Erin­nert sich jemand, was Polit­magazine wie Mon­i­tor oder Panora­ma in grauer Vorzeit auf Sendung und damit ans Licht bracht­en? Fälle von Behör­den­willkür, Bestech­lichkeit, Betrug, Absprachen in Hin­terz­im­mern, poli­tis­che Drehtüren, Schum­meleien und Klüngel…eigentlich immer ging es um die Aus­nutzung eines mehr oder weniger großen Macht­ge­fälles zum eige­nen Vorteil, zum Auss­chal­ten der Konkur­renz oder des poli­tis­chen Geg­n­ers. Nicht sel­ten führten solche jour­nal­is­tis­chen Ermit­tlun­gen zu Rück­trit­ten, kartell­rechtlichen Fra­gen, dem Ende von Poli­tik­erkar­ri­eren oder dem Beginn von Ermit­tlungsver­fahren. Doch eines hat­ten zumin­d­est die spek­takulären Fälle gemein: die Kam­era richtete sich auf ille­gale Machen­schaften oder der­art klaf­fende Löch­er in der Geset­zge­bung, dass Bürg­er und Steuerzahler als anonyme Geschädigte ein vitales Inter­esse an deren Beendi­gung oder Schließung haben mussten. Heute ist das offen­bar anders, denn seit einiger Zeit tut sich für öffentlich-rechtliche Polit­magazine ein sehr viel größeres Betä­ti­gungs­feld auf, weil sich zwis­chen den Kat­e­gorien „legal“ und „ille­gal“ ein drittes Feld gebildet hat, bei dessen Bestel­lung man wed­er Poli­tik­ern noch Lob­by­is­ten auf die Füße treten muss: der ren­i­tente Bürg­er, dessen Hal­tung und Gesin­nung – und zwar ganz unab­hängig von seinen Leis­tun­gen und vali­den Ver­di­en­sten.

Schwer fassbar

Dieses dritte Feld zwis­chen legal und ille­gal oder zwis­chen richtig und falsch hat viele Beze­ich­nun­gen und ist doch kaum ein­deutig zu benen­nen. Es gibt keine Regeln oder Geset­ze, die man zur Def­i­n­i­tion her­anziehen kann. Auch keine Tra­di­tion oder Sitte definiert diese gefährliche „Grau­zone“ und ob man sich durch eine Äußerung, Tat oder Unter­las­sung in dieser Grau­zone befind­et, kann man selb­st nie wis­sen. Zumal die Grau­zone, dieses Dritte, der zeitlichen Verän­derung unter­liegt. Heute noch im Licht der Legal­ität kann mor­gen schon durch eine poli­tis­che Neuin­ter­pre­ta­tion ein Schat­ten dor­thin fall­en und man sitzt rück­wirk­end in der Unrechts­falle. Aus einem Aben­dessen kann so schnell ein Kündi­gungs­grund und aus einem Like auf Insta­gram ein Autodafé wer­den. Es ist, als gälte heute so etwas wie eine per­verse poli­tis­che Abseit­sregel, bei der es keine Rolle spielt, ob sich der Bestrafte tat­säch­lich im Abseits befind­et oder ob über­haupt ein Ball nach vorn gespielt wurde.

Der „Fall“ Marcel B.

Der Pfiff der Panora­ma-Schied­srichter ertönte für Ober­stleut­nant Mar­cel B., einen Offizier aus dem mit­tleren mil­itärischen Man­age­ment der Bun­deswehr und dort für „Neu­land“ Social Media zuständig. Panora­ma wirft ihm vor, sich via Insta­gram mit einem Anhänger der iden­titären Bewe­gung „ver­net­zt“ zu haben und „recht­sradikale Pub­lika­tio­nen zu unter­stützen“. Sowohl der Begriff „Ver­net­zung“ als auch „Unter­stützung“ sind hier im lieder­lich­sten Sinn ver­wen­det, um die beste­hen­den Verknüp­fun­gen möglichst solide darzustellen, denn in Wirk­lichkeit han­delt es sich wed­er um kon­spir­a­tive Tre­f­fen noch sub­tile Wer­bekam­pag­nen, um den Buchverkauf eines Ver­lages anzukurbeln. Es geht schlicht um eine Hand­voll Likes die B. verteilte und denen Panora­ma nach­schnup­perte.

