Das Über­wäl­ti­gungs­ki­no in Zack Sny­ders Comic-Ver­fil­mung „Man Of Steel“ aus dem Jahr 2013, in dem die Super­man­wer­dung des Clark Kent erzählt wird, ent­hält eine Sze­ne, an die ich unwill­kür­lich den­ken muss­te, als ich das Insta­gram-Video der Fri­days-for-Future-Akti­vis­tin Pau­li­ne Brün­ger sah, die, auf­ge­fres­sen von ihren Ängs­ten, als Häuf­chen Elend trä­nen­reich ein ver­geu­de­tes Stu­di­en­se­mes­ter und den Kli­ma­wan­del beklag­te, als wäre sie für letz­te­res eben­so ver­ant­wort­lich wie für das eige­ne ver­schlamp­te Stu­di­um. Im Film rennt der jun­ge Clark Kent heu­lend aus dem Klas­sen­raum, weil er die Kako­pho­nie der Stim­men und Gedan­ken der Men­schen in sei­nem Kopf sowie die Rönt­gen­bil­der, die er unwill­kür­lich sieht, nicht mehr ertra­gen kann. Die Flut aus auf ihn ein­stür­men­den Infor­ma­tio­nen über­for­dert, ängs­tigt und lähmt ihn zugleich. Die Fähig­keit, sich zu kon­zen­trie­ren, wesent­li­ches von unwich­ti­gem, jetzt von spä­ter und Rich­ti­ges von Fal­schem zu tren­nen, sich also dem Leben auf der Erde anzu­pas­sen und sich in Kan­sas gewis­ser­ma­ßen zu „ver­wur­zeln“, ist die eine Super­kraft, die er nicht von Geburt besitzt, son­dern erst müh­sam ler­nen muss.

Nun sind die Super­kräf­te der FFF-Bewe­gung prin­zi­pi­ell und die von Pau­li­ne im Beson­de­ren nur ein­ge­bil­det, selbst wenn die Bewe­gung in ihrer Selbst­wahr­neh­mung von der Aura der All­macht umge­ben ist und Wor­te wie „Ich will“, „Wir for­dern“ und „Sofort“ fast schon gute Taten sind. Grei­nend wun­dert man sich dann, dass die Sprü­che sich nicht von selbst mate­ria­li­sie­ren. Man darf sich die gedank­li­che Welt sol­cher Akti­vis­ten durch­aus als einen reiz­über­flu­te­ten, infer­na­li­schen Ort vor­stel­len, der voll­ge­stopft ist von bösen Wet­tern und dia­bo­lisch las­ter­haf­ten CO2-Emmit­ten­ten, kurz, vol­ler Leben, das sich der erträum­ten idea­len Gesell­schaft mit all sei­ner empi­ri­schen Wucht ent­ge­gen­stellt. Pau­li­ne ist natür­lich nicht die Ein­zi­ge, die nicht nur unter dem Zustand lei­det, dass die glat­te Ober­flä­che ihrer Mei­nungs­bla­se kaum zur Rea­li­tät der gan­zen Gesell­schaft pas­sen will, son­dern auch dar­un­ter, dass die Kako­pho­nie reni­ten­ter Bür­ger und die chao­ti­schen Lebens­äu­ße­run­gen des Wet­ters auch die Inhal­te ande­rer Mei­nungs­bla­sen in ihr Bewusst­sein tra­gen. Mir geht es – wenn auch aus ande­ren Grün­den – ja kaum anders, wenn­gleich ich mei­ne men­ta­len Zusam­men­brü­che höchs­tens in Text­form und stark gefil­tert an der media­len Ober­flä­che blub­bern lasse.

