Als ich im März die­ses Jah­res über die Grü­nen schrieb, und sie als „Par­tei des schlech­ten Gewis­sens“ bezeich­ne­te, hat­te ich eigent­lich vor, eine gan­ze Arti­kel­rei­he über sämt­li­che rele­van­ten poli­ti­schen Par­tei­en fol­gen zu las­sen, die in den nächs­ten Bun­des­tag ein­zie­hen wol­len. Es erwies sich aber als fast unmög­lich, hin­rei­chend vie­le Unter­schie­de zu fin­den, die meh­re­re Arti­kel gerecht­fer­tigt hät­ten und ich woll­te nicht absicht­lich gegen mei­ne Regel Num­mer 1 – „lang­wei­le die Leu­te nicht“ – ver­sto­ßen. Des­halb habe ich letzt­lich alle Gedan­ken zu die­sem einen Arti­kel zusam­men­ge­fasst und vie­les weg­ge­las­sen. Zudem lässt sich das, was ich selbst mir von die­ser Bun­des­tags­wahl erhof­fe, auf die­se Wei­se am bes­ten darstellen.

Vie­le Wäh­ler glau­ben heu­te schon recht genau zu wis­sen, was nach den Bun­des­tags­wah­len im Sep­tem­ber – deren Aus­gang sowie­so schon aus­ge­macht und sicher sei – pas­sie­ren wer­de, und das frus­triert sie. Die Wet­ten ste­hen der­zeit gut für Schwarz/Gelb und falls das nicht klap­pen soll­te, ste­hen die Sozi­al­de­mo­kra­ten selbst­re­dend für eine wei­te­re gro­ße Koali­ti­on bereit, die sie sich natür­lich teu­er abkau­fen las­sen wer­den – viel­leicht wird Gabri­el for­dern, neben dem Amt des Vize­kanz­lers und Außen­mi­nis­ters auch das Minis­te­ri­um für Nach­spei­sen über­neh­men zu dür­fen. Sonst wür­de sich wenig ändern. Aber egal ob die Kugel auf gelb oder rot fie­le, es blie­be doch die Kugel von Mer­kel. Wei­te­re vier ver­lo­re­ne Jah­re also. Ich sage Mer­kel, nicht CDU, weil das nicht das­sel­be ist. Die CDU ver­liert auf jeden Fall. Das Land lei­der auch.

Es gibt eini­ge Unwäg­bar­kei­ten in den Umfra­gen, die mir die aktu­el­len Zah­len als nicht sehr sicher erschei­nen las­sen. Da wären die über­ra­schend guten Umfra­ge­wer­te der Grü­nen zu nen­nen, die ich nach all den inhalt­li­chen Null­run­den und per­so­nel­len Null­num­mern eigent­lich unter der magi­schen Fünf sehe. Die FDP wird es wohl schaf­fen, auch wenn Hal­tung und Auf­tre­ten des Spit­zen­per­so­nals die­ser Par­tei mich als libe­ral gesinn­ten Men­schen ziem­lich ent­täu­schen und Chris­ti­an Lind­ners Atti­tü­de eher als Dreh­buch für einen wei­te­ren Film der Rei­he „Ich, ein­fach unver­bes­ser­lich“ taugt (nur der Titel, nicht der Esprit), als für das Par­la­ment. Der Wäh­ler scheint aber ver­ges­sen zu haben, aus wel­chen Grün­den er es 2013 für kei­ne gute Idee gehal­ten hat­te, die FDP wie­der mit den ande­ren Par­tei­en im Bun­des­tag spie­len zu las­sen. Die Umfra­ge­wer­te sind über­ra­schend sta­bil, obwohl (oder gera­de weil?) Lind­ner im NRW-Sie­ges­rausch laut her­aus­brüll­te „Wir wer­den uns nicht ändern, wir machen genau­so wei­ter wie bis­her!“ Na, wenigs­tens ein klei­nes biss­chen libe­ra­ler hät­ten die Libe­ra­len schon wer­den kön­nen, fin­de ich.

