Trotz des media­len Thea­ter­don­ners und einer eher spär­lich bestück­ten Web­sei­te ist Sah­ra Wagen­knechts neue lin­ke Sam­mel­be­we­gung „Auf­ste­hen“ noch nicht wirk­lich gestar­tet. Doch als han­de­le es sich um das Bestell­for­mu­lar für das brand­neue iPho­ne, von dem noch nie­mand nix genau­es weiß, dass man aber unbe­dingt haben muss, bie­tet „Auf­ste­hen“ schon mal an, „Teil der Bewe­gung“ zu wer­den. In wel­che Front man sich damit ein­rei­hen wür­de, kann man natür­lich nur ahnen, auch wenn es sich tech­nisch gese­hen zunächst mal nur um einen News­let­ter han­delt. „Teil der Bewe­gung“ klingt natür­lich bes­ser. Ich wit­zel­te neu­lich noch, dass dies im Gegen­satz zu dem, was in der Pres­se behaup­tet wird, natür­lich nicht die ers­te lin­ke Sam­mel­be­we­gung in Deutsch­land sei, schließ­lich gibt es das „Dua­le Sys­tem“ und den „Grü­nen Punkt“ schon seit 1990. Aber auch jen­seits des Humors gibt es bereits etwas, das als lin­ke „Sam­mel­be­we­gung“ mit inten­si­ver deut­scher Betei­li­gung schon eine gan­ze Wei­le weit­ge­hend unbe­ach­tet vor sich hin düm­pelt: DiEM25.

Gestar­tet ist man dort 2016 mit dem Ziel, „bin­nen zwei Jah­ren eine ver­fas­sung­ge­ben­de Ver­samm­lung“ in Euro­pa hin­zu­be­kom­men und den gan­zen Kon­ti­nent mit einer selt­sa­men Mischung aus sozia­lis­ti­scher Demo­kra­tie (was auch immer das sein soll), Gras­wur­zel­be­we­gung (wo auch immer die wach­sen mag) und uto­pi­schen Umver­tei­lungs­phan­ta­sien (bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men) umzu­krem­peln. Dar­aus wur­de bekannt­lich nichts, oder haben Sie davon gehört, dass Euro­pa jetzt eine Ver­fas­sung hat, an der Yan­nis Varou­fa­kis, Georg Diez und Juli­an Assan­ge mit­ge­schrie­ben haben? Das hat man jetzt klamm­heim­lich auf das Jahr 2025 oder 2027 (je nach Les­art) ver­scho­ben. Gut Ding will eben Wei­le haben, das ken­nen wir ja schon vom Ber­li­ner Flughafen.

Aus­ge­rech­net mei­ne Lieb­lings­links­lin­ke Kat­ja Kip­ping gehört übri­gens zu den Mit­in­itia­to­rin­nen von DiEM25, auch wenn es dort mitt­ler­wei­le recht still um sie gewor­den ist. Aber DiEM25 ist gene­rell sehr still heut­zu­ta­ge. Euro­pa umzu­bau­en hat man wohl zunächst auf­ge­scho­ben, jetzt heißt es erst mal, brü­chi­ge Schlauch­boo­te auf dem Mit­tel­meer ein­sam­meln, das ist eine Ker­be, in die ja alle schla­gen. Da mit­zu­tun und mah­nen­de Wor­te wie Pfei­le auf alles und jeden zu schleu­dern, wenn die vor­sich­ti­ge Fra­ge gestellt wird, ob das denn nun ewig so wei­ter­ge­hen soll, ist der bil­ligst zu haben­de Aktio­nis­mus. Selt­sam, dass es DiEM25 nicht ein­mal mit die­ser „muti­gen“ Posi­tio­nie­rung über die all­ge­mei­ne Wahr­neh­mungs­schwel­le schafft…ob das ein gutes Omen für „Auf­ste­hen” sei kann?

