Um es gleich vor­weg zu sagen: ich hät­te mir gewünscht, die Ame­ri­ka­ner hät­ten ihre Mini­mal­prä­senz von etwa 2.000 Sol­da­ten in Afgha­ni­stan bei­be­hal­ten, weil selbst solch ein Schwe­be­zu­stand alle­mal bes­ser wäre als das, was uns nun bevor­steht. Zur Kos­ten­kom­pen­sa­ti­on hät­te sich der Trup­pen­ab­zug aus Deutsch­land ange­bo­ten, auch wenn ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob wir wirk­lich schon auf uns selbst auf­pas­sen kön­nen. Doch will ich hier kein Wort über den völ­lig aus dem Ruder gelau­fe­nen Trup­pen­ab­zug ver­lie­ren, son­dern zu Beginn nur kurz mei­ne ver­geb­li­chen Ver­su­che skiz­zie­ren, der kopf­lo­sen Flucht etwa plan­vol­les, jedoch ver­bor­ge­nes abzu­ge­win­nen. Von der huma­ni­tä­ren Kata­stro­phe ganz zu schwei­gen, dach­te ich, so dumm, Rüs­tungs­gü­ter für vie­le Mil­li­ar­den Dol­lar ein­fach so zurück­zu­las­sen, kön­ne man in einer US-Regie­rung doch nicht sein, deren Man­tra seit Amts­an­tritt stets lau­te­te, nun sei­en end­lich wie­der „Erwach­se­ne im Raum“. Kann es nicht sein, so dach­te ich, dass irgend­ein fin­di­ger CIA-Ana­lyst den gera­de­zu shake­speare­schen Plan in die Tat umsetzt, die Fein­de der Fein­de der USA „ver­se­hent­lich“ zu bewaff­nen, sich nun ent­spannt zurück­lehnt und zusieht, was pas­siert? Doch dann sah ich, wie schnell die den Tali­ban über­las­se­nen Waf­fen auf Last­wa­gen im Iran auf­tauch­ten und wie schnell die Ira­ner in die Bre­sche spran­gen, als es um drin­gend nöti­ge Treib­stoff­lie­fe­run­gen an die Tali­ban ging und die ver­rück­te Idee zer­platz­te so schnell wie sie gekom­men war. Man soll eben nicht nach aus­ge­klü­gel­ten Plä­nen suchen, wo Dumm­heit, Demenz und Deka­denz in die Logik-Lücken passen.

Doch wie der Leser bereits am Titel die­ses Tex­tes erkennt, geht es hier nicht um die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und deren Füh­rung, son­dern um uns, um Deutsch­land, und dar­um, wie offen­sicht­lich wir in einer Welt leben, in der nichts so ist, wie es scheint. Schon gar nicht unse­re gefühl­te Rol­le dar­in. Ich will hier kei­ne Matrix-Ana­lo­gien bemü­hen, son­dern eher auf das „Mäu­se-Expe­ri­ment“ aus „Per Anhal­ter durch die Gala­xis“ hin­wei­sen. In Dou­glas Adams Buch glaub­ten die Men­schen seit Jahr­tau­sen­den, Expe­ri­men­te mit Mäu­sen durch­zu­füh­ren. In Wirk­lich­keit war es anders­her­um und der Mensch Teil eines Lang­zeit­ex­pe­ri­ments der Mäu­se. Was uns direkt zu mei­ner The­se führt, dass nicht deut­sche Bes­ser­men­schen es sind, die zur Welt­ret­tung nach Afri­ka, zu Hin­du­kusch oder nach Kli­ma­ka­t­as­ro­phi­stan auf­bre­chen, son­dern dass viel­mehr ein immer grö­ßer wer­den­der Teil der Welt die Fähig­keit per­fek­tio­niert hat, das teu­to­ni­sche Welt­ret­ter­ge­müt so zu beackern, dass es ihnen stets die süßes­ten Früch­te ein­trägt, wäh­rend wir die Rech­nung zwar immer mehr mur­rend, aber letzt­lich immer mit einem guten Gefühl beglei­chen. Und da unser Selbst­hass intrinsisch ist, man ihn also nicht von außen erzeu­gen muss und die kurio­ses­te und bedin­gungs­lo­ses­te Ferns­ten­lie­be her­vor­bringt, wäre es doch eine Ver­schwen­dung, die­se Ener­gie nicht in nütz­li­che Bah­nen zu len­ken. Die Maus­heit ist ja nicht dumm…

