Als ich im März dieses Jahres über die Grü­nen schrieb, und sie als “Partei des schlecht­en Gewis­sens” beze­ich­nete, hat­te ich eigentlich vor, eine ganze Artikel­rei­he über sämtliche rel­e­van­ten poli­tis­chen Parteien fol­gen zu lassen, die in den näch­sten Bun­destag einziehen wollen. Es erwies sich aber als fast unmöglich, hin­re­ichend viele Unter­schiede zu find­en, die mehrere Artikel gerecht­fer­tigt hät­ten und ich wollte nicht absichtlich gegen meine Regel Num­mer 1 – “lang­weile die Leute nicht” – ver­stoßen. Deshalb habe ich let­ztlich alle Gedanken zu diesem einen Artikel zusam­menge­fasst und vieles wegge­lassen. Zudem lässt sich das, was ich selb­st mir von dieser Bun­destagswahl erhoffe, auf diese Weise am besten darstellen.

Viele Wäh­ler glauben heute schon recht genau zu wis­sen, was nach den Bun­destagswahlen im Sep­tem­ber – deren Aus­gang sowieso schon aus­gemacht und sich­er sei – passieren werde, und das frus­tri­ert sie. Die Wet­ten ste­hen derzeit gut für Schwarz/Gelb und falls das nicht klap­pen sollte, ste­hen die Sozialdemokrat­en selb­stre­dend für eine weit­ere große Koali­tion bere­it, die sie sich natür­lich teuer abkaufen lassen wer­den – vielle­icht wird Gabriel fordern, neben dem Amt des Vizekan­zlers und Außen­min­is­ters auch das Min­is­teri­um für Nach­speisen übernehmen zu dür­fen. Son­st würde sich wenig ändern. Aber egal ob die Kugel auf gelb oder rot fiele, es bliebe doch die Kugel von Merkel. Weit­ere vier ver­lorene Jahre also. Ich sage Merkel, nicht CDU, weil das nicht das­selbe ist. Die CDU ver­liert auf jeden Fall. Das Land lei­der auch.

Es gibt einige Unwäg­barkeit­en in den Umfra­gen, die mir die aktuellen Zahlen als nicht sehr sich­er erscheinen lassen. Da wären die über­raschend guten Umfragew­erte der Grü­nen zu nen­nen, die ich nach all den inhaltlichen Null­run­den und per­son­ellen Null­num­mern eigentlich unter der magis­chen Fünf sehe. Die FDP wird es wohl schaf­fen, auch wenn Hal­tung und Auftreten des Spitzen­per­son­als dieser Partei mich als lib­er­al gesin­nten Men­schen ziem­lich ent­täuschen und Chris­t­ian Lind­ners Attitüde eher als Drehbuch für einen weit­eren Film der Rei­he „Ich, ein­fach unverbesser­lich“ taugt (nur der Titel, nicht der Esprit), als für das Par­la­ment. Der Wäh­ler scheint aber vergessen zu haben, aus welchen Grün­den er es 2013 für keine gute Idee gehal­ten hat­te, die FDP wieder mit den anderen Parteien im Bun­destag spie­len zu lassen. Die Umfragew­erte sind über­raschend sta­bil, obwohl (oder ger­ade weil?) Lind­ner im NRW-Sieges­rausch laut her­aus­brüllte „Wir wer­den uns nicht ändern, wir machen genau­so weit­er wie bish­er!“ Na, wenig­stens ein kleines biss­chen lib­eraler hät­ten die Lib­eralen schon wer­den kön­nen, finde ich.

