get-ready-for-winter-2014Eth­no­lo­gisch defi­niert man den Begriff „Gesell­schaft„als eine größere mensch­li­che Gruppe, deren Mit­glie­der durch gemein­same Sprache, Werte, Über­zeu­gun­gen, Tra­di­tio­nen und Erfah­run­gen mit­ein­an­der ver­bun­den sind“. Die Sozio­lo­gie sieht den Begriff ähnlich, „…als eine durch unter­schied­li­che Merk­male zusam­men­ge­fasste und abge­grenzte Anzahl von Per­so­nen, die als soziale Akteure mit­ein­an­der ver­knüpft leben und direkt oder indi­rekt inter­agie­ren.“ - nüch­tern könnte dem auch jede Kölner Kar­ne­vals­ge­sell­schaft zustim­men.

Kann man alles bei Wiki­pe­dia nach­le­sen, ist kein Geheim­nis. Es scheint aller­dings ange­bracht, den Begriff und dessen Defi­ni­tion hin und wieder in Erin­ne­rung zu rufen, um seiner infla­tio­nä­ren und ver­dre­hen­den Ver­wen­dung im poli­ti­schen Alltag ent­ge­gen zu wirken. Dort taucht der Begriff „Gesell­schaft“ immer wieder als etwas auf, das sich wehrt, rück­stän­dig denkt, dessen tumbe Wider­stände es zu über­win­den, dessen Bewusst­sein und Tole­ranz es zu erwei­tern gilt. Jähr­li­cher Anlass dieser „Gesell­schafts­er­zie­hung“ ist der Inte­gra­ti­ons­gip­fel der Bun­des­re­gie­rung, oberste Erzie­hungs­be­auf­tragte ist Staats­mi­nis­te­rin Aydan Özoğuz. In einem von ihr initi­ier­ten „Impuls­pa­pier“ ist genau nach­zu­le­sen, in welche Rich­tung die Gesell­schaft geschubst werden soll. So heißt es dort in der Kurz­fas­sung:

Einen wich­ti­gen Schlüs­sel für Teil­habe sehen wir … in der nach­hal­ti­gen inter­kul­tu­rel­len Öffnung der Gesell­schaft, ihrer Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen. So wird Teil­habe … an Ent­schei­dungs- und Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­sen struk­tu­rell ver­an­kert – als Teil­habe am Haben und am Sagen. Viel­fäl­tige inter­kul­tu­relle Per­spek­ti­ven werden von vorn­her­ein stärker ein­be­zo­gen. Dadurch können Zugangs­bar­rie­ren für Men­schen mit Ein­wan­de­rungs­ge­schichte abge­baut und Dienst­leis­tun­gen dis­kri­mi­nie­rungs­frei, kul­tur­sen­si­bel und effek­ti­ver ange­bo­ten werden.“

Über­setzt: Auch Organsia­tio­nen und Insti­tu­tio­nen sollen geöff­net und kul­tu­rell begrün­dete Wil­lens­bil­dung in der Gesetz­ge­bung (struk­tu­rell) ver­an­kert werden. Man möchte also der unaus­weich­li­chen Bildung von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten zu Hilfe kommen, indem man die dazu pas­sen­den Struk­tu­ren, etwa in Polizei und Justiz, schafft. Das Wort „kul­tur­sen­si­bel“ ist übri­gens etwas, worauf ich in diesem Zusam­men­hang nur gewar­tet habe. Bestä­tigt es doch meine Befürch­tung, dass es zum Bei­spiel in der Frage des Ver­bo­tes der Voll­ver­schleie­rung eher darauf hin­aus­lau­fen wird, dass wir in Deutsch­land die nötige Infra­struk­tur schaf­fen werden, um dieser unnö­ti­gen Segre­ga­tion mit „Tole­ranz“ begeg­nen zu können. Auf Seite 3 wird das Impuls­pa­pier dann deut­li­cher:

Auf­nahme eines neuen Staats­ziels ins Grund­ge­setz als Art. 20b: „Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist ein viel­fäl­ti­ges Ein­wan­de­rungs­land. Sie fördert die gleich­be­rech­tigte Teil­habe, Chan­cen­ge­rech­tig­keit und Inte­gra­tion aller Men­schen.“ Dadurch wird in der Ver­fas­sung ver­an­kert, dass Deutsch­land ein viel­fäl­ti­ges Ein­wan­de­rungs­land ist und alle staat­li­chen Ebenen zur Umset­zung dieses Staats­ziels ver­pflich­tet sind. 

