Als ich im März dieses Jahres über die Grünen schrieb, und sie als „Partei des schlech­ten Gewis­sens” bezeich­nete, hatte ich eigent­lich vor, eine ganze Arti­kel­reihe über sämt­li­che rele­van­ten poli­ti­schen Par­teien folgen zu lassen, die in den nächs­ten Bun­des­tag ein­zie­hen wollen. Es erwies sich aber als fast unmög­lich, hin­rei­chend viele Unter­schiede zu finden, die mehrere Artikel gerecht­fer­tigt hätten und ich wollte nicht absicht­lich gegen meine Regel Nummer 1 – „lang­weile die Leute nicht” – ver­sto­ßen. Deshalb habe ich letzt­lich alle Gedan­ken zu diesem einen Artikel zusam­men­ge­fasst und vieles weg­ge­las­sen. Zudem lässt sich das, was ich selbst mir von dieser Bun­des­tags­wahl erhoffe, auf diese Weise am besten dar­stel­len.

Viele Wähler glauben heute schon recht genau zu wissen, was nach den Bun­des­tags­wah­len im Sep­tem­ber – deren Ausgang sowieso schon aus­ge­macht und sicher sei – pas­sie­ren werde, und das frus­triert sie. Die Wetten stehen derzeit gut für Schwarz/Gelb und falls das nicht klappen sollte, stehen die Sozi­al­de­mo­kra­ten selbst­re­dend für eine weitere große Koali­tion bereit, die sie sich natür­lich teuer abkau­fen lassen werden – viel­leicht wird Gabriel fordern, neben dem Amt des Vize­kanz­lers und Außen­mi­nis­ters auch das Minis­te­rium für Nach­spei­sen über­neh­men zu dürfen. Sonst würde sich wenig ändern. Aber egal ob die Kugel auf gelb oder rot fiele, es bliebe doch die Kugel von Merkel. Weitere vier ver­lo­rene Jahre also. Ich sage Merkel, nicht CDU, weil das nicht das­selbe ist. Die CDU ver­liert auf jeden Fall. Das Land leider auch.

Es gibt einige Unwäg­bar­kei­ten in den Umfra­gen, die mir die aktu­el­len Zahlen als nicht sehr sicher erschei­nen lassen. Da wären die über­ra­schend guten Umfra­ge­werte der Grünen zu nennen, die ich nach all den inhalt­li­chen Null­run­den und per­so­nel­len Null­num­mern eigent­lich unter der magi­schen Fünf sehe. Die FDP wird es wohl schaf­fen, auch wenn Haltung und Auf­tre­ten des Spit­zen­per­so­nals dieser Partei mich als liberal gesinn­ten Men­schen ziem­lich ent­täu­schen und Chris­tian Lind­ners Atti­tüde eher als Dreh­buch für einen wei­te­ren Film der Reihe „Ich, einfach unver­bes­ser­lich“ taugt (nur der Titel, nicht der Esprit), als für das Par­la­ment. Der Wähler scheint aber ver­ges­sen zu haben, aus welchen Gründen er es 2013 für keine gute Idee gehal­ten hatte, die FDP wieder mit den anderen Par­teien im Bun­des­tag spielen zu lassen. Die Umfra­ge­werte sind über­ra­schend stabil, obwohl (oder gerade weil?) Lindner im NRW-Sie­ges­rausch laut her­aus­brüllte „Wir werden uns nicht ändern, wir machen genauso weiter wie bisher!“ Na, wenigs­tens ein kleines biss­chen libe­ra­ler hätten die Libe­ra­len schon werden können, finde ich.