Diese Likes will ich gar nicht quan­ti­ta­tiv oder inhaltlich bew­erten und mich dadurch auf das­selbe dünne Eis begeben wie Panora­ma. Es geht mir um die Frage, gegen welch­es Gesetz Mar­cel B. ver­stoßen haben kön­nte, um eine medi­ale Hatz wie die von Panora­ma zu recht­fer­ti­gen. Denn wie ich ein­gangs schon andeutete, ist es nicht die Auf­gabe der ARD, über die Balkone ihrer Gebühren­zahler zu steigen, um den Inhalt ihrer Bücher­re­gale zu über­prüfen oder zu kon­trol­lieren, wer bei ein­er Geburt­stags­feier zu Besuch kommt. Auch kann man von der iden­titären Bewe­gung hal­ten was man will und die Liste der Punk­te, in denen ich deren Ziele ablehne, mag lang sein – aber es ist (noch) nicht ver­boten, sich als iden­titär zu posi­tion­ieren und immer wieder zeigt sich, dass es gar nicht so ein­fach ist, gerichts­fest gefährliche Ide­olo­gien zu ver­bi­eten. Das sollte uns die Aufer­ste­hung und das Erstarken der Linkspartei doch gezeigt haben. Nicht ein­mal die NPD kriegen wir rechtsstaatlich aus der Welt und das sind nun wirk­lich echte Nazis, die auch noch stolz drauf sind. Aus dem „like“ eines Bun­deswehrof­fiziers, dass man wie den buch­stäblichen Furz zum Fack­elzug zur „Ver­net­zung“ aufge­blasen hat, lässt sich aber schw­er­lich eine straf­bare Hand­lung ableit­en, selb­st wenn man durch die Brille der Dien­stvorschriften der Bun­deswehr schaut.

Gle­ich­es gilt für die vorge­bliche „Unter­stützung“ recht­sradikaler Pub­lika­tio­nen durch leicht­fer­tige Likes. Besagter Ver­lag verkauft Büch­er und bezahlt Steuern und es hätte wohl der regierungsamtlichen und hal­tungs­me­di­alen Anbräu­nung gar nicht bedurft – man hätte die erschiene­nen Büch­er auch so verkauft. Das lief manch­mal sog­ar so gut, dass es eines der Büch­er – kaum mehr als ein kleines grünes Büch­lein – im Juli 2017 immer­hin auf Platz sechs der Spiegel-Best­sellerliste schaffte, von welch­er der Spiegel es kurz­er­hand ver­schwinden ließ. Und statt klammheim­lich so zu tun, als wäre da nichts, prahlte man einige Tage später auch noch damit und erk­lärte die Entwer­tung des eige­nen Gold­stan­dards zur für­sor­glichen Hygien­e­maß­nahme. Ver­boten ist der Ver­lag auch heute noch nicht. Es ist ges­tat­tet, die Büch­er sein­er Autoren zu lesen, man darf sie auch ignori­eren, rezen­sieren oder von ihnen phan­tasieren, ohne sie gele­sen zu haben. Aus den Seit­en dieser Büch­er Stricke zu drehen, an denen man deren Leser, Autoren und Ver­leger aufknüpft, ist hinge­gen (noch) physisch ver­boten, psy­chol­o­gisch aber zum Sport aufgestiegen, in dem Hal­tungsnoten zu gewin­nen sind.

Ich kenne die Gründe nicht, aus denen Mar­cel B. sich auf die beschriebene Weise „ver­net­zt“ hat, aber auf seine Arbeit, näm­lich das Ver­hal­ten der Sol­dat­en in sozialen Medi­en zu „regeln“, wirk­te sich das offen­bar nicht in der Weise aus, wie Panora­ma es wohl gern fest­gestellt hätte. Glauben Sie mir, liebe Leser, davon wüssten wir andern­falls schon. Denn erst dann wäre die Kausalkette so per­fekt, wie sie uns seit Jahren als Zwangsläu­figkeit verkauft wer­den soll: „Aus Worten wer­den Tat­en“ lautet das imag­inierte Gesetz des pos­i­tiv­en Feed­backs. Aus „Likes“ zumin­d­est wer­den wohl nicht unbe­d­ingt Tat­en.