Ges­pan­nt bin ich auf die Hand­voll AfD-Abge­ord­neten, die sehr wahrschein­lich dem näch­sten Bun­destag ange­hören wer­den. Ich bin nicht unbe­d­ingt ein großer Fan dieser Partei – auch wenn mir das gele­gentlich nachge­sagt oder vorge­wor­fen wird. Meine Artikel befassen sich aber eher mit der undemokratis­chen Auseinan­der­set­zung der AfD-Geg­n­er mit dieser Partei. Der Ton ist näm­lich durch­weg nur schrill, unsach­lich und unwürdig, was die Kri­tik­er weit mehr her­ab­set­zt, als die Kri­tisierten – die Umfragew­erte bele­gen das. Diese Erken­nt­nis in die bis zu den Ohren mit ide­ol­o­gis­ch­er Holz­wolle gefüll­ten Köpfe der Poli­tik­er in den soge­nan­nten “Alt­parteien” hineinzubrin­gen, erweist sich aber als extrem schwierig. Inter­es­sant wird die Sache deshalb, weil im Gegen­satz zu den recht prov­inziellen Lan­despar­la­menten, in deren 13 die AfD ja bere­its sitzt, über den Bun­destag sehr viel mehr Licht der Öffentlichkeit aus­ge­bre­it­et ist. Par­la­men­tarische Mit­telchen der Äch­tung, des Sitzungsauss­chlusses oder der Rüge somit viel trans­par­enter sein wer­den, als ander­swo. Es wird span­nend sein, zu beobacht­en, ob Hände geschüt­telt oder brüsk abgewehrt wer­den wie die von Lep­rakranken. Ob die gle­ichen Regeln – auch die der Tol­er­anz und Kol­le­gial­ität gegenüber dem poli­tis­chen Geg­n­er, auch für diese Abge­ord­neten gel­ten wer­den? Außer­dem kön­nte ein wenig mehr Leben in die Bude kom­men, wie es früher häu­figer durch poli­tisch unab­hängige, parteilose Par­la­men­tari­er der Fall war, die dem heuti­gen von Kader­parteien geprägtem Poli­tik­be­trieb kom­plett fehlen. Abge­ord­nete, die ganz allein und als Direk­tkan­di­dat ihres Wahlkreis­es und ohne Partei­hil­fe ins Par­la­ment einziehen, braucht man derzeit nicht mal mit der Lupe suchen. Eri­ka Stein­bach als “Aus­ge­tretene” zählt hier nicht, auch wenn der unwürdi­ge Umgang ihrer ehe­ma­li­gen Kol­le­gen mit ihr lei­der genau das belegt, was ich ger­ade über Tol­er­anz und Kol­le­gial­ität sagte.

Und die SPD? Kann Schulz es vielle­icht doch noch schaf­fen? Dazu müsste Merkel schon die Gren­ze öff­nen und eine Mil­lion Migranten, unter die ich ein paar Flüchtlinge mis­chen, ins Land lassen. Ach, ich ver­gaß: hat sie ja schon getan, ohne dass die SPD davon hätte prof­i­tieren kön­nen – sie beteiligte sich vielmehr selb­st kräftig an dem Rechts­bruch. Ich kann auch ehrlich keinen mein­er Dau­men erübri­gen, um den Sozialdemokrat­en durch kräftiges Drück­en ein Quäntchen Glück zu wün­schen, weil gut die Hälfte des Regierungsper­son­als, das mein­er Mei­n­ung nach in den let­zten vier Jahren unser Land in die Seife gerit­ten hat, SPD-Inven­tar ist. Maas, Gabriel, Schwe­sig, Bar­ley, Özoguz, Hen­dricks, Stegner…jeder dieser Namen ist untrennbar mit Geset­zen, Ini­tia­tiv­en und „Bewe­gun­gen“ ver­bun­den, die mit Demokratie nicht das Ger­ing­ste zu tun haben und stattdessen an der Abschaf­fung der­sel­ben zugun­sten ein­er staatlichen Bevor­mundungs­demokratur mit plan­wirtschaftlichem Antlitz arbeit­en. Maas ste­ht für Zen­sur, Steg­n­er für die rhetorische Gosse, Gabriel für miese Laune und großspuriges Auftreten, Özoguz für eine schle­ichende, lächel­nde Islamisierung, Hen­dricks für Inkom­pe­tenz und das Duo Schwesig/Barley für die Ein­führung eines würdi­gen Nach­fol­gers des Min­is­teri­ums für Agi­ta­tion & Pro­pa­gan­da.

Fürst Frank-Wal­ter I. entzieht sich als Staat­sober­haupt mein­er Kri­tik nur deshalb, weil ich der Würde des Amtes entsprechend ver­suchen möchte, höflich zu bleiben. Son­st würde ich ihn für den Beweis der Wirk­samkeit des „Peter-Prinzips“ hal­ten, demzu­folge man in ein­er Hier­ar­chie immer nur solange auf­steigt, bis man die Stufe sein­er absoluten Inkom­pe­tenz erre­icht hat: Weit­ge­hend unsicht­bar im Amt – das ist auch schon das Beste, was man über ihn sagen kön­nte. Er eckt kaum an und schmutzt fast nicht, weshalb er für Angela Merkel ein weit beque­mer­er Grüßau­gust ist, als es Gauck war – zumal er ja auch noch dazu nur sel­ten grüßt. Haupt­sache, die Flug­bere­itschaft wärmt die Tur­binen für einen Kurztrip von knapp 100 km immer gut vor.