Sehr vie­len Men­schen geht es so und es ist der Wes­ten als sozio­lo­gi­sches Bio­top in toto, der gera­de unter der Last aus All­machts­phan­ta­sie, fak­ti­scher Ohn­macht und Reiz­über­flu­tung zusam­men­zu­bre­chen droht. Ich befürch­te aller­dings, dass uns nach 2–3 Deka­den über­for­der­tem Dasein als „Clark Kent Juni­ors“ nicht so etwas wie die Meta­mor­pho­se zu Kal-El ali­as Super­man bevor­steht, für den Din­ge wie der Kli­ma­wan­del oder die Tali­ban höchs­tens Auf­ga­ben wie den Müll raus­zu­tra­gen, aber fak­tisch unlös­ba­ren Pro­ble­me dar­stel­len. Statt­des­sen lei­den und blu­ten wir, kön­nen mit Mühe auf eige­nen Bei­nen ste­hen, schau­en hoff­nungs­voll gen Him­mel und ste­hen doch weit­ge­hend macht­los vor unse­rer eige­nen, unge­wis­sen Zukunft. Wir glau­ben, die Welt zu ver­bes­sern, doch statt­des­sen ver­än­dern wir kaum mehr als unse­re Wahr­neh­mung der Welt und fal­len anschlie­ßend bei der Ana­ly­se der Wirk­sam­keit unse­rer Bemü­hun­gen in Ver­bit­te­rung und Ver­zweif­lung. Gut gemeint ist nun­mal das Gegen­teil von gut gemacht.

Und doch kann es eben­so wenig eine Rück­kehr zu Nicht­wis­sen und staat­lich ein­ge­heg­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on geben, wie man ein Ei nicht mehr aus einem Ome­lett her­aus­be­kommt. Das kom­mu­ni­ka­tiv betrach­tet „linea­re“ Leben frü­he­rer Zei­ten, in dem die Mensch­heit wie See­gras im Fluss gleich­mä­ßig in eine Rich­tung bestri­chen wur­de, sind vor­über. Wir leben in einem Wir­bel dis­rup­ti­ver Strö­mun­gen, die von allen Sei­ten gleich­zei­tig auf uns ein­stür­zen. Wohl dem, der fes­te Wur­zeln aus­ge­bil­det oder bewahrt hat, statt sich von der erst­bes­ten Strö­mung hin­weg­tra­gen zu las­sen oder ihr impul­siv und leicht­fer­tig zu fol­gen. Es muss ja nicht gera­de Kan­sas sein wie bei Clark Kent.

Ange­sichts der ideo­lo­gisch getrüb­ten Was­ser um uns her­um ist heu­te lei­der nur sehr schwer fest­zu­stel­len, wie­viel „See­gras“ noch fest am Boden geblie­ben ist und wie­viel davon sich Hals über Kopf in Kli­ma­ret­tung, Welt­ret­tung oder ande­re poli­tisch beweg­te Ret­tun­gen hin­ein­ge­stürzt hat. Der Mensch ist nicht geeig­net, auf Dau­er in der Bewe­gung zu leben – und sei sie noch so erha­ben. Hin­ge­gen ist er in der Lage, sich selbst in den beschei­dens­ten Zustän­den ein­zu­rich­ten. Man kann die­se Behaup­tung an sich selbst tes­ten, indem man sich fragt, wo man am liebs­ten den „Rest des Lebens“ ver­brin­gen wür­de. Auf einer Demons­tra­ti­on, Blo­cka­de oder akti­vis­ti­schen Akti­on für ein ver­meint­lich höhe­res Wohl oder doch lie­ber mit einem gelieb­ten Men­schen oder sogar allein in einer Hüt­te in den Ber­gen, auf einem Segel­boot oder am Ufer eines Mee­res. Und bit­te nicht schum­meln, Sie wür­den nur sich selbst betrügen.

Die Glasdecke der Zivilisation

Das ein­füh­rend Bei­spiel mit der schmel­zen­den Pau­li­ne steht gera­de­zu arche­ty­pisch für unser west­li­ches Ver­ständ­nis von der Abso­lut­heit von rich­tig und falsch, vom Weg, den die Ent­wick­lung der Mensch­heit neh­men müs­se und für die uner­schüt­ter­li­che Selbst­ge­wiss­heit des guten Sama­ri­ters. Und so wie die Klei­nen an den ganz gro­ßen Auf­ga­ben wie der Zurück­drän­gung des Kli­ma­wan­dels schei­tern müs­sen, schei­tern die ganz Gro­ßen an ver­meint­lich klei­nen Auf­ga­ben, wie etwa der Eva­ku­ie­rung euro­päi­scher und ame­ri­ka­ni­scher Zivi­lis­ten, bevor das Mili­tär den Ort des frucht­lo­sen Gesche­hens ver­lässt. Die Pau­sen zwi­schen den hyper­mo­ra­li­schen Anfäl­len von „Welt­ret­teri­tis Okzi­den­ta­lis“ fül­len Neu­ro­sen, Ver­fol­gungs­wahn oder das Bekla­gen von aller­lei Echos der Ver­gan­gen­heit, die als Mikro­ag­gres­sio­nen in die Gegen­wart wirken.