Im Ministerium für Wahrheit

Wie geht man heute vor, um sich über eine Sache, eine Gruppe oder ein Buch eine Mei­n­ung zu bilden? Man kann jeman­den fra­gen, der sich damit beschäftigt hat. Doch dann übern­immt man fast zwangsläu­fig dessen Mei­n­ung und bildet sich eben keine eigene. In den meis­ten Wis­sens­ge­bi­eten fährt man aber ganz gut mit dieser Meth­ode. Die meis­ten Men­schen ver­trauen eini­gen ele­mentaren Naturge­set­zen und stellen deren Wirk­samkeit nicht in Frage. Was aber, wenn man in anderen Bere­ichen (etwa in der Poli­tik) mit­tler­weile allen mis­straut, die ihre Mei­n­ung zu Mark­te tra­gen, vielle­icht weil dort zu oft mit Lügen und Fälschun­gen gehan­delt wurde?

Da bleibt nur eines: Man muss sel­ber zum Buch greifen, eine Gruppe tre­f­fen oder eine Sache recher­chieren. Doch immer häu­figer wer­den die so erlangten Erken­nt­nisse von den über­gan­genen Mei­n­ungs­mar­ke­tendern zorn­rot als ungültig oder falsch deklar­i­ert. Man habe nicht gründlich genug recher­chiert, falsche Schlüsse gezo­gen, die Sache sei viel zu kom­plex, um vom Ama­teur durch­schaut zu wer­den, dessen Urteilsver­mö­gen ein­fach nicht aus­re­ichend geschult sei. Über­lass‘ die Mei­n­ungs­bil­dung den Profis, den Jour­nal­is­ten, die ver­ste­hen was davon! Die lesen die Büch­er zwar auch nicht, vor denen sie ihre Leser war­nen, aber was ist schon Empirie im Ver­gle­ich zur Hal­tung!

Außer­dem geben diese Fachkräfte die Garantie, dass man mit ihrer Profisicht, wenn man sie sich nur kri­tik­los zu eigen macht, wider­stand­s­los durchs Leben gehen kann. Mor­gen­magazin im ZDF, mit­tags Nachricht­en im DLF, Tagess­chau um 20 Uhr und danach Robert Habeck und Kevin Küh­n­ert bei Lanz, Ill­ner oder Mais­chberg­er – mehr muss man ja nicht wis­sen. Diese Lek­tion hat Mar­cel B. nun offen­bar gel­ernt, denn er erk­lärt:

„Ich war nicht aufmerk­sam genug, habe darauf ver­traut, dass das, was mir aus mein­er Com­mu­ni­ty reinge­spielt wird, schon in Ord­nung ist.“

Kniend gesprochen heißt das: ‚Was habe ich mir nur dabei gedacht, spon­tan zu reagieren und die Fol­gen mein­er Mei­n­ungsäußerung nicht zu bedenken! Wie kon­nte ich es wagen, meine Kon­tak­te bei Insta­gram nicht nach Lebensläufen und Führungszeug­nis­sen zu fra­gen – und zwar immer wieder! Da ich die Zeit nicht auf­brin­gen kann, all meine Schritte und Leben­säußerun­gen von den Infor­ma­tion­sagen­ten des Min­is­teri­ums der Wahrheit gegencheck­en zu lassen, halte ich kün­ftig lieber gle­ich ganz meine Klappe und ver­traue dem Infor­ma­tion-Safe­way, Like Ralf Steg­n­er und Jan Böh­mer­mann und empfehle Büch­er, die der Böll-Stiftung gefall­en.‘

Nichts ist privat, alles ist politisch

Dieses „Dritte“, die Grau­zone der Unsicher­heit zwis­chen erlaubt und ver­boten, war früher dem Pri­vat­en vor­be­hal­ten. Denn nicht alles, was rechtlich erlaubt ist, ver­schafft auch Anerken­nung im famil­iären Bere­ich, wo das soziale Umfeld und die Erziehung durch unzäh­lige ungeschriebene „das-tut-man-nicht“ und „das-gehört-sich-so“ men­schliche Inter­ak­tion auch in der Öffentlichkeit zuver­läs­sig regeln. So habe ich noch in kein­er deutschen Kirche oder Restau­rant Schilder mit der Auf­schrift „Nicht auf den Boden spuck­en“ gese­hen. Bis­lang war das nicht nötig – und dies, obwohl es kein Gesetz gibt, welch­es das Spuck­en auf Kirchen­bö­den ver­bi­etet. Es muss also andere Gründe geben, warum zumin­d­est die meis­ten so etwas den­noch nicht machen.

