Man woll­te den eige­nen Ohren nicht trau­en, als die Prä­si­den­tin des deut­schen PEN am 8.7.2020 in Inter­view mit dem Deutsch­land­funk (nur Audio, das Inter­view wur­de nicht tran­skri­biert) bestä­tig­te, es gäbe da schon irgend­wie doch mitt­ler­wei­le Pro­ble­me mit der Mei­nungs­frei­heit bei uns und viel­leicht hät­te man es ja wirk­lich über­trie­ben mit dem, was der Volks­mund Zen­sur, PC oder „can­cel cul­tu­re“ nennt. Anlass der schrift­stel­le­ri­schen Selbst­kri­tik war der offe­ne Brief ame­ri­ka­ni­scher Schrift­stel­ler, Jour­na­lis­ten und Autoren im Har­pers Maga­zi­ne ver­öf­fent­licht hatten.

Deutsch­land­funk-Mode­ra­to­rin Anja Rein­hard bestä­tig­te in der Anmo­de­ra­ti­on so ganz neben­bei mei­ne The­se, dass die Spann­kraft der Spre­cher des Sen­ders über den Tag nach­lässt. Denn wäh­rend mor­gens dank glot­ta­lem Plo­siv das Binnen‑I nur so durch die Luft knallt, ver­schleift sich das zum Nach­mit­tag hin fast immer zur femi­ni­nen Wort­form. So auch hier, als Rein­hard von „Autorin­nen und Intel­lek­tu­el­len“ sprach, obwohl auch männ­li­che Autoren den Brief unter­zeich­net haben. Ein Schelm, wer da den Gen­der­be­auf­trag­ten zu Hil­fe rufen möch­te. Aber ich schwei­fe ab.

Die Autorin­nen und Autoren des offe­nen Brie­fes im Har­pers Maga­zi­ne dia­gnos­ti­zie­ren in den Medi­en ein Kli­ma der Into­le­ranz und dass dies auch der Zustand in deut­schen Medi­en ist, soll­te mitt­ler­wei­le offen­sicht­lich sein. Mora­li­sche Dog­men und poli­ti­sche Ein­deu­tig­keit sind gefragt, Tole­ranz wird zuguns­ten ideo­lo­gi­scher Kon­for­mi­tät abge­schafft und exis­tiert nur noch dem Namen nach.

Die inter­view­te Regu­la Vens­ke vom PEN liegt aber falsch, wenn sie in dem Zusam­men­hang von Selbst­zen­sur spricht, die von der Angst vor einen Shit­s­torm in den sozia­len Medi­en gespeist wird. Es sind ja viel­mehr Poli­tik und die klas­si­schen Medi­en selbst, die zur Schau­fel grei­fen, um mit Dreck zu wer­fen oder gleich ein tie­fes Loch für jene zu gra­ben, die im Mei­nungs­kor­ri­dor an die Wän­de sto­ßen. Beson­ders eif­rig sind die Schau­fel­schwin­ger, die von üppig spru­deln­den Zwangs­ge­büh­ren ange­trie­ben werden.

Vens­ke berich­tet selbst von der Sche­re im Kopf, die dafür sor­ge, dass vie­le nur noch von der erwar­te­ten Reak­ti­on her den­ken kön­nen. Die­se Dia­gno­se stimmt und die Zen­sur hin­ter­lässt in der Krea­ti­vi­tät von Kunst und Lite­ra­tur eine Schnei­se der Ver­wüs­tung. Doch media­le Kri­tik an den poli­tisch her­bei­ge­führ­ten Ver­en­gun­gen sucht man ver­geb­lich. Man den­ke nur dar­an, wie in Schles­wig-Hol­steins Film­för­de­rung nun Gen­der- und PC-Fra­gen auf einer Check­lis­te an Fil­me­ma­cher her­an­ge­tra­gen wer­den, nach­dem man sie schon jah­re­lang auf grü­ne Ener­gie­spar­kom­pa­ti­bi­li­tät gebürs­tet hat. Sowas wird eher als “pro­gres­siv” oder “inklu­siv” beklatscht, als das es als unzu­läs­sig abge­lehnt wird. Man hofft wie immer, dass es nur ” die ande­ren” tref­fen möge oder defi­niert die eige­nen “Krea­ti­vi­tät” frei­wil­lig inner­halb die­ser “Gren­zen des Machbaren”.