Doch all der Aktio­nis­mus führt zu nichts, die Lis­te der Erfol­ge des Pro­jek­tes Welt­ret­tung ist kurz, die Anzahl der durch Inter­ven­ti­on und Inves­ti­ti­on ins Licht rechts­staat­li­cher Demo­kra­tie geführ­ter Län­der ist noch kür­zer. Dort wo es gelang, etwa in Süd­ko­rea­Singa­pur oder Tai­wan, waren es inter­ne Kräf­te oder unter ideo­lo­gi­schem Schlamm frei­ge­leg­te Wur­zeln der Zivi­li­sa­ti­on und nicht die Ent­wick­lungs­hil­fe in Form von brun­nen­boh­ren­den Bun­des­wehr­sol­da­ten oder per Droh­ne aus­ge­knips­ter Ter­ror­fürs­ten. Der 20-jäh­ri­ge Afgha­ni­stan­ein­satz liegt in Scher­ben und mit ihm all die schö­nen und teu­ren Pro­jek­te, die in einem mul­ti­po­la­ren, reli­gi­ös fana­ti­sier­ten Stam­mes­ge­biet Demo­kra­tie und Gleich­be­rech­ti­gung ent­ste­hen las­sen woll­ten. Das ist so trau­rig wie es vor­her­ge­sagt war.

Die Selbst­täu­schung, gera­de was die Fähig­kei­ten der vom Wes­ten auf­ge­päp­pel­ten afgha­ni­schen Armee anbe­langt (Deut­sche Mili­tär­päd­ago­gik war hier bekannt­lich auch am Wer­ke), ist wie ein Kar­ten­haus in sich zusam­men­ge­fal­len. Und zwar aus inter­nen, nicht zu beein­flus­sen­den Grün­den. Mal abge­se­hen von den zahl­rei­chen erra­tisch anmu­ten­den Ent­schei­dun­gen auf höchs­ter poli­ti­scher Füh­rungs­ebe­ne in Ber­lin und Washing­ton, die ich hier gar nicht ein­zeln beleuch­ten möch­te. Schließ­lich sind die Kon­se­quen­zen die­ses geschei­ter­ten Expe­ri­ments schon schreck­lich genug.

Der Zustand der müh­sam und teu­er auf­ge­bau­ten afgha­ni­schen Armee, die trotz spe­zi­el­ler Vor­be­rei­tungs­kur­se zu über 80% aus Analpha­be­ten bestand, die nicht wuss­ten, wie her­um sie für ein Grup­pen­fo­to ihre mili­tä­ri­schen Diplo­me zu hal­ten hat­ten und mit denen mili­tä­ri­sche Ein­sät­ze aus schlech­ter Erfah­rung immer nur bis kurz vor „Payday“ durch­zu­füh­ren waren, weil die Sol­da­ten am Zahl­tag erst mal für eini­ge Zeit ver­schwun­den waren, spricht dafür, dass der Wes­ten jah­re­lang an einer Illu­si­on fest­hielt, an die er selbst nicht glau­ben konn­te. Die Rekru­ten die­ser Armee, jun­ge Män­ner von 18 oder 20 Jah­ren, haben übri­gens nie unter der Regime der Tali­ban gelebt. Man kann hier also nicht mal ent­schul­di­gend vom „Rück­fall” in alte Gewohn­hei­ten sprechen.

Spricht man mit Mili­tärs oder hört ihnen in den US-Medi­en zu, hät­te man das Über­rol­len die­ser Geis­ter­trup­pe dadurch ver­hin­dern kön­nen, dass man in Bagram eine klei­ne Mili­tär­prä­senz bei­be­hal­ten und der lan­gen Lis­te welt­wei­ter US-Basen ein­fach einen wei­te­ren Namen hin­zu­ge­fügt hät­te. Womög­lich ist das rich­tig, rich­ti­ger jeden­falls als die aktu­el­le Situa­ti­on, in der an die 10.000 ame­ri­ka­ni­sche Zivi­lis­ten in allen Lan­des­tei­len Afgha­ni­stans fest­sit­zen, wo sie ein gro­ßes Poten­zi­al für künf­ti­ge Löse­geld­erpres­sun­gen dar­stel­len. Doch mal abge­se­hen vom geschei­ter­ten „Wie“ unter Prä­si­dent Biden stellt sich die viel grund­sätz­li­che­re Fra­ge nach dem „War­um“.