Gespannt bin ich auf die Hand­voll AfD-Abge­ord­ne­ten, die sehr wahr­schein­lich dem nächs­ten Bun­des­tag ange­hö­ren werden. Ich bin nicht unbe­dingt ein großer Fan dieser Partei – auch wenn mir das gele­gent­lich nach­ge­sagt oder vor­ge­wor­fen wird. Meine Artikel befas­sen sich aber eher mit der unde­mo­kra­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung der AfD-Gegner mit dieser Partei. Der Ton ist nämlich durch­weg nur schrill, unsach­lich und unwür­dig, was die Kri­ti­ker weit mehr her­ab­setzt, als die Kri­ti­sier­ten – die Umfra­ge­werte belegen das. Diese Erkennt­nis in die bis zu den Ohren mit ideo­lo­gi­scher Holz­wolle gefüll­ten Köpfe der Poli­ti­ker in den soge­nann­ten „Alt­par­teien” hin­ein­zu­brin­gen, erweist sich aber als extrem schwie­rig. Inter­es­sant wird die Sache deshalb, weil im Gegen­satz zu den recht pro­vin­zi­el­len Lan­des­par­la­men­ten, in deren 13 die AfD ja bereits sitzt, über den Bun­des­tag sehr viel mehr Licht der Öffent­lich­keit aus­ge­brei­tet ist. Par­la­men­ta­ri­sche Mit­tel­chen der Ächtung, des Sit­zungs­aus­schlus­ses oder der Rüge somit viel trans­pa­ren­ter sein werden, als anderswo. Es wird span­nend sein, zu beob­ach­ten, ob Hände geschüt­telt oder brüsk abge­wehrt werden wie die von Lepra­kran­ken. Ob die glei­chen Regeln – auch die der Tole­ranz und Kol­le­gia­li­tät gegen­über dem poli­ti­schen Gegner, auch für diese Abge­ord­ne­ten gelten werden? Außer­dem könnte ein wenig mehr Leben in die Bude kommen, wie es früher häu­fi­ger durch poli­tisch unab­hän­gige, par­tei­lose Par­la­men­ta­rier der Fall war, die dem heu­ti­gen von Kader­par­teien gepräg­tem Poli­tik­be­trieb kom­plett fehlen. Abge­ord­nete, die ganz allein und als Direkt­kan­di­dat ihres Wahl­krei­ses und ohne Par­tei­hilfe ins Par­la­ment ein­zie­hen, braucht man derzeit nicht mal mit der Lupe suchen. Erika Stein­bach als „Aus­ge­tre­tene” zählt hier nicht, auch wenn der unwür­dige Umgang ihrer ehe­ma­li­gen Kol­le­gen mit ihr leider genau das belegt, was ich gerade über Tole­ranz und Kol­le­gia­li­tät sagte.

Und die SPD? Kann Schulz es viel­leicht doch noch schaf­fen? Dazu müsste Merkel schon die Grenze öffnen und eine Million Migran­ten, unter die ich ein paar Flücht­linge mischen, ins Land lassen. Ach, ich vergaß: hat sie ja schon getan, ohne dass die SPD davon hätte pro­fi­tie­ren können – sie betei­ligte sich viel­mehr selbst kräftig an dem Rechts­bruch. Ich kann auch ehrlich keinen meiner Daumen erüb­ri­gen, um den Sozi­al­de­mo­kra­ten durch kräf­ti­ges Drücken ein Quänt­chen Glück zu wün­schen, weil gut die Hälfte des Regie­rungs­per­so­nals, das meiner Meinung nach in den letzten vier Jahren unser Land in die Seife gerit­ten hat, SPD-Inven­tar ist. Maas, Gabriel, Schwe­sig, Barley, Özoguz, Hend­ricks, Stegner…jeder dieser Namen ist untrenn­bar mit Geset­zen, Initia­ti­ven und „Bewe­gun­gen“ ver­bun­den, die mit Demo­kra­tie nicht das Geringste zu tun haben und statt­des­sen an der Abschaf­fung der­sel­ben zuguns­ten einer staat­li­chen Bevor­mun­dungs­de­mo­kra­tur mit plan­wirt­schaft­li­chem Antlitz arbei­ten. Maas steht für Zensur, Stegner für die rhe­to­ri­sche Gosse, Gabriel für miese Laune und groß­spu­ri­ges Auf­tre­ten, Özoguz für eine schlei­chende, lächelnde Isla­mi­sie­rung, Hend­ricks für Inkom­pe­tenz und das Duo Schwesig/Barley für die Ein­füh­rung eines wür­di­gen Nach­fol­gers des Minis­te­ri­ums für Agi­ta­tion & Pro­pa­ganda.

Fürst Frank-Walter I. ent­zieht sich als Staats­ober­haupt meiner Kritik nur deshalb, weil ich der Würde des Amtes ent­spre­chend ver­su­chen möchte, höflich zu bleiben. Sonst würde ich ihn für den Beweis der Wirk­sam­keit des „Peter-Prin­zips“ halten, dem­zu­folge man in einer Hier­ar­chie immer nur solange auf­steigt, bis man die Stufe seiner abso­lu­ten Inkom­pe­tenz erreicht hat: Weit­ge­hend unsicht­bar im Amt – das ist auch schon das Beste, was man über ihn sagen könnte. Er eckt kaum an und schmutzt fast nicht, weshalb er für Angela Merkel ein weit beque­me­rer Grüß­au­gust ist, als es Gauck war – zumal er ja auch noch dazu nur selten grüßt. Haupt­sa­che, die Flug­be­reit­schaft wärmt die Tur­bi­nen für einen Kurz­trip von knapp 100 km immer gut vor.