Wer schon steht, muss nicht mehr aufstehen

Dass Kip­ping und die Lin­ke ganz all­ge­mein nicht gera­de erfreut sind, dass eine wei­te­re lin­ke „Bewe­gung“ ihr das Was­ser abgräbt, Spen­den sam­melt und Auf­merk­sam­keit heischt, ist ver­ständ­lich – beson­ders in Anbe­tracht des Zustands der eige­nen „Revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung“. Was aber die Medi­en dazu bringt, in der­art ver­zück­ter Wei­se ein noch unge­leg­tes Ei zu bega­ckern, ist gera­de­zu komisch. Ob die Zau­ber­kräf­te, die man Wagen­knecht offen­bar zuschreibt, tat­säch­lich von einer neu­en, noch unfor­mu­lier­ten poli­ti­schen Idee oder doch eher von ihrer Erschei­nung aus­ge­hen, weiß man bei der „Welt“ wohl selbst noch nicht so genau. Aber man mut­maßt schon mal, das die­se Idee der AfD scha­den werde.

 „Es kann sein, dass die­se pro­fes­sio­nell vor­be­rei­te­te Atta­cke auch Wäh­ler von rechts holt und damit allen Par­tei­en außer der AfD nützt. Gera­de weil Wagen­knecht in der Flücht­lings­fra­ge eine dezi­diert kri­ti­sche­re Poli­tik als ihre Par­tei Die Lin­ke vertritt.“

Selt­sa­me Logik, lie­be „Welt”! Bekom­men wir nicht seit Wochen und bis zum Ohren­blu­ten ein­ge­schärft, dass die CSU, da sie angeb­lich blind die The­men der AfD imi­tie­re, wenn sie auf gel­ten­des Recht pocht, nur schei­tern kön­ne, weil die Men­schen dann doch lie­ber „das Ori­gi­nal“ AfD wäh­len wür­den, statt zur CSU zurück­zu­keh­ren? Was den Kon­ser­va­ti­ven per Zuschrei­bung nicht gelin­gen kön­ne, soll nun also weit links der Mit­te klap­pen? Obwohl es mit Migra­ti­ons- und Flücht­lings­fra­gen die­sel­ben „AfD-The­men“ sind, die beackert wer­den sol­len? War­um soll­ten die Bür­ger (oder darf man schon „Wäh­ler“ sagen?) „auf­ste­hen“, wenn sie doch längst ste­hen, weil es sie als ver­meint­li­che „Wut­bür­ger“ schon lan­ge nicht mehr auf dem Sofa hält? Nein, ich den­ke, der poli­ti­sche Instinkt der Lin­ken, der SPD und der Grü­nen liegt hier rich­tig, die „Welt“ liegt falsch. Die­ses „auf­ste­hen“ saugt eher am Mobi­li­sie­rungs­po­ten­zi­al von links/grün, an denen, die sich inhalt­lich schon längst von ihrer Par­tei ver­ab­schie­det haben, es aber aus ideo­lo­gi­schem Kada­ver­ge­hor­sam im bes­ten sta­lin­schen Sin­ne ein­fach nicht wag­ten, kon­ser­va­tiv zu wer­den, um sich nicht den übli­chen Nazi- und Ver­rats­vor­wür­fen aus­set­zen zu müssen.

Wie groß das Zit­tern der Lin­ken und der SPD vor Wagen­knechts neu­er Ope­ret­te sein muss, ist schwer zu sagen, ich ver­mu­te aber, dass die Idee einen ähn­li­chen Ver­lauf neh­men wird, wie DiEM25, deren lang­sa­mes Siech­tum ich seit zwei Jah­ren mit Inter­es­se und leicht geho­be­nen Mund­win­keln beob­ach­te. Auch „Auf­ste­hen” wird in Selbst­lob, Pro­gramm­dis­kus­sio­nen und uto­pi­schen Spin­ne­rei­en ver­sin­ken. Der feh­len­de Wirt­schafts­ver­stand, den die „Welt“ der neu­en „Sam­mel­be­we­gung“ ganz rich­tig attes­tiert, kann dort ange­sichts des kom­mu­nis­ti­schen Betriebs­sys­tems im Kopf Wagen­knechts auch unmög­lich Fuß fas­sen. Spricht der Wirt­schafts­ver­stand von „Markt­chan­cen“, ver­stün­de sie „Regu­lie­rung“, bei „Frei­heit“, däch­te sie an „Kon­trol­le“ und wenn von „Wohl­stand“ die Rede ist, träumt Wagen­knecht von „Umver­tei­lung“.

