„Hil­fe, mein Hund über­holt mich rechts!“ – Ein Buch von Dirk Maxeiner

Ich mag Kurz­ge­schich­ten. Viel­leicht des­halb, weil ich sel­ber wel­che schrei­be. Ich mag Erzäh­lun­gen, die über ihr The­ma mit Leich­tig­keit und Distanz hin­weg­tän­zeln. Viel­leicht des­halb, weil mir das selbst nur sel­ten gelingt. Ich mag, wenn ein Autor treff­si­cher die komi­schen Sei­ten eines erns­ten The­mas betrach­ten kann, ohne sich selbst dabei zu wich­tig zu neh­men oder sich über den Gegen­stand sei­nes Spotts zu erhe­ben. Viel­leicht, nein, sicher des­halb, weil ich als Leser auf die­se Wei­se die Wahr­heit leich­ter erträg­lich fin­de. Wer lacht, führt. Wer zuletzt lacht, führt am längs­ten. Dirk Maxei­ner ali­as „Der Sonn­tags­fah­rer“, Mit­her­aus­ge­ber der „Ach­se des Guten“, hat in sei­nem neu­en Buch eini­ge sei­ner bes­ten Geschich­ten zusam­men­ge­fasst. Kur­ze Geschich­ten, in denen er als Text-Bal­le­ri­na die Pro­ble­me schwe­re­los über­tanzt und antippt, damit sie dann im Leser wei­ter­klin­gen und aus­zit­tern kön­nen. Kurz ist an den Tex­ten näm­lich nur die Län­ge, gewis­ser­ma­ßen die Zünd­schnur für den Sub­text, den man im Kopf mühe­los wei­ter­spin­nen und zur Explo­si­on brin­gen kann. Wie im Slap­stick, wo der ange­deu­te­te Wurf der Tor­te aus­reicht, sich die­se zer­flie­ßend im Gesicht einer nicht im Bild  befind­li­chen Per­son vorzustellen.

Man möch­te den­ken, Maxei­ner hät­te Erfah­run­gen sam­meln kön­nen mit dem Schrei­ben unter kon­spi­ra­ti­ven Bedin­gun­gen in einem tota­li­tä­ren Sys­tem, wo es für die Gesund­heit för­der­lich ist, eher zwi­schen den Zei­len zu schrei­ben. Hat er aber nicht. Jeden­falls nicht nach den Maß­stä­ben, die vor 2015 gal­ten. Eine Kind­heit in der Eifel erklärt die­se Eigen­schaft eben­so wenig wie eini­ge Jah­re als Redak­teur beim „stern“. Wie auch immer, die Fähig­keit, humor­voll und zwi­schen den Zei­len zu sti­cheln, kommt ihm in Zei­ten aktu­el­ler alter­na­tiv­lo­ser Regie­rungs­herr­lich­keit gut zupass. Und natür­lich dem Leser, der auf jeder Sei­te ver­stän­dig und kon­spi­ra­tiv min­des­tens drei­mal grinst und gig­gelt, wäh­rend er sich mit dem Autor beim Umblät­tern inner­lich „high five“ gibt.

„Die sind nicht von Natur aus Idioten, die haben das studiert“

Es sind tat­säch­li­che Begeg­nun­gen, die Maxei­ner mit Wort­witz beschreibt, wenn er etwa von einer Begeg­nung mit War­zen­schwein Pig­gy in Nami­bia berich­tet (Augen­auf­schlag einer Opern­di­va, aber das Aus­se­hen des Glöck­ners von Not­re-Dame) oder von einer Braut erzählt, die ihn tele­fo­nisch als Hoch­zeits-Kut­scher buchen möch­te (Man merkt, dass sie viel tele­fo­niert, sie könn­te mir mühe­los eine Luxus-Woh­nung in Hoyers­wer­da ver­kau­fen). Immer wie­der gibt es Bezü­ge, die einen gewoll­ten Kon­trast zu den Befind­lich­kei­ten der heu­ti­gen „Genera­ti­on Snow­fla­ke“ her­stel­len (Kein ein­fühl­sa­mer Psy­cho­lo­ge flan­kier­te unse­re Erzie­hung, Leber­tran muss­te rei­chen) und bei all sei­nen Erzäh­lun­gen aus Nami­bia, Paris, Ham­burg, Prag oder Los Ange­les kommt er doch immer wie­der nach Hau­se zurück. Nach Augs­burg. Dort spielt auch eine mei­ner Lieb­lings­ge­schich­ten, die mich ein wenig an den Kick-Off im ers­ten Wer­ner-Film erin­nert, wo sze­nisch beschrie­ben wird, was ein Fuß­ball aus­löst, wenn man ihn aus dem fünf­ten Stock mit­ten auf einen beleb­ten Markt­platz schießt. Der geneig­te Leser behal­te die­ses Bild im Kopf, wenn er „Klin­geln und Jau­len“ ab Sei­te 14 liest.

