Wie tap­fe­re Leib­wäch­ter spran­gen die sozia­len Medi­en zwi­schen eine Sto­ry der New York Post und die Öffent­lich­keit und bezie­hen dafür nun öffent­lich Prü­gel. Der Auf­schrei „Zen­sur“ ist durch­aus berech­tigt, denn die Aus­re­de von Face­book und Twit­ter, man müs­se die Fak­ten erst prü­fen, ist natür­lich vor­ge­scho­ben. Wäre es anders, hät­ten nicht jah­re­lang und unge­hin­dert „Berich­te aus anony­men Quel­len“ das Netz über­schwemmt, in denen das Trump Der­an­ge­ment Syn­drom fröh­li­che urständ fei­er­te. Nie­mand prüft inves­ti­ga­ti­ve Arti­kel auf deren Kor­rekt­heit – außer bes­se­re Recher­che, die Leser­schaft, neue Zeu­gen oder der Ver­lauf von Gerichts­ver­fah­ren. Einen TÜV für Jour­na­lis­ten gibt es nicht, so bedau­er­lich man das im Ein­zel­fall auch fin­den mag. Kei­ne Fra­ge: dass sowohl Face­book als auch Twit­ter ihren offen­sicht­li­chen Ein­griff in den ers­ten Ver­fas­sungs­zu­satz auch noch ver­tei­di­gen, ist mehr als ein Skandal.

Da wur­de eine rote Linie über­tre­ten. Die Linie, einen Prä­si­den­ten nicht nur mit lega­len Mit­teln, die mit der Ver­fas­sung in Ein­klang ste­hen, son­dern auch mit ille­ga­len Mit­teln aus dem Weg räu­men zu wol­len. Dass etwa Twit­ter zur Errei­chung die­ses Ziels jedes Mit­tel recht ist, zeigt auch fol­gen­de Ver­schär­fung. Das Judi­cia­ry Com­mit­tee des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses, also so etwas ähn­li­ches wie der Rechts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges, stell­te sich an die Sei­te der NYP und über­nahm den Arti­kel auf sei­ne Sei­te. Twit­ter ver­sieht nun Links zu die­ser Sei­te auf house.gov mit einem Warn­hin­weis. Das heißt im Klar­text: Twit­ter zen­siert eine offi­zi­el­le Web­sei­te der gewähl­ten Legis­la­ti­ve der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Neu ist sol­ches Vor­ge­hen indes nur in den USA. Wir in Deutsch­land durf­ten bereits von der Gestal­tungs­macht Face­books kos­ten, wo Links zur „Erklä­rung 2018“ weg­zen­siert wur­den, obwohl die Peti­ti­on auf den offi­zi­el­len Ser­vern des Bun­des­ta­ges stand. Wie der Fall aus­ging, ist bekannt. Wie der Fall Twit­ter vs. House.gov aus­geht, ent­schei­det die Präsidentschaftswahl.

Eben­so inter­es­sant wie die Ver­su­che, dem NYP-Arti­kel Reich­wei­te zu ent­zie­hen und damit dem Strei­sand-Effekt freie Bahn zu las­sen, ist natür­lich der Inhalt des Arti­kels und die zen­tra­le Fra­ge, ob man sich über­haupt 47 Jah­re im Washing­to­ner Poli­tik­be­trieb hal­ten kann, wenn man nicht – sym­bo­lisch gespro­chen – die eine oder ande­re Krö­te geküsst oder Lei­che im Kel­ler hat.

