Als die Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft DFG unter dem Slo­gan „Gemein­sam #für­das­Wis­sen“ dazu auf­rief, „…Text‑, Bild- und Video-State­ments“ ein­zu­sen­den, um „…die Über­zeu­gung für eine freie und erkennt­nis­ge­lei­te­te For­schung in die Gesell­schaft tra­gen“, konn­te sich wohl nie­mand vor­stel­len, wel­cher Shit­s­torm wenig spä­ter bei Twit­ter über die DFG hin­weg­fe­gen wür­de. Aus­lö­ser war ein 30 Sekun­den lan­ger Videobei­trag des Kaba­ret­tis­ten Die­ter Nuhr. Das heißt, das Video lös­te die Debat­te gar nicht aus, son­dern nur Die­ter Nuhr. Und zwar nur, weil Nuhr eben Nuhr ist und dass der in die­sem Leben nie nicht nie­mals wie­der irgend etwas zum Gene­ral­the­ma Wis­sen­schaft sagen dür­fe, dass ste­he ja fest wie, wie…ja wie was eigent­lich? Und wer hat das eigent­lich festgelegt?

In der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te oder im Grund­ge­setz steht nichts zu die­sem The­ma. Ich habe nach­ge­se­hen! Auch in den Sta­tu­ten für Klein­kunst, Kaba­rett und ange­wand­te Korin­thenk­a­cke­rei kein Wort zu Nuhr und der Wis­sen­schaft. Fün­dig wur­de ich dann aber doch noch, näm­lich in den zehn Gebo­ten im Alten Tes­ta­ment. Da heißt es unter §2 Absatz 1: „Du sollst den Namen dei­nes Herrn, dei­nes Got­tes, nicht miss­brau­chen.“ Das passt irgend­wie! Denn Nuhr, die­ses Läs­ter­maul, hat sich einst ver­bal an Gre­ta ver­sün­digt! Des­halb ist die Twit­ter­meu­te so außer sich! Er habe gänz­lich unwis­sen­schaft­lich gespot­tet, sich über Gre­ta lus­tig gemacht und der­glei­chen Blas­phe­mi­en mehr. So einer darf nim­mer mehr das Wort ergrei­fen im Namen der Wis­sen­schaft, er bren­ne ewig­lich auf dem Schei­ter­hau­fen der glo­ba­len Erwär­mung! Amen! Wie also kann die DFG es wagen, aus­ge­rech­net Nuhrs Bei­trag auf ihre Web­sei­te zu stel­len! Oder wie Gre­ta es prä­gnan­ter und ganz wis­sen­schaft­lich in §11 Absatz 1 der revi­dier­ten Fas­sung der Zehn Gebo­te for­mu­liert hat: „How dare you!“

Die For­de­run­gen, Nuhrs Bei­trag sooooo­fort!!! zu löschen, ris­sen auf Twit­ter nicht ab und die DFG, der Wis­sen­schaft und damit der Erkennt­nis ver­pflich­tet, kam zu eben jener, dass Leser (Teil­chen) sich wie eine ziem­lich gars­ti­ge Wel­le ver­hal­ten, wenn sie Fackeln und Mist­ga­beln in den Hän­den haben, um ein gefühl­tes Recht ein­zu­for­dern. Nuhrs Video­schnip­sel­chen wur­de gelöscht. Mit Ansa­ge und auf Ver­lan­gen einer ent­fes­sel­ten Twit­ter­meu­te. Can­cle un-Kul­tur wie aus dem Lehrbuch.

Ich weiß nicht, wie dick Nuhrs Fell noch ist, denn die öffent­li­che und teil­wei­se auch ver­öf­fent­lich­te Prü­gel pras­selt ja schon seit Jah­ren auf ihn nie­der und es ist wohl nur sei­ner Bekannt­heit und der Tat­sa­che, dass er Hal­len füllt und gute Ein­schalt­quo­ten hat geschul­det, dass er über­haupt noch auf Sen­dung ist. Viel­leicht zieht er irgend­wann die Not­brem­se, steigt aus und sagt „Nuhr noch ohne mich!“

