get-ready-for-winter-2014Eth­nol­o­gisch definiert man den Begriff „Gesellschaft„als eine größere men­schliche Gruppe, deren Mit­glieder durch gemein­same Sprache, Werte, Überzeu­gun­gen, Tra­di­tio­nen und Erfahrun­gen miteinan­der ver­bun­den sind“. Die Sozi­olo­gie sieht den Begriff ähn­lich, „…als eine durch unter­schiedliche Merk­male zusam­menge­fasste und abge­gren­zte Anzahl von Per­so­n­en, die als soziale Akteure miteinan­der verknüpft leben und direkt oder indi­rekt inter­agieren.“ - nüchtern kön­nte dem auch jede Köl­ner Karnevals­ge­sellschaft zustimmen.

Kann man alles bei Wikipedia nach­le­sen, ist kein Geheim­nis. Es scheint allerd­ings ange­bracht, den Begriff und dessen Def­i­n­i­tion hin und wieder in Erin­nerung zu rufen, um sein­er infla­tionären und ver­drehen­den Ver­wen­dung im poli­tis­chen All­t­ag ent­ge­gen zu wirken. Dort taucht der Begriff „Gesellschaft“ immer wieder als etwas auf, das sich wehrt, rück­ständig denkt, dessen tumbe Wider­stände es zu über­winden, dessen Bewusst­sein und Tol­er­anz es zu erweit­ern gilt. Jährlich­er Anlass dieser „Gesellschaft­serziehung“ ist der Inte­gra­tions­gipfel der Bun­desregierung, ober­ste Erziehungs­beauf­tragte ist Staatsmin­is­terin Aydan Özoğuz. In einem von ihr ini­ti­ierten „Impulspa­pi­er“ ist genau nachzule­sen, in welche Rich­tung die Gesellschaft geschub­st wer­den soll. So heißt es dort in der Kurzfassung:

„Einen wichti­gen Schlüs­sel für Teil­habe sehen wir … in der nach­halti­gen interkul­turellen Öff­nung der Gesellschaft, ihrer Organ­i­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen. So wird Teil­habe … an Entschei­dungs- und Wil­lens­bil­dung­sprozessen struk­turell ver­ankert – als Teil­habe am Haben und am Sagen. Vielfältige interkul­turelle Per­spek­tiv­en wer­den von vorn­here­in stärk­er ein­be­zo­gen. Dadurch kön­nen Zugangs­bar­ri­eren für Men­schen mit Ein­wan­derungs­geschichte abge­baut und Dien­stleis­tun­gen diskri­m­inierungs­frei, kul­tursen­si­bel und effek­tiv­er ange­boten werden.“

Über­set­zt: Auch Organ­si­a­tio­nen und Insti­tu­tio­nen sollen geöffnet und kul­turell begrün­dete Wil­lens­bil­dung in der Geset­zge­bung (struk­turell) ver­ankert wer­den. Man möchte also der unauswe­ich­lichen Bil­dung von Par­al­lelge­sellschaften zu Hil­fe kom­men, indem man die dazu passenden Struk­turen, etwa in Polizei und Jus­tiz, schafft. Das Wort „kul­tursen­si­bel“ ist übri­gens etwas, worauf ich in diesem Zusam­men­hang nur gewartet habe. Bestätigt es doch meine Befürch­tung, dass es zum Beispiel in der Frage des Ver­botes der Vol­lver­schleierung eher darauf hin­aus­laufen wird, dass wir in Deutsch­land die nötige Infra­struk­tur schaf­fen wer­den, um dieser unnöti­gen Seg­re­ga­tion mit „Tol­er­anz“ begeg­nen zu kön­nen. Auf Seite 3 wird das Impulspa­pi­er dann deutlicher:

Auf­nahme eines neuen Staat­sziels ins Grundge­setz als Art. 20b: „Die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land ist ein vielfältiges Ein­wan­derungs­land. Sie fördert die gle­ich­berechtigte Teil­habe, Chan­cen­gerechtigkeit und Inte­gra­tion aller Men­schen.“ Dadurch wird in der Ver­fas­sung ver­ankert, dass Deutsch­land ein vielfältiges Ein­wan­derungs­land ist und alle staatlichen Ebe­nen zur Umset­zung dieses Staat­sziels verpflichtet sind. 

