allesdichtmachenWie unsich­er muss man sich über Recht­mäßigkeit, Wirk­samkeit und Ver­hält­nis­mäßigkeit der Coro­na-Maß­nah­men sein, um so ange­fasst auf ein paar Dutzend Videos von zwei Minuten Länge zu reagieren wie viele unsere Medi­en es ger­ade tun? Mit ihrer iro­nisch-sarkastis­chen Aktion „alles­dicht­machen“* haben Liefers, Makatsch, Folk­erts und viele andere bekan­nte Schaus­piel­er ziel­sich­er in ein Wespennest gestochen und dabei gle­ich mehrere Tabus gebrochen. Denn erstens dür­fen Schaus­piel­er nicht mal im Spiel gegen das all­gültige Nar­ra­tiv des Zeit­geistes ver­stoßen und zweit­ens haben sie nun – applaussüchtig wie Schaus­piel­er nun mal sind – Applaus von der falschen Seite. Wed­er Spiegel noch Tageszeitung noch Frank­furter Rund­schau vergessen in ihren wutschäu­menden Artikeln zu erwäh­nen, dass „alles­dicht­machen“ von AfD-Anhängern und sog­ar von Höl­len­fürst Hans-Georg Maaßen per­sön­lich bejubelt wird – als genüge bere­its diese Anschmutzung durch Kon­tak­tschuld, um einen Beweis als geführt zu betra­cht­en. Wer sich diese schmutzi­gen Videos ansieht, hört Feind­sender! Das ist kein Jour­nal­is­mus, son­dern Pro­pa­gan­da im Kampf gegen Infektionsschutzzersetzung.

Die Medi­en schre­it­en wie erwartet zur moralis­chen Front­be­gr­a­di­gung und lassen dazu ihre Hal­tungselite von der Kette. Oder wun­dert es jeman­den, dass aus­gerech­net Jan Böh­mer­mann und Igor Lev­it aus­führlich zitiert wer­den? „Ihr macht Witze, während Men­schen ster­ben“, ste­ht ihnen auf der Moralkeule geschrieben. Von da ist man nur noch eine ver­bale Diar­rhöe ent­fer­nt von der Behaup­tung, Liefers und Kol­le­gen brächt­en mit ihren Unver­schämtheit­en Men­schen in Gefahr. Es ist zwar erwün­scht, den Schein­wer­fer voyeuris­tisch auf elend krepierende Coro­na-Patien­ten zu richt­en, doch wehe dem, der die Maß­nah­men infrage stellt, die unsere all­weise und all­gütige Regierung ergriff, ergreift oder vielle­icht noch ergreifen wird.

Vor ihr auf den Knien zu liegen ist auch eine Hal­tung und Schaus­piel­er – zumal, wenn sie in ARD-Tatorten arbeit­en – sollen gefäl­ligst ihren Platz ken­nen. Und der ist im Zweifel immer an der Seite der Regierung. Dem „ich will tanzen“ ren­i­ten­ter Schaus­piel­er set­zen deren angepasste oder ängstliche Kol­le­gen ihr „du darf­st nicht lachen“ ent­ge­gen. Wie tief kann Selb­stach­tung eigentlich noch sinken? Aber die ist wohl wie unsere Gesund­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung längst ein­er staatlichen Behörde anver­traut worden.

Die Lek­tion lautet: Du kannst als Tatort-Kom­mis­sar noch so viele Naziver­schwör­er zur Strecke gebracht haben und dich für Hal­tungs­fes­tigkeit feiern lassen, es wird dir nichts nützen, wenn du aus der Rei­he trittst und dich über windi­ge und möglicher­weise sog­ar ver­fas­sungswidrige Verord­nun­gen und Ermäch­ti­gungs­ge­set­ze lustig machst, wo still­sitzen und schweigen befohlen sind. Unter dem Aspekt sollte man auch die ger­ade ein­set­zende Welle von Entschuldigun­gen der Pro­tag­o­nis­ten von „alles­dicht­machen“ betra­cht­en. Der Reflex, dem Druck nachzugeben und sich von den eige­nen Aus­sagen zu dis­tanzieren, ist näm­lich völ­lig sinn- und wirkungs­los. An Liefers, Makatsch und Kol­le­gen wird jet­zt ein Exem­pel sta­tu­iert, damit solche Insur­rek­tio­nen nie wieder vorkom­men. Bernd Gnanns Beitrag zu „alles­dicht­machen“: „bish­er hatt‘ i immer nur Angscht, jez hab i Schiss“ darf wohl als prophetisch gelten.