Hetzer und Ausgrenzer

Nun fal­len im DLF-Inter­view Wor­te, die seit Jah­ren toxi­sche Tabus in der Debat­te sind und über die man nur unter Dis­c­lai­mer und nach hei­li­gem Schwur schrei­ben kann, dass man das natür­lich alles viel offe­ner und plu­ra­lis­ti­scher sehe als die „Het­zer und Ausgrenzer“.

„Islam, Kopf­tuch […] so ent­ste­hen Denkverbote…man akzep­tiert, dass eine Kul­tur des belei­digt seins entsteht.“

Die Welt ver­lie­re den Humor, wenn jetzt schon Mon­ty Python auf dem Prüf­stand steht, klagt Vens­ke und damit liegt sie rich­tig. Das Inter­view ist bis hier­hin in einer Wei­se offen und ehr­lich, dass man sich die Ohren reibt ange­sichts der Tat­sa­che, dass dies alles seit Jah­ren bekannt ist und beklagt wird. Ver­geb­lich, wie uns TV-Hal­tungs­schä­den wie Gniff­ke, Kle­ber, Rest­le oder Reschke immer wie­der aufs Brot schmie­ren. Der Jour­na­list von heu­te sei Hal­tungs­trä­ger und Hanns-Joa­chim Fried­richs hät­te sei­nen berühm­ten Satz, ein Jour­na­list dür­fe sich mit kei­ner Sache gemein machen, auch kei­ner guten, genau anders­her­um gemeint, mein­te etwa Anja Reschke – just in dem Moment, als sie 2018 den Fried­richs-Preis ent­ge­gen nahm und hin­ter ihr genau jener Satz leuchtete.

Woher also die plötz­li­che Ein­sicht, dass Zen­sur und Selbst­zen­sur destruk­tiv sind? Was stört Vens­ke plötz­lich dar­an, dass die Mei­nungs­frei­heit ein­ge­schränkt wird? Ihre ist doch nicht bedroht, eben­so jene der Autoren bei Spie­gel, SZ, Pan­ora­ma, Moni­tor oder Maisch­ber­ger. Oder etwa doch? Man hat sich in vie­len Ver­la­gen, beim DLF und auch im PEN bis­her jedoch eher als frei­wil­li­ger “Zen­sor” betä­tigt und will uns nun erzäh­len, dass man längst als Opfer Blut ver­gie­ße? Aber ach, so schnell wie der Anfall kam, war er auch schon wie­der vorbei.

Rein­hard fängt die kla­gen­de Vens­ke schnell wie­der ein und insis­tiert, man müs­se natür­lich unter­schei­den! 2018 sprach schließ­lich auch Uwe Tell­kamp von einem „Gesin­nungs­kor­ri­dor“ als er behaup­tet habe, die meis­ten Asyl­su­chen­den wür­den hier den Sozi­al­staat unter­wan­dern. Es gebe doch, so Rein­hard, schon noch eine Gren­ze des Sag­ba­ren! Dem stimmt Vens­ke sofort zu und der Moment, die Gele­gen­heit zum Brü­cken­bau war verpufft.

Die Grenzen des Sagbaren

Es geht im Inter­view nicht um Mei­nungs­frei­heit oder ver­eng­te Debat­ten für alle! Viel­mehr spü­ren die Jako­bi­ner von heu­te die Enge mitt­ler­wei­le am eige­nen Kra­gen. Wen sie hin­ge­gen ver­damm­ten, der ist ver­lo­ren, auch wenn er nur sein Recht auf eine eige­ne Mei­nung in Anspruch nahm. Wer die (aktu­el­le) „Gren­ze des Sag­ba­ren“ über­schrei­tet, ist ver­bannt und bleibt es. How dare you, Tellkamp!