Die Unantastbare

Der zen­tra­le Vor­wurf des Twit­termobs ist ja, Nuhr habe sich unwis­sen­schaft­lich gegen­über der Wis­sen­schaft geäu­ßert, weil er gele­gent­lich Gre­ta durch einen wohl­tem­pe­rier­ten Kakao zieht und mit der Wir­kung koket­tiert, die er dadurch auf Gre­tas Anhän­ger hat. Zur ihrer Ver­tei­di­gung füh­ren ihre Fans gern Gre­tas Jugend an und den Enthu­si­as­mus, mit dem sie für unser aller Zukunft ein­tre­te. Doch wenn Jugend und Enthu­si­as­mus jede Kri­tik und jeden Wider­spruch ver­un­mög­lich­ten, wäre Gre­ta auch Welt­meis­te­rin im Boxen, weil sie unan­greif­bar wäre. Ich scher­ze natür­lich, aber selbst ganz ohne Spaß muss man fest­stel­len: Gre­ta führt ein welt­weit agie­ren­des Netz­werk post­apo­ka­lyp­ti­scher Spin­ner an, da ist es völ­lig egal, wie alt sie ist.

Im Film „Lord of War – Händ­ler des Todes“ sagt Eam­onn Wal­kers als Dik­ta­tor Libe­ri­as, zu Yuri Orlov ali­as Nico­las Cage „Die Kugel eines 14-jäh­ri­gen ist genau­so effek­tiv wie die eines 40-jäh­ri­gen. Manch­mal sogar effek­ti­ver.“ Was für Kin­der­sol­da­ten schreck­li­che Rea­li­tät ist, gilt im über­tra­ge­nen Sinn auch für Gre­ta. Sie steht in der Küche, also muss sie die Hit­ze dort ertra­gen. Das tut sie übri­gens ganz bra­vou­rös, wie ich aner­ken­nend bemer­ken möch­te, selbst wenn ich inhalt­lich kaum wei­ter von ihr ent­fernt sein könn­te. Die Fra­ge, ob Kri­tik an der F4F-Bewe­gung sowie der Hyper­ak­ti­vi­tät und dem Alar­mis­mus ihrer Prot­ago­nis­ten prin­zi­pi­ell auf Wis­sen­schafts­feind­lich­keit schlie­ßen lässt, wol­len wir hier bit­te nicht ernst­haft erör­tern. Das ist albern!

Was wir hier klä­ren müs­sen ist die Fra­ge, ob die Kri­tik an der Agen­da einer 16-jäh­ri­gen Dilet­tan­tin mit Sen­dungs­be­wusst­sein über­haupt unter die­se Kate­go­rie fal­len kann. Denn wenn Nuhr als Laie aus dem Dis­kurs ver­bannt wer­den darf, war­um darf Gre­ta als Laie dann mit­ma­chen? Noch dazu ohne abge­schlos­se­nes Stu­di­um der Päd­ago­gik! Weil sie „Fol­low the Sci­ence“ ruft, ist sie immun? Doch sie meint nur eine Wis­sen­schaft und auch nur eine sehr ver­eng­te Les­art der­sel­ben. Die­se Teil­men­ge der Wis­sen­schaft hat auf die aller­meis­ten Fra­gen der Mensch­heit exakt kei­ne Ant­wort oder nur eine gänz­lich welt­frem­de, war­um soll man ihr also kri­tik­los und sogar ohne Sar­kas­mus fol­gen? Auch das ergibt kei­nen Sinn.

Folge der Wissenschaft – in die Diktatur?

Das mit dem „Netz­werk post­apo­ka­lyp­ti­scher Spin­ner“ muss ich noch erklä­ren, denn dass die F4F in die­se gänz­lich unwis­sen­schaft­li­che Rich­tung ent­wi­ckelt hat, konn­te man erst vor eini­gen Tagen sehen. Die dem Humor ent­zo­ge­nen Kli­ma­kids Gre­ta und Lui­sa schrie­ben näm­lich einen offe­nen Brief an die Füh­rer der west­li­chen Welt. Der chi­ne­si­sche Par­tei­chef bekam den Brief nicht, aber inhalt­lich hät­te er ihn ja ohne­hin geschrie­ben haben kön­nen. Was da „im Namen der Wis­sen­schaft“ gefor­dert wur­de, war nichts weni­ger als die sofor­ti­ge, voll­stän­di­ge und radi­ka­le Been­di­gung des Lebens, wie wir es ken­nen. Dik­ta­tur statt Demo­kra­tie, das Ende der Markt­wirt­schaft, das Ende aller Frei­heit. Mah­nen, war­nen, dro­hen, dann wie­der appel­lie­ren und for­dern, schließ­lich ver­lan­gen und dekre­tie­ren – nichts als anma­ßen­des Geplap­per und unwis­sen­schaft­li­cher bipo­la­rer Moralismus.