Kein Land auf dieser Erde definiert (bish­er) auf diese Weise ein Staat­sziel, dessen Gegen­stand selb­st nicht Teil des Lan­des selb­st ist, son­dern erst in das Land gelan­gen soll. Wobei das Adjek­tiv „vielfältig“ dem Artikel 20b das Genick brechen kön­nte. Was bedeutet „vielfältig“, wenn gle­ichzeit­ig die gle­ich­berechtigte Teil­habe und Inte­gra­tion nur „gefördert“ wer­den?  Wäre es Aus­druck der Vielfalt, wenn eine Mehrheit die Stadt Köln in ein Kali­fat umwan­delt und dann die Inte­gra­tion der Köl­ner Katho­liken ins Kali­fat­sleben „fördert“? Hät­ten die staatlichen Ebe­nen die Pflicht, diese Vielfalt zu unter­stützen? Hat „Vielfalt“ einge­baute Vor­fahrt? Weit­er heißt es:

Interkul­turelle Öff­nung wird Chef­sache in Organ­i­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen. Dies gelingt unter anderem durch die Fes­tle­gung als Führungsauf­gabe, die Verknüp­fung mit dem Kerngeschäft und Entwick­lungszie­len, der Fes­tle­gung von hauptver­ant­wortlichen Fach­stellen – wo möglich geset­zlich verpflich­t­end – und ein interkul­turell ori­en­tiertes Qualitätsmanagement. 

Mit anderen Worten: Was auch immer Sie tun im Leben, liebe Leserin, lieber Leser…in Zukun­ft ist die interkul­turelle Öff­nung eine gle­ich­berechtigte Haup­tauf­gabe in Ihrem Leben. Also kla­gen Sie nicht, Sie dür­fen weit­er­hin ihr Taxi fahren, Brot back­en oder Abwasserkanäle warten – solange sie eben­falls und gle­icher­maßen Engage­ment in der interkul­turellen Öff­nung zeigen. Mit gutem Beispiel gehen da unsere evan­ge­lis­chen Kirchen voran, die schon mal den Muezzin zwecks interkul­tureller Öff­nung in ihre Ver­anstal­tun­gen inte­gri­eren. Und weiter:

Im Rah­men der Ver­ab­schiedung eines Bun­despar­tizipa­tions- und Inte­gra­tions­ge­set­zes in 2017 soll die interkul­turelle Öff­nung verbindlich geregelt werden. 

Das klingt nicht nur nach Zielvor­gaben für Zuwan­derung, das definiert Unter­gren­zen und fordert Planüber­erfül­lung! Und die Zer­schla­gung der alten Welt, die ein­fach nicht bunt genug sein will, soll staatlich ange­ord­net werden:

Weit­ere Maß­nah­men­vorschläge: die Ausweitung von geset­zlichen Antidiskri­m­inierungsregeln auf Eth­niz­ität und pos­i­tive Diskri­m­inierung; gemein­same Selb­stverpflich­tun­gen zur Leit­bilden­twick­lung; die Ein­führung eines Checks der interkul­turellen Öff­nung in Geset­zge­bungsver­fahren … Start von Pilot­pro­jek­ten für Diver­si­ty Bud­get­ing sowie ein Wet­tbe­werb der Bun­desregierung für Good Prac­tice der interkul­turellen Öff­nung von Organ­i­sa­tio­nen und Institutionen. 