Gespannt bin ich auf die Hand­voll AfD-Abge­ord­ne­ten, die sehr wahr­schein­lich dem nächs­ten Bun­des­tag ange­hö­ren wer­den. Ich bin nicht unbe­dingt ein gro­ßer Fan die­ser Par­tei – auch wenn mir das gele­gent­lich nach­ge­sagt oder vor­ge­wor­fen wird. Mei­ne Arti­kel befas­sen sich aber eher mit der unde­mo­kra­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung der AfD-Geg­ner mit die­ser Par­tei. Der Ton ist näm­lich durch­weg nur schrill, unsach­lich und unwür­dig, was die Kri­ti­ker weit mehr her­ab­setzt, als die Kri­ti­sier­ten – die Umfra­ge­wer­te bele­gen das. Die­se Erkennt­nis in die bis zu den Ohren mit ideo­lo­gi­scher Holz­wol­le gefüll­ten Köp­fe der Poli­ti­ker in den soge­nann­ten „Alt­par­tei­en“ hin­ein­zu­brin­gen, erweist sich aber als extrem schwie­rig. Inter­es­sant wird die Sache des­halb, weil im Gegen­satz zu den recht pro­vin­zi­el­len Lan­des­par­la­men­ten, in deren 13 die AfD ja bereits sitzt, über den Bun­des­tag sehr viel mehr Licht der Öffent­lich­keit aus­ge­brei­tet ist. Par­la­men­ta­ri­sche Mit­tel­chen der Äch­tung, des Sit­zungs­aus­schlus­ses oder der Rüge somit viel trans­pa­ren­ter sein wer­den, als anders­wo. Es wird span­nend sein, zu beob­ach­ten, ob Hän­de geschüt­telt oder brüsk abge­wehrt wer­den wie die von Lepra­kran­ken. Ob die glei­chen Regeln – auch die der Tole­ranz und Kol­le­gia­li­tät gegen­über dem poli­ti­schen Geg­ner, auch für die­se Abge­ord­ne­ten gel­ten wer­den? Außer­dem könn­te ein wenig mehr Leben in die Bude kom­men, wie es frü­her häu­fi­ger durch poli­tisch unab­hän­gi­ge, par­tei­lo­se Par­la­men­ta­ri­er der Fall war, die dem heu­ti­gen von Kader­par­tei­en gepräg­tem Poli­tik­be­trieb kom­plett feh­len. Abge­ord­ne­te, die ganz allein und als Direkt­kan­di­dat ihres Wahl­krei­ses und ohne Par­tei­hil­fe ins Par­la­ment ein­zie­hen, braucht man der­zeit nicht mal mit der Lupe suchen. Eri­ka Stein­bach als „Aus­ge­tre­te­ne“ zählt hier nicht, auch wenn der unwür­di­ge Umgang ihrer ehe­ma­li­gen Kol­le­gen mit ihr lei­der genau das belegt, was ich gera­de über Tole­ranz und Kol­le­gia­li­tät sagte.

Und die SPD? Kann Schulz es viel­leicht doch noch schaf­fen? Dazu müss­te Mer­kel schon die Gren­ze öff­nen und eine Mil­li­on Migran­ten, unter die ich ein paar Flücht­lin­ge mischen, ins Land las­sen. Ach, ich ver­gaß: hat sie ja schon getan, ohne dass die SPD davon hät­te pro­fi­tie­ren kön­nen – sie betei­lig­te sich viel­mehr selbst kräf­tig an dem Rechts­bruch. Ich kann auch ehr­lich kei­nen mei­ner Dau­men erüb­ri­gen, um den Sozi­al­de­mo­kra­ten durch kräf­ti­ges Drü­cken ein Quänt­chen Glück zu wün­schen, weil gut die Hälf­te des Regie­rungs­per­so­nals, das mei­ner Mei­nung nach in den letz­ten vier Jah­ren unser Land in die Sei­fe gerit­ten hat, SPD-Inven­tar ist. Maas, Gabri­el, Schwe­sig, Bar­ley, Özo­guz, Hend­ricks, Stegner…jeder die­ser Namen ist untrenn­bar mit Geset­zen, Initia­ti­ven und „Bewe­gun­gen“ ver­bun­den, die mit Demo­kra­tie nicht das Gerings­te zu tun haben und statt­des­sen an der Abschaf­fung der­sel­ben zuguns­ten einer staat­li­chen Bevor­mun­dungs­de­mo­kra­tur mit plan­wirt­schaft­li­chem Ant­litz arbei­ten. Maas steht für Zen­sur, Steg­ner für die rhe­to­ri­sche Gos­se, Gabri­el für mie­se Lau­ne und groß­spu­ri­ges Auf­tre­ten, Özo­guz für eine schlei­chen­de, lächeln­de Isla­mi­sie­rung, Hend­ricks für Inkom­pe­tenz und das Duo Schwesig/Barley für die Ein­füh­rung eines wür­di­gen Nach­fol­gers des Minis­te­ri­ums für Agi­ta­ti­on & Propaganda.