Das „Sys­tem“ haben ver­sagt, wir brau­chen ein ande­res „Sys­tem“, rufen die Kin­der die­ses „Sys­tems“ und es unter­zeich­nen die­je­ni­gen, die zunächst und vor allem Pro­fi­teu­re eben die­ses „Sys­tems“ sind. Schau­spie­ler, Musi­ker, Künst­ler, gan­ze Bands wie Cold­play. Halb Hol­ly­wood, sogar Anti­se­mi­ten wie Roger War­ters und poli­ti­sche Akti­vis­ten wie Schel­len­hu­ber, die höchs­tens im Neben­be­ruf Wis­sen­schaft­ler sind, unter­stüt­zen die For­de­run­gen nach sofor­ti­gem Still­stand der mensch­li­chen Gesell­schaft. Sie alle geben der popu­lis­tischs­ten For­de­rung das schein­hei­li­ge Gesicht des schlech­ten Gewis­sens. Gut, dass man selbst es so weit gebracht hat wie Leo­nar­do „Pri­vat-Jet“ DiCa­prio oder Her­bert „Loft in Lon­don“ Grö­ne­mey­er, aber nun bit­te die Zug­brü­cke hoch­zie­hen und Sys­tem­wech­sel. „Es lebe der Eta­tis­mus mit der Kon­zen­tra­ti­on des Kapi­tals in staat­li­cher – von grü­nen Ideo­lo­gen gelenk­ter – Hand, er lebe hoch, hoch, hoch!“

Ich bezweif­le, dass auch nur die Hälf­te der Unter­zeich­ner begreift, dass Gre­ta und Lui­sa nichts weni­ger for­dern als die sofor­ti­ge Errich­tung einer tota­len Öko­dik­ta­tur kom­mu­nis­ti­scher Prä­gung und die ein­zi­ge Wis­sen­schaft, die nach deren Errich­tung noch zäh­len wür­de, die des „wis­sen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus“ ist, die zur Dis­zi­pli­nie­rung der hun­gern­den, immo­bi­len Mas­sen eine öko­lo­gi­sche Kom­po­nen­te bekom­men soll. Mehr „Wis­sen­schaft“ als Gre­tas Ver­ständ­nis von den Zusam­men­hän­gen der Welt bräuch­te es dann nicht und kri­ti­sche Fra­gen erüb­ri­gen sich. Zitat aus dem Brief:

„Our cur­rent sys­tem is not ‘bro­ken’ – the sys­tem is doing exact­ly what it’s sup­po­sed and desi­gned to be doing. It can no lon­ger be ‘fixed’. We need a new system.“

Und aus­ge­rech­net die­se wis­sen­schaft­lich ver­bräm­te Ideo­lo­gie soll der Sati­re ent­zo­gen blei­ben, weil der Twit­termob es so will? Das kann nicht euer Ernst sein, DFG!

Tod durch tausend Kieselsteine

Und doch kann selbst aus dem schau­fel­wei­sen gewor­fe­nen Mist eines Shit­s­torms noch Humus für die eine oder ande­re Erkennt­nis wer­den. Es wir­ken hier näm­lich Mecha­nis­men, die von Sei­ten der Betrei­ber sui­zi­da­ler sozia­ler Netz­wer­ke viel drin­gen­der unter­sucht gehö­ren, als die Fra­ge, ob ein ein­zel­ner Bei­trag als Hate-Speech gel­ten muss, weil die Regie­rung das so will.

Auf der einen Sei­te wer­fen die meis­ten Kom­men­ta­to­ren ja nur einen ein­zi­gen klei­nen Stein und sind sich kaum bewusst, dass sie eine Lawi­ne füt­tern. Wenn nicht früh genug gegen­ge­hal­ten wird, gibt es irgend­wann nie­man­den mehr, der sich der Lawi­ne in den Weg stellt, weil man selbst unter ihr begra­ben wür­de. Die Anwen­dung die­ses Mecha­nis­mus ist kein Pri­vi­leg der Gre­ta-Jün­ger, die auf die­se Wei­se gern Kri­ti­ker begra­ben. Zwi­schen einer Twit­ter-Stam­pe­de gegen Die­ter Nuhr und einer gegen sagen wir Anna­le­na Baer­bock gibt es nur einen ent­schei­den­den Unter­schied. Näm­lich die Fra­ge, ob der Shit­s­torm im Macht­ge­fäl­le den Berg hin­auf oder hin­un­ter läuft. Nuhr hat kei­ne Macht, außer die des Wor­tes und wenn er zum Schwei­gen gebracht wird, weil er sich sar­kas­tisch an Zustän­den abar­bei­tet, die uns Ver­tre­ter der Macht als alter­na­tiv­los ver­kau­fen wol­len, wird das Gefäl­le deut­lich sicht­bar. Man muss nur den Berg hin­auf schau­en um zu erken­nen, wem die Lawi­ne nützt.