Wo ein Strom versiegt…

Sei dem Fall von Kabul beob­ach­te ich eine mas­si­ve Zunah­me von NGO-Wer­bung auf Face­book, You­Tube und Co. O‑Ton ist stets, alles sei ganz schreck­lich in Afgha­ni­stan und aus unse­rer Sicht ist es das natür­lich auch. Doch weder die US-Armee noch die Bun­des­wehr waren in den letz­ten Jah­ren dort in der Flä­che aktiv. Im Gegen­satz zu ame­ri­ka­ni­schem und auch deut­schem Geld. Nach dem Abzug brach dort folg­lich nichts zusam­men, was nicht schon am Boden lag – mit einer ent­schei­den­den Aus­nah­me: den NGOs. Zahl­rei­che davon sind nach wie vor aktiv in Tali­ban-Kali­fat. Die von Rein­hard Erös gegrün­de­te „Kin­der­hil­fe Afgha­ni­stan“ sogar unun­ter­bro­chen seit 1998. Was der Welt­ret­te­rei im Augen­blick fehlt, ist der kon­ti­nu­ier­li­che, unhin­ter­frag­te Geld­strom aus der Poli­tik, für den die ver­schie­dens­ten Minis­te­ri­en und halb­staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen seit Jah­ren sorg­ten. Da war­fen aller­lei präch­ti­ge Pro­jek­te Licht in den bun­tes­ten Far­ben in eine Zukunft, an die weder die Sol­da­ten vor Ort noch die Ein­hei­mi­schen so recht glau­ben woll­ten. Aber wenn die Geld­ge­ber es so sehen wol­len, war­um wider­spre­chen? Bekannt­lich fan­den sogar Gel­der für Gen­der-Main­strea­ming am Hin­du­kusch dank­ba­re Abneh­mer – man muss­te die Ker­zen nur am Bren­nen und den mora­li­schen Impe­tus in den Bun­des­tags­re­den mög­lichst hoch hal­ten, dann floss es aus dem vor 20 Jah­ren in die Venen der Steu­er­zah­ler geleg­ten Zugang wie von selbst.

Der Geld­strom ist vor­erst ver­siegt oder zu einem Rinn­sal geschrumpft, die pri­va­te Hand muss nun müh­sam um Spen­den ange­bet­telt wer­den, was natür­lich nicht so flüs­sig und bedin­gungs­los läuft, als wür­de man dem Steu­er­zah­ler direkt und tief in die Taschen fas­sen. Das Dilem­ma begrei­fend, in wel­chem deut­sches Geld gera­de steckt, weil es sich gleich­zei­tig vom Ter­ro­ris­mus oder doch min­des­tens dem mit­tel­al­ter­li­chen Isla­mis­mus fern hal­ten und hun­gern­den afgha­ni­schen Kin­dern hel­fen will, streckt der Talib sei­ne mani­kür­te hel­fen­de Hand aus und bie­tet neue Betä­ti­gung für teu­to­ni­sche Welt­ver­bes­se­rer. Ernährt uns, baut uns Schu­len und Stra­ßen – dann müs­sen wir das nicht sel­ber machen. Sogar unse­re straf­fäl­li­gen Lands­leu­te neh­men wir euch zur rich­ter­li­chen Begut­ach­tung ab! Ich ver­mu­te, dass es bei die­sem Ange­bot vie­len mei­ner Lands­leu­te in den Fin­gern juckt, beson­ders denen, die kör­per­lich eher unfrei­wil­lig „enge” Kon­tak­te zu gewis­sen Fach­kräf­ten hatten.