Der Weltpolizist ist müde

Seit 70 Jah­ren führ­ten die USA nicht nur Krie­ge, die in Deutsch­land gern wort­reich ver­ur­teilt wer­den, son­dern fühl­te sich mit sei­ner Rol­le als Welt­po­li­zist sicht­bar wohl. Für uns war es bequem, weil wir einen gro­ßen Teil unse­rer eige­nen Ver­tei­di­gungs­leis­tung aus­la­gern konn­ten. Die Decke, unter die wir schlüp­fen konn­ten, kratz­te zwar hier und da, aber sie war warm und preis­wert und das gespar­te Geld konn­ten wir für aller­lei schö­ne Din­ge ver­wen­den und uns das Wohl­wol­len der Welt erkau­fen. Fast 70 Jah­re blieb es bei die­ser „Arbeits­tei­lung“, bis im Jahr 2015 ein ver­lach­ter Rea­li­ty-TV-Clown erkann­te, dass das vie­le in mili­tä­ri­schen Aben­teu­ern ver­brann­te Geld zu Hau­se viel sinn­vol­ler ein­ge­setzt wer­den könn­te und statt teu­rer und ver­lust­rei­cher Krie­ge im Irgend­wo oder dem Bau einer Stra­ße in Dscha­lal­abad die eige­ne, auf Ver­schleiß gefah­re­ne Infra­struk­tur min­des­tens eben­so bedürf­tig war. Das Mot­to „Ame­ri­ca First“ setz­te in Trumps Wahl­kampf genau da an. Die Ent­schei­dung, sich nach und nach aus Kon­flik­ten und der Welt ganz all­ge­mein zurück­zu­zie­hen und dar­auf zu drän­gen, dass die Nato-Part­ner bei mora­li­schem Bedarf selbst in die ent­ste­hen­den Lücken sprin­gen soll­ten, mach­te genau da wei­ter. Den geplan­ten Trup­pen­ab­zug aus Deutsch­land mach­te Biden zwar noch rück­gän­gig, aus Afgha­ni­stan woll­te aber auch er raus. Den USA geht inter­na­tio­nal die Pus­te aus, Trump wuss­te das und Biden – oder doch zumin­dest die Leu­te um ihn her­um – weiß es wohl auch.

Die Fol­gen ver­hei­ßen auch abseits des Deba­kels in Afgha­ni­stan nichts Gutes. Das Geld, das in den USA für Stra­ßen, Brü­cken oder das Schul­sys­tem fehlt, ist durch die gro­ße Umver­tei­lungs­ma­schi­ne des Mili­tärs in Form von Waf­fen und Aus­rüs­tung gera­de an die Tali­ban gefal­len, die nun mehr ein­satz­be­rei­te Flug­zeu­ge und Kampf­hub­schrau­ber haben als die Bun­des­wehr. Wir reden hier von „spon­ta­nen Eigen­tums­über­tra­gun­gen“ im mehr­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich. Die Tali­ban wer­den das meis­te davon nicht brau­chen kön­nen, aber wir dür­fen damit rech­nen, dass die­se Waf­fen bald in vie­len Kon­flik­ten rund um die Welt und in Chi­na auf­tau­chen und gleich­zei­tig die Taschen der Stein­zei­t­is­la­mis­ten fül­len wer­den. Die Glück­wün­sche der Hamas zum Sieg der Tali­ban deu­ten in eine sehr unschö­ne Richtung.

