abgekop­pelt sind, lassen wir die Zahlun­gen über amerikanis­che Banken laufen. Man kann das „busi­ness as usu­al“ nen­nen, ver­logen ist es auf jeden Fall und nützt Putin weit mehr als ihm die Kündi­gung von Diri­gen­ten und Opern­di­v­en schadet.

Ich ver­lange nicht, dass wir sofort das Gas abstellen, schon weil wir dankt unser­er „klu­gen“ Poli­tik so ener­getis­chen Selb­st­mord bege­hen wür­den. Aber all die pein­lichen Ersatzhand­lun­gen bewirken bei Putin in etwa so viel, als würde man wegen ein­er Mis­sernte in der Ukraine in Bam­berg ein paar „Hex­en“ ver­bren­nen. Schlim­mer noch: er kann all diese Ereignisse gegen uns ver­wen­den, indem er die Russen sehen lässt, was hier passiert. Was gibt es Nüt­zlicheres für ihn, als all die Vorurteile bestätigt zu find­en, die er uns für seine Kriegspro­pa­gan­da medi­en­wirk­sam unter­stellt hat? ‚Rus­s­land wird ignori­ert, ungerecht behan­delt, aus­ge­gren­zt, bedrängt…wir ste­hen allein gegen die ungerechte und big­otte Welt des West­ens, nie­mand mag uns, wir sind allein, wir müssen zusam­men­hal­ten und alle hin­ter Putin ste­hen.‘

Wir wollen Putin tre­f­fen, wer­fen aber allen Russen die Tür vor der Nase zu. Auf diese Weise wer­den wir let­ztlich nicht nur den Krieg in der Ukraine, son­dern auch den psy­chol­o­gis­chen Krieg um die Herzen und den Ver­stand der Russen ver­lieren. Bei­des ist aber notwendig, damit die Russen eines Tages diesen Despoten über­winden kön­nen und nicht länger seinen Ver­sprechun­gen von zurück­zuer­lan­gen­der impe­ri­aler Größe hin­ter­her­laufen. In Anbe­tra­cht dessen, was ger­ade in der Ukraine geschieht und angesichts unser­er Hil­flosigkeit, wirk­lich zählbares gegen Putin in die Waagschale zu wer­fen, muss man sich vielle­icht dazu zwin­gen, die eige­nen Vorurteile und Affek­te run­terzuschluck­en und sollte zumin­d­est den hier leben­den Russen die Hand zu reichen, statt ihnen spon­tan und in pein­lichen Aktio­nen rechts und links eine einzuschenken.

Ich musste das einst auch ler­nen und angesichts des irrlichtern­den Kreml­her­ren ist dieser Prozess lei­der nie abgeschlossen. Mor­gen, am 5. März, jährt sich der Todestag Stal­ins, der mir nur deshalb im Gedächt­nis haftet, weil auch der rus­sis­che Kom­pon­ist, dessen Musik für mich ein ewiger Quell der Freude und Inspi­ra­tion ist, am sel­ben Tag, ja, zur sel­ben Stunde starb: Prokof­jew. Ich will daran glauben, dass es nicht die Stal­ins und Putins sind, die Rus­s­land aus­machen, son­dern die vie­len völ­lig nor­malen Men­schen und nicht zulet­zt die Dos­to­jew­skis und Prokof­jews unter ihnen.

Die Impf­pflicht soll übri­gens immer noch kom­men, und wer jet­zt noch dage­gen ist, kann ja nur ein heim­lich­er Putin­ver­ste­her sein. Also, seien sie endlich mal sol­i­darisch! Der vierte Schuss ist für die Ukraine. Und jet­zt: zwei Minuten Russen­hass für alle! Ihr dürft die Masken kurz abnehmen.

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28 Kommentare

  1. Als Mit­glied rus­sis­che Min­der­heit in Ukraine habe ich alltägliche Disk­tri­m­inierung erlebt. Ange­fan­gen mit Namen­sän­derung bis Schmiergelder aber nur für Leute mit “Nation­al­ität: rus­sisch” im Pass­port. Irgend wann ist auch genug.
    Krieg in Ukraine lauft seit 8 Jahre, wird von EU als “antiter­ror Oper­a­tion” ignori­ert. Die Bilder weg zen­siert. Da muss man fra­gen wo waren die europäis­che Werte 8 Jahre lang? Haus von meine Oma wurde von ukrainis­che Armee zer­bombt.