Fürst Frank-Wal­ter I. ent­zieht sich als Staats­ober­haupt mei­ner Kri­tik nur des­halb, weil ich der Wür­de des Amtes ent­spre­chend ver­su­chen möch­te, höf­lich zu blei­ben. Sonst wür­de ich ihn für den Beweis der Wirk­sam­keit des „Peter-Prin­zips“ hal­ten, dem­zu­fol­ge man in einer Hier­ar­chie immer nur solan­ge auf­steigt, bis man die Stu­fe sei­ner abso­lu­ten Inkom­pe­tenz erreicht hat: Weit­ge­hend unsicht­bar im Amt – das ist auch schon das Bes­te, was man über ihn sagen könn­te. Er eckt kaum an und schmutzt fast nicht, wes­halb er für Ange­la Mer­kel ein weit beque­me­rer Grüß­au­gust ist, als es Gauck war – zumal er ja auch noch dazu nur sel­ten grüßt. Haupt­sa­che, die Flug­be­reit­schaft wärmt die Tur­bi­nen für einen Kurz­trip von knapp 100 km immer gut vor.

Bleibt noch die Lin­ke. Die Grä­ben, die mich inhalt­lich von die­ser Par­tei tren­nen, sind jedoch breit, tief und mit bren­nen­dem Pech gefüllt. Mehr ist dazu eigent­lich nicht zu sagen. Aller­dings gibt es auch in die­ser Par­tei den einen oder ande­ren Akteur, des­sen Arbeit mich posi­tiv über­rascht – aber sol­che gibt es im Grun­de in jeder Partei.

Und, was soll nun wer­den? Das fra­gen Sie sich doch gera­de, oder? Gibt er kei­ne Emp­feh­lung? Nein! Nicht ein­mal die, über­haupt zur Wahl zu gehen, denn auch das muss jeder selbst ent­schei­den. Las­sen Sie sich nicht ein­re­den, wäh­len sei die edels­te Bür­ger­pflicht und nur, wenn sie die­se wahr­näh­men, sei­en sie demo­kra­tisch qua­li­fi­ziert und mün­dig. Wenn Sie nicht wis­sen, wen und wes­halb Sie wäh­len wol­len – las­sen Sie es. Wenn die Kan­di­da­ten Ihres Wahl­krei­ses Ihnen samt und son­ders zuwi­der sind, dann gehen sie nicht zur Wahl! Es gibt ande­re Mög­lich­kei­ten: Wenn Sie nicht aktiv wäh­len wol­len und am 24. Sep­tem­ber 2017 Zeit haben, mel­den Sie sich doch als Wahl­hel­fer oder Wahl­be­ob­ach­ter! Nach eini­gen bedenk­li­chen Vor­fäl­len bei den Land­tags­wah­len der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit müs­sen wir uns näm­lich lei­der von der arro­gan­ten Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, Wahl­fäl­schun­gen wären nur etwas für Des­po­ten und Dik­ta­to­ren. Es gilt auch bei uns, lukra­ti­ve Pos­ten zu ver­tei­len und Ein­fluss zu gewin­nen! Ehr­lich­keit ist oft – und lei­der auch in Deutsch­land – nur Man­gel an Gele­gen­heit. Umge­kehrt gilt natür­lich das gleiche.

