zahlSeit Jahren jam­mern die Poli­tik­er über ihr wahlmüdes Volk. Es gehe ihm eben zu gut, es prof­i­tiere von der First-Class-Poli­tik in Deutsch­land, gebe aber nicht pflichtschuldig alle paar Jahre mit einem Kreuz auf einem Zettel seine Zus­tim­mung zu all den Wohltat­en. Das Wet­ter war schuld (weil zu gut) oder der poli­tis­che Geg­n­er (weil zu schlecht), dass die Wäh­ler zuhause bleiben. Beson­ders gern heißt es dann in den fol­gen­den Ele­fan­ten­run­den, man hätte „seine Wäh­ler lei­der nicht aus­re­ichend motivieren kön­nen“ – zu satt und sich­er sei alles gewe­sen. Jed­er ist sich sich­er, wenn nur mehr Wäh­ler zu Wahl gegan­gen wären, das Ergeb­nis wäre für die SPDCDULINKEGRÜNEFDP ein anderes gewe­sen. Aber sowas von!

Gestern noch belächelte der Innen­res­sort-Chef der Süd­deutschen, Herib­ert Prantl, bei Phoenix (Unter den Lin­den) die kaum gestiegene Wahlbeteili­gung (nur 10% mehr…so doll sei das ja nun auch wieder nicht) und nun das! Heute hat die Süd­deutsche Zeitung nachgerech­net und man möchte den Parteien zurufen: „Seid’s ihr dep­pert? Hört auf, die Leute an die Urnen zu treiben!“ Die Münch­n­er haben aus­gerech­net, dass die „etablierten“ Parteien in McPomm fast keine Stim­men ver­loren haben – es waren die hinzugekomme­nen Wäh­ler, die ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben!

Ja Her­rgot­tkruz­itürken­ver­dammich­nochamoi! Hätte den dep­perten Wäh­lern nicht mal jemand klar machen müssen, dass sie nicht irgend­was wählen sollen, son­dern das, was in der Aus­lage liegt und was man ken­nt? Das klappt doch in Bay­ern auch immer so gut! Son­st soll man gefäl­ligst ein­fach zuhause bleiben und die Klappe hal­ten wie seit Jahren schon und sich dann am Wahlabend dafür beschimpfen lassen, dass man nicht vom beque­men Sofa run­terkommt. Die Poli­tik­er erken­nen dann wieder erhöht­en Poli­tik-Erk­lärbe­darf und wollen in Zukun­ft alle Men­schen “mit­nehmen” (also jet­zt aber ganz echt und ehrlich) und stürzen sich mit Feuereifer in die näch­sten vier Man­dat­s­jahre. So haben wir das doch son­st auch immer gemacht: Arbeit­steilung! Ihr redet uns nicht in die Poli­tik hinein und wir tuen so, als sei uns eure Lethargie nicht recht. Die Nichtwäh­ler waren Jahre­lang eine zuver­läs­sige Größe, mit der man je nach Bedarf die poli­tis­che Bedeu­tung des Geg­n­ers kleinre­den oder die eigene Bedeu­tung mit dem Hin­weis auf zu hebende Stim­men-Schätze großrech­nen kon­nte. Aber dazu müssen die Nichtwäh­ler eben zuver­läs­sig zuhause bleiben!

Dabei klingt Prantl’s flapp­sige Bemerkung mit den „nur 10% mehr Wahlbeteili­gung“ im Nach­hinein wie ein Menetekel. Man stelle sich vor, es wären nicht 10%, son­dern 20% mehr zur Wahl gegan­gen!  Aber wer kann schon sagen, wie diese ges­timmt hät­ten! Sich­er für SPDCDULINKEGRÜNEFDP – wenn nur das Wet­ter am Wahlson­ntag nicht so schön gewe­sen wäre!

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2 Kommentare

  1. Ha! Die Poli­tik bess­er erklären!
    Was meine Oma schon wusste: Man kann eine Lüge nur mit ein­er Lüge erk­lären. Und diese Lüge braucht wiederum Lügen, damit die erk­lärende Lüge die Lüge erk­lären kann.
    Die Wahrheit ist schließlich der Feind dieser “Demokratie”.

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