„Pos­i­tive Diskri­m­inierung“, also Quoten­regelun­gen und andere Bevorzu­gun­gen im Sinn der Chan­cen­gle­ich­heit sind ein beliebtes Mit­tel der staatlichen Erziehung. Auf der einen Seite dro­hen dann Sank­tio­nen bei Nichter­fül­lung, auf der anderen Seite Beloh­nun­gen für möglichst sys­temkon­formes Ver­hal­ten. Ich schlage vor, vakante DDR-Ausze­ich­nun­gen wie „Held der sozial­is­tis­chen Arbeit“ oder „Ban­ner der Arbeit“ zu reak­tivieren. In ein paar Jahren soll­ten selb­st die Beze­ich­nun­gen wieder zeit­gemäß erscheinen, wenn die Entwick­lung so weit­erge­ht. Vielle­icht muss nur der „Kamp­for­den Ver­di­enst um Volk und Vater­land“ umbe­nan­nt wer­den — in „Kamp­for­den Ver­di­enst um Völk­er aus Län­dern“. Mit dem Instru­ment des Diver­si­ty Bud­get­ing legt der Staat dann endgültig die Axt an die deutsche Wirtschaft, indem zum Beispiel staatliche Investi­tio­nen, Forschung­spro­jek­te unter den Vor­be­halt von „interkul­turellen Öff­nungsquoten“ gestellt wer­den. Bei all den dann instal­lierten eth­nol­o­gis­chen, kul­turellen, religiösen und Gen­der­fil­tern hat die Mark­twirtschaft keine Chance mehr und die verpflich­t­ende Dekar­bon­isierung gibt ihr dann den Rest! Ein per­fek­ter Mas­ter­plan, kön­nte man meinen, wenn sich nur ein echter Mas­ter­mind dahin­ter ver­ber­gen würde — ver­mut­lich ist es aber doch nur die geschickt getarnte Dummheit der poli­tis­chen Kurzsichtigkeit. Das „Impulspa­pi­er“ schub­st uns aber gnaden­los noch viel weiter:

Als wichtige Partner*innen im Prozess der interkul­turellen Öff­nung in der Ein­wan­derungs­ge­sellschaft sollen Migrant*innenorganisationen in ihrer Pro­fes­sion­al­isierung unter­stützt wer­den. Es wird vorgeschla­gen, dass der Bund dazu den Auf­bau pro­fes­sioneller Organ­i­sa­tion­sstruk­turen auf Bun­de­sebene mit min­destens 10 Mio. Euro pro Jahr unter­stützt, Län­der eigene Finanzierungstöpfe ein­richt­en sowie Ko-Finanzierungsan­forderun­gen abgeschafft und Struk­tur­förderun­gen in die Regelförderung über­führt wer­den. Die Beauf­tragte der Bun­desregierung für Migra­tion, Flüchtlinge und Inte­gra­tion soll die Pro­fes­sion­al­isierung fach­lich eng begleiten. 

Aha! Das ist des Pudels Knus­perk­ern! Frau Özoğuz möchte ein gar nicht so kleines Net­zw­erk aus Inte­gra­tionskon­trolleuren und Öff­nungs­be­gleit­ern „fach­lich eng“ führen, indem sie sie finanziell an sich bindet. Prak­tis­cher­weise möchte sie vorher die Ko-Finanzierungs­forderung abschaf­fen, was nichts anderes bedeutet, als dass sich die Vere­ine nicht mehr um Drittmit­tel aus Spenden und anderen Unter­stützern sor­gen müssen, son­dern das Geld direkt und zu 100% vom Steuerzahler kommt. Regelförderung nen­nt man das euphemistisch, Frau Kahane ken­nt das ja schon – und wir ken­nen Kahanes Zen­sur-Organ­i­sa­tion zur Genüge, die schon länger erfol­gre­ich an dieser Zitze nuck­elt. Was bei der­lei „Part­ner­schaft“ her­auskommt, kann unmöglich unab­hängig und unvor­ein­genom­men sein, es han­delt sich vielmehr um einen neuen, noch größeren, vielfältig ein­set­zbaren Spitze­lap­pa­rat, der vor allem am eige­nen wirtschaftlichen Über­leben inter­essiert ist! Solange es Geld für deren Ent­deck­ung gibt, wird sich schon genug Diskri­m­inierung find­en lassen…das Phänomen ken­nt man bere­its aus der Medi­zin, denn wo es mehr niederge­lassene Ärzte gibt, wer­den die Men­schen im Durch­schnitt über­raschen­der­weise eher kränker, anstatt gesünder.

Nicht dass wir uns hier falsch ver­ste­hen: ich habe nichts dage­gen einzuwen­den, dass sich Türken, Araber, Albaner, Russen, Kroat­en, Marokkan­er oder Tauben­züchter in Vere­inen organ­isieren und über diese Vere­ine auch ihre Inter­essen durchzuset­zen ver­suchen. Das ist abso­lut legit­im und geset­zlich in unser­er Demokratie ver­ankert! Wenn diese Vere­ine jedoch ihre anstren­gende finanzielle Unab­hängigkeit gegen eine bequeme, staatliche finanzielle Abhängigkeit ein­tauschen, wer­den sie zu Erfül­lungs­ge­hil­fen des Staates bzw. der­er, die in seinem Namen zu han­deln vorgeben. Das wäre erneut ein Beispiel, wie der Staat Überwachung und Zen­sur organ­isiert und die überwacht­en und zen­sierten Bürg­er dafür auch noch zur Kasse bittet.