Es ist das ewi­ge Pro­blem des Jako­bi­nis­mus, dass die Abgren­zung zwang­haft ist und jede rote Linie, die Sag­ba­res von Unsag­ba­rem trennt, schon am nächs­ten Tag durch eine neue, noch enge­re ersetzt sein kann. Man weiß also nie, ob man rich­tig steht und aus­rei­chend kon­form mit den aus­ge­reich­ten Tages­pa­ro­len ist. Was heu­te noch eine scherz­haf­te Äuße­rung sein kann, ist mor­gen viel­leicht schon ver­derb­te Gesin­nung und fal­sche Hal­tung und dann heißt es „Tschüss, Sen­de­platz“, „Adieu, Buchvertrag“.

Der Raum des Denk- und Sag­ba­ren wird immer klei­ner und sind die Jako­bi­ner zu Beginn noch im schöns­ten Ein­ver­neh­men, wird der geis­ti­ge Platz, den sie sich tei­len, mit fort­schrei­ten­der Zeit immer klei­ner, die Spra­che ähn­li­cher und aus­tausch­ba­rer, die Angst grö­ßer, mor­gen ver­se­hent­lich selbst hin­ter der roten Linie zu lan­den. All die vor­aus­ei­len­den Knie­fäl­le und Ent­schul­di­gun­gen sind nichts als ver­zwei­fel­te Ein­ge­ständ­nis­se, dass man sich gera­de nicht sicher ist, ob man viel­leicht doch schon hin­ter der Gren­ze des Sag­ba­ren steht. Man neigt vor­sichts­hal­ber den Kopf, auf dass der rote Pin­sel dar­über hin­weg zie­hen mag.

Sie hät­ten ja in man­chem recht, die­se „Rech­ten“, meint Vens­ke. Man kön­ne schon über die deut­sche Poli­tik kri­tisch und kon­tro­vers berich­ten und dis­ku­tie­ren. Aber auch hier irrt sie. Genau das kann man eben nicht frei. Die Kon­se­quenz einer sol­chen Kon­tro­ver­se hat Tell­kamp schließ­lich am eige­nen Leib gespürt, das soll­te Vens­ke eigent­lich wis­sen. Die Kon­se­quenz für ihn war genau das, was sie nun öffent­lich beklagt, für Tell­kamp aber nicht gel­ten las­sen will, weil die­ser schon jen­seits der aktu­el­len roten Linie steht. Vens­ke und ande­re „woke“ Leu­te kämp­fen nur für jene, die bei der „Rei­se nach Jeru­sa­lem“ noch Aus­sicht auf einen Stuhl haben. Doch die wer­den logi­scher­wei­se immer weni­ger, so ist das Spiel. Über The­men wie Migra­ti­on, Ener­gie­wen­de, Euro­ret­tung oder Kli­ma­wan­del ist eine Debat­te öffent­lich nur noch mög­lich, wenn sie die gewünsch­te Rich­tung ein­schlägt. Die Debat­te ist aber nicht frei, wenn Rol­len­ver­tei­lung, Rich­tung und Ergeb­nis schon feststehen.

„Brauchen wir diesen Appell auch hier?“

Rein­hards Ein­gangs­fra­ge, ob wir einen sol­chen Appell wie im Har­pers Maga­zi­ne auch in Deutsch­land brau­chen, beant­wor­tet Vens­ke mit „ja“. Doch wie glaub­wür­dig ist die­ser Appell, wenn er Mei­nungs­frei­heit im Grun­de nur für jene for­dert, die die­se noch haben? Es gab ja bereits ver­gleich­ba­re Appel­le, an denen inhalt­lich nichts aus­zu­set­zen war. Der eine rich­te­te sich gegen die blin­de Zer­stö­rung von Büchern und Gedan­ken (Dagen, 2017), der ande­re sprach sich schlicht für die Durch­set­zung gel­ten­den Rechts aus (Lengs­feld, Bro­der, Klo­n­ovs­ky, 2018) und in bei­den Fäl­len konn­ten die­je­ni­gen, die heu­te über sich ver­en­gen­de Debat­ten kla­gen, gar nicht schnell genug Abstand gewin­nen, kübel­ten Häme und Spott und imple­men­tier­ten die Unter­zeich­ner in ihre Block-Listen.