    • Rus­s­land ist ein enorm großes Land, das größte über­haupt; 9% der Land­fläche der Erde sind Rus­s­land. Wobei das Land ein ver­gle­ich­sweise winziges Brut­tosozial­pro­dukt hat, das ger­ade so eben dem Frankre­ichs entspricht. Warum müssen Russen aus­gerech­net in der Ukraine wohnen?, hat Rus­s­land nicht genug Platz oder keinen Bedarf für mehr Arbeit­skräfte?
      Putins Angriff­skrieg will mehr Ter­ri­to­ri­um für das ohne­hin lächer­lich riesige Rus­s­land. Das ist klas­sis­ch­er Impe­ri­al­is­mus wie im 19. Jahrhun­dert, ein­schließlich die skru­pel­losen Meth­o­d­en. Für dieses Ziel klas­sis­ch­er Groß­mannssucht verkauft Putin tausende rus­sis­che Sol­dat­en, die elend ster­ben… ganz zu schweigen von rus­sis­chen Mord­bren­nereien gegen Ukrain­er.

      Um das Haus Ihrer Groß­mut­ter tut es jedem nor­malen Men­schen Leid. Nie­mand ander­er als Putin hat das verur­sacht, indem er zuerst Russen in die Ukraine ein­sick­ern ließ, um einen Kon­flikt zu schüren und dann zwei Angriff­skriege zu starten: 2014 wegen der Krim, jet­zt 2022 gegen die ganze Ukraine.

      Zivilis­ten sind das erste Opfer eines Krieges. Furcht­bar. Dieser Krieg ist ja nicht ‘aus­ge­brochen’, kein Krieg bricht jemals aus. Kriege wie dieser wer­den von Groß­mannssüchti­gen ges­tartet. Weshalb der Mann nicht mehr Putin heißt; er heißt jet­zt Put­ler.

      Lang lebe die Ukraine.

  2. Das meiste hier beschriebene sind natür­lich Petitessen. Auf der anderen Seite ist es natür­lich schwierig, Sank­tio­nen so auszurollen, dass die Leute wis­sen, wie sie han­deln soll­ten.

    Jet­zt lass ich mich prügeln, aber so hab ich auch schon bei den chao­tis­chen ersten Coro­na-Maß­nah­men reagiert. Bevor man grob weiß, was zu tun ist, braucht es etwas Aktion­is­mus. Wer sich verir­rt hat, find­et schneller wieder einen Anhalt­spunkt, wenn er sich beim grü­beln bewegt. Bei Coro­na war meine Geduld rapi­de erloschen und beim “rus­sis­chen Zupfkuchen” (übri­gens eine deutsche, ver­mut­lich ost­deutsche Kreation aus den 1990ern) hört sie auch rapi­de auf.

    Aber ein reich­er Russe kann auch ein chi­ne­sis­ches Kranken­haus besuchen. Denn darum geht es dann eben schon. Es soll schon stören und zwar weniger die ein­fachen Leute und mehr die Wohlhaben­den und Ein­flussre­ichen. Man kann in einem Kon­flikt nicht jeden Einzelfall gerecht entschei­den, dem Putin-Kri­tik­er helfen und dem Appa­ratschik nicht. Putin wird auch nicht nach Einzelmei­n­un­gen fra­gen, wenn er die Häuser bom­bardieren lässt.

    Die eigentlich viel wichtigere Frage ist, wie lange das gut geht. Wann lässt die Diszi­plin nach? Wann bricht unser Leben hier im West­en unter dem Infla­tions­druck und den simul­ta­nen Krisen zusam­men? Ich denke, es wäre bess­er, finanzielle Sank­tion­s­möglichkeit­en schnell und hart durchzuführen als sich ewig auf zwei Wochen Kriegskurve abflachen einzuricht­en.

    Die rus­sis­chen Panz­er müssen abziehen. Nie­mand weiß, ob sie sich in der Ukraine fest­set­zen. Entsprechend weiß auch kein­er, ob sie irgend­wann weit­er rollen, nach Est­land, Lit­tauen, Polen, zu uns. Es ist näm­lich abso­lut unklar, was die Russen über­haupt wollen. Laut Putin wollen sie einen Völk­er­mord stop­pen, der nicht stattge­fun­den hat. Man­gels Massen­er­schießun­gen und ander­er Gräuel, muss das Ver­bot von Rus­sia Today und die Fest­stel­lung des Ukrainis­chen als Amtssprache her­hal­ten. Das sind bei­des Maß­nah­men, die ich ablehne, aber sie sind kein Völk­er­mord.

    Und natür­lich geht es laut rus­sis­ch­er Pro­pa­gan­da um NATO-Mit­glied­schaften und Mil­itär­basen. Da alle Sied­lungs­ge­bi­ete Rus­s­lands in atom­ar­er Reich­weite liegen (eben­so wie umgekehrt wir in Europa und auch die US-Amerikan­er), ist der einzige “Angst­fak­tor”, dass die Ukraine oder ein NATO-Land mit Boden­trup­pen Napoleon und Hitler nach­fol­gen wollen.

