Am 31.7.2015 war die Welt für Deutsch­land noch beinahe in Ordnung. Der Tram­pel­pfad, den wir heute Bal­kan­route nennen, war gerade im Ent­ste­hen begrif­fen, die Türkei war ein belieb­tes Urlaubs­land und ein treuer Ver­bün­de­ter im Kampf für die Demo­kra­tie und EU-Mit­glied­schaft. Die Briten und Ame­ri­ka­ner gehör­ten zu den Guten, Deutsch­land hatte Außen­gren­zen und Frau Merkel war noch nicht ganz über ihren mora­li­schen Tief­punkt hinweg, den ihr die Medien attes­tier­ten, weil sie einem paläs­ti­nen­si­schen Mädchen coram publico sagte „Wir können aber nicht alle auf­neh­men“. Noch Fünf Monate bis Sil­ves­ter in Köln, Ansbach war eine weit­ge­hend unbe­kannte bay­ri­sche Klein­stadt, in Nizza wohnte der Geld­adel und gestern kann in Schwe­den höchs­tens ein Sack Knä­cke­brot umge­fal­len sein. Gut, der Krieg in Syrien lief schon eine Weile, und der isla­mis­ti­sche Anschlag auf Charlie Hebdo und den kosche­ren Super­markt in Paris machten die Leute in Europa etwas nervös, aber die ara­bi­sche und afri­ka­ni­sche Welt hatte eigent­lich nur ein Problem: nämlich den Deut­schen bei der Lösung deren Fach­kräfte- und Bevöl­ke­rungs­pro­ble­men zu helfen, weshalb sie ihre Besten auf die Reise zu uns schick­ten.

Die „Huf­fing­ton Post“ sam­melte in ihrem Artikel vom 31.7.2015 genau 200 O-Töne aus der Tiefe und Breite der auf­kom­men­den Will­kom­mens­kul­tur, deren Echt­heit wir als belegt ansehen dürfen. Einige Sänger dieses Jubel­chors singen heute nicht mehr laut in Dur, sondern leise in Moll, bei vielen darf ange­nom­men werden, dass sie an ihre Aussage von damals nur ungern erin­nert werden (bei wenigen weiß ich das sogar sicher), nur sehr wenige würden diese in glei­cher Weise wie­der­ho­len. Es kommt mir aber nicht darauf an, Men­schen für ein State­ment von vor zwei Jahren bloß zu stellen oder zu ver­ur­tei­len. Mei­nun­gen können sich ändern, aus vielen Gründen tun sie das ständig. Ein guter Teil der Aus­sa­gen zeugt auch einfach nur von einem im Rück­blick viel­leicht etwas naiven, aber auch sehr ehren­wer­ten Mit­ge­fühl für jene Men­schen, die alle einen äußerst beschwer­li­chen Weg hinter sich hatten – aus welchen Gründen, ver­su­chen wir seit vielen Monaten im Ein­zel­nen auf­zu­drö­seln und manch­mal kamen unsere dies­be­züg­li­chen Erkennt­nisse leider zu spät, wie man weiß. Aber da sind auch noch jene Aus­sa­gen im Huff-Artikel, die auf ganz andere Beweg­gründe hin­deu­ten und über diese geben die O-Ton-Geber unfrei­wil­lig Aus­kunft. Es sind die Sub­texte, das was zwi­schen den Zeilen steht, was der eine oder andere viel­leicht auf Partys unter Gleich­ge­sinn­ten laut ausruft, aber kei­nes­falls als Zitat in Zei­tun­gen oder Inter­net­por­ta­len lesen will.