Kleine Fische, große Geschäfte

Die Vor­wür­fe gegen Joe Biden, für deren Stich­hal­tig­keit der Arti­kel mög­li­cher­wei­se Bele­ge lie­fern kann, lau­ten Vet­tern­wirt­schaft und Amts­miss­brauch. Und zwar min­des­tens indi­rekt, über sei­nen Sohn Hun­ter. Des­sen Vater koor­di­nier­te in sei­ner Zeit als Vize­prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten unter ande­rem die Außen­po­li­tik mit Ost­eu­ro­pa, also auch mit der Ukrai­ne. Fakt ist, dass Hun­ter Biden, ein Mann, der weder über öko­no­mi­sche Kom­pe­ten­zen noch über Erfah­run­gen im Ölge­schäft noch über Kennt­nis­se in der ukrai­ni­schen oder wenigs­tens der rus­si­schen Spra­che ver­füg­te, ab 2014 einen Job im Direk­to­ri­um der ukrai­ni­schen Fir­ma „Buris­ma Group“ hat­te, wo er für sei­ne Arbeit – wor­in auch immer die bestan­den haben mag – 50.000 Dol­lar im Monat bekam.

Inter­es­san­ter­wei­se nicht von Buris­ma selbst, son­dern über eine indi­rek­te „Zuwen­dung“ durch „Rose­mont Sene­ca Bohai“, einen Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Dort­hin kam das Geld von Buris­ma, von dort wur­den die Zah­lun­gen an Hun­ter Biden wei­ter­ge­lei­tet, der, so ergab es der etwas miss­glück­te Ver­such eines Fak­ten­checks aus 2019, eigent­lich gar kei­ne Geschäfts­be­zie­hung zu „Rose­mont Sene­ca Bohai“ hat­te. Man ver­such­te damals, die behaup­te­ten 50.000 Dol­lar Monats­sa­lär aus der Welt zu defi­nie­ren und stieß lus­ti­ger­wei­se auf noch impo­san­te­re Sum­men und den offen­sicht­li­chen Ver­such, Zah­lun­gen an Hun­ter Biden zu ver­schlei­ern und zu ver­ste­cken. Fest steht, es gab Zah­lun­gen an Biden. Die Fra­ge war stets nur: wofür eigentlich?

Die Gefälligkeit

Man muss nur zwei und zwei zusam­men­zäh­len, um zu der Ein­sicht zu gelan­gen, dass es der Name „Biden“ war, der den ukrai­ni­schen Geschäfts­leu­ten von zumin­dest frag­wür­di­ger Lau­ter­keit Her­zen und Brief­ta­schen öff­ne­te. Joe Biden hat aller­dings stets und vehe­ment bestrit­ten, je in die Geschäf­te sei­nes Soh­nes invol­viert gewe­sen zu sein „… never spo­ken to my son about his over­seas busi­ness dealings”. Sei­ne Anhän­ger glaub­ten Biden. Sei­ne Geg­ner eher nicht. Es fehl­te aber irgend­wie die „smo­king gun“, der Beweis, dass Hun­ter Biden tat­säch­lich das gelie­fert hat, was sei­ne neu­en Freun­de sich von ihm versprachen.

Joe Bidens Bemü­hun­gen, die gegen Buris­ma lau­fen­den Ermitt­lun­gen wegen Betrugs zu been­den, hat­ten 2015 Erfolg. Wobei er es etwas anders dar­stell­te. Der Ukrai­ner Vik­tor Sho­kin war mit Ermitt­lun­gen betraut, die sich auch mit Buris­ma befass­ten. Laut Joe Biden arbei­te­te Sho­kin aber nicht effek­tiv genug, wes­halb Biden, der zu Gesprä­chen in Kiew war, Prä­si­dent Poro­s­hen­ko unter Druck zu setz­te: ‚Ent­we­der ihr feu­ert die­sen Staats­an­walt, oder die Kre­dit­ga­ran­tien in Höhe von 1 Mrd. Dol­lar blei­ben ein­ge­fro­ren‘ – so Biden im Gespräch, des­sen Inhalt und Kon­se­quenz er frei­mü­tig, elo­quent und bes­tens gelaunt vor lau­fen­der Kame­ra wie­der­gab. Poro­s­hen­ko feu­er­te Sho­kin. Doch des­sen Nach­fol­ger ging nun nicht etwa mit Voll­dampf an die Ermitt­lun­gen, wie Biden angeb­lich ver­lang­te, son­dern brach­te sie ohne Ergeb­nis zu Ende – ganz ohne dass Papa Biden dies zur erneu­ten „or else“ Rei­se nach Kiew bewo­gen hätte.