Und Poli­tik? Ja, die kommt auch vor. Aber Sie wer­den es kaum mer­ken. Denn Maxei­ner ist kein Zahn­arzt. Er bohrt nie! Ver­spro­chen! Als ech­ter Sonn­tags­fah­rer hat er viel­mehr prak­ti­sche Ideen, wie wir den Lada Laden „Deutsch­land“ wie­der zum Lau­fen krie­gen. Mit Bord­mit­teln gewis­ser­ma­ßen. Man soll­te, statt den Deut­schen aus­ge­rech­net das Auto mehr und mehr madig zu machen, lie­ber in die Regeln schau­en, die wir uns – nicht nur zum Zwe­cke des sonn­täg­li­chen Aus­flugs ins Grü­ne oder Blaue – gege­ben haben und nach denen täg­lich meh­re­re Mil­lio­nen Men­schen zur Arbeit fah­ren, um die gro­ße Kar­re trotz aller Wid­rig­kei­ten und ent­ge­gen jede sta­tis­ti­schen Pro­gno­se und Fein­staub­war­nung immer noch am Lau­fen hal­ten: unse­re StVO!

Mehr Straßenverkehrsordnung wagen

Denn dort fin­den wir im Grun­de alles, was wir auch außer­halb des Stra­ßen­ver­kehrs für ein gedeih­li­ches, fried­li­ches Mit­ein­an­der brau­chen: „Die Teil­nah­me am Stra­ßen­ver­kehr (ali­as Leben, Anm. d. V.) erfor­dert stän­di­ge Vor­sicht und gegen­sei­ti­ge Rück­sicht. Jeder Ver­kehrs­teil­neh­mer hat sich so zu ver­hal­ten, dass kein ande­rer geschä­digt, gefähr­det oder mehr als nach den Umstän­den unver­meid­bar, behin­dert oder beläs­tigt wird.“

Maxei­ners Buch, die StVO, einen alten Vol­vo und wahl­wei­se ein paar Liter Die­sel oder Super (kein E10, das ist Gemü­se­brü­he) – mehr braucht es eigent­lich nicht, um aus folg­sa­men, schwanz­we­deln­den „Gol­den Retrie­vern“, zu denen wir ver­kom­men sind, wie­der selbst­be­wuss­te Men­schen zu machen. Recht hat er! Möge jeder einen Tank und eine Nase voll nehmen.

Print­aus­ga­be
ISBN 978-3-9819755-3-6
19,00 €
im Ach­gut-Shop
bei Ama­zon

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3 Kommentare

  1. Die „Ach­se des Guten“ ist - mit weni­gen, rasch ver­ges­se­ne­nen und ver­zie­he­nen - Aus­rut­schern mein Vade­me­cum in Zei­ten gehäuf­ter Déjà Vus aus DDR-Zei­ten. Und da Pol­lit­bü­ro­kra­ten nach wie vor nicht um Ver­zei­hung bit­ten, bleibt ihr schwüls­ti­ges Reden und ver­ant­wor­tungs­lo­ses Han­deln unver­ges­sen. Einst & jetzt.
    Dan­ke an Bro­der, Maxei­ner, Letsch, Seitz, Hafer­burg, Wendt, Lengs­feld, Hein­sohn,… und Fro­he Weihnachten!

  2. Es ist wirk­lich bewun­derns­wert wie Herr Maxei­ner mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit die komi­schen Momen­te sei­ner Beob­ach­tun­gen in einen unter­halt­sa­men, humor­vol­len lite­ra­ri­schen Guß zu ver­ar­bei­ten versteht.
    Obwohl Autos, Hun­de und Kat­zen sonst kei­ner­lei Inter­es­se in mir wecken, lese ich den­noch mit Begeis­te­rung sonn­tags sei­ne Kolum­ne auf ach­gut. Ein Mensch, der es ver­mag, mich über den all­täg­li­chen poli­ti­schen Wahn­sinn zum kichern zu brin­gen, ist ein ech­tes The­ra­peu­ti­kum und trägt zur Lebens­lust bei. Das Buch habe ich natür­lich bereits erwor­ben. Übri­gens, sein Mit­her­aus­ge­ber Bro­der steht ihm da in nichts nach!

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