Man wollte den eigenen Ohren nicht trauen, als die Prä­si­den­tin des deut­schen PEN am 8.7.2020 in Inter­view mit dem Deutsch­land­funk (nur Audio, das Inter­view wurde nicht tran­skri­biert) bestä­tigte, es gäbe da schon irgend­wie doch mitt­ler­weile Pro­bleme mit der Mei­nungs­frei­heit bei uns und viel­leicht hätte man es ja wirk­lich über­trie­ben mit dem, was der Volks­mund Zensur, PC oder „cancel culture“ nennt. Anlass der schrift­stel­le­ri­schen Selbst­kri­tik war der offene Brief ame­ri­ka­ni­scher Schrift­stel­ler, Jour­na­lis­ten und Autoren im Harpers Maga­zine ver­öf­fent­licht hatten.

Deutsch­land­funk-Mode­ra­to­rin Anja Rein­hard bestä­tigte in der Anmo­de­ra­tion so ganz neben­bei meine These, dass die Spann­kraft der Spre­cher des Senders über den Tag nach­lässt. Denn während morgens dank glot­ta­lem Plosiv das Binnen‑I nur so durch die Luft knallt, ver­schleift sich das zum Nach­mit­tag hin fast immer zur femi­ni­nen Wort­form. So auch hier, als Rein­hard von „Autorin­nen und Intel­lek­tu­el­len“ sprach, obwohl auch männ­li­che Autoren den Brief unter­zeich­net haben. Ein Schelm, wer da den Gen­der­be­auf­trag­ten zu Hilfe rufen möchte. Aber ich schweife ab.

Die Autorin­nen und Autoren des offenen Briefes im Harpers Maga­zine dia­gnos­ti­zie­ren in den Medien ein Klima der Into­le­ranz und dass dies auch der Zustand in deut­schen Medien ist, sollte mitt­ler­weile offen­sicht­lich sein. Mora­li­sche Dogmen und poli­ti­sche Ein­deu­tig­keit sind gefragt, Tole­ranz wird zuguns­ten ideo­lo­gi­scher Kon­for­mi­tät abge­schafft und exis­tiert nur noch dem Namen nach.

Die inter­viewte Regula Venske vom PEN liegt aber falsch, wenn sie in dem Zusam­men­hang von Selbst­zen­sur spricht, die von der Angst vor einen Shit­s­torm in den sozia­len Medien gespeist wird. Es sind ja viel­mehr Politik und die klas­si­schen Medien selbst, die zur Schau­fel greifen, um mit Dreck zu werfen oder gleich ein tiefes Loch für jene zu graben, die im Mei­nungs­kor­ri­dor an die Wände stoßen. Beson­ders eifrig sind die Schau­fel­schwin­ger, die von üppig spru­deln­den Zwangs­ge­büh­ren ange­trie­ben werden.

Venske berich­tet selbst von der Schere im Kopf, die dafür sorge, dass viele nur noch von der erwar­te­ten Reak­tion her denken können. Diese Dia­gnose stimmt und die Zensur hin­ter­lässt in der Krea­ti­vi­tät von Kunst und Lite­ra­tur eine Schneise der Ver­wüs­tung. Doch mediale Kritik an den poli­tisch her­bei­ge­führ­ten Ver­en­gun­gen sucht man ver­geb­lich. Man denke nur daran, wie in Schles­wig-Hol­steins Film­för­de­rung nun Gender- und PC-Fragen auf einer Check­liste an Fil­me­ma­cher her­an­ge­tra­gen werden, nachdem man sie schon jah­re­lang auf grüne Ener­gie­spar­kom­pa­ti­bi­li­tät gebürs­tet hat. Sowas wird eher als „pro­gres­siv” oder „inklu­siv” beklatscht, als das es als unzu­läs­sig abge­lehnt wird. Man hofft wie immer, dass es nur ” die anderen” treffen möge oder defi­niert die eigenen „Krea­ti­vi­tät” frei­wil­lig inner­halb dieser „Grenzen des Mach­ba­ren”.

