(c) www.demokratisch-links.de
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Fährt man dieser Tage durch Berlin, kann man dem Wahlkampf nicht entkommen. Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich noch nie anhand der Aussage eines der Wahlplakate meine Wahlentscheidung geändert habe. Auch meine Entscheidung, überhaupt zur Wahl zu gehen, beeinflussen sie nie. Selbst als Erinnerung an den Wahltermin taugen die Dinger nicht, denn irgendwann schneidet mein Unterbewusstsein die Plakate aus meinem Alltag, wie Druckstellen beim Kartoffelschälen. Dabei gibt es wirklich interessantes im Wahlkampf-Berlin zu entdecken! In der Vergangenheit waren es häufig die Plakate der Parteien, die unter „Andere“ zusammengefasst werden – wobei ich mich frage, warum diese sich nicht längst zu einer gleichnamigen Partei zusammengeschlossen haben, um endlich mal eine Chance zu haben. Bei der Senatswahl 2016 ist es aber der Slogan der Linken, der alles andere inhaltlich um Länge schlägt:

„Und die Stadt gehört Euch!“

Ich wusste, es gibt ein Häkchen mit dem Kreuzchen! Da geht man womöglich Links wählen, weil man Gras legalisieren möchte, kostenlose Kita-Plätze oder Beugehaftanstalten für Superreiche haben will und dann hat man gleich die ganze Stadt Berlin an der Backe kleben! Und die ganzen Schulden gleich mit! „Und die Stadt gehört Euch“, na toll, also mir! Am Ende bleibt es sowieso immer an mir hängen. Die anderen Berliner und all die Touristen latschen dann überall rum, lassen ihre Flaschen und Kippen liegen und ich muss mich in meiner Stadt um die Stadtreinigung kümmern. Wenn die dort wenigstens für umme arbeiten würden – aber die wollen Geld, diese kapitalistischen Straßenkosmetiker! Von mir natürlich! Und wer weiß wie viele andere Leute mir dann auch noch auf der Tasche liegen!

Ausgerechnet Berlin gehört mir nun – nur wegen eines kleinen Kreuzchens auf einem Zettel. Die einzige Hauptstadt Europas, ohne die das jeweilige Land wohlhabender wäre, als mit ihr. Kein Wunder, dass die Linke sie los werden will! Ein Kreuz auf einem Zettel und schon ist es meine Polizei, meine Kanalisation, mein Pannenflughafen (die Hälfte, noch mal Glück gehabt), mein A100-Verkehrschaos, meine Wohnungsnot, meine Drogenfahndung, meine Schlaglöcher, mein Kanzlerinnenamt, mein Neukölln. Wisst ihr was…behaltet Berlin!

Wohnte ich dort, machte ich mein Kreuz lieber woanders als ausgerechnet bei der Linken. Die Drohung auf den Wahlplakaten zeigt wohl doch Wirkung bei mir, das hätte ich nicht erwartet!

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