Bleibt noch die Linke. Die Gräben, die mich inhalt­lich von dieser Partei trennen, sind jedoch breit, tief und mit bren­nen­dem Pech gefüllt. Mehr ist dazu eigent­lich nicht zu sagen. Aller­dings gibt es auch in dieser Partei den einen oder anderen Akteur, dessen Arbeit mich positiv über­rascht – aber solche gibt es im Grunde in jeder Partei.

Und, was soll nun werden? Das fragen Sie sich doch gerade, oder? Gibt er keine Emp­feh­lung? Nein! Nicht einmal die, über­haupt zur Wahl zu gehen, denn auch das muss jeder selbst ent­schei­den. Lassen Sie sich nicht ein­re­den, wählen sei die edelste Bür­ger­pflicht und nur, wenn sie diese wahr­näh­men, seien sie demo­kra­tisch qua­li­fi­ziert und mündig. Wenn Sie nicht wissen, wen und weshalb Sie wählen wollen – lassen Sie es. Wenn die Kan­di­da­ten Ihres Wahl­krei­ses Ihnen samt und sonders zuwider sind, dann gehen sie nicht zur Wahl! Es gibt andere Mög­lich­kei­ten: Wenn Sie nicht aktiv wählen wollen und am 24. Sep­tem­ber 2017 Zeit haben, melden Sie sich doch als Wahl­hel­fer oder Wahl­be­ob­ach­ter! Nach einigen bedenk­li­chen Vor­fäl­len bei den Land­tags­wah­len der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit müssen wir uns nämlich leider von der arro­gan­ten Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, Wahl­fäl­schun­gen wären nur etwas für Des­po­ten und Dik­ta­to­ren. Es gilt auch bei uns, lukra­tive Posten zu ver­tei­len und Ein­fluss zu gewin­nen! Ehr­lich­keit ist oft – und leider auch in Deutsch­land – nur Mangel an Gele­gen­heit. Umge­kehrt gilt natür­lich das gleiche.

Changing the Script, not the Szene

Nach 68 Jahren, in denen es nur eine einzige Art des Regie­rens in Deutsch­land gegeben hat – nämlich die einer wie auch immer gear­te­ten par­la­men­ta­ri­schen Mehr­heit – ist es höchste Zeit, mal etwas gänz­lich Anderes aus­zu­pro­bie­ren. Merkel wird wahr­schein­lich so um die 38% erhal­ten und mit diesem Ergeb­nis sollte es die Union zur Abwechs­lung mal allein ver­su­chen. In einer Min­der­heits­re­gie­rung! Ohne Koali­ti­ons­part­ner!

Wenn es so käme, würde endlich wirk­lich jede Stimme im Par­la­ment zählen, bei jeder Abstim­mung! Frak­ti­ons­zwang würde obsolet, weil Streit in der Sache und ringen um Zustim­mung auf­ge­wer­tet würden und in diesem Kampf wäre eine wider­wil­lige Frak­tion der denkbar schlech­teste Aus­gangs­punkt. Kein beque­mes Durch­win­ken von dubio­sen Geset­zes­ent­wür­fen mit siche­re­ren Mehr­hei­ten mehr, kein abge­spro­che­ner Anwe­sen­heits­pro­porz, der es selbst einem Plenum von knapp 40 Abge­ord­ne­ten ermög­lichte, das NetzDG auf den Weg zu bringen, nachdem eine halbe Stunde zuvor bei der „Ehe für alle“ noch Voll­zäh­lig­keit herrschte! Ich will, dass die Regie­rung um jeden Euro, jedes Gesetz, jeden Rechen­schafts­be­richt im Par­la­ment kämpft, sich Mehr­hei­ten von Fall zu Fall ver­schaf­fen und über­zeu­gen muss. Ich will, dass statt fül­len­den Text­bau­stei­nen, Par­tei­tags­re­den und kleb­ri­gem Eigen­lob wieder eine lei­den­schaft­li­che, sach­lich fun­dierte, zivi­li­sierte und enga­gierte Rhe­to­rik im Plenum herrscht und zitt­rige Mehr­heits­ver­hält­nisse eine Anwe­sen­heits­pflicht gera­dezu erzwin­gen. Jeder Minis­ter und auch die Kanz­le­rin sollte, wenn sie das Par­la­ment betre­ten, wachs­wei­che Knie haben, anstatt sich von einer zum Jubel­chor mutier­ten Leib­wa­che aus Frak­ti­ons­freun­den und Cla­queu­ren getra­gen und beschützt zu fühlen. Alter­na­tiv­lose Politik wird es erst dann nicht mehr geben, wenn das Par­la­ment seine Aufgabe, die Kon­trolle der Regie­rung, auch mit Macht ausüben kann. Diese Macht besteht in dem kleinen, schönen Wört­chen „Nein!“ und der kurzen, knappen Frage „Warum?“.