Bleibt noch die Linke. Die Gräben, die mich inhaltlich von dieser Partei tren­nen, sind jedoch bre­it, tief und mit bren­nen­dem Pech gefüllt. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Allerd­ings gibt es auch in dieser Partei den einen oder anderen Akteur, dessen Arbeit mich pos­i­tiv über­rascht – aber solche gibt es im Grunde in jed­er Partei.

Und, was soll nun wer­den? Das fra­gen Sie sich doch ger­ade, oder? Gibt er keine Empfehlung? Nein! Nicht ein­mal die, über­haupt zur Wahl zu gehen, denn auch das muss jed­er selb­st entschei­den. Lassen Sie sich nicht einre­den, wählen sei die edel­ste Bürg­erpflicht und nur, wenn sie diese wahrnäh­men, seien sie demokratisch qual­i­fiziert und mündig. Wenn Sie nicht wis­sen, wen und weshalb Sie wählen wollen – lassen Sie es. Wenn die Kan­di­dat­en Ihres Wahlkreis­es Ihnen samt und son­ders zuwider sind, dann gehen sie nicht zur Wahl! Es gibt andere Möglichkeit­en: Wenn Sie nicht aktiv wählen wollen und am 24. Sep­tem­ber 2017 Zeit haben, melden Sie sich doch als Wahlhelfer oder Wahlbeobachter! Nach eini­gen beden­klichen Vor­fällen bei den Land­tagswahlen der jüng­sten Ver­gan­gen­heit müssen wir uns näm­lich lei­der von der arro­gan­ten Vorstel­lung ver­ab­schieden, Wahlfälschun­gen wären nur etwas für Despoten und Dik­ta­toren. Es gilt auch bei uns, lukra­tive Posten zu verteilen und Ein­fluss zu gewin­nen! Ehrlichkeit ist oft – und lei­der auch in Deutsch­land – nur Man­gel an Gele­gen­heit. Umgekehrt gilt natür­lich das gle­iche.

Changing the Script, not the Szene

Nach 68 Jahren, in denen es nur eine einzige Art des Regierens in Deutsch­land gegeben hat – näm­lich die ein­er wie auch immer geart­eten par­la­men­tarischen Mehrheit – ist es höch­ste Zeit, mal etwas gän­zlich Anderes auszupro­bieren. Merkel wird wahrschein­lich so um die 38% erhal­ten und mit diesem Ergeb­nis sollte es die Union zur Abwech­slung mal allein ver­suchen. In ein­er Min­der­heit­sregierung! Ohne Koali­tion­spart­ner!

Wenn es so käme, würde endlich wirk­lich jede Stimme im Par­la­ment zählen, bei jed­er Abstim­mung! Frak­tion­szwang würde obso­let, weil Stre­it in der Sache und rin­gen um Zus­tim­mung aufgew­ertet wür­den und in diesem Kampf wäre eine wider­willige Frak­tion der denkbar schlecht­este Aus­gangspunkt. Kein bequemes Durch­winken von dubiosen Geset­ze­sen­twür­fen mit sicher­eren Mehrheit­en mehr, kein abge­sproch­en­er Anwe­sen­heit­spro­porz, der es selb­st einem Plenum von knapp 40 Abge­ord­neten ermöglichte, das Net­zDG auf den Weg zu brin­gen, nach­dem eine halbe Stunde zuvor bei der „Ehe für alle“ noch Vol­lzäh­ligkeit herrschte! Ich will, dass die Regierung um jeden Euro, jedes Gesetz, jeden Rechen­schafts­bericht im Par­la­ment kämpft, sich Mehrheit­en von Fall zu Fall ver­schaf­fen und überzeu­gen muss. Ich will, dass statt fül­len­den Textbausteinen, Parteitagsre­den und kle­brigem Eigen­lob wieder eine lei­den­schaftliche, sach­lich fundierte, zivil­isierte und engagierte Rhetorik im Plenum herrscht und zit­trige Mehrheitsver­hält­nisse eine Anwe­sen­heit­spflicht ger­adezu erzwin­gen. Jed­er Min­is­ter und auch die Kan­z­lerin sollte, wenn sie das Par­la­ment betreten, wach­swe­iche Knie haben, anstatt sich von ein­er zum Jubel­chor mutierten Leib­wache aus Frak­tions­fre­un­den und Claque­uren getra­gen und beschützt zu fühlen. Alter­na­tivlose Poli­tik wird es erst dann nicht mehr geben, wenn das Par­la­ment seine Auf­gabe, die Kon­trolle der Regierung, auch mit Macht ausüben kann. Diese Macht beste­ht in dem kleinen, schö­nen Wörtchen „Nein!“ und der kurzen, knap­pen Frage „Warum?“.