Auch wenn der miss­glück­te Trup­pen­ab­zug der USA nicht auf mili­tä­ri­sches, son­dern auf poli­ti­sches Ver­sa­gen zurück­zu­füh­ren ist, bleibt der Ein­druck, dass die Fein­de der USA am Ende tri­um­phie­ren, wäh­rend sich Ver­bün­de­te nicht mehr auf Ame­ri­ka ver­las­sen kön­nen. Die KP Chi­nas star­te­te in ihrem Pro­pa­gan­da-Organ „Glo­bal Times“ schon mal einen Test­bal­lon und pos­tu­liert, dass die Armee Tai­wans genau­so schnell das Wei­te suchen wird wie die afgha­ni­sche, soll­ten die Trup­pen Chi­nas zur „Befrei­ung“ dort ein­mar­schie­ren wer­den. Wer soll­te sie hin­dern? Biden? Mer­kel? Olaf Scholz? Ver­mut­lich gäbe es wie bei der Anne­xi­on der Krim eine Wei­le medi­al-diplo­ma­ti­sche Blä­hun­gen, bevor man wie­der zur Tages­ord­nung über­geht. Am beweg­lichs­ten und fle­xi­bels­ten sind die­ser Tage die roten Lini­en, denn wer kei­ne Macht hat, muss alles mit sich machen lassen.

Was uns zurück zu den Trä­nen der über­for­der­ten FFF-Akti­vis­tin vom Anfang die­ses Tex­tes bringt. Das per­ma­nen­te wirt­schaft­li­che und mora­li­sche Power­play der EU und Deutsch­lands in Gestalt end- und bedin­gungs­lo­ser Ent­wick­lungs­hil­fe und blin­dem NGO-Akti­vis­mus, die oft kaum mehr als der Trans­fer des Gel­des armer Men­schen in rei­chen Län­dern an rei­che Men­schen in armen Län­dern (Ste­fan Aust) dar­stel­len, führt uns in eine ver­gleich­ba­re Über­deh­nung, die durch den wahr­schein­li­chen Weg­fall der USA als Ord­nungs­macht nur noch ver­stärkt wer­den kann. Die Erschöp­fung der Gesell­schaft ist in Deutsch­land nicht gerin­ger als in den USA, auch wenn sie sich dort anders äußert und die Kul­tur­kämp­fe zwi­schen (je nach Betrach­tungs­wei­se) Inter­na­tio­na­lis­ten und Iso­la­tio­nis­ten bzw. Auto­ri­tä­ren und Libe­ra­len in Deutsch­land noch nicht mit Waf­fen­ge­walt aus­ge­tra­gen wer­den wie etwa in Seattle.

Die letz­ten Ame­ri­ka­ner und Deut­schen sind noch nicht aus Kabul geret­tet, da redet man sich die Tali­ban schon wie­der schön, glaubt Anschluss­fä­hig­keit und Dia­log­be­reit­schaft wie übri­gens schon vor dem 11. Sep­tem­ber 2001 zu erken­nen. Hil­fe­leis­tung für Afgha­ni­stan? Kein Pro­blem, wenn sie nur ein wenig lie­ber sind als frü­her. Eine Mil­li­on hier, hun­dert Mil­lio­nen da, die Mil­li­ar­den wer­den fol­gen. Der Anfang vom Ende des Ost­rö­mi­schen Rei­ches war, dass man irgend­wann dazu über­ging, nicht mehr in Sol­da­ten, son­dern in Schutz­gel­der zu inves­tie­ren. Wir geben vor, aus unse­ren Feh­lern zu ler­nen, indem wir sie immer und immer wie­der machen. An der Lage­ein­schät­zung des Washing­ton Insti­tu­te aus dem Jahr 2000, in der die fun­da­men­ta­le Kom­pro­miss­lo­sig­keit der Tali­ban, gepaart mit diplo­ma­ti­scher Honig­s­chmie­re­rei deut­lich zum Aus­druck kommt, dürf­te sich jedoch nur wenig geän­dert haben. Es gibt aber einen qua­li­ta­ti­ven Unter­schied. Man muss heu­te für Mill­jöh­stu­di­en der afgha­ni­schen Gesell­schaft nicht mehr nach Kabul flie­gen, es genügt, mit der U‑Bahn nach Ber­lin-Kreuz­berg zu fahren.

