Wenn es noch so etwas wie Mei­nungs­frei­heit gibt im Land, dann gehö­ren dazu drei Aspek­te. Die Frei­heit, eine Mei­nung zu haben, sie gefahr­los äußern zu kön­nen sowie – und das steht natür­lich am Anfang – sich zunächst selbst eine bil­den zu kön­nen! Letz­te­res gelingt umso bes­ser und unvor­ein­ge­nom­me­ner, je näher man dem Ent­ste­hungs­ort der Infor­ma­ti­on kommt, was im Zeit­al­ter des Inter­net deut­lich leich­ter fällt als frü­her. Wer ein Ei beschrei­ben will, muss sich mit den Hüh­nern abge­ben und soll­te nicht ein­fach ein Ome­lett anstar­ren. Was für Eier gilt, gilt auch für Infor­ma­tio­nen aus der Poli­tik, Wirt­schaft und der Poli­zei­ar­beit. Die DLF-Sen­dung „@Mediasres“ vom 20.9.2018 zeigt jedoch, dass unse­re Medi­en sehr unglück­lich dar­über sind, dass heu­te Infor­ma­tio­nen bereits am Ent­ste­hungs­ort ver­teilt und ver­brei­tet wer­den und nicht mehr, wie frü­her üblich, durch die Fil­ter der Pres­se lau­fen. Dazu ließ man gleich zwei Prot­ago­nis­ten des „betreu­en­den Jour­na­lis­mus“ zu Wort kom­men: Mari­na Weis­band (ehe­mals Pira­ten­par­tei) und den stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den des Pres­se­ra­tes Man­fred Prot­ze (Refe­rent der katho­li­schen Jour­na­lis­ten­schu­le ifp).

Prot­ze, der die „Deut­sche Jour­na­lis­ten­uni­on“ in der Gewerk­schaft ver­di ver­tritt, ist der Mei­nung, die Poli­zei müs­se sich stär­ker der „Richt­li­nie zur Bericht­erstat­tung über Straf­ta­ten im deut­schen Pres­se­ko­dex“ ver­pflich­tet füh­len, die besagt, dass die Ermitt­lungs­be­hör­den Natio­na­li­tät und Her­kunft eines Täters nicht nen­nen sol­len, es sei denn, es besteht ein begrün­de­tes öffent­li­ches Inter­es­se. Der Deutsch­land­funk fragt: „Ist es also ein Pro­blem, wenn die Poli­zei die Natio­na­li­tät von Straf­tä­tern twit­tert und gilt der Pres­se­ko­dex auch für die Polizisten?“

Das Ministerium für Wahrheit

„Natür­lich…“, so Prot­ze*. „…ein gewich­ti­ges Pro­blem, aber nicht nur für die Pres­se, son­dern für die Gesell­schaft. Medi­en müss­ten alles ver­mei­den, was einer Dis­kri­mi­nie­rung oder Sip­pen­haft gleich­kom­me, das haben die Erfah­run­gen aus dem Drit­ten Reich gezeigt.“

Da hat er lei­der nur teil­wei­se recht! Dis­kri­mi­nie­rung und Sip­pen­haft waren im Drit­ten Reich näm­lich nicht von rea­len Ver­bre­chen indu­ziert, die jemand oder eine Grup­pe began­gen hat­te, son­dern aus­schließ­lich von der Zuge­hö­rig­keit zu die­ser Grup­pe und dem Wil­len der Regie­rung, die­se Grup­pe zu dis­kre­di­tie­ren, aus­zu­gren­zen und zu ver­nich­ten. So beruh­ten bei­spiels­wei­se die anti­se­mi­ti­schen Ste­reo­ty­pe, die man zur Aus­gren­zung der Juden benutz­te, eben gera­de nicht auf Fak­ten oder poli­zei­li­chen Erkennt­nis­sen, son­dern auf einer kru­den ideo­lo­gi­schen Agen­da. Die Fra­ge muss also über­setzt in unse­re Zeit zunächst lau­ten: stim­men die Vor­wür­fe? Man darf in Deutsch­land heu­te noch davon aus­ge­hen, dass die Poli­zei bei­spiels­wei­se zum Zweck einer Fahn­dung oder in einem Zeu­gen­auf­ruf die Wen­dung „süd­län­di­sches Aus­se­hen“ nicht ver­wen­den wird, weil sie für die Sip­pen­haft aller „Süd­län­der“ ist, son­dern weil im Tat­zu­sam­men­hang eben jemand gesucht wird, auf den die Beschrei­bung zutrifft. Die Häu­fung die­ser Mel­dun­gen beruht eben auf der Häu­fung der Vor­fäl­le, nicht auf Ste­reo­ty­pen und Vor­ver­ur­tei­lun­gen, ist also in kei­ner Wei­se ver­gleich­bar mit dem Vor­ge­hen der Natio­nal­so­zia­lis­ten im Drit­ten Reich! Ich will kei­ne Sekun­de glau­ben, dass Man­fred Prot­ze die­ser klei­ne Unter­schied ent­gan­gen ist! Woher kom­men dann aber sei­ne Bauch­schmer­zen? Las­sen wir ihn weiterreden:

„Frü­her hat die Poli­zei ihre Öffent­lich­keits­ar­beit an die Medi­en adres­siert, das war ein Service…und zwar aus­schließ­lich und die Medi­en haben in ihrer Ver­ant­wor­tung und im Rah­men der Pflich­ten, die sich aus dem Pres­se­ko­dex erge­ben, ent­schie­den, wel­che der gelie­fer­ten Infor­ma­tio­nen sie ver­öf­fent­li­chen und wel­che nicht. Das hat sich geän­dert, die Poli­zei adres­siert über die sozia­len Netz­wer­ke an die all­ge­mei­ne Öffent­lich­keit, das heißt, zwi­schen der Ver­öf­fent­li­chung durch die Poli­zei und dem Emp­fang beim Publi­kum gibt es kei­ne …[ in die­se klei­ne Pau­se hät­te das Wort „Fil­ter“ gut gepasst] …Instanz mehr, die ent­schei­det, ob es ethisch ver­tret­bar ist, die Natio­na­li­tät oder Eth­nie zu nennen…“

Daher weht also der Wind! Prot­ze möch­te wie frü­her exklu­siv mit den Eiern belie­fert wer­den, die die Poli­zei fin­det, um selbst Ome­letts dar­aus zu bra­ten und dem Kon­su­men­ten mit einem Schnip­sel Peter­si­lie zu kre­den­zen. Er möch­te an den Mel­dun­gen fei­len, möch­te opti­mie­ren, ver­schö­nern, gute von gefähr­li­cher Infor­ma­ti­on tren­nen und dem Kun­den leicht Ver­dau­li­ches bie­ten, um ihn nicht zu „ver­un­si­chern“. Die „all­ge­mei­ne Öffent­lich­keit“ soll also prin­zi­pi­ell nur gefil­ter­te Infor­ma­tio­nen erhal­ten, dar­in sieht er die Auf­ga­be des Journalismus.

Dass es sich bei den Poli­zei­mel­dun­gen um Tat­sa­chen han­delt, wie die Poli­zei selbst argu­men­tiert, reicht Prot­ze ethisch „über­haupt nicht aus“. Und wei­ter „wir als Gesell­schaft haben auf jeden Fall zu ver­hin­dern, dass durch eine regel­mä­ßi­ge Ver­knüp­fung zwi­schen Natio­na­li­tät und Kri­mi­na­li­tät ein dis­kri­mi­nie­ren­der Effekt ent­steht.“ Ich fra­ge mich aller­dings, ob eine sol­che „regel­mä­ßi­ge Ver­knüp­fung“ über­haupt ent­ste­hen könn­te, wenn es nicht auch „regel­mä­ßi­ge Vor­fäl­le“ gibt. Soll man viel­leicht auch die Schil­der „Cave Canem“ am Gar­ten­zaun gegen „Vor­sicht, Tier beißt“ tau­schen, um Hun­de nicht zu dis­kri­mi­nie­ren? Prot­ze tritt offen dafür ein, durch Weg­las­sen, Ver­fla­chen oder Ver­klau­su­lie­ren die Infor­ma­tio­nen der Poli­zei so zu ver­än­dern, dass die­se bei den Kon­su­men­ten nicht zu Ver­hal­tens­än­de­run­gen füh­ren kön­nen und ihm und eini­gen Jour­na­lis­ten­kol­le­gen wei­ter­hin einen siche­ren Job beim Durch­sie­ben des Infor­ma­ti­ons­san­des nach unan­ge­neh­men Kie­seln sichert. Mit der­sel­ben Begrün­dung könn­te man auch eine Sire­ne auf „stum­men Alarm“ umstel­len, um den Schlaf der Nach­barn nicht zu stö­ren. In einem künf­ti­gen „Minis­te­ri­um für Wahr­heit“ hat sich Man­fred Prot­ze mit sol­chen Äuße­run­gen min­des­tens für den Job eines Abtei­lungs­lei­ters empfohlen!