Was sagen Sie? Hand­lungs­fähigkeit? Das gehe so nicht und man­gel­nde Mehrheit­en wür­den dazu führen, dass viele Geset­ze es gar nicht durch das Par­la­ment schaf­fen? Gut so! Vielle­icht wür­den sie aber auch nur bess­er vor­bere­it­et und viele leg­isla­tiv­en Homun­culi wür­den das Licht der Par­la­mente erst gar nicht erblick­en, um danach müh­sam in Karl­sruhe tot­geschla­gen zu wer­den. Vielle­icht hät­ten die Richter am Ver­fas­sungs­gericht dann endlich mal Zeit, sich mit wichtigeren Din­gen zu befassen. Ich will und kann nicht genau quan­tifizieren, wie groß der Anteil kom­plett über­flüs­siger Regelun­gen, Nov­el­lierun­gen und Geset­ze sein mag, die der Bun­destag nur deshalb beschließt, weil er die nöti­gen Mehrheit­en müh­e­los zusam­men­bringt. Es sind aber mit Sicher­heit viel zu viele — das Net­zw­erk­durch­set­zungs­ge­setz ist das beste Beispiel dafür.

Aber wird es so kom­men, wie ich es mir erhoffe? Bekom­men wir mal zur Abwech­slung eine Min­der­heit­sregierung? Wer­den SPD oder FDP den Ver­lock­un­gen wider­ste­hen kön­nen, sich mit Min­is­terämtern, Staatssekretären und anderen Posten und Pöstchen zu ver­sor­gen? Ich denke an Schulz, Gabriel, Maas und Lind­ner und meine Hoff­nung schwindet, dass diese sich mit ihrer Rolle als “ein­fache Abge­ord­nete” zufrieden geben wür­den. Aber auch Frau Merkel wäre mit solch ein­er Sit­u­a­tion kom­plett über­fordert, hieße dass doch, auf der Welt­bühne den Nim­bus der eis­er­nen Kan­z­lerin von Ger­ma­nias Gnade einzubüßen und die “restliche freie Welt” man­gels Haus­macht nicht mehr führen zu dür­fen.

Ich weiß natür­lich nicht, wie es am Ende kom­men wird, aber nun wis­sen Sie, warum ich ger­ade keinen Dau­men für eine bes­timmte Partei frei habe. Ich ver­suche, auf’s Ganze zu schauen und set­ze bei diesem Roulette darauf, dass die Kugel wed­er auf gelb, rot oder gar grün lan­det, son­dern aus der Bahn fliegt. Über den Teller­rand schauen, kann ja manch­mal hil­fre­ich sein. Warum nicht gle­ich ein­fach mal über ihn drüber sprin­gen?

Angesichts der Head­line darf der hier nicht fehlen:
Bob Dylan, The Times, They are a Chang­ing.

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8 Kommentare

  1. Wenn wir schon beim Wün­sch-Dir-Was sind, wieso dann eine Min­der­heit­sregierung? Wieso nicht echte Gewal­tenteilung? Sprich kein Regierungsmit­glied ist gle­ichzeit­ig MdB. eine der­art gebildete Regierung müßte schon für ihr Zus­tandekom­men eine Mehrheit im Par­la­ment organ­isieren.

  2. Inter­es­santes Brain­storm­ing mit ein biss­chen Wun­schdenken (Min­der­heit­sregierung) gewürzt.
    Merkel, die jede Auseinan­der­set­zung mei­det, wird sich lieber für egal welche Koali­tion ver­renken statt offen für Ziele zu kämpfen, die sie ‑außer dem eige­nen Machter­halt- sowieso nicht hat.

