Auf eini­gen weni­gen deutschen Auto­bah­nen gele­gentlich Voll­gas geben zu kön­nen, gehört sich­er in die Rei­he nationaler Eige­narten wie isländis­ch­er Gam­mel­hai oder amerikanis­che Waf­fenge­set­ze und es lassen sich natür­lich für jede Abwe­ichung von ein­er nicht definierten „inter­na­tionalen Norm“ Gründe find­en, diese Marot­ten zu reg­ulieren und zu ver­bi­eten. Das fehlende generelle Tem­polim­it auf unseren Auto­bah­nen gehört bis­lang zu den inter­na­tion­al bekan­nteren deutschen Mythen, bekan­nter noch als fin­stere deutsche Wälder, Kuck­ucks-Uhren oder Leder­ho­sen und dient nicht sel­ten als Erk­lärung für die Zuver­läs­sigkeit deutschen Auto­mo­bil­baus. Doch da sich let­zter­er ohne­hin auf dem Weg der ide­ol­o­gis­chen Abschaf­fung befind­et, braucht man die „freie Fahrt für freie Bürg­er“ wohl auch nicht mehr. In schön­er Regelmäßigkeit wird fol­glich das „Ende der Raserei“ gefordert. Die jüng­ste Debat­te­nauf­frischung kam von der „Nationalen Plat­tform Zukun­ft der Mobil­ität – für eine bezahlbare, nach­haltige und kli­mafre­undliche Mobil­ität“, ein­er per­son­al­starken regierungsamtlichen Fazil­ität, welche reich an Wichtigkeit und arm an Selb­stzweifeln und direkt dem Koali­tionsver­trag der Regierungsparteien entsprun­gen ist. Seit einem Jahr schauen die Experten dieser Regierungskom­mis­sion nun schon in ihre Kristal­lkugel und haben her­aus­ge­fun­den, was geschehen müsse in Deutsch­land, um die Verkehr­swende einzuleit­en: Tem­polim­its auf Auto­bah­nen und Steuer­erhöhun­gen auf Diesel – kleine Grausamkeit­en sind erlaubt, weil man son­st die “Wende” nicht schafft…wer hätte das gedacht!

Energiewende, Ernährungswende, Verkehrswende, Gerechtigkeitswende

Nun hat Verkehrsmin­is­ter Scheuer zwar schon erk­lärt, dass er eine generelle Geschwindigkeits­be­gren­zung für über­flüs­sig hält und die Rest­bestände der Autore­pub­lik atmen erle­ichtert auf. Doch die Ent­war­nung war nur von kurz­er Dauer, denn kommt der Stein erst mal ins Rollen, gibt es bekan­ntlich kein Hal­ten mehr. Verkehr­sex­perten der SPD nehmen den Vorschlag schon begeis­tert auf und ignori­eren in Todesver­ach­tung das, was ihre Rest­wäh­ler von der­lei Ein­schränkun­gen hal­ten. Auch die Deutsche Umwelthil­fe, dieser umtriebige Klagev­ere­in aus Han­nover, dankt für die Steil­vor­lage und fordert gle­ich ein Tem­polim­it von 120 km/h auf Auto­bah­nen und 80 km/h auf Bun­desstraßen.

Nicht geäußert hat sich Scheuer jedoch zu den anderen schlauen Ideen der Regierungskom­mis­sion, etwa der Forderung, das „Steuer­priv­i­leg“ für Diesel abzuschaf­fen – im Namen der Gerechtigkeit, ver­ste­ht sich. Als wenn sich die Worte „Diesel“ und „Priv­i­leg“ heute noch sin­nvoll in einem deutschen Satz unter­brin­gen ließen! Dieses „Steuer­priv­i­leg“ kön­nte man ja auch beseit­i­gen, indem man die Steuern für Ben­zin senk­te, aber, nun ja, Sie erken­nen selb­st, liebe Aut­o­fahrer, das geht natür­lich nicht! Immer wenn man in die Tasche greift, stellt man fest, dass die öffentliche Hand schon da ist und die bekommt man auch nicht so leicht wieder raus aus den Taschen der Bürger.