Der ins Aus­land geflo­he­ne Buris­ma-Chef Slot­schew­skyj kam statt­des­sen aus der Schuss­li­nie. Eben­so natür­lich auch Bidens Sohn Hun­ter. Slot­schew­skyj kehr­te schließ­lich mit rei­ner Wes­te in die Ukrai­ne zurück. Den neu­en, nach Mei­nung Bidens „soli­den“ Ermitt­ler muss­te er wohl nicht mehr fürch­ten. Erst 2018 setz­te sich Slot­schew­skyj end­gül­tig nach Mona­co ab, aber da war ja auch Trump bereits im Amt und ers­te Details über die Geschäf­te der Fami­lie Biden geis­ter­ten durch die wenig inter­es­sier­te Pres­se. Der Poli­ti­co-Arti­kel „Biden Inc.“ aus dem Jahr 2019 war es schließ­lich, der etwas Licht in die Sache brach­te. Mit „Over his deca­des in office, ‘Midd­le-Class Joe’s’ fami­ly for­tu­nes have clo­se­ly tra­cked his poli­ti­cal care­er“ war der aus­führ­li­che Arti­kel unter­ti­telt. Und in der Tat: Es gibt rei­che Men­schen, die gehen in die Poli­tik. Und es gibt Men­schen, die gehen in die Poli­tik und wer­den reich.

Das alles sind noch kei­ne Bewei­se, höchs­tens Indi­zi­en. Oder viel­leicht auch nur schmut­zi­ge Wäsche. Fle­cken auf der Wes­te schre­cken heu­te weder die Anhän­ger Trumps, noch die Bidens ab. Anders sieht es mit Lügen und Mein­ei­den aus. Das mag der Ame­ri­ka­ner so gar nicht. Der krampf­haf­te Ver­such der Medi­en, Trump der Lüge zu über­füh­ren und somit sei­ne Ehre als Geschäfts­mann zu ver­nich­ten, nahm sogar gro­tes­ke Züge an. Ers­tes kurio­ses Bei­spiel – die Leser wer­den sich viel­leicht erin­nern – war eine Aus­sa­ge Trumps im Jahr 2016, als er Clin­ton im Wahl­kampf vor­warf, ihren pri­va­ten E‑Mail-Ser­ver „berei­nigt“ zu haben. Sei­ne flap­si­ge aber im Sinn sehr ver­ständ­li­che For­mu­lie­rung „she acid her ser­ver“ war sogar einen Fak­ten­check wert: „fal­se … no che­mi­cals were used.“ Ach was! Es war bekannt­lich nicht die letz­te Gra­na­te im „Seman­tic-War“ gegen Trump. Doch Seman­tik hilft im Fall Hun­ter Biden nicht wei­ter, denn da war ja immer noch Joe Bidens abso­lut gesetz­te Aus­sa­ge, er habe „never spo­ken to my son about his over­seas busi­ness dealings”.

Ein Laptop geht baden

Anfang 2018 bringt ein unbe­kann­ter Mann ein Mac­book Pro zu einer Repa­ra­tur­fir­ma in Dela­ware und bit­tet dar­um, dass man einen Was­ser­scha­den behe­be. Auf dem Deckel des Geräts prangt ein Auf­kle­ber der Beau-Biden-Foun­da­ti­on, jener Stif­tung, die zu Ehren des ver­stor­be­nen Soh­nes von Joe Biden die­sen Namen trägt. Die Spur ist also gelegt oder vor­han­den, je nach­dem, wel­che Geschich­te man glaubt. Der Tech­ni­ker macht sich an die Arbeit und stellt die Daten auf der Fest­plat­te des Gerä­tes wie­der her. Er fand Vide­os, Fotos und eine Men­ge E‑Mails. Weil das repa­rier­te Note­book aber nicht abge­holt, die Repa­ra­tur­rech­nung nicht begli­chen wur­de und der Inhalt der wie­der­her­ge­stell­ten Datei­en ihm bri­sant vor­kam, infor­miert der Inha­ber des Repa­ra­tur­ge­schäfts das FBI und über­gab die­sem die wie­der­her­ge­stell­te Fest­plat­te – nicht ohne vor­her eine Kopie davon anzufertigen.