Hetzer und Ausgrenzer

Nun fallen im DLF-Inter­view Worte, die seit Jahren toxi­sche Tabus in der Debatte sind und über die man nur unter Dis­c­lai­mer und nach hei­li­gem Schwur schrei­ben kann, dass man das natür­lich alles viel offener und plu­ra­lis­ti­scher sehe als die „Hetzer und Aus­gren­zer“.

Islam, Kopf­tuch […] so ent­ste­hen Denkverbote…man akzep­tiert, dass eine Kultur des belei­digt seins ent­steht.“

Die Welt ver­liere den Humor, wenn jetzt schon Monty Python auf dem Prüf­stand steht, klagt Venske und damit liegt sie richtig. Das Inter­view ist bis hierhin in einer Weise offen und ehrlich, dass man sich die Ohren reibt ange­sichts der Tat­sa­che, dass dies alles seit Jahren bekannt ist und beklagt wird. Ver­geb­lich, wie uns TV-Hal­tungs­schä­den wie Gniffke, Kleber, Restle oder Reschke immer wieder aufs Brot schmie­ren. Der Jour­na­list von heute sei Hal­tungs­trä­ger und Hanns-Joachim Fried­richs hätte seinen berühm­ten Satz, ein Jour­na­list dürfe sich mit keiner Sache gemein machen, auch keiner guten, genau anders­herum gemeint, meinte etwa Anja Reschke – just in dem Moment, als sie 2018 den Fried­richs-Preis ent­ge­gen nahm und hinter ihr genau jener Satz leuch­tete.

Woher also die plötz­li­che Ein­sicht, dass Zensur und Selbst­zen­sur destruk­tiv sind? Was stört Venske plötz­lich daran, dass die Mei­nungs­frei­heit ein­ge­schränkt wird? Ihre ist doch nicht bedroht, ebenso jene der Autoren bei Spiegel, SZ, Pan­orama, Monitor oder Maisch­ber­ger. Oder etwa doch? Man hat sich in vielen Ver­la­gen, beim DLF und auch im PEN bisher jedoch eher als frei­wil­li­ger „Zensor” betä­tigt und will uns nun erzäh­len, dass man längst als Opfer Blut ver­gieße? Aber ach, so schnell wie der Anfall kam, war er auch schon wieder vorbei.

Rein­hard fängt die kla­gende Venske schnell wieder ein und insis­tiert, man müsse natür­lich unter­schei­den! 2018 sprach schließ­lich auch Uwe Tell­kamp von einem „Gesin­nungs­kor­ri­dor“ als er behaup­tet habe, die meisten Asyl­su­chen­den würden hier den Sozi­al­staat unter­wan­dern. Es gebe doch, so Rein­hard, schon noch eine Grenze des Sag­ba­ren! Dem stimmt Venske sofort zu und der Moment, die Gele­gen­heit zum Brü­cken­bau war ver­pufft.

Die Grenzen des Sagbaren

Es geht im Inter­view nicht um Mei­nungs­frei­heit oder ver­engte Debat­ten für alle! Viel­mehr spüren die Jako­bi­ner von heute die Enge mitt­ler­weile am eigenen Kragen. Wen sie hin­ge­gen ver­damm­ten, der ist ver­lo­ren, auch wenn er nur sein Recht auf eine eigene Meinung in Anspruch nahm. Wer die (aktu­elle) „Grenze des Sag­ba­ren“ über­schrei­tet, ist ver­bannt und bleibt es. How dare you, Tell­kamp!