Changing the Script, not the Szene

Nach 68 Jah­ren, in denen es nur eine ein­zi­ge Art des Regie­rens in Deutsch­land gege­ben hat – näm­lich die einer wie auch immer gear­te­ten par­la­men­ta­ri­schen Mehr­heit – ist es höchs­te Zeit, mal etwas gänz­lich Ande­res aus­zu­pro­bie­ren. Mer­kel wird wahr­schein­lich so um die 38% erhal­ten und mit die­sem Ergeb­nis soll­te es die Uni­on zur Abwechs­lung mal allein ver­su­chen. In einer Min­der­heits­re­gie­rung! Ohne Koalitionspartner!

Wenn es so käme, wür­de end­lich wirk­lich jede Stim­me im Par­la­ment zäh­len, bei jeder Abstim­mung! Frak­ti­ons­zwang wür­de obso­let, weil Streit in der Sache und rin­gen um Zustim­mung auf­ge­wer­tet wür­den und in die­sem Kampf wäre eine wider­wil­li­ge Frak­ti­on der denk­bar schlech­tes­te Aus­gangs­punkt. Kein beque­mes Durch­win­ken von dubio­sen Geset­zes­ent­wür­fen mit siche­re­ren Mehr­hei­ten mehr, kein abge­spro­che­ner Anwe­sen­heits­pro­porz, der es selbst einem Ple­num von knapp 40 Abge­ord­ne­ten ermög­lich­te, das NetzDG auf den Weg zu brin­gen, nach­dem eine hal­be Stun­de zuvor bei der „Ehe für alle“ noch Voll­zäh­lig­keit herrsch­te! Ich will, dass die Regie­rung um jeden Euro, jedes Gesetz, jeden Rechen­schafts­be­richt im Par­la­ment kämpft, sich Mehr­hei­ten von Fall zu Fall ver­schaf­fen und über­zeu­gen muss. Ich will, dass statt fül­len­den Text­bau­stei­nen, Par­tei­tags­re­den und kleb­ri­gem Eigen­lob wie­der eine lei­den­schaft­li­che, sach­lich fun­dier­te, zivi­li­sier­te und enga­gier­te Rhe­to­rik im Ple­num herrscht und zitt­ri­ge Mehr­heits­ver­hält­nis­se eine Anwe­sen­heits­pflicht gera­de­zu erzwin­gen. Jeder Minis­ter und auch die Kanz­le­rin soll­te, wenn sie das Par­la­ment betre­ten, wachs­wei­che Knie haben, anstatt sich von einer zum Jubel­chor mutier­ten Leib­wa­che aus Frak­ti­ons­freun­den und Cla­queu­ren getra­gen und beschützt zu füh­len. Alter­na­tiv­lo­se Poli­tik wird es erst dann nicht mehr geben, wenn das Par­la­ment sei­ne Auf­ga­be, die Kon­trol­le der Regie­rung, auch mit Macht aus­üben kann. Die­se Macht besteht in dem klei­nen, schö­nen Wört­chen „Nein!“ und der kur­zen, knap­pen Fra­ge „War­um?“.

Was sagen Sie? Hand­lungs­fä­hig­keit? Das gehe so nicht und man­geln­de Mehr­hei­ten wür­den dazu füh­ren, dass vie­le Geset­ze es gar nicht durch das Par­la­ment schaf­fen? Gut so! Viel­leicht wür­den sie aber auch nur bes­ser vor­be­rei­tet und vie­le legis­la­ti­ven Homun­cu­li wür­den das Licht der Par­la­men­te erst gar nicht erbli­cken, um danach müh­sam in Karls­ru­he tot­ge­schla­gen zu wer­den. Viel­leicht hät­ten die Rich­ter am Ver­fas­sungs­ge­richt dann end­lich mal Zeit, sich mit wich­ti­ge­ren Din­gen zu befas­sen. Ich will und kann nicht genau quan­ti­fi­zie­ren, wie groß der Anteil kom­plett über­flüs­si­ger Rege­lun­gen, Novel­lie­run­gen und Geset­ze sein mag, die der Bun­des­tag nur des­halb beschließt, weil er die nöti­gen Mehr­hei­ten mühe­los zusam­men­bringt. Es sind aber mit Sicher­heit viel zu vie­le — das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ist das bes­te Bei­spiel dafür.

