Welt-Kor­re­spon­dent Dani­el Fried­rich Sturm spricht vom „His­to­ri­schen Ver­sa­gen der Grand Old Par­ty“, Jörg Wima­la­sena von der Zeit meint „Es [das Impeach­ment] hat sich den­noch gelohnt“ und bei­der Kol­le­ge Roland Nel­les vom Spie­gel spricht gar vom „Tri­umph des Wahn­sinns“. Alle drei sind sich einig in ihrem Urteil, dass das Schei­tern des Impeach­ment-Ver­fah­rens gegen Trump ein Armuts­zeug­nis für die Repu­bli­ka­ner und eine Schan­de für die ame­ri­ka­ni­sche Demo­kra­tie dar­stel­le. Die Ent­täu­schung sitzt tief im deut­schen Jour­na­lis­mus, wo man tra­di­tio­nell immer bes­ser weiß, wie ame­ri­ka­ni­sche Poli­tik eigent­lich funk­tio­nie­ren müss­te. Denn wenn es bei Wah­len mit rech­ten Din­gen zugin­ge, wür­den seit Jahr­zehn­ten nur noch die Demo­kra­ten den Prä­si­den­ten stel­len.

Zunächst muss­te man im US-Senat (poli­tisch, nicht recht­lich) die Fra­ge klä­ren, ob jemand nach dem Aus­schei­den aus sei­nem Amt über­haupt noch aus dem Amt gejagt wer­den kön­ne. Die­se seman­ti­sche Spitz­fin­dig­keit umging man letzt­lich mit der Behaup­tung, kön­ne man dies nicht, wäre das ein Frei­fahrt­schein für jeden Prä­si­den­ten in den letz­ten Wochen sei­ner Amts­zeit. Doch das trifft ja nicht nur auf Trump zu, der die Zeit wie fast jeder Prä­si­dent vor ihm dazu nut­ze, per Begna­di­gung ihm geneh­mer rechts­staat­lich Ver­ur­teil­ter dem Gesetz in den Arm zu fal­len. Nach der Les­art der Demo­kra­ten und eini­ger Repu­bli­ka­ner geht jede letz­te Amts­zeit gewis­ser­ma­ßen „aufs Haus“, was jedoch noch nie stimm­te. Inter­na­tio­na­les oder Zivil­recht kann jeden Ex-Irgend­was ein­ho­len, ob er nun Slo­bo­dan Miloše­vić, Charles Tay­lor oder Augus­to Pino­cet heißt. Wich­tig ist jedoch, dass man die Anschul­di­gun­gen vor einem ordent­li­chen Gericht bewei­sen kann, statt sie vor einem poli­ti­schen Tri­bu­nal durch die poli­ti­sche Kon­kur­renz nur „her­bei­zu­füh­len“. Ergeb­nis­of­fen natür­lich. Frei­spruch und Beru­fung nicht ausgeschlossen.

Aus Wort wird Tat wird Attentat

Ein siche­res Anzei­chen dafür, dass wir uns längst und ohne es zu bemer­ken in einer Art digi­ta­len Bür­ger­krieg befin­den, ist die Ange­wohn­heit vie­ler Poli­ti­ker und ihrer Medi­en­claqeu­re, Wor­te mit Taten gleich­zu­set­zen, wenn es ihnen passt. Äuße­run­gen wie „X hat mit­ge­schos­sen, mit­ge­sto­chen, mit­ge­bombt“, „Die Rhe­to­rik von Y berei­tet das Feld für Z“ oder „Die Rede von Z stif­te­te A an“ sind seit Jah­ren all­ge­gen­wär­tig. Es han­delt sich hier­bei um eine Art gut antrai­nier­ten Reflex, der jedoch auf bei­den Sei­ten des Atlan­tiks (noch) nicht gerichts­fest ist.