Teil irgend­ei­ner lin­ken „Bewe­gung“ wer­den ich also sicher nicht, weil jede Bewe­gung, die von Wagen­knecht gegrün­det wird, zwangs­läu­fig kom­mu­nis­ti­sche Züge auf­weist, ganz gleich, wel­chen Anstrich sie sich nach außen geben mag. Ich blei­be lie­ber 100% „ganz und ich”, als Teil irgend­ei­nes sozia­lis­ti­schen Kol­lek­tivs zu sein, das mir vor­schrei­ben will, dass ich auf­ste­hen soll, wenn ich mich viel­leicht viel lie­ber hin­le­gen möch­te. Es genügt, dass mir mein Wecker sol­che Befeh­le erteilt.

Anmer­kung: Wecker auf 4. Sep­tem­ber 2018 stellen.

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5 Kommentare

  1. Ganz ehr­lich gesagt, habe ich Frau Wagen­knecht nie ver­stan­den. Wie kann ich denn so vehe­ment gegen etwas sein, des­sen Mit­glied ich gleich­zei­tig bin und in des­sen gut­be­zahl­tem Dienst ich ste­he ??? Wäre sie glaub­haft, müss­te sie schon längst bei den Lin­ken aus­ge­tre­ten sein. Das aber wird sie natür­lich nicht tun, denn dort ste­hen ja die vom Steu­er­zah­ler wohl­ge­füll­ten Fut­ter­trö­ge. Eri­ka Stein­bach und vie­le ande­re waren authen­ti­scher und ehr­li­cher. Was will die lie­be Sarah also nun ? Eine Art AfD inner­halb der Lin­ken ??? Da kann ich nur sagen : Lie­be Frau Wagen­knecht, ver­ges­sen Sie‚s.
    Doris Mahlberg

  2. War­um das, was die Sarah macht, durch­aus Sinn ergibt:

    Ist Euch eigent­lich mal auf­ge­fal­len, wie sehr die soge­nann­te poli­ti­sche Mit­te weg­bricht? Die alten Estab­lish­ment-Mit­te-Par­tei­en ver­lie­ren ihre Pro­zent­punk­te, und die Par­tei­en, die sich eher am Rand des Over­ton Win­dows auf­hal­ten, gewin­nen Pro­zent­punk­te dazu. Die Mit­te ist im Begriff, abge­schafft zu wer­den. Laut einer Umfra­ge sind ledig­lich 25% der Bevöl­ke­rung mit Ange­la Mer­kels Poli­tik zufrie­den, wäh­rend Donald Trump, der unbe­lieb­tes­te Prä­si­dent ever, in den USA um die 50% Zustim­mung hat. 

    Was das zeigt, ist ein Para­dig­men­wech­sel. Die Rän­der des Over­ton Win­dow legen, auf Kos­ten der Mit­te, zu. Jeder Zuge­winn von Links sorgt für einen wei­te­ren Zuwachs für Rechts, weil die Mit­te zu nach­gie­big ist, um die Bevöl­ke­rung vor der wei­te­ren Aus­plün­de­rung zu schüt­zen. Und jeder Zuge­winn von Rechts befeu­ert das Wachs­tum von Links, weil Links sagen kann, dass die Mit­te zu nach­gie­big ist, um die Bevöl­ke­rung vor der „sozia­len Käl­te” der Rech­ten zu schützen.