Der erwähn­te Rein­hard Erös, ein auf­brau­sen­der ehe­ma­li­ger Bun­des­wehr­of­fi­zier, baut seit mehr als 20 Jah­ren Schu­len für Mäd­chen, Wai­sen­häu­ser und Ent­bin­dungs­sta­tio­nen in Afgha­ni­stan. Er ist mit den Tali­ban auf „Du und Du“, spricht Pasch­tu und fühlt sich am Hin­du­kusch offen­bar pudel­wohl. Man mag ihn dort, was kein Wun­der ist, weil er zwar wie der Weih­nachts­mann einen Sack vol­ler Geschen­ke dabei hat, aber nie­mand Gedich­te auf­sa­gen oder sich Brav­sein ver­spre­chen lässt. Mei­ne flap­si­gen Bemer­kun­gen wür­den ihn sicher zur Weiß­glut brin­gen wie gera­de bei „Hangar7”, weil sich ein unwis­sen­der Schnö­sel wie ich anmaßt, sei­ne Arbeit zu bewer­ten. Dabei will ich letz­te­re gar nicht ins Lächer­li­che zie­hen. Ich hal­te dies alles zwar für ver­geb­lich, aber es gibt weiß Gott schlech­te­re Beschäf­ti­gun­gen, als in Afgha­ni­stans wil­den Ost­pro­vin­zen huma­ni­tä­re Hil­fe zu leis­ten, ganz gleich, wel­cher Art sie auch sei.

Und doch fra­ge ich mich, ob Erös – wie vie­le ande­re Hel­fer auch – über­haupt noch den Sta­tus Quo erkennt, an des­sen Auf­recht­erhal­tung alle tat­kräf­tig und voll teu­to­ni­schen Eifers mit­wir­ken. Afgha­ni­stan ist schließ­lich nicht mal ein rich­ti­ges Land, dau­er­haf­te und gar aner­kann­te Zen­tral­struk­tu­ren hat es nie gege­ben. Das bis­her längs­te Expe­ri­ment zu deren Schaf­fung ist gera­de kra­chend geschei­tert. Doch selbst wenn man die Wirk­sam­keit der Hil­fe auf die Ebe­ne der Stäm­me und Fami­li­en her­un­ter­bricht, ist die Aus­beu­te nach über 20 Jah­ren gera­de­zu lau­sig. Mäd­chen und Frau­en ver­schwin­den wie­der aus dem öffent­li­chen Leben, unter der Bur­ka und in den Häu­sern und die Anzahl der inter­na­tio­nal gefrag­ten IT-Exper­ten, die aus Erös‘ Com­pu­ter­schu­len her­vor­ge­gan­gen sind, ist überschaubar.

Die Auf­ga­be und der Nut­zen vor Ort – und ich lie­ße mich hier nur zu gern kor­ri­gie­ren – besteht viel­mehr in der Bereit­wil­lig­keit, „Pecu­nia Teu­to­ni­cus“ eine Auf­ga­be zu geben, nach der es sich gera­de­zu ver­zehrt: Ret­tung, kos­te es, was es wol­le. Die Schu­le vor Ort beschäf­tigt beim Bau ein paar Hand­wer­ker, was natür­lich auch nicht schlecht ist, doch die Lehr­plä­ne kom­men über kurz oder lang von den Tali­ban, die statt selbst Stra­ßen, Kli­ni­ken und Schu­len bau­en zu müs­sen, Geld und Zeit für die wich­ti­gen Din­ge im Leben haben.

Bräuch­te man die Selbst­be­stä­ti­gung nicht, könn­ten die Afgha­nen auf Kos­ten ihrer deut­schen Ret­ter auch Sand von einem Hau­fen auf den ande­ren schau­feln las­sen. „Schu­len und Kran­ken­häu­ser“ klingt aber ein­fach bes­ser, auch wenn sich die Gesamt­si­tua­ti­on nicht ändert, son­dern statt­des­sen Eigen­in­itia­ti­ve und vor allem Eigen­ver­ant­wor­tung gehemmt wird. Woll­te man die Lage der afgha­ni­schen Frau­en nach­hal­tig und schnell ver­bes­sern – zumin­dest gemäß jen­der Wer­te, die wir gern als unver­han­del­bar dar­stel­len, was sie in Wirk­lich­keit lei­der nicht sind – dann müss­te man sie sämt­lich wie einst die Sabi­ne­rin­nen nach „Rom“ ent­füh­ren. Wobei das abschlie­ßen­de ver­söhn­li­che Sauf­ge­la­ge der „Sabi­ner” mit den Römern wegen „unüber­brück­ba­rer kul­tu­rel­ler Dif­fe­ren­zen“ wohl ent­fal­len müsste.

