Woher kommt nur diese Lie­der­lich­keit vieler Medien im Umgang mit bestimm­ten Begrif­fen? Es ist heute möglich, die Worte „Wetter“, „Modell-Rech­nung“ und „Kli­ma­wan­del“ in einem Satz zu ver­wen­den und dabei als Mode­ra­tor oder Jour­na­list ein Gefühl von Wahr­haf­tig­keit aus­zu­sen­den, als hätte man die Kon­stante PI auf 50 Nach­kom­ma­stel­len genau vor­ge­le­sen. Kein Biss­chen Distanz zum Thema, kein Kon­junk­tiv steht dem Akti­vis­mus im Wege. Statt­des­sen werden Expe­ri­mente, Modelle, Hoch­rech­nun­gen und „opti­mierte” Zahlen zu gefühl­ten Gewiss­hei­ten zusam­men­ge­fie­delt. Man tut bild­lich gespro­chen so, als sei die Tat­sa­che, dass sich die Chris­ten auf den Inhalt des „Vater­un­ser“ geei­nigt hätten, ein Got­tes­be­weis.

Auch „ttt-Titel Thesen Tem­pe­ra­mente“ befasste sich am 8.10.2017 mal wieder mit dem Kli­ma­wan­del (Video im Link). In den Ankün­di­gun­gen zur Sendung war sogar davon die Rede, dass es nun „endlich den Beweis“ für die bisher nur geglaub­ten Behaup­tun­gen gäbe, mit denen die Hohe­pries­ter der Klima-Reli­gion ihre Ablass­briefe unters Volk des schlech­ten Gewis­sens bringen: Nun sei es gewiss, es gäbe ihn tat­säch­lich, den Teufel, vor dem der Klerus seit Jahren in den schrills­ten Tönen warnt und der Name des Gehörn­ten ist Kli­ma­wan­del! Lasset also ab vom Skep­ti­zis­mus, glaubet aller­or­ten und ent­hal­tet euch der spöt­ti­scher Wider­rede, auf dass ihr erlöst werdet vom Unglau­ben und zu uns anderen ins Licht der Erkennt­nis kommet, welches das einer Ener­gie­spar­lampe ist!

ttt-Mode­ra­ti­ons­mi­nis­trant Max Moor schwenkte in der Anmo­de­ra­tion zum Beitrag das Weih­rauch­fäss­chen genüss­lich und als Beweis für recht­schaf­fe­nes Handeln über den besieg­ten Teufeln der Ver­gan­gen­heit, der Ziga­ret­ten­in­dus­trie und den Schnaps­bren­nern, denen es am Ende auch nicht gehol­fen hätte, dass Men­schen selbst dann an Lun­gen­krebs oder Leber­zir­rhose sterben konnten, wenn sie diese teuf­li­schen Pro­dukte selbst nie kon­su­mier­ten. Und ob am Ende einer durch den Kampf gegen den Kli­ma­wan­del oder am Kli­ma­wan­del selbst stirbt, was macht das schon. Denn siehe, am Ende steht immer der Tod und die einen sterben früh am Genuss und die anderen spät an der Lan­ge­weile. Amen.

Na, soweit kommt’s noch! Es müssen Schul­dige gefun­den werden! Jetzt seien die Kli­ma­leug­ner an der Reihe, die man nun endlich mit einer über­ra­schend auf­ge­tauch­ten und völlig neuen Wis­sen­schaft besie­gen könne – einer Wis­sen­schaft, die welt­weit von weniger Wis­sen­schaft­lern aus­ge­übt wird, als es Exper­ten für die ver­glei­chende Glücks­keks-For­schung gibt. Der Zuschauer erfährt die frohe Bot­schaft aus dem Munde einer ganzen For­sche­rin, die hof­fent­lich noch Unter­stüt­zung bei der Aus­übung dieser fun­kel­na­gel­neuen „Attri­bu­ti­ons­wis­sen­schaft“ hat.

Attri­bu­tion, das klingt im Eng­li­schen natür­lich viel besser als die schnöde deut­sche Über­set­zung „Zuschrei­bung“, bei der ich mich der Asso­zia­tion von Kindern kaum erweh­ren kann, die auf dem Schul­hof „Fangen“ spielen: klatsch ­– „Du bist!“ – Zuschrei­bung erfolgt! Mit ähn­li­chen Zuschrei­bun­gen arbei­te­ten übri­gens schon die streng nach den „Geset­zen der Wis­sen­schaft“ durch­ge­führ­ten Hexen­pro­zesse im Mit­tel­al­ter – „hef­ti­ger Ver­dacht” genügte zur Ver­ur­tei­lung. Nur waren damals die Gesetze der Theo­lo­gie maß­geb­lich, während es heute die der krea­ti­ven Sta­tis­tik sind, einer anderen Theo­lo­gie. Doch sowohl damals als auch heute nehmen es die Zuschrei­ber bei der Inter­pre­ta­tion der Absich­ten ihrer Gegner nicht so genau. Jede denk­bare Eska­la­tion wird gern unter­nom­men.