Höch­stens aus Verse­hen, so wie zwis­chen Han­nover und Braun­schweig auf der gut und sechsspurig aus­ge­baut­en A2, wo vor eini­gen Jahren für viel Geld mehrere vol­lau­toma­tis­che Blitzer aufgestellt wur­den, die jedoch nicht kassieren dür­fen, weil die erlaubte Geschwindigkeit auf der gesamten Strecke automa­tisiert geregelt wird, inklu­sive der Aufhe­bung jed­er Geschwindigkeits­be­gren­zung – was die meiste Zeit der Fall ist. Der Aut­o­fahrer freut sich diebisch, mit 180 km/h an den schweigen­den Blitzern vor­beizurasen, dabei sollte er sich eigentlich immer noch darüber ärg­ern, dass er die Instal­la­tion dieser nut­zlosen Anla­gen mit Steuergeldern finanziert hat. Aber ich schweife ab, wir woll­ten ja nicht über Steuerver­schwen­dung reden, son­dern über die Reg­uli­tis und Ver­bo­terie, welche in Deutsch­land grassieren. Oder hängt das vielle­icht am Ende sog­ar irgend­wie zusam­men? Gibt es über­haupt einen qual­i­ta­tiv­en Unter­schied zwis­chen der Ressourcenver­schwen­dung, der­er man sich mit Voll­gas auf der Auto­bahn schuldig macht und der Ver­schwen­dung von Steuer­mit­teln, um dem beizukom­men? Doch da ist der Deutsche Michel duld­sam! Bevor er selb­st sein Geld zum Fen­ster hin­auswirft, kann das ja auch gle­ich der Staat für ihn machen.

Paradigmenwechsel an der Tachonadel

Bemühte man bei früheren Ver­suchen, in Deutsch­land ein generelles Tem­polim­it durchzuset­zen, gern noch Ver­nun­ft und Unfall-Sta­tis­tik, zieht man heute angesichts sink­ender Todesrat­en gern die Kli­ma-Karte und winkt mit der CO2-Bilanz. Doch was für ein schwach­es Argu­ment ist das! Und wie willkür­lich die geforderten Höch­st­geschwindigkeit­en! Warum nur 130 oder 120 fordern, wenn man noch viel mehr regeln, steuern und be-steuern kön­nte? Warum nicht gle­ich Tem­po 90? Jed­er weiß doch, dass der Ver­brauch im höch­sten Gang bei diesem Tem­po noch geringer ist. Und auch dort ist Reg­ulier­ers Traum noch nicht zu Ende: Wer sagt denn, dass jed­er gefahrene Autok­ilo­me­ter über­haupt nötig ist, selb­st wenn er unter opti­malen Bedin­gun­gen und mit Biosprit aus eigen­er Ernte zurück­gelegt wurde? Warum keine Zuteilung von Ben­zin (Diesel wird ja ohne­hin nicht mehr gebraucht) pro Kopf und Monat oder eine beim Verkehrsmin­is­ter ange­siedelte Streck­en-App, mit der man pri­vat­en Trans­portbe­darf anmeldet und je nach Bew­er­tung durch das Min­is­teri­um eine Genehmi­gung erhält – oder diese „aus Grün­den“ ver­weigert wird?

Es muss ja schließlich nie­mand aus­gerech­net an ein­er regierungskri­tis­chen Demo teil­nehmen, das ist nur Energiev­er­schwen­dung! Warum deck­eln wir nicht gle­ich den CO2-Ausstoß pro Kopf und wer sein Jahres­bud­get erre­icht hat, der darf nur noch Fahrrad fahren. Man kön­nte sich ja durch das Fahren ein­er Fahrrad-Rikscha nach Feier­abend CO2-Gutscheine erstram­peln oder im Fall von Katha­ri­na Schulze mit heißer Luft ein Jahr lang den bayrischen Land­tag heizen, um einen Transat­lantik­flug zu kompensieren.