Die neue Ordnung des Journalismus

Die ex-Pira­tin Mari­na Weis­band emp­fiehlt sich mit ihrer Kolum­ne in der­sel­ben „@Mediasres“-Sendung eben­falls für das „Minis­te­ri­um für Wahr­heit“. Wir erin­nern uns: „Mehr Trans­pa­renz in der Poli­tik“ – mit die­sem ehren­wer­ten Ziel tra­ten die längst ver­ges­se­nen Pira­ten einst an. Spon­tan fal­len mir noch Begrif­fe wie „Wis­sens­ge­sell­schaft“, „freie Infor­ma­ti­on“ und „Schutz vor staat­li­cher Will­kür“ ein, libe­ra­le Basis­ideen alle­samt. Ich will hier aber gar nicht die Wurst der Pel­le hin­ter­her­wer­fen, denn die Pira­ten sind Geschich­te – eini­ge ihrer Front­leu­te schei­nen aber auch inhalt­lich ziem­lich weit von der Fah­ne gegan­gen zu sein.

So wie Mari­na Weis­band, die ehe­ma­li­ge elo­quen­te Geschäfts­füh­re­rin der Pira­ten. Ihre Kolum­ne beim DLF scheint mir so gar nicht mehr zum Prin­zip der Infor­ma­ti­ons­frei­heit zu pas­sen, die sie einst ver­trat. Natür­lich kann man sei­ne Mei­nung ändern, ein Stand­punkt ist schließ­lich kein Steh­punkt. Aber das Publi­kum und ich im Beson­de­ren wüss­te schon ganz gern, wer die Mei­nung prä­sen­tiert, die Frau Weis­band im DLF fein­stim­mig vor­trägt. Es geht näm­lich auch in Weis­bands Kolum­ne, unver­meid­lich die­ser Tage, um Mei­nung und Jour­na­lis­mus und (wie Dou­glas Adams es aus­drü­cken wür­de) den gan­zen Rest. Und natür­lich um Trump! Aber kei­ne Sor­ge, der kommt nur als Meta­pher vor, der redet ja ohne­hin nur Müll, mit dem sich kei­nes­falls seriö­ser Jour­na­lis­mus, son­dern Come­dy zu befas­sen habe. Zuhö­ren muss dem nie­mand. Wozu auch, steht des­sen voll­stän­di­ges Dane­ben­lie­gen doch ohne­hin von Anfang an fest. Doch jetzt kommt Mari­na über den Teich und zur Sache.

„Auch hier­zu­lan­de bemü­hen sich öffent­lich-recht­li­che Medi­en immer wie­der, bei­de Sei­ten eines Argu­ments dar­zu­stel­len, in dem Bemü­hen um fik­ti­ve Objektivität.“

Da fra­ge ich mich doch, in wel­cher Höh­le ohne WLAN und Satel­li­ten­emp­fang Frau Weiß­band die letz­ten Jah­re ver­bracht hat. „Bei­de Sei­ten?“ Komm schon, Mari­na! Du musst doch auch gele­gent­lich Ill­ner, Will, Bun­des­pres­se­kon­fe­ren­zen mit Sei­bert oder Lite­ra­tur­emp­feh­lun­gen der Kanz­le­rin ver­nom­men haben! „Bei­de Sei­ten“ gab es da nie, außer viel­leicht beim Bra­ten eines Ome­letts beim Hens­ler. Und wenn schon „bei­de Sei­ten“, dann sind die Rol­len klar ver­teilt. Es gibt die beleh­ren­de und die zu beleh­ren­de Sei­te, von gleich­be­rech­tig­tem Dis­kurs kann wohl kaum die Rede sein.

Bedin­gung, um bei Medi­en-Events vor­zu­kom­men, ist eine Samm­lung kano­ni­sier­ter Grund­an­nah­men, die nicht in Fra­ge gestellt wer­den dür­fen, son­dern von denen man prin­zi­pi­ell aus­ge­hen muss, um im Dis­kurs blei­ben zu dür­fen. Dazu gehö­ren Aus­sa­gen wie „wir müs­sen den Kli­ma­wan­del auf­hal­ten“, „alle AfD’ler träu­men nachts vom Vier­ten Reich“, „Asyl ist deut­sches Leis­tungs­recht“ oder „ÖR-Rund­funk ist eine Ein­rich­tung der Demo­kra­tie“. Weis­band weiter:

„Nicht umsonst haben wir uns über eine Woche damit befasst, ab wel­cher Distanz und Dau­er man von einer „Hetz­jagd“ gegen Aus­län­der spre­chen kann. Dass der gan­ze Streit von vorn­her­ein dumm ist, hat man prak­tisch nur in den Mei­nungs­ar­ti­keln gelesen.“

Das „ob“ und „wie“ wird also ersetzt durch „dass“ und „dumm“? Nicht, dass wir das nicht ohne­hin par­al­lel hät­ten! Denn jeder, der auch nur das „ob“ in Fra­ge stell­te wie der säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent und der das „wie“ der Bewei­se auch nur anzwei­fel­te wie Maaßen, wur­de als min­des­tens dumm bezeich­net und hat gefäl­ligst die Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Das „ob“ ist aber ent­schei­dend für die Leh­ren aus Vor­komm­nis­sen, wie wir sie in Chem­nitz gese­hen haben. Das Brül­len von Nazi­sprü­chen ist näm­lich auch dann abzu­leh­nen und zu bekämp­fen, wenn man nicht zu Über­trei­bun­gen greift und von Hetz­jag­den oder gar von Pogro­men spricht. Die­se hyper­mo­ra­li­sche Über­stei­ge­rung rela­ti­viert wirk­li­che Hetz­jag­den und tat­säch­lich und unstrit­tig statt­ge­fun­de­ne Pogro­me. Ich hal­te das für extrem gefährlich.

„Mei­nung ohne Sub­stanz ist im Wesent­li­chen wei­ßes Rau­schen und Unter­hal­tung, durch die wir auf kei­nen Fall unser Ver­ständ­nis von Jour­na­lis­mus erset­zen dür­fen. Objek­ti­vi­tät besteht nicht dar­in, alle Sei­ten zu sehen und zuzu­las­sen. Son­dern im Ein­ord­nen der Neu­ig­kei­ten in einen grö­ße­ren Kontext.“

Welch ein Dün­kel! Zumal das Sub­stanz­ge­bot für gelern­te Jour­na­lis­ten und Regie­rungs­spre­cher offen­bar nicht gilt. Man muss aber kein Trai­ner sein, um zu mer­ken, dass eine Mann­schaft schlecht spielt und ob eine Aus­ter schlecht ist, riecht nicht nur der Koch. Und was soll der „Grö­ße­re Kon­text“ sein? Sowas wie ein Fünf­jah­res­plan viel­leicht? Was Weis­band hier ver­sucht, ist, dem Nicht­jour­na­lis­ten die Befä­hi­gung abzu­spre­chen, sich über bestimm­te Zusam­men­hän­ge ein Urteil zu bil­den. Die­ses müs­se immer aus einem jour­na­lis­ti­schen Fil­ter kom­men. Wer das noch für einen demo­kra­ti­schen Ansatz hält, hat echt den Schuss nicht gehört.

„Ers­tens müs­sen gera­de sich um Objek­ti­vi­tät bemü­hen­de Qua­li­täts­me­di­en sehr viel bes­ser die Spi­ra­le aus Pro­vo­ka­ti­on und Auf­merk­sam­keit ana­ly­sie­ren und für sich Schlüs­se dar­aus zie­hen, um Fak­ten beim Berich­ten bes­ser ein­zu­ord­nen. Und zwei­tens müs­sen wir uns drin­gend über Finan­zie­rungs­mo­del­le für die­se Art von Jour­na­lis­mus unter­hal­ten, die nicht auf Klicks und Auf­merk­sam­keit beru­hen. Und das ist mei­ne Meinung.“

Die­se „Art von Jour­na­lis­mus“ gibt es doch bereits, Mari­na! Und Du befin­dest Dich mit­ten drin! Die Selbst­ein­schät­zung, dass es sich dabei um Qua­li­tät han­delt oder ob die­se Art des Jour­na­lis­mus nicht vor allem auf eine mög­lichst gleich­ge­schal­te­te, unauf­ge­reg­te und beschwich­ti­gen­de Kon­sens­ge­sell­schaft der Stil­len, Gut­gläu­bi­gen und Ange­pass­ten abzielt, über­las­se ich der Phan­ta­sie mei­ner Leser. Die Idee jedoch, für die­se Art Glatt­schrei­be­rei abseits von Auf­merk­sam­keit und Klicks „Finan­zie­rungs­mo­del­le“ zu fin­den, fin­den aus­ge­rech­net jene Medi­en­ver­tre­ter toll, denen gera­de wegen ihrer gleich­ge­schal­te­ten und beschwich­ti­gen­den Bericht­erstat­tung die Leser und Zuschau­er davon­lau­fen. Es gibt nur einen Ort in Deutsch­land, wo Auf­merk­sam­keit und Klicks im Grun­de kei­ne Rol­le spie­len: die öffent­lich-recht­li­chen Medien.

Die Aus­füh­run­gen von Mari­na Weis­band und Man­fred Prot­ze zei­gen deut­lich, dass der Jour­na­lis­mus in Deutsch­land wei­ter die­sen Traum träumt. Den Traum vom Infor­ma­ti­ons­mi­nis­te­ri­um mit steu­er­gelda­li­men­tier­ten Jour­na­lis­ten, die ihre Auf­ga­be im Glatt­bü­geln und Umsäu­men von Regie­rungs­amt­li­chen Mel­dun­gen sehen.