Demokratie und Windräder

Der ame­ri­ka­ni­sche Inter­ven­tio­nis­mus und die Bereit­schaft der USA, als Ord­nungs­macht inter­na­tio­nal in Erschei­nung zu tre­ten, wer­den schwä­cher. Die Grün­de dafür lie­gen nicht in einer ver­än­der­ten Welt­la­ge, son­dern in inne­ren Lager­kämp­fen und der zuneh­men­den wirt­schaft­li­chen Über­for­de­rung. Die aktu­el­le, offen­sicht­lich unfä­hi­ge Admi­nis­tra­ti­on wirkt hier nur beschleu­ni­gend. Die mili­tä­ri­sche und öko­no­mi­sche Groß­macht USA zieht sich immer mehr zwi­schen Atlan­tik und Pazi­fik zurück und Deutsch­land täte gut dar­an, nicht zu ver­su­chen, sich in die zurück­ge­las­se­nen Stie­fel zu stel­len. Im Gegen­teil. Auch wenn unse­rer Stra­te­gie kei­ne mili­tä­ri­sche ist und wir statt­des­sen unter dem Mot­to „Demo­kra­tie und Wind­rä­der“ die Welt zu beglü­cken ver­su­chen, sind unse­ren Bemü­hun­gen doch eben­so wenig erfolg­reich wie das „Nati­on Buil­ding“ der Amerikaner.

Das bedeu­tet nicht, die Zug­brü­cken hoch­zie­hen zu müs­sen und uns zu iso­lie­ren wie Japan bis zur Ankunft von Com­mo­do­re Per­ry. Es bedeu­tet aber, dass es Zeit ist, sich von der Lebens­lü­ge des Wes­tens zu ver­ab­schie­den, man kön­ne durch Inter­ven­ti­on und bedin­gungs­lo­se Ent­wick­lungs­hil­fe die Welt nach unse­rem Gus­to umge­stal­ten und den Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes an die Gren­zen des Son­nen­sys­tems ver­schie­ben. Ein Blick auf unse­re Infra­struk­tur, auf unse­re Schu­len, Stra­ßen, Brü­cken und auch unse­re Bun­des­wehr zeigt, dass die auf die­se Wei­se frei­ge­setz­ten Res­sour­cen schnell sinn­voll ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Ande­ren­falls sitzt der Wes­ten bald in Gän­ze trä­nen­auf­ge­löst und mit ver­sem­mel­ter Zukunft da wie Pau­li­ne, weil die Welt sich hart­nä­ckig wei­gert, geret­tet zu werden.

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19 Kommentare

  1. Schon aus den Irak-Krie­gen hät­te man die Leh­re zie­hen kön­nen, dass man einem Volk nicht ein­fach von oben nach unten west­li­che Poli­tik über­stül­pen kann („wir ret­ten die mal jetzt, indem wir ihnen unse­re Wer­te schen­ken und dann wird alles gut”).
    Falls der Wil­le oder der Wunsch dazu tief in die­sem Volk ver­wur­zelt ist, also dort ent­steht, kommt es nahe­zu zwangs­läu­fig irgend­wann zu einem mehr oder weni­ger blu­ti­gen Umsturz, also einer poli­ti­schen Ver­än­de­rung von unten nach oben. Dafür gibt es in der Geschich­te vie­le Beispiele.

  2. Schei­ße, Pau­lin­chen hat ihr Semes­ter ver­saut. Und jetzt noch Erd­er­wär­mung, Pan­de­mie und die Regie­rung hat kei­nen Plan. Das ist zu viel, habt Mitleid.

  3. Die Betrei­ber der Men­schen­farm haben einen Chef, den Vater der Lüge. Sei­ne Schöp­fung will der gött­li­chen Schöp­fung den Rang ablau­fen. Doch alles erschöpft sich in Täu­schun­gen und Illu­sio­nen. „Krieg ist Frie­den.” usw.

    Es genügt, die Wahr­hei­ten zu akzep­tie­ren und das eige­ne Leben umzu­ge­stal­ten. Gegen die Ände­run­gen, die ein ein­zel­ner Mensch unter­nimmt, ist das Sys­tem macht­los. Es kann immer nur Grup­pen angrei­fen und ausrotten.