Ölheizung? Ver­bi­eten! Über­haupt heizen über 17°C. Pullover anziehen muss verpflich­t­end wer­den! SUV? Ver­bi­eten! Du wohnst in ein­er Stadt mit Stadt- und U‑Bahn? Du musst kein Auto haben! Alles, was heute als hero­is­ch­er Verzicht und selb­st­gewählte Lebensweise daherkommt, also als hipp, urban und pro­gres­siv gilt und damit den leuch­t­en­den Pfad ins Mor­gen weist, kön­nte doch Gesetz wer­den und endlich ALLE glück­lich machen! Veg­an, gluten­frei, rauch­frei, aut­ofrei, energiearm, bio und den „Fußverkehr“ stärk­end, wie die „Plat­tform Zukun­ft Mobil­ität“ das seit der Erfind­ung des aufrecht­en Gangs bekan­nte Laufen nen­nt – so geht Frei­heit heute! So sagt man.

Freiheit: vom Abwehrrecht zum Staatsziel

Um den Staat aus Häusern und Köpfen sein­er Bürg­er her­auszuhal­ten, gaben sich die repub­likanisch-demokratis­chen Nation­al­staat­en Ver­fas­sun­gen, in welchen sie ele­mentare Abwehrrechte der Bürg­er gegenüber dem Staat definierten. Man nen­nt diese Rechte auch Frei­heit­en. Heute scheint es oft, als sehe sich der Staat eher als Akteur bei Aus­gestal­tung und Inter­pre­ta­tion dieser Frei­heit­en. Er tut so, als schenke er sie den Bürg­ern und erwarte im Gegen­zug, dass diese Frei­heit­en „ver­ant­wor­tungs­be­wusst“ genutzt wür­den, also am besten gar nicht. Ein Selb­ster­mäch­ti­gung ist da nicht vorge­se­hen und wird mit moralis­ch­er Ent­mündi­gung und „wohlwol­len­der Bevor­mundung“ geahndet.

Deshalb kommt mit der Infor­ma­tion im öffentlich-rechtlichen TV gle­ich die Erziehung mit. Deshalb muss die Größe ein­er Tiefkühlpiz­za reg­uliert wer­den, deshalb braucht es drin­gend eine Lebens­mit­tel-Ampel und deshalb fordern sog­ar schon deutsche Jour­nal­is­ten, Zwang anzuwen­den, um die Men­schen zu guten „Entschei­dun­gen“ in Sachen Ernährung zu brin­gen oder, am anderen Ende der Ver­dau­ungs­kette, endlich das Klopa­pi­er abzuschaf­fen! Von selb­st sind die Leute ein­fach nicht schlau genug und zu bequem und putzen sich wom­öglich ihre Hin­tern, ohne darüber nachzu­denken, wie es bess­er gin­ge, weshalb der Staat es ihnen leicht machen muss und sie zur richti­gen Entschei­dung zwin­gen soll. Bloß nichts selb­st entschei­den lassen, der Bürg­er kön­nte Fehler machen. One size fits all – bei Ernährung, Verkehrsmit­teln und Gedanken. Das geht lei­der manch­mal schief, wie man im Fall der Leis­tungs­be­gren­zung von Staub­saugern auf EU-Ebene aktuell sehen kann. Die Verord­nung wurde gerichtlich aufge­hoben, was in der Kon­se­quenz natür­lich nur bedeuten kann, dass man irgend­wann auch Gerichte ver­bi­eten muss. Im Namen der Gerechtigkeit!