* Lei­der liegt der­zeit kei­ne Text­fas­sung des Inter­views mit Man­fred Prot­ze vor. Hier der Direkt­link zur MP3-Datei beim DLF, das Inter­view ist der ers­te Beitrag.

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25 Kommentare

  1. Mal so am Ran­de: Der ÖR ist in Deutsch­land ohne­hin nicht von den pri­va­ten Medi­en zu tren­nen oder bes­ser umge­dreht gesagt. 

    Jeder kennt den Recher­che­ver­bund Süd­deut­sche-NDR-WDR. Offi­zi­ell im Febru­ar 2014 gegrün­det. Vor­her wur­de aber schon die Zusam­men­ar­beit von Ver­fas­sungs­schutz zur NSA von einem Maul­wurf inner­halb des deut­schen Geheim­diens­tes an den Ver­bund gele­akt. Die Süd­deut­sche schrieb am 13. Sep­tem­ber 2013:

    „Das geht aus einem Geheim­do­ku­ment der Bun­des­re­gie­rung her­vor, das dem Nord­deut­schen Rund­funk und der Süd­deut­schen Zei­tung vorliegt.“
    https://www.sueddeutsche.de/politik/spionage-in-deutschland-verfassungsschutz-beliefert-nsa‑1.1770672

    Einen noch nicht öffent­lich zuge­ge­be­nen Recher­che­ver­bund gibt es aber natür­lich auch zwi­schen ARD Pan­ora­ma und der ZEIT (Holz­brinck).
    Nach­weis­bar z.B. bei The­men: Toll-Collect, Cum-Ex und dem AfD-Deutschlandkurier-Verteilungs„skandal“.

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2018–08/toll-collect-steuerbetrug-lkw-maut-andreas-scheuer-kritik
    https://www.zeit.de/2017/24/cum-ex-steuerbetrug-steuererstattungen-ermittlungen
    https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2017/Milliarden-aus-der-Staatskasse-Auf-der-Spur-der-Steuerraeuber,cumex118.html
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018–09/afd-wahlkampf-unterstuetzerverein-parteienfinanzierung-illegalitaet
    https://www.youtube.com/watch?v=T6wuOq5Xh0U

  2. „Die­ses müs­se immer aus einem jour­na­lis­ti­schen Fil­ter kom­men.“ Ach so, ein Jour­na­list ist der Uni­ver­sal­fach­mann für alle Fach­be­rei­che, qua­si das Genie zur Fil­te­rung. Beim West­deut­schen Rot­funk macht man das anders, dort befragt man immer die sel­ben „Exper­ten“ zu den sel­ben The­men – auch eine Art der Fil­te­rung, denn so gelangt immer nur die eine gewünsch­te und lini­en­treue Mei­nung in den Äther.

  3. Ach, ja, der Herr Prot­ze! Nicht genug damit, daß die­ser Ver­di-Funk­tio­när jour­na­lis­ti­schen Nach­wuchs mit sei­ner Gesin­nung indok­tri­niert, auch im Deut­schen Pres­se­rat darf Prot­ze sei­nem volks­päd­ago­gi­schen Impe­tus frö­nen. Etwa wenn er als Mit­glied des Beschwer­de­aus­schus­ses über die Behaup­tung des Online-Por­tals des „Mann­hei­mer Mor­gen“, die Kri­mi­nal­sta­tis­tik bewei­se, „dass Asyl­be­wer­ber nicht häu­fi­ger straf­fäl­lig wer­den als Deut­sche“, befin­det: „Eine Falsch­aus­sa­ge“ las­se „sich dar­aus nicht ableiten“.

  4. … „dann gehö­ren dazu drei Aspek­te.“ — Der Knack­punkt ist das Erkennt­nis­in­ter­es­se. Nur für ein paar weni­ge Aus­er­wähl­te geht es dar­um, ein mög­lichst objek­ti­ves Abbild der wirk­li­chen Ereig­nis­se zu bekom­men, also die Hetz­jagd gegen Dani­el und sei­ne Freun­de oder ein hal­bes Dut­zend tum­be Glatzen.

    Vie­le Medi­enschaf­fen­de sehen ihre Auf­ga­be im mög­lichst effi­zi­en­ten Beein­flus­sen der öffent­li­chen Mei­nung, a.k.a. Nud­ging. Was nicht ins Bild passt, wird weg­re­tu­schiert. Schwe­rer Land­frie­dens­bruch steht für den Ham­bur­ger G20 im Raum, all­die­weil es sich um bewaff­ne­te, brand­schat­zen­de und plün­dern­de Men­schen­grup­pen han­del­te. Inter­es­siert aber kei­ne Sau. Lin­ke Gewalt ist gute Gewalt.

    Vie­le Medi­enkon­su­men­ten sind nur am Con­fir­ma­ti­on Bias inter­es­siert. Selek­tiv wäh­len sie das, was ihre Mei­nung stützt, und blen­den aus, was sie ver­un­si­chern könn­te. Mei­ne bes­se­re Hälf­te etwa liest nur Stern und Spie­gel, ver­folgt kein Fern­se­hen, klickt sich nicht quer­beeet durch Goog­le News, ja flüch­tet vor der Rea­li­tät in nied­li­che Kat­zen­vi­de­os. Sie ist aber fel­sen­fest über­zeugt, dass ich mich in einer rech­ten Fil­ter­bla­se bewe­ge – und nicht sie in einer Frau­en-Wohl­fühl-Oase. Mer­kel und die Kul­ler­au­gen sind für sie eine Erfolgs­sto­ry. Dass drei Söh­ne ein Leben lang arbei­ten wer­den, um einen Frem­den, sei­en zwei Frau­en und deren neun Kin­der zu ver­sor­gen, sieht sie nicht.

    • „Dass drei Söh­ne ein Leben lang arbei­ten wer­den, um einen Frem­den, sei­en zwei Frau­en und deren neun Kin­der zu ver­sor­gen, sieht sie nicht.“

      Ich glau­be, die drei Söh­ne wer­den in Kür­ze neun Rent­ner ver­sor­gen. So war zumin­dest der in Kür­ze bevor­ste­hen­de Schlüs­sel von Bei­trags­zah­lern zu Rent­nern, als ich das letz­te Mal nach­schlug. Die haben zwar mal ins Sys­tem ein­ge­zahlt, aber nicht genü­gend Kin­der in die Welt gesetzt, und gleich­zei­tig das umla­gen­ba­sier­te Ren­ten­sys­tem nicht abge­wählt. Ich sehe irgend­wie kei­nen Unter­schied zwi­schen Kul­ler­au­gen­kin­dern und Rent­nern, und den­ke, dass es als Ras­sis­mus gewer­tet wer­den wird, wenn man nur gegen die Umver­tei­lung in Rich­tung von Kul­ler­au­gen­kin­dern ist, die sel­be Situa­ti­on bei Rent­nern jedoch tole­riert. Prin­zi­pi­ell gegen Umver­tei­lung zu sein ist jedoch etwas, wovon man sogar die meis­ten Hip­pies über­zeu­gen kann. Das Argu­ment wür­de lau­ten: „He, Du willst doch auch so wenig wie mög­lich arbei­ten. Das ist mög­lich, wenn Umver­tei­lung kom­plett abge­schafft wird. Aus­län­der wür­den dann nicht schlech­ter behan­delt wer­den, als alle Ande­ren. Also ists auch nicht ras­sis­tisch.“. Damit hab ich gute Erfah­run­gen gemacht. Zuerst erschlei­che ich mit mei­ner offen­si­ven Ableh­nung sämt­li­cher Dro­gen­ver­bo­te ihr Ver­trau­en, und dann appel­lie­re ver­ra­te ich, wie vie­le Steu­ern sie eigent­lich zah­len, und wie viel weni­ger Steu­ern sie arbei­ten müss­ten, wenns kei­ne Umver­tei­lung gäbe, und dann appel­lie­re ich an ihre Faul­heit und ihren Frei­heits­drang. Klappt gut.

      • Da ist ein Unter­schied. Die real exis­tie­ren­den Rent­ner haben meist ein Leben lang gear­bei­tet und wer­den von allein weni­ger. Es sind unse­re Angehörigen.

        Die real exis­tie­ren­den Kul­ler­au­gen hin­ge­gen haben zum Groß­teil kaum Schul­bil­dung, kaum Her­zens­bil­dung und eine faschis­to­ide Ideo­lo­gie; sagen wir geschätz­te 70%. Die paar Flei­ßi­gen und Wil­li­gen sehen wir als Schü­ler, Aus­zu­bil­den­de, Kol­le­gen; die ande­ren hei­ßen in der Zei­tung Einzelfälle.

        Aber wer bekommt wie­der­um ab Kin­des­al­ter zahl­rei­che Nach­kom­men, die wie­der­um von Stüt­ze leben? Jene, die am wenigs­ten geba­cken krie­gen. Ein Sys­tem, das Min­der­leis­ter anzieht, bevor­zugt, för­dert ohne zu for­dern, und sogar allein für die stu­pi­de Repro­duk­ti­on belohnt, ist nicht nach­hal­tig, son­dern deka­dent und suizidär.