Aber wird es so kom­men, wie ich es mir erhof­fe? Bekom­men wir mal zur Abwechs­lung eine Min­der­heits­re­gie­rung? Wer­den SPD oder FDP den Ver­lo­ckun­gen wider­ste­hen kön­nen, sich mit Minis­ter­äm­tern, Staats­se­kre­tä­ren und ande­ren Pos­ten und Pöst­chen zu ver­sor­gen? Ich den­ke an Schulz, Gabri­el, Maas und Lind­ner und mei­ne Hoff­nung schwin­det, dass die­se sich mit ihrer Rol­le als „ein­fa­che Abge­ord­ne­te“ zufrie­den geben wür­den. Aber auch Frau Mer­kel wäre mit solch einer Situa­ti­on kom­plett über­for­dert, hie­ße dass doch, auf der Welt­büh­ne den Nim­bus der eiser­nen Kanz­le­rin von Ger­ma­ni­as Gna­de ein­zu­bü­ßen und die „rest­li­che freie Welt“ man­gels Haus­macht nicht mehr füh­ren zu dürfen.

Ich weiß natür­lich nicht, wie es am Ende kom­men wird, aber nun wis­sen Sie, war­um ich gera­de kei­nen Dau­men für eine bestimm­te Par­tei frei habe. Ich ver­su­che, auf’s Gan­ze zu schau­en und set­ze bei die­sem Rou­let­te dar­auf, dass die Kugel weder auf gelb, rot oder gar grün lan­det, son­dern aus der Bahn fliegt. Über den Tel­ler­rand schau­en, kann ja manch­mal hilf­reich sein. War­um nicht gleich ein­fach mal über ihn drü­ber springen?

Ange­sichts der Head­line darf der hier nicht fehlen:
Bob Dyl­an, The Times, They are a Changing.

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8 Kommentare

  1. Wenn wir schon beim Wünsch-Dir-Was sind, wie­so dann eine Min­der­heits­re­gie­rung? Wie­so nicht ech­te Gewal­ten­tei­lung? Sprich kein Regie­rungs­mit­glied ist gleich­zei­tig MdB. eine der­art gebil­de­te Regie­rung müß­te schon für ihr Zustan­de­kom­men eine Mehr­heit im Par­la­ment organisieren.

  2. Inter­es­san­tes Brain­stor­ming mit ein biss­chen Wunsch­den­ken (Min­der­heits­re­gie­rung) gewürzt.
    Mer­kel, die jede Aus­ein­an­der­set­zung mei­det, wird sich lie­ber für egal wel­che Koali­ti­on ver­ren­ken statt offen für Zie­le zu kämp­fen, die sie ‑außer dem eige­nen Macht­er­halt- sowie­so nicht hat. 

    Wider­spruch mel­de ich bei einem Punkt an:
    Bür­ger, die nicht zur Wahl gehen, hal­te ich für ver­ant­wor­tungs­los. Sol­che Men­schen sym­bo­li­sie­ren genau das Übel die­ser ver­kom­me­nen Gesell­schaft: einer Illu­si­on hin­ter­her zu lau­fen, wel­che die Erfül­lung der eige­nen Träu­me ver­spricht. Die­ses Wunsch­den­ken ‑das erle­ben wir nun täg­lich- wird von den ideo­lo­gi­schen Rat­ten­fän­gern die­ser Repu­blik skru­pel­los aus­ge­nutzt. Sie ver­kau­fen die­ser infan­ti­len Gesin­nung erfolg­reich die bun­te-Mul­ti­kul­ti­viel­falt-Ideo­lo­gie und die­se Sor­te Mensch glaubt ‑egal wie viel Blut auch tat­säch­lich fließt- wie­der mal an den End­sieg des neu­en Wahns, um nicht aus der Traum­welt auf­wa­chen zu müssen. 