Und genau aus die­sem Grund fand das Ver­fah­ren gegen den Pri­vat­mann Trump auf poli­ti­scher Büh­ne statt, um nicht vor einem ordent­li­chen Gericht zu schei­tern. Die vie­len Flun­ke­rei­en und absichts­vol­len Aus­las­sun­gen und Video­zu­sam­men­schnit­te oder gefälsch­ten Twit­ter-Veri­fi­ka­tio­nen der Anklä­ger hät­ten sonst unter Eid statt­fin­den müs­sen. Die Unter­stel­lung der „Anstif­tung zum Auf­ruhr“ ist etwas, das ame­ri­ka­ni­sche Gerich­te wie­der­holt und zuver­läs­sig ver­han­del­ten und die Ver­fah­ren gin­gen nie so aus, wie die Demo­kra­ten sich das im Fall Trumps gewünscht hätten.

Ganz ehr­lich, als ich am 6. Janu­ar die Bil­der von der Erstür­mung des Kapi­tols sah, war ich fas­sungs­los. Und wie die meis­ten ande­ren brach­te auch ich die Ereig­nis­se sofort in kau­sa­len Zusam­men­hang mit der Rede Trumps am sel­ben Tag. Doch wir wis­sen nun, dass die Rede noch lief, als der durch­ge­dreh­te Mob die Absper­run­gen durch­brach und selbst die Anklä­ger Trumps in der Senats­an­hö­rung bezo­gen sich nur sehr vor­sich­tig auf die zeit­li­che Abfol­ge. Ver­han­delt wur­de nicht mehr, was Trump tat­säch­lich sag­te, son­dern was er damit zwei­fel­los gemeint habe. Doch hier ver­lässt man das juris­tisch siche­re Ter­rain der Fak­ten und begibt sich auf das Feld von Spe­ku­la­ti­on, Unter­stel­lung und Hören­sa­gen. So etwas wur­de und wird regel­mä­ßig und kon­se­quent von US-Gerich­ten abge­schmet­tert. Im Senat wur­de es jedoch trä­nen­reich beackert.

Das Argu­ment, Trumps Rhe­to­rik sei fast schon die Tat und müs­se genau wie eine sol­che oder min­des­tens wie Anstif­tung behan­delt wer­den, wäre juris­tisch jedoch kaum halt­bar. Hier zwei Bei­spie­le aus der nähe­ren ame­ri­ka­ni­schen Geschichte.

Bernie Sanders und das Baseball-Attentat

Als im Jahr 2017 der repu­bli­ka­ni­sche Abge­ord­ne­te Ste­ve Sca­li­se beim soge­nann­ten „Base­ball Atten­tat“ von James Hodgkin­son um ein Haar erschos­sen wur­de – es gab meh­re­re Ver­letz­te –, stell­te sich der Täter als Unter­stüt­zer von Ber­nie San­ders her­aus, in des­sen Prä­si­dent­schafts­kam­pa­gne Repu­bli­ka­ner immer wie­der als „fehl­ge­lei­tet“ oder gar als „Ver­rä­ter“ bezeich­net wur­den. Hodgkin­son zähl­te in einem kran­ken Hirn zwei und zwei zusam­men und ent­schied, sich meh­re­rer die­ser „Ver­rä­ter“ mit Hil­fe von Schuss­waf­fen zu ent­le­di­gen. Die poli­ti­sche Rhe­to­rik bei der Kam­pa­gne von San­ders mag hier viel­leicht eine Rol­le gespielt haben, die Ver­ant­wor­tung für sei­ne Tat muss­te Hodgkin­son jedoch allein tra­gen und trug sie auch – er wur­de beim anschlie­ßen­den Schuss­wech­sel mit der Poli­zei erschos­sen. Eine wei­ter­ge­hen­de Ver­ant­wor­tung von Ber­nie San­ders für die Radi­ka­li­sie­rung des Man­nes unter­stell­te nie­mand. Zumin­dest nicht vor Gericht oder im Senat. 2019 durf­te sich Sena­tor San­ders wie­der in den Vor­wah­len um das höchs­te Amt in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten bewerben.