Störe meine Kreise nicht

Als die Tagess­chau sich dazu entschloss, den Mord in Freiburg als Lokalnachricht und damit als „für die über­re­gionale Berichter­stat­tung nicht rel­e­vant“ abzu­tun, rieb man sich in der Redak­tion sicher­lich ver­wun­dert die Augen. Man musste näm­lich fest­stellen, dass es für diese Entschei­dung einen Shit­storm auf Face­book gab. Das ARD-Argu­ment „min­der­jähriger Täter“ greift nicht, denn anderen Medi­en fiel es nicht schw­er, durch weglassen des Namens oder Fotos des mut­maßlichen Täters dessen Per­sön­lichkeit­srechte zur Genüge zu wahren. Das Argu­ment „lokal“ ist auch kaum schlüs­sig, berichtet die ARD doch son­st gern und aus­führlich über jede noch so unbe­deu­tende Pegi­da-Demo oder Anwohn­er­proteste im let­zten Vorort von Zwick­au. Angst vor Vorurteilen und „Gen­er­alverdäch­ti­gun­gen“ vielle­icht? Aber diese Vorverurteilun­gen find­en in Wirk­lichkeit gar nicht statt, außer bei denen, die laut dage­gen schreien und die Angst davor ist wie wegge­blasen, wenn ein Fam­i­lien­dra­ma wie das jüngst in Hameln detail­re­icht geschildert wer­den soll – ein­er noch „lokaleren“ Lokalität mit ger­ade ein­mal einem Vier­tel der Ein­wohn­erzahl Freiburgs – es muss etwas Anderes sein, das die ARD bewog, hier lieber die Klappe zu halten.

Was war anderes im „Fall Hameln“? Kann es etwas damit zu tun haben, dass Opfer und Täter aus dem­sel­ben „Kul­turkreis“ stam­men, während es in Freiburg offen­sichtlich zu ein­er „Über­schre­itung der Kreise“ kam? Auf den ver­sucht­en, grausamen Mord in Hameln blick­te man von außen und betra­cht­en den Fall mit Dis­tanz. Das Ver­brechen fand in ein­er Par­al­lelge­sellschaft statt, entset­zte uns, schien uns aber nicht zu betr­e­f­fen! Der Täter in Freiburg kam uns da schon sehr viel näher! Und was das schlimm­ste am Freiburg­er Mord ist: man kon­nte abso­lut nichts find­en, wodurch man die Tat als Ergeb­nis ein­er wie auch immer geart­eten Benachteili­gung oder Diskri­m­inierung des Täters hin­stellen kön­nten, die Tat wollte ein­fach nicht mal in die „rechte Ecke“ passen! Der Täter lebte eben nicht ohne Pri­vat­sphäre, eingepfer­cht in ein­er Notun­terkun­ft. Er wurde bestens ver­sorgt und betreut und hat­te das Glück, in ein­er der schön­sten Gegen­den unseres Lan­des zu leben. Wenn wir das alles als gut und wertvoll eracht­en, es für den Täter jedoch offen­sichtlich nichts „wert war“, welche Werte kön­nte uns dann die ARD noch glaub­haft ver­mit­teln? Lieber schweigt man — erst der Shit­storm brachte die ARD zum Umdenken.

