Eine Glosse zur spanisch/katalanischen Posse

„Das könn­te sowie­so nie­mals funk­tio­nie­ren, Zwerg­staa­ten sind in der heu­ti­gen glo­ba­li­sier­ten Welt doch gar nicht über­le­bens­fä­hig!“ – so ora­kel­te neu­lich ein Bekann­ter über die sei­ner Mei­nung nach unrea­lis­ti­schen Auto­no­mie­be­stre­bun­gen der Kata­la­nen. Vom „Armen­haus Spa­ni­ens“ sprach er und von der unver­meid­ba­ren Iso­la­ti­on Bar­ce­lo­nas in Euro­pa, soll­te man die­sen fal­schen Weg wirk­lich bis zum bit­te­ren Ende wei­ter­ge­hen. Die Legen­de vom Armen­haus, die wohl beson­ders unter regie­rungs­na­hen Spa­ni­ern sehr popu­lär ist, beruht jedoch auf einer Täu­schung. Dass Kata­lo­ni­en näm­lich nur auf Platz 10 der Wirt­schafts­kraft der Regio­nen Spa­ni­ens steht, ist der Tat­sa­che geschul­det, dass die „Hand aus Madrid“ die Kas­se der Regi­on plün­dert. Ohne die­se Umver­tei­lung, stün­de Kata­lo­ni­en auf Platz 3. Grif­fe der deut­sche Fis­kus den Bay­ern ähn­lich unge­niert in die Taschen, müss­te Mün­chen pro Jahr nicht 6 Mil­li­ar­den in den Län­der­fi­nanz­aus­gleich ein­zah­len, son­dern ca. 26 Mil­li­ar­den Euro* nach Ber­lin über­wei­sen – was sicher dazu führ­te, dass der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter sich besorgt über den Schul­den­stand der Bay­ern äußern, vom „Armen­haus am Alpen­rand” faseln und den Bay­ern als Vor­bild die fis­ka­le Exper­ti­se Ber­lins anemp­feh­len wür­de. Aber las­sen wir das, wie die Spa­ni­er in ihrem Land die Gel­der ver­tei­len, ist schließ­lich ihre Sache. Auch wenn ich den lei­sen Ver­dacht hege, als Vor­bild für die Ver­wal­tung dient den Beam­ten aus Madrid eine alte DDR-Rege­lung, nach der ein­fach alle Res­sour­cen in die Haupt­stadt gekarrt wur­den, wo die Men­schen sie sich dann abho­len konn­ten, falls dort noch etwas zu fin­den war. Dezen­tra­li­sie­rung? Stär­kung der Regio­nen? Fehlanzeige!

Aber der Ein­wand mit der EU-Mit­glied­schaft ist natür­lich stich­hal­tig. Für neue Staa­ten sind die Regeln klar: hin­ten anstel­len, das vol­le Bei­tritts­pro­gramm durch­lau­fen. Die EU mag ja man­chen­orts gene­rös sein, wenn es um die Ein­rei­se von Per­so­nen geht. Bei der Auf­nah­me neu­er Mit­glieds­staa­ten ist sie weni­ger situa­tiv und folgt einem aus­ge­klü­gel­ten Ritu­al. Zum Glück, wird jetzt der eine oder ande­re den­ken, denn sonst wären die Tür­kei und die Ukrai­ne wohl längst durch eine Mischung aus Selbst­über­schät­zung, Über­heb­lich­keit und Grö­ßen­wahn Voll­mit­glie­der. Nicht nur der EU, son­dern auch des Euros. Min­des­tens! Ich ver­mu­te, im Fall Schott­lands bedau­er­te man das star­re Regel­werk zutiefst, hät­te sich für Brüs­sel hier doch die ein­ma­li­ge Gele­gen­heit gebo­ten, bei der Schei­dung der Bri­ten von Euro­pa wenigs­tens das allei­ni­ge Sor­ge­recht für das „Kind“ Schott­land zu behal­ten und den reni­ten­ten Eng­län­dern noch mal so rich­tig einen mit zu geben. So eine Schei­dung ist doch erst dann ein Erfolg, wenn man sicher sein kann, dass es dem ehe­mals gelieb­ten Part­ner anschlie­ßend rich­tig dre­ckig geht! Aber über einen unver­hoh­le­nen Flirt mit Stur­ge­on von der SNP ging es am Ende jedoch nie hinaus.