        • „Da ist ein Unter­schied. Die real exis­tie­ren­den Rent­ner haben meist ein Leben lang gearbeitet“

          Wofür sie auch bezahlt wor­den sind. Dass mal jemand arbei­tet, berech­tigt ihn nicht dazu, in der Zukunft Men­schen, die teil­wei­se noch gar nicht gebo­ren wor­den sind, in die Tasche zu grei­fen. Die Leu­te haben gewählt, dass kei­ne Rück­la­gen von ihren Ren­ten­zah­lun­gen ange­legt wer­den, son­dern, dass Über­schüs­se im eins­ti­gen Hier und Jetzt ver­prasst wer­den. Dies war ihr gutes Recht. Es ist jedoch nicht ihr gutes Recht, von Men­schen eben­die­se Koh­le zu ver­lan­gen, die, man­gels Exis­tenz, kein Mit­spra­che­recht hat­ten, als vor ihrer Geburt beschlos­sen wur­de, dass sie für die jetz­ti­gen Rent­ner auf­zu­kom­men haben. Und selbst, wenn die­je­ni­gen, denen in die Tasche gegrif­fen wird, damals schon exis­tiert hät­ten, und alt genug zum wäh­len waren, lässt sich Dieb­stahl nicht durch einen Mehr­heits­be­schluss legitimisieren.

          „und wer­den von allein weniger.“

          War­um dann eigent­lich nicht über groß­an­ge­leg­te Ste­ri­li­sie­rungs­pro­gram­me für unse­re Neu­bür­ger reden? Das wäre zumin­dest mein ers­ter Gedan­ke, wenn ich mir über­le­ge, wie man die­ses Pro­blem mit den Mit­teln des Staats lösen kann, ohne den Sozi­al­staat abzu­schaf­fen. Sowas wie „Du kriegst Sozi­al­hil­fe nur bewil­ligt, wenn Du ne Sprit­ze hat­test, die sicher­stellt, dass Du das nächs­te hal­be Jahr lang zeu­gungs­un­fä­hig sein wirst, oder Du bereits per­ma­nent ste­ri­li­siert wur­dest, sofern Du schon Kin­der hast.“. Das wäre doch das mil­des­te Mit­tel, um den demo­gra­fi­schen Wan­del in Rich­tung von mehr Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern zu stop­pen. Intel­li­genz ist erb­lich, und dum­me Men­schen sind die­je­ni­gen, die am meis­ten von Sozi­al­hil­fe pro­fi­tie­ren, wes­halb dies der wohl bes­te Ansatz­punkt wäre, um der Welt die nächs­te Genera­ti­on von Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern zu erspa­ren, oder deren Zahl zumin­dest zu reduzieren.

          Ohne Sozi­al­staat könn­ten die sich hin­ge­gen sim­pel und ein­fach kei­ne Kin­der leis­ten, weil sie die­se nicht ernäh­ren könn­ten, und des­halb mit einer ziem­lich hohen Kin­des­sterb­lich­keit zu kämp­fen hät­ten, wenn sie sich gegen die Ver­nunft ent­schei­den. Kin­der erfrie­ren im Win­ter auch leicht, wenn man sich kei­ne Hei­zung leis­ten kann. Deren Wei­ber hät­ten pro Kind unge­fähr eine 20% Chan­ce wegen Kom­pli­ka­tio­nen selbst zu ster­ben, soll­ten sie sich gegen die Ver­nunft ent­schei­den. Das wäre mei­ne voll­kom­men gewalt­freie Lösung, die nie­man­dem etwas gegen sei­nen Wil­len weg­nimmt, und die nie­man­den zu etwas zwingt. Für mich klingt das, was sich aus der Lösung ergibt, nach ziem­lich effek­ti­ven Anrei­zen, kei­ne Kin­der zu krie­gen, die man sich nicht leis­ten kann. Die vier Frau­en mit jeweils acht Kin­dern wären so nicht zu finan­zie­ren, wenn man nicht aus­ge­spro­chen kom­pe­tent im Geld­ver­die­nen ist, und falls mans doch ist, gehört man doch zu den Men­schen, die so vie­le Kin­der haben soll­ten, weil man irgend­et­was rich­tig macht.

          „Es sind unse­re Angehörigen.“

          Mei­ne Ange­hö­ri­gen sind „Die Rent­ner“ sicher nicht. Mei­ne Ange­hö­ri­gen ken­ne ich alle per­sön­lich, und selbst dar­un­ter gibts Gestal­ten, die von mir kei­ne Hil­fe zu erwar­ten hät­ten, weil sie in ihrem Leben Ent­schei­dun­gen getrof­fen habe, die ich ihnen übel neh­me, und durch die sie ihr Elend ver­dient haben. Wenn ich schon Leu­ten, deren Gene ich tei­le, kei­nen Anspruch auf mei­ne Res­sour­cen gebe, dann haben Leu­te, die ich nicht ken­ne, die­sen Anspruch ganz sicher nicht. Dabei ist es mir voll­kom­men egal, was die­se Leu­te vor mei­ner Geburt auf demo­kra­ti­schem Wege beschlos­sen haben. Wer Hil­fe haben will, der muss die­se Hil­fe aus Sicht des Hel­fen­den ver­dient haben, sonst ist es kei­ne Hil­fe, son­dern Skla­ve­rei. Ich sehe nicht, womit Men­schen, mit denen ich nie etwas zu tun hat­te, sich einen Anspruch mir gegen­über ver­dient haben könn­ten. Hilfs­be­dürf­tig­keit oder demo­kra­ti­sche Beschlüs­se von etwas, zu dem man kein Recht hat, rei­chen nicht aus. Um die­je­ni­gen, die auf mein Leben einen posi­ti­ven Ein­fluss hat­ten, küm­me­re ich mich durch­aus. Ich sehe nicht, womit der Rest es ver­dient hät­te, mir etwas von den Res­sour­cen zu neh­men, die ich sonst in die­je­ni­gen, die es ver­dient haben, ste­cken würde.

          „Ein Sys­tem, das Min­der­leis­ter anzieht, bevor­zugt, för­dert ohne zu for­dern, und sogar allein für die stu­pi­de Reproduk­tion belohnt, ist nicht nach­hal­tig, son­dern deka­dent und suizidär.“

          Ich stim­me dar­in zu, dass unser poli­ti­sches Sys­tem dys­ge­ni­sche Eigen­schaf­ten hat, und es sich im Rah­men der Evo­lu­ti­on abso­lut nach­tei­lig auf die Vita­li­tät unse­rer Popu­la­ti­on aus­wirkt. Jeder Öko wür­de kapie­ren, dass es in frei­er Natur zum Lauf der Din­ge gehört, dass kran­ke und schwa­che Tie­re ster­ben, und man, ange­sichts der begrenz­ten Kapa­zi­tät jedes Öko­sys­tems, gesun­de Exem­pla­re ver­drängt, wenn man die kran­ken und schwa­chen Exem­pla­re am Ster­ben hin­dert. Bring mal nen aus­ge­wach­se­nen Igel mit Lun­gen­wür­mern zur Igel­sta­ti­on, dann bekommst Du von nem total lin­ken Öko gesagt, dass die das Tier nicht hoch­pep­pe­ln wer­den, weil es kei­ne Lun­gen­wür­mer hät­te, wenn es nicht bereits gesund­heit­lich ange­schla­gen wäre, und man in kur­zer Zeit eine schwa­che und kran­ke Igel­po­pu­la­ti­on hät­te, die wegen Klei­nig­kei­ten kom­plett aus­ster­ben könn­te, wenn man alle ange­schla­ge­nen Tie­re ret­tet. Selek­ti­on gehört zur Evo­lu­ti­on hin­zu, und ohne Selek­ti­on gibts Devo­lu­ti­on. Naja, und so lan­ge wir kei­ne Desi­gnerb­abies haben, und unser eige­nes Genom schrei­ben, ist die­se Betrach­tungs­wei­se auch auf Men­schen anzu­wen­den. Wenn es um Tie­re geht, den­ken Ökos eigent­lich recht ver­nünf­tig. Die kapie­ren auch sofort, wo das Pro­blem mit ein­ge­schlepp­ten Tier­ar­ten ohne natür­li­che Fein­de liegt. Nur im Bezug auf Men­schen haperts mit dem kla­ren Den­ken, aber nicht nur bei den Ökos.

          Ich neh­me mal an, dass ich in die­sem Punkt etwas strik­ter bin, als Du. Sofern Du aber auch nur zustimmst, dass Dys­ge­nik etwas Schlech­tes ist, und unser Sys­tem, wie Du selbst ja sagst, dys­ge­ni­sche Eigen­schaf­ten hat, wäre es doch nahe­lie­gend, die­se dys­ge­ni­schen Eigen­schaf­ten zu iden­ti­fi­zie­ren, und abzu­schaf­fen. Ich wür­de behaup­ten, dass die Grund­la­ge die­ser Dys­ge­nik dar­in liegt, dass Men­schen mei­nen, sie hät­ten ein Anrecht dar­auf, sich mit­tels Gewalt am Besitz Ande­rer zu ver­grei­fen, und Ande­ren vor­zu­schrei­ben, wie die­se zu han­deln haben. Sämt­li­che Dys­ge­nik, die ich sehe, wäre been­det, sobald kei­ne Umver­tei­lung mehr statt­fin­det, und Men­schen frei sind, ihre eige­nen Ent­schei­dun­gen zu treffen.