Clairborne gegen NAACP

Die 1960er Jah­re waren beson­ders die Süd­staa­ten der USA geprägt von Ras­sen­un­ru­hen und Bür­ger­pro­tes­ten. Die Bür­ger­rechts­be­we­gung „Natio­nal Asso­cia­ti­on for the Advan­ce­ment of Colo­red Peop­le“ (NAACP) rief auf ihren Kund­ge­bun­gen immer wie­der zum Boy­kott „wei­ßer Geschäf­te“ und unver­hoh­len zur Gewalt gegen Wei­ße auf. In der Fol­ge kam es immer wie­der zu Brand­stif­tun­gen und Plün­de­run­gen von Geschäf­ten, auch in Mis­sis­sip­pi. Meh­re­re betrof­fe­ne Geschäfts­in­ha­ber ver­klag­ten dar­auf­hin nicht nur die unmit­tel­bar an den Zer­stö­run­gen betei­lig­te Per­so­nen, son­dern auch die NAACP selbst, weil die Orga­ni­sa­ti­on hier als Anstif­ter auf­ge­tre­ten sei. Der Supre­me Court von Mis­sis­sip­pi wies die Kla­ge gegen die NAACP jedoch ein­stim­mig mit 8:0 Stim­men ab und berief sich in der Urteils­be­grün­dung klar auf den ers­ten Ver­fas­sungs­zu­satz: Meinungsfreiheit!

So etwas wie das, was deut­sche Medi­en gern als „geis­ti­ge Brand­stif­tung“ bezeich­nen, gibt es vor ame­ri­ka­ni­schen Gerich­ten nicht.

Das Wort ist nicht die Tat

Selbst eine von Gewalt­phra­sen nur so strot­zen­de Rhe­to­rik initi­iert kei­ne Anstif­tung zur Tat, wenn sie nicht kon­spi­ra­tiv erfolgt. Jedes Gericht urteilt ent­spre­chend. Trump hät­te sei­nen Anhän­gern schon direk­te Befeh­le der Art „Du nimmst das Ben­zin und du die Streich­höl­zer und dann geht ihr dort hin und fackelt alles ab“ geben müs­sen. Dass die Demo­kra­ten die­sen Beweis vor Gericht nicht hät­ten füh­ren kön­nen, war sicher­lich ein Grund für das has­ti­ge poli­ti­sche Tri­bu­nal im Kon­gress. Doch dort wur­de es knif­fe­lig. Denn wie Micha­el Van Der Veen in sei­ner Ver­tei­di­gung dar­leg­te, ist es in der poli­ti­schen Rhe­to­rik auf bei­den Sei­ten seit Jah­ren üblich, jede Art von Kriegs­vo­ka­bu­lar als Meta­pher zu verwenden.

Auch wer in Deutsch­land eine Wahl­kampf­ver­an­stal­tung der SPD oder der Lin­ken besucht, sieht sich ver­bal schnell von Kampf, Fackeln, Fäus­ten, Gewalt­an­dro­hun­gen und Bar­ri­ka­den umge­ben. Nie­mand käme auf die Idee, dies zu kri­mi­na­li­sie­ren und wer Hand­lungs­an­wei­sun­gen dar­aus ablei­tet, der kommt, wie jeder der „Stim­men“ hört, die ihm Befeh­le ertei­len, in die Jacke mit den lan­gen Ärmeln, die auf dem Rücken zusam­men­ge­bun­den wer­den. Die Fra­ge ist also nur, wer sich sol­cher Rhe­to­rik bedient, wer ihr zuhört und wer war­um unter­stellt, dass die­se Wor­te wie Befeh­le zu behan­deln seien.