Die EU als neues „Völkergefängnis”?

Blickt man auf die Grün­dungs­ver­trä­ge der EU zurück, erstaunt aus heu­ti­ger Sicht vor allem die nai­ve Illu­si­on, man hät­te durch die­se ein Ver­trags­werk mit Ewig­keits­an­spruch geschaf­fen, das allen künf­ti­gen Ver­wer­fun­gen stand­hal­ten kön­ne. Aus­sa­gen zu Ewig­kei­ten aller Art erwar­tet man zwar eigent­lich eher von Reli­gio­nen, und selbst die­se sehen eine Art Lauf­zeit­be­gren­zung allen irdi­schen Stre­bens vor und erfan­den zu die­sem Zweck sol­che Din­ge wie „Welt­un­ter­gang” und „Jüngs­tes Gericht“. Die EU jedoch exis­tiert von Ewig­keit zu Ewig­keit und der EuGH wird eines Tages sicher auch die Urtei­le des Jüngs­ten Gerichts anfech­ten. Die EU ging bei ihrer Grün­dung davon aus, dass es so etwas wie Sepa­ra­tis­mus in ihren Mit­glied­staa­ten prin­zi­pi­ell nicht geben kön­ne, was aller­dings der Selbst­wahr­neh­mung die­ser Orga­ni­sa­ti­on als ein „Euro­pa der Regio­nen“ und der Idee der „Über­win­dung der Natio­nal­staa­ten” ekla­tant wider­spricht und zu einem lee­ren Ver­spre­chen macht. Denn wenn ein Mit­glieds­staat der EU die Auto­no­mie­be­stre­bun­gen eines sei­ner Tei­le nicht tole­riert, die­nen ihm die Sta­tu­ten der EU als per­fek­tes Mit­tel der Erpres­sung, da die Auf­nah­me neu­er Mit­glie­der immer ein­stim­mig erfol­gen muss.

Doch bei Schei­dun­gen wird heu­te vor Gericht nicht mehr nach „Schuld“ gesucht und die­se Regel soll­te man kon­se­quen­ter­wei­se auch auf sepa­ra­tis­ti­sche Bestre­bun­gen anwen­den, wenn sie erfolg­reich wer­den. Im Fall Spa­ni­en vs. Kata­lo­ni­en bedeu­te­te dies, dass bei­de die EU ver­las­sen müss­ten und bei­de dann die Wie­der­auf­nah­me bean­tra­gen kön­nen. Denn war­um soll­te man nur Bar­ce­lo­na bestra­fen? Ist die Tat­sa­che, dass sich die Kata­la­nen in Spa­ni­en nicht mehr wohl füh­len, nicht auch in Madrid ver­bockt worden?

Wie auch immer die Sache aus­ge­hen mag, mir gefällt die erpres­se­ri­sche Argu­men­ta­ti­on nicht, mit der den Unab­hän­gig­keits­be­we­gun­gen in Euro­pa prin­zi­pi­ell begeg­net wird. Der scha­den­fro­he Hin­weis, durch eine sol­che Schei­dung von den Fleisch­töp­fen Brüs­sels abge­schnit­ten zu sein und sich durch eine Nicht­mit­glied­schaft in der EU selbst ein­ge­sperrt zu haben – und den Schlüs­sel zu die­sem Gefäng­nis aus­ge­rech­net dem Ex-Part­ner in die Hand drü­cken zu müs­sen, ist schä­big und unlau­ter. Und der Weg zurück in die EU ist ja kein leich­ter! Man muss Pro­zes­se in Gang set­zen, mit denen man längst fer­tig war. Man ver­liert Zeit, bin­det Res­sour­cen und Kraft und der Aus­gang ist völ­lig unge­wiss. Aber ich habe hier nicht nur das Wort ergrif­fen, um den Sta­tus Quo zu beleuch­ten. Ich habe viel­mehr die per­fek­te Lösung für die Auto­no­mie­pro­ble­me der Kata­la­nen und das krän­ken­de Gefühl der Spa­ni­er, ver­las­sen zu werden! 