    Wider­spruch melde ich bei einem Punkt an:
    Bürg­er, die nicht zur Wahl gehen, halte ich für ver­ant­wor­tungs­los. Solche Men­schen sym­bol­isieren genau das Übel dieser verkomme­nen Gesellschaft: ein­er Illu­sion hin­ter­her zu laufen, welche die Erfül­lung der eige­nen Träume ver­spricht. Dieses Wun­schdenken ‑das erleben wir nun täglich- wird von den ide­ol­o­gis­chen Rat­ten­fängern dieser Repub­lik skru­pel­los aus­genutzt. Sie verkaufen dieser infan­tilen Gesin­nung erfol­gre­ich die bunte-Mul­ti­kul­tivielfalt-Ide­olo­gie und diese Sorte Men­sch glaubt ‑egal wie viel Blut auch tat­säch­lich fließt- wieder mal an den End­sieg des neuen Wahns, um nicht aus der Traumwelt aufwachen zu müssen.

    Wer nicht bere­it ist, sich aktiv an der Gestal­tung ein­er poli­tis­chen Partei zu beteili­gen, um sie in seinem Sinne zu for­men, der sollte doch zumin­d­est am Wahlt­ag der Demokratie seinen Respekt erweisen und bei der Wahl sein Stimm­recht ausüben. Demokratie lebt von poli­tis­ch­er Aktiv­ität, nicht von fataler Pas­siv­ität ein­er sat­ten, har­moniesüchti­gen und relitäts­flüch­t­en­den Bevölkerung.
    Und wer partout kein­er der antre­tenden Parteien seine Stimme geben möchte, der hat ja immer noch die Wahlmöglichkeit, seinen Wahlschein ungültig abzugeben.

    Wer selb­st zu dieser kleinen Geste nicht bere­it ist, der ist ‑ich wieder­hole mich gerne- ver­ant­wor­tungs­los und hat sein Wahlrecht ver­wirkt.

  3. Merkels Über­forderung sehe ich eher als Über­forderung der Deutschen, eine sta­bile Demokratie zu bilden, man hat ja erst seit 1990 wirk­lich freie Hand und seit Merkel über­nom­men hat, geht es steil Bergab bei demokratis­chen Kenn­zahlen. Merkel selb­st macht ihre Arbeit her­vor­ra­gend. Um zu behaupten, jemand sei Über­fordert, muss man seine Zielset­zung ken­nen. Merkel kann nur vor ihrer eige­nen Zielset­zung bew­ertet wer­den, m.e. ist das Machter­halt durch kluge Per­son­alpoli­tik. Da ist sie so gut, das ihr nie­mand das Wass­er reichen kann. Alles andere ist Tages­geschäft, was Pop­ulär erscheint, wird beschlossen und welchen Poli­tik­er küm­mert es denn ern­sthaft, wo Deutsch­land in 10 oder 20 Jahren ste­ht? Na gut, es gibt ein paar, die glauben ihre eige­nen Lügen, aber die sind eher bei Linken, Grü­nen und dem linken Flügel der SPD zu find­en und äußerst berechen­bar.

    Darüber hin­aus ist Deutsch­land ein Aus­lauf­mod­ell, es bietet sich aktuell für alle Autokra­tien als Lehrstück für die Fehler­haftigkeit demokratis­ch­er Sys­teme an, beson­ders für Chi­na und Rus­s­land. Das sie nun mit den USA bricht, weit­er von der Lösung der Prob­leme Nordafrikas schwab­u­liert, von Ver­ant­wor­tung für das Kli­ma in 100 Jahren spricht während die Gren­zen offen sind, in der Ukraine Krieg geführt und in der Tükei die Islamisierung auf Hoch­touren läuft, wird ger­adezu zwangsläu­fig die Spal­tung Europas ver­tiefen. Ein­er­seits, weil sie keine Berührungsäng­ste mit Autokrat­en hat, vor denen sich andere fürcht­en„ ander­er­seits, weil Deutsch­land kein zuver­läs­siger Part­ner mehr ist. Die Osteu­ropäer wer­den nun ihre Zusam­me­nar­beit weit­er aus­bauen, mit den USA und Untere­inan­der, während der Süden unter Führung Frankre­ichs Deutsch­land bald die näch­sten Schecks abquatschen wird.