          Nun klingt dies kalt­her­zi­ger, als es ist. Die meis­ten Men­schen sind dazu in der Lage, sich selbst am Leben zu erhal­ten, wenn man sie lässt. Sofern sie prin­zi­pi­ell dazu in der Lage sind, sind Markt­zu­gangs­hür­den ihr größ­tes Pro­blem. Ich wür­de nicht wol­len, dass jemand ver­hun­gert, weil er irgend­ei­ne Lizenz, Geneh­mi­gung, oder einen Schein nicht hat, und des­halb eine Leis­tung, zu der er fähig ist, nicht anbie­ten kann. Des­halb bin ich dafür, alles aus dem Weg zu räu­men, was Men­schen dar­an hin­dert, frei­wil­li­ge Über­ein­künf­te zu tref­fen. Pri­mär aus die­sem Grund ist es mir egal, wel­che Aus­bil­dung, Lizenz, oder Geneh­mi­gung jemand hat, so lan­ge er zu einer ein­ver­nehm­li­chen Trans­ak­ti­on fähig ist, und er etwas hat, das ich haben will. Ich gebe dadurch Men­schen, die das Sys­tem gegen sich haben, Chan­cen, was ich für eine gute Tat hal­te. Sofern wäh­rend einer Trans­ak­ti­on kei­ne Steu­ern gezahlt, und kei­ne Regu­la­ri­en beach­tet wer­den, zie­he ich dies prin­zi­pi­ell vor, weil ich dadurch Geld spa­re, das ich in wei­te­re sol­cher Chan­cen inves­tie­ren kann. Ich wür­de auch nicht wol­len, dass jemand dazu ver­pflich­tet wird, Wohn­raum zu kaufen/mieten, der durch Regu­la­ri­en künst­lich ver­teu­ert ist, ins­be­son­de­re, wenn Obdach­lo­sig­keit die Alter­na­ti­ve wäre. Ich fän­de es voll­kom­men okay, wenn Leu­te, die sich nichts bes­se­res leis­ten kön­nen oder wol­len, in einem Wohn­wa­gen oder einer ein­fa­chen Holz­hüt­te leben, die gegen sämt­li­che Bau­vor­schrif­ten ver­stößt. Dies tat ich selbst auch mal, und ich war mit einem so nied­ri­gen Stan­dard durch­aus zufrie­den. Für mein knap­pes Geld hat­te ich damals eine bes­se­re Ver­wen­dung, als es für eine Mie­te aus­zu­ge­ben, die ich mir nicht leis­ten konn­te. Für Strom gilt das sel­be. Ich sehe kei­ne Recht­fer­ti­gung dafür, irgend­wel­che teu­ren Pro­duk­ti­ons­for­men mit­zu­fi­nan­zie­ren, oder Bil­li­ge zu ver­bie­ten, weil ich davon aus­ge­he, dass Men­schen dadurch dazu gezwun­gen wer­den, im Win­ter im Dunk­len zu sit­zen, weil sie sich die Strom­rech­nung nicht leis­ten kön­nen. Ich sehe auch kei­nen Grund, wes­halb es eine Ver­schrei­bungs­pflicht für Medi­ka­men­te geben soll­te. Stell Dir vor, jemand kann sich ein Medi­ka­ment leis­ten, aber kei­nen Arzt­be­such. Ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te sind auch voll­kom­men über­teu­ert, weil nie­mand sie aus eige­ner Tasche bezahlt, wären aber genau so bil­lig, wie nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te, wenn die Ver­schrei­bungs­pflicht weg­fie­le. Die Her­stel­lung von Ace­tyl­sa­li­cyl­säu­re als Blut­ver­dün­ner gegen Schlag­an­fäl­le ist nicht teu­rer, als die Her­stel­lung von ASS gegen Kopf­schmer­zen, wird aber viel teu­rer abge­rech­net, weil nie­mand dar­auf ach­tet, da es sowie­so die Kran­ken­kas­se zahlt. MRTs sind für Hun­de deut­lich bil­li­ger und mit kür­ze­ren War­te­zei­ten ver­bun­den, als für Men­schen, weil MRTs am Men­schen nicht aus eige­ner Tasche bezahlt wer­den müs­sen, und der Zugang zu die­ser Res­sour­ce halt über War­te­schlan­gen beschränkt wird, weil es kei­nen Markt­preis gibt. Und so wei­ter. Wenn sol­che Din­ge weg­fal­len, wäre das Über­le­ben ohne Sozi­al­staat deut­lich bil­li­ger und ein­fa­cher. Die Über­re­gu­lie­rung behin­dert arme Men­schen, die ihr Leben auf die Rei­he krie­gen wol­len, mehr, als die Umver­tei­lung ihnen hilft.

          Die ein­zi­gen Men­schen, die ein feh­len­der Sozi­al­staat stö­ren wür­de, sofern ihnen ihre Chan­cen und Mög­lich­kei­ten nicht ver­baut wer­den, sind die­je­ni­gen, die kei­ne Hil­fe ver­die­nen. Man kann für abseh­ba­re Arbeits­un­fä­hig­keit Erspar­nis­se anle­gen, und sich gegen unvor­her­seh­ba­re Ereig­nis­se ver­si­chern. Ich per­sön­lich wür­de über Sui­zid nach­den­ken, bevor mei­ne Res­sour­cen auf­ge­zehrt sind, damit ich mei­nen Nach­kom­men etwas hin­ter­las­sen kann, das sie wei­ter bringt. Übri­gens sehe ich dar­in einen wei­te­ren Grund, wes­halb Waf­fen für jeder­mann käuf­lich zu erwer­ben zu sein haben. Ich hab das Recht mich selbst umzu­brin­gen, wenn ich das will, und ich hal­te einen Schuss durchs Stamm­hirn für die bes­te Mög­lich­keit. Ein Ver­bot von Waf­fen mutet mir in die­sem Fall unmä­ßi­ge Här­ten zu, die mir zuzu­mu­ten nie­mand das Recht hat. Die Fall­tie­fe beim Long-Drop-Erhän­gen ist kom­pli­ziert zu berech­nen, und die­ser ist damit nur schwer rea­li­sier­bar, Gif­te sind eke­lig, und die unan­ge­schnall­te Fahrt mit 200+ km/h gegen einen Brü­cken­pfei­ler mit Ben­zin­ka­nis­tern auf dem Bei­fah­rer­sitz birgt Risi­ken für Unbe­tei­lig­te und schä­digt frem­den Besitz. Außer­dem sind Autos teu­er, wes­halb das Res­sour­cen­ver­schwen­dung wäre. 

          Aber selbst, wenn man auch als alter Sack am Leben hängt, wür­de ich erwar­ten, dass man in sei­nem Leben Kin­der in die Welt gesetzt, und gut behan­delt hat, und man dem­zu­fol­ge die­sen Kin­dern lebend mehr wert ist, als die Lebens­er­hal­tung kos­tet. Schul­pflicht und staat­li­che Schu­len sind, neben­bei bemerkt, ein gro­ßer Fak­tor, der die fami­liä­ren Ban­de so weit auf­weicht, dass die­ses sozia­le Netz zusam­men­bricht. Wie kann ich es von mei­nen Kin­dern erwar­ten, dass sie für mich Unan­nehm­lich­kei­ten auf sich neh­men, wenn ich sie zehn Jah­re lang dazu gezwun­gen habe, in eine Gehirn­wä­sche­ein­rich­tung zu gehen, in dem sie auf den Staat als ein­zi­gen Über­va­ter kon­di­tio­niert wer­den, und wo ihnen bei­gebracht wird, dass sie ein­zig die­sem ver­pflich­tet sind. Falls es kei­ne Kin­der gibt, hat­te man ein Leben lang Zeit, Sozi­al­kon­tak­te anzu­häu­fen, die als frei­wil­li­ges sozia­les Netz die­nen. Men­schen, die nichts und nie­man­den haben, dem sie lebend mehr wert sind, als ihre Lebens­er­hal­tung kos­tet, haben es viel­leicht gar nicht ver­dient, am Leben erhal­ten zu wer­den. Ich ken­ne sol­che Gestal­ten aus mei­ner Fami­lie. Die­je­ni­gen, die ich mei­ne, haben es ihr Leben lang ver­säumt, irgend­je­man­dem etwas wert zu sein, und haben jeder­mann, der etwas auf sein Wohl­erge­hen hält, einen Grund gege­ben, sie zu mei­den. Die haben ihr gesam­tes Leben lang bewie­sen, dass sie schlech­te Men­schen sind. Die haben kei­ne Hil­fe ver­dient. Es ist nichts Schlim­mes dar­an, wenn die­se Men­schen lei­den, und als abschre­cken­des Bei­spiel für Ande­re die­nen. Viel­leicht ist das das Edels­te, das sie aus ihrem Leben machen konn­ten. Ich wür­de ihnen die­ses letz­te Biss­chen Wert, das sie haben, nicht neh­men wol­len. Ich mei­ne das Ernst. Man nimmt sol­chen Men­schen jeden ver­blie­be­nen Rest von Wert, den ihre Exis­tenz hat, wenn man ihnen die Rol­le des abschre­cken­den Bei­spiels nimmt, das Ande­re davor warnt, die sel­ben schlech­ten Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Das ist so unethisch, wie es unethisch wäre, einem hung­ri­gen Pen­ner den ange­fres­se­nen Döner zu neh­men, den er in der Müll­ton­ne neben der Park­pank gefun­den hat. Mehr noch, man erzeugt inner­halb der gesam­ten Bevöl­ke­rung mehr schlech­te Ent­schei­dun­gen mit fata­len Fol­gen, wenn man die­je­ni­gen, die in der Ver­gan­gen­heit schlech­te Ent­schei­dun­gen mit fata­len Fol­gen getrof­fen haben, vor den Fol­gen ihres Han­delns schützt.