Wie im Inter­view zu hören war, ach­tet man immer noch pein­lich auf Abstand zu „denen da“, besteht auf „Gren­zen des Sag­ba­ren“ und möch­te die Gedan­ken­sche­re nicht wirk­lich los­wer­den, son­dern nur etwas klei­ner haben, damit sie in den eige­nen, engen Kopf passt. Als kürz­lich James Ben­net, der Opi­ni­on-Chef­re­dak­teur der New York Times, sei­nen Hut neh­men muss­te (er kün­dig­te selbst, aber nicht frei­wil­lig), weil er eine „fal­sche Mei­nung“, näm­lich die eines repu­bli­ka­ni­schen Sena­tors ins Blatt gelas­sen hat­te, hielt sich die Empö­rung im deut­schen Blät­ter­wald in Gren­zen. Selbst die FAZ schmutz­te vom „umstrit­te­nen Arti­kel“, als sei das kein Qua­li­täts­merk­mal, son­dern ein zu ver­mei­den­der Feh­ler, weil nur unum­strit­te­nes in eine Zei­tung wie die NYT gehö­re. Das was Tom Cot­ton im Arti­kel for­der­te („Send in the Tro­ops“) geschieht übri­gens gera­de in Kan­sas City* und die Bewoh­ner, die unter den aus­ufern­den gewalt­tä­ti­gen Zustän­den lei­den, sind dar­über sicher nicht unglücklich.

Wer offe­ne Brie­fe wie den im Har­pers Maga­zi­ne oder die Erklä­rung 2018 unter­schreibt, lie­fert sofort den ulti­ma­ti­ven Beweis für deren Not­wen­dig­keit. Für jene, die sich noch sicher füh­len und noch kei­ne roten Lini­en um sich her­um erbli­cken, die­nen sol­che Lis­te näm­lich als Sieb, in dem jene sicht­bar hän­gen blei­ben, die man als nächs­te ableh­nen, angrei­fen und aus­ra­die­ren kann. Man glaubt viel­leicht, läs­ti­ge Kon­kur­renz los­zu­wer­den und hofft auf Raum­ge­win­ne. In der Pra­xis ist jedoch das Gegen­teil der Fall: die Räu­me wer­den enger.

Die meinungsbeherrschenden Elite wird kleiner

Vox, ein ultra­lin­kes Medi­um und nicht zu ver­wech­seln mit Fox, hat sich selbst ver­dient gemacht um Aus­gren­zung und „can­cel cul­tu­re“, und der Vox-Redak­teur und Mit­grün­der Mat­thew Ygle­si­as zog nun öffent­li­che Gegen­re­ak­tio­nen von Kol­le­gen auf sich, da auch er den offe­nen Brief unter­schrie­ben hatte.

Weil der Brief wie ande­re Auf­ru­fe inhalt­lich kaum angreif­bar ist, macht man Kri­tik dar­an an den Per­so­nen fest, die eben­falls unter­schrie­ben haben und unter­stellt mora­li­sche Kon­ter­ban­de. Emi­ly Van­Der­Werff erblick­te etwa meh­re­re wie sie es nennt „Anti-Trans-Kri­ti­ker“ unter den Unter­zeich­nern, die an ihrem „Sicher­heits­ge­fühl“ krat­zen und wer sich wie Ygle­si­as mit sol­chen gemein mache und den Min­dest­ab­stand zu sol­chen Leu­ten nicht ein­hal­te (rote Linie), der sei zusam­men mit den „Anti-Trans-Kri­ti­kern“ ver­dammt bis in alle Ewig­keit. Ver­mut­lich stört sich Emi­ly Van­Der­Werff an der Unter­schrift von J. K. Row­ling, die sich das Frau­sein nicht ver­bie­ten las­sen oder zu „men­stru­ie­rend“ umde­fi­niert sehen will.