Nun kann man aus 200 Aus­sa­gen kein zuver­läs­si­ges nume­ri­sches Gesamt­bild basteln, zumal die Huf­fing­ton Post hier selbst schon kräftig gesiebt hat. Auch wissen wir nicht, wieviel nega­tive und dumpf-feind­li­chen Not-Welcome-Zuschrif­ten dort ein­ge­gan­gen sind, die man ebenso in ver­schie­dene Kate­go­rien zwi­schen „Skep­ti­ker“ und „Krupp­stahl-Nazi“ ein­ord­nen könnte und wie viele Befragte einfach genervt „Ist mir alles Wurscht!“ ant­wor­te­ten. Arbei­ten wir also mit dem Mate­rial, was wir eben haben. Im Fol­gen­den unter­nehme ich den Versuch einer kurzen Typus-Defi­ni­tion, gewis­ser­ma­ßen eine Beschrei­bung des Antriebs­sys­tems einiger auf­fäl­li­ger Mei­nungs-Gruppen und ordnen ihnen anschlie­ßend anony­mi­sierte Aus­sa­gen aus dem Huff-Artikel zu. Wer sich zu einer Aussage unbe­dingt einen Namen oder gar ein Gesicht wünscht, kann ja den Ori­gi­nal­ar­ti­kel bemühen. Also, viel „Spaß” beim ana­ly­sie­ren, sor­tie­ren, ergän­zen und erin­nern.

Typ 1: Rache ist süß, „Selbsthass“ reimt sich nicht zufällig auf „Günter Grass“

Das denkt man: „Endlich bekommt Deutsch­land, was es ver­dient! Es war ja kaum noch aus­zu­hal­ten hier! Diese selbst­ver­lieb­ten deut­schen Idioten, die zwei Welt­kriege vom Zaun gebro­chen haben, nachdem sie schon in all den Jahr­hun­der­ten vorher haupt­säch­lich Krieg gegen die Nach­barn geführt haben. Die Schwe­den haben es im Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg nicht geschafft, dieses Nat­tern­ge­zücht aus­zu­rot­ten, Napo­leon ist geschei­tert und die Bom­ben­an­griffe der Alli­ier­ten haben es leider auch nicht geschafft, das Land wieder zum Acker zu machen. Die Deut­schen haben ihr Land einfach nicht ver­dient, andere Kul­tu­ren sind sowieso besser als alles, was die Deut­schen als solche bezeich­nen. Land von Goethe und Schil­ler, pah! Der eine war ein adliger Schnö­sel und der andere ein Gauner, dessen Gedichte wir in der Schule aus­wen­dig lernen mussten. Das war lyri­sches Water­boar­ding! Aber nun bekommt Deutsch­land endlich die Quit­tung für Kriegs­trei­be­rei, Impe­ria­lis­mus, Kreuz­züge und Kolo­nia­lis­mus. 2006 war ich schon kurz davor, das Land zu ver­las­sen und nach Gaza zu ziehen. Überall diese pein­li­chen Deutsch­land­fähn­chen und dieses natio­na­lis­ti­sche Gefasel von „guter Gast­ge­ber“. Schreck­lich öde sowas. Hatten wir nichts Bes­se­res zu tun, konnten wir nicht einfach still sein und die Klappe halten? Deutsch­land und Begeis­te­rung – das geht nie gut aus! Aber die Flücht­linge sind stark und werden dieses mora­lisch ver­lot­terte Land auf den Kopf stellen! Deut­sche darf man niemals mit Deut­schen allein lassen, daraus kann nur Schlim­mes erwach­sen.“

Sowas würde „Typ Grass“ natür­lich nie laut sagen. Er fordert lieber, Kirchen in Moscheen umzu­wan­deln, will mus­li­mi­sche Fei­er­tage ein­füh­ren, hat ein Problem mit den meisten seiner Lands­leute, die er in Toto als geis­tige Tes­ta­ments­voll­stre­cker Hitlers ansieht oder lässt sich in der Huf­fing­ton Post mit fol­gen­den Aus­sa­gen zitie­ren:

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr mein Leben, meinen Alltag und meine Welt berei­chert. Und mich her­aus­for­dert, mich wieder wohler in meiner Haut und meinem Land zu fühlen, weil ich auf­ste­hen will gegen die schwach­sin­ni­gen Kra­wall­deut­schen, die sich wieder for­mie­ren.“

… weil es mit uns ganz alleine ja gar nicht aus­zu­hal­ten wäre.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr unsere Luft­blase mit fri­scher Luft ver­sorgt.”