Kein Land auf dieser Erde defi­niert (bisher) auf diese Weise ein Staats­ziel, dessen Gegen­stand selbst nicht Teil des Landes selbst ist, sondern erst in das Land gelan­gen soll. Wobei das Adjek­tiv „viel­fäl­tig“ dem Artikel 20b das Genick brechen könnte. Was bedeu­tet „viel­fäl­tig“, wenn gleich­zei­tig die gleich­be­rech­tigte Teil­habe und Inte­gra­tion nur „geför­dert“ werden? Wäre es Aus­druck der Viel­falt, wenn eine Mehr­heit die Stadt Köln in ein Kalifat umwan­delt und dann die Inte­gra­tion der Kölner Katho­li­ken ins Kali­fats­le­ben „fördert”? Hätten die staat­li­chen Ebenen die Pflicht, diese Viel­falt zu unter­stüt­zen? Hat „Viel­falt” ein­ge­baute Vor­fahrt? Weiter heißt es:

Inter­kul­tu­relle Öffnung wird Chef­sa­che in Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen. Dies gelingt unter anderem durch die Fest­le­gung als Füh­rungs­auf­gabe, die Ver­knüp­fung mit dem Kern­ge­schäft und Ent­wick­lungs­zie­len, der Fest­le­gung von haupt­ver­ant­wort­li­chen Fach­stel­len – wo möglich gesetz­lich ver­pflich­tend – und ein inter­kul­tu­rell ori­en­tier­tes Qua­li­täts­ma­nage­ment. 

Mit anderen Worten: Was auch immer Sie tun im Leben, liebe Leserin, lieber Leser…in Zukunft ist die inter­kul­tu­relle Öffnung eine gleich­be­rech­tigte Haupt­auf­gabe in Ihrem Leben. Also klagen Sie nicht, Sie dürfen wei­ter­hin ihr Taxi fahren, Brot backen oder Abwas­ser­ka­näle warten – solange sie eben­falls und glei­cher­ma­ßen Enga­ge­ment in der inter­kul­tu­rel­len Öffnung zeigen. Mit gutem Bei­spiel gehen da unsere evan­ge­li­schen Kirchen voran, die schon mal den Muezzin zwecks inter­kul­tu­rel­ler Öffnung in ihre Ver­an­stal­tun­gen inte­grie­ren. Und weiter:

Im Rahmen der Ver­ab­schie­dung eines Bun­des­par­ti­zi­pa­ti­ons- und Inte­gra­ti­ons­ge­set­zes in 2017 soll die inter­kul­tu­relle Öffnung ver­bind­lich gere­gelt werden. 

Das klingt nicht nur nach Ziel­vor­ga­ben für Zuwan­de­rung, das defi­niert Unter­gren­zen und fordert Plan­über­erfül­lung! Und die Zer­schla­gung der alten Welt, die einfach nicht bunt genug sein will, soll staat­lich ange­ord­net werden:

Weitere Maß­nah­men­vor­schläge: die Aus­wei­tung von gesetz­li­chen Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­re­geln auf Eth­ni­zi­tät und posi­tive Dis­kri­mi­nie­rung; gemein­same Selbst­ver­pflich­tun­gen zur Leit­bild­ent­wick­lung; die Ein­füh­rung eines Checks der inter­kul­tu­rel­len Öffnung in Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren … Start von Pilot­pro­jek­ten für Diver­sity Bud­ge­ting sowie ein Wett­be­werb der Bun­des­re­gie­rung für Good Prac­tice der inter­kul­tu­rel­len Öffnung von Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen. 