Die argu­men­ta­tive Armut und admin­is­tra­tive Rat­losigkeit von Poli­tik­ern und ihren Medi­en­claque­uren zeigt sich in der reflex­haften Veror­tung der ren­i­ten­ten Schaus­piel­er: alles Quer­denker und Aluhut­träger! Das Brett vor den Köpfen bei Tagesspiegel oder FR beein­trächtigt offen­bar nicht nur deren Urteilsver­mö­gen, son­dern auch das Gedächt­nis. Doch wer kein gutes Gedächt­nis hat, fährt langfristig mit der Wahrheit bess­er. Lügen und Ver­drehun­gen sind wartungsin­ten­sive Gedankenge­bäude und soll­ten nur von Profis errichtet werden.

Haup­tkri­tikpunkt der Quer­denkerdemos war ja stets – und die Medi­en beto­nen das in jed­er Anmod­er­a­tion – dass Abstand und Maskenpflicht nicht einge­hal­ten wür­den. Kri­tik sei schon noch erlaubt und nie­mand habe die Absicht, das Demon­stra­tionsrecht abzuschaf­fen! Aber da diese Quer­denker sich nicht an die Coro­na-Regeln hal­ten, sei deren Kri­tik ille­git­im und abzulehnen, ihre Demos aufzulösen. Nun meine Frage: gegen welche Coro­na-Regeln haben eigentlich die Schaus­piel­er von „alles­dicht­machen“ ver­stoßen, dass man ihre „Demo“ der­art in den moralis­chen Dreck ziehen muss?

Was erlaube Liefers

Dass Satire in unserem Land längst nicht mehr alles darf, sollte nun auch dem let­zten klar gewor­den sein. Aber zum Glück ist nicht schw­er zu erken­nen, wo Satire Mit­tel der Kri­tik und wo sie nur der Löf­fel Zuck­er ist, mit dem die Zumu­tun­gen der Macht verabre­icht wer­den. Wider­stand ist zwar zweck­los, aber gut, dass wir mal darüber gelacht haben.

Wenn Ihnen also das näch­ste mal Späs­siken bei ARD, ZDF, Spiegel oder FR serviert wer­den, liebe Leser, prüfen Sie, in welche Rich­tung die Satire ihre Tritte lenkt. Nach oben, wo die Macht sitzt? Nach unten, wo die kauern, die sie zu erdulden haben? Oder aber zur Seite, zu jenen, die beim Treten nach unten nicht mit­tun wollen? Es gibt sie noch, die Satire, die nach oben tritt. Aber sie wird sel­tener und leis­er. Gegen die anderen, lei­der sehr viel häu­figeren Trit­trich­tun­gen hil­ft am besten „alles­dicht­machen“, also abschal­ten, wegschal­ten, umschal­ten und Abon­nement been­den. Viel wichtiger näm­lich, als sich gegen „Applaus von der falschen Seite“ zu wehren, ist es, der richti­gen Seite, näm­lich der Macht, die kalte Schul­ter der Ver­ach­tung zu zeigen.

* Die Seite allesdichtmachen.de ist nicht mehr erre­ich­bar. Die Videos sind nur noch über den YouTube-Kanal der Aktion zu sehen. Mal sehen, wie lange noch.

Vorheriger ArtikelSeifenblasenprinzessin und Karnevalsprinz
Nächster ArtikelDas Sterben der Anderen

25 Kommentare

  1. Erin­nert mich an die Protes­tak­tion etlich­er DDR-Kün­stler nach der Bier­mann-Ausweisung im Jahr 1976. Erst standen sie wie eine Eins, dann nah­men die Funk­tionäre einen nach dem anderen ins Gebet: Krug, Müller-Stahl, Lötsch… Einige fie­len um, einige ver­ließen das Land, die meis­ten der Stand­haften fris­teten danach ein Dasein mit Berufsver­bot. Das­selbe passiert jet­zt: Ich gehe jede Wette ein, daß Liefers & Co. ein­er nach dem anderen zu den Inten­dan­ten der „Öff­is“ einbestellt wer­den und dort bekni­et wer­den, Abbitte zu leis­ten. Anson­sten wär’s Asche mit weit­eren „Tatorts“ und so. Ich bin eben­so überzeugt, daß die Hälfte von ihnen umfall­en wird. Okay: Die Aktion war witzig, wirk­sam und mutig. Aber sie ist eine absolute Aus­nahme und der Tat­sache geschuldet, daß ein­er Menge von Kün­stlern wohl das Geld aus­ge­ht. Anson­sten : Es gibt wenige Beruf­s­grup­pen, die der­art sklavisch und inbrün­stig die Linkspro­pa­gan­da unser­er Medi­en weit­er­ver­bre­it­en wie die „Kul­turschaf­fend­en“ unseres Landes.