Es ist das ewige Problem des Jako­bi­nis­mus, dass die Abgren­zung zwang­haft ist und jede rote Linie, die Sag­ba­res von Unsag­ba­rem trennt, schon am nächs­ten Tag durch eine neue, noch engere ersetzt sein kann. Man weiß also nie, ob man richtig steht und aus­rei­chend konform mit den aus­ge­reich­ten Tages­pa­ro­len ist. Was heute noch eine scherz­hafte Äuße­rung sein kann, ist morgen viel­leicht schon ver­derbte Gesin­nung und falsche Haltung und dann heißt es „Tschüss, Sen­de­platz“, „Adieu, Buch­ver­trag“.

Der Raum des Denk- und Sag­ba­ren wird immer kleiner und sind die Jako­bi­ner zu Beginn noch im schöns­ten Ein­ver­neh­men, wird der geis­tige Platz, den sie sich teilen, mit fort­schrei­ten­der Zeit immer kleiner, die Sprache ähn­li­cher und aus­tausch­ba­rer, die Angst größer, morgen ver­se­hent­lich selbst hinter der roten Linie zu landen. All die vor­aus­ei­len­den Knie­fälle und Ent­schul­di­gun­gen sind nichts als ver­zwei­felte Ein­ge­ständ­nisse, dass man sich gerade nicht sicher ist, ob man viel­leicht doch schon hinter der Grenze des Sag­ba­ren steht. Man neigt vor­sichts­hal­ber den Kopf, auf dass der rote Pinsel darüber hinweg ziehen mag.

Sie hätten ja in manchem recht, diese „Rechten“, meint Venske. Man könne schon über die deut­sche Politik kri­tisch und kon­tro­vers berich­ten und dis­ku­tie­ren. Aber auch hier irrt sie. Genau das kann man eben nicht frei. Die Kon­se­quenz einer solchen Kon­tro­verse hat Tell­kamp schließ­lich am eigenen Leib gespürt, das sollte Venske eigent­lich wissen. Die Kon­se­quenz für ihn war genau das, was sie nun öffent­lich beklagt, für Tell­kamp aber nicht gelten lassen will, weil dieser schon jen­seits der aktu­el­len roten Linie steht. Venske und andere „woke“ Leute kämpfen nur für jene, die bei der „Reise nach Jeru­sa­lem“ noch Aus­sicht auf einen Stuhl haben. Doch die werden logi­scher­weise immer weniger, so ist das Spiel. Über Themen wie Migra­tion, Ener­gie­wende, Euro­ret­tung oder Kli­ma­wan­del ist eine Debatte öffent­lich nur noch möglich, wenn sie die gewünschte Rich­tung ein­schlägt. Die Debatte ist aber nicht frei, wenn Rol­len­ver­tei­lung, Rich­tung und Ergeb­nis schon fest­ste­hen.

Brauchen wir diesen Appell auch hier?“

Rein­hards Ein­gangs­frage, ob wir einen solchen Appell wie im Harpers Maga­zine auch in Deutsch­land brau­chen, beant­wor­tet Venske mit „ja“. Doch wie glaub­wür­dig ist dieser Appell, wenn er Mei­nungs­frei­heit im Grunde nur für jene fordert, die diese noch haben? Es gab ja bereits ver­gleich­bare Appelle, an denen inhalt­lich nichts aus­zu­set­zen war. Der eine rich­tete sich gegen die blinde Zer­stö­rung von Büchern und Gedan­ken (Dagen, 2017), der andere sprach sich schlicht für die Durch­set­zung gel­ten­den Rechts aus (Lengs­feld, Broder, Klo­n­ovsky, 2018) und in beiden Fällen konnten die­je­ni­gen, die heute über sich ver­en­gende Debat­ten klagen, gar nicht schnell genug Abstand gewin­nen, kübel­ten Häme und Spott und imple­men­tier­ten die Unter­zeich­ner in ihre Block-Listen.