Posi­tive Dis­kri­mi­nie­rung“, also Quo­ten­re­ge­lun­gen und andere Bevor­zu­gun­gen im Sinn der Chan­cen­gleich­heit sind ein belieb­tes Mittel der staat­li­chen Erzie­hung. Auf der einen Seite drohen dann Sank­tio­nen bei Nicht­er­fül­lung, auf der anderen Seite Beloh­nun­gen für mög­lichst sys­tem­kon­for­mes Ver­hal­ten. Ich schlage vor, vakante DDR-Aus­zeich­nun­gen wie „Held der sozia­lis­ti­schen Arbeit“ oder „Banner der Arbeit“ zu reak­ti­vie­ren. In ein paar Jahren sollten selbst die Bezeich­nun­gen wieder zeit­ge­mäß erschei­nen, wenn die Ent­wick­lung so wei­ter­geht. Viel­leicht muss nur der „Kampf­or­den Ver­dienst um Volk und Vater­land“ umbe­nannt werden – in „Kampf­or­den Ver­dienst um Völker aus Ländern“. Mit dem Instru­ment des Diver­sity Bud­ge­ting legt der Staat dann end­gül­tig die Axt an die deut­sche Wirt­schaft, indem zum Bei­spiel staat­li­che Inves­ti­tio­nen, For­schungs­pro­jekte unter den Vor­be­halt von „inter­kul­tu­rel­len Öff­nungs­quo­ten“ gestellt werden. Bei all den dann instal­lier­ten eth­no­lo­gi­schen, kul­tu­rel­len, reli­giö­sen und Gen­der­fil­tern hat die Markt­wirt­schaft keine Chance mehr und die ver­pflich­tende Dekar­bo­ni­sie­rung gibt ihr dann den Rest! Ein per­fek­ter Mas­ter­plan, könnte man meinen, wenn sich nur ein echter Mas­ter­mind dahin­ter ver­ber­gen würde – ver­mut­lich ist es aber doch nur die geschickt getarnte Dumm­heit der poli­ti­schen Kurz­sich­tig­keit. Das „Impuls­pa­pier” schubst uns aber gna­den­los noch viel weiter:

Als wich­tige Partner*innen im Prozess der inter­kul­tu­rel­len Öffnung in der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft sollen Migrant*innenorganisationen in ihrer Pro­fes­sio­na­li­sie­rung unter­stützt werden. Es wird vor­ge­schla­gen, dass der Bund dazu den Aufbau pro­fes­sio­nel­ler Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren auf Bun­des­ebene mit min­des­tens 10 Mio. Euro pro Jahr unter­stützt, Länder eigene Finan­zie­rungs­töpfe ein­rich­ten sowie Ko-Finan­zie­rungs­an­for­de­run­gen abge­schafft und Struk­tur­för­de­run­gen in die Regel­för­de­rung über­führt werden. Die Beauf­tragte der Bun­des­re­gie­rung für Migra­tion, Flücht­linge und Inte­gra­tion soll die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung fach­lich eng beglei­ten. 

Aha! Das ist des Pudels Knus­per­kern! Frau Özoğuz möchte ein gar nicht so kleines Netz­werk aus Inte­gra­ti­ons­kon­trol­leu­ren und Öff­nungs­be­glei­tern „fach­lich eng“ führen, indem sie sie finan­zi­ell an sich bindet. Prak­ti­scher­weise möchte sie vorher die Ko-Finan­zie­rungs­for­de­rung abschaf­fen, was nichts anderes bedeu­tet, als dass sich die Vereine nicht mehr um Dritt­mit­tel aus Spenden und anderen Unter­stüt­zern sorgen müssen, sondern das Geld direkt und zu 100% vom Steu­er­zah­ler kommt. Regel­för­de­rung nennt man das euphe­mis­tisch, Frau Kahane kennt das ja schon – und wir kennen Kahanes Zensur-Orga­ni­sa­tion zur Genüge, die schon länger erfolg­reich an dieser Zitze nuckelt. Was bei derlei „Part­ner­schaft” her­aus­kommt, kann unmög­lich unab­hän­gig und unvor­ein­ge­nom­men sein, es handelt sich viel­mehr um einen neuen, noch grö­ße­ren, viel­fäl­tig ein­setz­ba­ren Spit­zel­ap­pa­rat, der vor allem am eigenen wirt­schaft­li­chen Über­le­ben inter­es­siert ist! Solange es Geld für deren Ent­de­ckung gibt, wird sich schon genug Dis­kri­mi­nie­rung finden lassen…das Phä­no­men kennt man bereits aus der Medizin, denn wo es mehr nie­der­ge­las­sene Ärzte gibt, werden die Men­schen im Durch­schnitt über­ra­schen­der­weise eher kränker, anstatt gesün­der.

Nicht dass wir uns hier falsch ver­ste­hen: ich habe nichts dagegen ein­zu­wen­den, dass sich Türken, Araber, Albaner, Russen, Kroaten, Marok­ka­ner oder Tau­ben­züch­ter in Ver­ei­nen orga­ni­sie­ren und über diese Vereine auch ihre Inter­es­sen durch­zu­set­zen ver­su­chen. Das ist absolut legitim und gesetz­lich in unserer Demo­kra­tie ver­an­kert! Wenn diese Vereine jedoch ihre anstren­gende finan­zi­elle Unab­hän­gig­keit gegen eine bequeme, staat­li­che finan­zi­elle Abhän­gig­keit ein­tau­schen, werden sie zu Erfül­lungs­ge­hil­fen des Staates bzw. derer, die in seinem Namen zu handeln vor­ge­ben. Das wäre erneut ein Bei­spiel, wie der Staat Über­wa­chung und Zensur orga­ni­siert und die über­wach­ten und zen­sier­ten Bürger dafür auch noch zur Kasse bittet.