…weil ihr mit eurer Anwe­sen­heit Leben ver­än­dert.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil wir durch euch Demut lernen.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil wir ver­lernt haben, was Demut ist und ein in Kapi­tal­sucht ver­fal­le­nes Volk sind. Wir haben Euch ent­mün­digt, beraubt, und die Grund­la­gen genom­men, selber ein reiches, voll­kom­me­nes und sou­ve­rä­nes Leben zu führen, nur um uns zu berei­chern. Nun sind wir in der Pflicht, Mensch zu sein und für unsere Fehler gerade zu stehen. Mir tut es Leid und herz­lich Will­kom­men.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr meine Welt­ord­nung wieder zurecht­rückt. Wenn ich manch­mal, ganz ehrlich, denke, dass diese oder jene Kultur oder Men­ta­li­tät nicht nach Deutsch­land passt – dann zeigt ihr mir mit Eurer Anwe­sen­heit, dass uns diese Welt ALLEN und überall in glei­chem Maße gehört!“

… weil es euer gutes Recht ist, hier zu sein.“

… weil dieses Europa arm wäre ohne euch.“

…ich mich in einer nur deut­schen Gesell­schaft alleine fühlen würde.“

… weil ihr es uns ein wenig schwe­rer macht, der Rea­li­tät zu ent­flie­hen.“

… ihr hier hof­fent­lich nicht durch deut­sche Waffen ums Leben kommt und uns hof­fent­lich mit den „wir sind keine Nazis aber…“-Dummdeutschen nicht allein lasst.”

Typ 2: Wer, wenn nicht wir – das beste Deutschland aller Zeiten

Das denkt man: „Neulich kam eine inter­na­tio­nale Umfrage zu dem Ergeb­nis, dass Deutsch­land das tollste Land der Welt sei. Also die Deut­schen, die seien am belieb­tes­ten. Ja, das glaube ich auch! Von wenigen Aus­nah­men abge­se­hen beneh­men wir uns anstän­dig. Haus­wo­che, Streu­dienst im Winter, wir halten an roten Ampeln und wenn wir doch mal etwas zu schnell fahren, dann doch nur, weil wir schnell zur Arbeit müssen oder einer wich­ti­gen ehren­amt­li­chen Tätig­keit nach­ge­hen. Wir stren­gen und immerzu an, arbei­ten an uns selbst und im Gegen­satz zu anderen Völkern achten wir beson­ders penibel darauf, dass alle einen guten Ein­druck von uns haben – und das lassen wir uns einiges kosten! Wir können von Glück reden, dass wir den Krieg ver­lo­ren haben und damals alle schlech­ten Men­schen, also die Nazis, ihre gerechte Strafe erhal­ten haben. Wie durch ein großes alli­ier­tes Sieb gewor­fen, wurde Deutsch­land ein bes­se­res Land. Das beste Land der Welt, Ein Land der gut­mei­nen­den Export- und Moral­welt­meis­ter. Und wie uns die Welt benei­det! Um unsere Kanz­le­rin, die als einzige den Mut hatte, mit einem Feder­strich den Atom­aus­stieg zu beschie­ßen. Und natür­lich die Ener­gie­wende – eine grüne Idee, die nun von einer kon­ser­va­ti­ven Regie­rungs­par­tei umge­setzt wird. Das zeigt doch, dass sich bei uns immer die guten Ideen durch­set­zen – darüber kann man sich gar nicht strei­ten. Und ist es nicht schön, dass alle Welt aus­ge­rech­net zu uns kommen will? Außer­dem ist eure Auf­nahme bei uns der Beweis dafür, dass wir mensch­li­cher und freund­li­cher sind als all die anderen Euro­päer – Deutsch­land ist wie immer Vorbild.“