Von Deutschland lernen

Lei­der kann ich die Urhe­ber­schaft die­ser Lösung nicht für mich bean­spru­chen, denn die­se Idee wur­de bereits vor 27 Jah­ren erfolg­reich in die Tat umge­setzt, wenn auch aus ande­ren Grün­den. Sie erin­nern sich nicht? Dann hel­fe ich ihnen kurz auf die Sprün­ge: Wie­der­ver­ei­ni­gung! Genau, die­se gro­ße his­to­ri­sche Tat, damals, als man öst­lich der Elbe noch nicht von „Dun­kel­deutsch­land“ sprach, son­dern von „Ex Saxo­nia Lux“. Doch die­se Wie­der­ver­ei­ni­gung hat in Wirk­lich­keit nie statt­ge­fun­den, auch wenn wir die­sen Begriff so gern ver­wen­den. Bei einer Wie­der­ver­ei­ni­gung wäre näm­lich etwas Neu­es ent­stan­den, ein neu­er Staat. Nach den Maas­trich­ter Ver­trä­gen, die zwei Jah­re spä­ter abge­schlos­sen wur­den, hät­te die­ses „Neue Deutsch­land“ einen neu­en Auf­nah­me­an­trag in die EU stel­len müs­sen, genau wie die Kata­la­nen heu­te im Fall ihrer voll­ende­ten Unab­hän­gig­keit. Doch nicht aus die­sem Grund ent­schied man sich letzt­lich gegen eine Wie­der­ver­ei­ni­gung und für den schlich­ten „Bei­tritt der DDR zum Wir­kungs­be­reich des Grund­ge­set­zes“. Zweck die­ses Tricks war natür­lich, die im Fall einer Wie­der­ver­ei­ni­gung ins Haus ste­hen­den erneu­ten Ver­hand­lun­gen über Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen an Polen, Tsche­chi­en, Grie­chen­land und ande­re im zwei­ten Welt­krieg ver­wüs­te­te Län­der zu umge­hen. Ein klei­ner Trick, durch den auch ihr bekom­men könnt, was ihr wollt, lie­be Katalanen!

Katalonien tritt Andorra bei!

Spie­len wir die Sache mal durch: Kata­lo­ni­en erklärt sei­ne Unab­hän­gig­keit und Spa­ni­en lässt es zäh­ne­knir­schend zie­hen, bereit, jeden Auf­nah­me­an­trag Bar­ce­lo­nas in die EU sofort mit einem Veto zu beant­wor­ten, Zoll­schran­ken und ande­re Hemm­nis­se zu errich­ten, ganz gleich, ob es sich damit selbst eben­falls bestra­fen wür­de. Die typi­sche Reak­tio­nen eines „ver­las­se­nen Part­ners“. Kata­lo­ni­en ist dann fak­tisch ein Land, das jeden Ver­trag, jede Mit­glied­schaft in inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on neu aus­han­deln muss. Des­halb beschließt das Par­la­ment in Bar­ce­lo­na, noch am Tag der Unab­hän­gig­keit Andor­ra bei­zu­tre­ten ­– was Andor­ra gern akzep­tiert. Das klei­ne Fürs­ten­tum von 78.000 Ein­woh­nern ist der nörd­li­che Nach­bar, die Amts­spra­che ist kata­la­nisch, es gibt zahl­rei­che his­to­ri­sche und kul­tu­rel­le Anknüp­fungs­punk­te und eine weit­ge­hen­de Auto­no­mie der neu­en andor­ra­ni­schen Pro­vinz Kata­lo­ni­en, die noch weit über das hin­aus­ge­hen wür­de, was sich Bar­ce­lo­na vor­mals von Madrid erhoff­te, wird sich ver­trag­lich vor­her regeln las­sen. Natür­lich müss­te Kata­lo­ni­en auch an die neue Haupt­stadt Andor­ra la Vel­la Steu­ern zah­len, wie man das vor­her mit Madrid tun muss­te. Doch ange­sichts eines andor­ra­ni­schen Staats­haus­hal­tes von etwa 500 Mil­lio­nen Euro und einem Haus­halts­de­fi­zit von 3,5% wäre man dort sicher schon mit deut­lich weni­ger zufrie­den, als frü­her die For­de­run­gen aus Madrid auswiesen.