    Also kurz: Putin hat keine Angst vor NATO-Mit­glied­schaften, Mil­itär­basen oder Völk­er­mor­den. Aber der Kon­flikt hat erfol­gre­ich die west­liche Oppo­si­tion ges­pal­ten, die sich ger­ade in der abklin­gen­den Coro­na-Sit­u­a­tion gesam­melt hat­te.

    Nicht nur die AfD hat eine dubiose Rus­s­land­verk­lärung. Die zieht sich durch sämtliche Umfra­gen und durch die Gesamt­bevölkerung. Ins­beson­dere wenn man einen Ver­gle­ich zu den Amerikan­ern anbi­etet. Amerikan­ern kann man nicht trauen. Viel ver­trauenswürdi­ger ist in den Augen viel­er Deutschen die rus­sis­che Ober­schicht. Auch darin zeigt sich unsere Spal­tung und unsere Ent­frem­dung. Ich hab mas­sive Schwierigkeit­en, mich mit meinen Leuten zu iden­ti­fizieren. Ich weiß seit 2015 nicht mehr, wofür sie ste­hen. Sie ste­hen jeden­falls nicht für die Dinge, denen sie immer Lip­pen­beken­nt­nisse zuteil wer­den ließen. Rus­s­land (und andere) wis­sen um diese Ent­frem­dung und um die Spal­tung. Wer wird aus einem Fen­ster einen 19-jähri­gen rus­sis­chen Wehrpflichti­gen erschießen, um Ursu­la von der Leyen zu ret­ten? Putin, Xi Jin­ping und andere sind bestens über unsere Uneinigkeit im Bilde und wer­den sie zu nutzen wis­sen.

  3. Ich möchte auch noch etwas ein­brin­gen, was ich empfinde bzw. beobachte. Und zwar kommt nicht nur unbe­d­ingt das Bedürf­nis, irgend­wo draufhauen zu kön­nen, ger­ade zum Vorschein, son­dern auch der Drang, endlich mal wieder etwas tun, wirk­lich helfen zu kön­nen, nüt­zlich zu sein, gebraucht zu sein, wird ger­ade bedi­ent.

    Ich ziehe mir kaum Medi­en rein, aber die ganzen Aktio­nen über­all bekomme ich schon mit. Auf diesem Wege lenken sich die Men­schen ab von ihren eige­nen Prob­le­men und von den Din­gen, wo es wirk­lich hinzuschauen wert wäre, zum Beispiel zu den tat­säch­lichen Hin­ter­grün­den. Wenn man irgend­wo wirk­lich konkret helfen kann, fühlt man sich ein­fach nicht mehr ohn­mächtig (wie man sich ja oft fühlt im Leben, beson­ders auch in undurch­sichti­gen gesellschaftlichen Krisen, wie Coro­na) und weit­er­hin kann man sich selb­st wieder mal bestäti­gen, dass man ein guter Men­sch ist.

    Und endlich hat auch der Überkon­sum der Leute, das Zuviel an Klam­ot­ten und allem Möglichen eine Adresse und einen Ort, man kann den Sack Klam­ot­ten nüt­zlich ein­set­zen und muss sich nicht mehr zuhause mit ihm auseinan­der set­zen und Kon­se­quen­zen ziehen, man wird nicht mehr an das Zuviel erin­nert.

    Ist zynisch, aber all das sehe ich, wenn ich die Leute und diesen Aktion­is­mus beobachte.

    • Ist nicht zynisch, son­dern glasklar und gut beobachtet ! Gle­ichzeit­ig aber auch nur eine Facette des ganzen Bildes ! Die jahre­lange und fuer meine Begriffe, sehr ein­seit­ige medi­ale Beschal­lung und Druck­be­tankung der Bevoelkerung traegt nun auch reich­lich Fruechte ! Inter­es­sant ist ja auch das staendig wieder­holte Mantra von der rus­sis­chen Pro­pa­gan­da ! Hoeren die sich eigentlich mal sel­ber zu ? Man muss schon heftig selb­st­be­sof­fen und geschichtsvergessen durch das Leben taumeln, um nicht spaetestens nach der drit­ten Halb­wahrheit , vor Scham rot anzu­laufen ! Mod­erne Zeit­en und trotz­dem intellek­tuelles Mit­te­lal­ter !