Des­halb soll­te man sich immer fra­gen, ob man einer sol­chen Lawi­ne hel­fen will, indem man „nur die­ses eine Stein­chen“ wirft, obwohl da schon hun­der­te lie­gen, die alle gleich unfreund­lich aus­se­hen. Das gilt natür­lich für jeden Shit­s­torm, der den Berg der Macht hinunterläuft.

Doch ich will ver­su­chen an Nuhrs Aus­sa­ge in dem gelösch­ten Video anzu­knüp­fen: „Wis­sen bedeu­tet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, son­dern dass man über genü­gend Fak­ten ver­fügt, um eine begrün­de­te Mei­nung zu haben.“ An die­ser Aus­sa­ge wur­de kri­ti­siert, dass zwi­schen Fak­ten und Mei­nung schon noch Erkennt­nis und Dis­kurs lie­gen müss­ten, aber wir wol­len mal nicht zu pin­ge­lig sein. Ich den­ke, man ver­steht, was Nuhr gemeint hat. Mir fällt dazu eine klei­ne Geschich­te ein, die ich selbst erlebt habe und die Nuhrs Aus­sa­ge bestätigt.

Meine Botschaft #fürdasWissen

In den 80ern hat­te ich mei­nen Kopf immer im Nacken, ver­brach­te mei­ne Näch­te statt in Dis­ko­the­ken lie­ber in Stern­war­ten und außer­halb der Astro­no­mie gab es kaum etwas, das mich wirk­lich inter­es­sier­te. Beson­ders ver­än­der­li­che Ster­ne und dar­un­ter wie­der­um beson­ders die unre­gel­mä­ßi­gen. Einer davon, FG Sagit­tae, führ­te seit sei­ner Ent­de­ckung ein beson­ders unbe­re­chen­ba­res Dasein und ich beschloss, ihm auf die Schli­che zu kom­men. Unre­gel­mä­ßig ver­än­der­lich? Na, das wol­len wir doch mal sehen! Tage­lang ver­brach­te ich am Kom­pa­ra­tor der Stern­war­te Son­ne­berg und sich­te­te hun­der­te Foto­plat­ten der dor­ti­gen Him­mels­über­wa­chung auf ver­rä­te­ri­sche Regel­mä­ßig­kei­ten „mei­nes“ Sterns, stets bereit, in jeder Zuckung der Magnitu­de ein Mus­ter zu fin­den. Das Ergeb­nis war ein beein­dru­cken­der Daten­satz des Hel­lig­keits­ver­laufs und ein „Heu­re­ka!“ Da war sie, die erwar­te­te Peri­ode und ich hat­te sie ent­deckt! Von wegen „unre­gel­mä­ßig“.

Vol­ler Ent­de­cker­stolz leg­te ich mei­ne Ergeb­nis­se dem Lei­ter der Stern­war­te, Dr. Wolf­gang Wen­zel vor, der mich nur frag­te, wie oft und wie ich denn gemes­sen hät­te. „Ein­mal, chro­no­lo­gisch“ war mei­ne Ant­wort und eine Feh­ler­ana­ly­se hat­te ich auch nicht vor­zu­wei­sen. Er fand, da müs­se ich noch nach­bes­sern. Also alles von vorn, Wie­der­ho­lung jeder Mes­sung, mehr­fach. Dies­mal in klei­ne­ren, zufäl­li­gen Test­rei­hen und die Foto­plat­ten auch nicht chro­no­lo­gisch anse­hen! Die Ergeb­nis­se setz­te ich dies­mal erst zum Schluss zusam­men. Mei­ne „gemes­se­ne“ Peri­ode ver­schwand nun im Rau­schen des Mess­feh­lers und da ich dies­mal mei­ne Erwar­tung die Ergeb­nis­se nicht „opti­mie­ren“ konn­te, war FG Sagit­tae am Ende mei­ner klei­nen Ama­teur­for­schung nichts wei­ter als jener rät­sel­haf­te Ver­än­der­li­che, der er vor­her war. Das sei aber auch ein Ergeb­nis, wur­de mir ver­si­chert. Nur eben nicht das, was ich erwar­tet habe. Aber so sei das eben in der For­schung. Dum­mer­wei­se ist es nur halb so auf­re­gend, etwas nicht zu ent­de­cken und nur den Beweis dafür zu lie­fern, dass man sei­nen eige­nen Erwar­tun­gen nicht trau­en darf.

