Ber­lin, 1.3.2016. Wenn sich die „Münch­ner Run­de“ des BR in Ber­lin trifft, soll­te man nicht bei allen Betei­lig­ten geo­gra­fi­sche State­ments der Extra­klas­se erwar­ten. Aber so ist die Medi­en­land­schaft heu­te eben gestrickt, man bekommt nicht immer, was im Titel steht. Das ist hier im Blog anders, ver­spro­chen. Es geht näm­lich um die Kanz­le­rin­nen­po­li­tik (also schwarz), Frau Roth war anwe­send (grün?), die sich wie ein Preis­bo­xer für die Poli­tik ihrer Kanz­le­rin stark mach­te (schwarz­grün). Der Rest des Titels ergibt sich zwin­gend aus dem Roth-Sprech in der Sen­dung. In Mut­tis Box­ring macht Clau­dia Roth ihre Sache gut. Mer­kel kann das Gesag­te in Clau­di­as Bewer­bungs­map­pe für einen Minis­ter­pos­ten ab 2017 abhef­ten. Fami­lie? Land­wirt­schaft? Viel­leicht was mit Medi­en und Malen? Man wird sehen.

Gleich zu Anfang, der Mode­ra­tor ist noch nicht mit der Anfangs­mo­de­ra­ti­on durch, schlägt Frau Roth den ers­ten Pflock ein. Als es um Flücht­lings­zah­len in Euro­pa geht und wie stark Deutsch­land belas­tet ist, ruft sie „Schwe­den! Schwe­den hat mehr auf­ge­nom­men!“ dazwi­schen. Daher weht der Wind. Der „Wett­lauf der Schä­big­keit“, den sie den euro­päi­schen Regie­run­gen vor­wirft, bedroht ihren „Wett­lauf der Mensch­lich­keit“, den Deutsch­land ihrer Mei­nung nach wohl knapp gegen Schwe­den ver­lo­ren hat. So ein Pech aber auch! Was zählt dabei schon, wie für die Schwe­den dabei die Kon­se­quen­zen aus­sa­hen und dass sich die Skan­di­na­vi­schen Staa­ten nach mehr als 50 Jah­ren dazu gezwun­gen sahen, sich wie­der abzu­schot­ten. Ganz zu schwei­gen von den innen­po­li­ti­schen Ver­wer­fun­gen in Schwe­den, von denen man hier­zu­lan­de kaum erfährt.

Roths stol­zer Hin­weis, Deutsch­land trü­ge den Löwen­an­teil der finan­zi­el­len Las­ten, die das World Food Pro­gram für die Ver­sor­gung der 4,5 Mil­lio­nen syri­schen Flücht­lin­ge vor Ort und in den unmit­tel­ba­ren Nach­bar­län­dern ist es wert, genau­er betrach­tet zu wer­den. Deutsch­land sag­te Mit­tel in Höhe von 622 Mil­lio­nen Dol­lar zu. Das ist sehr löb­lich, aber ein Witz, ver­gli­chen mit den Mil­li­ar­den, die wir in Deutsch­land für 1,x Mil­lio­nen Geflüch­te­te aus­ge­ben, indem wir sie zum Bei­spiel mit dem Taxi kreuz und quer durch die Repu­blik fah­ren. Soll­te sich damit nicht mal der Bund der Steu­er­zah­ler befassen?

Nor­bert Bolz, der von sei­ner Ein­la­dung in die­se Run­de wohl eben­so über­rascht wur­de, wie Hen­ryk Bro­der von sei­ner Aus­la­dung, wand­te denn auch zurecht ein, dass die deut­sche Hil­fe vor Ort von Anfang an bes­ser auf­ge­ho­ben wäre, wel­che jedoch nicht recht­zei­tig kam oder ganz unter­blieb. Frau Roth war der Satz wohl zu kom­pli­ziert, denn sie schien nur „kei­ne deut­sche Hil­fe“ ver­stan­den zu haben und wider­sprach ener­gisch. Deutsch­land neh­me Flücht­lin­ge auf! Und Jor­da­ni­en noch mehr!