  4. Selb­stver­ständlich hat er recht, der gute Roger Letsch. Der brave Spießer braucht immer mal jeman­den zum Draufhauen: In sehr fin­steren Zeit­en war es der Jude, in den let­zten einein­halb Jahren waren es die „Anti­vaxxer“ und jet­zt ist es der Russe. Wohlge­merkt der Russe, nicht Putin oder sein post­sow­jetis­ches poli­tis­ches Umfeld. Und das ist zum einen sel­ten doof und zum anderen schändlich. Diejeni­gen, die jet­zt (ange­blich) nicht mehr Dos­to­jew­s­ki lesen, haben ihn sowieso nie gele­sen. Geschweige denn ver­standen. Und diejeni­gen, die mutig ver­bal auf rus­sis­che Opern­di­v­en ein­dreschen, wür­den ihre eigene Frau verkaufen, um auch nur ein­mal in die Nähe solch weib­lich­er Göt­tlichkeit zu gelan­gen. Ich denke schon seit „Kli­ma“, die haben den Leuten um mich herum ins Gehirn gesch… en. Und nach­dem sich eine (an sich liebe) alte Fre­undin, die extra dafür von Sylt kam, weigerte, unser Haus zu betreten, weil wir „Ungeimpften“ sie dann auf die Inten­sivs­ta­tion brächt­en, denke ich, Boost­ern beseit­igt auch noch die Reste verbliebe­nen Hirns im Kopf. Nochmals: Roger hat recht. Es sind psy­chis­che Mech­a­nis­men im Gang, die offen­sichtlich sukzes­sive die Zivil­i­sa­tion in unseren Köpfen auf Steinzeit zurück­set­zen. Egal, wie das aktuelle The­ma lautet.

    • Danke. Wenn Sie den Satz beherzi­gen “Die Parolen wech­seln, der Typus bleibt”, wenn Sie mit Eth­nolo­gie beschäfti­gen und übliche Trib­al­is­men studieren, sei es in Papua-Neuguinea, sei es im Ori­noko-Gebi­et, wenn Sie reka­pit­ulieren, was wir aus dem alten Rom wis­sen in unzäh­li­gen Bericht­en über den Mob, von Ereignis­sen der Sorte Bartholomäus-Nacht in der europäis­chen sog. Hochkul­tur ganz zu schweigen, usw. usf., wenn Sie schließlich das inner­artliche Ver­hal­ten, v.a. die Rudel- und Hor­den­mechanik, von Pri­mat­en studieren, gle­ich ob Schim­pansen oder Paviane, dann sehen Sie, ein wie rares und zartes Gut das ist, was wir als “zivil­isiertes Ver­hal­ten” beze­ich­nen, und wie unglaublich dünn die Decke der “Zivil­i­sa­tion” ist. Ein Fir­nis, den man nicht mit­tels Marx­is­men, Dekon­struk­tivis­men und ander­er Parade­bil­is­men zer­stören, son­dern pfle­gen und hüten müsste. Müsste, aber das dürfte eine verge­bliche Hoff­nung sein im Lichte dessen, wie die sog. Intel­li­genz über­wiegend beschaf­fen ist. An Coro­na sieht man auch schön, dass es bere­its der Kom­pe­tenz bedarf, um das Vorhan­den­sein von Kom­pe­tenz beurteilen zu kön­nen. Wäre es anders, kön­nte nicht jemand wie Herr L., der in einem Film “Ger­man Psy­cho” sich­er Kan­di­dat für die Haup­trol­le wäre, ein — zumin­d­est vorge­blich — hohes Anse­hen genießen. Auch ist die gegen­wär­tige Zeit lehrre­ich darin, auf immer wieder über­raschende Weise zu zeigen, welche Mit­men­schen sich als für Meuten­mechanik anfäl­lig und welche sich als robust & autonom erweisen. In dieser Mechanik spie­len die Massen­me­di­en, vor allem die Tele­fik­tion, eine zen­trale Rolle, schließlich sind die darauf angelegt, dass ein Bild mehr lügt als tausend Worte.

      • Es scheint, dass Regierun­gen weit­er­hin die Emo­tio­nen ihrer Bevölkerung manip­ulieren. Ich wun­dere mich warum? (Das ist Sarkas­mus, ja.)

        • Tja… weil es ihnen nützt? 🙂 Aber was nützt schon den Nut­zlosen, außer mehr Nut­zlos­es.
          Und dann startet der Aller­nut­zlos­es­te einen Angriff­skrieg und weist seine kleinen Angestell­ten (Lotte, Johan­nesK und katrin seifert bis jet­zt, siehe unten) an, die aller­nut­zlos­es­te Scham­lospro­pa­gan­da ins Inter­web­by zu tun. Hach ja.