Die Tali­ban sind in einer Hin­sicht tat­säch­lich anders als von 20 Jah­ren. Sie haben ihr Ange­bot diver­si­fi­ziert. Man kann heu­te Unter­schlupf für Ter­ro­ris­ten bie­ten, Mohn anbau­en, „Ehe­bre­che­rin­nen“ stei­ni­gen, Homo­se­xu­el­le auf­hän­gen und einen wei­ten Strand anbie­ten, an dem teu­to­ni­sche Welt­ret­ter hohe Sand­bur­gen bau­en kön­nen – und dass wel­che gebaut wer­den, ist so sicher, wie Hei­ko Maas wegen Ausch­witz in die Poli­tik gegan­gen ist.

Die For­de­rung der Tali­ban nach „diplo­ma­ti­scher Aner­ken­nung und Finanz­hil­fen“ ist da nur fol­ge­rich­tig, hat man doch in Kabul begrif­fen, dass in Deutsch­land alles sei­ne Ord­nung haben muss. Daher: Aner­ken­nung, man will ja nichts Ille­ga­les von den Deut­schen for­dern. Und dass der selbst­lo­se Teu­to­ne es im Unter­schied zu den auf Boden­schät­ze schie­len­den Chi­ne­sen auf ganz ande­re, nach­wach­sen­de Roh­stof­fe abge­se­hen haben, näm­lich auf das von den Tali­ban selbst geschaf­fe­ne und reli­gi­ös gepfleg­te Elend in der Bevöl­ke­rung, macht ihn zum Idea­len Han­dels­part­ner. Kei­ne von „Kin­der­hil­fe Afgha­ni­stan“ gebau­te Schu­le und kei­ne aus Ber­lin über­wie­se­ne Mil­li­ar­de wer­den in den Gren­zen des­sen, was sich Afgha­ni­stan nennt, etwas ändern, weil sie das Sys­tem stüt­zen, wel­ches sie ändern zu wol­len vor­ge­ben. Wir haben es hier mit einer per­ver­sen Kreis­lauf­wirt­schaft der Form „Elend – Geld – mehr Elend – mehr Geld“ zu tun, wie teu­to­ni­sche Welt­ret­ter sie seit Jahr­zehn­ten auch in Afri­ka betrei­ben.

…fließt schon ein anderer

Doch muss man nicht nach Zen­tral­asi­en rei­sen, um zu sehen, wie man erfolg­reich deut­sche Moral beackert. Weit dicke­re Kar­tof­feln als in der kar­gen Erde Afgha­ni­stans wach­sen gera­de in bran­den­bur­gi­schem Sand, wo Tes­las neue Giga­fac­to­ry ein neu­es Bat­te­rie­zel­len­werk dort bau­en wird, wo ursprüng­lich nur eine Lager­hal­le ste­hen soll­te. Die Bun­des­re­gie­rung lässt sich das 1,135 Mrd. Euro mei­nes und vor allem Ihres Gel­des kos­ten, lie­be Leser. Mer­ken Sie sich das, wenn sie dem­nächst Ihren Job bei einem VW-Zulie­fe­rer ver­lie­ren. Das Zau­ber­wort „Bat­te­rie“ ist der Schlüs­sel zum Tre­sor des gro­ßen Olaf und wo genau die tau­sen­den Arbeits­kräf­te für die Werk­bank Deutsch­land her­kom­men sol­len, will man da nicht so genau wis­sen. Ich ken­ne flei­ßi­ge pol­ni­sche Hand­wer­ker, die jeden Tag hun­der­te Kilo­me­ter nach Han­no­ver pen­deln. Ins Bran­den­bur­gi­sche fah­ren die ohne zu mur­ren schon zum Bröt­chen holen! Elon Musk, den ich für sein Unter­neh­men SpaceX und sei­nen Schneid ehr­lich bewun­de­re und des­sen Fir­ma Tes­la vor allem vom Ver­kauf von CO2-Emmis­si­ons­rech­ten lebt, ist da recht­lich nichts vor­zu­wer­fen. Er nimmt, was er krie­gen kann und sei­ne Aktio­nä­re wären zurecht sau­er, wenn er nicht jeden Euro ein­sa­cken wür­de, den man ihm nur zu gern geben will. Aber was ver­spre­chen sich Bran­den­burg und Deutsch­land von die­ser Fabrik, dass man sie mit mehr als einer Mil­li­ar­de Euro her­bei­för­dert? Da fun­kelt und glit­zert ein wei­te­rer Welt­ret­tungs­or­den, den man sich für eine klei­ne Sum­me frem­den Gel­des nur zu gern ans Revers hef­ten möchte.

