Als die Deutsche Forschungs­ge­mein­schaft DFG unter dem Slo­gan „Gemein­sam #für­dasWis­sen“ dazu aufrief, „…Text‑, Bild- und Video-State­ments“ einzusenden, um „…die Überzeu­gung für eine freie und erken­nt­nis­geleit­ete Forschung in die Gesellschaft tra­gen“, kon­nte sich wohl nie­mand vorstellen, welch­er Shit­storm wenig später bei Twit­ter über die DFG hin­wegfe­gen würde. Aus­lös­er war ein 30 Sekun­den langer Videobeitrag des Kabaret­tis­ten Dieter Nuhr. Das heißt, das Video löste die Debat­te gar nicht aus, son­dern nur Dieter Nuhr. Und zwar nur, weil Nuhr eben Nuhr ist und dass der in diesem Leben nie nicht niemals wieder irgend etwas zum Gen­er­althe­ma Wis­senschaft sagen dürfe, dass ste­he ja fest wie, wie…ja wie was eigentlich? Und wer hat das eigentlich festgelegt?

In der All­ge­meinen Erk­lärung der Men­schen­rechte oder im Grundge­setz ste­ht nichts zu diesem The­ma. Ich habe nachge­se­hen! Auch in den Statuten für Kleinkun­st, Kabarett und ange­wandte Korinthenkack­erei kein Wort zu Nuhr und der Wis­senschaft. Fündig wurde ich dann aber doch noch, näm­lich in den zehn Geboten im Alten Tes­ta­ment. Da heißt es unter §2 Absatz 1: „Du sollst den Namen deines Her­rn, deines Gottes, nicht miss­brauchen.“ Das passt irgend­wie! Denn Nuhr, dieses Läster­maul, hat sich einst ver­bal an Gre­ta ver­sündigt! Deshalb ist die Twit­ter­meute so außer sich! Er habe gän­zlich unwis­senschaftlich gespot­tet, sich über Gre­ta lustig gemacht und der­gle­ichen Blas­phemien mehr. So ein­er darf nim­mer mehr das Wort ergreifen im Namen der Wis­senschaft, er brenne ewiglich auf dem Scheit­er­haufen der glob­alen Erwär­mung! Amen! Wie also kann die DFG es wagen, aus­gerech­net Nuhrs Beitrag auf ihre Web­seite zu stellen! Oder wie Gre­ta es präg­nan­ter und ganz wis­senschaftlich in §11 Absatz 1 der rev­i­dierten Fas­sung der Zehn Gebote for­muliert hat: „How dare you!“

Die Forderun­gen, Nuhrs Beitrag sooooofort!!! zu löschen, ris­sen auf Twit­ter nicht ab und die DFG, der Wis­senschaft und damit der Erken­nt­nis verpflichtet, kam zu eben jen­er, dass Leser (Teilchen) sich wie eine ziem­lich garstige Welle ver­hal­ten, wenn sie Fack­eln und Mist­ga­beln in den Hän­den haben, um ein gefühltes Recht einzu­fordern. Nuhrs Videoschnipselchen wurde gelöscht. Mit Ansage und auf Ver­lan­gen ein­er ent­fes­sel­ten Twit­ter­meute. Can­cle un-Kul­tur wie aus dem Lehrbuch.

Ich weiß nicht, wie dick Nuhrs Fell noch ist, denn die öffentliche und teil­weise auch veröf­fentlichte Prügel pras­selt ja schon seit Jahren auf ihn nieder und es ist wohl nur sein­er Bekan­ntheit und der Tat­sache, dass er Hallen füllt und gute Ein­schaltquoten hat geschuldet, dass er über­haupt noch auf Sendung ist. Vielle­icht zieht er irgend­wann die Not­bremse, steigt aus und sagt „Nuhr noch ohne mich!“