Andor­ra gehört zwar for­mal nicht zur EU, die Brüs­se­ler Fleisch­töp­fe blie­ben den Kata­la­nen nach ihrem Bei­tritt zum Fürs­ten­tum somit ver­schlos­sen, was dem spa­ni­schen Selbst­be­wusst­sein hel­fen wür­de. Jedoch gin­ge das wirt­schaft­li­che Leben in Bar­ce­lo­na naht­los wei­ter, da Andor­ra Mit­glied in zahl­rei­chen inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen ist, dar­un­ter den Ver­ein­ten Natio­nen, dem Euro­pa­rat, Inter­pol und – beson­ders wich­tig – der FIFA. Das seit 1990 mit der EU bestehen­de Han­dels­ab­kom­men und die bestehen­de Zoll­uni­on Andor­ras mit der EU wür­den die Kata­la­nen zudem sofort in eine pri­vi­le­gier­te Situa­ti­on kata­pul­tie­ren, von der die Bri­ten der­zeit nur träu­men kön­nen! Und man könn­te den Euro behal­ten, da die­ser in Andor­ra seit 2014 Lan­des­wäh­rung ist.

Das las­sen sie Spa­ni­er nie­mals zu, mei­nen Sie? Die wür­den in das neue Groß-Andor­ra ein­mar­schie­ren? Da bin ich mir nicht so sicher, denn das klei­ne rebel­li­sche Völk­chen im Nord­os­ten Spa­ni­ens ist ein soge­nann­tes „Ko-Fürs­ten­tum“. Neben dem Bisch­off von Urgell, mit des­sen kata­la­ni­scher Diö­ze­se es sicher­lich kein Pro­blem geben wür­de, ist eben­falls der Staats­prä­si­dent von Frank­reich Staats­ober­haupt von Andor­ra! Und das ist kein Gerin­ge­rer als Emma­nu­el Macron, der bekannt­lich macht, was ihm gefällt. Wer will sich schon mit dem anlegen!?

Eine win-win-win-win-win-win-Situation!

Kata­lo­ni­en gewinnt sei­ne Unab­hän­gig­keit, RealM­adrid schon am ers­ten Spiel­tag die spa­ni­sche Meis­ter­schaft. Spa­ni­en wird sein undank­ba­res „Armen­haus“ los und genießt die Rache, die Rück­kehr der Kata­la­nen in die EU dau­er­haft ver­hin­dern zu kön­nen. Andor­ra bekommt end­lich Zugang zum Mit­tel­meer und ver­liert die demü­ti­gen­de Bezeich­nung „Zwerg­staat“, Frank­reichs Prä­si­dent darf sich noch ein Stück grö­ßer füh­len und Euro­pa bleibt ein Hort des Frie­dens und muss sich nicht als „Völ­ker­ge­fäng­nis“ beschimp­fen las­sen, wie einst das Reich der Habs­bur­ger Dop­pel­mon­ar­chie – Pro­blem gelöst!

Dan­ken Sie mir nicht, Herr Puig­de­mont. Aber falls Bar­ca dem­nächst in der fran­zö­si­schen „Ligue 1” spielt, wür­de ich mich über ein paar Kar­ten für das Spit­zen­spiel gegen Paris Saint-Ger­main freuen.

 

* Kata­lo­ni­en hat 7,5 Mil­lio­nen Ein­woh­ner und zahlt jähr­lich etwa 16 Mil­li­ar­den Euro Net­to nach Madrid. Bay­ern hat 12,8 Mil­lio­nen Ein­woh­ner und zahl­te für 2016 etwa 6 Mil­li­ar­den Euro in den Län­der­fi­nanz­aus­gleich Deutsch­lands ein. Der Rest ist Dreisatz. 

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14 Kommentare

  1. Wenn man sich Wahl­er­geb­nis­se in Deutsch­land auf der Kar­te anschaut, zer­fällt unser Land in drei Zonen. BY und BW ste­hen der Uni­on nahe; dort ist das Chris­ten­tum sehr leben­dig und die Pro­duk­ti­vi­tät ent­spre­chend hoch. Dann Ber­lin und die Jun­gen Bun­des­län­der: ein Eldo­ra­do der SED-Nach­fol­ger. Und die acht Län­der des Nord­wes­tens – ein Para­dies für Träu­mer und Trans­fer­emp­fän­ger. Unter­schie­de genug für drei unter­schied­li­che Staa­ten? Zum Glück haben wir kei­nen Arti­kel 155, der zum Ein­satz kom­men könn­te, und auch kei­ne Guar­dia Civil.