Soziale Regeln, die wir unbe­wusst ein­hal­ten, bedür­fen kaum der Erk­lärung. Das sich „der Esel immer zuerst nen­nt“ oder es ver­boten ist, in der Soße für Königs­berg­er Klopse die Kapern zu vergessen, ist ein­fach und empirisch offen­sichtlich. Ver­stöße gegen ungeschriebe­nen Ben­imm wur­den aber stets im kleinen Rah­men geah­n­det, sie betrafen die Öffentlichkeit nicht. Je mehr der Staat, seine nach­ge­ord­neten Organe und eifrige Medi­en sich jedoch in pri­vate Belange ein­mis­chen, umso öffentlich­er wird das Pri­vate. Fleis­chkon­sum, Tabak­genuss, die „falsche“ Lit­er­atur, Umgang mit „den falschen Leuten“… die Gren­zen dessen, was noch „erlaubt“ ist, sind fließend – selb­st wenn sich die äußeren geset­zlichen Regeln eigentlich kaum verän­dert haben. Immer wenn sich irgend­wo jemand fragt, warum man dies und das vor zehn Jahren noch sagen oder tun durfte, stellt er oder sie ver­wun­dert fest, dass man dieses eigentlich immer noch tun dürfte, aber den­noch nicht mehr tun kann. Hier kön­nen wir die Grau­zone des Unge­sagten wach­sen sehen und dieses Wach­s­tum ist ein Wuch­ern, das von oben in die Gesellschaft hinein­drückt.

Wenn etwa unser Bun­de­spräsi­dent erk­lärt, es genüge nicht mehr, kein Ras­sist zu sein, man müsse vielmehr aktiv­er Anti­ras­sist sein, ist dies auch nichts anderes als eine Ver­schiebung der Gren­zen des Erlaubten in die Zone des Zwielichts. Und nie kann man sich­er sein, genug getan zu haben. Die Unsicher­heit hängt von weit mehr ab als ein­er Rede des Schlossh­er­ren von der schö­nen Aus­sicht. Nicht falsch zu han­deln reicht längst nicht mehr. Sich nichts „zu Schulden“ kom­men zu lassen und an die Geset­ze zu hal­ten oder das Grundge­setz auswendig zu wis­sen, ist nicht genug. Die Gren­ze, die man nicht über­schre­it­en darf, um heute und mor­gen und auch über­mor­gen noch auf sicherem Boden ste­hen zu kön­nen, wird unsicht­bar. Man soll vielmehr aktiv richtig han­deln – was auch immer das im Augen­blick bedeuten mag. Aber wer garantiert, dass es richtig genug und aus­re­ichend ist und jemand anders nicht noch eil­fer­tiger als man sel­ber ist? Es sind ja immer die Eifer­er, die an den unsicht­baren Klei­dern zer­ren und eh man sich’s ver­sieht, ste­ht man ohne Hemd da.

Dieser grassierende Jakobin­is­mus wird immer über­grif­figer, denn das ist seine Natur, die zum Pos­tu­lat des Absoluten strebt. Indif­ferenz gegenüber dem Staat und seinen aus­gegebe­nen Losun­gen wird immer mehr zur sus­pek­ten Hand­lung. Schon als die Steuergeld­ver­bren­ner bei „Demokratie leben“ ihren Aktivis­mus unter dem Mot­to „Demokratie lebt vom Mit­machen“ ins Werk set­zten, kon­nte man sehen, wohin die Reise geht. Deren Forderung nach „demokratis­ch­er Bewe­gung“ kon­trastiert auf das prak­tis­chste mit der Unsicher­heit, ob die Rich­tung der Aktiv­itäten auch oppor­tun genug ist und so bewegt man sich sicher­heit­shal­ber in jene Rich­tung, der die Mehrheit zus­trebt, weil sie sich an der kleinen, laut­en, aktivis­tis­chen Min­der­heit ori­en­tiert.