Störe meine Kreise nicht

Als die Tages­schau sich dazu ent­schloss, den Mord in Frei­burg als Lokal­nach­richt und damit als „für die über­re­gio­nale Bericht­erstat­tung nicht rele­vant“ abzutun, rieb man sich in der Redak­tion sicher­lich ver­wun­dert die Augen. Man musste nämlich fest­stel­len, dass es für diese Ent­schei­dung einen Shit­s­torm auf Face­book gab. Das ARD-Argu­ment „min­der­jäh­ri­ger Täter“ greift nicht, denn anderen Medien fiel es nicht schwer, durch weg­las­sen des Namens oder Fotos des mut­maß­li­chen Täters dessen Per­sön­lich­keits­rechte zur Genüge zu wahren. Das Argu­ment „lokal“ ist auch kaum schlüs­sig, berich­tet die ARD doch sonst gern und aus­führ­lich über jede noch so unbe­deu­tende Pegida-Demo oder Anwoh­ner­pro­teste im letzten Vorort von Zwickau. Angst vor Vor­ur­tei­len und „Gene­ral­ver­däch­ti­gun­gen“ viel­leicht? Aber diese Vor­ver­ur­tei­lun­gen finden in Wirk­lich­keit gar nicht statt, außer bei denen, die laut dagegen schreien und die Angst davor ist wie weg­ge­bla­sen, wenn ein Fami­li­en­drama wie das jüngst in Hameln detail­reicht geschil­dert werden soll – einer noch „lokale­ren“ Loka­li­tät mit gerade einmal einem Viertel der Ein­woh­ner­zahl Frei­burgs – es muss etwas Anderes sein, das die ARD bewog, hier lieber die Klappe zu halten.

Was war anderes im „Fall Hameln“? Kann es etwas damit zu tun haben, dass Opfer und Täter aus dem­sel­ben „Kul­tur­kreis“ stammen, während es in Frei­burg offen­sicht­lich zu einer „Über­schrei­tung der Kreise“ kam? Auf den ver­such­ten, grau­sa­men Mord in Hameln blickte man von außen und betrach­ten den Fall mit Distanz. Das Ver­bre­chen fand in einer Par­al­lel­ge­sell­schaft statt, ent­setzte uns, schien uns aber nicht zu betref­fen! Der Täter in Frei­burg kam uns da schon sehr viel näher! Und was das schlimmste am Frei­bur­ger Mord ist: man konnte absolut nichts finden, wodurch man die Tat als Ergeb­nis einer wie auch immer gear­te­ten Benach­tei­li­gung oder Dis­kri­mi­nie­rung des Täters hin­stel­len könnten, die Tat wollte einfach nicht mal in die „rechte Ecke“ passen! Der Täter lebte eben nicht ohne Pri­vat­sphäre, ein­ge­pfercht in einer Not­un­ter­kunft. Er wurde bestens ver­sorgt und betreut und hatte das Glück, in einer der schöns­ten Gegen­den unseres Landes zu leben. Wenn wir das alles als gut und wert­voll erach­ten, es für den Täter jedoch offen­sicht­lich nichts „wert war”, welche Werte könnte uns dann die ARD noch glaub­haft ver­mit­teln? Lieber schweigt man – erst der Shit­s­torm brachte die ARD zum Umden­ken.