Am deut­schen Wesen soll also mal wieder die Welt genesen – aber für so schlimm hält man das natür­lich nicht! Men­schen, die fest im Typ 2-Denken gefan­gen sind, zeigen dann nämlich beson­ders oft auf die EU, von der ja letzt­lich alles komme und zu deren Wohl man das hier ja schließ­lich alles tue. „Das höhere Wohl“ bestimmt den Zweck und der sucht sich die Mittel nach Stim­mungs­lage. Man hat ein festes Bild von seiner Vor­bild­rolle und fühlt sich mora­lisch allen anderen über­le­gen. Ein Engel ist der gute Deut­sche, dessen Eltern und Groß­el­tern in seinem nach­träg­li­chen Auftrag die Kathar­sis des Krieges durch­lebt haben, die Umwelt ver­schmutz­ten und den Wald töteten – nun ernten die Enkel die Früchte der mora­li­schen Über­le­gen­heit. Über­le­gen fühlen sie sich gegen­über denen, die ihre Ansich­ten nicht teilen und denen, deren Hilfs­be­dürf­tig­keit sie gera­dezu her­bei­seh­nen. „Gutes tun“ bekommt an Strahl­kraft, wenn es von den einen abge­lehnt und von den anderen benutzt wird. Es ist gewis­ser­ma­ßen eine Arbeits­tei­lung zwi­schen den Bösen Regimen, die Men­schen ver­trei­ben, und dem guten Deutsch­land, das Men­schen auf­nimmt – jeder tut halt das, was er am besten kann. Und hier die O-Töne:

…weil Flucht und Ver­trei­bung offene Türen und hel­fende Hände brau­chen. Unser wohl­ha­ben­des und demo­kra­ti­sches Land kann und sollte euch Sicher­heit und Lebens­chan­cen bieten.“

… weil wir durch euch Barm­her­zig­keit in die Tat umset­zen können und Ihr die Chance bekommt neue Geschichte zu schrei­ben, für euch und für uns. Ihr seid ein Segen für uns liebe Flücht­linge.”

… wir mit euch zusam­men eine lebens­werte und ver­trau­ens­volle Zukunft bauen können. Wo die Kraft unseres Mit­ein­an­ders sich durch die Viel­falt unsere Her­kunft ent­fal­tet. Als Bei­spiel für die Welt.“

… weil ihr uns die Chance gebt, unsere Mit­mensch­lich­keit und Hilfs­be­reit­schaft unter Beweis zu stellen.“

… weil Deutsch­land bunt ist, viel­fäl­tig und Eure Talente & Geschich­ten brau­chen kann. Ob in der Natio­nal­mann­schaft, am Kran­ken­bett oder beim Bäcker. Wir freuen uns, dass ihr unsere Gesell­schaft berei­chert! Was wir 2006 sangen, gilt auch heute noch: Die Welt zu Gast bei Freun­den.“

… wir euch hier helfen können und wollen! Wer, wenn nicht wir?“

Typ 3: Schuldig sei der Mensch, hilfreich und gut

Das denkt man: „Deutsch­land ist ein waf­fen­star­ren­des Kapi­ta­lis­ti­sches Monster, das in der Welt nur Zwie­tracht säht und von Kriegen pro­fi­tiert. Dass so viele von euch zu uns kommen, ist ja wohl das min­deste, was wir tun können. Wir haben hier nicht als Gefühls­kälte, Ego­is­mus und Kon­sum­ter­ror, uns sind die wahre Werte einfach kom­plett ver­lo­ren gegan­gen – aber bei euch, da treffen wir endlich auf Wahr­haf­tig­keit! Familie ist euch wichtig, ihr habt Tra­di­tio­nen, nehmt eure Reli­gion sehr ernst und ver­tre­tet eine im Grunde viel bessere Gesell­schaft als die unsere. “ Und laut sagt man dann so etwas:

Liebe Flücht­linge, wir sind es euch schul­dig, euch auf­zu­neh­men, weil unsere Politik für euer Leid letzt­lich mit­ver­ant­wort­lich ist.”

… weil ihr uns die Bedeu­tung von Frieden und Mit­mensch­lich­keit vor Augen führt.“

… weil ihr häufig sehr viel mehr lacht als die Men­schen hier!“

Typ 4: Danke für die Blumen – und jetzt bereichert uns!