Und wo die „richtige Rich­tung“ jed­er sehen kann, ist auch alles Falsche durch Auss­chluss definiert. Heute ist es vielle­icht noch die iden­titäre Bewe­gung und ein unbe­deu­ten­der Ver­lag, doch schon nach der näch­sten unverzeih­lichen Wahl oder poli­tis­chen Volte kann es eine weit­ere Partei, eine Fir­ma oder eine ganze Branche sein, die in die Grau­zone des abzulehnen­den und moralisch ver­w­er­flichen gestellt wird. Gen­er­al­proben mit der FDP in Thürin­gen, Tön­nies und der Kernkraft hat es ja bere­its gegeben. Alle bewegten sich im Rah­men der rechtlichen Vor­gaben und den­noch brachte man alle mit moralis­ch­er Muni­tion in der geset­zlosen Grau­zone zur Strecke. Der Staat und einige Parteien, denen er zur Beute wurde, haben sich der Deu­tung­shoheit dessen bemächtigt, was sich undefiniert zwis­chen legal und ille­gal befind­et und die Ausle­gung der Regeln fällt je nach Bedarf mal strenger, mal weniger streng aus.

So kann ein „Like“ die Kar­riere eines Offiziers been­den, selb­st wenn er das klare Recht hat­te, dieses Like zu geben, während Regierungschefs auf ille­gale Weise alle Finanzierungsverträge der EU auf das heftig­ste vorsät­zlich und im Halb­dunkel ver­let­zen kön­nen und sich dafür feiern lassen. Wichtiger als die Ken­nt­nis und die Ein­hal­tung der Geset­ze ist es heute offen­bar, die Ver­fü­gungs­ge­walt über die Grau­zone zu erlan­gen. Dort, in diesem „drit­ten“ Bere­ich zwis­chen erlaubt und ver­boten liegt die wahre Macht. Die Macht der Moral­isierung und der Alter­na­tivlosigkeit. Die Macht, sich über alles hin­wegzuset­zen, Schuldige zu amnestieren, Unschuldige zu ver­nicht­en, im Namen der Wahrheit zu lügen und im Namen der Liebe Hass zu ver­bre­it­en. Ter­tium datur.

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13 Kommentare

  1. Beurteilen Sie jede der fol­gen­den Aus­sagen mit: a) richtig, b) falsch, c) unklar!
    1. Die Aufk­lärung ist krepiert.
    2. Frei­heit ist Sklaverei.
    3. Mar­tin S. ste­ht moralisch über dem Bun­desuhu wie der Kirch­turm über der Gruft.
    4. Total­itäre Ten­den­zen sind in Deutsch­land 2020 nicht erlaubt.
    5. Ein Staat ohne Gren­zen ist wie ein Boot ohne Planken.
    6. Die GröKaz würde eher den Hose­nanzug wech­seln als ihre Amt­sei­de zu ver­rat­en.
    7. Kein Staat der EU haftet für die Schulden eines anderen.
    8. Die Durch­schnittsrente in Deutsch­land beträgt etwa 880 Euro.
    9. Eine 70 qm — Woh­nung im ländlichen Ba-Wü kostet derzeit um die 320.000 Euro.
    10. Die Ver­fol­gten der Welt streben nach Duitschlnd, um hier den Ras­sis­mus zu bekämpfen.

  2. Cha­peau! Das nenn ich mal: Bril­liant. Geschlif­f­en. Messer­scharf. Man möchte auch diesen Artikel von Ihnen am lieb­sten ein­fach aus­druck­en und an die näch­ste Domtüre tack­ern. Danke, dass es Sie gibt.

      • Keine Sorge, gibt ja Türen in Bun­deslän­dern, deren Geschicht­sun­ter­richt bein­hal­tete meist nur die let­zten 100 Jahre-die dafür auswendig. Also da zumin­d­est keine Aushang-Allergien zu befürcht­en. Grüße aus Hes­sen.

        • Her­rlich dop­peldeutige Antwort. Darf ich Sie drück­en;-)? Natür­lich auch, was die Qual­ität dieses Artikels ange­ht!
          Habe mir heute bei KenFm sein Selb­stver­such- Video angeschaut- indem er ergrif­f­en schildert, dass er sich nach 7 Tagen des aus­nahm­s­los öffentlich-rechtlichen Medi­enkon­sums wie neuge­boren fühlte. Ohne zer­mür­bende Selb­stzweifel, ohne schlaflose Nächte. Das macht Hoff­nung- bringt es doch nach­weis­lich den See­len­frieden wieder, so ganz ohne Kirche.
          Ich unter­stütze Sie weit­er. Beschlossen!