Ich war so alt wie Gre­ta, als ich die­se „Ent­de­ckung“ mach­te und was ich dar­aus lern­te, ist eigent­lich ein ent­schei­den­des Prin­zip in der beob­ach­ten­den oder expe­ri­men­tel­len For­schung: die Feh­ler­ana­ly­se und die Repro­du­zier­bar­keit von Mess­ergeb­nis­sen bzw. die Fähig­keit von Model­len, nicht nur in die ima­gi­nier­te Zukunft, son­dern auch in die doku­men­tier­te Ver­gan­gen­heit zu pas­sen. Noch kei­ne Erkennt­nis ist nur des­halb erlangt wor­den, weil man fest an sie glaub­te, Wider­sprü­che und Kri­tik igno­rier­te, die Poli­tik sie befür­wor­te­te und eine zu jeder Erre­gung fähi­ge Men­ge zu Fackeln und Mist­ga­beln griff, wenn jemand Zwei­fel oder Spott äußerte.

Steiniget ihn!

Ich habe den Ein­druck, dass der poli­ti­sier­ten Kli­ma­for­schung jede Kri­tik an den eige­nen Erwar­tun­gen und der Genau­ig­keit der eige­nen Model­le abhan­den gekom­men ist und Annah­men, die nicht falsch, aber auch nicht zwin­gend rich­tig sein müs­sen, in den Rang von Dog­men erho­ben wur­den. Das erklärt zumin­dest den reli­giö­sen Eifer und den Zorn derer, die Nuhrs Ver­nich­tung auf Twit­ter ver­lan­gen. Das ist aber kei­ne Wis­sen­schaft und hat mit „Erkennt­nis“ nur im tran­szen­den­ta­len, reli­giö­sen Sinn zu tun.

Nicht jede Wis­sen­schaft wird so stark wie die Kli­ma­to­lo­gie von eifern­den Lai­en über­rollt und Nuhrs Aus­sa­ge in dem gelösch­ten 30-Sekun­den-Clip war auch nicht spe­zi­ell auf die Kli­ma­for­schung gemünzt – falsch, anstö­ßig oder ver­let­zend war sie ohne­hin nicht. Dass sich die Jün­ger Gre­tas von Nuhrs Spot und Spott offen­bar mehr ange­spro­chen fühl­ten als sagen wir mal Astro­no­men, Ägyp­to­lo­gen oder Bio­che­mi­ker, wel­che nicht über Legio­nen von Gefolgs­leu­ten ver­fü­gen, die ihre teils def­ti­gen Fach­dis­pu­te wie hei­li­ge Mes­sen beglei­ten, beweist mei­ner Mei­nung nach ledig­lich, dass es zu weni­ge Die­ter Nuhrs gibt in die­sem Land, die dem aktu­el­len puri­ta­ni­schen Wahn­sinn und der jako­bi­nis­ti­schen Hys­te­rie noch min­des­tens ein Lachen abzu­pres­sen in der Lage sind.

Deutsch­land ist heu­te das Land der mora­li­schen Rich­ter und Hen­ker, in dem Poli­ti­ker wie Kaba­ret­tis­ten agie­ren, Wis­sen­schaft­ler Poli­tik machen wol­len und Kaba­ret­tis­ten wegen Unwis­sen­schaft­lich­keit so lan­ge ver­prü­gelt wer­den, bis sie unpo­li­tisch sind. Bei uns geht das Stre­ben nach Uni­for­mi­tät und Gleich­heit soweit, dass sich alle nur noch eine ein­zi­ge lang­wei­li­ge Gesin­nung und den­sel­ben alt­jüng­fer­li­chen Sinn für Humor tei­len müs­sen. How dare you, Germany!

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16 Kommentare

  1. Nun hat die DFG einen Rück­zie­her gemacht – Link dazu auf Ach­gut – und ihre Ent­schei­dung bedau­ert. Scha­de, dass dies erst auf­grund einer mas­si­ven Wel­le von Kri­tik erfolg­te, erfreu­lich dar­an ist nur, dass Nuhr wie­der in den vor­he­ri­gen Stand zurück­ver­setzt wur­de und der Ver­ein sich ent­schul­digt hat.
    Die Leh­re dar­aus: Man muss heu­te für selbst­ver­ständ­li­ches wie Mei­nungs­frei­heit kämp­fen. Der nächs­te Fall Lisa Eck­hart ist schon auf der Tagesordnung.