          Mei­ne hier dar­ge­stell­te Denk­wei­se ist doch ratio­nal, kon­sis­tent, und rea­li­täts­be­zo­gen. Wie­so sind eigent­lich so weni­ge Men­schen dazu in der Lage, eine Denk­wei­se mit die­sen Eigen­schaf­ten an den Tag zu legen? Wie­so kön­nen so weni­ge Men­schen unab­hän­gig und als Indi­vi­du­um den­ken? Ists die Kind­heits­in­dok­tri­nie­rung, die das bewirkt?

      • Rolf ver­steht das Umla­ge­ver­fah­ren der Ren­te nicht oder redet es bewußt schlecht. Durch Ein­zah­lun­gen in die Ren­ten­kas­se erwirbt man sich das Recht, spä­ter dar­aus ver­sorgt zu wer­den. Von dem, was in einem Land erwirt­schaf­tet wird, wird ein Teil zur Ver­sor­gung der Rent­ner ver­wen­det, so wie in einer Fami­lie die Kin­der ver­sorgt wer­den (die aber noch nichts erwirt­schaf­tet haben, und da mault kei­ner das sei Umverteilung).
        Solan­ge etwas erwirt­schaf­tet wird, kann das Umla­ge­ver­fah­ren daher nicht kaputt­ge­hen, wenn man es nicht absicht­lich kaputt macht, so wie das lei­der der­zeit geschieht.

        Ob jemand Kin­der in die Welt setzt oder nicht, hat mit der Sicher­heit der Ren­te erst mal genau gar nichts zu tun. Denn wie man der­zeit in Euro­pa sieht, bewir­ken „mehr Men­schen,“ ja sogar „viel, viel mehr Men­schen“ im Land eben nicht mehr Sicher­heit der sozia­len Sys­te­me, son­dern weni­ger. Wer die Ren­te sichern will, muß viel­mehr Arbeits­plät­ze schaf­fen, auf denen die Ren­te erwirt­schaf­tet wird (egal ob Umla­ge- oder Kapitalbasiert).

        Auch die Zahl der Rent­ner, die ein Ein­zah­ler ver­sorgt, ist nicht so ent­schei­dend, weil es von der Pro­duk­ti­vi­tät abhängt, wie­vie­le Rent­ner davon ver­sorgt wer­den kön­nen. Die Pro­duk­ti­vi­tät der Arbeit ist aber dank Tech­no­lo­gie in den letz­ten Jahr­zehn­ten viel stär­ker gewach­sen, als die Zahl der Rent­ner, die von einem Ein­zah­ler ver­sorgt wer­den (nur ist eben der größ­te Teil des zusätz­lich Erwirt­schaf­te­ten fast aus­schließ­lich den Spit­zen- und Kapi­tal­ein­künf­ten zugu­te­ge­kom­men, wes­halb ja auch fast alle unter­halb der Ober­schicht seit Jah­ren, in D vor allem seit den Schrö­der-Jah­ren, Real­ein­kom­mens­ver­lus­te hin­neh­men mußten).

        Ob man durch eige­ne Kin­der ver­sorgt wer­den kann, ist rei­ne Glücks­sa­che, denn auch beim bes­ten Wil­len und aller Lie­be zu die­sen Kin­dern kann das klap­pen oder eben nicht, zum Bei­pi­el könn­ten die Kin­der vor den Eltern sterben.

        „Die Rent­ner,“ denen Rolf zuruft, „seht zu wo ihr bleibt, ich will für Euch nichts zah­len“, sind die Genera­ti­on, die unse­ren der­zei­ti­gen Wohl­stand und die der­zei­ti­ge Infra­struk­tur auf­ge­baut haben, wel­che Rolf heu­te genießt, auch wenn sich bei­des bereits im Ver­fall befindet.

        Die geschol­te­ne „Umver­tei­lung“ ist auch jede Zins- und Divi­den­den­zah­lung, die von Leu­ten kas­siert wird, die nichts, aber auch gar nichts zur Erwirt­schaf­tung die­ser Gel­der bei­getra­gen, außer in der Ver­gan­gen­heit Kapi­tal zur Ver­fü­gung gestellt zu haben. Hier geht die Umver­tei­lung nach oben. Und hier hört man auch kei­nen Pro­test gegen „Umver­tei­lung“, aber die „alles-soll-der-Markt-regeln“ und „Ego­is­mus/­Gier-ist-gut“ Ideo­lo­gie nützt ja auch den Wohl­ha­bends­ten und wur­de des­halb von ihnen entwickelt.

        Ich stim­me Rolf dar­in zu, Kin­der­geld und sozia­le Leis­tun­gen soll­ten nicht an Migran­ten, Ein­wan­de­rer aller Art und Nicht-Staats­an­ge­hö­ri­ge aus­ge­zahlt werden. 

        Wenn aber Rolf den Sozi­al­staat abschaf­fen möch­te, und jede Form von Gemein­sinn ablehnt, na dann, kann ich ihm eben­falls posi­tiv rück­mel­den, er bekommt kei­nen Cent von mir, soll­te er jemals auf Bet­teln ange­wie­sen sein. Ist bestimmt in sei­nem Sin­ne. Schö­nen Tag noch.

        • Ole, lang­sam wirds langweilig…

          Das umla­gen­ba­sier­te Ren­ten­sys­tem steht kurz vorm Kol­laps. Es wird bereits jetzt zum gro­ßen Teil aus Steu­ern finan­ziert, und nicht aus Ein­zah­lun­gen. Die größ­ten Ein­zah­ler sind der­zeit die Baby­boo­mer, die in Kür­ze in Ren­te gehen, und dann zu den größ­ten Ren­ten­be­zie­hern aller Zei­ten wer­den. Sobald dies pas­siert, ver­schiebt sich das Ver­hält­nis zwi­schen Ein­nah­men und Aus­ga­ben so weit, dass ein Ein­zah­ler drei Rent­ner durch­füt­tern muss. Ich weiß, dass Du eher in Schlag­wor­ten als in Zusam­men­hän­gen denkst, aber selbst Dir soll­te klar sein, wie wenig Dir von Dei­nem Ein­kom­men übrig bleibt, wenn Du davon drei Rent­ner durch­füt­tern musst, die alle auf dem Lebens­stan­dard gehal­ten wer­den sol­len, den Du Dir selbst als Rent­ner wünschst. Beson­ders, wenn Du die­sen drei Rent­nern eine gewis­se Ein­kom­mens­gleich­heit zuge­ste­hen willst.

          War­um soll­te sich jemand, der über Fähig­kei­ten ver­fügt, mit denen man Geld ver­die­nen kann, so etwas bie­ten las­sen, und nicht aus­wan­dern? Mir fällt kein Grund ein. Die­se Tat­sa­che ist das Nächs­te, was Dir bei Dei­ner Ren­ten-Uto­pie auf die Füße fal­len wird. Find mal raus, was die Pare­to-Ver­tei­lung in der Markt­wirt­schaft ist. Ums kurz zu machen: Ungleich­heit ist der natür­li­che Zustand. Der Groß­teil der Wert­schöp­fung wird von sehr weni­gen Leu­ten voll­zo­gen. Die Gesamt­pro­duk­ti­vi­tät eines Unter­neh­mens oder einer Volks­wirt­schaft kol­la­biert über­pro­por­tio­nal schnell, wenn man die pro­duk­tivs­ten Mit­ar­bei­ter ent­fernt. Über­pro­por­tio­nal heißt: Sor­tie­re die Lis­te der Ange­stell­ten eines Unter­neh­mens nach Pro­duk­ti­vi­tät, berech­ne die Qua­drat­wur­zel der Anzahl der Ange­stell­ten und nen­ne die­se Zahl X, und ent­fer­ne dann die X pro­duk­tivs­ten Mit­ar­bei­ter. Anschlie­ßend hast Du einen Pro­duk­ti­vi­täts­ein­bruch von 50%. Wenn ein Unter­neh­men 100 Mit­ar­bei­ter hat, bricht die Pro­duk­ti­vi­tät um 50% ein, wenn man die 10 pro­duk­tivs­ten Mit­ar­bei­ter ent­fernt. Für Volks­wirt­schaf­ten gilt das Sel­be. Genau die­se pro­duk­tivs­ten Mit­ar­bei­ter ver­treibt man schon jetzt mit hohen Steu­er­sät­zen. Stich­wort Fach­kräf­te­man­gel. Wer gut ist, der wan­dert aus. Was ver­bleibt, sind die inkom­pe­ten­ten Leu­te, deren gan­zes Poten­zi­al nur dar­in liegt, Hilfs­diens­te für die kom­pe­ten­ten Leu­te zu ver­rich­ten. Die dum­mer­wei­se auswandern. 