Das denkt man: „Der kluge Mann denkt an sich selbst zuerst. Wir brau­chen ja schließ­lich Leute, die später mal unsere Rente bezah­len, oder uns soma­lisch kochen und eri­tre­isch trom­meln bei­brin­gen können. Ihr zahlt unsere Renten und pflegt unsere Kranken – denn dazu seid ihr ja her­ge­kom­men. Als Druck­mit­tel seid ihr natür­lich auch gut. “

Migra­tion und Flucht ist für diesen Typus ein und das­selbe. Ego­is­mus und Uti­li­ta­ris­mus tropfen aus jedem Wort. Deshalb sieht man Migran­ten eher als will­kom­mene billige Werk­zeuge, die man ver­sucht, an ver­schie­de­nen gesell­schaft­li­chen Bau­stel­len anzu­set­zen. Wir bekom­men also Schrau­ben­schlüs­sel geschenkt, auch wenn wir am Ende fest­stel­len, dass wir dum­mer­weise keine pas­sen­den Schrau­ben dafür finden können. Poli­ti­ker neigen beson­ders häufig diesem Typus zu, bauen untaug­li­che Werk­zeuge in Form von Geset­zen oder Debat­ten, nur um dann fest­zu­stel­len, dass das neue, gold­fun­kelnde Werk­zeug nicht zum alten Problem passt. Aber wenn eines dieser neuen Tools bei seinem Einsatz Pro­bleme ver­ur­sacht, baut man eben ein wei­te­res, das sich darum kümmern kann. So hätte man den dräu­en­den „demo­gra­fi­schen Wandel“ recht­zei­tig angehen können, indem man Fami­lien moti­viert, mehr Kinder zu bekom­men. Aber während die Bio­deut­sche Frau, womög­lich noch allein­er­zie­hend, von Job zu Termin hetzt und womög­lich auf staat­li­che Unter­stüt­zung ange­wie­sen ist, über­legt sie sich lieber zweimal, ob sie ein wei­te­res Kind bekom­men sollte. Und so wird der Regel­kreis aus nied­ri­gen Real­ein­kom­men, beruf­li­cher Belas­tung und Kin­der­wunsch zuun­guns­ten des Kin­der­wun­sches aus­ge­hen. Da kommen dem Uti­li­ta­ris­ten weniger fort­pflan­zungs­müde, weniger eman­zi­pierte Neu­bür­ger ganz recht, die sich diesem Regel­kreis ent­zie­hen. Problem gelöst! Ob diese Fami­lien, die später dabei helfen sollen, Deutsch­lands Bevöl­ke­rungs­zahl zu „sta­bi­li­sie­rern“, aus ihren vielen Kindern die zukünf­ti­gen Ärzte und Inge­nieu­rin­nen werden machen können..? Egal, falls nicht, wird sich dafür sicher auch ein pas­sen­des Werk­zeug erfin­den lassen. Zu diesem Typus findet man die meisten O-Töne:

Weil wir dazu in der Lage sind zu helfen. Weil unsere Geschichte uns dazu ver­pflich­tet, gera­dezu. Und weil unser altern­des Gera­ni­en­deutsch­land eure Krea­ti­vi­tät, Ideen und Sicht­wei­sen braucht.“

… weil ange­sichts der schrump­fen­den Bevöl­ke­rung hoch­mo­ti­vierte Arbeits­kräfte in Deutsch­land drin­gend gebraucht werden.“

…weil ihr Schulen mit euren Erfah­run­gen und euren Geschich­ten berei­chert.”

… weil ihr eine kul­tu­relle Berei­che­rung für Deutsch­land seid und weil es unter euch genauso span­nende, kluge und die Gesell­schaft berei­chernde Men­schen gibt, wie unter denen, die hier schon leben, weil die meisten Men­schen aus Deutsch­land euch gerne auf­neh­men und will­kom­men heißen.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr unsere Gesell­schaft viel­fäl­ti­ger und reicher macht.“

… weil ich gerne lernen möchte, die kleine Welt Europa mit euren Augen zu sehen! Weil ich gren­zen­los neu­gie­rig bin! Weil ich gern soma­lisch koche, eri­tre­isch trommle, afgha­ni­schen Drachen nach­schaue und über­haupt finde, dass das Unbe­kannte das Leben lie­bens­wert macht. Weil ihr unser Leben berei­chert.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr Lebens­freude mit­bringt.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr mit euren Fähig­kei­ten, Ideen und großer Moti­va­tion uns helft, unseren Wohl­stand lang­fris­tig zu sichern und weil ihr uns helft, offen und tole­rant zu werden und somit auch als Gesell­schaft zu reifen und wirt­schaft­lich zu flo­rie­ren.“