Zählt man eins und eins zusam­men, kön­nte man auf die Idee kom­men, dass all die Zuwen­dun­gen, all die frei­willige Arbeit, das Engage­ment der Bevölkerung (beson­ders von Frauen) in diesem Fall nichts genützt haben und dass es egal war, wie sehr wir uns anpassten und „bessere, tol­er­an­tere Men­schen“ wur­den, weil der Täter entsch­ieden hat­te, dass all dieses sein Fehlver­hal­ten nicht ver­hin­dern kon­nte. Man kön­nte fast an den Beweis der Tat­sache glauben, dass Inte­gra­tion eben doch eine Anpas­sungsleis­tung ist, die nicht von der Gast­ge­sellschaft, son­dern vom Gast aus­ge­hen muss. Genau­so, wie es in echt­en „Ein­wan­derungs­ge­sellschaften“ wie Kana­da, Aus­tralien oder den USA seit Jahrzehn­ten gehand­habt wird. Inte­gra­tion wird deshalb etwas sein, was nur in weni­gen Aus­nah­men von unseren Gästen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan zu erwarten sein wird – und die ARD wird es vielle­icht sog­ar schaf­fen, über jeden einzel­nen dieser „lokalen“ Fälle zu bericht­en und es ist toll für jeden einzel­nen Migranten, wenn er diese Inte­gra­tion schafft. Der über­wiegende Teil wird sich jedoch in Par­al­lelge­sellschaften ein­richt­en, um deren undurch­läs­sige soziale und sprach­liche Bar­ri­eren die Prof­i­teure aus der Inte­gra­tionsin­dus­trie laut­stark tanzen wer­den, Aufmerk­samkeit, Tol­er­anz und vor allem mehr Geld fordernd. Auf Face­book gibt es bere­its unwider­sproch­ene Ratschläge aus der Ecke „gut inte­gri­ert­er Mus­lime“, wie man die Ursache solch­er schreck­lichen Tat­en beseit­i­gen müsse, indem man „…Frauen und Homo­sex­uellen die Arbeit und den Umgang mit Flüchtlin­gen ver­bi­etet…“. Einen wüten­den Protest von fem­i­nis­tis­ch­er Seite gegen diese nicht ganz „uneigen­nützige“ Art der Diskri­m­inierung kon­nte ich bish­er nicht dort finden.

Teile und herrsche

So wie der Gen­deris­mus an ein­er „neuen Gesellschaft“ arbeit­et, die immer klein­teiliger und sex­uell vielschichtiger wird, träumt die Inte­gra­tionsin­dus­trie von „interkul­tureller Öff­nung in der Ein­wan­derungs­ge­sellschaft“ – bei­des Erziehungs­fron­ten, die nicht von dur­chaus unter­schiedlichen Entschei­dun­gen inner­halb der Fam­i­lie, son­dern durch staatlich verord­nete Indok­tri­na­tion durchge­set­zt wer­den sollen. Jet­zt fällt uns auf die Füße, was wir Jahrzehn­te­lang immer vor uns her geschoben haben – eine Def­i­n­i­tion, wer wir eigentlich sind und was wir wollen. Es fällt uns heute sehr viel leichter, Def­i­n­i­tio­nen für „Frankre­ich“, „Kur­dis­tan“, „USA“ oder Vorurteile gegen Israel aufzuzählen, als die Frage zu beant­worten, was Deutsch­land eigentlich für ein Land ist und die hier leben­den Deutschen eigentlich für Men­schen sind oder sein wollen – es sei denn, in der Def­i­n­i­tion kom­men zwin­gend die Worte Europa und Europäis­che Wertege­mein­schaft vor. Leitkul­tur ist etwas, das aus Brüs­sel kommt und mit deren Def­i­n­i­tion wir möglichst wenig zu tun haben wollen. Brüs­sel, das klingt nach Gebäck und Pra­li­nen und ist weit weg von jed­er nation­al­is­tis­chen Anwand­lung, die wir uns als geläuterte Weltkriegevomza­un­brech­er und nun Über­all­frieden­s­tifter selb­stre­dend nicht mehr ges­tat­ten. Die aufge­set­zte Empörung über den gescheit­erten Ver­such vor ein paar Jahren, den Begriff „Leitkul­tur“ mit Inhal­ten zu füllen, ist noch gut in Erin­nerung. Da geht so schnell kein­er mehr bei, das riecht nach Nation­al­is­mus und „Die Mannschaft“. Man wanzt sich lieber an die fest gefügten Leitkul­turen an, die nun so zahlre­ich in Deutsch­land angekom­men sind. „Lasst uns ein­fach die hegen und pfle­gen, dann müssen wir uns keine Gedanken über uns selb­st machen“. „Otto Nor­mal­bürg­er“, „Lieschen Müller“, „Schwäbis­che Haus­frau“ und „Kle­in­fam­i­lie mit Mut­ter, Vater, Kind“ sind bäh, nor­mal ist etwas, das wir nach Möglichkeit in Gänse­füßchen schreiben, deutsch am lieb­sten auch – es kön­nte sich son­st jemand ver­let­zt und aus­ge­gren­zt fühlen.