Stimmt nur lei­der nicht, Frau Roth. Gerd Mül­ler vom Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­te­ri­um erklär­te doch gera­de: von zehn Flücht­lin­gen in ira­ki­schen Lagern wol­len zehn wie­der in ihre Hei­mat. Sel­bi­ges kann für Jor­da­ni­en und den Liba­non ange­nom­men wer­den. Fra­gen sie doch bit­te mal zehn Geflüch­te­te in Deutsch­land – erwar­ten sie aber bit­te nicht das­sel­be Ergeb­nis. War­um? Weil sie mal wie­der die Begrif­fe „Flucht“ und „Migra­ti­on“ durch­ein­an­der­brin­gen, Frau Roth! Sie soll­ten also die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on viel­leicht auch mal lesen, die sie so gern wie eine Mons­tranz vor sich hertragen.

Aber egal, solan­ge es die Mons­tranz von Frau Mer­kel ist, passt das schon. Nur in Sachen Tür­kei, tja, da ist sie nicht einer Mei­nung mit der Kanz­le­rin. Der Erdo­gan behan­delt die Oppo­si­ti­on schlecht, der ist bru­tal und gar nicht nett. Dem soll­ten wir nicht Mör­tel und Stei­ne in die Hand drü­cken, damit er eine Mau­er baut! Echt jetzt? Bekommt man jetzt vom Kif­fen schon Per­sön­lich­keits­spal­tun­gen, Frau Roth? Haben Sie ihr schi­ckes Kopf­tuch eigent­lich noch, dass Sie zu Ehren des ira­ni­schen Prä­si­den­ten bei Ihrem Besuch in Tehe­ran tru­gen? Lupen­rei­ne Demo­kra­ten im Iran, was? Und so nett!

Europa als Beispiel

Ich erspa­re dem Leser wei­te Tei­le der frucht­lo­sen Dis­kus­si­on, die sich wie gefühlt jede Talk­run­de seit Okto­ber 2015 immer im Kreis aus Mit­tel­punkt „einer­seits“ und Radi­us „ande­rer­seits“ bewegt. Aber es gab einen bemer­kens­wer­ten Punkt, der fast am Ende zur Spra­che kam – natür­lich durch Clau­dia Roth – und der womög­lich eine Erklä­rung dafür lie­fern kön­ne, war­um sich Geg­ner und Befür­wor­ter von Mer­kels Solo­tänz­chen oft am liebs­ten gegen­sei­tig die Köp­fe ein­schla­gen wür­den: Euro­pa als Bei­spiel! Nur wofür? Ich dach­te immer, Euro­pa sol­le ein Bei­spiel für die Welt sein, WIE Völ­ker zusam­men­le­ben soll­ten. Clau­dia Roth ist aber der Mei­nung, nicht WIE, son­dern WO Men­schen leben wol­len, sei damit gemeint. Nicht Staats­we­sen oder Aus­ge­stal­tung von Demo­kra­tie, son­dern Euro­pa als fina­les Rei­se­ziel. Euro­päi­sche Erwei­te­rung von innen. Denn mer­ke: Ande­ren Län­dern vor­schrei­ben, wie sie ihr Staats­we­sen orga­ni­sie­ren sollen…Neokolonialismus und Bevor­mun­dung. Die Bewoh­ner die­ser Län­der bei uns auf­neh­men, weil sich die Regie­run­gen die­ser Staa­ten einen Dreck um unse­re Wer­te küm­mern und sich lie­ber mit Bür­ger­krieg, Des­po­tie und Kor­rup­ti­on befassen…humanitäre Pflicht!

Ich gra­tu­lie­re, Frau Roth! Sie haben sau­ber her­aus­ge­ar­bei­tet, wel­ches Phä­no­men bis­her noch jedes Welt­reich in der Geschich­te in der Geschich­te dahin­ge­rafft hat. Betrach­tet man die All­machts­phan­ta­sien der EU-Kom­mis­si­on und ihrer Beam­ten, wer­den Ihnen unse­re Enkel der­einst viel­leicht Denk­mä­ler erbau­en, weil Sie die gute, unschul­di­ge Welt vor einer hege­mo­nia­len EU mit einem hege­mo­nia­len Deutsch­land in der Mit­te geret­tet haben. Gehen Sie also ruhig wei­ter auf Demos, auf denen „Deutsch­land, du mie­ses Stück Schei­ße“ skan­diert wird. Sie schaf­fen das! Wer braucht schon Deutschland!

Fazit: Lie­ber BR, bit­te nächs­tes Mal bes­ser Clau­dia Roth aus- und Hen­ryk Bro­der ein­la­den. Der schielt nicht nach Ämtern in der nächs­ten Mer­kel-Regie­rung und kann in einer Stun­de nicht so viel Unsinn reden, wie Frau Roth in fünf Minuten.

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