… unser Glück nicht selbst­ver­ständ­lich ist und wir viel­leicht schon morgen Eure Hand brau­chen.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ihr das kul­tu­relle Spek­trum Deutsch­lands und Europas berei­chert, damit die Gesell­schaft viel­fäl­ti­ger macht und gerade weil die füh­ren­den west­li­chen Natio­nen sowohl dem Syrien-Kon­flikt als auch den zahl­rei­chen Kriegen und dem Elend in Afrika taten­los zusehen.“

… weil ihr erstens spüren sollt, dass es hier noch Mensch­lich­keit und Hilfs­be­reit­schaft gibt und zwei­tens unser Arbeits­markt aus­bil­dungs­wil­lige und leis­tungs­be­reite Men­schen braucht.“

…ihr unsere Kultur als Men­schen und Freunde berei­chert.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil ich gespannt darauf bin, neue Kul­tu­ren kennen zu lernen. Ihr macht unsere Kultur viel­fäl­ti­ger und offener und könnt hier hof­fent­lich in Sicher­heit leben.“

Ihr bringt Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen mit, die wert­voll sind für unsere Gesell­schaft. Es ist gut, dass ihr hier seid, weil wir in Zukunft mehr moti­vierte, kluge und qua­li­fi­zierte Frauen und Männer für unseren Arbeits­markt brau­chen.“

Weil ihr uns ent­schei­dend helfen werdet, endlich eine gemein­same euro­päi­sche Afrika-Politik auf den Weg zu bringen. Grund­stan­dards für jeden der eine Mil­li­arde Bürger Afrikas müssen das Ziel sein. Ansons­ten seid ihr die Vorhut der größten Völ­ker­wan­de­rung der Neuzeit.“

… weil Deutsch­land Zuwan­de­rung braucht, um den demo­gra­fi­schen Wandel und die daraus fol­gende Alte­rung der Gesell­schaft zu bewäl­ti­gen, weil Deutsch­land kul­tu­relle Viel­falt gut tut, und, weil Deutsch­land reich genug ist, um Men­schen Unter­kunft zu bieten, die in ihrem Hei­mat­land in Not geraten sind.“

… weil dann jemand eines Tages vor Gericht bezeu­gen kann, dass nicht alle hier sich selbst die Nächs­ten waren.“

Wir sind auf dem Weg, endlich ein moder­nes Ein­wan­de­rungs­land zu werden.“

Ihr mit euren beruf­li­chen Talen­ten Deutsch­lands Zukunft mit­ge­stal­ten könnt.“

… weil ihr eine demo­gra­phi­sche Lücke schließt, den Fach­kräf­te­man­gel abfe­dert, die poli­ti­sche Kultur belebt und anregt, eine kos­mo­po­li­ti­sche Berei­che­rung dar­stellt, uns auf globale Her­aus­for­de­run­gen vor­be­rei­tet.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil wir viel von­ein­an­der lernen können. Es gibt in jedem Land Tra­di­tio­nen, Bräuche und ganz ver­schie­dene Arten an Dinge her­an­zu­ge­hen. Mich würde es freuen, wenn wir alle unsere Erfah­run­gen in einem großen bunten Topf werfen, aus dem sich jeder bedie­nen darf, um sein Leben noch viel­fäl­ti­ger abwechs­lungs­rei­cher und objek­ti­ver zu gestal­ten.“

… weil eure Kinder in den Schul­klas­sen mit­hel­fen, die Kinder dieses Landes auf die vielen Pro­bleme auf­merk­sam zu machen, die in der Welt auf Lösun­gen warten.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, weil wir uns auf kluge Köpfe und zahl­rei­che Talente freuen.“

… weil ihr unser Land vor­an­brin­gen werdet.“

Liebe Flücht­linge, es ist gut, dass ihr hier seid, denn Ihr seid die Entre­pre­neure von morgen. Der New German Mit­tel­stand wird aus Syrern, Koso­va­ren und Afgha­nen bestehen.”