Die schlechte Nachricht ist: kul­turelle und religiöse Selb­stver­leug­nung ist auch eine Spielart der Diskri­m­inierung, nur eben die suizidale Vari­ante. Es sind die Kle­in­fam­i­lien, die Otto Nor­malver­brauch­er und Lieschen Müllers, die immer noch die große Mehrheit in diesem Land stellen, die sich aber in all den aktuellen Debat­ten über­haupt nicht wiederfind­en. Der Begriff „abge­hängt“ greift hier übri­gens viel zu kurz, etwas, das die etablierten Parteien bis heute nicht begrif­f­en haben. Denn neben den „Abge­hängten“ gibt es vor allem die zahlre­ichen Men­schen, denen die Real­isierung des gesellschaftlichen Utopia „ange­hängt“ und aufge­drängt wird und die dafür unseren Poli­tik­ern auch noch dankbar sein sollen. Den Dank aber ver­weigert das ver­stock­te Volk, mit dem Ergeb­nis, dass ihm seine Danke­spflicht noch bess­er erk­lärt wer­den soll.

Eine „mul­ti­kul­turelle Gesellschaft“ aus unendlich vie­len Par­tiku­lar­in­ter­essen, die sich zum Teil gegen­seit­ig auss­chließen, macht das Zusam­men­leben im All­t­ag extrem schwierig. Ein Biss­chen Grundge­setz, ein Biss­chen Scharia – das wird in der Prax­is in etwa so gut funk­tion­ieren, wie wenn sich Veg­an­er und Kan­ni­bale über den Speise­plan ver­ständi­gen sollen. Dem ein­gangs erwäh­n­ten „Impulspa­pi­er“ mit seinen Öff­nungsphan­tasien aus Par­al­leljus­tiz, Überwachungsstaat und Grundge­set­zän­derun­gen in Rich­tung Scharia fehlt eigentlich nur noch die Idee, gle­ich noch eine winzige Änderung der Nation­al­hymne per Dekret oder „Impulspa­pi­er“ vorzunehmen:

Migra­tion und Recht auf Zuzug,
sind des Glück­es Unterpfand.
Dazu müsst ihr alle Bunt sein,
Migra­tion braucht jede Hand.

Auch erschienen bei vera-lengsfeld.de

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2 Kommentare

  1. Inte­gra­tion ist ein wichtiges The­ma, das man nicht Intri­ga­tions­beauf­tragten über­lassen sollte.

  2. Das ganz läuft doch auf Dauer nur, wenn die Sub­ven­tio­nen dafür mächtig sprudeln.
    Aber wo sollen die Mit­tel dafür auf Dauer herkom­men. Deutsch­land und Europa verlieren
    ökonomisch beständig an Bedeu­tung. Ich sehe in 20 Jahren endgültig zer­fal­l­ene Infrastrukturen,
    eine Bren­ner­auto­bahn, die schlicht nicht mehr befahrbar ist, weil ja nie­mand mehr da ist, den
    deren Erhalt neben der ‚Ver­wirk­lichung sein­er Diver­si­ty‘ noch interessiert.
    Und so wer­den die ‚Neubürg­er‘ — von Flüchtlin­gen ist ja schon gar nicht mehr die Rede, sondern
    von Migranten — sich genau da wiederfind­en, wo sie ein­st­mals ges­tartet sind: in den katastrophalen
    Ver­hält­nis­sen ihrer Heimatlän­der, die nun auch in Europa herrschen.
    Das geschieht, wenn man über Jahrzehnte die Kinder­sterblichkeit drastisch senkt,
    ohne für eine Geburtenkon­trolle zu sorgen.
    Schö­nen Dank an die Lam­barene Frak­tio­nen über­all auf der Welt. Ich nenne das Crime against humanity.
    Das geschieht, wenn Mil­lio­nen wehrfähige Män­ner sich die Welt zurecht­googeln, statt in ihren
    Heimatlän­dern für bessere Ver­hält­nisse zu sor­gen — auch mit der Waffe in der Hand.
    Im Grund sind die syrischen, irakischen etc. pp jun­gen Män­ner, die ‚geflo­hen‘
    sind, doch nur Deser­teure, Fei­glinge und Vaterlandsverräter.

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