Gerechtigkeit: von der Theorie zum Staatsziel

Für pri­vate Entschei­dun­gen im Leben, die man selb­st zu ver­ant­worten hat, spielt der Begriff der Gerechtigkeit eher eine the­o­retisch oder im weitesten Sinn religiöse Rolle. Unter­schiedliche Lebenswege, Herkun­ft, Geburt­sort und ‑zeit, Bil­dung, kör­per­liche oder geistige Fähigkeit­en, Schön­heit und Gebrechen – von Gerechtigkeit kann man hier kaum sprechen. Der Zufall, Schick­sal, Gott, die Evo­lu­tion oder der große Ram­bazam­ba sind unfaire Geg­n­er im Arm­drück­en. Aber „Gerechtigkeit“ ist hier ja auch nicht die richtige Kat­e­gorie, weil am Tisch die Mit­spiel­er „Glück“, „Pech“, „Fleiß“, „Tal­ent“ und „Bequem­lichkeit“ sitzen.

Anders liegt die Sache, wenn wenn man den Blick in die “Gesellschaft” wirft und der Staat auf allen Ebe­nen mehr als nötig in das Zusam­men­spiel ein­greift und behauptet, er werde für Gerechtigkeit sor­gen. Hier fragt sich der beschenk­te Bürg­er natür­lich schon, ob die staatliche Aufmerk­samkeit auch tat­säch­lich „gerecht“ verteilt wird – denn jed­er Bürg­er zählt! Das sagen uns die Poli­tik­er bei jed­er Gele­gen­heit. Ist es etwa gerecht, dass in der Großs­tadt die Busse und Bah­nen im Fünfminuten-Takt fahren, während man auf vie­len Dör­fern nach 19 Uhr ohne Auto nir­gends mehr hinkommt? Ist es gerecht, dass sich ein Haus­be­sitzer sub­ven­tion­ierte Solar-Pan­ele auf das Dach schrauben kann, während dessen Mieter die EEG-Umlage bezahlen muss? Ist es gerecht, dass den Stuttgarter The­ater- und Konz­erthäusern Abon­nen­ten aus dem Umland ver­loren gehen, weil diese befürcht­en, bei Fahrver­boten irgend­wann nicht mehr anreisen zu kön­nen? Ist es gerecht, wenn SPD-Poli­tik­er eine 50%-ige Frauen­quote für Abge­ord­nete fordern, in ihrer Parteiba­sis selb­st aber nur auf 32% Frauenan­teil kom­men und ist es nicht höchst ungerecht, dass die Gruppe der funk­tionalen und echt­en Anal­pha­beten, die in Deutsch­land ca. 14% der Bevölkerung stellen, so schwach in den Par­la­menten vertreten ist?

Die Liste der gefühlten Gerechtigkeit­slück­en, die nach staatlich­er Reg­ulierung, Ver­boten und Ver­hal­tens­ge­boten ver­lan­gen, wird immer länger und teil­weise auch immer absur­der. Es verge­ht kein Tag, an dem nicht irgen­deine neue Ungerechtigkeit ent­deckt würde, die es drin­gend abzustellen gälte. Der Blick für das große Ganze geht immer mehr ver­loren, weil sich die Poli­tik heil­los in Iden­tität­spoli­tik ver­fan­gen hat und uns alle in den Wahnsinn reg­uliert. Alles, was schnellen Erfolg ver­spricht und eine möglichst exakt definier­bare Gruppe besser­stellt, wird auf die Agen­da geset­zt. Die Währung für diesen poli­tis­chen Overkill heißt „Gesetz“, das Klein­geld „Reg­ulierung“ und davon möchte jed­er Poli­tik­er möglichst eines erfun­den, geladen und entsichert haben. So fol­gt Murks auf Stück­w­erk auf Reg­ulierung auf Neu­fas­sung auf Ver­schär­fung. Lud­wig von Mis­es nan­nte dieses zwangsläu­fige Ergeb­nis staatlich­er Ein­griffe tre­f­fend „Inter­ven­tion­sspi­rale“ und ver­mut­lich hätte er seine Freude daran, zu beobacht­en, wie diese Spi­rale sich in der heuti­gen Zeit immer schneller dreht, da die Poli­tik Men­schen in immer kleinere Grup­pen und Unter­grup­pen aufteilt und über grup­pen­spez­i­fis­che Merk­male anspricht.