Ach ja, da ist auch noch Typ 5, der aller­dings in keinem der O-Töne bei Huf­fing­ton zu Wort kam. Es ist der Typ, der sich im Aus­tra­lien der 30er Jahre dagegen aus­ge­spro­chen hätte, zur Bekämp­fung der Zucke­rohr­kä­ferlarve einfach die Agar-Kröten ins Land zu holen, weil er vor den Lang­zeit­fol­gen für die Öko­sys­teme gewarnt hätte. Es ist der Typ der ver­sucht hat, die lang­fris­ti­gen Folgen und Neben­ef­fekte einer ober­fläch­li­chen Will­kom­mens­kul­tur ins Kalkül zu ziehen. Es ist der Typ, der davor warnte, Selfies mit der Kanz­le­rin würden in Zeiten des Inter­nets und sozia­ler Medien sehr wohl Ein­fluss auf Wan­de­rungs­be­we­gun­gen haben und der bezwei­felte, dass den Flücht­lin­gen mehr als kurz­fris­tig damit gehol­fen sei, wenn man sie in pro­vi­so­risch errich­te­ten Unter­künf­ten unter­bringt. Es ist der Typ, der auch davor warnte, es könnte zu unschö­nen Neid-Debat­ten führen, wenn man den Neu­an­kömm­lin­gen schnell goldene Brücken baut, für deren Errich­tung sie nie einen Finger krümmen mussten. Es ist der Typ, der den pri­va­ten Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen vor der Liby­schen Küste vor­wirft, sie spiel­ten das Spiel der Schlep­per und arbei­te­ten ihnen gera­dezu in die Hände. Es sind die schwarz­ma­len­den Typen, die Anfang 2015 davor warnten, die Mittel des UNHCR für den Libanon, die Türkei und Jor­da­nien zu kürzen und vor einer Mas­sen­flucht aus Syrien warnten. Die Typen also, die nie­der­ge­brüllt wurden, weil sie bei der großen Will­kom­mens­party nicht die Fähn­chen schwen­ken wollten und denen man es letzt­lich vor­wer­fen wird, dass die Ener­gie­ver­schwen­dung durch ihre Kas­san­dra-Rufe jenes letzte Quänt­chen Energie gewesen sein wird, das am Ende zum Erfolg dieser großen Trans­for­ma­tion fehlen werde. Die Typen also, die nicht mit­ma­chen wollten und deshalb am Ende an allem schuld sein müssen. Denn einer muss am Ende immer die Schuld tragen und die Rolle des Nazis über­neh­men. Deshalb wird Typ 5 am Ende immer ver­lie­ren, so schreibt es das Dreh­buch vor, dass von Typ 1–4 geschrie­ben wird.

Erratum: Gut dass es Leser gibt, die sich der deut­schen Sprache nicht so schlu­de­rig bedie­nen, wie ich das oft tue. Die Über­schrift lautete bisher fälsch­li­cher­weise „Was die Deut­schen wirk­lich dachten, sich aber nicht zu sagen wagten”, wobei das „sich” völlig fehl am Platze ist und gestri­chen wurde. Danke für den Hinweis, Michael. Im Per­ma­link muss ich den Fehler leider so stehen lassen, weil sonst alle Ver­lin­kun­gen ins Leere laufen würden.

9 Kommentare

  1. Noch ein letztes Nach­wort am Grab­stein dieser Gehirn gewa­sche­nen Leminge-Repu­blik und zwar zum Thema Fach­kräfte: laut einer aktu­el­len Erhe­bung darf bzw. muss man von fol­gen­der Faust­for­mel aus­ge­hen: auf 10.000 Schutz­su­chende (poli­tisch korrekt genug?) kommt erfah­rungs­ge­mäß – und nun bitte fest­hal­ten – EINE Fach­kraft! Summa sum­ma­rum bedeu­tet dies bei (angeb­lich) 800.000 Flücht­lin­gen ganze 80 (in Worten achtzig!) Fach­kräfte! Also wenn dass keine Berei­che­rung ist, was ist dann eine? R.I.P. Teu­to­nia.