Was sagen Sie? Hand­lungs­fä­hig­keit? Das gehe so nicht und man­gelnde Mehr­hei­ten würden dazu führen, dass viele Gesetze es gar nicht durch das Par­la­ment schaf­fen? Gut so! Viel­leicht würden sie aber auch nur besser vor­be­rei­tet und viele legis­la­ti­ven Homun­culi würden das Licht der Par­la­mente erst gar nicht erbli­cken, um danach mühsam in Karls­ruhe tot­ge­schla­gen zu werden. Viel­leicht hätten die Richter am Ver­fas­sungs­ge­richt dann endlich mal Zeit, sich mit wich­ti­ge­ren Dingen zu befas­sen. Ich will und kann nicht genau quan­ti­fi­zie­ren, wie groß der Anteil kom­plett über­flüs­si­ger Rege­lun­gen, Novel­lie­run­gen und Gesetze sein mag, die der Bun­des­tag nur deshalb beschließt, weil er die nötigen Mehr­hei­ten mühelos zusam­men­bringt. Es sind aber mit Sicher­heit viel zu viele – das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ist das beste Bei­spiel dafür.

Aber wird es so kommen, wie ich es mir erhoffe? Bekom­men wir mal zur Abwechs­lung eine Min­der­heits­re­gie­rung? Werden SPD oder FDP den Ver­lo­ckun­gen wider­ste­hen können, sich mit Minis­ter­äm­tern, Staats­se­kre­tä­ren und anderen Posten und Pöst­chen zu ver­sor­gen? Ich denke an Schulz, Gabriel, Maas und Lindner und meine Hoff­nung schwin­det, dass diese sich mit ihrer Rolle als „ein­fa­che Abge­ord­nete” zufrie­den geben würden. Aber auch Frau Merkel wäre mit solch einer Situa­tion kom­plett über­for­dert, hieße dass doch, auf der Welt­bühne den Nimbus der eiser­nen Kanz­le­rin von Ger­ma­nias Gnade ein­zu­bü­ßen und die „rest­li­che freie Welt” mangels Haus­macht nicht mehr führen zu dürfen.

Ich weiß natür­lich nicht, wie es am Ende kommen wird, aber nun wissen Sie, warum ich gerade keinen Daumen für eine bestimmte Partei frei habe. Ich ver­su­che, auf’s Ganze zu schauen und setze bei diesem Rou­lette darauf, dass die Kugel weder auf gelb, rot oder gar grün landet, sondern aus der Bahn fliegt. Über den Tel­ler­rand schauen, kann ja manch­mal hilf­reich sein. Warum nicht gleich einfach mal über ihn drüber sprin­gen?

Ange­sichts der Head­line darf der hier nicht fehlen:
Bob Dylan, The Times, They are a Chan­ging.

8 Kommentare

  1. Wenn wir schon beim Wünsch-Dir-Was sind, wieso dann eine Min­der­heits­re­gie­rung? Wieso nicht echte Gewal­ten­tei­lung? Sprich kein Regie­rungs­mit­glied ist gleich­zei­tig MdB. eine derart gebil­dete Regie­rung müßte schon für ihr Zustan­de­kom­men eine Mehr­heit im Par­la­ment orga­ni­sie­ren.

  2. Inter­es­san­tes Brain­stor­ming mit ein biss­chen Wunsch­den­ken (Min­der­heits­re­gie­rung) gewürzt.
    Merkel, die jede Aus­ein­an­der­set­zung meidet, wird sich lieber für egal welche Koali­tion ver­ren­ken statt offen für Ziele zu kämpfen, die sie -außer dem eigenen Macht­er­halt- sowieso nicht hat.