      • Ich habe nicht gewer­tet. Ich habe nur fest­ge­stellt, dass die Par­tei­en­gefü­ge in die­sen drei Zonen deut­lich unter­schied­lich sind. Im Osten sind Rot und Grün signi­fi­kant schwä­cher als im rhein- und mosel­län­di­schen Bereich. Sol­che geo­gra­phi­schen Brü­che in der Befind­lich­keit kennt man sonst eigent­lich nur noch von Belgien.

  2. Die­se Sezes­si­on darf aus Brüs­se­ler Sicht kein Erfolgs­mo­dell wer­den. Denn 50 Mil­lio­nen müs­sen für einen geord­ne­ten Aus­tritt rund 50 Mil­li­ar­den zah­len. Und dann soll­ten ande­re ein­fach umsonst aus­tre­ten dürfen?

    Irland und Finn­land, Polen und Visegrád könn­ten ja ihre Mit­glied­schaft zum nächs­ten Ers­ten kün­di­gen. Ohne Ver­hand­lun­gen, ohne Zah­lung ein­fach raus aus dem Völ­ker­ge­fäng­nis. Soll­te Juncker dann die Kaval­le­rie schi­cken? Das wird noch spannend!

  3. Hi Roger. Bist Du sicher, dass es sich bei dem Kata­lo­ni­en-Unab­hän­gig­keits­dings (außer bei den exor­bi­tan­ten Trans­fer­zah­lun­gen von Bar­ce­lo­na nach Madrid natür­lich) nicht bloß um eine Neid-Affä­re unter Büro­kra­ten handelt?

    Puig­de­mont ist ein Erz­bü­ro­krat und rei­ner Funk­tio­när, und er will gern Regie­rung spie­len. Was wol­len sol­che: Die wol­len a) immer mäch­ti­ger wer­den und b) immer ihre Macht behal­ten, und c) wol­len sie immer mehr und mehr Funk­tio­nä­re unter sich.

    Die­se Volks­ab­stim­mung, auf die er sich beruft, war jedoch nicht koscher, es hat vie­le Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gegeben.
    Fer­ner ist Kata­lo­ni­en durch­setzt mit Links­funk­tio­nä­ren und mit bezahl­ten isla­mi­schen Ein­dring­lin­gen in Per­so­nal­uni­on, nicht?

    • „Die­se Volks­ab­stim­mung, auf die er sich beruft, war jedoch nicht koscher, es hat vie­le Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gegeben.”

      Aber es hat wenigs­tens eine Abstim­mung gegeben!
      Er hat es – unter feind­se­ligs­ten Bedin­gun­gen wenigs­tens gewagt, eine sol­che zu versuchen!

      Und es war die Madri­der Regie­rung, die dar­auf­hin Spa­ni­en mit Gewalt für ewi­ge Zei­ten vom Kata­lo­ni­schen Vol­ke und sei­ner Geschich­te trennte.

      Die Deut­schen aber war­ten auf eine sol­che Abstim­mung schon seit Karl dem angeb­lich Gro­ßen vergeblich.

      Wann konn­ten die deut­schen Völ­ker jemals über ihre Unab­hän­gig­keit, Selbst­be­stim­mung, wann konn­te die Bevöl­ke­rung der BRD jemals über ihr Grund­ge­setz (geschwei­ge­denn eine eige­ne Ver­fas­sung!), über den Bei­tritt zur EU, über den Euro, die NATO-Ost­erwei­te­rung, über den Ver­bleib ame­ri­ka­ni­scher Atom­waf­fen auf deut­schem Boden, der die Deut­schen zu 80 Mil­lio­nen Gei­seln der ame­ri­ka­ni­schen, gleich in meh­rer­erlei Hin­sicht ato­mar bedro­hen­den Außen­po­li­tik macht, abstimmen?

      „Nicht koscher”??
      Die Bedin­gun­gen, unter denen die Völ­ker Euro­pas seit Jahr­hun­der­ten äch­zen und stöh­nen auch nur irgend­wie mit dem Begrif­fe „koscher” in Ver­bin­dung zu brin­gen, ver­rät die kom­plet­te Ahnungs­lo­sig­keit des­sen, der solch absur­den Ver­gleich bemüht: Er hat sicht­lich von bei­dem kei­ne Ahnung – weder von euro­päi­scher Geschich­te, noch von jüdischer …

      • @Hella: „Die Deut­schen aber war­ten auf eine sol­che Abstim­mung schon seit Karl dem angeb­lich Gro­ßen vergeblich.”