    Ich wür­de sagen, dass sich die­se Ent­wick­lung wei­ter fort­setzt, und Schland und West­eu­ro­pa lang­fris­tig die 2–3 Schrit­te, die vom Sozia­lis­mus in den Kom­mu­nis­mus noch feh­len, gehen wird. Das, was die Sarah vor hat, hat also durch­aus Poten­zi­al. Man muss sich die „Rechts­ex­tre­men” in West­eu­ro­pa nur mal anschau­en, um zu wis­sen, dass es nach Links geht. Mari­ne LePen und das, was Ita­li­en nun hat, sind im Bezug auf ihre Wirt­schafts- und Sozi­al­po­li­tik, links von der SPD anzu­ie­deln. Das, was ihnen den Anschein gibt, rechts­ex­trem zu sein, ist nicht mehr, als dass sie kei­nen Bock haben, von der drit­ten Welt über­rannt zu wer­den. Die wol­len ihr Land selbst rui­nie­ren, und es nicht von einer Hor­de aus der drit­ten Welt rui­nie­ren las­sen. Aber es sind lin­ke Bewe­gun­gen. Selbst Lenin hät­te ein Pro­blem damit gehabt, wäre sei­ne Soviet­uni­on von einer Hor­de Ver­sor­gungs­be­dürf­ti­ger, die zu nichts zu gebrau­chen sind, über­rannt wor­den. „Rechts”, also Kapi­ta­lis­mus in Wild-West-Manier, ist in West­eu­ro­pa gar nicht mehr mög­lich, weil es mit­ler­wei­le zu weni­ge Men­schen gibt, die nicht auf Schma­rot­zer­tum ange­wie­sen sind. Zu vie­le Exem­pla­re der kom­men­den Rent­ner­ge­nera­ti­on sahen kei­ne Not­wen­dig­keit, Rück­la­gen anzu­le­gen, die fürs Alter aus­rei­chen, oder genü­gend Kin­der in die Welt zu set­zen, zu denen sie ein gutes Ver­hält­nis haben, und die sie daher frei­wil­lig pfle­gen und ver­sor­gen, wenn sie alters­be­dingt arbeits­un­fä­hig gewor­den sind. Ohne Sozia­lis­mus hät­ten die nicht­mal eine Woh­nung, und wür­den jetzt unter einer Brü­cke her­um­lun­gern. Aber denen will man halt nicht sagen „Sor­ry, die Koh­le, die Ihr in unser Schnee­ball­sys­tem ein­ge­zahlt habt, ist weg. Wir habens ver­prasst. Seht zu, wie Ihr selbst zurecht kommt”. Angie hat­te schon Recht, als sie fest­stell­te, dass Deutsch­land ein zutiefst sozi­al­de­mo­kra­ti­sches, sprich sozi­al­so­zia­lis­ti­sches, Land ist. Davon rückt man ja nicht­mal ab, wenn als direk­te Fol­ge des­sen abseh­bar ist, dass die eige­ne Bevöl­ke­rung von einer Grup­pe ver­drängt wird, die die Ange­wohn­heit hat, aus Volks­fes­ten feucht­fröh­li­che Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen zu machen.