Wie im Inter­view zu hören war, achtet man immer noch pein­lich auf Abstand zu „denen da“, besteht auf „Grenzen des Sag­ba­ren“ und möchte die Gedan­ken­schere nicht wirk­lich los­wer­den, sondern nur etwas kleiner haben, damit sie in den eigenen, engen Kopf passt. Als kürz­lich James Bennet, der Opinion-Chef­re­dak­teur der New York Times, seinen Hut nehmen musste (er kün­digte selbst, aber nicht frei­wil­lig), weil er eine „falsche Meinung“, nämlich die eines repu­bli­ka­ni­schen Sena­tors ins Blatt gelas­sen hatte, hielt sich die Empö­rung im deut­schen Blät­ter­wald in Grenzen. Selbst die FAZ schmutzte vom „umstrit­te­nen Artikel“, als sei das kein Qua­li­täts­merk­mal, sondern ein zu ver­mei­den­der Fehler, weil nur unum­strit­te­nes in eine Zeitung wie die NYT gehöre. Das was Tom Cotton im Artikel for­derte („Send in the Troops“) geschieht übri­gens gerade in Kansas City* und die Bewoh­ner, die unter den aus­ufern­den gewalt­tä­ti­gen Zustän­den leiden, sind darüber sicher nicht unglück­lich.

Wer offene Briefe wie den im Harpers Maga­zine oder die Erklä­rung 2018 unter­schreibt, liefert sofort den ulti­ma­ti­ven Beweis für deren Not­wen­dig­keit. Für jene, die sich noch sicher fühlen und noch keine roten Linien um sich herum erbli­cken, dienen solche Liste nämlich als Sieb, in dem jene sicht­bar hängen bleiben, die man als nächste ableh­nen, angrei­fen und aus­ra­die­ren kann. Man glaubt viel­leicht, lästige Kon­kur­renz los­zu­wer­den und hofft auf Raum­ge­winne. In der Praxis ist jedoch das Gegen­teil der Fall: die Räume werden enger.

Die meinungsbeherrschenden Elite wird kleiner

Vox, ein ultra­lin­kes Medium und nicht zu ver­wech­seln mit Fox, hat sich selbst ver­dient gemacht um Aus­gren­zung und „cancel culture“, und der Vox-Redak­teur und Mit­grün­der Matthew Ygle­sias zog nun öffent­li­che Gegen­re­ak­tio­nen von Kol­le­gen auf sich, da auch er den offenen Brief unter­schrie­ben hatte.

Weil der Brief wie andere Aufrufe inhalt­lich kaum angreif­bar ist, macht man Kritik daran an den Per­so­nen fest, die eben­falls unter­schrie­ben haben und unter­stellt mora­li­sche Kon­ter­bande. Emily Van­Der­Werff erblickte etwa mehrere wie sie es nennt „Anti-Trans-Kri­ti­ker“ unter den Unter­zeich­nern, die an ihrem „Sicher­heits­ge­fühl“ kratzen und wer sich wie Ygle­sias mit solchen gemein mache und den Min­dest­ab­stand zu solchen Leuten nicht ein­halte (rote Linie), der sei zusam­men mit den „Anti-Trans-Kri­ti­kern“ ver­dammt bis in alle Ewig­keit. Ver­mut­lich stört sich Emily Van­Der­Werff an der Unter­schrift von J. K. Rowling, die sich das Frau­sein nicht ver­bie­ten lassen oder zu „men­stru­ie­rend“ umde­fi­niert sehen will.

Jeder der den offenen Brief in Harpers Maga­zine unter­schrie­ben hat, ist nun von einer unsicht­ba­ren roten Linie umgeben, der sich nicht nähern darf, wer noch zur mei­nungs­be­herr­schen­den Elite gehören will. Die „Ver­rä­ter“, hübsch zusam­men­ge­fasst auf einer Liste, sind fortan aus der Debatte ver­bannt. Für die mei­nungs­be­herr­schen­den Elite, die täglich schein­hei­lige Eide auf die Mei­nungs­frei­heit schwört, sind die „Grenzen des Sag­ba­ren“ nun wieder etwas enger gewor­den und der Moment, an dem es in diesem Wett­be­werb des Ver­ein­fa­chens und Aus­sor­tie­rens nur noch eine einzige Meinung, nur noch eine kor­rekte Haltung und eine einzige Gewiss­heit gibt und die ganze Welt nur noch von aus­ge­grenz­ten Feinden dieser einen „rich­ti­gen” Meinung besteht, rückt wieder ein Stück­chen näher. Das ist in Deutsch­land nicht anders als in Amerika.