    Die meis­ten Men­schen sind Mit­läu­fer und Duck­mäu­ser. Die The­men, die eine sol­che Genera­ti­on her­vor­ge­brach­ten, rei­chen unter­schied­lich lang in die Ver­gan­gen­heit zurück:
    1945 Umerziehung
    1848 Demokratie
    1517 Reformation
    325 Kon­zil zu Nicäa
    753 v.u.Z. Römi­sches Reich

    Weder Leis­tun­gen noch Talen­te waren in der DDR aus­schlag­ge­bend, son­dern die SED-Zuge­hö­rig­keit und die Unauf­fäl­lig­keit gegen­über den Sta­si-Spit­zeln. Weder Leis­tun­gen noch Talen­te sind in der BRD aus­schlag­ge­bend, son­dern lin­kes Den­ken und poli­ti­sche Kor­rekt­heit. Auf­ga­be: Erken­ne Unter­schie­de und ermit­te­le Vor- und Nach­tei­le! Schluss­fol­ge­rung: Jedes Sys­tem hat Lücken. Es kommt dar­auf an, die­se zu fin­den und zu nutzen.

    Heu­te haben Sata­nis­ten, Jesui­ten und Frei­mau­rer Mit­tel­eu­ro­pa fest im Griff. Die ursprüng­li­chen Kul­tu­ren sind nur noch Folk­lo­re, haben nur für klei­ne Min­der­hei­ten eine Bedeu­tung. Man glaubt sämt­li­che Geschichts­lü­gen und Wis­sen­schafts­lü­gen, die von römi­schen Sol­da­ten und von Kut­ten­trä­gern aller Art durch­ge­setzt wur­den. Die Teu­fel sind mit­ten unter uns und gestal­ten die Höl­le auf Erden.

    Imma­nu­el Kant in 1784: „Habe Mut, dich dei­nes eige­nen Ver­stan­des zu bedienen!”
    Wer hat noch Mut?
    Wer hat noch Verstand?

    • „Heu­te haben Sata­nis­ten, Jesui­ten und Frei­mau­rer Mit­tel­eu­ro­pa fest im Griff. ”

      Ja klar. Und die Echsenwesen.

  4. Wenn ich mir die klei­ne Pau­li­ne so ansehe,so sehe ich einen jun­gen Men­schen dem Mami­lein und Papi­lein jeden Wunsch von den Augen abge­le­sen haben. Kaum aus­ge­spro­chen – Zack Wunsch erfüllt.
    Und plötz­lich stellt die klei­ne Pau­li­ne fest, die meis­ten Men­schen in Deutsch­land, Euro­pa und der Welt wol­len nicht in die Rol­le von Mami und Papi schlüp­fen und der klei­nen Pau­li­ne ihre gro­ßen Wün­sche erfül­len. Das ist natür­lich echt blöd. Zumal ihr „Exper­ten” bestä­tigt haben, die Was­ser­mas­sen im Ahr­tal sind ganz ein­deu­tig Zei­chen des Klimawandels.
    Aber was hat das nun mit Afgha­ni­stan zu tun? Nun in west­li­chen Demo­kra­tien herrscht seid eini­gen Jah­ren die Vor­stel­lung vor, wün­schen hilft. Und wenn schon nicht wün­schen dann hel­fen zumin­dest Mil­li­ar­den Dol­lar oder Euro. Man glaubt, mit Dol­lars und im Zwei­fels­fall Waf­fen lie­ße sich jeder Gesell­schaft Demo­kra­tie, Rechts­staat­lich­keit, Men­schen­rech­te und Gleich­stel­lung über­hel­fen. Dass das nicht funk­tio­nie­ren wird war den Meis­ten schon vor 20 Jah­ren klar. Wer es genau wis­sen will, ein­fach Mal nach der Vor­le­sung von Peter Scholl-Latour im Rah­men der Mer­ca­tor- Pro­fes­sur goo­geln. Titel:„Siegen in Afghanistan?”

    P.S.: Lie­be Pau­li­ne, ein­fach mal Papi­lein anru­fen. Der ruft den Fami­li­en­an­walt an, wel­cher der Uni ver­kli­ckert das die lie­be Pau­li­ne für ihren Ein­satz gegen den Kli­ma­wan­del alle Schei­ne auch ohne Prü­fung ver­dient hat. Hat doch frü­her in der Schu­le auch funktioniert.

  5. Wenn der Bie­nen­domp­teur Honig von einem Hor­nis­sen­schwarm ern­ten möchte, … 

    dann wird er bei­zei­ten fest­stel­len, dass es gewis­ser­ma­ßen unan­ge­nehm wird, wenn man in der benach­bar­ten Küche nicht die Fens­ter ver­schlos­sen hat.

    p.s.: Einem Imker wür­de das nicht passieren.