  2. Während ich bei den Kri­ti­kern damals tat­säch­lich eine Angst vor dem Fremden,
    gesehen habe, was vor allem kul­tu­relle Aspekte betraf, hatte diese Art der
    Zunei­gung ein­deu­tig ras­sis­ti­sche Züge.
    Ich will sagen: Die Kri­ti­ker hätten gen­au­seo Kritik geübt, wären die Flüch­ten­den
    zB blonde Ukrai­ner gewesen. Das Will­kom­men auf der anderen Seite, hätte aber
    niemals in dieser, fast schon dis­kri­mi­nie­ren­den Art statt­ge­fun­den.

  3. Diese her­vor­ra­gende Analyse wirft ein Schlag­licht auf das, was wirk­licht statt­fin­det: es sind nicht die füh­ren­den Prot­ago­nis­ten der PC, welche den dro­hen­den Unter­gang unserer Gesell­schaft zu ver­ant­wor­ten haben sondern es sind die Men­schen selber, die als Wähler durch ihr Votum Merkel und Co. zu ihrer Politik beauf­tra­gen.
    In diesem Artikel werden viele Bei­spiele genannt, aus welcher inneren Ein­stel­lung heraus Men­schen diese Selbst­zer­stö­rung betrei­ben. Hier allein liegt das Übel.

  4. Ich kenn´da noch einen Typ, der äußert sich aber nur in kleinem Kreis. Der hat sich ganz klamm­heim­lich über­legt, wie er mit den vielen „Refu­gees” sein Konto füllen kann. Und da gibt es viele Mög­lich­kei­ten: Her­un­ter­ge­wirt­schaf­tete Hotels als „Flücht­lings­un­ter­kunft” ver­mie­ten, Feld­bet­ten für zweck­ent­frem­dete Sport­hal­len, Cate­ring für „Flücht­lings­heime”, Secu­rity für die­sel­ben usw. usw.

  5. Die besten Abt­wor­ten auf die Frage was an uns Deut­schen gut oder schlecht ist, kommen von Aus­län­dern, die uns gut kennen. Meis­tens sind sie recht angetan von uns. Wer hin­ter­fragt sich schon der­ma­ßen wie wir es tun? Also, kein Grund zu Kom­ple­xen. Lasst es gut sein. Der links-grün am Leben gehal­tene Schuld­kom­plex darf einfach abster­ben wie welkes Laub. Deutsch­land und die Deut­schen sind in Ordnung. Und unser Uns-in-Frage-stellen macht uns sym­pa­thisch. Es läuft also alles gut, kein Grund zur Selbst­auf­gabe.

  6. War sehr amüsant zu lesen, Herr Letsch. Vielen Dank, dass Sie das inso­fern in mühe­vol­ler Klein­ar­beit für uns Achgut-Leser aus­ein­an­der­ge­drö­selt haben.

    Im Grunde genom­men sind Typ 1 bis 4 nichts anders als -je nach cha­rak­ter­li­cher Schat­tie­rung der O-Ton Spre­cher- eine andere Form von amok­lau­fen­den Pro­tes­tan­tis­mus, wie ihn auch Frau Käßmann oder die Grüne Göring-Eck­hardt reprä­sen­tiert, die in ihrer Welt­fremd­heit patho­lo­gisch den Men­schen wie er sein sollte, mit dem Men­schen wie er real exis­tiert, ver­wech­seln. Wenn die Flücht­linge tat­säch­lich mit ihren „beruf­li­chen Talen­ten Deutsch­lands Zukunft mit­ge­stal­ten…“ unsere „demo­gra­phi­sche Lücke schlie­ßen, den Fach­kräf­te­man­gel abfe­dern, die poli­ti­sche Kultur beleben und anregen, eine kos­mo­po­li­ti­sche Berei­che­rung dar­stel­len, uns auf globale Her­aus­for­de­run­gen vor­be­rei­ten…” und die „die Entre­pre­neure von morgen” sein werden, wenn also dem­nächst der „New German Mit­tel­stand aus Syrern, Koso­va­ren und Afgha­nen bestehen wird…” tja, dann würde ich auch liebend gern beim großen Will­kom­mens­fest mit­ma­chen und den ganzen Tag „soma­lisch kochen, eri­tre­isch trom­meln und afgha­ni­schen Drachen nach­schauen” wollen, so wahr mir Gott helfe. Ich SCHWÖR’S!

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