          Und da unse­re Wirt­schaft eher sklero­tisch ist, und durch Über­re­gu­lie­rung an jeder mög­li­chen Stel­le behin­dert wird, wird das Pro­blem mit den Ren­ten auch nicht durch Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wäch­se gelöst wer­den, weil es die­se nicht geben wird. Unse­re der­zei­ti­ge Boom-Pha­se spielt sich doch über­wie­gend auf den Akti­en­märk­ten ab, wo das über­schüs­si­ge Geld, das die EZB stän­dig druckt, nach Anla­ge­mög­lich­kei­ten sucht. Die­ser Boom hat mehr mit Infla­ti­on zu tun, als mit Wachs­tum, und ich wür­de auch bezüg­lich des Wachs­tums lang­fris­tig eher eine Kor­rek­tur nach unten erwar­ten, als einen Zuwachs.

          Wei­ter­hin kol­la­biert das Ren­ten­sys­tem aus dem Grund, dass die Baby­boo­mer nicht genü­gend Kin­der bekom­men haben, und sich die­ser Trend seit­dem fort­setzt. Umla­gen­ba­sier­te Ren­ten­sys­te­me kön­nen nur funk­tio­nie­ren, wenn die Gra­fik mit der Alters­ver­tei­lung wie eine Tan­ne aus­sieht, und nicht wie ein Schnee­mann, weil sich mit einem Schnee­mann nur ent­we­der Alters­ar­mut oder eine über­mä­ßi­ge Belas­tung der Jugend rea­li­sie­ren lässt. Unse­re Alters­gra­fik sieht jedoch wie ein fet­ter, miss­ge­bil­de­ter Schnee­mann aus. Eige­ne Kin­der zu bekom­men, und die­se so gut zu behan­deln, dass sie im Leben erfolg­reich wer­den, und einen mögen, senkt das Risi­ko im Alter zu ver­ar­men ganz enorm, weil eige­ne Kin­der nicht wol­len, dass es einem schlecht geht. So funk­tio­nier­te die Alters­vor­sor­ge seit der Anti­ke. Man kriegt Kin­der, behan­delt sie gut, sorgt dafür, dass aus ihnen etwas wird, und baut dar­auf, dass sie spä­ter wol­len, dass es einem gut geht. Du scheinst zu den­ken, dass das kei­nen Sinn ergibt, weil dabei etwas schief gehen kann, wäh­rend die staat­li­che Ren­te garan­tiert ist. Dum­mer­wei­se ist die­se Garan­tie nichts wert, und die Men­schen, die auf die­se Garan­tie ver­trau­en, ver­hal­ten sich dadurch noch ver­ant­wor­tungs­lo­ser, als ohne­hin schon. Die Ren­ten­ga­ran­tie hat einen soge­nann­ten „Moral Hazard“ erschaf­fen. Ursprüng­lich wur­de Pfle­ge und Alters­ab­si­che­rung von den eige­nen Kin­dern auf direk­tem Wege erbracht. Nie­mand sonst bekam Zugriff auf die Leis­tungs­fä­hig­keit der eige­nen Kin­der, wes­halb es Sinn mach­te, genü­gend Kin­der zu haben, und sich um deren Wohl­be­fin­den zu sor­gen. Die Ren­te ver­än­der­te die Situa­ti­on dahin­ge­hend, dass nicht mehr die eige­nen Kin­der für die eige­ne Alters­ab­si­che­rung ver­ant­wort­lich sind, son­dern die Kin­der Aller sind für die Absor­gung Aller ver­ant­wort­lich. Also taten die Men­schen das, was inner­halb des Moral Hazard logisch ist: Sie beka­men kei­ne eige­nen Kin­der mehr, und über­lie­ßen die Erzie­hung die­ser, falls es doch wel­che gab, dem Staat und sei­nen Gehirn­wä­sche­an­stal­ten, weil das noch weni­ger Arbeit macht. Eige­ne Kin­der kos­ten Geld und Ner­ven, und man lebt spä­ter ja eh von nicht vom Geld der eige­nen Kin­dern, son­dern vom Geld der Kin­dern Aller. Daher ist es nur logisch, das eige­ne Geld für sich selbst zu ver­pras­sen, und das Kin­der­krie­gen den Ande­ren zu über­las­sen. Und nun sind wir da, wo wir sind. Socia­lism fails again. Wie immer. 

          Ansons­ten schreibst Du viel Lef­tie-Scheiß. Dafür, dass jemand vor X Jah­ren mal gear­bei­tet hat, wur­de er bereits ent­lohnt. Wenn er die­sen Lohn wie­der ver­prasst hat, dann geht mich das nichts an. Ich ver­lan­ge auch kei­ne Gegen­leis­tung dafür, dass ich mit 16 mal in einem Hoch­haus, in dem ein heu­te wich­ti­ges Medi­ka­ment ent­wi­ckelt wur­de, mal geputzt habe. Nicht mal dafür, dass ich damals die bes­te Putz­frau der gesam­ten Putz­ko­lon­ne war, und mei­ne Putz­leis­tung jah­re­lang nicht über­trof­fen wur­de. Es ist bereits lan­ge abseh­bar, dass unser Ren­ten­sys­tem abka­cken wird, und wer sich nicht dar­auf vor­be­rei­tet hat, und meint, des­halb auf frem­der Leu­te Kos­ten leben zu müs­sen, der kann mich mal. Die­se Men­schen hät­ten sich halt nicht auf die staat­li­chen Garan­tien ver­las­sen sol­len. Es ist doch über­all sicht­bar, dass staat­li­che Garan­tien nichts wert sind. Ich sehe kei­nen Grund, wes­halb die Blöd­heit man­cher Men­schen es recht­fer­tigt, dass sie mir Jahr­zehn­te lang als sklero­ti­sche Vam­pi­re an der Keh­le hän­gen sol­len. Du scheinst jedoch Mit­leid mit sol­chen ver­ant­wor­tungs­lo­sen Men­schen zu haben. Viel­leicht kannst Du ja ein Paar davon auf­neh­men und durch­füt­tern. Falls nicht: War­um nicht? Zu faul und zu gei­zig? Zu anstren­gend? Nicht Dein Problem? 

          Übri­gens wäre „Natio­nal­so­zia­lis­mus“ doch eine gute Bezeich­nung für Dein nur für Inlän­der gel­ten­des Kon­zept des Sozia­lis­mus. Du bist ja gegen Glo­ba­lis­mus, gegen das Finanz­ka­pi­tal, dafür, dass der Staat sich ums Volk küm­mert, den Pri­vat­be­sitz von vor­ne bis hin­ten durch­re­gu­liert, und dafür, dass der Staat die Pro­ble­me löst, die sich aus der Anwe­sen­heit bestimm­ter „volks­frem­der“ Indi­vi­du­en erge­ben. Ich mei­ne das gar nicht belei­di­gend. Ich den­ke, dass Natio­nal­so­zia­lis­mus und Faschis­mus miss­ver­stan­den wer­den, und es von Bei­dem in unse­rer Welt viel mehr gibt, als man meint. Wenn man die Funk­ti­ons­wei­se heu­ti­ger Län­der mit der Funk­ti­ons­wei­se des drit­ten Reichs ver­gleicht, haben heu­ti­ge Län­der mehr Ähn­lich­keit mit dem drit­ten Reich, als mit des­sen dama­li­gen ideo­lo­gi­schen Gegen­spie­ler, dem Man­ches­ter-Kapi­ta­lis­mus. Nur den Mili­ta­ris­mus gibt es nicht mehr. Man könn­te ansons­ten mei­nen, Hit­ler hät­te den Krieg gewonnen.

          „Wenn aber Rolf den Sozi­al­staat abschaf­fen möch­te, und jede Form von Gemein­sinn ablehnt, na dann, kann ich ihm eben­falls posi­tiv rück­mel­den, er bekommt kei­nen Cent von mir, soll­te er jemals auf Bet­teln ange­wie­sen sein. Ist bestimmt in sei­nem Sinne. “

          Ich bett­le nicht, also ists mir egal. Abge­se­hen davon pla­ne ich nicht, mir das gan­ze Alters­e­lend anzu­tun, bei dem es nur berg­ab geht. „Stamm­hirn“, und so. Im Kino schaue ich mir auch nicht den Abspann an. Ich wür­de es jedoch begrü­ßen, wenn Du kei­nen Cent von mir siehst. Du bist wahr­schein­lich älter als ich, und klingst auch wie jemand, der kein schlech­tes Gewis­sen hät­te, von Steu­ern zu leben. Daher ist es wahr­schein­li­cher, dass Du an mei­nen Arte­ri­en nuckelst, als umge­kehrt. Soll­te dies unter­blei­ben, dann wäre das tat­säch­lich sehr in mei­nem Sinne.

          P.S.