* Die ursprüng­li­che Quelle ist in der EU nur via VPN zu errei­chen (danke, NetzDG!). ich habe sie durch eine gleich­wer­tige ersetzt, die aus der EU erreich­bar ist.

10 Kommentare

  1. und im Kern dreht sich alles nur um einzige Frage: wie weit weg sind wir inzwi­schen eigent­lich noch vom eins­ti­gen DDR Pro­pa­gan­da­me­di­en­ein­heits­be­trieb in dem auch alles erst den Polit­se­kre­tä­ren und oft genug sogar dierekt den obers­ten Unrechts­staat­lern Mielke und Hon­ecker zur Abseg­nung oder Ver­ga­sung vor­ge­legt werden mußte?
    Ein Bier­mann, ein Have­mann, ein Manfred Krug, eine Nina Hagen und so unend­lich viele mehr, die damals rote Linien über­schrit­ten, vogel­frei geäch­tet wurden, von Auf­trä­gen und kar­riere aus­ge­schlos­sen und aus­ge­grenzt wurden – immer enger gesteckte rote Linien des Sag­ba­ren über­schrit­ten, konnten damals jeden­falls noch in freie Teile der Welt aus­sie­deln und dort das Unsag­bare SAGEN und VERBREITEN.
    Wie schlimm es inzwi­schen ist zeigt die Ent­wick­lung dieser inzwi­schen welt­weit unmög­lich noch zu fin­den­den Unschuld der freien Rede!
    Sofrot sind die welt­weit instal­lier­ten offi­zi­el­len und INOFFIZIELLEN Schutz­trup­pen links­grü­ner Deu­tungs­ho­heit und welt­um­span­nen­der Macht links­grü­ner Ideo­lo­gie zur Stelle um alles zu ver­nich­ten, was ihrem Hass und ihrer Hetze – ihrer Ideo­lo­gie wider­spricht.
    Wie frei war doch der eins­tige böse weisse impe­ria­lis­ti­sche kolo­nia­lis­ti­sche faschis­ti­sche Kapi­ta­lis­mus der Nach­kriegs­jahr­zehnte im bösen Westen mit seiner Arbeits­lo­sig­keit, Ungleich­heit, seinem Ras­sis­mus und seinem Mangel an 60 unter­schied­li­chen Toi­let­ten für Extrem­min­der­hei­ten aller Art.…
    Dort aber konnte noch JEDER JEDE Rede halten und ob sie Gehör fand ent­schied nicht das Zen­tral­ko­mi­tee der Volks­kam­mer­klat­schaf­fen die die roten Linien fest­le­gen sondern die Objek­ti­vi­tät, die Ratio­na­li­tät, die Wis­sen­schaft, die Ver­nunft, die Sach­lich­keit, die Logik, die Rea­li­täts­nähe!
    Rote Linien sind die Schiess­be­fehle derer, die die Lüge zum Geschäfts­mo­dell ihrer sonst in sich zusam­men­bre­chen­den Ideo­lo­gie gemacht haben. Würden die Reschkes, die Maisch­ber­gers, die Restles, die Lanzes, die Illners und wie sie alle heißen, die gra­tis­mus­ti­gen, führ ihren Selbst­ach­tungs­ver­rat gera­dezu finan­zi­ell und struk­tu­rell ver­be­am­te­ten Regie­rungs­spre­cher ihre hetze und ihren Hass auf Anders­den­kende und Kri­ti­ker der Politik auch ver­speien, wären sie nicht so sehr für die „rich­tige” Meinung abge­si­chert und bezahlt?
    Dann bräuchte es ja keinen ÖR, keine Staats­hil­fen, keine „Erleich­te­run­gen” und „Absen­kun­gen der Belas­tun­gen durch Zei­tungs­aus­trä­ger” etc… wer Angst hat vorm Wett­be­werb, der hat KEINE Argu­mente, der lügt! und wer lügt hat Unrecht! Auch deshalb nennen sich Dik­ta­tu­ren UNRECHTSTAATEN! Ihre Exis­tenz ist auf Lügen gebaut.