  5. Nach der Gesellschaftss­pal­tung durch die staatliche Maß­nah­mengeil­heit (bezüglich eines durch ominöse Umstände in Umlauf gebracht­en Virus­es), möchte man sich schon gern ein eini­gen­des Ereig­nis zwecks (Wieder-) Zusam­men­führung wün­schen. Das ein­set­zen von Gemet­zel, das Entstellen, das Töten an Men­schen, dies ganze hem­mungslose Unrecht böte sich ganz unfriv­ol gesprochen, und uner­warteter weise, hierzu an.
    Aber nein, dem Feingeist ist anscheinend das Unrecht an den (zumeist unin­formierten) rus­sis­chen Bürg­ern wichtiger, als die seel­is­che, geistige und vor allem kör­per­liche Integrität der schnö­den Ukrain­er. Ich muss geste­hen, dass ich mir bis vor kurzem keine Hal­tung zu einem Ereig­nis hätte vorstellen kön­nen, welch­es mein poli­tis­ches Koor­di­naten­sys­tem soweit von denen ent­fer­nen sollte, die bish­er noch eine Trutzburg des Trostes für mich gewe­sen sind. Oder ich will es mal anders herum sagen: wäre es allein Putins Krieg, nicht der sein­er Bürg­er und Sol­dat­en, also der gesellschaftliche Kräfte und Autoritäten, die bis heute nicht die ger­ing­sten Anstal­ten machen eine halb­wegs kri­tis­che Hal­tung gegenüber Ansin­nen und Ver­brechen des Kom­mu­nis­mus selb­stver­ant­wortlich zu entwick­eln, — ja dann wäre es höch­ste Eisen­bahn den Stab über die beschriebe­nen teu­tonis­chen Rus­s­land-Bash­er zu brechen.

    • Hmmm. Also sind Sie irgend­wie dage­gen, also gegen etwas, wobei das offen­sichtlich irgend schwierig ist, das Etwas und das Dage­gen­sein und beson­ders das Offen­sichtliche. Na schön. Aber was ist es denn nun? Kom­mu­nis­mus-? Schöde Ukrain­er gar? Oder zwis­chen den Zeilen, ja. Aber welchen?
      Her­rjeh.

  6. @ Lotte und Johan­nesK: sind Sie rus­sis­che Trolle?
    @ Herr Lesch: “Lotte” und viele der Kom­mentare zu Ihrem Artikel auf achgut.com entstam­men den Geis­tern, die Sie — ob Ihrer hiesi­gen Antworten wohl unge­wollt- gerufen haben. Sie haben mit Ihrer m.E. an den Haaren her­beige­zo­ge­nen Verknüp­fung von Coro­na-Imp­fung und Russen das Nar­ra­tiv der Rus­s­land-Fre­unde bedi­ent, die sich wie die Russen als Opfer gerieren wollen.

    Hierzu die PM der AfD, die von “dem rus­sis­chen Part­ner” — zugle­ich unaus­ge­sprochen nicht auch vom ukrainis­chen! — spricht und eine Stärkung des “gegen­seit­i­gen Ver­trauens” wün­scht:

    “Berlin, 24. Feb­ru­ar 2022. Zum Angriff Rus­s­lands auf die Ukraine teilen der Bun­dessprech­er und die stel­lvertre­tende Bun­dessprecherin der Alter­na­tive für Deutsch­land, Tino Chru­pal­la und Alice Wei­del, mit:

    „Der Angriff Rus­s­lands auf die Ukraine ist durch nichts gerecht­fer­tigt. Rus­s­land muss die Kampfhand­lun­gen umge­hend ein­stellen und seine Trup­pen aus der Ukraine zurückziehen. Die Lösung zwis­chen­staatlich­er Kon­flik­te kann nur am Ver­hand­lungstisch erfol­gen.

    In den Gesprächen müssen dem rus­sis­chen Part­ner endlich glaub­würdi­ge Ange­bote gemacht wer­den, die das gegen­seit­ige Ver­trauen wieder stärken. Die Bun­desregierung hat bei allen Ver­suchen, gemein­sam mit unseren Ver­bün­de­ten eine friedliche Lösung des Kon­flik­ts her­beizuführen, die Unter­stützung der Partei.“

    • Ja und was möcht­en Sie damit mit­teilen, das die AfD real­is­tis­cher­weise “rus­sis­che Part­ner” gesagt hat, oder möchte Sie die jet­zt netre­bkoisieren?
      Die Bun­desregierung hat dieses Land so sys­tem­a­tisch von rus­sis­ch­er Energie abhängig gemacht, dass dieser rus­sis­che Part­ner jet­zt real­is­tis­cher­weise mehr wie ein DDR-Brud­er ist, den man sich bekan­ntlich nicht aus­suchen kann. Das war schon immer sehr dumm und ist grad jet­zt düm­mer denn je wegen der sich steigern­den Kriegslüstern­heit des ewigen Hege­mons dorten, aber es ist lei­der Real­ität. Wei­del und Chru­pal­la haben das erfasst.