Die Unantastbare

Der zen­trale Vor­wurf des Twit­ter­mobs ist ja, Nuhr habe sich unwis­senschaftlich gegenüber der Wis­senschaft geäußert, weil er gele­gentlich Gre­ta durch einen wohltem­perierten Kakao zieht und mit der Wirkung koket­tiert, die er dadurch auf Gre­tas Anhänger hat. Zur ihrer Vertei­di­gung führen ihre Fans gern Gre­tas Jugend an und den Enthu­si­as­mus, mit dem sie für unser aller Zukun­ft ein­trete. Doch wenn Jugend und Enthu­si­as­mus jede Kri­tik und jeden Wider­spruch verun­möglicht­en, wäre Gre­ta auch Welt­meis­terin im Box­en, weil sie unan­greif­bar wäre. Ich scherze natür­lich, aber selb­st ganz ohne Spaß muss man fest­stellen: Gre­ta führt ein weltweit agieren­des Net­zw­erk postapoka­lyp­tis­ch­er Spin­ner an, da ist es völ­lig egal, wie alt sie ist.

Im Film „Lord of War – Händler des Todes“ sagt Eamonn Walk­ers als Dik­ta­tor Liberias, zu Yuri Orlov alias Nico­las Cage „Die Kugel eines 14-jähri­gen ist genau­so effek­tiv wie die eines 40-jähri­gen. Manch­mal sog­ar effek­tiv­er.“ Was für Kinder­sol­dat­en schreck­liche Real­ität ist, gilt im über­tra­ge­nen Sinn auch für Gre­ta. Sie ste­ht in der Küche, also muss sie die Hitze dort ertra­gen. Das tut sie übri­gens ganz bravourös, wie ich anerken­nend bemerken möchte, selb­st wenn ich inhaltlich kaum weit­er von ihr ent­fer­nt sein kön­nte. Die Frage, ob Kri­tik an der F4F-Bewe­gung sowie der Hyper­ak­tiv­ität und dem Alarmis­mus ihrer Pro­tag­o­nis­ten prinzip­iell auf Wis­senschafts­feindlichkeit schließen lässt, wollen wir hier bitte nicht ern­sthaft erörtern. Das ist albern!

Was wir hier klären müssen ist die Frage, ob die Kri­tik an der Agen­da ein­er 16-jähri­gen Dilet­tan­tin mit Sendungs­be­wusst­sein über­haupt unter diese Kat­e­gorie fall­en kann. Denn wenn Nuhr als Laie aus dem Diskurs ver­ban­nt wer­den darf, warum darf Gre­ta als Laie dann mit­machen? Noch dazu ohne abgeschlossenes Studi­um der Päd­a­gogik! Weil sie „Fol­low the Sci­ence“ ruft, ist sie immun? Doch sie meint nur eine Wis­senschaft und auch nur eine sehr verengte Lesart der­sel­ben. Diese Teil­menge der Wis­senschaft hat auf die aller­meis­ten Fra­gen der Men­schheit exakt keine Antwort oder nur eine gän­zlich welt­fremde, warum soll man ihr also kri­tik­los und sog­ar ohne Sarkas­mus fol­gen? Auch das ergibt keinen Sinn.

Folge der Wissenschaft – in die Diktatur?

Das mit dem „Net­zw­erk postapoka­lyp­tis­ch­er Spin­ner“ muss ich noch erk­lären, denn dass die F4F in diese gän­zlich unwis­senschaftliche Rich­tung entwick­elt hat, kon­nte man erst vor eini­gen Tagen sehen. Die dem Humor ent­zo­ge­nen Kli­makids Gre­ta und Luisa schrieben näm­lich einen offe­nen Brief an die Führer der west­lichen Welt. Der chi­ne­sis­che Parte­ichef bekam den Brief nicht, aber inhaltlich hätte er ihn ja ohne­hin geschrieben haben kön­nen. Was da „im Namen der Wis­senschaft“ gefordert wurde, war nichts weniger als die sofor­tige, voll­ständi­ge und radikale Beendi­gung des Lebens, wie wir es ken­nen. Dik­tatur statt Demokratie, das Ende der Mark­twirtschaft, das Ende aller Frei­heit. Mah­nen, war­nen, dro­hen, dann wieder appel­lieren und fordern, schließlich ver­lan­gen und dekretieren – nichts als anmaßen­des Geplap­per und unwis­senschaftlich­er bipo­lar­er Moralismus.