    So lange die Kosten weit­er­er Fehlentschei­dun­gen durch die Noten­bank abge­fan­gen wird, so lange Deutsch­land noch Kred­itwürdig ist, wird Merkel sich hal­ten kön­nen. Betra­chtet man die Renten­lücke ab 2030, die Geld­men­ge­nausweitung, die Target2 Salden, dürfte sie sich wohl bis zum näch­sten neg­a­tiv­en Weltkon­junk­turzyk­lus hal­ten. Was dann an Forderun­gen aus der EU auf Deutsch­land zu kommt, wird nicht mehr zu bewälti­gen sein. Ein geeigneter Zeit­punkt ab zu treten. Von daher meine Prog­nose: Bis zum näch­sten neg­a­tiv­en Weltkon­junk­turzyk­lus wird Merkel in ver­schiede­nen Koali­tio­nen regieren und weit­er alle The­men neu­tral­isieren, welche die Oppo­si­tion auf­bringt. Danach die Sin­n­flut, dann wird man Anhand der Schadens­be­w­er­tung erken­nen, wer hier wirk­lich über­fordert war, das sind immer jene, die den Schaden haben. Merkel ganz sich­er nicht, ich würde ihr niemals unter­stellen, Deutsch­lands Zukun­ft sei ihr über die Sicherung ihres Machter­haltes hin­aus von irgend ein­er Bedeu­tung, noch nicht mal die Demokratie ist ihr von Bedeu­tung, son­st würde sie diese schützen. Sie hat derzeit ihren Spaß, Feiert die Dummheit der­er, die sich als intellek­tuelle Elite Deutsch­lands ver­ste­hen und wird die Par­ty ver­lassen, sobald es ihr keine Befriedi­gung mehr bere­it­et, weil die Prob­leme außer Kon­trolle ger­at­en. Ganz sich­er gehört sie nicht zu der Sorte Kapitän, die mit ihrem Schiff unter zu gehen gedenkt, die sind ganz all­ge­mein sel­ten gewor­den im West­en.

  4. Eine Min­der­heit­sregierung hätte ich mir bere­its nach der let­zten Bun­destagswahl gewün­scht.
    Aber natür­lich wird es sie (wieder) nicht geben. All Ihre Argu­mente, die Sie hier Pro Min­der­heit­sregierung ins Feld führen, sprechen aus Merkels Sicht dage­gen. Und Lind­ners auf­fäl­lige Zahmheit kommt lei­der auch nicht von unge­fähr. Der Mann will doch nicht in die Oppo­si­tion!
    Das eigentliche Prob­lem hinge­gen haben Sie benan­nt: Der von Kader­parteien dominierte Poli­tik­be­trieb.

  5. Die CDU als Min­der­heit­sregierung, und Frau Merkel kämpft rhetorisch bril­liant, charis­ma­tisch, sprachge­waltig und überzeu­gend um jede einzelne Stimme im Par­la­ment! Was für eine großar­tige Vorstel­lung! Das wäre dann wohl “Der Kaiserin neue Klei­der” mal ganz aktuell!

  6. Lei­der nur fromme Wün­sche. Es ist klar was kommt: Migranten. Das ist das einzige Pro­jekt, das Merkel stur durchziehen kann. Der europäis­che Zen­tral­staat scheit­ert an den anderen Län­dern und dann noch der Schulden­berg, der wächst.

      • Nein, wäre es lei­der nicht. Wir sind ein viel autoritär­eres und Obrigkeit­shörigeres Volk als die US-Amerikan­er und die haben sich schon sehr lange sehr viel Migra­tion gefall­en lassen mit ver­heeren­den Fol­gen. Let­ztere sind in Deutsch­land unbekan­nt, weil unsere Medi­en nicht nur “links” sind, son­dern haar­ge­nau die Geschmack­srich­tung “ger­ade das, was die US-Demokrat­en so wollen” haben. Die US-Innen­städte versinken in Dro­gen und Ban­denkämpfen, mafiöse Rocker­ban­den und Men­schen­schmug­gler machen sich an der schlecht gesicherten Gren­ze zu Mex­i­co bre­it. Die “Waf­fenge­walt” ist auch kein Prob­lem, das von den bösen repub­likanis­chen “Waf­fen­nar­ren” aus­ge­ht etc. pp.

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