Zählt man eins und eins zusam­men, könnte man auf die Idee kommen, dass all die Zuwen­dun­gen, all die frei­wil­lige Arbeit, das Enga­ge­ment der Bevöl­ke­rung (beson­ders von Frauen) in diesem Fall nichts genützt haben und dass es egal war, wie sehr wir uns anpass­ten und „bessere, tole­ran­tere Men­schen“ wurden, weil der Täter ent­schie­den hatte, dass all dieses sein Fehl­ver­hal­ten nicht ver­hin­dern konnte. Man könnte fast an den Beweis der Tat­sa­che glauben, dass Inte­gra­tion eben doch eine Anpas­sungs­leis­tung ist, die nicht von der Gast­ge­sell­schaft, sondern vom Gast aus­ge­hen muss. Genauso, wie es in echten „Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaf­ten“ wie Kanada, Aus­tra­lien oder den USA seit Jahr­zehn­ten gehand­habt wird. Inte­gra­tion wird deshalb etwas sein, was nur in wenigen Aus­nah­men von unseren Gästen aus Syrien, dem Irak oder Afgha­ni­stan zu erwar­ten sein wird – und die ARD wird es viel­leicht sogar schaf­fen, über jeden ein­zel­nen dieser „lokalen” Fälle zu berich­ten und es ist toll für jeden ein­zel­nen Migran­ten, wenn er diese Inte­gra­tion schafft. Der über­wie­gende Teil wird sich jedoch in Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten ein­rich­ten, um deren undurch­läs­sige soziale und sprach­li­che Bar­rie­ren die Pro­fi­teure aus der Inte­gra­ti­ons­in­dus­trie laut­stark tanzen werden, Auf­merk­sam­keit, Tole­ranz und vor allem mehr Geld for­dernd. Auf Face­book gibt es bereits unwi­der­spro­chene Rat­schläge aus der Ecke „gut inte­grier­ter Muslime“, wie man die Ursache solcher schreck­li­chen Taten besei­ti­gen müsse, indem man „…Frauen und Homo­se­xu­el­len die Arbeit und den Umgang mit Flücht­lin­gen ver­bie­tet…“. Einen wüten­den Protest von femi­nis­ti­scher Seite gegen diese nicht ganz „unei­gen­nüt­zige“ Art der Dis­kri­mi­nie­rung konnte ich bisher nicht dort finden.

Teile und herrsche

So wie der Gen­de­ris­mus an einer „neuen Gesell­schaft“ arbei­tet, die immer klein­tei­li­ger und sexuell viel­schich­ti­ger wird, träumt die Inte­gra­ti­ons­in­dus­trie von „inter­kul­tu­rel­ler Öffnung in der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft“ – beides Erzie­hungs­fron­ten, die nicht von durch­aus unter­schied­li­chen Ent­schei­dun­gen inner­halb der Familie, sondern durch staat­lich ver­ord­nete Indok­tri­na­tion durch­ge­setzt werden sollen. Jetzt fällt uns auf die Füße, was wir Jahr­zehn­te­lang immer vor uns her gescho­ben haben – eine Defi­ni­tion, wer wir eigent­lich sind und was wir wollen. Es fällt uns heute sehr viel leich­ter, Defi­ni­tio­nen für „Frank­reich“, „Kur­di­stan“, „USA“ oder Vor­ur­teile gegen Israel auf­zu­zäh­len, als die Frage zu beant­wor­ten, was Deutsch­land eigent­lich für ein Land ist und die hier leben­den Deut­schen eigent­lich für Men­schen sind oder sein wollen – es sei denn, in der Defi­ni­tion kommen zwin­gend die Worte Europa und Euro­päi­sche Wer­te­ge­mein­schaft vor. Leit­kul­tur ist etwas, das aus Brüssel kommt und mit deren Defi­ni­tion wir mög­lichst wenig zu tun haben wollen. Brüssel, das klingt nach Gebäck und Pra­li­nen und ist weit weg von jeder natio­na­lis­ti­schen Anwand­lung, die wir uns als geläu­terte Welt­krie­ge­vom­zaun­bre­cher und nun Über­all­frie­den­stif­ter selbst­re­dend nicht mehr gestat­ten. Die auf­ge­setzte Empö­rung über den geschei­ter­ten Versuch vor ein paar Jahren, den Begriff „Leit­kul­tur” mit Inhal­ten zu füllen, ist noch gut in Erin­ne­rung. Da geht so schnell keiner mehr bei, das riecht nach Natio­na­lis­mus und „Die Mann­schaft”. Man wanzt sich lieber an die fest gefüg­ten Leit­kul­tu­ren an, die nun so zahl­reich in Deutsch­land ange­kom­men sind. „Lasst uns einfach die hegen und pflegen, dann müssen wir uns keine Gedan­ken über uns selbst machen”. „Otto Nor­mal­bür­ger”, „Lies­chen Müller”, „Schwä­bi­sche Haus­frau” und „Klein­fa­mi­lie mit Mutter, Vater, Kind” sind bäh, normal ist etwas, das wir nach Mög­lich­keit in Gän­se­füß­chen schrei­ben, deutsch am liebs­ten auch – es könnte sich sonst jemand ver­letzt und aus­ge­grenzt fühlen.