  2. So auch hier, als Rein­hard von „Autorin­nen und Intel­lek­tu­el­len“ sprach, …”

    Hmm, viel­leicht als Kom­pro­miss der erst während des For­mu­lie­rens gewon­ne­nen Blit­zer­kennt­nis, dass „Autoren und Intel­lek­tu­el­lin­nen” sich noch blöder anhören könnte?

    … obwohl auch männ­li­che Autoren den Brief unter­zeich­net haben.”

    Auch weib­li­che Intel­lek­tu­elle? ;->

    Die Welt ver­liere den Humor, wenn jetzt schon Monty Python auf dem Prüf­stand steht, klagt Venske und damit liegt sie richtig.”

    Nö, auch darauf trifft das Adjek­tiv aus dem Titel des Arti­kels zu: „Zu spät.”
    Hier in der Kau­sal­kette:
    Der Verlust / die Ver­wei­ge­rung schon der App­er­zep­tion von Humor ist kausale Folge einer deut­lich vor der Jahr­tau­send­wende ein­set­zen­den und fort­schrei­ten­den intel­lek­tu­el­len Ver­lu­de­rung „der Welt”.
    Inzwi­schen ist nicht nur der Humor auto­ma­tisch mit „über’n Jordan gegan­gen”, auch andere Befä­hi­gun­gen, die ich mal als für die Gattung ‚Homo’ kon­sti­tu­ie­rend hielt, zeigen deut­lich regres­sive Tendenz, einige werden ja hier im Artikel ange­schnit­ten. Es ist ein ‚Gesamt­kunst­werk’.

    Wird Zeit, dass die „Künst­li­che Intel­li­genz” anwen­dungs­reif wird, die „Natür­li­che Blöd­heit” steht kurz vor ihrem Kul­mi­na­ti­ons­punkt.

  3. Danke für den Text!
    Man könnte noch ergän­zen, dass durch das stän­dige Unter­drü­cken der eigenen Impulse, das Hal­tung­zei­gen gegen die eigene Intui­tion, ein nicht unbe­acht­li­cher psy­chi­scher (Innen-)druck und eine see­li­sche Defor­ma­tion geför­dert werden (siehe Venske), die nach einer Ent­la­dung suchen.
    Dass dies zunächst ängst­lich und halb­her­zig erfolgt, ver­leiht dem das beschrie­bene bizarre Äußere (Ambi­va­lenz).

    • Ach, ich denke, Sie können zuver­sicht­lich davon aus­ge­hen, dass solche Leute i.a.R. mit einer über­bor­den­den ‚Ambi­gui­täts­to­le­ranz’ aus­ge­stat­tet sind. Die bringen völlig ohne intel­lek­tu­el­len Unwohl­seins jeg­li­che Wie­der­sprü­che unter jeden ver­füg­ba­ren Hut, wenn die peku­niä­ren Rand­be­din­gun­gen stimmen. Sonst wären sie nicht da, wo sie sind.
      Eine mög­li­cher­weise daraus tat­säch­lich resul­tie­rende „see­li­sche Defor­ma­tion” wird dann als sty­li­scher Effekt der ‚Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung’ prä­sen­tiert.