Die­se Kopie über­gab er an den Anwalt von Rudi Giu­lia­ni, wel­cher sei­ner­seits Anwalt von Donald Trump ist. Die NYP bekam die Daten wie­der­um von Ste­ve Ban­non, dem gefeu­er­ten Chef­stra­te­gen Trumps. Soweit die Begleit­um­stän­de, die bis hier­her als unum­strit­ten gel­ten dür­fen. Doch was ist so bri­sant am Inhalt die­ses Note­books? Igno­rie­ren wir mal die Fotos und Vide­os, die Hun­ter Biden angeb­lich bei der Ein­nah­me diver­ser ille­ga­ler Sub­stan­zen und ande­ren, nicht jugend­frei­en Akti­vi­tä­ten zei­gen und wen­den uns den E‑Mails zu. Da schreibt ihm, also Hun­ter Biden, am 17. April 2015 ein gewis­ser Vadym Pozhars­kyi, den wir genau­er als „Advi­sor to the Manage­ment Board, Direc­tor for Inter­na­tio­nal Coope­ra­ti­on and Stra­te­gic Deve­lo­p­ment of Buris­ma Group, Chair­man of the Board of the Asso­cia­ti­on of Gas Pro­du­cers of Ukrai­ne, Vadym Pozhars­kyi bezeich­nen soll­ten, fol­gen­des in nicht ganz feh­ler­frei­em Englisch:

“Dear Hun­ter, thank you for invi­t­ing me to DC and giving an oppor­tu­ni­ty to meet your father and spent some time tog­e­ther. It’s real­ty an honor and pleasure.” 

Die Mög­lich­keit, Zeit mit Vize­prä­si­dent Biden zu ver­brin­gen. Eine Ehre und Freu­de. Dank Hun­ter. Hat­te Hun­ter also „gelie­fert“ und einen Kon­takt her­ge­stellt? Und was wur­de bespro­chen? Joe Bidens Aus­sa­ge, er habe nie mit sei­nem Sohn über des­sen ukrai­ni­sche Geschäf­te gespro­chen, erscheint im Licht die­ser Mail natür­lich etwas hei­kel. Das Zusam­men­tref­fen könn­te natür­lich auch ohne oder trotz Hun­ters Zutun zustan­de gekom­men sein und des­sen Ein­la­dung galt viel­leicht nur ganz all­ge­mein nach DC, nicht zu einem Tref­fen mit sei­nem Vater. Aber war­um soll­te sich Pozhars­kyi dann bei ihm bedan­ken? Das klingt merk­wür­dig und ist mit Sicher­heit eine Unter­su­chung wert. Schließ­lich wis­sen wir spä­tes­tens seit der gründ­li­chen, wenn auch erfolg­lo­sen Unter­su­chung des FBI zur „rus­si­an col­lu­si­on“ Trumps, wie emp­find­lich Ame­ri­ka auf unter­stell­te Ein­flüs­te­run­gen frem­der Mäch­te reagiert. Doch hier…bisher kei­ne Ermitt­lun­gen. Auch kei­ne, die die Bidens ent­las­tet hät­ten. Das FBI erhielt die Fest­plat­te nach Anga­ben des Inha­bers des Com­pu­ter­la­dens im Sep­tem­ber 2019, jetzt ist Okto­ber 2020.

Seit über einem Jahr hat das FBI die Daten, die nun von der NYP ver­öf­fent­licht wur­den und wel­che die Nut­zer sozia­ler Net­ze nicht sehen sol­len, weil „unab­hän­gi­ge Fak­ten­che­cker“ da noch­mal einen Blick drauf wer­fen sol­len. Kann man noch mit Wahl­kampf­tak­tik begrün­den, war­um Giu­lia­ni und Ban­non erst jetzt die Bom­be zün­de­ten, erklärt das doch nicht das Schwei­gen des FBI und das aktu­ell noch bered­te­re Schwei­gen des Joe Biden selbst.