Da ist heute zunächst die übliche ver­kür­zende Dele­gi­ti­mie­rung jedes Skep­ti­kers der gras­sie­ren­den Kli­ma­hys­te­rie als „Kli­ma­leug­ner“. Es ist durch­aus gewollt, dass dieser Sam­mel­be­griff so klingt, als würde es so etwas Selt­sa­mes wie Klima für Leugner gar nicht geben. Auf Nach­frage heißt es dann, dass es selbst­ver­ständ­lich „Kli­ma­wan­del­leug­ner“ heißen müsse, ein langer und sper­ri­ger Begriff, der aber auch immer noch eine unzu­läs­sige Ver­kür­zung dar­stellt. Doch genau mit dieser ima­gi­nä­ren Gruppe der „Kli­ma­wan­del­leug­ner“, zu der neben Donald Trump viel­leicht noch eine Hand­voll geistig Unbe­schenk­ter gehören, befasst sich die „Attri­bu­ti­ons­wis­sen­schaft“ argu­men­ta­tiv. Dies tut sie, indem sie die Wahr­schein­lich­keit und die Stärke des Auf­tre­tens eines lokalen Extrem­wet­ter­phä­no­mens als Folge der Erd­er­wär­mung abschätzt. Man tue das auf Basis „lang­fris­ti­ger Kli­ma­mo­delle“ und ich nehme an, dass man zu deren Model­lie­rung den rich­ti­gen Daten­satz des NASA-GISS ver­wen­det, also den, der nach­träg­lich und heim­lich „opti­miert“ wurde (Der Focus schul­meis­terte dazu, es: „… sei eine ganz normale wis­sen­schaft­li­che Methode, die Daten nach­träg­lich anzu­pas­sen. Das sei auf­grund einiger Fak­to­ren nötig, die die Mes­sun­gen ungenau machen.“ – oder sie einfach nur unbrauch­bar für den beab­sich­tig­ten Zweck machen, möchte man scharf­mes­ser­lich folgern. Diese „normale wis­sen­schaft­li­che Methode“ des „Anpas­sens von Mes­sun­gen” kennen viele Bürger viel­leicht aus der Praxis: wenn sie ihre Ein­kom­mens­si­tua­tion, die sie dem Finanz­amt über­mit­teln mit jener ver­glei­chen, die sie zur Erlan­gung eines Kre­di­tes an die Bank geben. Das sind ja auch keine „Fake-News“ – das ist „Modell­rech­nung” und in der Sta­tis­tik gibt es immer eine Methode, die zum Zweck passt.

Die Meteo­ro­lo­gen Joe D’Aleo und Anthony Watts jeden­falls nahmen die lang­fris­ti­gen Kli­ma­da­ten der NASA, die allen heu­ti­gen Modell­rech­nun­gen zugrunde liegen, vor einiger Zeit etwas genauer unter die Lupe und stell­ten fest: „ […] füh­rende meteo­ro­lo­gi­sche Ein­rich­tun­gen in den USA und auf der ganzen Welt haben sys­te­ma­tisch Mes­sun­gen von Tem­pe­ra­tur­da­ten mani­pu­liert, so dass man nicht sicher sagen kann, dass es im 20. Jahr­hun­dert über­haupt zu einer nen­nens­wer­ten glo­ba­len Erwär­mung gekom­men ist.“

Zwei Meteo­ro­lo­gen also. Das bedeu­tet rein sta­tis­tisch, dass sich schon mal ein Wis­sen­schaft­ler mehr kri­tisch mit einigen „unge­wöhn­li­chen Ereig­nis­sen“ in der poli­tisch auf­ge­la­de­nen Kli­ma­for­schung aus­ein­an­der­ge­setzt hat, als Attri­bu­ti­ons­ex­per­ten mit der Zuschrei­bung von Wet­ter­phä­no­me­nen zum Kli­ma­wan­del beschäf­tigt sind.