    Wider­spruch melde ich bei einem Punkt an:
    Bürger, die nicht zur Wahl gehen, halte ich für ver­ant­wor­tungs­los. Solche Men­schen sym­bo­li­sie­ren genau das Übel dieser ver­kom­me­nen Gesell­schaft: einer Illu­sion hin­ter­her zu laufen, welche die Erfül­lung der eigenen Träume ver­spricht. Dieses Wunsch­den­ken -das erleben wir nun täglich- wird von den ideo­lo­gi­schen Rat­ten­fän­gern dieser Repu­blik skru­pel­los aus­ge­nutzt. Sie ver­kau­fen dieser infan­ti­len Gesin­nung erfolg­reich die bunte-Mul­ti­kul­ti­viel­falt-Ideo­lo­gie und diese Sorte Mensch glaubt -egal wie viel Blut auch tat­säch­lich fließt- wieder mal an den Endsieg des neuen Wahns, um nicht aus der Traum­welt auf­wa­chen zu müssen.

    Wer nicht bereit ist, sich aktiv an der Gestal­tung einer poli­ti­schen Partei zu betei­li­gen, um sie in seinem Sinne zu formen, der sollte doch zumin­dest am Wahltag der Demo­kra­tie seinen Respekt erwei­sen und bei der Wahl sein Stimm­recht ausüben. Demo­kra­tie lebt von poli­ti­scher Akti­vi­tät, nicht von fataler Pas­si­vi­tät einer satten, har­mo­nie­süch­ti­gen und reli­täts­flüch­ten­den Bevöl­ke­rung.
    Und wer partout keiner der antre­ten­den Par­teien seine Stimme geben möchte, der hat ja immer noch die Wahl­mög­lich­keit, seinen Wahl­schein ungül­tig abzu­ge­ben.

    Wer selbst zu dieser kleinen Geste nicht bereit ist, der ist -ich wie­der­hole mich gerne- ver­ant­wor­tungs­los und hat sein Wahl­recht ver­wirkt.

  3. Merkels Über­for­de­rung sehe ich eher als Über­for­de­rung der Deut­schen, eine stabile Demo­kra­tie zu bilden, man hat ja erst seit 1990 wirk­lich freie Hand und seit Merkel über­nom­men hat, geht es steil Bergab bei demo­kra­ti­schen Kenn­zah­len. Merkel selbst macht ihre Arbeit her­vor­ra­gend. Um zu behaup­ten, jemand sei Über­for­dert, muss man seine Ziel­set­zung kennen. Merkel kann nur vor ihrer eigenen Ziel­set­zung bewer­tet werden, m.e. ist das Macht­er­halt durch kluge Per­so­nal­po­li­tik. Da ist sie so gut, das ihr niemand das Wasser reichen kann. Alles andere ist Tages­ge­schäft, was Populär erscheint, wird beschlos­sen und welchen Poli­ti­ker kümmert es denn ernst­haft, wo Deutsch­land in 10 oder 20 Jahren steht? Na gut, es gibt ein paar, die glauben ihre eigenen Lügen, aber die sind eher bei Linken, Grünen und dem linken Flügel der SPD zu finden und äußerst bere­chen­bar.

    Darüber hinaus ist Deutsch­land ein Aus­lauf­mo­dell, es bietet sich aktuell für alle Auto­kra­tien als Lehr­stück für die Feh­ler­haf­tig­keit demo­kra­ti­scher Systeme an, beson­ders für China und Russ­land. Das sie nun mit den USA bricht, weiter von der Lösung der Pro­bleme Nord­afri­kas schwa­bu­liert, von Ver­ant­wor­tung für das Klima in 100 Jahren spricht während die Grenzen offen sind, in der Ukraine Krieg geführt und in der Tükei die Isla­mi­sie­rung auf Hoch­tou­ren läuft, wird gera­dezu zwangs­läu­fig die Spal­tung Europas ver­tie­fen. Einer­seits, weil sie keine Berüh­rungs­ängste mit Auto­kra­ten hat, vor denen sich andere fürch­ten„ ande­rer­seits, weil Deutsch­land kein zuver­läs­si­ger Partner mehr ist. Die Ost­eu­ro­päer werden nun ihre Zusam­men­ar­beit weiter aus­bauen, mit den USA und Unter­ein­an­der, während der Süden unter Führung Frank­reichs Deutsch­land bald die nächs­ten Schecks abquat­schen wird.