    Wer nicht bereit ist, sich aktiv an der Gestal­tung einer poli­ti­schen Par­tei zu betei­li­gen, um sie in sei­nem Sin­ne zu for­men, der soll­te doch zumin­dest am Wahl­tag der Demo­kra­tie sei­nen Respekt erwei­sen und bei der Wahl sein Stimm­recht aus­üben. Demo­kra­tie lebt von poli­ti­scher Akti­vi­tät, nicht von fata­ler Pas­si­vi­tät einer sat­ten, har­mo­nie­süch­ti­gen und reli­täts­flüch­ten­den Bevölkerung.
    Und wer par­tout kei­ner der antre­ten­den Par­tei­en sei­ne Stim­me geben möch­te, der hat ja immer noch die Wahl­mög­lich­keit, sei­nen Wahl­schein ungül­tig abzugeben.

    Wer selbst zu die­ser klei­nen Ges­te nicht bereit ist, der ist ‑ich wie­der­ho­le mich ger­ne- ver­ant­wor­tungs­los und hat sein Wahl­recht verwirkt.

  3. Mer­kels Über­for­de­rung sehe ich eher als Über­for­de­rung der Deut­schen, eine sta­bi­le Demo­kra­tie zu bil­den, man hat ja erst seit 1990 wirk­lich freie Hand und seit Mer­kel über­nom­men hat, geht es steil Berg­ab bei demo­kra­ti­schen Kenn­zah­len. Mer­kel selbst macht ihre Arbeit her­vor­ra­gend. Um zu behaup­ten, jemand sei Über­for­dert, muss man sei­ne Ziel­set­zung ken­nen. Mer­kel kann nur vor ihrer eige­nen Ziel­set­zung bewer­tet wer­den, m.e. ist das Macht­er­halt durch klu­ge Per­so­nal­po­li­tik. Da ist sie so gut, das ihr nie­mand das Was­ser rei­chen kann. Alles ande­re ist Tages­ge­schäft, was Popu­lär erscheint, wird beschlos­sen und wel­chen Poli­ti­ker küm­mert es denn ernst­haft, wo Deutsch­land in 10 oder 20 Jah­ren steht? Na gut, es gibt ein paar, die glau­ben ihre eige­nen Lügen, aber die sind eher bei Lin­ken, Grü­nen und dem lin­ken Flü­gel der SPD zu fin­den und äußerst berechenbar. 

    Dar­über hin­aus ist Deutsch­land ein Aus­lauf­mo­dell, es bie­tet sich aktu­ell für alle Auto­kra­tien als Lehr­stück für die Feh­ler­haf­tig­keit demo­kra­ti­scher Sys­te­me an, beson­ders für Chi­na und Russ­land. Das sie nun mit den USA bricht, wei­ter von der Lösung der Pro­ble­me Nord­afri­kas schwa­bu­liert, von Ver­ant­wor­tung für das Kli­ma in 100 Jah­ren spricht wäh­rend die Gren­zen offen sind, in der Ukrai­ne Krieg geführt und in der Tükei die Isla­mi­sie­rung auf Hoch­tou­ren läuft, wird gera­de­zu zwangs­läu­fig die Spal­tung Euro­pas ver­tie­fen. Einer­seits, weil sie kei­ne Berüh­rungs­ängs­te mit Auto­kra­ten hat, vor denen sich ande­re fürch­ten„ ande­rer­seits, weil Deutsch­land kein zuver­läs­si­ger Part­ner mehr ist. Die Ost­eu­ro­pä­er wer­den nun ihre Zusam­men­ar­beit wei­ter aus­bau­en, mit den USA und Unter­ein­an­der, wäh­rend der Süden unter Füh­rung Frank­reichs Deutsch­land bald die nächs­ten Schecks abquat­schen wird. 