Zur Ehren­ret­tung der im Beitrag zitier­ten Frie­de­rike Otto sei gesagt, dass die wirk­lich kruden Aus­sa­gen nicht von ihr, sondern immer aus dem Off kamen. Selbst das WOW-Signal ihrer For­schun­gen – Plus­grade in der Arktis im letzten Winter – wird von ihr vor allem als „…vom Meteo­ro­lo­gi­schen her ein ganz ganz extre­mes Ereig­nis“ bezeich­net, was es ja auch war *. Und eben auch genau das: ein Ereig­nis. Eine Prä­zi­sion, die sich der Autor des Bei­tra­ges nicht gestat­tete, wenn er etwa Klagen gegen US-Mine­ral­öl­kon­zerne prä­ju­di­ziert und erklärt: „…weil der Anstieg des Mee­res­spie­gels auf Schad­stoff­emis­sio­nen und eben nicht auf natür­li­che Pro­zesse zurück­zu­füh­ren ist.“ Hier nimmt der Beitrag durch das kleine Wört­chen „ist“ schon mal das Urteil vorweg – denn kor­rek­ter­weise sollte man „sei“ ver­wen­den und die Gerichte bei der Auf­lö­sung dieses Kon­junk­tivs inter­es­siert beob­ach­ten. Denn was die Justiz im kla­ge­freu­di­gen Amerika zu der Sache sagen wird, wissen wohl nur Posei­don und die Götter der Schad­stoff­emis­sio­nen.

Selbst dort, wo Frie­de­rike Otto in ihren Model­len einer Natur­ka­ta­stro­phe nicht den Kli­ma­wan­del als Mephisto an die Seite stellt (ja, auch das kommt in den Model­len vor), macht der Beitrag noch ein poli­ti­sches Fass auf. „Es müssen also anderer Gründe [für das Hoch­was­ser 2013] ver­ant­wort­lich sein: die Ver­bau­ung von Flüssen, das Fehlen von Über­flu­tungs­flä­chen, …poli­ti­sche Ver­säum­nisse.“ Und schon wieder werden Ursache und Wirkung ver­wech­selt! Dies alles ist nämlich nicht für das Hoch­was­ser ver­ant­wort­lich, sondern ledig­lich für die Schäden, die es anrich­tete. Das Hoch­was­ser ver­ur­sachte ein Stark­re­gen, wie auch Frie­de­rike Otto weiß.

Doch zurück zu den „Kli­ma­leug­nern“, die eigent­lich keine sind und nicht mal in nen­nens­wer­ter Anzahl „Kli­ma­wan­del­leug­ner“ sein wollen. Die meisten von ihnen haben ledig­lich erheb­li­che Zweifel, dass es der Mensch sei, der den Kli­ma­wan­del ver­ur­sa­che und haben noch erheb­li­chere Zweifel daran, dass der Mensch das Klima in eine von ihm gewünschte Rich­tung schubs­ten könne. Denn ange­sichts nach­weis­ba­rer Warm-, Kalt- und Eis­zei­ten allein in den letzten 1.000.000 Jahre und einem groß­zü­gig geschätz­ten Anthro­po­zän von viel­leicht 100 Jahren muss es diesen Skep­ti­kern erlaubt sein, die­sel­ben sta­tis­ti­schen Werk­zeuge zu nutzen, wie sie stets gegen sie selbst in Stel­lung gebracht werden.

Denn über ein Problem konnte auch der ttt-Beitrag über die fun­kel­na­gel­neue sta­tis­ti­sche Methode „Attri­bu­to­lo­gie“ nicht hin­weg­hel­fen: den „hei­li­gen Gral“ des Nach­wei­ses für den bestim­men­den Ein­fluss des Men­schen auf den Kli­ma­wan­del kann auch sie nicht liefern. Nicht mal durch Zuschrei­bung. „Die Attri­bu­ti­ons­wis­sen­schaft kann Fakten liefern“, weih­räu­chert es zum Schluss aus dem Off. Doch da sie Mess­werte mit Model­len ver­gleicht und die Ergeb­nisse wie­derum mittels eigener Modelle inter­pre­tiert, kann sie das eben ganz und gar nicht.

* … und in diesem Jahr ist die Situa­tion noch viel schlim­mer, zumin­dest was die Ergie­big­keit der Nach­rich­ten­lage für die Kli­ma­pa­nik betrifft: eine kana­di­sche Expe­di­tion zur Erfor­schung des Kli­ma­wan­dels in der Arktis musste im Juni wegen zu viel Eis abge­bro­chen werden. Der benö­tigte Eis­bre­cher wurde gebraucht, um andere Schiffe aus bis zu 8 Meter dickem Packeis zu befreien. Nach dem letzten Jahr kam das etwas über­ra­schend. Aber daran kann auch nur der Kli­ma­wan­del Schuld sein.

5 Kommentare

  1. Kli­ma­wan­del? Glaube ich gerne. Schliess­lich war vor 15.000 Jahren Europa nach­weis­lich unter Eis begra­ben.

    Men­schen­ge­macht? (CO2) Strit­tig. Momen­tan mehr eine Glaube-Ich oder Glaube-Ich-Nicht Frage.