      Und selb­stver­ständlich trifft Roger Letsch voll ins Schwarze mit dem Ver­weis auf steigende Aggres­sio­nen wegen der sinnlosen Maß­nah­men gegen den den Wuhan-Schnööf, steigen­den Aggres­sio­nen im gemeinen Volke auch in der Chefe­tage der Bayrischen Staat­sop­er usw. usf., und gemeinen Aktio­nen gegen unbeteiligte Russen. Was glauben Sie wie es zu diesen Aggres­sio­nen kommt? Man will drauf­schla­gen. Man will aber keine deutschen Autoritäten ver­prellen, die sind zu nah an einem dran. Also sucht man einen Sün­den­bock der sich schlecht wehren kann. Das waren mal die Juden (sind es ja immer noch), das waren vorigen Woche noch die Ungeimpften, und jet­zt sind das ver­mutete Putin­ver­ste­her-plus. Ja? Wobei das ‘Plus’ noch irgend­wie unkar ist, aber das ist es ja immer bei dumpfen Aggres­sio­nen gegen die-da.

      • zum ersten Absatz:
        Wer einen Krieg begin­nt, stellt sich nach mein­er Mei­n­ung als jemals her­aus, der kein Part­ner war und auch auf abse­hbare Zeit (10–20 Jahre) kein Part­ner mehr wer­den kann.
        Die AfD hinge­gen hält Rus­s­land trotz des Krieges weit­er für einen Part­ner. Die Bun­desregierung zutr­e­f­fend­er­weise nicht mehr; die Abhängigkeit von Gas und Erdöl wird ja (erst jet­zt) reduziert.
        Ent­ge­gen Ihrer Mei­n­ung bin ich davon überzeugt, dass die AfD durch die PM zum Aus­druck bringt, den Schul­ter­schluss mit Rus­s­land zu wollen und keines­falls eine Abkop­plung, auch in wirtschaftlich­er Hin­sicht. Und das ist Ver­rat an der Frei­heit. Was die AfD aber erwartungs­gemäß nicht davon abhält, zu behaupten, sie sei eine Vertei­di­gerin der Frei­heit.

        zum zweit­en Absatz:
        Netre­bko und Gergi­jew (dem­nächst wohl auch Igor Zelen­sky (Bal­lett )) sind keine “unbeteiligte Russen”, son­dern haben Putin öffentlich unter­stützt, Netre­bko u.a. durch Konz­erte im Don­bass, Gergi­jew u.a. durch Unterze­ich­nung ein­er Erk­lärung zur Krim.

        Wieso soll­ten deutsche Steuergelder dazu ver­wen­det wer­den, Per­so­n­en in Lohn und Brot zu hal­ten, die sich trotz Auf­forderung nicht von dem rus­sis­chen Nar­ra­tiv dis­tanzieren, dass Selen­skyi (als Jude!) ein Nazi sei, der getötet wer­den müsse, und zudem nicht ein­mal den Krieg verurteilen?
        Zu den Steuergeldern gilt dies nicht nur zu “Russen”, son­dern auch für den Ex-Kan­zler Schröder.

        Auch Sie ver­suchen, wie offen­sichtlich viele der Kom­men­ta­toren auf dieser und weit­eren ähn­lichen Seit­en, eine Opfer­rolle (“Sün­den­bock”) evtl. für sich selb­st zu find­en. Die Juden­ver­fol­gung und ‑ermor­dung in eine Rei­he zu stellen mit Ungeimpften und Putin­ver­ste­hern ist ver­stiegen. Mir ist kein Impfgeg­n­er bekan­nt, der in einem KZ ermordet wor­den wäre — kön­nen Sie mir solche benen­nen, evtl. auch gle­ich ein paar Mil­lio­nen?

        Dumm ist es in der Tat (da bin ich bei Ihnen), pauschal Russen eine medi­zinis­che Ver­sorgung zu ver­sagen, Kuchen umzube­nen­nen oder gar — dann schon krim­inell — Läden zu beschmieren o.ä.. Aber eine generelle oder gar konz­ertierte Dämon­isierung von Russen kann ich nicht erken­nen und hof­fentlich wird es so etwas auch nie geben. Ich tre­ffe mich übri­gens nach­her mit einem Impfgeg­n­er zum Kaf­fee, einen schö­nen Sam­stag noch!

        • Kaf­fee mit Ungeimpften schmeckt gle­ich nochmal so gut 🙂 wie ich weiß, denn solchen trinke ich meist mit mir selb­st. Gut’ Kaf­fee wün­sche ich Ihnen.

          Zum Beitrag: Die Bun­desregierung hat seit Jahren alles dafür getan, um Deutsch­land abhängig von rus­sis­ch­er Energie zu machen, also hat sie damit Tat­sachen geschaf­fen. Die AfD sieht diesen Punkt richtig, egal wen man da mag, oder wen weniger.