In ande­rem Maß­stab aber in unmit­tel­ba­rer Nähe voll­zieht sich im mär­ki­schen Sand also das, was wir auch in Afgha­ni­stan erleb­ten und wei­ter erle­ben wer­den. Dort eine neue Schu­le, hier Schul­ver­fall. In Bran­den­burg ein neu­es Bat­te­rie­werk für Tes­la, wäh­rend in den tra­di­tio­nel­len Auto­schmie­den und deren Zulie­fer­indus­trie durch poli­ti­sche Stran­gu­la­ti­on und Dro­hun­gen nach und nach die Lich­ter aus­ge­hen. Ent­wick­lungs­hil­fe und Elek­tro­mo­bi­li­tät, bei­des sind Pro­jek­te, die dabei hel­fen, uns nicht mit uns selbst und unse­ren Pro­ble­men, son­dern mit der Ret­tung der Welt zu beschäf­ti­gen. Zum Glück haben wir ande­re Groß­pro­jek­te, bei denen wir den Blick aufs Wesent­li­che, näm­lich auf unser Land und sei­ne am Ran­de der Ver­zweif­lung ste­hen­den Ein­woh­ner nicht ver­lo­ren haben. Die Euro­päi­sche Uni­on, der Euro, die Energiewende…ach, Scha­de! Mei­ne Nar­ren­kap­pe klin­gel­te wohl gera­de etwas zu laut. Hof­fen wir also gemein­sam, dass wenigs­tens der Gen­der-Umbau unse­rer Spra­che schnell zum erfolg­rei­chen Abschluss kommt, auf dass wir kei­ne Wor­te mehr haben, um das Elend zu beschrei­ben, in das wir uns hin­ein­ge­welt­ret­tet haben.

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12 Kommentare

  1. Also ich gewin­ne dem Trup­pen­ab­zug ab, dass die NGOs das oben beschrie­be­ne Finan­zie­rungs­di­lem­ma haben. Jetzt muss noch ein Wun­der pas­sie­ren, damit auch der Demo­kra­tie-Leben-Topf dicht gemacht wird. 

    Also der Herr Erös reprä­sen­tiert so ziem­lich alles, was mich an die­sem Land stört. Ich bin dem Link gefolgt und so eine Arro­ganz und Aggres­si­on muss man auch erst mal haben. Und weil er so reprä­sen­ta­tiv ist, reagier ich emo­tio­nal auch wie­der wie gewohnt: mit mehr Aggres­si­on und noch mehr Arro­ganz! Ich glaub, dass seit 2015 vie­le sich – wie ich – dabei ertap­pen, zynisch und her­ab­las­send zu wer­den. Soll ich so tun, als wäre ich von sei­nem Pasch­tu­nisch beein­druckt? Da spielt sich jemand auf, weil er mit flat­tern­den Armen „hier, hier!” rufen und dabei kom­mu­ni­ka­ti­ons­för­dernd mit Dol­lar­no­ten wer­fen kann.