Das „Sys­tem“ haben ver­sagt, wir brauchen ein anderes „Sys­tem“, rufen die Kinder dieses „Sys­tems“ und es unterze­ich­nen diejeni­gen, die zunächst und vor allem Prof­i­teure eben dieses „Sys­tems“ sind. Schaus­piel­er, Musik­er, Kün­stler, ganze Bands wie Cold­play. Halb Hol­ly­wood, sog­ar Anti­semiten wie Roger Warters und poli­tis­che Aktivis­ten wie Schel­len­hu­ber, die höch­stens im Neben­beruf Wis­senschaftler sind, unter­stützen die Forderun­gen nach sofor­tigem Still­stand der men­schlichen Gesellschaft. Sie alle geben der pop­ulis­tis­chsten Forderung das schein­heilige Gesicht des schlecht­en Gewis­sens. Gut, dass man selb­st es so weit gebracht hat wie Leonar­do „Pri­vat-Jet“ DiCaprio oder Her­bert „Loft in Lon­don“ Gröne­mey­er, aber nun bitte die Zug­brücke hochziehen und Sys­temwech­sel. „Es lebe der Etatismus mit der Konzen­tra­tion des Kap­i­tals in staatlich­er – von grü­nen Ide­olo­gen gelenk­ter – Hand, er lebe hoch, hoch, hoch!“

Ich bezwei­fle, dass auch nur die Hälfte der Unterze­ich­n­er begreift, dass Gre­ta und Luisa nichts weniger fordern als die sofor­tige Errich­tung ein­er total­en Ökodik­tatur kom­mu­nis­tis­ch­er Prä­gung und die einzige Wis­senschaft, die nach deren Errich­tung noch zählen würde, die des „wis­senschaftlichen Sozial­is­mus“ ist, die zur Diszi­plin­ierung der hungern­den, immo­bilen Massen eine ökol­o­gis­che Kom­po­nente bekom­men soll. Mehr „Wis­senschaft“ als Gre­tas Ver­ständ­nis von den Zusam­men­hän­gen der Welt bräuchte es dann nicht und kri­tis­che Fra­gen erübri­gen sich. Zitat aus dem Brief:

„Our cur­rent sys­tem is not ‘bro­ken’ – the sys­tem is doing exact­ly what it’s sup­posed and designed to be doing. It can no longer be ‘fixed’. We need a new system.“

Und aus­gerech­net diese wis­senschaftlich ver­brämte Ide­olo­gie soll der Satire ent­zo­gen bleiben, weil der Twit­ter­mob es so will? Das kann nicht euer Ernst sein, DFG!

Tod durch tausend Kieselsteine

Und doch kann selb­st aus dem schaufel­weisen gewor­fe­nen Mist eines Shit­storms noch Humus für die eine oder andere Erken­nt­nis wer­den. Es wirken hier näm­lich Mech­a­nis­men, die von Seit­en der Betreiber suizidaler sozialer Net­zw­erke viel drin­gen­der unter­sucht gehören, als die Frage, ob ein einzel­ner Beitrag als Hate-Speech gel­ten muss, weil die Regierung das so will.

Auf der einen Seite wer­fen die meis­ten Kom­men­ta­toren ja nur einen einzi­gen kleinen Stein und sind sich kaum bewusst, dass sie eine Law­ine füt­tern. Wenn nicht früh genug gegenge­hal­ten wird, gibt es irgend­wann nie­man­den mehr, der sich der Law­ine in den Weg stellt, weil man selb­st unter ihr begraben würde. Die Anwen­dung dieses Mech­a­nis­mus ist kein Priv­i­leg der Gre­ta-Jünger, die auf diese Weise gern Kri­tik­er begraben. Zwis­chen ein­er Twit­ter-Stam­pede gegen Dieter Nuhr und ein­er gegen sagen wir Annale­na Baer­bock gibt es nur einen entschei­den­den Unter­schied. Näm­lich die Frage, ob der Shit­storm im Macht­ge­fälle den Berg hin­auf oder hin­unter läuft. Nuhr hat keine Macht, außer die des Wortes und wenn er zum Schweigen gebracht wird, weil er sich sarkastisch an Zustän­den abar­beit­et, die uns Vertreter der Macht als alter­na­tiv­los verkaufen wollen, wird das Gefälle deut­lich sicht­bar. Man muss nur den Berg hin­auf schauen um zu erken­nen, wem die Law­ine nützt.