          Ich habe NICHT Ungeimpfte, Putin­ver­ste­her, und Juden in eine Opfer­rei­he gestellt, das wäre absurd. Bloß das deutsche Spon­tan­ressen­ti­ment ist das gle­iche. Wobei Netre­bko und Gergi­jew Musik­er sind; deren Pri­vat­mei­n­un­gen mögen Teils bescheuert sein, tun aber nichts zur Sache. Sache ist allein, dass das Musik­er und keine Poli­tik­er sind. Musik­er müssen keinen Krieg verurteilen oder etwas übers Kli­ma sagen, warum müssten sie das sollen?, und wenn sie es tun, ist es nicht weit­er rel­e­vant.

          Dem Rest stimme ich zu. Einen schö­nen Mittwoch noch!

          P.S.
          Lang lebe die Ukraine.

  7. Er ignori­ert den Fakt, dass die Ukraine kein sou­verän­er Staat ist. Die NATO daher schön auf pol­nis­ch­er Seite bleibt, sie ken­nen die wahren Gren­zen (1918) und die wer­den wahrschein­lich wieder hergestellt. Das schmeckt vie­len nicht, die diese krim­inelle Okku­pa­tionsver­wal­tung der grün- roten Faschis­ten unter­stützen. Kaum jemand liest die Bun­des­bere­ini­gungs­ge­set­ze durch, beson­ders die aus den Jahren 2006–2007. Die “BRiD” ist bald Geschichte. Putin hat in seinen Reden erwäh­nt, wer die Macht ab 1917 in Rus­s­land usw. hat­te, wie sie von aus­ländis­chen Mächt­en aus­geübt wurde. Wer sich die wahre Geschichte ansieht, merkt was kommt und wie gehirnge­waschen die deutschen Völk­er wur­den.

      • Haha. In der Tat.
        Die Lotte kligt genau­so wie die ewig gle­ichen Leser­briefe auf der Seite von Sven von Storch, der sel­ber ja gar nicht so ist; aber irgend­wie kön­nen sie dort diese lot­tis­chen Leser­briefe nicht rauss­chmeißen. Tja, die wahre Geschichte, und die Lotte mag den Put­ler auf die wahre Weise. Seufz.

  8. Ein schön­er und inter­es­san­ter Artikel, Herr Letsch.
    Im Großen und Ganzen stimme ich Ihrem Kom­men­tar und Ihrer Ansicht zu. Allerd­ings unter­schla­gen Sie an eini­gen Stellen auch Fak­ten, die für Jed­er­mann zugänglich und nachvol­lziehbar sind, die auch erk­lären, was die Ursache und Gründe für den so genan­nten “Angriff” sind.

    * Dass acht Jahre lang Men­schen in der Ostukraine durch Angriffe ukrainis­ch­er Milizen und Stre­itkräfte tyran­nisiert und ermordet wur­den, und in der gesamten Ukraine Men­schen aus­ge­beutet wur­den und wer­den, wird hier mit keinem Wort erwäh­nt.
    * Dass die Ukraine bere­its in den Neun­zigern für den Kinder­han­del bekan­nt war, wo Müt­tern die neuge­borene Kinder weggenom­men und ins Aus­land für Tausende von Euros und Dol­lar verkauft wur­den.
    * Die so demokratis­che Ukraine, in der Oppo­si­tionelle ermordet und TV- und Radiosender ver­boten wer­den. Wo rus­sisch-sprechende ver­prügelt und diskri­m­iniert wer­den.

    Was denken Sie, wer dies her­beige­führt hat. Der wehrte West­en, ange­führt von den USA. Rus­s­land gilt schon seit über hun­dert Jahren als Feind des Anglo-Amerikanis­chen Raumes. Und diesen gilt es zu ver­nicht­en, mit allen Mit­teln.
    Meine Bitte an dieser Stelle. Lassen bitte diese ein­seit­ige, übri­gens im West­en weit ver­bre­it­ete, Sichtweise.
    Wenn Sie schon vom Tyran­nen Putin (den Sie mit Stal­in im sel­ben Satz erwäh­nen) sprechen, dann unter­schla­gen Sie bitte nicht den Gegen­part. Alles andere ist Fram­ing, das nicht bess­er ist, als das, was die Medi­en tun.

    Mit fre­undlichen Grüßen,
    Johannes

    • Unter­schla­gen ist vielle­icht etwas ten­den­z­iös. Ich unter­schlage nichts, son­dern stelle fest, dass all das, was die Ukraine vorher auch verzapft haben mag, nicht als Begrün­dung für einen Ein­marsch dieser Art taugt, auch wenn Putin das ver­sucht und nun Sie auch. Nee nee, hier reden wir ja nicht mehr von Regel­brüchen und ent­täuscht­en Erwartun­gen. Für all die Punk­te Ihrer Aufzäh­lung ist es zu spät und wenn man die einzel­nen Argu­mente nimmt, tre­f­fen sie 1:1 auch auf jede Menge Unge­heuer­lichkeit­en zu, die Putin eige­nen Oppo­si­tionellen, im eige­nen Land oder auch in Georgien so verzapft. Wer den Krieg begin­nt, set­zt sich ins Unrecht, Punkt. Der Rest sind Pro­pa­gan­da und verzweifelte Recht­feri­gungsver­suche.