Was dabei her­auskommt, ist oft das genaue Gegen­teil dessen, was man erre­ichen wollte. Die ger­adezu kristall­reine Idee der „Energiewende“ beispiel­sweise schuf nicht das effiziente, resiliente Strom­netz von mor­gen, son­dern zwei inef­fiziente, frag­ile und hochsub­ven­tion­ierte Par­al­lel­sys­teme mit ungewiss­er Zukun­ft. Die zahlre­ichen und oft wohlbe­grün­de­ten von den Bauher­ren Berlin und Bran­den­burg vorgenomme­nen Änderun­gen an den Plä­nen zum BER hat­ten zur Folge, dass der Flughafen nicht bess­er, son­dern nie fer­tig wurde. Die Erfahrung mit Fahrver­boten in deutschen Innen­städten wiederum zeigte, dass sich die Luft in Sachen NOx und Fein­staub nicht verbesserte, dafür aber durch Umwege und den Umstieg der Fahrer auf Ben­zin­er der CO2-Ausstoß erhöht wurde ­– und ger­ade den glaubt man ja von staatlich­er Seite auch reduzieren zu müssen – Stich­wort „Klim­agerechtigkeit“.

Tempolimit und Steuererhöhung auf Diesel?

Otto-Nor­malver­bren­ner wird sich noch eine Weile darüber aufre­gen, dass die Lob­byver­bände und der Staat ihm schon wieder an die Wäsche wollen und sich am Ende freuen, wenn nur eine der angekündigten Grausamkeit­en ein­tritt – Steuer­erhöhung oder Tem­polim­it. Und wenn die Empörung dann immer noch nicht nach­lässt, hil­ft es sich­er, Deutsch­land als rück­ständi­ges, inter­na­tion­al isoliertes Land hinzustellen. „Freie Fahrt für freie Bürg­er nur in Deutsch­land und Tansa­nia?“ fragt Steg­n­er und ver­sucht den deutschen Gemeinsinn dort zu pack­en, wo er am empfind­lich­sten ist: bei der Angst, in ein­er Sache allein gegen die ganze Welt zu ste­hen und sich nicht hin­ter ein­er wie auch immer zusam­mengek­lin­gel­ten Mehrheit ver­schanzen zu kön­nen. Wenn wir jedoch das einzige Land auf der Welt sind, das seine Gren­zen nicht schützen zu dür­fen glaubt, stört uns die Ein­samkeit selt­samer­weise nicht! Von unserem dreifachen Rit­tberg­er aus Energiewende, Verkehr­swende und Dein­dus­tri­al­isierung auf sehr dün­nem Eis wollen wir gar nicht erst sprechen, denn diesen Sprung macht uns ja kluger­weise auch kein­er nach.

Es wird wohl so weit­erge­hen mit irrwitzi­gen Ver­boten und Reg­ulierungsideen aus der Poli­tik, denn die Geset­zmäßigkeit­en der staatlichen Inter­ven­tion­sspi­rale sor­gen dafür, dass sich sofort drei neue Gerechtigkeit­slück­en auf­tun, sobald eine geschlossen ist. So hat man immer was zu tun.

Vorheriger ArtikelBrexit: Ein Stern weniger und ein oberflächlicher Brief
Nächster ArtikelGeraten Sie bitte JETZT in Panik, der Klimawandel ist da!

17 Kommentare

  1. Mit diesen Ver­bots-The­men wird das Volk doch immer wieder gut abge­lenkt. Ich frage mich, wer das let­z­tendlich alles kon­trol­lieren soll? Oder läuft es darauf hin­aus, dass jed­er jeden kon­trol­liert, denun­ziert und gle­ich danach auch noch die Bestra­fung betreibt? Dann lasst uns doch endlich über diesen Chi­ne­sen-Chip und das soziale Punk­tesys­tem diskutieren.

  2. Über­flüs­sige kon­ser­v­a­tive Polemik. Recht­es Gutmenschentum.