    Gleich­zei­tig sind die Län­der in Ost­eu­ro­pa auf einem ent­ge­gen­ge­setz­ten Kurs unter­wegs. Die Ren­te in Polen ist so gut wie nicht exis­tent, hör­te ich von orts­an­säs­si­gen Rent­nern. Für die ist der Sta­tus Quo, dass sie nicht mehr Sozia­lis­mus brau­chen, son­dern mehr Wirt­schafts­wachs­tum. Denen gehts um Koh­le, die Angie zur Ret­tung ihrer EUni­on aus dem Fens­ter wirft, und die man ansons­ten am bes­ten durch Wirt­schafts­wachs­tum ver­dient, das sich durch weni­ger Sozia­lis­mus errei­chen lässt. Die Flücht­lings­kri­se spielt dort nur noch eine nach­ran­gi­ge Rol­le, weil die auf dem Gip­fel­tref­fen, das im Zuge der See­hofer-Geschich­te statt­fand, bereits klar­ge­stellt haben, dass Angie sich mit ihrer Kon­tin­gent­lö­sung ver­pis­sen kann, und Angie dies akzep­tier­te. Wür­den die Regie­rungs­par­tei­en in die­sem Punkt ein­kni­cken, wür­de die nächs­te Regie­rungs­par­tei den Wahl­kampf gewin­nen, indem sie ver­spricht, die Gren­ze mit Schüt­zen­grä­ben und MG-Nes­tern zu sichern, und ein Kopf­geld für jeden geschos­se­nen ille­ga­len Grenz­über­tre­ter aus­zahlt. Ich hof­fe, dass die Letz­te­res pri­va­ti­sie­ren, und es auch Aus­län­dern gestat­ten, ein Jagd­re­vier im Grenz­raum zu pach­ten. Eigen­in­ter­es­se. Und so unge­fähr klingt es auch, wenn man sich nach dem zwei­ten Bier mit den Leu­ten unter­hält, die schon län­ger dort leben. Net­te Menschen.

    Naja, und das sind die zwei Strö­mun­gen, die der­zeit im Wes­ten gegen­ein­an­der um die Herr­schaft kämpfen: 

    Auf der einen Sei­te hat man Sozia­lis­ten, die die Welt in der Ver­gan­gen­heit schon in einer Wei­se geformt haben, dass gro­ße Bevöl­ke­rungs­tei­le ohne Sozia­lis­mus ver­hun­gern oder erfrie­ren wür­den, und die auch für so vie­le Pro­ble­me gesorgt haben, dass mit­ler­wei­le seeeeehr umfang­rei­che Pro­pa­gan­da- und poli­zei­li­che Unter­drü­ckungs­maß­nah­men nur noch dar­auf war­ten, ein­ge­setzt zu wer­den. Offi­zi­ell wur­den sie ein­ge­führt, um sol­che Sachen wie Dro­gen­han­del, Kin­der­por­nos, Steu­er­hin­ter­zie­hung, oder aggres­si­ve Jugend­li­che mit Mes­sern hand­ha­ben zu kön­nen, bezie­hungs­wei­se um die Jugend oder Min­der­hei­ten zu bil­den und zu schüt­zen. Aber das heißt nicht, dass sich die­se Instru­men­te nicht auch miss­brau­chen las­sen. Deutsch­land und West­eu­ro­pa sind des­halb bereits bezugs­fer­ti­ge Dys­to­pien. Sobald irgend­je­mand im Bezug auf die inne­re Sicher­heit das tut, was Angie im Bezug auf die Gren­zen getan hat, wird das offen­sicht­lich wer­den. Aller­dings KANN das Pro­blem nicht gelöst wer­den, weil man weder den Rent­nern noch den Mus­li­men mal eben ihre Sozi­al­hil­fe strei­chen kann, ohne Lei­chen­ber­ge zu ver­ur­sa­chen, die man schon mit blo­ßem Auge von der ISS erken­nen wür­de. Eine Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät wür­de im Wes­ten mit­ler­wei­le grö­ße­re Pro­ble­me ver­ur­sa­chen, als der Zusam­men­bruch der Soviet­uni­on bei den Ost­eu­ro­pä­ern verursachte.

    Und auf der ande­ren Sei­te ste­hen die Popu­lis­ten, die das Glück hat­ten, dass sie sich noch nicht mit Jahr­zehn­ten des Sozia­lis­mus in eine aus­weg­lo­se Situa­ti­on beför­dert haben, und die nun nicht den sel­ben Weg gehen wol­len, wie die zum Schei­tern ver­ur­teil­ten West­län­der, weil sie aus deren Feh­lern gelernt haben.