Deshalb sollte man sich immer fra­gen, ob man ein­er solchen Law­ine helfen will, indem man „nur dieses eine Steinchen“ wirft, obwohl da schon hun­derte liegen, die alle gle­ich unfre­undlich ausse­hen. Das gilt natür­lich für jeden Shit­storm, der den Berg der Macht hinunterläuft.

Doch ich will ver­suchen an Nuhrs Aus­sage in dem gelöscht­en Video anzuknüpfen: „Wis­sen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sich­er ist, son­dern dass man über genü­gend Fak­ten ver­fügt, um eine begrün­dete Mei­n­ung zu haben.“ An dieser Aus­sage wurde kri­tisiert, dass zwis­chen Fak­ten und Mei­n­ung schon noch Erken­nt­nis und Diskurs liegen müssten, aber wir wollen mal nicht zu pin­gelig sein. Ich denke, man ver­ste­ht, was Nuhr gemeint hat. Mir fällt dazu eine kleine Geschichte ein, die ich selb­st erlebt habe und die Nuhrs Aus­sage bestätigt.

Meine Botschaft #fürdasWissen

In den 80ern hat­te ich meinen Kopf immer im Nack­en, ver­brachte meine Nächte statt in Diskotheken lieber in Stern­warten und außer­halb der Astronomie gab es kaum etwas, das mich wirk­lich inter­essierte. Beson­ders verän­der­liche Sterne und darunter wiederum beson­ders die unregelmäßi­gen. Ein­er davon, FG Sagit­tae, führte seit sein­er Ent­deck­ung ein beson­ders unberechen­bares Dasein und ich beschloss, ihm auf die Schliche zu kom­men. Unregelmäßig verän­der­lich? Na, das wollen wir doch mal sehen! Tage­lang ver­brachte ich am Kom­para­tor der Stern­warte Son­neberg und sichtete hun­derte Foto­plat­ten der dor­ti­gen Him­mel­süberwachung auf ver­rä­ter­ische Regelmäßigkeit­en “meines” Sterns, stets bere­it, in jed­er Zuck­ung der Mag­ni­tude ein Muster zu find­en. Das Ergeb­nis war ein beein­druck­ender Daten­satz des Hel­ligkeitsver­laufs und ein „Heure­ka!“ Da war sie, die erwartete Peri­ode und ich hat­te sie ent­deckt! Von wegen „unregelmäßig“.

Voller Ent­deck­er­stolz legte ich meine Ergeb­nisse dem Leit­er der Stern­warte, Dr. Wolf­gang Wen­zel vor, der mich nur fragte, wie oft und wie ich denn gemessen hätte. „Ein­mal, chro­nol­o­gisch“ war meine Antwort und eine Fehler­analyse hat­te ich auch nicht vorzuweisen. Er fand, da müsse ich noch nachbessern. Also alles von vorn, Wieder­hol­ung jed­er Mes­sung, mehrfach. Dies­mal in kleineren, zufäl­li­gen Testrei­hen und die Foto­plat­ten auch nicht chro­nol­o­gisch anse­hen! Die Ergeb­nisse set­zte ich dies­mal erst zum Schluss zusam­men. Meine „gemessene“ Peri­ode ver­schwand nun im Rauschen des Mess­fehlers und da ich dies­mal meine Erwartung die Ergeb­nisse nicht „opti­mieren“ kon­nte, war FG Sagit­tae am Ende mein­er kleinen Ama­teur­forschung nichts weit­er als jen­er rät­sel­hafte Verän­der­liche, der er vorher war. Das sei aber auch ein Ergeb­nis, wurde mir ver­sichert. Nur eben nicht das, was ich erwartet habe. Aber so sei das eben in der Forschung. Dum­mer­weise ist es nur halb so aufre­gend, etwas nicht zu ent­deck­en und nur den Beweis dafür zu liefern, dass man seinen eige­nen Erwartun­gen nicht trauen darf.