          Du frag­test an ande­rer Stel­le, wie­so ich Dir Leh­rer­tum unter­stel­le. Warst Du nicht der­je­ni­ge, der sag­te, er sei Leh­rer, selbst kin­der­los, mit ner SPD-Trul­la liiert, und hal­te es für eine schlech­te Idee, sei­ne Schü­ler zu beein­flus­sen, weil die­se sich ohne­hin „frei­schwim­men“ müs­sen? Ich habs nicht so mit Namen. Falls ich da etwas ver­wech­selt habe, dann ver­zeih mir die Unter­stel­lung, Du seist in einer Gehirn­wä­sche­in­sti­tu­ti­on tätig. Kin­dern haupt­be­ruf­lich das Hirn zu ficken , und sie zu Steu­er- und Stimm­vieh zu erzie­hen, ist eine ziem­lich ver­ächt­li­che Tätig­keit, und ich woll­te Dich nicht zu Unrecht belei­di­gen, als ich Dich einen Leh­rer nann­te. Ich woll­te auch kei­ne unwah­ren Gerüch­te verbreiten.

          • Ich möch­te zudem ein­wer­fen, dass die­ses Blog natür­lich vor allem dem auf­ge­bla­se­nen Ego sei­nes Betrei­bers die­nen soll und die­ser sich des öfte­ren schon leicht genervt dar­über zeigt, dass in Räu­men, in denen längst das Licht der Auf­merk­sam­keit erlo­schen ist, sich immer noch Gäs­te mit Stüh­len bewer­fen. Also: ver­tragt euch! 😉

            • Aber ich brauch doch noch Stüh­le für mei­nen klei­nen Schre­ber­gar­ten! Und einen Tisch! Soll ich das etwa alles allei­ne kaufen?!

              Ansons­ten: Nagut. Fast hät­te ich jetzt *grum­mel* geschrie­ben. Aber ich habs nicht getan. Puh.

            • Gebe­ne­deit sei Dein Ego, O Roger, möge es mit sub­li­mier­tem Uran­he­xa­f­lou­rid prall befüllt wer­den, dass es schwer wie Gold sei, und ewig­lich hell­blau erstrah­le. Frie­den und Segen sei­en auf ihm. 

              Ich lie­ge nun wach in mei­nem Bett, und fra­ge mich, wes­halb Du kei­ne Ver­bal­schlä­ge­rei­en in älte­ren Arti­keln haben willst. Ich ver­ste­he es nicht. Hat es etwas mit den älte­ren Arti­keln zu tun? Das ver­ste­he ich nicht. Im schlimms­ten Fall sind das eini­ge zusätz­li­che Sei­ten­auf­ru­fe. Oder willst Du mir zu ver­ste­hen geben, dass Du kei­ne Ver­bal­schlä­ge­rei­en auf Dei­ner geseg­ne­ten Flur haben willst? Aber Ver­bal­schlä­ge­rei­en sind doch so wit­zig. Dräng ich mich zu sehr in den Vor­der­grund? Dul­det Dein auf­ge­bla­se­nes Ego, geseg­net sei es, kei­ne wei­te­ren auf­ge­bla­se­nen Egos neben sich? Ist es das? 

              Ich ver­beu­ge mich in tie­fer Demut vor Dei­nem erha­be­nen Ego, geprie­sen sei es, und schlei­che mich, tief gebeugt, hin­fort in mein Bett.

            • Als Freund des Flo­retts sind mir Schlä­ge­rei­en aller Art prin­zi­pi­ell zutiefst zuwi­der. Lass also die Demut ste­cken und schlaf ne Run­de. Gute Nacht.

            • Okay, ich habe ver­stan­den. Flo­rett­fech­ten hab ich lan­ge trai­niert, und ich war sogar gut dar­in. Hin­stel­len, Fech­ter­gruß, Paar Schrit­te nach vor­ne, um die Distanz zu schlie­ßen, falls nötig eine Ripos­te, dann nen schnel­len Sprung oder Aus­fall­schritt nach vor­ne, gleich­zei­tig zuste­chen, kurz hof­fen, dass es kein Dop­pel­tref­fer wird, fer­tig. Nicht mehr so kom­pli­zier­te Tech­nik wie beim MMA ver­wen­den. Nie­mand braucht jah­re­lan­ges Trai­ning, um sich von einer Boden­kampf­po­si­ti­on in die Nächs­te zu bewe­gen, oder um hun­dert ver­schie­de­ne Wege zu erler­nen, jeman­dem aus den Boden­kampf­po­si­tio­nen her­aus etwas zu bre­chen, weil man sich beim Boden­kampf dre­ckig macht. Statt­des­sen ein­fach hin­ge­hen, Geg­ner abste­chen, nach Hau­se gehen, fer­tig. Ein­fachs­te Tech­nik ver­wen­den. Krieg ich hin.

              Du Bru­ta­lo. Ich hät­te gedacht, dass Du lan­ge, kom­ple­xe Matches, bei denen es an die Gren­zen des kör­per­lich Mach­ba­ren geht, einem schnel­len Instant-Kill vor­zie­hen würdest. 😉

    • Per­son A: „Hil­fe, im Kom­men­tar­be­reich mei­ner lin­ken Zei­tung machen sich lau­ter Rech­te breit.“

      Auch Per­son A: „Die Rech­ten leben in einer Fil­ter­bla­se und bekom­men vom Nek­tar und Ambro­sia mei­ner lin­ken Zei­tung nichts mit. Ich hin­ge­gen bin auf­ge­schlos­sen und modern und mei­de das Inter­net, wenn möglich.“

  5. Mes­ser­schar­fer Artikel!
    Zen­sur via Jour­na­lis­mus. Staat­li­cher ideo­lo­gi­scher „Foie gras“ Jour­na­lis­mus vom bezahl­ten Lehns­mann. Wer in sol­chen Gestal­ten noch demo­kra­ti­sche Bür­ger sieht, hat wahr­schein­lich die lin­ke Indok­tri­na­ti­on und Gehirn­wä­sche erfolg­reich hin­ter sich.
    Dank Inter­net sind Blog­ger, Aus­lands­me­di­en und loka­le Zei­tun­gen nur einen Klick ent­fernt. Mehr­spra­chig­keit ist sehr hilf­reich. Des­halb habe ich auch eine Fra­ge. Wenn Euro­pa so eine hei­li­ge Auf­ga­be ist, wo bleibt die Bericht­erstat­tung aus den ein­zel­nen Län­dern? Bis­her ken­ne ich zwar jeden Pickel am Hin­tern von Trump, aber kaum etwas von den neu­en EU Län­dern. Auch ein­sei­ti­ge Aus­wahl ist eine Form der Zensur.

  6. Guten Tag in die Runde.

    Habe die Sen­dung in Tei­len auch gehört und mich gefragt, auf was Frau Weis­band hin­aus will. Im letz­ten Absatz hat sie ja dann die Kat­ze aus dem Sack gelas­sen. Das „Mäd­chen“ braucht ein­fach (mehr) Geld! Da passt im hes­si­schen Land­tags­wahl­kampf auch ein Pla­kat der Grü­nen: dort wird eine jun­ge Frau gezeigt mit dem Hin­weis, das Frau­en mehr haben sol­len. Im Porte­mon­naie. Sol­chen Leu­ten möch­te man dann zuru­fen, lernt was ver­nünf­ti­ges. Geo­lo­gie statt Gen­der­ge­döns bei­spiels­wei­se. Im zwei­ten Fall (bei der jun­gen Frau auf dem Wahl­pla­kat der Öko­fa…) hilft viel­leicht auch schon weni­ger shoppen.

  7. Die Arro­ganz der Staats­fun­ker äußerst sich für mich immer in dem bei­läu­fi­gen Satz, „wir ord­nen das für Sie ein“. Mir reicht eine Infor­ma­ti­on, die Ein­ord­nung neh­me ich selbst vor. Für mich ist es fast uner­träg­lich gewor­den dem Grün­land­funk zu lau­schen. Selbst die gute Wis­sen­schafts­sen­dung nähert sich immer mehr der lin­ken flat-earth-society.

  8. Lei­der fin­den die Rat­ten­fän­ger ihr Gefol­ge. Dass Jour­na­lis­ten dem Publi­kum erst „erklä­ren“ müs­sen, wel­che Fak­ten sie zur Kennt­nis neh­men soll­ten, wel­che Mei­nung sie dazu zu ver­tre­ten haben und wel­che Bücher sie lesen müs­sen oder auch nicht, ist der Wunsch­traum der soge­nann­ten „Vier­ten Gewalt“. Des­halb ren­nen ihnen die Leser auch davon. Wie weit sie sich inzwi­schen vom euro­päi­schen Aus­land ent­fernt haben, ist ihnen auch wei­test­ge­hend entgangen.

  9. Die hal­tungs­star­ken Medi­en sind doch schon erfolg­reich unter­wegs. Ist es Weis­band und Prot­ze ent­gan­gen, wie die ein­ord­nen­den Jour­na­lis­ten in den letz­ten Woche aus einer Cau­sa Seibert/Merkel erfolg­reich eine Cau­sa Maaßem/Seehofer fabu­liert haben?
    Oder wol­len sie sich ledig­lich ihr Leben noch ein­fa­cher machen, indem sie sich selbst ihr Ver­schlei­ern ihrer wirk­li­chen Agen­da, der lini­en­treu­en Indok­tri­na­ti­on, erspa­ren wollen?
    Weis­band als ehe­ma­li­ge Pira­tin soll­te eigent­lich wis­sen, dass das WWW ihr Spiel nicht mit­spielt, es sei denn, wir nähern uns Nord­ko­rea an.

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