Die schlechte Nach­richt ist: kul­tu­relle und reli­giöse Selbst­ver­leug­nung ist auch eine Spiel­art der Dis­kri­mi­nie­rung, nur eben die sui­zi­dale Vari­ante. Es sind die Klein­fa­mi­lien, die Otto Nor­mal­ver­brau­cher und Lies­chen Müllers, die immer noch die große Mehr­heit in diesem Land stellen, die sich aber in all den aktu­el­len Debat­ten über­haupt nicht wie­der­fin­den. Der Begriff „abge­hängt“ greift hier übri­gens viel zu kurz, etwas, das die eta­blier­ten Par­teien bis heute nicht begrif­fen haben. Denn neben den „Abge­häng­ten“ gibt es vor allem die zahl­rei­chen Men­schen, denen die Rea­li­sie­rung des gesell­schaft­li­chen Utopia „ange­hängt“ und auf­ge­drängt wird und die dafür unseren Poli­ti­kern auch noch dankbar sein sollen. Den Dank aber ver­wei­gert das ver­stockte Volk, mit dem Ergeb­nis, dass ihm seine Dan­kes­pflicht noch besser erklärt werden soll.

Eine „mul­ti­kul­tu­relle Gesell­schaft“ aus unend­lich vielen Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen, die sich zum Teil gegen­sei­tig aus­schlie­ßen, macht das Zusam­men­le­ben im Alltag extrem schwie­rig. Ein Biss­chen Grund­ge­setz, ein Biss­chen Scharia – das wird in der Praxis in etwa so gut funk­tio­nie­ren, wie wenn sich Veganer und Kan­ni­bale über den Spei­se­plan ver­stän­di­gen sollen. Dem ein­gangs erwähn­ten „Impuls­pa­pier“ mit seinen Öff­nungs­phan­ta­sien aus Par­al­lel­jus­tiz, Über­wa­chungs­staat und Grund­ge­setz­än­de­run­gen in Rich­tung Scharia fehlt eigent­lich nur noch die Idee, gleich noch eine winzige Ände­rung der Natio­nal­hymne per Dekret oder „Impuls­pa­pier” vor­zu­neh­men:

Migra­tion und Recht auf Zuzug,
sind des Glückes Unter­pfand.
Dazu müsst ihr alle Bunt sein,
Migra­tion braucht jede Hand.

Auch erschie­nen bei vera​-lengs​feld​.de

2 Kommentare

  1. Inte­gra­tion ist ein wich­ti­ges Thema, das man nicht Intri­ga­ti­ons­be­auf­trag­ten über­las­sen sollte.

  2. Das ganz läuft doch auf Dauer nur, wenn die Sub­ven­tio­nen dafür mächtig spru­deln.
    Aber wo sollen die Mittel dafür auf Dauer her­kom­men. Deutsch­land und Europa ver­lie­ren
    öko­no­misch bestän­dig an Bedeu­tung. Ich sehe in 20 Jahren end­gül­tig zer­fal­lene Infra­struk­tu­ren,
    eine Bren­ner­au­to­bahn, die schlicht nicht mehr befahr­bar ist, weil ja niemand mehr da ist, den
    deren Erhalt neben der ‚Ver­wirk­li­chung seiner Diver­sity’ noch inter­es­siert.
    Und so werden die ‚Neu­bür­ger’ – von Flücht­lin­gen ist ja schon gar nicht mehr die Rede, sondern
    von Migran­ten – sich genau da wie­der­fin­den, wo sie einst­mals gestar­tet sind: in den kata­stro­pha­len
    Ver­hält­nis­sen ihrer Hei­mat­län­der, die nun auch in Europa herr­schen.
    Das geschieht, wenn man über Jahr­zehnte die Kin­der­sterb­lich­keit dras­tisch senkt,
    ohne für eine Gebur­ten­kon­trolle zu sorgen.
    Schönen Dank an die Lam­ba­rene Frak­tio­nen überall auf der Welt. Ich nenne das Crime against huma­nity.
    Das geschieht, wenn Mil­lio­nen wehr­fä­hige Männer sich die Welt zurecht­goo­geln, statt in ihren
    Hei­mat­län­dern für bessere Ver­hält­nisse zu sorgen – auch mit der Waffe in der Hand.
    Im Grund sind die syri­schen, ira­ki­schen etc. pp jungen Männer, die ‚geflo­hen’
    sind, doch nur Deser­teure, Feig­linge und Vater­lands­ver­rä­ter.

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