Ich war so alt wie Gre­ta, als ich diese „Ent­deck­ung“ machte und was ich daraus lernte, ist eigentlich ein entschei­den­des Prinzip in der beobach­t­en­den oder exper­i­mentellen Forschung: die Fehler­analyse und die Repro­duzier­barkeit von Messergeb­nis­sen bzw. die Fähigkeit von Mod­ellen, nicht nur in die imag­inierte Zukun­ft, son­dern auch in die doku­men­tierte Ver­gan­gen­heit zu passen. Noch keine Erken­nt­nis ist nur deshalb erlangt wor­den, weil man fest an sie glaubte, Wider­sprüche und Kri­tik ignori­erte, die Poli­tik sie befür­wortete und eine zu jed­er Erre­gung fähige Menge zu Fack­eln und Mist­ga­beln griff, wenn jemand Zweifel oder Spott äußerte.

Steiniget ihn!

Ich habe den Ein­druck, dass der poli­tisierten Kli­maforschung jede Kri­tik an den eige­nen Erwartun­gen und der Genauigkeit der eige­nen Mod­elle abhan­den gekom­men ist und Annah­men, die nicht falsch, aber auch nicht zwin­gend richtig sein müssen, in den Rang von Dog­men erhoben wur­den. Das erk­lärt zumin­d­est den religiösen Eifer und den Zorn der­er, die Nuhrs Ver­nich­tung auf Twit­ter ver­lan­gen. Das ist aber keine Wis­senschaft und hat mit „Erken­nt­nis“ nur im tran­szen­den­tal­en, religiösen Sinn zu tun.

Nicht jede Wis­senschaft wird so stark wie die Kli­ma­tolo­gie von eifer­n­den Laien über­rollt und Nuhrs Aus­sage in dem gelöscht­en 30-Sekun­den-Clip war auch nicht speziell auf die Kli­maforschung gemünzt – falsch, anstößig oder ver­let­zend war sie ohne­hin nicht. Dass sich die Jünger Gre­tas von Nuhrs Spot und Spott offen­bar mehr ange­sprochen fühlten als sagen wir mal Astronomen, Ägyp­tolo­gen oder Bio­chemik­er, welche nicht über Legio­nen von Gefol­gsleuten ver­fü­gen, die ihre teils defti­gen Fachdis­pute wie heilige Messen begleit­en, beweist mein­er Mei­n­ung nach lediglich, dass es zu wenige Dieter Nuhrs gibt in diesem Land, die dem aktuellen puri­tanis­chen Wahnsinn und der jakobin­is­tis­chen Hys­terie noch min­destens ein Lachen abzu­pressen in der Lage sind.

Deutsch­land ist heute das Land der moralis­chen Richter und Henker, in dem Poli­tik­er wie Kabaret­tis­ten agieren, Wis­senschaftler Poli­tik machen wollen und Kabaret­tis­ten wegen Unwis­senschaftlichkeit so lange ver­prügelt wer­den, bis sie unpoli­tisch sind. Bei uns geht das Streben nach Uni­for­mität und Gle­ich­heit soweit, dass sich alle nur noch eine einzige lang­weilige Gesin­nung und densel­ben altjüngfer­lichen Sinn für Humor teilen müssen. How dare you, Germany!

Vorheriger ArtikelDie internationale Linke und das „Authoritarian Dark Web“
Nächster ArtikelDer Weg des Westens und die neue Normalität

16 Kommentare

  1. Nun hat die DFG einen Rückzieher gemacht — Link dazu auf Achgut — und ihre Entschei­dung bedauert. Schade, dass dies erst auf­grund ein­er mas­siv­en Welle von Kri­tik erfol­gte, erfreulich daran ist nur, dass Nuhr wieder in den vorheri­gen Stand zurück­ver­set­zt wurde und der Vere­in sich entschuldigt hat.
    Die Lehre daraus: Man muss heute für selb­stver­ständlich­es wie Mei­n­ungs­frei­heit kämpfen. Der näch­ste Fall Lisa Eck­hart ist schon auf der Tagesordnung.