    In Öster­re­ich liegt die Todesrate pro Auto­bahnkilo­me­ter ca. 30 Prozent (?), jeden­falls sig­nifikant niedriger als in Deutsch­land. Das sind hun­derte Tote weniger pro Jahr. Viele Aut­o­fahrer bericht­en von entspan­nterem Aut­o­fahren in Tempolimit-Ländern.

    Das Tem­polim­it wäre eine Inno­va­tion. Es ist per­vers, daß wir die dereg­ulierten Auto­bah­nen und somit erhöhte Unfal­lzahlen und mehr Staus vertei­di­gen, weil dies ange­blich zu unser­er Kul­tur gehöre.

    Ich spreche von rechtem Gut­men­schen­tum, da wir nicht der Illu­sion ver­fall­en dür­fen, daß die Recht­en nicht genau­so doof sein kön­nen wie die Linken. Sie haben natür­lich eben­falls ihre typ­is­chen Ver­leug­nungszustände und eine entsprechende Gesin­nungsethik. Dazu zählen die Frei­heit­side­olo­gie, das Gefasel vom “Wet­tbe­werb”, der in dieser Inten­sität ange­blich unab­d­ing­bar sei, das per­verse, for­mal­is­tis­che Leis­tungsethos und der rein materiell definierte “Wohl­stand”. Alles jew­eils sehr reduk­tion­is­tisch definiert unter Aus­blendung aller möglichen Destruk­tiv­itäten, die die hehren Ide­ale kor­rumpieren und ad absur­dum führen.

    Ich würde ver­mut­lich ein Tem­polim­it von 140 Km/h ein­führen, um die Gemüter zu besän­fti­gen. Das wäre ein guter Kompromiß.

    • Warum ist Ihr Tem­polim­it bess­er als das der DUH oder der Grü­nen? Bei 140 km/h wer­den mit Sicher­heit einige Men­schen mehr ster­ben, als bei 100 km/h. Wie per­vers ist es wohl von Ihnen, die paar Toten in Kauf zu nehmen? Ihr Vorschlag ist somit auch nichts weit­er an ange­maßtes Wis­sen, dass Sie uns als Kom­pro­miss verkaufen, um Gemüter zu besän­fti­gen. Wozu über­haupt besän­fti­gen, wenn der Nutzen von Ver­boten doch so offen­sichtlich ist und nie­mand ster­ben soll? Entschei­dend ist offen­bar, dass reg­uliert wird – wie ist eigentlich egal. Haupt­sache, man fol­gt einem „guten“ Kom­pro­miss – die Vorschläge der anderen sind näm­lich doof oder überflüssig.
      Es bleibt uns wohl bei­den nichts anderes übrig, als zu beobacht­en, was die Poli­tik aus unseren Ideen machen wird.

      • Also ich kann den Ein­wand von “Hate Speech­es” dur­chaus nachvollziehen.
        Und was er zu Öster­re­ich schreibt , kön­nte man auch beispiel­sweise auf Hol­land aus­dehnen usw. Wir sind eines der weni­gen Län­dern, in denen es kein Tem­polim­it gibt.
        Warum? Die Antwort ver­ste­ht sich doch von selb­st, wenn man sich die Autolob­by in Deutsch­land anschaut. Und genau gegen die sollte man endlich mal vorge­hen. Genau so wie man gegen die Nikotin Lob­by vor­gan­gen ist. Denn schnelles Fahren oder bess­er Rasen, wie es meist aus­gerech­net von denen prak­tiziert wird, die das Vehikel unter ihrem Ar.. noch nicht mal bezahlt haben, schadet der Gesund­heit min­destens genau­so wie Pas­sivrauchen. Vor allem wenn man sich mal vor Augen hält, daß der Ras­er in seinem über­teuerten, aber dadurch auch wesentlich sicher­erem “Sta­tussym­bol”, den armen Mann in seinem müh­sam abges­parten Klein­wa­gen über den Haufen fährt, wenn nicht gar zu Tode.
        Sor­ry, ich hab für der­gle­ichen Ego­is­mus nix übrig. Und wer unbe­d­ingt einen Schwanzver­gle­ich auf der Straße braucht, der soll sich am Nür­bur­gring seinen Min­der­weit­igkeit­skom­plex aus der Seele fahren, aber doch bitte all die , die sich­er und entspan­nt von A nach B kom­men wollen in Ruhe lassen!