    • Trotz­dem tröstet mich die Ver­mu­tung, daß denen der A.… auf Grund­eis gehen könnte. Da Roger (ich mag den, deshalb nehme ich mir einfach einmal die Frei­heit, ihn beim Vor­na­men zu nennen) hier die Jako­bi­ner erwähnt: Bekann­ter­ma­ßen fiel auch Blut­rich­ter Numero une, Maxi­mi­lian Robes­pierre, zum Schluß seinem eigenen Fall­beil zum Opfer.

      • Zustim­mung zu Roland – nicht zum Duzen sondern zu den Jako­bi­nern. Was Robes­pierre endlich den Kopf kostete, nämlich sein Wüten gegen wen immer er als seinen Gegner, besser, Gegner seines Idee, betrach­tet, erzeugt zwangs­läu­fig immer mehr Gegner bis er letzt­lich zu wenige Unter­stüt­zer hat um einen Umschlag der Situa­tion zu ver­mei­den. Die Feigen tun sich eben letzt­lich doch zusam­men, um ihr eigenes Ende zu ver­mei­den.
        Ob wir das beim Abwür­gen der Mei­nungs­frei­heit je erleben können? Man kann es zumin­dest bezwei­feln, denn die Geschichte hat auch hier ein Bei­spiel. Nur der Tod stoppte Stalin bei einer ähn­li­chen Gewalt­spi­rale. Die Feig­linge wagten es, von gegen­sei­ti­gem Miss­trauen beses­sen, bis zuletzt nicht (beson­ders jäm­mer­lich die Rolle von Law­renti Beria) sich gegen ihn zusam­men­zu­tun.
        Werden es die Mei­nungs­ma­cher spüren, wann der Wür­ge­griff der poli­ti­schen Kor­rekt­heit sie sebst bedroht? Und: Werden sie den Mut auf­brin­gen, sich zu wehren?

        • @F. Auer­ba­cher: Das Bei­spiel Stalin hatte ich auch im Kopf. Im übrigen hatte es auch da die Scharf­rich­ter erwischt. Sowohl der von Ihnen erwähnte Berija als der nicht minder blut­rüns­tige Ex-Geheim­dienst­chef Jeshow wurden von ihrer eigenen Par­tei­füh­rung exe­ku­tiert. Ich glaube übri­gens nicht, daß die Venskes, Klebers und Wills, schon gar nicht Links­au­ßen wie Jacob Aug­stein, jemals so etwas wie Ein­sicht oder Reue zeigen werden. Sie werden ent­we­der fried­lich in den Ruhe­stand gleiten in dem Bewußt­sein, es dem „Klas­sen­feind“, den „Rechten“ oder wen auch immer sie unter ihre Mei­nungs­fuch­tel kriegen wollten, gezeigt zu haben. Oder sie werden mit einem kräf­ti­gen Tritt in ihren roten Hintern und ohne, daß ihnen jemand hin­ter­her­heu­len wird, hin­weg­ge­fegt werden. So wie ihr mora­lisch-geis­ti­ges Pendant Sudel-Ede (Chef­het­zer des Fern­se­hens DDR) im Jahr des Mau­er­falls.

      • Trotz­dem tröstet mich die Ver­mu­tung, daß denen der A.… auf Grund­eis gehen könnte. ”