  2. „Wis­sen bedeu­tet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, son­dern dass man über genü­gend Fak­ten ver­fügt, um eine begrün­de­te Mei­nung zu haben.“ 

    Ent­schul­di­gung, aber die­se Aus­sa­ge ist doch ein­fach nur Unsinn!!

    Wenn man eine begrün­de­te Mei­nung hat, die man mit eini­gen Fak­ten stüt­zen kann – ob es genü­gend sind, kann ja gar nicht beur­teilt wer­den – dann muß einem bewußt sein, dass man eben nur eine Mei­nung hat, aber eben KEIN Wissen!

    Wis­sen ist über­haupt eine Qua­li­tät, die man im Grun­de nur auf­grund eige­ner Anschau­ung in begrenz­tem Umfeld errei­chen kann. Wich­tig ist, dass gera­de die Wis­sen­schaft NICHT in den Glau­ben ver­fällt, bereits über Wis­sen zu ver­fü­gen, das aus­rei­chend sein könn­te, etwa poten­ti­ell wirk­lich weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen zu begrün­den, und schon erst recht nicht Ent­schei­dun­gen, die die gesam­te Mensch­heit und den Pla­ne­ten betref­fen und beein­flu­ßen könn­ten. Da liegt doch der Hase im Pfeffer!!

    Gene­ti­sche Ver­än­de­run­gen leben­der Orga­nis­men, Ein­grif­fe in hoch­kom­ple­xe Sys­te­me wie Kli­ma, Wirt­schafts­le­ben oder Immun­vor­gän­ge – das sind doch die Fel­der, in denen wir durch Pseu­do­wis­sen­schaft­ler, und das sind die, die sich für wis­send hal­ten, in Gefahr sind, die Geis­ter, die wir rie­fen, nie wie­der los zu werden! 

    Die Wis­sen­schaft muß wie­der Beschei­den­heit ler­nen und wir als Gesell­schaft müs­sen wie­der ler­nen, auch wid­ri­ge Rea­li­tä­ten ein­fach als gott­ge­ge­ben hin­zu­neh­men. Gewis­se Berei­che müs­sen für uns tabu sein. Ich nann­te sie bereits. Hoch­kom­ple­xe Sys­te­me zu steu­ern, ist Men­schen nicht gegeben.

    • „Gewis­se Berei­che müs­sen für uns tabu sein. Ich nann­te sie bereits. Hoch­kom­ple­xe Sys­te­me zu steu­ern, ist Men­schen nicht gegeben.“

      Sehr geehr­ter Herr Rös­ner, ich hof­fen Sie waren noch nie und kom­men auch in Zukunft nicht in Ver­su­chung, einen Taschen­rech­ner zu benutzen.
      Und, btw,: Wie nennt sich eigent­lich die Trom­mel, mit der Sie die Ver­bin­dung ins Inter­net herstellen?

  3. Gre­ta ist kei­ne typi­sche Asper­ge­rin. Selbst wenn sie es wäre, wäre sie dadurch nicht unangreifbar.

    Gre­tas wirk­li­ches Pro­blem darf nicht genannt wer­den, obwohl es für jeden inter­es­sier­ten Lai­en offen­sicht­lich ist. Man ver­glei­che in der deut­schen Wiki­pe­dia „Feta­les Alko­hol­syn­drom“ oder in der eng­li­schen Wiki­pe­dia „Fetal alco­hol spec­trum dis­or­der“. Die­se Frucht­schä­di­gung zei­gen in Deutsch­land rund 5 von 1000 Neu­ge­bo­re­nen, und den­noch ist FAS in der Öffent­lich­keit kaum bekannt.

    Am 23. Dezem­ber 2015 schreibt Male­na Ern­man in Face­book: “Jag är ambassa­dör för Vit Jul. För mig är det en självklar­het att inte dri­cka alko­hol under jul­hel­gen.” – „Ich bin Bot­schaf­te­rin für Tro­cke­ne Weih­nach­ten. Für mich ist es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, wäh­rend der Weih­nachts­ta­ge kei­nen Alko­hol zu trin­ken.“ Hon­ni soit qui mal y pense.

    Das eigent­li­che Ver­bre­chen ist jedoch nicht, dass die Mut­ter wäh­rend der Schwan­ger­schaft gesof­fen hat, son­dern dass Eltern und Jugend­amt bis heu­te zulas­sen, wie hier eine schwer gestör­te Min­der­jäh­ri­ge ins Ram­pen­licht des Show­busi­ness gedrängt wird. Das kann für das Kind kein gutes Ende nehmen.