        War­um haben „die Deut­schen” dann dann mit 87,4 Pro­zent den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen Ent­las­tung erteilt, wenn sie doch „schon seit Karl dem angeb­lich Gro­ßen” nach Frei­heit lechzten?

        • „Er hat sicht­lich von bei­dem kei­ne Ahnung – weder von euro­päi­scher Geschich­te, noch von jüdischer …”

          Was ich über die­sen Satz den­ke gehört nicht zum The­ma, aber er hat mich, und wahr­schein­lich auch alle die Ari ken­nen, trotz­dem zum Lachen gebracht (Aris­to­bu­lus ist His­to­ri­ker, Jude, und bei­des ist kein Geheim­wis­sen). Der Satz klingt unge­fähr so über­zeu­gend wie die Gut­men­schen, die den „wah­ren” Islam den­je­ni­gen erklä­ren wol­len die ihm anhängen…

          • 😀 Dan­k­e­s­ehr.
            Tscha, Hel­la ist erwie­se­ner­ma­ßen nicht das Hells­te unter dem Mon­de. Auf die Fest­stel­lung (die noch kei­ner wider­legt hat), dass die­se kata­lo­ni­sche Abstim­mung nun mal alles Ande­re als koscher ablief, wird nur ablen­kend Gro­ßemo­tio­na­les geant­wor­tet. Herr­jeh, so lässt sich nicht­mal ein ganz dunk­ler Blu­men­topf gewin­nen, geschwei­ge denn ein gan­zes Land.

    • Die Fra­ge vor Ort mag sein, ob die flei­ßi­gen Kata­la­nen lie­ber für ihre eige­nen kor­rup­ten Krei­se malo­chen oder lie­ber für die kor­rup­ten Krei­se in Madrid. Dann wäre es eine medi­ter­ra­ne Affä­re zwi­schen Schat­ten­sys­te­men, die uns nichts angeht.

      Von euro­päi­scher Dimen­si­on ist jedoch die Fra­ge, ob nicht grund­sätz­lich ein Lan­des­teil das Recht hat, per loka­ler Volks­ab­stim­mung aus einem Staats­ge­bil­de aus­zu­schei­den. Die­se Fra­ge könn­te in Nord­ir­land anste­hen oder in Flan­dern. Oder beim Gedan­ken­spiel einer Sezes­si­on von Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern, die viel­leicht auch kei­ne Lust mehr haben, mit ihrem Fleiß die sozia­len Träu­me­rei­en geschei­ter­ter Staa­ten wie NRW, Bre­men oder Ber­lin zu finanzieren.

  4. Ein wirk­lich genia­ler Plan – Chapeau!

    Man ist gespannt, ob die Kata­la­nen offen für eine so unge­wöhn­li­che Idee sind und nach der heu­ti­gen Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung die­se (Er-)Lösung wäh­len: dem Bei­tritt zum Fürs­ten­tum Andor­ra mit dem Schutz durch Prä­si­dent Macron. Die For­ce de dis­sua­si­on nuclé­ai­re de la Fran­ce wird die arro­gan­ten Spa­ni­er dahin bom­ben, wo sie hingehören.

    Bei solch rosi­gen Aus­sich­ten trin­ke ich schon mal vor­aus­fei­ernd einen Vins rouge cata­la­ne auf das neue Groß­reich Andor­ra mit sei­nen vie­len glück­li­chen Bür­ge­rin­nen und Bürgern!

    • 🙂 Stimmt.
      Wobei die Andor­ra­ner gern unab­hän­gig sind, den­ke ich. Unab­hän­gi­ge Län­der, die unab­hän­gig blei­ben wol­len, sind aktu­ell lei­der äußerst sel­ten. Wasum hasst die Mehr­heit der Lin­ken über­all etwa Isra­el: Weil es als Land unab­hän­gig ist und bleibt.

      Wenn Kata­lo­ni­en dem Land Andor­ra bei­trä­te, wür­den sofort 78tausend Marok­ka­ner aus Kata­lo­ni­en und ein paar hun­dert Berufs­funk­tio­nä­re aus Bar­ce­lo­ne da hin­ge­hen. Was wird dann aus den Andorranern?

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