Jeder der den offe­nen Brief in Har­pers Maga­zi­ne unter­schrie­ben hat, ist nun von einer unsicht­ba­ren roten Linie umge­ben, der sich nicht nähern darf, wer noch zur mei­nungs­be­herr­schen­den Eli­te gehö­ren will. Die „Ver­rä­ter“, hübsch zusam­men­ge­fasst auf einer Lis­te, sind fort­an aus der Debat­te ver­bannt. Für die mei­nungs­be­herr­schen­den Eli­te, die täg­lich schein­hei­li­ge Eide auf die Mei­nungs­frei­heit schwört, sind die „Gren­zen des Sag­ba­ren“ nun wie­der etwas enger gewor­den und der Moment, an dem es in die­sem Wett­be­werb des Ver­ein­fa­chens und Aus­sor­tie­rens nur noch eine ein­zi­ge Mei­nung, nur noch eine kor­rek­te Hal­tung und eine ein­zi­ge Gewiss­heit gibt und die gan­ze Welt nur noch von aus­ge­grenz­ten Fein­den die­ser einen “rich­ti­gen” Mei­nung besteht, rückt wie­der ein Stück­chen näher. Das ist in Deutsch­land nicht anders als in Amerika.

* Die ursprüng­li­che Quel­le ist in der EU nur via VPN zu errei­chen (dan­ke, NetzDG!). ich habe sie durch eine gleich­wer­ti­ge ersetzt, die aus der EU erreich­bar ist.

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10 Kommentare

  1. und im Kern dreht sich alles nur um ein­zi­ge Fra­ge: wie weit weg sind wir inzwi­schen eigent­lich noch vom eins­ti­gen DDR Pro­pa­gan­da­me­di­en­ein­heits­be­trieb in dem auch alles erst den Polit­se­kre­tä­ren und oft genug sogar die­rekt den obers­ten Unrechts­staat­lern Miel­ke und Hon­ecker zur Abseg­nung oder Ver­ga­sung vor­ge­legt wer­den mußte?
    Ein Bier­mann, ein Have­mann, ein Man­fred Krug, eine Nina Hagen und so unend­lich vie­le mehr, die damals rote Lini­en über­schrit­ten, vogel­frei geäch­tet wur­den, von Auf­trä­gen und kar­rie­re aus­ge­schlos­sen und aus­ge­grenzt wur­den — immer enger gesteck­te rote Lini­en des Sag­ba­ren über­schrit­ten, konn­ten damals jeden­falls noch in freie Tei­le der Welt aus­sie­deln und dort das Unsag­ba­re SAGEN und VERBREITEN.
    Wie schlimm es inzwi­schen ist zeigt die Ent­wick­lung die­ser inzwi­schen welt­weit unmög­lich noch zu fin­den­den Unschuld der frei­en Rede!
    Sof­rot sind die welt­weit instal­lier­ten offi­zi­el­len und INOFFIZIELLEN Schutz­trup­pen links­grü­ner Deu­tungs­ho­heit und welt­um­span­nen­der Macht links­grü­ner Ideo­lo­gie zur Stel­le um alles zu ver­nich­ten, was ihrem Hass und ihrer Het­ze — ihrer Ideo­lo­gie widerspricht.
    Wie frei war doch der eins­ti­ge böse weis­se impe­ria­lis­ti­sche kolo­nia­lis­ti­sche faschis­ti­sche Kapi­ta­lis­mus der Nach­kriegs­jahr­zehn­te im bösen Wes­ten mit sei­ner Arbeits­lo­sig­keit, Ungleich­heit, sei­nem Ras­sis­mus und sei­nem Man­gel an 60 unter­schied­li­chen Toi­let­ten für Extrem­min­der­hei­ten aller Art.…
    Dort aber konn­te noch JEDER JEDE Rede hal­ten und ob sie Gehör fand ent­schied nicht das Zen­tral­ko­mi­tee der Volks­kam­mer­klat­schaf­fen die die roten Lini­en fest­le­gen son­dern die Objek­ti­vi­tät, die Ratio­na­li­tät, die Wis­sen­schaft, die Ver­nunft, die Sach­lich­keit, die Logik, die Realitätsnähe!
    Rote Lini­en sind die Schiess­be­feh­le derer, die die Lüge zum Geschäfts­mo­dell ihrer sonst in sich zusam­men­bre­chen­den Ideo­lo­gie gemacht haben. Wür­den die Reschkes, die Maisch­ber­gers, die Rest­les, die Lan­zes, die Ill­ners und wie sie alle hei­ßen, die gra­tis­mus­ti­gen, führ ihren Selbst­ach­tungs­ver­rat gera­de­zu finan­zi­ell und struk­tu­rell ver­be­am­te­ten Regie­rungs­spre­cher ihre het­ze und ihren Hass auf Anders­den­ken­de und Kri­ti­ker der Poli­tik auch ver­spei­en, wären sie nicht so sehr für die “rich­ti­ge” Mei­nung abge­si­chert und bezahlt?
    Dann bräuch­te es ja kei­nen ÖR, kei­ne Staats­hil­fen, kei­ne “Erleich­te­run­gen” und “Absen­kun­gen der Belas­tun­gen durch Zei­tungs­aus­trä­ger” etc… wer Angst hat vorm Wett­be­werb, der hat KEINE Argu­men­te, der lügt! und wer lügt hat Unrecht! Auch des­halb nen­nen sich Dik­ta­tu­ren UNRECHTSTAATEN! Ihre Exis­tenz ist auf Lügen gebaut.