  2. „Wis­sen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sich­er ist, son­dern dass man über genü­gend Fak­ten ver­fügt, um eine begrün­dete Mei­n­ung zu haben.“ 

    Entschuldigung, aber diese Aus­sage ist doch ein­fach nur Unsinn!!

    Wenn man eine begrün­dete Mei­n­ung hat, die man mit eini­gen Fak­ten stützen kann — ob es genü­gend sind, kann ja gar nicht beurteilt wer­den — dann muß einem bewußt sein, dass man eben nur eine Mei­n­ung hat, aber eben KEIN Wissen!

    Wis­sen ist über­haupt eine Qual­ität, die man im Grunde nur auf­grund eigen­er Anschau­ung in begren­ztem Umfeld erre­ichen kann. Wichtig ist, dass ger­ade die Wis­senschaft NICHT in den Glauben ver­fällt, bere­its über Wis­sen zu ver­fü­gen, das aus­re­ichend sein kön­nte, etwa poten­tiell wirk­lich weitre­ichende Entschei­dun­gen zu begrün­den, und schon erst recht nicht Entschei­dun­gen, die die gesamte Men­schheit und den Plan­eten betr­e­f­fen und bee­in­flußen kön­nten. Da liegt doch der Hase im Pfeffer!!

    Genetis­che Verän­derun­gen leben­der Organ­is­men, Ein­griffe in hochkom­plexe Sys­teme wie Kli­ma, Wirtschaft­sleben oder Immunvorgänge — das sind doch die Felder, in denen wir durch Pseudowis­senschaftler, und das sind die, die sich für wis­send hal­ten, in Gefahr sind, die Geis­ter, die wir riefen, nie wieder los zu werden! 

    Die Wis­senschaft muß wieder Beschei­den­heit ler­nen und wir als Gesellschaft müssen wieder ler­nen, auch widrige Real­itäten ein­fach als gottgegeben hinzunehmen. Gewisse Bere­iche müssen für uns tabu sein. Ich nan­nte sie bere­its. Hochkom­plexe Sys­teme zu steuern, ist Men­schen nicht gegeben.

    • “Gewisse Bere­iche müssen für uns tabu sein. Ich nan­nte sie bere­its. Hochkom­plexe Sys­teme zu steuern, ist Men­schen nicht gegeben.”

      Sehr geehrter Herr Rös­ner, ich hof­fen Sie waren noch nie und kom­men auch in Zukun­ft nicht in Ver­suchung, einen Taschen­rech­n­er zu benutzen.
      Und, btw,: Wie nen­nt sich eigentlich die Trom­mel, mit der Sie die Verbindung ins Inter­net herstellen?

  3. Gre­ta ist keine typ­is­che Asperg­erin. Selb­st wenn sie es wäre, wäre sie dadurch nicht unangreifbar.

    Gre­tas wirk­lich­es Prob­lem darf nicht genan­nt wer­den, obwohl es für jeden inter­essierten Laien offen­sichtlich ist. Man ver­gle­iche in der deutschen Wikipedia „Fetales Alko­hol­syn­drom“ oder in der englis­chen Wikipedia „Fetal alco­hol spec­trum dis­or­der“. Diese Fruchtschädi­gung zeigen in Deutsch­land rund 5 von 1000 Neuge­bore­nen, und den­noch ist FAS in der Öffentlichkeit kaum bekannt.

    Am 23. Dezem­ber 2015 schreibt Male­na Ern­man in Face­book: “Jag är ambas­sadör för Vit Jul. För mig är det en självk­larhet att inte dric­ka alko­hol under jul­hel­gen.” – „Ich bin Botschaf­terin für Trock­ene Wei­h­nacht­en. Für mich ist es eine Selb­stver­ständlichkeit, während der Wei­h­nacht­stage keinen Alko­hol zu trinken.“ Hon­ni soit qui mal y pense.

    Das eigentliche Ver­brechen ist jedoch nicht, dass die Mut­ter während der Schwanger­schaft gesof­fen hat, son­dern dass Eltern und Jugen­damt bis heute zulassen, wie hier eine schw­er gestörte Min­der­jährige ins Ram­p­en­licht des Show­busi­ness gedrängt wird. Das kann für das Kind kein gutes Ende nehmen.