        Warum sollte er? Das mag viel­leicht für die Mei­nungs­sur­ro­gate-Ver­brei­ter aus der zweiten / dritten Reihe gelten. Denen könnten langsam Beden­ken kommen, ob sie es in der noch ver­blei­ben­den Zeit des Über­flus­ses wohl in die erste Reihe schaf­fen können, wo die – auch mate­ri­el­len – Beloh­nun­gen ver­teilt werden.
        Die gegen­wär­tige erste Reihe, die Arri­vier­ten, deren „Sowohl als auch aber bitte mit Stil”-Brei wir heute tag­täg­lich zum Hören, Sehen, Lesen vor­ge­setzt bekom­men, die ihre kogni­ti­ven Dis­so­nan­zen als Mons­tranz kul­tu­rel­ler Errun­gen­schaf­ten vor sich her schlep­pen, die haben ihre Schäf­lein längst im Tro­cke­nen und beab­sich­ti­gen sicher nicht, selbige wieder in den Regen raus­zu­füh­ren, indem sie sich plötz­lich auf der Gegen­seite expo­nie­ren.
        Aber:
        Diese seit gerau­mer Zeit als höchs­ter­wünschte soziale Fähig­keit hoch­ge­jazzte ‚Ambi­gui­täts­to­le­ranz’ ver­liert sich meist recht schnell, wenn keine einzige der offen­sicht­lich wider­sprüch­li­chen Sach­ver­halts-Dar­stel­lun­gen und deren all­fäl­lige Kon­se­quen­zen noch einen per­sön­li­chen Vorteil ver­spricht, selbst mit maxi­ma­ler ’see­li­scher Defor­ma­tion’.
        Nun denn: Schlimms­ten­falls zuckt man mit den Schul­tern und zieht sich auf sein Men­schen­recht zurück, sich geirrt haben zu dürfen. Ein schnel­les Pferd ist da nicht einmal von­nö­ten. Selbige (oder alter­na­tiv mate­ri­elle Unab­hän­gig­keit) gehören bekannt­lich zum unver­zicht­ba­ren Equip­ment der­je­ni­gen, die heu­ti­gen­tags die Wahr­heit aus­zu­spre­chen wagen.

        Bekann­ter­ma­ßen fiel auch Blut­rich­ter Numero une, Maxi­mi­lian Robes­pierre, zum Schluß seinem eigenen Fall­beil zum Opfer.”

        Ja, sowas pas­siert, wenn man aus ideo­lo­gi­scher Bor­niert­heit *) nicht einmal mehr die Wider­sprüch­lich­kei­ten erkennt, z.B. zwi­schen
        erwar­te­ter Égalité und erlang­ter Égalité de misère
        oder
        erhoff­ter Liberté und realer Déca­pi­ta­tion, Befrei­ung des Halses von der Last des Kopfes.
        Dann kann die Ambi­gui­täts­to­le­ranz und mit ihr die Fra­ter­nité der­je­ni­gen, die dafür den Kopf hin­hal­ten müssen, schon­mal ein wenig schwä­cheln.

        *) Nein, zumin­dest dem Groß­teil der heu­ti­gen Gali­ons­fi­gu­ren gestehe ich solche naive Igno­ranz als Aus­flucht nicht zu. Dazu sind die Mög­lich­kei­ten zur Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung heute zu gut, die Dis­kre­pan­zen zwi­schen Vorgang und seinem Vortrag zu groß und offen­sicht­lich, die Folgen ihres Han­delns der letzten Jahre / Jahr­zehnte schon zu augen­fäl­lig. **)
        Die wissen genau, was sie machen!

        **) @Roger: Deine exakte Dar­stel­lung der Genese und Fluk­tua­tion ständig neuer ‚Roter Linien’ klam­mert aller­dings den schon etwas älteren gegen­läu­fi­gen Faktor aus, der die Gesamt­menge roter Linien wieder halb­wegs kon­stant hält:
        Im glei­chen Zuge ver­schwan­den / ver­schwin­den nämlich per­ma­nent ‚Rote Linien’ spurlos, die ich mal für Boll­werke gegen die kul­tu­relle Bar­ba­rei gehal­ten habe. (Und wer sich erkühnt, auf deren fort­dau­ernde Gül­tig­keit zu pochen, ver­schwin­det stante pede … ja, genau … hinter der dicken roten Linie der „Ewig­gest­ri­gen”.)

  4. Ich finde den Artikel wirk­lich ganz aus­ge­zeich­net.
    Jedes Wort trifft zu.
    Vielen Dank für diese klaren Gedan­ken!

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