    Und dann hat er an den Tali­ban nichts aus­zu­set­zen. Das kauf ich ihm auch ab. Es ist nicht so, dass er zu blöd wäre. Nein, auch hier ist er abso­lut reprä­sen­ta­tiv: Was er sieht, ist ihm wurscht! Er lässt sich mit Getue fei­ern und macht sich den Säckl voll. Damit ist auch wie­der alles gut in Afgha­ni­stan. Für ihn. Wobei er trotz sei­ner Reprä­sen­ta­ti­vi­tät hier momen­tan schlecht zeit­lich syn­chro­ni­siert. Im Moment gilt in der lin­ken Scho­las­tik noch die Logik, dass nichts in Afgha­ni­stan gut ist und des­halb auch die Tali­ban in Afgha­ni­stan nicht gut sind. Da muss der wegen Ausch­witz in die Poli­tik gegan­ge­ne und der Bun­des­grüß­au­gust noch ange­sichts irgend­wel­cher Bil­der von wei­nen­den Mäd­chen etwas von „real­po­li­ti­scher Ver­ant­wor­tung” und „huma­ni­tä­rem Rea­lis­mus” mur­meln und der neue Iran steht. Die EU kann das nächs­te Atom­ab­kom­men schon mal skiz­zie­ren, damit die Kern­re­ak­to­ren haben, wäh­rend wir hier Last­fahr­rad fahren.

    Neben­bei, wenn die Afgha­nen die Ara­ber has­sen, wie Herr Erös behaup­tet, dann hab ich noch eine Fra­ge an die Links­scho­las­ti­ker: Dür­fen die das?

    *Pecu­nia Teu­to­ni­ca, nicht Pecu­nia Teutonicus

    • Ich will noch was ergän­zen, was ich sehr vor­sich­tig for­mu­lie­ren muss, damit Herr Stein­hö­fel kei­ne zusätz­li­che Arbeit bekommt und ich mich nicht der Dif­fa­mie­rung schul­dig mache.

      Ist es nicht suspekt, dass Rein­hard Erös und sei­ne Fami­lie in Tali­b­an­ge­bie­ten etwas tun, für das unzäh­li­ge Afgha­nin­nen Säu­re ins Gesicht geschüt­tet bekamen?

      Auf sei­nem Inter­net­auf­tritt sind kei­ne Bil­der von sei­nen Pro­jek­ten. Die Sei­te zu sei­nen Pro­jek­ten zeigt ledig­lich ein Bild von bär­ti­gen Män­nern, die ein rotes Band durchschneiden.
      https://www.kinderhilfe-afghanistan.de/projekte/

      Es gibt auch kei­ne Kar­te, die die Pro­jek­te irgend­wie loka­li­sie­ren. Zu den Pro­jek­ten, die er auf­zählt, gibt es über­ra­schend viel Solar­ener­gie­pro­jek­te. Aber für was lie­fern die den Strom? Das ein­zi­ge kon­kret loka­li­sier­ba­re Pro­jekt ist eine Früh­chen­sta­ti­on im Kran­ken­haus Samu­dayik Swast­hya Ken­dra in der Stadt Jalal­abad. Die will er nicht nur ein­ge­rich­tet haben, son­dern auch „betrei­ben”.

      Damit hab ich aus juris­ti­schen Grün­den nichts gesagt. Die Way­back-Machi­ne bedeu­tet mir, dass ande­re in den letz­ten Wochen auch schon auf die Idee kamen, die Sei­te zu archi­vie­ren (11. August und 22. August).