  2. “So auch hier, als Rein­hard von „Autorin­nen und Intel­lek­tu­el­len“ sprach, …”

    Hmm, viel­leicht als Kom­pro­miss der erst wäh­rend des For­mu­lie­rens gewon­ne­nen Blit­zer­kennt­nis, dass “Autoren und Intel­lek­tu­el­lin­nen” sich noch blö­der anhö­ren könnte?

    “… obwohl auch männ­li­che Autoren den Brief unter­zeich­net haben.”

    Auch weib­li­che Intellektuelle? ;->

    “Die Welt ver­lie­re den Humor, wenn jetzt schon Mon­ty Python auf dem Prüf­stand steht, klagt Vens­ke und damit liegt sie richtig.”

    Nö, auch dar­auf trifft das Adjek­tiv aus dem Titel des Arti­kels zu: “Zu spät.”
    Hier in der Kausalkette:
    Der Ver­lust / die Ver­wei­ge­rung schon der App­er­zep­ti­on von Humor ist kau­sa­le Fol­ge einer deut­lich vor der Jahr­tau­send­wen­de ein­set­zen­den und fort­schrei­ten­den intel­lek­tu­el­len Ver­lu­de­rung “der Welt”.
    Inzwi­schen ist nicht nur der Humor auto­ma­tisch mit “über’n Jor­dan gegan­gen”, auch ande­re Befä­hi­gun­gen, die ich mal als für die Gat­tung ‘Homo’ kon­sti­tu­ie­rend hielt, zei­gen deut­lich regres­si­ve Ten­denz, eini­ge wer­den ja hier im Arti­kel ange­schnit­ten. Es ist ein ‘Gesamt­kunst­werk’.

    Wird Zeit, dass die “Künst­li­che Intel­li­genz” anwen­dungs­reif wird, die “Natür­li­che Blöd­heit” steht kurz vor ihrem Kulminationspunkt.

  3. Dan­ke für den Text!
    Man könn­te noch ergän­zen, dass durch das stän­di­ge Unter­drü­cken der eige­nen Impul­se, das Hal­tung­zei­gen gegen die eige­ne Intui­ti­on, ein nicht unbe­acht­li­cher psy­chi­scher (Innen-)druck und eine see­li­sche Defor­ma­ti­on geför­dert wer­den (sie­he Vens­ke), die nach einer Ent­la­dung suchen.
    Dass dies zunächst ängst­lich und halb­her­zig erfolgt, ver­leiht dem das beschrie­be­ne bizar­re Äuße­re (Ambi­va­lenz).