  4. Hal­lo Die­ter Nuhr
    „Das ist nor­mal. Wis­sen­schaft ist gera­de, dass sich die Mei­nung ändert, wenn sich die Fak­ten­la­ge ändert.“
    Das ist grund­sätz­lich rich­tig, aber so wie im Deutsch­land von heu­te Wis­sen­schaft inter­pre­tiert und benutzt wird, nicht die rich­ti­ge „Hal­tung“.

    Die sog Kli­ma­schüt­zer in Poli­tik und Lob­by­grup­pen bekämp­fen fana­tisch und skru­pel­los jeg­li­che Abwei­chung von der „Wis­sen­schaft“, wie sie sie zur Mani­pu­la­ti­on von Macht und Geld fest­ge­legt haben.
    Auf
    http://www.klima-die grossetransformation.de
    wird ana­ly­siert wie sich die „Kli­ma­schüt­zer“ aus Poli­tik und Wirt­schaft mit Hän­den und Füs­sen sträu­ben die Fak­ten zu akzeptieren
    Schö­nen Abend

  5. Liegt’s an den Unter­hal­tungs-Medi­en (TV, Fil­me, Inter­net mit Twit­ter und Face­book, Taschen­com­pu­ter…) oder an den Schu­len, an den Schwa­fel­fä­chern der Uni­ver­si­tä­ten, …dass zu vie­le Dep­pen (in Poli­tik & Pres­se) von ande­ren Dep­pen ernst genom­men wer­den? …und letzt­lich die Rich­tung unse­res Lebens bestimmen ?
    Wahr­schein­lich ist’s die Soße von all dem.
    Lei­der nur von Dr. Oetker anstatt von Vin­cent Klink. 

    Ich komm mir als Exot vor, wenn ich in der S‑Bahn ruhig sit­ze, ohne Eisen im Gesicht, ohne Tat­too, ohne Nike, Jack Wolfs­kin, etc. und den Homer lese, oder Nabo­kov, Lau­rence Ster­ne, Gogol, Twain.… und all das Gewi­sche, Getip­pe und Geschwätz um mich her­um zwangs­wei­se mit­be­kom­me… ich seh‘ es förm­lich: das sind die Wäh­ler der unser Leben bestim­men­den Parteien.

  6. Das mit der Dilet­tan­tin trifft im übri­gen auch auf unse­re Reg… äh,Führungspersonal zu!

  7. Mir kommt da der Begriff „Kin­der­sol­da­ten“ in den Sinn.
    Feh­len­de intel­lek­tu­el­le Rei­fe und mani­pu­lier­te ‑also uner­kannt ein­sei­ti­ge- Wis­sens­an­eig­nung las­sen alle Hem­mun­gen fal­len. Es wird die Liqui­da­ti­on des Mei­nungs­geg­ners als MIn­dest­mass­nah­me gefor­dert- zunächst als Teil­neh­mer des Mei­nungs­pro­zes­ses. Wenn es auch seine/ihre wirt­schaft­li­che Liqui­da­ti­on bedeu­tet, geschieht es ihr/ihm auch recht.
    Zuletzt wird es die Liqui­da­ti­on der phy­si­schen Exis­tenz bedeu­ten! Es steht wie ein Mene­te­kel an der Wand aber sie sägen nur noch enthu­si­as­ti­scher auf ihren Ästen des Wohlstandsbaums!

  8. Man soll­te noch hin­zu­fü­gen: Ein zwei­ter Shit­s­torm traf nun die DFG, näm­lich einer von Men­schen, die das Vor­ge­hen der DFG gegen Nuhr unent­schuld­bar fin­den. Ich habe kei­ne Ahnung, wel­che Aus­ma­ße die bei­den Shit­s­torms haben, ob es eini­ge hun­dert, eini­ge tau­send oder gar noch mehr sind. Aber ich habe mich an die Prä­si­den­tin der DFG gewandt und Ihr mei­ne Miss­bil­li­gung zum Fall zum Aus­druck gebracht. Hof­fent­lich tun dies Alle, die von dem Vor­gang ange­wi­dert sind.

    • Dan­ke. Sol­che mao­is­ti­schen Grup­pen­stür­me gegen freie Mei­nungs­äu­ße­rung sind der­zeit groß in Mode, nicht?, und täg­lich wird es schi­cker, in Grup­pen über Ein­zel­ne herzufallen.
      Twit­ter und Face­book wol­len kei­ne Skan­da­le, weil sie dann weni­ger Geld ver­die­nen; des­halb geben sie dem Lau­tes­ten und Dro­hends­ten nach und sper­ren die Ver­nunft aus. In jeder Hinsicht.