  4. Hal­lo Dieter Nuhr
    „Das ist nor­mal. Wis­senschaft ist ger­ade, dass sich die Mei­n­ung ändert, wenn sich die Fak­ten­lage ändert.“
    Das ist grund­sät­zlich richtig, aber so wie im Deutsch­land von heute Wis­senschaft inter­pretiert und benutzt wird, nicht die richtige “Hal­tung”.

    Die sog Kli­maschützer in Poli­tik und Lob­by­grup­pen bekämpfen fanatisch und skru­pel­los jegliche Abwe­ichung von der “Wis­senschaft”, wie sie sie zur Manip­u­la­tion von Macht und Geld fest­gelegt haben.
    Auf
    http://www.klima-die grossetransformation.de
    wird analysiert wie sich die “Kli­maschützer” aus Poli­tik und Wirtschaft mit Hän­den und Füssen sträuben die Fak­ten zu akzeptieren
    Schö­nen Abend

  5. Liegt’s an den Unter­hal­tungs-Medi­en (TV, Filme, Inter­net mit Twit­ter und Face­book, Taschen­com­put­er…) oder an den Schulen, an den Schwafelfäch­ern der Uni­ver­sitäten, …dass zu viele Dep­pen (in Poli­tik & Presse) von anderen Dep­pen ernst genom­men wer­den? …und let­ztlich die Rich­tung unseres Lebens bestimmen ?
    Wahrschein­lich ist’s die Soße von all dem.
    Lei­der nur von Dr. Oetk­er anstatt von Vin­cent Klink. 

    Ich komm mir als Exot vor, wenn ich in der S‑Bahn ruhig sitze, ohne Eisen im Gesicht, ohne Tat­too, ohne Nike, Jack Wolf­skin, etc. und den Homer lese, oder Nabokov, Lau­rence Sterne, Gogol, Twain.… und all das Gewis­che, Getippe und Geschwätz um mich herum zwangsweise mit­bekomme… ich seh’ es förm­lich: das sind die Wäh­ler der unser Leben bes­tim­menden Parteien.

  6. Das mit der Dilet­tan­tin trifft im übri­gen auch auf unsere Reg… äh,Führungspersonal zu!

  7. Mir kommt da der Begriff “Kinder­sol­dat­en” in den Sinn.
    Fehlende intellek­tuelle Reife und manip­ulierte ‑also unerkan­nt ein­seit­ige- Wis­sensaneig­nung lassen alle Hem­mungen fall­en. Es wird die Liq­ui­da­tion des Mei­n­ungs­geg­n­ers als MIn­dest­mass­nahme gefordert- zunächst als Teil­nehmer des Mei­n­ung­sprozess­es. Wenn es auch seine/ihre wirtschaftliche Liq­ui­da­tion bedeutet, geschieht es ihr/ihm auch recht.
    Zulet­zt wird es die Liq­ui­da­tion der physis­chen Exis­tenz bedeuten! Es ste­ht wie ein Menetekel an der Wand aber sie sägen nur noch enthu­si­astis­ch­er auf ihren Ästen des Wohlstandsbaums!

  8. Man sollte noch hinzufü­gen: Ein zweit­er Shit­storm traf nun die DFG, näm­lich ein­er von Men­schen, die das Vorge­hen der DFG gegen Nuhr unentschuld­bar find­en. Ich habe keine Ahnung, welche Aus­maße die bei­den Shit­storms haben, ob es einige hun­dert, einige tausend oder gar noch mehr sind. Aber ich habe mich an die Präsi­dentin der DFG gewandt und Ihr meine Miss­bil­li­gung zum Fall zum Aus­druck gebracht. Hof­fentlich tun dies Alle, die von dem Vor­gang angewidert sind.

    • Danke. Solche maois­tis­chen Grup­pen­stürme gegen freie Mei­n­ungsäußerung sind derzeit groß in Mode, nicht?, und täglich wird es schick­er, in Grup­pen über Einzelne herzufallen.
      Twit­ter und Face­book wollen keine Skan­dale, weil sie dann weniger Geld ver­di­enen; deshalb geben sie dem Lautesten und Dro­hend­sten nach und sper­ren die Ver­nun­ft aus. In jed­er Hinsicht.