    Glaube ich derzeit den Aus­sa­gen der Kli­ma­wis­sen­schaft­ler? Nein, tue ich kate­go­risch nicht. Kein ein­zi­ges der Kli­ma­mo­delle der letzten 50 Jahre war korrekt! Nicht eines! Und derzeit müssen wir uns anhören, dass der Kli­ma­wan­del „eine Pause macht”, weil in Wirk­lich­keit neimand weiss, was da in Sachen Klima eigent­lich exakt von­stat­ten geht.

    1
    1
  2. Es gab übri­gens im Mit­tel­al­ter keine Hexen­pro­zesse. Die kamen erst in der Neuzeit auf.

  3. Das ist der eigent­li­che Punkt, es gibt noch nicht einmal Kli­ma­wan­del­leug­ner. Das ganze Kom­po­si­tum ist auch völlig falsch. Der Ursprung des Begriffs liegt in der Neigung des Pla­ne­ten, daraus ent­stan­den dann die Kli­ma­zo­nen und letzt­lich ist das dann bis ins Gesprächs­klima gewan­dert. Auch, dass sich das Klima wandeln kann hat noch nie jemand der bei Sinnen ist geleug­net. Der Kli­ma­leug­ner ist ganz offen­sicht­lich als poli­ti­sches Kom­po­si­tum dem Holo­caust­leug­ner ent­lehnt und dient der Dif­fa­mie­rung. Und das hat ja auch ganz gut funk­tio­niert. Überall trifft man Halb­ge­bil­dete die völlig fana­ti­siert vom Kli­ma­wan­del fabu­lie­ren. Das Haupt­ar­gu­ment dabei ist die Beru­fung auf den Common Sense also auf die Größe der Gruppe die die These ver­tritt. Das aber genau diese Gruppe meis­ten­teils genau mit dieser Fahr­karte Kli­ma­wan­del pro­mi­nent untwegs ist und all ihre Wich­tig­keit daraus bezieht wird nicht erkannt. Letzt­lich handelt es sich in diesem Fall um gesunde Wis­sen­schafts­skep­sis. Und die wächst umso mehr man sich mit dem Thema beschäf­tigt.

  4. Die Argu­mente sind aus­ge­tauscht und die Posi­tio­nen klar. Es geht nur noch ums ver­brei­ten der Thesen. Zum glei­chen Thema wie bei TTT auch gestern die Masche bei Maisch­ber­ger. 4 Über­zeugte (inkl. des Super­ex­per­ten vom PIK) und ein Ali­bi­leug­ner. Dieser durfte sogar etwas sagen, als wenn man über­haupt noch andere Mei­nun­gen hören will. Uner­träg­lich diese Über­heb­lich­keit wir Men­schen könnten wesent­lich das Klima steuern.
    Statt der bestehen­den 30.000 Windin­dus­trie­an­la­gen sollen es grob 150000 in D werden. Wir haben dann zwar keine lebens­werte Land­schaft, Natur, Heimat oder Arten­viel­falt mehr aber die Glet­scher bleiben gaaanz bestimmt da wo sie sind. Ich hasse Win­ter­sport und wohne 20,5m üNN, mei­net­we­gen können die Dinger weg.
    Ich habe mir während der Sendung ne Reise in die Türkei gebucht. Aus „deren” Sicht bin ich nun mehr­fach schul­dig. Das ist schon mein dritter Spaß­flug in diesem Jahr und dann noch Türkei. Ich werde, fernab der über­trie­be­nen und rück­sicht­lo­sen dt. Hybris, Anfang Novem­ber am Strand die Som­mer­sonne mit Effes Bier genie­ßen.

    http://​www​.daserste​.de/​u​n​t​e​r​h​a​l​t​u​n​g​/​t​a​l​k​/​m​a​i​s​c​h​b​e​r​g​e​r​/​s​e​n​d​u​n​g​/​x​a​v​i​e​r​-​u​n​d​-​d​i​e​-​w​e​t​t​e​r​e​x​t​r​e​m​e​-​k​i​p​p​t​-​u​n​s​e​r​-​k​l​i​m​a​-​1​0​0​.​h​tml

  5. Genau so ist es, des­we­gen schaue ich mir solche Possen der Jünger aus der Kli­ma­kir­che schon lange nicht mehr an. Ich merke aber: Vielen Mit­men­schen geht es auch so, man wendet sich von diesem Unfug nur noch genervt ab. Und da fragen sich die Medien: Warum ver­lie­ren wir so viele Leser oder Zuschauer? Wie wäre es mal wieder mit Qua­li­tät und Fakten, statt dem Abschrei­ben irgend­wel­cher Halb­wahr­hei­ten und Fake­news. Qua­li­tät ist nun mal das beste Rezept!

Comments are closed.