Es ist sogar die Fra­ge aller Fra­gen, die Fra­ge, wie die mit Macht jene ohne Macht so miss­ver­ste­hen kön­nen, dass die Schluss­fol­ge­run­gen ins eige­ne Welt­bild und zu den geplan­ten Maß­nah­men pas­sen. Wenn Wor­te aus dem Mund von sagen wir Maxi­ne Waters harm­los, die­sel­ben aus dem Mund von Donald Trump jedoch auf­rüh­re­risch sind, haben sich Wahr­neh­mung und Urteils­kraft in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten womög­lich unwie­der­bring­lich auseinandergelebt.

Die gespaltenen Staaten von Amerika

Ich betrach­te die poli­ti­sche Spal­tung der ver­ei­nig­ten Staa­ten mitt­ler­wei­le nicht mehr als Mene­te­kel, son­dern als voll­zo­gen, auch wenn ich wie nie zuvor hof­fe, mich zu irren. Zumal der Pro­zess der Spal­tung noch nicht abge­schlos­sen ist und wir nicht wis­sen, wie tief er noch schnei­den kann. Trumps Prä­si­dent­schaft war Aus­druck die­ser Spal­tung, nicht des­sen Ursa­che. Das erkennt man auch dar­an, dass die Grä­ben seit der Amts­ein­füh­rung von Joe Biden noch tie­fer gewor­den sind, obgleich die­ser das Pro­jekt „Ver­söh­nung“ bekannt­lich zu sei­nen vor­nehms­ten Auf­ga­ben zählt und er sich klu­ger­wei­se aus dem Impeach­ment-Ver­fah­ren her­aus­ge­hal­ten hat.

Jede Nach­richt, jede Gerichts­ent­schei­dung, jede Exe­cu­ti­ve Order des Prä­si­den­ten fin­det jedoch zwei völ­lig unter­schied­li­che Inter­pre­ta­tio­nen. Biden ist gewis­ser­ma­ßen der Gegen­trump, das Ladungs­äqui­va­lent, das Posi­tron anstel­le des Elek­trons. Die­sel­be Hand­lung ist für die einen die Ret­tung der Demo­kra­tie, für die ande­ren deren Besei­ti­gung. Genau­so ver­hält es sich mit dem geschei­ter­ten Impeach­ment, in dem die einen das Ende der GOP erbli­cken wol­len und die ande­ren deren letz­te Hoff­nung. Mein Tri­be, dein Tri­be. Mei­ne Wahr­heit, dei­ne Wahr­heit. Mein Ame­ri­ka, du hast dei­nes ver­wirkt! Wir sind im Recht, dein Anspruch ist ille­gi­tim! Im Grund wie bei den Rosen­krie­gen, nur nicht im Eng­land des 15. Jahr­hun­derts, son­dern heu­te in Ame­ri­ka. Jedes Inter­view ein Schwert­hieb, jeder Tweet ein Pfeil. Rot gegen Weiß, Rot gegen Blau.

Die Rettung der Wahl

Exem­pla­risch für den offen­kun­di­gen und kri­tik­lo­sen Tri­ba­lis­mus und die all­ge­mei­ne Wahr­neh­mungs­stö­rung ist Mol­ly Balls „Time“-Artikel „The Secret Histo­ry of the Shadow Cam­pai­gn That Saved the 2020 Elec­tion“ vom 4. Febru­ar 2021, in dem sie vol­ler Stolz (die Gegen­sei­te wür­de sagen: ohne Scham) dar­über berich­tet, wel­che „gehei­men Maß­nah­men“ im Vor­feld ergrif­fen wur­den, um die Prä­si­dent­schafts­wahl 2020 zu „ret­ten“. Ein Trump-Unter­stüt­zer wird, wenn er den Arti­kel liest, sicher zu ganz ande­ren Schluss­fol­ge­run­gen gelan­gen. All die Maß­nah­men, die grund­lo­se Aus­wei­tung des „absen­tee Bal­lot“ zur all­ge­mei­nen Brief­wahl, die Absen­kung oder Aus­set­zung der Sicher­heits­stan­dards, das buch­stäb­li­che „Ern­ten“ von Stim­men, das Rekru­tie­ren ganz bestimm­ter Wahl­hel­fer, die Ände­rung von Wahl­ge­set­zen auf dem Ver­ord­nungs­weg, …all die tau­send klei­nen Nadel­sti­che, von denen der Arti­kel stolz berich­tet und ange­sichts derer ein Trump-Unter­stüt­zer sich fra­gen muss „War­um geben die das alles jetzt offen zu, obwohl sie es doch mona­te­lang geleug­net haben?”, wie kann man nur so naiv dar­über berichten?