    • guten Tag Herr Johannes, Ihren Komen­tar finde ich tadel­los. vie­len Dank dafür!
      Lieber Gruß v Frau Seifert

  9. Diejeni­gen die sich jet­zt laut­stark am all­ge­meinen “Russen-Bash­ing” beteili­gen, sind die, die schon während der Coro­na-Krise und auch bei kom­menden glob­alen Krisen nicht die ger­ing­ste Ahnung haben, woge­gen sie über­haupt wet­tern.

  10. Aha, sind wir wieder so weit?

    Ich glaube, den Antrag den münch­en­er Englöis­chen Garten wegen des BREXITS in Europa-Garten zu taufen lebt auch noch.

  11. Danke Herr Letsch. Ich empfehle die Lek­türe von „Die let­zten Tage der Men­schheit“. Karl Kraus hat das Werk ja weit­ge­hend aus Orig­i­nalz­i­tat­en mon­tiert. Zum Beispiel:

    Szene 34:

    Der Fiak­er (nachrufend): „A so a notiger Bei­t­el vardächti­ga!“
    Die Menge: „Loßts’n gehn! Mochts kane Repras­salien, dös ghört si net! Mir san net aso!“
    Ein Amerikan­er vom Roten Kreuz (zu einem andern): “Look at the peo­ple how enthu­si­as­tic
    they are!“
    Die Menge: „Zwa Englän­der! Reden S’ deutsch! Gott strafe Eng­land! Hauts es! Mir san in Wean“ (Die Amerikan­er flücht­en in ein Durch­haus.) „Loßts es gehn! Mir san net aso!“
    Ein Türke (zu einem andern): „Regardez l’en-thou­si­asme de tout le monde!“
    Die Menge: „Zwa Fran­zosen! Reden S’ deutsch! Hauts es! Mir san in Wean!“ (Die Türken flücht­en in das Durch­haus.) „Loßts es gehn! Mir San net aso! Dös war ja ttirkisch! Sechts denn net, die ham ja an Fez! Dös san Bun­desgenossen! Holts es ein und singts den Prinz Eugen!“
    (Zwei Chi­ne­sen treten schweigend auf.)
    Die Menge: „Japan­er san do! Japan­er san a no in Wean! Aufhän­gen sollt ma die Bagasch bei ihnare Zopf!“
    Ein­er: „Loßts es gehn! Dös san ja Kineser“
    Zweit­er: „Bist sel­ber a Kineser!“
    Der erste: „‘leicht du!“
    Drit­ter: „Alle Kineser san Japan­er!“
    Viert­er: „San So vielle­icht a Japan­er?“
    Drit­ter: „Na.“
    Viert­er: „Na olstern, aber a Kineser san S’ do!“
    (Gelächter.)
    Fün­fter: „Oba oba oba wos treibts denn, habts denn net in der Zeitung g’le­sen, schauts her, da ste­hts“ (er zieht ein Zeitungs­blatt her­vor): »Der­ar­tige Auss­chre­itun­gen des Patri­atismus kön­nen in keen­er Weisee gedudldeet wer­den und sind überdies geeigneet,“

    Szene 35:
    „den Frem­den­verkehr zu schädi­geen«. Wo soll sich denn da nach­er ein Frem­den­verkehr entwick­eln, wo denn, no olstern!“
    Sech­ster: „Bra­vo! Recht hot er! Der Frem­den­verkehr, wann mr eahm hebn wolln, das is schw­er, das is net aso —“
    Sieben­ter: „Halts Mäul! Krieg is Krieg und wann ein­er amerikanisch daherredt oder türkisch oder so —“
    Achter: „So is. Jet­zt is Krieg und da gibts keine Würsch­tel!“
    (Eine Dame mit leichtem Anflug von Schnur­rbart ist aufge­treten.)
    Die Menge: „Ah do schauts her! Das ken­nt ma schon, ein verklei­de­ter Spi­on! Varhaften! Ein­spirn
    stan­tape!“

    usw.

  12. Danke, Sie haben mir voll aus der Seele geschrieben! Unsäglich und dumm, was da ger­ade passiert. Und ger­ade diejeni­gen, die immer Pauschal­isierun­gen und Aus­gren­zun­gen Einzel­ner oder Min­der­heit­en anprangerten, tun sich als die größten Eifer­er her­vor. (und ich bin kein Russe, habe auch über­haupt keine dies­bezüglichen Beziehun­gen).

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