    Das Inter­es­san­te ist, dass die­se zwei Strö­mun­gen nicht mit­ein­an­der kom­pa­ti­bel sind. Die Einen haben Koh­le, sind aber auf eine Schma­rot­zer­t­um­ba­sier­te Gesell­schafts­ord­nung ange­wie­sen, und die Ande­ren sehen, wohin schma­rot­zer­t­um­ba­sier­te Gesell­schafts­ord­nun­gen füh­ren, und wol­len nichts weni­ger als das, was dar­aus folgt. 

    Inner­halb der Län­der wird es immer weni­ger hand­lungs­fä­hi­ge Regie­run­gen geben, so lan­ge bis sich eine die­ser Sei­ten durch­ge­setzt hat, und es wird sich nicht in jedem Land die sel­be Sei­te durch­set­zen, was heißt, dass es inner­halb der EU Län­der geben wird, deren Gesell­schaft dar­auf ange­wie­sen ist, dass wei­ter­hin unter büro­kra­ti­scher Auf­sicht Jeder Jedem das Blut aus­saugt, und es gleich­zei­tig Län­der gibt, die es unter kei­nen Umstän­den hin­neh­men wür­den, die­sem Bei­spiel zu folgen.

    Und genau dar­auf spe­ku­liert die Sarah. Dass die Mit­te weg­bricht, und sie Links und Rechts unter sich ver­eint, indem sie die Mari­ne LePen macht. Wie bereits gesagt, ist LePen nur in Bezug auf die Neu­bür­ger rechts. In jedem ande­ren Punkt ist LePen eine Sozia­lis­tin, die einen star­ken Zen­tral­staat, staat­li­che Ein­grif­fe, und Umver­tei­lung, pre­digt. Wäre ich die Sarah, wür­de ich es auch so machen. Die Idee hat Zukunft.

    Ich fra­ge mich, wie man mit die­ser Ent­wick­lung zurecht kom­men will, sobald die Koh­le aus­geht, ohne die EU in meh­re­re Blocks zu zer­tei­len, die ein­an­der has­sen. Tat­säch­lich fra­ge ich mich sogar, wie man damit zurecht­kom­men will, ohne die BRD in meh­re­re Klein­staa­ten zu zer­tei­len, die ein­an­der has­sen. Was ich übri­gens für eine posi­ti­ve Ent­wick­lung hal­ten wür­de. Das الخلافة عبر الجبل (Kali­fat Al-Kreuz­ber­gi­yah) mit­samt Umland, das Fürs­ten­tum Bay­ern-Öste­reich, die umstrit­te­nen Ter­ri­to­ri­en von Nord­rhein-West­fa­len, sowie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Sach­sen, wür­den mir für den Anfang vor­schwe­ben. Viel­leicht noch das anar­chis­ti­sche H‑Grenzland im Nor­den, das sich wahl­wei­se an den Han­sea­ten oder an Klaus Stör­te­be­ker ori­en­tiert. Oder an Bei­dem. Damit hät­te jeder, was er will. Schon Goe­the sag­te, dass ein Groß­deutsch­land für den Arsch ist. Das Wort „Deutsch­land” soll­te von der Land­kar­te ver­schwin­den. Dann käme in Zukunft weni­ger Scheiß aus die­ser Regi­on. I <3 Thumbsdown.

  3. „Auf­ste­hen“ und „Teil der Bewe­gung“ klingt für mich erst mal wie eine Kopie der fran­zö­si­schen Ver­hält­nis­se. Im Früh­jahr 2016 fan­den sozia­le Pro­tes­te statt unter den Slo­gan „Nuits debout“ (Näch­te auf­blei­ben); gleich­zei­tig nann­te Emma­nu­el Macron sei­ne Ein-Per­so­nen-Par­tei „En Mar­che !“ (vor­wärts, in Bewegung).