    • Ach, ich den­ke, Sie kön­nen zuver­sicht­lich davon aus­ge­hen, dass sol­che Leu­te i.a.R. mit einer über­bor­den­den ‘Ambi­gui­täts­to­le­ranz’ aus­ge­stat­tet sind. Die brin­gen völ­lig ohne intel­lek­tu­el­len Unwohl­seins jeg­li­che Wie­der­sprü­che unter jeden ver­füg­ba­ren Hut, wenn die peku­niä­ren Rand­be­din­gun­gen stim­men. Sonst wären sie nicht da, wo sie sind.
      Eine mög­li­cher­wei­se dar­aus tat­säch­lich resul­tie­ren­de “see­li­sche Defor­ma­ti­on” wird dann als sty­li­scher Effekt der ‘Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung’ präsentiert.

    • Trotz­dem trös­tet mich die Ver­mu­tung, daß denen der A.… auf Grund­eis gehen könn­te. Da Roger (ich mag den, des­halb neh­me ich mir ein­fach ein­mal die Frei­heit, ihn beim Vor­na­men zu nen­nen) hier die Jako­bi­ner erwähnt: Bekann­ter­ma­ßen fiel auch Blut­rich­ter Nume­ro une, Maxi­mi­li­an Robes­pierre, zum Schluß sei­nem eige­nen Fall­beil zum Opfer.

      • Zustim­mung zu Roland — nicht zum Duzen son­dern zu den Jako­bi­nern. Was Robes­pierre end­lich den Kopf kos­te­te, näm­lich sein Wüten gegen wen immer er als sei­nen Geg­ner, bes­ser, Geg­ner sei­nes Idee, betrach­tet, erzeugt zwangs­läu­fig immer mehr Geg­ner bis er letzt­lich zu weni­ge Unter­stüt­zer hat um einen Umschlag der Situa­ti­on zu ver­mei­den. Die Fei­gen tun sich eben letzt­lich doch zusam­men, um ihr eige­nes Ende zu vermeiden.
        Ob wir das beim Abwür­gen der Mei­nungs­frei­heit je erle­ben kön­nen? Man kann es zumin­dest bezwei­feln, denn die Geschich­te hat auch hier ein Bei­spiel. Nur der Tod stopp­te Sta­lin bei einer ähn­li­chen Gewalt­spi­ra­le. Die Feig­lin­ge wag­ten es, von gegen­sei­ti­gem Miss­trau­en beses­sen, bis zuletzt nicht (beson­ders jäm­mer­lich die Rol­le von Law­ren­ti Beria) sich gegen ihn zusammenzutun.
        Wer­den es die Mei­nungs­ma­cher spü­ren, wann der Wür­ge­griff der poli­ti­schen Kor­rekt­heit sie sebst bedroht? Und: Wer­den sie den Mut auf­brin­gen, sich zu wehren?

        • @F. Auer­ba­cher: Das Bei­spiel Sta­lin hat­te ich auch im Kopf. Im übri­gen hat­te es auch da die Scharf­rich­ter erwischt. Sowohl der von Ihnen erwähn­te Beri­ja als der nicht min­der blut­rüns­ti­ge Ex-Geheim­dienst­chef Jeshow wur­den von ihrer eige­nen Par­tei­füh­rung exe­ku­tiert. Ich glau­be übri­gens nicht, daß die Vens­kes, Kle­bers und Wills, schon gar nicht Links­au­ßen wie Jacob Aug­stein, jemals so etwas wie Ein­sicht oder Reue zei­gen wer­den. Sie wer­den ent­we­der fried­lich in den Ruhe­stand glei­ten in dem Bewußt­sein, es dem „Klas­sen­feind“, den „Rech­ten“ oder wen auch immer sie unter ihre Mei­nungs­fuch­tel krie­gen woll­ten, gezeigt zu haben. Oder sie wer­den mit einem kräf­ti­gen Tritt in ihren roten Hin­tern und ohne, daß ihnen jemand hin­ter­her­heu­len wird, hin­weg­ge­fegt wer­den. So wie ihr mora­lisch-geis­ti­ges Pen­dant Sudel-Ede (Chef­het­zer des Fern­se­hens DDR) im Jahr des Mauerfalls.