    • Und die ver­sam­melte Meute aus Staat­sjour­nal­is­ten und Staat­sak­tivis­ten gebärdet sich wie damals die DDR, nur mit mehr Schaum vorm Mund, denn Staats-Mob­berei von Kri­tik­ern macht denen so viel Freude und gibt ihnen das Gefühl, sich nüt­zlich zu machen. Ach, staats­bezahlt wer­den die Staats-Nüt­zlinge ja auch.

      Fund­stücke aus dem DDR-Wörter­buch des Unmen­schen — so hießen da Straftaten:
      Staatsver­leum­dung
      Staatshetze
      ver­schärfte Staatshetze

    • Herr Letsch — in unser­er Blase wer­den Kün­stler und Schaus­piel­er oft und zurecht als welt­fremd und abseits des nor­malen Lebens kri­tisiert. Jet­zt plöt­zlich sind sie hipp und mutig und Vor­bild. was nun? Natür­lich freue ich mich über diese Äußerun­gen namhafter und bekan­nter Schaus­piel­er. Son­st gröle­meiern sie ja immer ins links/grüne Horn. Schau mer mal was das bewirkt — bei Gröle­meier und Konsorten.

  2. Und nun sind es nun noch 35. Und bei YouTube kann man sie nicht mehr suchen. 

    Dass Diejeni­gen, die noch bis vor kurz­er Zeit jeden Schimpf gegen rechts und jede grün­linke Aktion bejubelt haben, plöt­zlich genau diesen Mob erleben, haben sie wohl nicht erwartet.

  3. 24.April 2021:
    Die englis­che und die wal­i­sis­che Regierung haben erk­lärt, dass die Pan­demie been­det sei. (Sciencefiles.org)

  4. Es sprach der Kom­mu­nist Orwell: Wenn Frei­heit irgen­det­was bedeutet, dann bedeutet es das Recht, den Leuten Dinge zu sagen, die sie NICHT hören wollen.
    Nimmt man die Beobach­tung hinzu, dass die Merkel-Begeis­terten stets die dick­ste Keule raus­holen, um jed­wede Kri­tik zu eli­m­inieren, dann haben offen­bar die Ver­fas­sungs­feinde die Macht. Oder hat in let­zter Zeit irgen­dein Medi­en-Fuzzi seine Ver­fas­sungstreue bekun­det, ohne das berüchtigte „aber“ anzuhängen?

  5. Die haben nicht begrif­f­en, dass „Jan Böh­mer­mann und Igor Lev­it“ schon ger­aume Zeit als Marken­ze­ichen für beson­ders dreiste Regierungs-Pro­pa­gan­da gelten.

  6. …prüfen Sie, in welche Rich­tung die Satire ihre Tritte lenkt. Nach oben, wo die Macht sitzt? Nach unten, wo die kauern, die sie zu erdulden haben? Oder aber zur Seite, zu jenen, die beim Treten nach unten nicht mit­tun wollen?… GRANDIOS geschrieben. Ich denke Sie kön­nen get­rost davon aus­ge­hen dass Men­schen, die Ihre oder ähn­liche Seit­en besuchen und deren Inhalte lesen, dies nicht zu prüfen brauchen. Die jeni­gen, welche dies tun soll­ten, liken Böh­mer­mann und strea­men Welke.
    Und müssen dabei dreimal lachen! Warum dreimal fra­gen Sie? Schauen Sie bei Wendt’s „Hal­tungss­chmun­zeln“ nach 🙂
    Wün­sche ein schönes Wochenende!

  7. Wie war das eigentlich damals, im Nazire­ich, als sich Wern­er Finck und andere über das Sys­tem lustig macht­en. Damals star­ben gle­ichzeit­ig Men­schen in Konzen­tra­tionslagern, hät­ten die sich auch der Regierung anschließen sollen?

        • Aktueller Video­stand: 37

          Videos gehn, es bleibt nicht bei einem:
          Wenn noch eins fort­ge­ht, wer wird denn gle­ich weinen?
          Es trifft noch jedes, ärg­er Dich nicht:
          so geht’s in Deutsch­land wenn ein­er spricht.

      • Es ist ja bere­its so weit. Gibt es eigentlich einen bescheuerteten Ort als die Erde in dem Uni­ver­sum und wann endlich ist mit dem Kome­ten zu rech­nen? Die Apoka­lypse lässt also auf sich warten, oder ist sie das schon? Mis­an­thropen getarnt als die moralis­che Unfehlbakeit, haben die Welt in deren Dreck­sklauen gebracht.

Comments are closed.