Die Ant­wort ist so ein­fach wie erschre­ckend: Man hält es nicht für Betrug, son­dern für das genaue Gegen­teil. Wozu auch etwas ver­ber­gen, wor­auf man stolz ist? Man gibt nichts zu, son­dern an. Man sagt, zur Ver­hin­de­rung von Betrug ist „Betrug“ erlaubt, ja, gebo­ten. Es gab eben nur einen legi­ti­men Kan­di­da­ten und einen, der um jeden Preis zu ver­hin­dern war. Wo ist da „Voter fraud“? Betrug ist ehren­voll, so wie Ver­rat ehren­voll ist, wenn er Ver­rä­ter oder die „vom ande­ren Stamm“ trifft. Tyran­nen­mord ist ja auch kein Mord, son­dern Bürgerpflicht!

Wich­tig ist jedoch, dass der Tyrann immer Tyrann bleibt. Ein Tyrann kann sich nicht wie einst Dik­ta­tor Sul­la ins Pri­vat­le­ben zurück­zie­hen oder wie Trump in Flo­ri­da Golf spie­len. Der gan­ze auf­ge­bla­se­ne Hype von der Gefahr für die Demo­kra­tie (die ja eigent­lich eine Repu­blik mit demo­kra­ti­schen Wah­len ist) fie­le sonst wie ein Kar­ten­haus in sich zusammen.

Das schlimms­te, was Trump den Wort­füh­rern der Demo­kra­ten jetzt antun kann, wäre ein­fach nichts zu machen oder zu sagen. Gar nichts. Für lan­ge Zeit. Und das könn­te ihm sogar gelin­gen, denn kurz­sich­ti­ger­wei­se – und nie­mand bedau­ert das mehr als die Medi­en, die ein­fach nicht von Trump las­sen kön­nen – hat man ihm sein Lieb­lings­feu­er­zeug Twit­ter weg­ge­nom­men, ohne das er so gar nicht mehr wie Nero wirkt. Ande­rer­seits: hät­te man das schon im Juni 2019 getan, wäre er jetzt wohl noch Prä­si­dent. Das Estab­lish­ment, zu dem Trump zunächst als Pau­sen­clown und spä­ter als Prä­si­dent nie gehör­te, hat­te offen­bar nur die Wahl zwi­schen schlech­tem und ganz schlech­tem Timing.

Betriebsunfall

Oba­mas Wie­der­wahl 2012 war die Fol­ge des ers­ten erfolg­rei­chen Social-Media-Wahl­kamp­fes in den USA. Die Wahl im Jahr 2016 darf hin­ge­gen als „Unfall aus Über­heb­lich­keit“ betrach­tet wer­den, denn Clin­ton glaub­te, es mit der schwer­fäl­li­gen, unbe­weg­li­chen GOP zu tun zu haben. Statt­des­sen traf sie auf einen Geg­ner, der die Medi­en deut­lich bes­ser bespie­len konn­te als jeder Kan­di­dat zuvor und nicht nur Clin­ton, son­dern auch die eige­ne Par­tei über­rum­pelt hat­te. Seit 20 Jah­ren mach­te Trump schließ­lich nichts ande­res als media­les Feu­er­werk. Für 2020 woll­te man auf „Num­mer sicher“ gehen. Der Wahl­kampf begann des­halb auch schon im Janu­ar 2017, ers­te Anläu­fe zur Amts­ent­he­bung gab es bereits vor der Inau­gu­ra­ti­on und da ist es nur kon­se­quent, nicht damit auf­zu­hö­ren, als Trump bereits aus dem Amt war. Auf die­se Idee waren die Demo­kra­ten nicht mal bei Nixon gekommen!