Sind es nicht gera­de sol­che „klei­nen Gefäl­lig­kei­ten“ wie die sei­nem Sohn unter­stell­ten, zur rich­ti­gen Zeit, die rich­ti­gen Leu­te zu tref­fen, die dir ande­re wich­ti­ge Kon­tak­te ermög­li­chen kön­nen und die den All­tag so man­cher vom Poli­tik­be­trieb domi­nier­ter Orte wie Washing­ton DC prä­gen? Zwingt nicht „Ock­hams Rasier­mes­ser“ dazu, hier zunächst das nahe­lie­gen­de zu ver­mu­ten? Ist es nicht sehr plau­si­bel, dass es gera­de Hun­ter Bidens Zugang zu sei­nem Vater war, der Hun­ter Biden inter­es­sant für Buris­ma mach­te? Buris­ma nimmt Sohn mit Dro­gen­pro­ble­men unter die Fit­ti­che, mäch­ti­ger Vater wen­det Unheil von Buris­ma ab, Sohn orga­ni­siert Tref­fen von Buris­ma mit mäch­ti­gem Vater, die Sache kommt aus Licht, mäch­ti­ger Vater bekommt Pro­ble­me… Gera­de­zu ein Plot wie aus dem Lehr­buch der grie­chi­schen Tra­gö­die und wir wol­len hof­fen, dass am Ende alle noch putz­mun­ter sind und nie­mand sich zur Wie­der­her­stel­lung sei­ner Ehre ins Schwert stür­zen musste.

Ungereimtheiten

Stück für Stück, Jahr für Jahr ver­dich­te­ten sich die Indi­zi­en, dass in der Buris­ma/­Bi­den-Sache nicht alles mit rech­ten Din­gen zuging. Im Nach­hin­ein könn­te man den­ken, dass vie­le schmut­zi­ge Details nur ange­deu­tet ans Licht gebracht wur­den, um der ande­ren Sei­te zu zei­gen, dass man an der Quel­le sitzt und jeder­zeit eine Flut aus­lö­sen kön­ne. Immer in der Hoff­nung, die ande­re Sei­te wer­de bei der Reak­ti­on den einen ent­schei­den­den Feh­ler und sich damit lächer­lich machen. Erwei­sen die E‑Mails sich als echt, hat Joe Biden ein rie­si­ges Glaub­wür­dig­keits­pro­blem. Und das FBI gleich mit, falls sich nicht erweist, dass dort längst ver­deckt gegen die Bidens ermit­telt wird.

Die Geschich­te der „Auf­fin­dung“ der Bewei­se hat aller­dings einen Haken, was viel­leicht der Grund ist, war­um Trump nur an der Sei­ten­li­nie zu sehen ist und über Ban­de mit Giu­lia­ni, Ban­non und der NYP gespielt wird. Ein Was­ser­scha­den an einem Mac­Book gut und schön. Auch die Sache mit der Daten­ret­tung ist plau­si­bel. Aber war­um hol­te Hun­ter oder jemand ande­res das Gerät nicht wie­der ab? 80 Dol­lar für die Repa­ra­tur auf­zu­brin­gen kann ja wohl kein Pro­blem gewe­sen sein. Ver­ges­sen viel­leicht? Das ist jedoch nicht wahr­schein­li­cher als die Mög­lich­keit, dass der Was­ser­scha­den absicht­lich her­bei­ge­führt wur­de und jemand Hun­ter ver­si­chert hat­te, das Gerät sei unrett­bar zer­stört und er kön­ne es entsorgen.