  3. Zitat:”…ist es nicht die Auf­gabe der ARD, über die Balkone ihrer Gebühren­zahler zu steigen, um den Inhalt ihrer Bücher­re­gale zu über­prüfen oder zu kon­trol­lieren, wer bei ein­er Geburt­stags­feier zu Besuch kommt.” Ich bin aufrichtig nei­disch, nicht selb­st solch lit­er­arisches Meis­ter­stück ver­fasst zu haben.

  4. Die Zus­tim­mung in der Bre­ite, die dieser ein­seit­ige Hal­tungsjour­nal­is­mus her­vor­ruft ist es, die mich ein sehr ungutes Gefühl bekom­men lässt.
    Wegen eines “Likes” für einen social media Ein­trag vom Dien­s­ther­rn in die Man­gel genom­men zu wer­den? Also lieber nicht erwäh­nen, dass man die Arbeit im ÖR für ein­seit­ig hält? Zu Hause bes­timmte Büch­er ver­steck­en wenn Arbeit­skol­le­gen zu Besuch kom­men? Es wird mit jedem Tag gruseliger in DIDWGUGL.

  5. Diese schöne Regel gilt nicht mehr und muß neu gefaßt wer­den:
    Die Bürg­er­rechte sinken von West nach Ost -

    In Ameri­ka ist alles erlaubt, auch das, was ver­boten ist
    In Eng­land ist alles erlaubt, was nicht ver­boten ist
    In Deutsch­land ist nur das erlaubt, was aus­drück­lich erlaubt ist
    Und in Ruß­land ist alles ver­boten, auch das, was erlaubt ist.

    Ich bitte um Vorschläge.

  6. Wegen Nichtigkeit­en — keine Belei­di­gung, kein Hate­speech, bei Face­book in 6 Monat­en 5 mal für 30 Tage ges­per­rt. Das zog (natür­lich) 5 Anträge auf Unter­las­sung nach sich, die alle vom LG abgelehnt wur­den.
    Nach Beschw­erde wur­den sie vom OLG zuge­lassen.
    Eine Sperre erfol­gte z.B., weil ich nur den Namen Sell­ner, mit ein­herge­hen­den Erfolg beim OLG gegen eine rechtswidrige Haus-Durch­suchung erwäh­nt hat­te. Der Anwalt von Face­book schickt mit­tler­weile Pakete! bis zu 3,6 Kilo “Beweis­ma­te­r­i­al-Urteile” ans Gericht…
    In der Sell­ner­sache beantragte er natür­lich, meinen Antrag abzuweisen, worauf das Gericht ihm in einem Beschluß u.a. antwortete:
    … die nicht dem Net­zDG zuwider­laufen, beste­hen keine Erfol­gsaus­sicht­en…
    … der Beschw­erde gegen die auch insoweit erfol­gte Zurück­weisung seines Antrags, wird daher nicht abge­holfen…!
    Verkürzt bedeutet dies, dass das Gericht die einzelne Sit­u­a­tion beurteilt hat, nicht an ander­weit­i­gen Urteilen teil­nimmt und bes­timmt, ob etwas erlaubt sei, oder nicht.
    Immer­hin ein klein­er Licht­blick.
    Aber wehren muss man sich schon…

  7. Ja, ich erin­nere die Zeit­en sehr gut, als Polit­magazine im TV noch Wirkung hat­ten, als sie nicht ins Rek­tum der Herrschen­den… son­dern der Stachel in deren Fleisch waren. Nicht aus ide­olo­gie, son­dern weil sie die Oberen (von der schwarzen CSU bis zu den roten Gew­erkschaften) beobachteten und kri­tisierten. Und wenn da was faul, falsch, ver­logen war, das auch offen aussprachen und aufzeigten. Sog­ar mit Fol­gen, manch­es Mal.
    Ähn­lich übri­gens, wie Der Spiegel, …damals.

  8. Dazu fällt mir spon­tan Rousseau ein (man muss ihn nicht mögen, aber dieses Zitat ist tre­f­flich):

    „ Die Frei­heit des Men­schen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, son­dern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“

    • Auch wenn der alte Gries­gram son­st ein sehr selt­sames Ver­ständ­nis von Frei­heit hat­te, wenn sie sich auf die Gesellschaft bezieht…ja, das trifft’s gut.

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