  2. Wehe dem, der deut­schen Hel­fer­lein ihr Wol­ken­ku­ckucks­heim mit Rea­lis­mus unge­müt­lich macht!
    Dass ihm/ihr im Par­la­ment „Men­schen­feind­lich­keit” vor­ge­wor­fen wird ist das Mindeste!
    Mir tun mei­ne Kin­der und alle ande­ren leid, die nicht wie Lem­min­ge dem größenwahnsinnig-„woken” Zeit(un)geist hin­ter­her­lau­fen der von der Uto­pie zur Dys­to­pie führt.
    Man kann gar nicht oft genug in Erin­ne­rung rufen, was Egon Flaig 2017 als Kom­men­tar in der NZZ unter dem Titel: <>, schrieb, wo er auch aus Alain Fin­kiel­krauts «Die Undank­bar­keit» 1999 zitierte:
    „.. Wenn die west­li­che Memo­ri­al­kul­tur über­wie­gend Ver­bre­chen erin­nert, dann wird der Bezug auf die kol­lek­ti­ve Ver­gan­gen­heit nega­tiv; und dann ent­schwin­det die Dank­bar­keit gegen­über jeg­li­cher vor­an­ge­gan­ge­nen Genera­ti­on und ver­kehrt sich in Ablehnung.
    Geschieht das, so kommt der Gegen­wart die Ori­en­tie­rung abhan­den, und sie fin­det nur noch Halt in einem Hyper­mo­ra­lis­mus, der sel­ber kei­ne Mass­stä­be mehr hat…”

  3. Was soll man die­sem her­vor­ra­gen­den Bei­trag noch hin­zu­fü­gen? Außer viel­leicht, daß einem natür­lich gleich wie­der der Satz ein­fällt: Am deut­schen Wesen.…
    Mit dem Unter­schied, in der Ver­gan­gen­heit haben die Deut­schen ver­sucht ande­re Län­der in den Unter­gang zu trei­ben, dies­mal ver­su­chen sie es mit dem eigenen.
    Etwas Abwechs­lung muss sein.
    Man kann nur hof­fen, daß sie mit die­sem Ansin­nen eben­so kata­stro­phal schei­tern wie in der Vergangenheit.

  4. Sehr geehr­ter Herr Letsch,

    ich tei­le Ihre Bei­trä­ge unein­ge­schränkt und bewun­de­re Ihr Durchhaltevermögen!
    Die Rea­li­tät die Sie ver­mit­teln gebe ich an vie­le Bekann­te wei­ter und wer­de fast aus­nahms­los sofort auf den Boden der Tat­sa­chen zurückgeholt!
    Die meis­ten der Ant­wor­ten lau­tet, das glaubst du doch selbst nicht!
    Irgend­wie kann ich eine gewis­se Resi­gna­ti­on nicht ver­ber­gen, Ten­denz steigend!
    Ich wer­de 69 Jah­re alt und bin dabei dass Hand­tuch zu werfen!

    Es grüßt Sie ganz herz­lich Bantel

    • Die Resi­gne­rung wird erst am Wahl­abend rich­tig wer­den! Deutsch­land ist nur noch von Migran­ten rett­bar. Die las­sen so was nicht mit sich machen!
      Ein Dege­ne­rie­ren lässt sich nicht aufhalte .

  5. …und meta­pho­risch wer­den den bär­ti­gen Kalasch­ni­kow­trä­gern von den MS-Medi­en Kin­der­au­gen und Kat­zen­ge­sich­ter ange­hef­tet und in typi­scher Manier den „Deut­schen” Schuld sug­ge­riert. Ein afga­ni­scher Früh­ling? Wohl eher ein afga­ni­sches Som­mer­mär­chen …es darf geschun­kelt wer­den auf dem Nar­ren­schiff MS-Deutschland

  6. Schön illu­si­ons­los und ange­mes­sen sar­kas­tisch: Der End­sieg ist unauf­halt­sam und womög­lich näher, als sich unse­re Lands­leu­te mit der heim­li­chen Natio­nal­hym­ne „Wunder(waffen) gibt es immer wie­der” heu­te vor­stel­len können.

  7. Tja, was soll man sagen. Schon wie­der ein bestechend ana­ly­ti­scher und kla­rer Text, dem nichts hin­zu­zu­fü­gen ist. Aber gra­de des­halb schon fast nicht mehr zu ertragen.
    Wer wird ihn lesen? Und sich in sei­nem Gedan­ken­ge­bäu­de davon inspi­rie­ren lassen?

    • Gedan­ken­ge­bäu­de? Ich habe da wenig Hoffnung.Heute läßt man den­ken, und zwar von irgendwelchen
      Dumpf­ba­cken mit blau­en Haa­ren oder sons­ti­gen „Influ­en­cern”.

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