„Klei­ne Schräub­chen“ wie die im Time-Arti­kel beschrie­be­nen, mit deren Hil­fe das Estab­lish­ment die Wahl beein­flus­sen kann, gab es natür­lich schon immer. Lan­ge Zeit wur­den bei­spiels­wei­se gern die Wahl­krei­se ent­lang des Wahl­ver­hal­tens neu zuge­schnit­ten. Neue Tech­ni­ken der Wäh­ler­bin­dung kamen hin­zu und heu­te haben wir mit Aus­nah­me weni­ger „Swing-Sta­tes“ eine fest eta­blier­te Tren­nung in Blue (Demo­kra­ten) und Red (Repu­bli­ka­ner) Are­as. Doch wo die Bewe­gung fehlt, ver­här­tet der Filz, egal wel­che Far­be er hat.

Eine Art vor­sich­ti­ger „Reset der Hoff­nun­gen“ ist des­halb gera­de nach Prä­si­dent­schafts­wah­len mit Macht­wech­sel uner­läss­lich. Doch der konn­te, ja durf­te 2017 nicht statt­fin­den. Dafür sorg­ten die Medi­en. Nach Bidens Macht­an­tritt 2021 ist nun noch weni­ger auf solch einen „Reset“ zu hof­fen. Die Zustim­mungs­wer­te Bidens unter den Wäh­lern des unter­le­ge­nen Kan­di­da­ten (zwei­te Tabel­le im Link) sind die schlech­tes­ten, die wohl je gemes­sen wur­den. Auch hier kann man das „Pro­jekt Ver­söh­nung“ nicht erbli­cken, son­dern das genaue Gegen­teil: die Tri­ba­li­sie­rung geht wei­ter. Wenn von Ver­söh­nung gespro­chen, aber Unter­wer­fung gefor­dert wird, ist das eigent­lich kein Wunder.

Das Impeach­ment-Ver­fah­ren, das man Trump nach­wer­fen woll­te, wird als poli­tisch moti­vier­ter Ver­such im Gedächt­nis blei­ben, einen unlieb­sa­men oder unbe­que­men Kon­kur­ren­ten den Zugang zu Ämtern zu ver­weh­ren. Doch so etwas wie „mora­li­sche Ver­ant­wor­tung“ gibt es nun mal nicht in der Poli­tik. Nicht bei den Ergeb­nis­sen und lei­der auch nicht bei den Mit­teln. Nie­mand brach­te die Gefahr des Miss­brauchs sol­cher Tri­bu­na­le bes­ser zum Aus­druck als aus­ge­rech­net die Sati­ri­ker von Baby­lon­Bee: War­um nicht ein pro­phy­lak­ti­sches Impeach­ment gegen die Kon­ser­va­ti­ve Can­dace Owens, um deren mög­li­che Kan­di­da­tur 2024 zu ver­hin­dern? Ein Scherz, gewiss! Noch.

Ob Trump 2024 wie­der antritt? Ehr­lich gesagt wün­sche ich mir das nicht. Es gibt dann sicher bes­se­re Kan­di­da­ten. Viel­leicht ja end­lich mal wie­der jemand, der oder die wirk­lich geeig­net ist? Aller­dings könn­ten Trumps Chan­cen aus einem ganz bestimm­ten Grund gar nicht so schlecht sein: er ist bei Twit­ter lebens­läng­lich gesperrt und wie groß die Chan­cen für einen Kan­di­da­ten sind, der im Kel­ler sitzt und gar nichts sagt, hat Joe Biden bereits hin­rei­chend bewie­sen. Es müss­te sich nur eine gro­ße Grup­pe enga­gier­ter „Wahl­ret­ter” fin­den, die still und effi­zi­ent die „Vor­ar­beit” leistet.