    So lange die Kosten wei­te­rer Fehl­ent­schei­dun­gen durch die Noten­bank abge­fan­gen wird, so lange Deutsch­land noch Kre­dit­wür­dig ist, wird Merkel sich halten können. Betrach­tet man die Ren­ten­lü­cke ab 2030, die Geld­men­gen­aus­wei­tung, die Target2 Salden, dürfte sie sich wohl bis zum nächs­ten nega­ti­ven Welt­kon­junk­tur­zy­klus halten. Was dann an For­de­run­gen aus der EU auf Deutsch­land zu kommt, wird nicht mehr zu bewäl­ti­gen sein. Ein geeig­ne­ter Zeit­punkt ab zu treten. Von daher meine Pro­gnose: Bis zum nächs­ten nega­ti­ven Welt­kon­junk­tur­zy­klus wird Merkel in ver­schie­de­nen Koali­tio­nen regie­ren und weiter alle Themen neu­tra­li­sie­ren, welche die Oppo­si­tion auf­bringt. Danach die Sinn­flut, dann wird man Anhand der Scha­dens­be­wer­tung erken­nen, wer hier wirk­lich über­for­dert war, das sind immer jene, die den Schaden haben. Merkel ganz sicher nicht, ich würde ihr niemals unter­stel­len, Deutsch­lands Zukunft sei ihr über die Siche­rung ihres Macht­er­hal­tes hinaus von irgend einer Bedeu­tung, noch nicht mal die Demo­kra­tie ist ihr von Bedeu­tung, sonst würde sie diese schüt­zen. Sie hat derzeit ihren Spaß, Feiert die Dumm­heit derer, die sich als intel­lek­tu­elle Elite Deutsch­lands ver­ste­hen und wird die Party ver­las­sen, sobald es ihr keine Befrie­di­gung mehr berei­tet, weil die Pro­bleme außer Kon­trolle geraten. Ganz sicher gehört sie nicht zu der Sorte Kapitän, die mit ihrem Schiff unter zu gehen gedenkt, die sind ganz all­ge­mein selten gewor­den im Westen.

  4. Eine Min­der­heits­re­gie­rung hätte ich mir bereits nach der letzten Bun­des­tags­wahl gewünscht.
    Aber natür­lich wird es sie (wieder) nicht geben. All Ihre Argu­mente, die Sie hier Pro Min­der­heits­re­gie­rung ins Feld führen, spre­chen aus Merkels Sicht dagegen. Und Lind­ners auf­fäl­lige Zahm­heit kommt leider auch nicht von unge­fähr. Der Mann will doch nicht in die Oppo­si­tion!
    Das eigent­li­che Problem hin­ge­gen haben Sie benannt: Der von Kader­par­teien domi­nierte Poli­tik­be­trieb.

  5. Die CDU als Min­der­heits­re­gie­rung, und Frau Merkel kämpft rhe­to­risch bril­li­ant, cha­ris­ma­tisch, sprach­ge­wal­tig und über­zeu­gend um jede ein­zelne Stimme im Par­la­ment! Was für eine groß­ar­tige Vor­stel­lung! Das wäre dann wohl „Der Kai­se­rin neue Kleider” mal ganz aktuell!

  6. Leider nur fromme Wünsche. Es ist klar was kommt: Migran­ten. Das ist das einzige Projekt, das Merkel stur durch­zie­hen kann. Der euro­päi­sche Zen­tral­staat schei­tert an den anderen Ländern und dann noch der Schul­den­berg, der wächst.

      • Nein, wäre es leider nicht. Wir sind ein viel auto­ri­tä­re­res und Obrig­keits­hö­ri­ge­res Volk als die US-Ame­ri­ka­ner und die haben sich schon sehr lange sehr viel Migra­tion gefal­len lassen mit ver­hee­ren­den Folgen. Letz­tere sind in Deutsch­land unbe­kannt, weil unsere Medien nicht nur „links” sind, sondern haar­ge­nau die Geschmacks­rich­tung „gerade das, was die US-Demo­kra­ten so wollen” haben. Die US-Innen­städte ver­sin­ken in Drogen und Ban­den­kämp­fen, mafiöse Rocker­ban­den und Men­schen­schmugg­ler machen sich an der schlecht gesi­cher­ten Grenze zu Mexico breit. Die „Waf­fen­ge­walt” ist auch kein Problem, das von den bösen repu­bli­ka­ni­schen „Waf­fen­nar­ren” ausgeht etc. pp.

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