      • tja, und nun hat die DFG reagiert. Zwis­chen zwei Shitstorms/ Shit­stür­men??? gequetscht, hat sie eine wach­swe­iche Ausrede gefun­den. So eine Organ­i­sa­tion vergibt Forschungs­gelder von etwa 3 MRD Euro (Steuergelder) im Jahr! Habt ihr, die DFG, denn kein Rück­grat, keine Prinzip­i­en, keine Hand­lungs­maxime außer Druck von außen nachzugeben? Aufrechter Gang nur möglich, wenn gle­ich­mäßiger Druck von allen Seit­en erfol­gt? Ein­fach widerlich.

  9. Dieter Nuhr hat ganz im Sinne des Kri­tis­chen Ratio­nal­is­mus Karl R. Pop­pers argu­men­tiert: Unser empirisches Wis­sen fußt auf Hypothe­sen, die so lange Gültigkeit haben, bis sie durch die Realtität wider­legt wer­den. Wis­senss­chaft in diesem Sinne ist ein offen­er Prozess — und fol­gt der Devise “Das Bessere ist der Feind des Guten”.

  10. Ich bin immer wieder beruhigt, dass es nich ein paar richtige — und nicht nur Geschwätzwis­senschaftler gibt.
    Und geistige Milieus, in denen die Math­e­matik noch nicht inter­sek­tion­al durchge­gen­dert ist. Und dann noch Stern­warte! Son­neberg! Immo und Roger: Lab­sal in diesen zutief­st beun­ruhi­gen­den Zeiten.

  11. Große Klasse! Bess­er und genauer lässt sich der “Fall” nicht beleucht­en, dafür ein großes Dankeschön. Beson­ders gefreut habe ich mich über die Episode aus Son­neberg. Meine wis­senschaftliche Aus­bil­dung ist von einem Physik­lehrer in Suhl und dem — dem­nächst 90jährigen — Pro­fes­sor an der Akademie der Wis­senschaften geprägt, mit dem mich immer noch eine tiefe Fre­und­schaft und das Bedauern übers erneute Herun­terkom­men des Wis­senschafts­be­triebes zum Voll­streck­er poli­tisch-ide­ol­o­gis­ch­er Dog­men verbindet.

    • Ich habe in der Stern­warte Son­neberg sog­ar noch den alten Dr. Ahn­ert ken­nen­gel­ernt, den “Vater” des “Kalen­der für Ster­nen­fre­unde”. Wie haben einige inter­es­sante Par­tien Fern­schach gespielt — per Postkarte! Heute kaum noch vorstell­bar, sowas. Er starb 1989. Etwa ein Jahr vor seinem Tod mit 92 kon­nte ich ihn zum let­zten mal besuchen.

  12. Danke fuer auch diesen Artikel. Aus dem Aus­land betra­chtet (seit
    55 Jahren…) ist festzustellen, dass die ‘oef­fentliche’ Mei­n­ung ver­rot­tet, jedes Jahr mit zunehmender Geschwindigkeit und das Virus der Ein­seit­i­gen, der Ide­ol­o­gisierten bre­it­et sich schneller aus als der Sand der Sahara fliegen kann. Der Mei­n­ungs-Abschaum set­zt sich aus tausend ver­schiede­nen Hir­nen zusam­men denen alle eins gemein ist: Keine andere Ansicht gilt… Und das nur das hat Gueltigkeit. Die Aufloe­sung der buerg­er­lichen und anderen Moral, schon seit den Zeit­en von Sokrates so anschaulich vorge­bracht, ist in den men­schlichen Genen wohl so angelegt und wir wer­den den kom­menden Gen­er­a­tio­nen von irgend­wo oder nir­gends zuschauen, wie die Selb­stver­nich­tung der Men­schheit in alle Rich­tun­gen unaufhalt­sam fortschre­it­et… Das Ende ist nicht durch eine Gre­ta vorgegeben son­dern durch den Gott der Dummheit, der schlussendlich tri­um­phieren wird …

Kommentarfunktion ist geschlossen.