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6 Kommentare

  1. D. Trump schick­te kei­nen Men­schen in einen Krieg, im Gegen­teil, er hol­te Trup­pen nach Hau­se; er schaff­te neue Arbeits­plät­ze, z.T. dadurch, daß er Arbeits­plät­ze (gan­ze Fir­men) nach Hau­se hol­te; damit zeig­te er, daß er sich um den soge­nann­te „klei­nen Mann” küm­mert, die von den demo­k­rats ver­ach­tet bzw. nicht beach­tet wur­den; dabei sind es gera­de jene, die das Reich­tum der USA erar­bei­ten; er begann Frie­den zu schaf­fen zwi­schen ara­bi­schen Staa­ten und Isra­el, den die EU in Jahr­zehn­ten nicht geschafft hat wegen ihre nie zuge­ge­be­ne Anti­se­mi­tis­mus, sowie wegen ihrer Angst von der „ara­bi­schen Stra­ße”. Vom Öl nicht zu reden. Und trotz die­ser Leis­tun­gen wur­de er nur ver­teu­felt. Oder gera­de wegen die­ser? Ich den­ke ja. Denn so konn­te man klar sehen die Unfä­hig­keit der EU-Poli­tik, ihre Unfle­xi­bi­li­tät, um nicht Ver­stei­ne­rung zu sagen. Sowie ihre Heu­che­lei, ihre Dop­pel­zün­gig­keit. Mei­ne Mei­nung über die Poli­tik der EU hat sich nicht in der Zeit von Trump gebil­det, son­dern viel frü­her. Die­se Zeit hat sie nur noch bes­ser unter­mau­ert und ver­stärkt. Ich wäre zufrie­de­ner, könn­te ich was Bes­se­res schrei­ben. Lei­der… Ich wäre jeden­falls fro­her, wenn noch immer Trump US-Prä­si­dent wäre. – Wenn ich dem gegen­über dar­an den­ke, wie die Leu­te der ira­ni­schen Füh­rung in der EU emp­fan­gen wer­den, die­se tat­säch­li­che oder Schreib­tisch­mör­der, dreht sich mein Magen um. So freu­dig, so zuvor­kom­mend, fast ihre Ä****e leckend… EU-Poli­ti­ker müs­sen einen Magen aus Eisen haben,
    um sol­ches ohne Geschwü­re zu über­ste­hen. Oder, was wahr­schein­li­cher ist, besit­zen sie kein Gewis­sen. Und sol­che Poli­ti­ker füh­ren die EU. In was für eine schö­ne Welt wir leben! Pfuj! kann ich nur
    sagen. Pfuj!!!
    lg
    caruso

  2. „Wenn Wor­te aus dem Mund von sagen wir Maxi­ne Waters harm­los, die­sel­ben aus dem Mund von Donald Trump jedoch auf­rüh­re­risch sind, haben sich Wahr­neh­mung und Urteils­kraft in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten womög­lich unwie­der­bring­lich auseinandergelebt.”

    Bes­ter Satz. Die­ses Mes­sen mit zwei­er­lei Maß ist es, was Men­schen in den USA etwas fas­sungs­los zurück­lässt. Es hat­te ja neu­lich jemand die Waters-Wor­te unter ande­rem Namen gegen Demo­kra­ten gepos­tet. Da war aber was los. Und als dann her­aus­kam, dass es Waters war, die die­se gesagt hat­te, nun, Schwamm drüber.

    Die CBS-Repor­te­rin gese­hen, die Donald Trumps Anwalt ernst­haft weis­ma­chen wol­le, dass geän­der­te Authen­ti­fi­zie­rungs­ha­ken bei Twit­ter, fri­sier­te Daten bei Postings und noch mehr doch nur Lap­pa­li­en sei­en, die die Schwe­re der Tat nicht min­dern wür­den? Der hat dann erklä­ren wol­len, war­um man doch bit­te bei der Wahr­heit blei­ben möge, wur­de dann per­ma­nent von der Repor­te­rin „über­re­det”, bis er zwei Minu­ten allei­ne sagen konn­te, was Tat­sa­che ist: Die Medi­en divi­die­ren die US-Bür­ger aus­ein­an­der, um Geld zu machen. Und die Bür­ger sind so dumm, dass mit sich machen zu las­sen, möch­te ich hinzufügen.