    Mich erin­nert dies an die Jugend­kul­tur: Haupt­sa­che ist, dabei zu sein, Be Part Of It, und irgend­was zu tun, Do Your Thing. Was man tut und wohin man will, wird nicht the­ma­ti­siert, auch nicht: was nicht und wohin nicht. Das könn­te ja das sozia­le Kuschel­ge­fühl stö­ren; viel­leicht wür­de es man­chen Teil­neh­mer sogar intel­lek­tu­ell über­for­dern. So also bleibt das Ziel der Bewe­gung unbe­stimmt, und wenn das Ding nicht mehr rockt, liken die Jugend­li­chen ein ande­res Hash­tag, sharen ein ande­res Meme oder chil­len bei einem ande­ren Flashmob. Unver­bind­li­cher Spaß ist ist das Wich­tigs­te, denn schließ­lich gilt: You Only Live Once!

    Nein, man lebt nur zwei­mal. Denn vor hun­dert Jah­ren ver­kauf­te sich in Deutsch­land schon ein­mal eine Par­tei als „Bewe­gung“, die auf die Akti­vi­tä­ten der dama­li­gen Jugend­be­we­gung auf­sprang. Von bün­di­scher Jugend über Gro­ße Fahrt zu Reichs­par­tei­tag und Front­er­leb­nis – bei so viel Unbe­stimmt­heit ist Skep­sis angesagt!

  4. „Mädels, ein Mensch , der den gan­zen Tag arbei­tet, will nicht stän­dig auf­ste­hen, son­dern ist froh, wenn er mal sit­zen kann!”

    Das wis­sen die doch. Die rich­ten sich nicht an Men­schen, die den gan­zen Tag arbei­ten. Ein Mensch, der den gan­zen Tag arbei­tet, hat durch die Umver­tei­lung nur Nach­tei­le. Die Rol­le der Lin­ken besteht im demo­kra­ti­schen Spiel dar­in, das Geld der­je­ni­gen, die etwas zu tun haben, und die folg­lich kei­ne Zeit zum auf­ste­hen haben, in Rich­tung der­je­ni­gen umzu­ver­tei­len, die mit ihrem Sofa ver­wach­sen wür­den, wenn sie nicht auch ab und zu mal aufstehen. 

    Ich wür­de die Wäh­ler­schaft der Lin­ken auch eher in die Schma­rot­ze­r­ecke stel­len, als sie als Revo­luz­zer zu bezeich­nen. Viel mehr als „Wir gegen die, von deren Koh­le wir leben” ver­mag ich bei denen inhalt­lich nicht in kon­sis­ten­ter Form zu erken­nen, und die Geg­ner­schaft zu den bösen Rei­chen ist auch not­wen­dig, weil es mora­lisch leich­ter fällt, die­se Men­schen aus­zu­plün­dern, nach­dem man sie dehu­ma­ni­siert hat.

  5. Ein letz­tes Zucken lin­ken Revo­luz­z­er­ge­ba­rens aus der Ecke der men­schen­freund­li­chen Umverteilungsriege.
    Wir Dep­pen schrei­ten jeden Tag zur Arbeit, ein Vor­gang , der im Leben von Kip­ping und Wagenknecht
    mit kei­ner­lei Erfah­rung ver­bun­den wer­den kann. Die sich im Zicken­krieg befind­li­chen Damen zer­bre­chen sich lie­ber ihre wohl­fri­sier­ten Köp­fe, um den rich­ti­gen Ver­tei­lungs­mo­dus frem­derar­bei­te­ten Gel­des. For­der­te nicht gera­de Freund Mar­tin Schulz einen ’ Auf­stand der Anstän­di­gen ? Offen­sicht­lich ein lin­kes Phä­no­men, das Volk fort­wäh­rend zum Auf­stand für, ja wozu eigent­lich, für But­ter bei die Fische oder Känn­chen nur im Gar­ten, zu ani­mie­ren. Mädels, ein Mensch , der den gan­zen Tag arbei­tet, will nicht stän­dig auf­ste­hen, son­dern ist froh, wenn er mal sit­zen kann!

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