        P.S:
        Schon mal in Hol­land Auto­bahn gefahren? Da kommt man schneller und entspan­nter vor­wärts als in Deutsch­land, weil es keinen Stop-and-go Verkehr gibt. Ich frag mich jedes­mal wenn ich dann wieder in Deutsch­land bin, wer die Irren alles raus­ge­lassen hat..;-)
        Und wem 100–120 km/h zu langsam ist, weil er am Steuer ein­schläft, der sollte man seinen generellen Schlaf/Wach Rhyth­mus überprüfen..;-)

        • Als beken­nen­der Polemik­er lasse ich Ihre Polemik natür­lich durchge­hen, zumal sie ja einem guten Zweck dient. Nein, nicht dem Schwanzver­gle­ich, son­dern unserem all­ge­meinen Wohl. Ich frage mich aber schon, ob nicht doch noch ein paar andere Kri­te­rien als eine Geschwindigkeits­be­gren­zung dafür ver­ant­wortlich sind, ob man entspan­nt oder lebend von A nach B kommt. In Tschechien, den USA und Süd­ko­rea gibt es übri­gens Geschwindigkeitsbegrenzungen.
          https://de.statista.com/statistik/daten/studie/163411/umfrage/unfallraten-auf-autobahnen-nach-ausgewaehlten-laendern/

        • Solche Sta­tis­tiken sind nicht hil­fre­ich, da aus mein­er Sicht zu viele Para­me­ter wie medi­zinis­che Ver­sorgung, Infra­struk­tur usw. außen vor sind. Let­ztlich ist mir auch egal, wie es in anderen Län­dern auss­chaut. Wichtig ist doch nur, daß es hier bei uns möglicher­weise bess­er gehen kann. Und das ist definitv der Fall. Der Schwanzver­gle­ich war nur ein Aufhänger..;-) Das Beispiel Hol­land würde aber allen zu gute kom­men und ich spreche aus Erfahrung.
          Diese Höher-Schneller-Weit­er Krankheit bet­rifft eben auch den Straßen­verkehr und es hat dann nix mehr mit per­sön­lich­er Frei­heit zu tun, wenn ich andere damit gefährde.

        • “Nicht hil­fre­ich” ist allerd­ings das Klin­gel­wort der Kan­z­lerin, um Büch­er zu dis­qual­i­fizieren, die sie nie gele­sen hat — ein hin­re­ichen­der Beleg dafür, dass solche Sta­tis­tiken prinzip­iell nichts aus­sagen, ist er nicht. Es gibt übri­gens keine Sta­tis­tik darüber, wieviele Verkehrstote in Deutsch­land auf das schlampige Baustel­len­man­age­ment, Dauer­baustellen, all­ge­mein hohes Verkehrsaufkom­men, Auf­fahrun­fälle durch LKW usw. zurück­zuführen sind. Auch die Frage, auf welchen Streck­en und wann man in D über­haupt noch Voll­gas fahren KANN, wird aus­ge­blendet. Die in schön­er Regelmäßigkeit erhobene Forderung nach generellem Tem­polim­it wird immer hoch emo­tion­al disku­tiert, statt zu unter­suchen, was das wirk­lich brächte. Es geht um Reg­ulierung um der Reg­ulierung willen, obwohl bere­its fast über­all Geschwindigkeits­be­gren­zun­gen aus­geschildert sind oder verkehrsab­hängig und durch Mes­sun­gen fest­gelegt sind.Aber um die Wirkung des Ver­bots geht es ja auch gar nicht. Es geht darum, dass es sich leicht umset­zen ließe und somit der per­fek­te poli­tis­che Aktion­is­mus ist.

