Die Zahl des Tages: 40%

Das ist die Zahl der Wäh­ler, die nicht zur letz­ten Land­tags­wahl gin­gen und bei der aktu­el­len Land­tags­wahl die AfD gewählt haben. Ist das gut oder schlecht, war das Pro­test oder kann das weg? Eins muss man der AfD jeden­falls las­sen. Sie hat bewie­sen, dass die immer wie­der beschwo­re­ne Poli­tik­ver­dros­sen­heit in Wirk­lich­keit eine Poli­ti­ker­ver­dros­sen­heit ist.

Im Ergeb­nis der drei Land­tags­wah­len lesen die Augu­ren der­zeit wie im Tau­ben­flug. Es wird gerech­net und zuge­ord­net, da wer­den his­to­ri­sche Par­tei­ba­sen beschwo­ren und über­all der Ver­such unter­nom­men, Par­tei­en und Per­so­nen zu einer ande­ren, gera­de­zu magi­schen Zahl zusam­men­zu­schie­ben: der 50%+X. Denn so viel braucht man ja angeb­lich, um eine „sta­bi­le“ Regie­rung zu bil­den, mei­nen die Jour­na­lis­ten und Wahl­ex­per­ten. Da wer­den mun­ter Jamaika‑, Ampel- und Deutsch­land­ko­ali­tio­nen her­bei­ge­rech­net und dabei schon wie­der fahr­läs­sig der Wäh­ler­wil­le umge­deu­tet. 50%+X ergibt mit­nich­ten eine sta­bi­le Regie­rung. Zeigt nicht gera­de die CDU/C­SU/­SPD-Regie­rung in Ber­lin, das die­se Art von „Kom­me-was-wol­le-es-wird-schon-rei­chen-Koali­ti­on“ von Übel ist? Es gibt aus den Wah­len in Baden-Würt­tem­berg, Rhein­land-Pfalz und Sach­sen-Anhalt nur eine logi­sche Kon­se­quenz: Es wird Zeit, das deut­sche Län­der vor­an­ge­hen in der Bil­dung von Min­der­heits­re­gie­run­gen! Grün/Rot in Baden-Würt­tem­berg, Rot/Grün in Rhein­land-Pfalz, Schwarz/Rot in Sach­sen-Anhalt. Fangt end­lich wie­der an, um The­men und Zustim­mun­gen zu kämp­fen, zwingt euch, Tag für Tag mit der Basis im jewei­li­gen Land um Kon­sens zu strei­ten. Wer sagt das Regie­ren nur mit mög­lichst kom­for­ta­blen Mehr­hei­ten mög­lich ist?

Ich will, dass die Regie­run­gen in den Län­dern – und auch im Bund – um jede Geset­zes­än­de­rung, jede Grenz­öff­nung oder Schlie­ßung, jede Diä­ten­er­hö­hung und Steu­er­sen­kung im Par­la­ment kämp­fen müs­sen. Ich will, dass deren Begrün­dun­gen stich­hal­ti­ger sind, als die der Oppo­si­ti­on, oder ver­wor­fen wer­den. Ich will, dass eine Regie­rung nicht wegen einer zah­len­mä­ßi­gen Über­le­gen­heit im Ergeb­nis eines Wahl­ta­ges in der Ver­gan­gen­heit unum­kehr­ba­re Fehl­ent­schei­dun­gen für die Zukunft tref­fen kann. Da unse­re Demo­kra­tie dazu der­zeit auf­grund ver­kleb­ter Kon­senz-Sys­te­me nicht mit Mehr­hei­ten in der Lage ist, müs­sen Regie­run­gen mit Min­der­hei­ten gebil­det wer­den. Min­der­heits­re­gie­run­gen sind nicht der Unter­gang des Abend­lan­des – eben­so wenig wie Pegi­da dies ist. Min­der­heits­re­gie­run­gen gab es immer und über­all in der demo­kra­ti­schen Welt, Min­der­heits­re­gie­run­gen sind der Beweis, das Demo­kra­tie funk­tio­niert. Es wird Zeit, dass Deutsch­land zeigt, dass es auch sol­chen Auf­ga­ben gewach­sen ist.

Kei­ne Angst, Frau Drey­er, Herr Kret­sch­mann und Herr Haseloff, Sie schaf­fen das!

Vorheriger ArtikelNur eine Fleischwunde?
Nächster ArtikelDie Anordnungen des Personals sind unter allen Umständen zu befolgen!