    So lan­ge die Kos­ten wei­te­rer Fehl­ent­schei­dun­gen durch die Noten­bank abge­fan­gen wird, so lan­ge Deutsch­land noch Kre­dit­wür­dig ist, wird Mer­kel sich hal­ten kön­nen. Betrach­tet man die Ren­ten­lü­cke ab 2030, die Geld­men­gen­aus­wei­tung, die Target2 Sal­den, dürf­te sie sich wohl bis zum nächs­ten nega­ti­ven Welt­kon­junk­tur­zy­klus hal­ten. Was dann an For­de­run­gen aus der EU auf Deutsch­land zu kommt, wird nicht mehr zu bewäl­ti­gen sein. Ein geeig­ne­ter Zeit­punkt ab zu tre­ten. Von daher mei­ne Pro­gno­se: Bis zum nächs­ten nega­ti­ven Welt­kon­junk­tur­zy­klus wird Mer­kel in ver­schie­de­nen Koali­tio­nen regie­ren und wei­ter alle The­men neu­tra­li­sie­ren, wel­che die Oppo­si­ti­on auf­bringt. Danach die Sinn­flut, dann wird man Anhand der Scha­dens­be­wer­tung erken­nen, wer hier wirk­lich über­for­dert war, das sind immer jene, die den Scha­den haben. Mer­kel ganz sicher nicht, ich wür­de ihr nie­mals unter­stel­len, Deutsch­lands Zukunft sei ihr über die Siche­rung ihres Macht­er­hal­tes hin­aus von irgend einer Bedeu­tung, noch nicht mal die Demo­kra­tie ist ihr von Bedeu­tung, sonst wür­de sie die­se schüt­zen. Sie hat der­zeit ihren Spaß, Fei­ert die Dumm­heit derer, die sich als intel­lek­tu­el­le Eli­te Deutsch­lands ver­ste­hen und wird die Par­ty ver­las­sen, sobald es ihr kei­ne Befrie­di­gung mehr berei­tet, weil die Pro­ble­me außer Kon­trol­le gera­ten. Ganz sicher gehört sie nicht zu der Sor­te Kapi­tän, die mit ihrem Schiff unter zu gehen gedenkt, die sind ganz all­ge­mein sel­ten gewor­den im Westen.

  4. Eine Min­der­heits­re­gie­rung hät­te ich mir bereits nach der letz­ten Bun­des­tags­wahl gewünscht.
    Aber natür­lich wird es sie (wie­der) nicht geben. All Ihre Argu­men­te, die Sie hier Pro Min­der­heits­re­gie­rung ins Feld füh­ren, spre­chen aus Mer­kels Sicht dage­gen. Und Lind­ners auf­fäl­li­ge Zahm­heit kommt lei­der auch nicht von unge­fähr. Der Mann will doch nicht in die Opposition!
    Das eigent­li­che Pro­blem hin­ge­gen haben Sie benannt: Der von Kader­par­tei­en domi­nier­te Politikbetrieb.

  5. Die CDU als Min­der­heits­re­gie­rung, und Frau Mer­kel kämpft rhe­to­risch bril­li­ant, cha­ris­ma­tisch, sprach­ge­wal­tig und über­zeu­gend um jede ein­zel­ne Stim­me im Par­la­ment! Was für eine groß­ar­ti­ge Vor­stel­lung! Das wäre dann wohl „Der Kai­se­rin neue Klei­der“ mal ganz aktuell!

  6. Lei­der nur from­me Wün­sche. Es ist klar was kommt: Migran­ten. Das ist das ein­zi­ge Pro­jekt, das Mer­kel stur durch­zie­hen kann. Der euro­päi­sche Zen­tral­staat schei­tert an den ande­ren Län­dern und dann noch der Schul­den­berg, der wächst.

      • Nein, wäre es lei­der nicht. Wir sind ein viel auto­ri­tä­re­res und Obrig­keits­hö­ri­ge­res Volk als die US-Ame­ri­ka­ner und die haben sich schon sehr lan­ge sehr viel Migra­ti­on gefal­len las­sen mit ver­hee­ren­den Fol­gen. Letz­te­re sind in Deutsch­land unbe­kannt, weil unse­re Medi­en nicht nur „links“ sind, son­dern haar­ge­nau die Geschmacks­rich­tung „gera­de das, was die US-Demo­kra­ten so wol­len“ haben. Die US-Innen­städ­te ver­sin­ken in Dro­gen und Ban­den­kämp­fen, mafiö­se Rocker­ban­den und Men­schen­schmugg­ler machen sich an der schlecht gesi­cher­ten Gren­ze zu Mexi­co breit. Die „Waf­fen­ge­walt“ ist auch kein Pro­blem, das von den bösen repu­bli­ka­ni­schen „Waf­fen­nar­ren“ aus­geht etc. pp.

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