    • Nach “Hate Speech­es” hätte ich eigentlich aufhören sollen weit­erzule­sen. Na ja, wieder etwas dazugelernt.

      “Free Speech & Life is Good!”

      — Hol­ger Jahn, 2018 (trage ich sog­ar auf einem mein­er T‑Shirts)

      “Eure Armut belei­digt meinen Sinn für Ästhetik!”

      — Hol­ger Jahn, 2019 (um Links­dik­taturler wie den obi­gen zu verspotten)

      • Rhetorische Frage. Warum kom­men­tiere ich eigentlich den Beitrag ein­er anony­men, snowflakey Pussy, die noch nicht ein­mal die Eier in der Hose hat, unter ihrem eige­nen Namen zu schreiben?

    • Also, ich stimme dem Schreiber zu. Ver­bote helfen, und Leben gilt es um jeden Preis zu schützen. 

      Um dies zu ver­wirk­lichen, plädiere ich dafür, dem Staat die Kon­trolle über alles und jeden zu über­tra­gen, und mich zum Führer zu wählen. Ich werde dann mein Leben der Erfind­ung neuer Ver­bote wid­men. Zum Beispiel erscheint es mir wider­sin­nig, es nur bei ein­er Geschwindigkeits­beschränkung zu belassen, wenn doch ein kom­plettes KfZ-Ver­bot noch viel mehr Leben ret­ten würde. Eben­falls Fahrräder gehören streng reg­uliert. Bei mir wird man ohne Führerschein, TÜV-Geprüfter Rit­ter­rüs­tung, sowie ein­er elek­tro­n­is­chen Geschwindigkeits­be­gren­zung nicht­mal Fahrrad fahren dür­fen, und min­destens drei Mal in der Woche beim amtlich geprüften Zweiradin­ge­nieur auf eigene Kosten die Brem­sen ein­stellen, und die Pro­filtiefe prüfen lassen müssen! Tat­säch­lich wäre sog­ar restrik­tiv erteilte Fußgän­ger­erlaub­nis ange­bracht! Man denke an die ganzen Row­dies, die, völ­lig erlaub­n­is­frei, arme Rent­ner anrem­peln, und die ganzen armen Men­schen, die sich auf­grund eines Falls auf vereis­ten Gehwe­gen teils schw­er­ste Ver­let­zun­gen zuziehen! Dies ist ein unerträglich­er Zus­tand, der mit der ganzen Härte des nation­al­sozial­is­tis­chen Volksstaats bekämpft wer­den muss!

      Oh, Mist, nun hab ich beim Gedanken an die Konzen­tra­tionslager, in die ich die dann massen­haft auftre­tenden asozialen Volkss­chädlinge einsper­ren werde, ejakuliert. Dabei hab ich doch ein Date mit mein­er Nichte.

  3. Tat­säch­lich lässt die Dynamik der Ver­bots- und Reg­ulierungsap­pa­rate — angetrieben von der Anspruchs­berech­ti­gung ihrer Appa­ratschiks — keine Hoff­nung, dass auf erkennbare Krisen und eskalierende Kon­flik­te mit Ums­teuern reagiert würde. Ich erwarte — ehrlich gesagt — den unab­wend­baren Kol­laps. Es wird kein Vergnü­gen, aber nur wer Ver­sprechun­gen und Plä­nen der Polit­bürokratie neb­st medi­aler Gefol­gschaft glaubt, denkt über die Fol­gen nicht nach.

    • Doch, die passen. Man muss die Dinge in Zusam­men­hän­gen sehen. Schon der Artikel macht es schön deutlich.

  4. Fragt sich jet­zt nur, wo sie Ihren Wei­h­nacht­surlaub ver­bracht hat. Ich würde auf Neusee­land tippen…

      • Naja, da diese Dame qua­si der Anti-Tump ist (jung, weib­lich, Demokratin, Migra­tionsh­in­ter­grund) muss diese Wahrheit aus ihrem Mund die rein­ste aller Wahrheit­en sein.

Kommentarfunktion ist geschlossen.