  6. Also ich glau­be, bei Tai­wan wür­de es schon knal­len. Da krei­sen US-Kriegs­schif­fe und die Tai­wa­ne­sen wis­sen, dass sie was zu ver­lie­ren haben. Anders als Hong-Kong ist die Insel auch mili­tä­risch gut ver­tei­dig­bar. Die Krim ist kein Ver­gleich, weil da haupt­säch­lich Rus­sen woh­nen, die nicht ihr Leben gelas­sen hät­ten, nur um nicht rus­sisch zu wer­den. Die Ukrai­ne ist ja auch kei­ne lupen­rei­ne Glück­see­lig­keit. Bei Tai­wan geht’s um was.

    • In Tai­wan leben nur Chi­ne­sen. Was glaubst Du, wie groß der Wil­le zum Wider­stand aus­ge­rech­net die­ser US-Regie­rung wäre, wenn sich Chi­ne­sen mit Chi­ne­sen „wie­der­ver­ei­nen”? Ich wür­de da im Moment kei­ne Wet­ten auf Biden abschließen.

        • Yep. An Dro­hun­gen, Auf­mär­schen, Rake­ten­ab­schüs­sen der Fest­lands­chi­ne­sen etc. hat es in der Ver­gan­gen­heit auch nicht geman­gelt, ohne das die Tai­wa­ner wesent­lich ein­ge­knickt wären.
          Ich sehe hier eher Ähn­lich­kei­ten zu Nord-/Süd­ko­rea, als zu Afgha­ni­stan. Die Süd­ko­rea­ner wür­den sich auch kei­nes­wegs kampf­los erge­ben und die US auch nicht ein­fach bei­sei­te stehen.

  7. Ich fra­ge mich immer: Wie macht man ein sol­ches Video? Hin­set­zen, Han­dy aufs Sta­tiv, Kame­ra an, Start­schuss zum Heulen?

    • Ist doch ein­fach. Mot­to: Sei ein­fach, wie Du bist. Dumm, ver­zo­gen, emo­tio­nell kom­plett dys­funk­tio­nal. Der Rest kommt von selbst.
      Mein Aus­druck für die­se und ähn­li­che Leut­chen ist seit eini­ger Zeit „Greinsch*****”

  8. Guter Arti­kel, der eini­ges auf den Punkt bringt. Im Kon­text mit dem „Ver­sa­gen der Afgha­ni­schen Armee” bzw. dem vor­an­ge­gan­ge­nen „poli­ti­schen Ver­sa­gen” könn­te man noch ergän­zen, dass ja durch­aus offen dar­über dis­ku­tiert wird, ob die wider­stands­lo­se „Nie­der­le­gung der Waf­fen” durch die Afgha­ni­sche Armee nicht doch ein Resul­tat der Ver­hand­lun­gen in Doha/Katar waren. Es drin­gen zwar bis­her weni­ge Infor­ma­tio­nen dar­über in die Öffent­lich­keit – es ent­behrt aber nicht einer gewis­sen Logik.

    • Aber sicher doch! Ein Staat mit vier­zig Mil­lio­nen Ein­woh­nern wird von einem Tag auf den ande­ren von einem Hau­fen ata­vis­ti­scher Stam­mes­krie­ger erobert? Lächer­lich. Da steckt ein Deal dahinter.

      • Da ste­cken vie­le ein­zel­ne, klei­ne Deals dahin­ter. Und in ihrem Fall ein Fehl­ver­ständ­nis. Afgha­ni­stan ist kein „Staat mit 40 Mil­lio­nen Einwohnern”.
        Afgha­ni­stan ist ein Gebiet mit 40 Mil­lio­nen Bewoh­nern ver­schie­de­ner Stäm­me und Eth­ni­en mit einer tra­di­tio­nell extrem schwa­chen „Regie­rung”.

  9. Amü­sant beschrie­ben. „…den Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes an die Gren­zen des Son­nen­sys­tems zu ver­schie­ben” (?) …das hat Dank unse­res sozia­lis­ti­schen Moral­ge­richts (ehm. BVerfG) immer­hin geklappt! …und Pau­li­ne, die hat eigent­lich nur ihre Tage…

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