    Wo war die Inves­ti­ga­tiv­re­por­ta­ge, die prüft, ob Cuo­mo tat­säch­lich kran­ke Men­schen in Alten­hei­me geschickt hat und dort ein Mas­sen­ster­ben aus­ge­löst hat? Gab es kei­ne, Cuo­mo bekam einen Emmy. Über­ra­schung: Nach der Wahl wird auf ein­mal geforscht und gepos­tet. Das ist ja ein Ding.

    Ich höre auf, könn­te aber noch tage­lang wei­ter­schrei­ben. Allein: Es bringt nichts (mehr).

  3. Das wäre ja der Ober­ham­mer wenn aus­ge­rech­net eine GOP Afro­ame­ri­ka­ne­rin Prä­si­den­tin der USA wür­de. Ich lach mich jetzt schon schief über die Gesich­ter bei den Demo­kra­ten und bei Spie­gel Online.

  4. Gute Sicht auf die Din­ge! Wenn der Par­tei­en­staat sich so rich­tig ein­ge­rich­tet hat, kennt er kein Volk mehr, son­dern nur noch Geg­ner. Und die sind mit allen Mit­teln zu bekämp­fen. In den USA dau­ert der Kampf Blau gegen Rot nun schon ein­hun­dert Jah­re. Dass dabei das Gemein­wohl auf der Stre­cke bleibt, scheint kei­nen zu inter­es­sie­ren. Nun, viel­leicht liegt es ein­fach an der Per­spek­ti­ve: Aus einem gepan­zer­ten Luxus­mo­bil mit fünf Body­guards sieht die Welt nun mal anders aus. Dumm nur, dass auch die gan­zen Luxus­re­stau­rants in Washing­ton nun geschlos­sen haben. Wo geht man hin? Aber, Opfer müs­sen halt gebracht werden.

  5. Nach­tre­ten ist ein eigent­lich ekel­haf­tes Ver­hal­ten und deu­tet auf tief­sit­zen­de Hass­ge­füh­le mit Rache­ge­lüs­ten hin. Der alte Mann Jo(seph) spricht von Ver­söh­nung und dahin­ter harrrrt Kamala
    der White Supre­ma­cy den Todes­stoß zu ver­set­zen. Des­halb ist sie auch nicht schwarz, son­dern chi­ne­sisch Gelb .

    • Ich glau­be eher, dass dahin­ter Oba­ma steckt und diri­giert, das hat­te er im Pres­se­inter­view mal gesagt: Er wür­de lie­ber aus der hei­mi­schen Woh­nung steu­ernd ein­grei­fen, als das poli­ti­sche Par­kett erneut zu betre­ten. Er ist auch der ein­zi­ge Prä­si­dent, der nach dem Ende sei­ner Dienst­zeit nicht aus D.C. weg­ge­zo­gen ist.

      Und Kama­la Har­ris, ganz ehr­lich? Die um die zwei Pro­zent (!) aller Vor­wahl­stim­men bekom­men hat? Die eine Affä­re mit dem Bür­ger­meis­ter von San Fran­cis­co hat­te und mit ihm auf des­sen Geburts­tags­par­ty auf­ge­tre­ten ist, auf der auch die Frau Bür­ger­meis­ter am Start war?

      Ohne­hin: Alle haben Trumps Vie­lehen gegei­ßelt. Wuss­ten Sie, dass Joe Biden eine Affä­re mit der ver­hei­ra­te­ten Jill hat­te, die heu­te sei­ne Frau ist? Hat das je ein deut­sches Medi­um berichtet?

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