Die­ser Unbe­kann­te hin­ter­ließ im Repa­ra­tur­ge­schäft jeden­falls weder Name noch Adres­se, son­dern nur einen Auf­kle­ber am Gerät als Brot­kru­me und Indiz, wel­ches zwin­gend zu den Bidens führ­te. Schweigt Joe Biden viel­leicht des­halb so beharr­lich, weil man in sei­nem Team nicht weiß, wer die­ses Leck ver­ur­sacht hat und weil man kei­ne Ahnung hat, was der unbe­kann­te „Whist­leb­lower“ noch alles an klei­nen oder gro­ßen Geheim­nis­sen hat mit­ge­hen las­sen? Der Okto­ber ist ja noch nicht zu Ende, der Wahl­kampf auch nicht. Und 47 Jah­re in der Poli­tik hin­ter­las­sen Spu­ren, an die sich Joe Biden viel­leicht nicht mal mehr erin­nern kann.


18.10.2020, Ergänzung

Okto­ber-Über­ra­schung nennt man die Last-Minu­te-Ent­hül­lun­gen vor Prä­si­dent­schafts­wah­len, die immer Anfang Novem­ber statt­fin­den. Bidens E‑Mail-Affä­re darf als sol­che gel­ten und wie bei gro­ßen Skan­da­len üblich, rollt man den Tep­pich nur lang­sam aus. Das hat zur Fol­ge, dass die Gegen­sei­te still­hal­ten muss, weil jedes Demen­ti, jede Erklä­rung schon am nächs­ten Tag durch neue Fak­ten zur offen­sicht­li­chen Lüge wer­den kann – und muss, soll­te an der Sache wirk­lich etwas dran sein. So ist es auch im Fall „Bidens E‑Mail-Gate“.

Auch ich hat­te im obi­gen Arti­kel noch Brü­cken gebaut, hat­te ein alter­na­ti­ves Sze­na­rio ent­wor­fen, das Hun­ter Biden ent­las­ten könn­te. Doch das war vor zwei Tage. Meh­re­re NYP-Arti­kel – über die noch zu reden sein wird – spä­ter und nach Inter­views und Erklä­run­gen, die Rudi Giu­lia­ni abge­ge­ben hat, ist nun klar, dass die E‑Mails mit sehr gro­ßer Wahr­schein­lich­keit echt sein müs­sen. Hun­ter Bidens Anwalt rief näm­lich am Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels in der NYP im Repa­ra­tur­la­den an, um die Fest­plat­te zurück­zu­for­dern. Und um zu bewei­sen, dass er nicht die hells­te Ker­ze beim juris­ti­schen Examen war, schick­te er auch noch eine E‑Mail mit die­ser For­de­rung hin­ter­her. Nein, hier war offen­sicht­lich nie­mand im Auf­trag Trumps am Werk, der Was­ser über Hun­ters Note­book schüt­te­te und dies dann klamm­heim­lich ver­schwin­den ließ. Auch war es wohl tat­säch­lich Hun­ter selbst, der das Gerät zur Repa­ra­tur brach­te und dass er es dort offen­sicht­lich ver­gaß, darf man wohl nicht zuletzt der Wir­kung jener „ille­ga­len Sub­stan­zen“ zuschrei­ben, mit denen er flei­ßig Kon­takt hat­te und die sicher auch einer regu­lä­ren, fähig­keits­be­zo­ge­nen Anstel­lung bei Buris­ma im Wege gestan­den hätten.

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4 Kommentare

  1. „Aber war­um hol­te Hun­ter oder jemand ande­res das Gerät nicht wie­der ab?“

    Na, weil der Hun­ter zu viel Crack geraucht hat, als er sei­nem toten Bru­der die Frau aus­spann­te, die er dann mit einer Strip­pe­rin betrog, wäh­rend er die­se schwän­ger­te, um dann vor Gericht die Vater­schaft abzu­strei­ten. Der Mann lebt wie ein Rock­star, da ver­gisst man sowas schon­mal. Leu­te, die zu Dro­gen­ab­stür­zen nei­gen, sind nicht unbe­dingt zuver­läs­sig. Du hast wohl noch nie Crack geraucht…