      • tja, und nun hat die DFG reagiert. Zwi­schen zwei Shitstorms/ Shit­stür­men??? gequetscht, hat sie eine wachs­wei­che Aus­re­de gefun­den. So eine Orga­ni­sa­ti­on ver­gibt For­schungs­gel­der von etwa 3 MRD Euro (Steu­er­gel­der) im Jahr! Habt ihr, die DFG, denn kein Rück­grat, kei­ne Prin­zi­pi­en, kei­ne Hand­lungs­ma­xi­me außer Druck von außen nach­zu­ge­ben? Auf­rech­ter Gang nur mög­lich, wenn gleich­mä­ßi­ger Druck von allen Sei­ten erfolgt? Ein­fach widerlich.

  9. Die­ter Nuhr hat ganz im Sin­ne des Kri­ti­schen Ratio­na­lis­mus Karl R. Pop­pers argu­men­tiert: Unser empi­ri­sches Wis­sen fußt auf Hypo­the­sen, die so lan­ge Gül­tig­keit haben, bis sie durch die Real­ti­tät wider­legt wer­den. Wis­sens­schaft in die­sem Sin­ne ist ein offe­ner Pro­zess – und folgt der Devi­se „Das Bes­se­re ist der Feind des Guten“.

  10. Ich bin immer wie­der beru­higt, dass es nich ein paar rich­ti­ge – und nicht nur Geschwätz­wis­sen­schaft­ler gibt.
    Und geis­ti­ge Milieus, in denen die Mathe­ma­tik noch nicht inter­sek­tio­nal durch­ge­gen­dert ist. Und dann noch Stern­war­te! Son­ne­berg! Immo und Roger: Lab­sal in die­sen zutiefst beun­ru­hi­gen­den Zeiten.

  11. Gro­ße Klas­se! Bes­ser und genau­er lässt sich der „Fall“ nicht beleuch­ten, dafür ein gro­ßes Dan­ke­schön. Beson­ders gefreut habe ich mich über die Epi­so­de aus Son­ne­berg. Mei­ne wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung ist von einem Phy­sik­leh­rer in Suhl und dem – dem­nächst 90jährigen – Pro­fes­sor an der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten geprägt, mit dem mich immer noch eine tie­fe Freund­schaft und das Bedau­ern übers erneu­te Her­un­ter­kom­men des Wis­sen­schafts­be­trie­bes zum Voll­stre­cker poli­tisch-ideo­lo­gi­scher Dog­men verbindet.

    • Ich habe in der Stern­war­te Son­ne­berg sogar noch den alten Dr. Ahnert ken­nen­ge­lernt, den „Vater“ des „Kalen­der für Ster­nen­freun­de“. Wie haben eini­ge inter­es­san­te Par­tien Fern­schach gespielt – per Post­kar­te! Heu­te kaum noch vor­stell­bar, sowas. Er starb 1989. Etwa ein Jahr vor sei­nem Tod mit 92 konn­te ich ihn zum letz­ten mal besuchen.

  12. Dan­ke fuer auch die­sen Arti­kel. Aus dem Aus­land betrach­tet (seit
    55 Jah­ren…) ist fest­zu­stel­len, dass die ‘oef­fent­li­che’ Mei­nung ver­rot­tet, jedes Jahr mit zuneh­men­der Geschwin­dig­keit und das Virus der Ein­sei­ti­gen, der Ideo­lo­gi­sier­ten brei­tet sich schnel­ler aus als der Sand der Saha­ra flie­gen kann. Der Mei­nungs-Abschaum setzt sich aus tau­send ver­schie­de­nen Hir­nen zusam­men denen alle eins gemein ist: Kei­ne ande­re Ansicht gilt… Und das nur das hat Guel­tig­keit. Die Auf­loe­sung der bue­r­ger­li­chen und ande­ren Moral, schon seit den Zei­ten von Sokra­tes so anschau­lich vor­ge­bracht, ist in den mensch­li­chen Genen wohl so ange­legt und wir wer­den den kom­men­den Genera­tio­nen von irgend­wo oder nir­gends zuschau­en, wie die Selbst­ver­nich­tung der Mensch­heit in alle Rich­tun­gen unauf­halt­sam fort­schrei­tet… Das Ende ist nicht durch eine Gre­ta vor­ge­ge­ben son­dern durch den Gott der Dumm­heit, der schluss­end­lich tri­um­phie­ren wird …

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