    Ich fin­de, Du betrach­test das mit der Poli­tik mit viel zu viel Ernst. Ich könn­te das nicht. Ich mei­ne, Poli­ti­ker sind ne Hor­de dumm­dreis­ter Spas­ten mit nem qua­si­re­li­giö­sen Amt, wobei huma­nis­ti­sche­li­be­ral­sä­ku­lar­al­lemen­schens­ind­gleich­de­mo­kra­tie oder so ein Stuss die Stel­le Jeho­vahs und der Kir­che ein­nimmt. Wenn es über­haupt eine tie­fer­grün­di­ge Erklä­rung gibt, dann ist die­se, dass der lie­be Gott die Clown­welt als Sati­re geschaf­fen hat, damit sich Außen­ste­hen­de über die­je­ni­gen lus­tig machen kön­nen, die dar­in leben. Gott ist halt der Über­king, und man soll sich von die­sem kei­ne Eben­bil­der schaf­fen, sagen die ers­ten zwei Gebote.

  2. Jede Orga­ni­sa­ti­on ist anfäl­lig für Über­läu­fer. Kei­ne Beför­de­rung, arro­gan­te Vor­ge­setz­te usw. und schon star­ten ent­täusch­te Ange­stell­te einen Rache­akt basie­rend auf ihren Mög­lich­kei­ten. Einen kaput­ten Com­pu­ter zur Repa­ra­tur brin­gen, wer merkt das schon.

    Der klas­se Arti­kel zeigt nicht nur, dass Poli­tik ein sehr lukra­ti­ves Geschäft ist, son­dern auch wie sehr staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und Pres­se mit dem „Deep Sta­te“ ver­ban­delt sind. Die soge­nann­te Eli­te gibt Anwei­sun­gen was ermit­telt und was berich­tet wird. Das Pro­blem ist aber nicht nur Ame­ri­ka­nisch, Zen­sur Geset­ze, Wah­len und Bür­ger­rech­te wer­den auch bei uns über die Köp­fe der Wäh­ler gemacht. Glau­ben sie nicht? Haben sie Flin­ten Uschi auf einem EU Wahl­zet­tel gese­hen und wer ist jetzt EU Präsident?

  3. Ah ja; das Dau­er­elend poli­ti­sche-finan­zi­el­ler Hin­ter­grund­ver­bre­chen der demon­kra­ti­schen Par­tei zum Zweck unheim­lich per­sön­li­cher Berei­che­rung, Aus­he­be­lung der Geset­ze, Usur­pa­ti­on poli­ti­scher Ämter durch eine Dor­nen­filz von Kor­rup­ti­on, und überhaupt.

    Zen­tra­les Aper­çu die­ses fei­nen Arti­kels ist so etwa die­ser Halb­satz, „… setz­te sich Slot­schew­skyj end­gül­tig nach Mona­co ab“, und damit wis­sen wir schon alles über das Fort­kom­men die­ser Leu­te, die glau­ben, dass ihnen alles gehö­re, auch die Medi­en und die öffent­li­che Meinung.
    Ach, übri­gens gehö­ren die alle geköpft, und wenn das zu auf­wän­dig ist, gehängt. Nein?

    • Die öffent­li­che Mei­nung gehört den­je­ni­gen, denen die Ver­la­ge gehö­ren. Das schrieb schon ein berühm­ter öste­rei­chi­scher Maler in sei­nem Buch zu Zei­ten der Wei­ma­rer Repu­blik. Heu­te wür­de man wohl „Medi­en“ sagen. Ansons­ten scheints mir aber unverändert.

      Das mit dem Köp­fen oder dem Strang unter­stüt­ze ich jedoch aus­drück­lich. Kürz­lich sah ich ein Bild von einem kor­rup­ten Rich­ter, der bei leben­di­gem Leib gehäu­tet wur­de, um aus die­ser Haut einen Stuhl­be­zug für sei­nen Nach­fol­ger anzu­fer­ti­gen. Mir erschien das wie ein Licht­strahl aus einer ver­nünf­ti­ge­ren Zeit. Sowas fän­de ich sogar noch bes­ser, weils etwas Hand­fes­tes hin­ter­lässt, das dem­je­ni­gen, der dar­auf sitzt, einen Denk­an­stoß über sei­ne mög­li­che Zukunft lie­fern könn­te, und man das Rad schließ­lich nicht immer wie­der neu erfin­den muss.

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