      • “Trotz­dem trös­tet mich die Ver­mu­tung, daß denen der A.… auf Grund­eis gehen könnte. ”

        War­um soll­te er? Das mag viel­leicht für die Mei­nungs­sur­ro­ga­te-Ver­brei­ter aus der zwei­ten / drit­ten Rei­he gel­ten. Denen könn­ten lang­sam Beden­ken kom­men, ob sie es in der noch ver­blei­ben­den Zeit des Über­flus­ses wohl in die ers­te Rei­he schaf­fen kön­nen, wo die — auch mate­ri­el­len — Beloh­nun­gen ver­teilt werden.
        Die gegen­wär­ti­ge ers­te Rei­he, die Arri­vier­ten, deren “Sowohl als auch aber bit­te mit Stil”-Brei wir heu­te tag­täg­lich zum Hören, Sehen, Lesen vor­ge­setzt bekom­men, die ihre kogni­ti­ven Dis­so­nan­zen als Mons­tranz kul­tu­rel­ler Errun­gen­schaf­ten vor sich her schlep­pen, die haben ihre Schäf­lein längst im Tro­cke­nen und beab­sich­ti­gen sicher nicht, sel­bi­ge wie­der in den Regen raus­zu­füh­ren, indem sie sich plötz­lich auf der Gegen­sei­te exponieren.
        Aber:
        Die­se seit gerau­mer Zeit als höchs­ter­wünsch­te sozia­le Fähig­keit hoch­ge­jazz­te ‘Ambi­gui­täts­to­le­ranz’ ver­liert sich meist recht schnell, wenn kei­ne ein­zi­ge der offen­sicht­lich wider­sprüch­li­chen Sach­ver­halts-Dar­stel­lun­gen und deren all­fäl­li­ge Kon­se­quen­zen noch einen per­sön­li­chen Vor­teil ver­spricht, selbst mit maxi­ma­ler ’see­li­scher Deformation’.
        Nun denn: Schlimms­ten­falls zuckt man mit den Schul­tern und zieht sich auf sein Men­schen­recht zurück, sich geirrt haben zu dür­fen. Ein schnel­les Pferd ist da nicht ein­mal von­nö­ten. Sel­bi­ge (oder alter­na­tiv mate­ri­el­le Unab­hän­gig­keit) gehö­ren bekannt­lich zum unver­zicht­ba­ren Equip­ment der­je­ni­gen, die heu­ti­gen­tags die Wahr­heit aus­zu­spre­chen wagen.

        “Bekann­ter­ma­ßen fiel auch Blut­rich­ter Nume­ro une, Maxi­mi­li­an Robes­pierre, zum Schluß sei­nem eige­nen Fall­beil zum Opfer.”

        Ja, sowas pas­siert, wenn man aus ideo­lo­gi­scher Bor­niert­heit *) nicht ein­mal mehr die Wider­sprüch­lich­kei­ten erkennt, z.B. zwischen
        erwar­te­ter Éga­li­té und erlang­ter Éga­li­té de misère
        oder
        erhoff­ter Liber­té und rea­ler Déca­pi­ta­ti­on, Befrei­ung des Hal­ses von der Last des Kopfes.
        Dann kann die Ambi­gui­täts­to­le­ranz und mit ihr die Fra­ter­ni­té der­je­ni­gen, die dafür den Kopf hin­hal­ten müs­sen, schon­mal ein wenig schwächeln.

        *) Nein, zumin­dest dem Groß­teil der heu­ti­gen Gali­ons­fi­gu­ren geste­he ich sol­che nai­ve Igno­ranz als Aus­flucht nicht zu. Dazu sind die Mög­lich­kei­ten zur Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung heu­te zu gut, die Dis­kre­pan­zen zwi­schen Vor­gang und sei­nem Vor­trag zu groß und offen­sicht­lich, die Fol­gen ihres Han­delns der letz­ten Jah­re / Jahr­zehn­te schon zu augenfällig. **)
        Die wis­sen genau, was sie machen! 

        **) @Roger: Dei­ne exak­te Dar­stel­lung der Gene­se und Fluk­tua­ti­on stän­dig neu­er ‘Roter Lini­en’ klam­mert aller­dings den schon etwas älte­ren gegen­läu­fi­gen Fak­tor aus, der die Gesamt­men­ge roter Lini­en wie­der halb­wegs kon­stant hält:
        Im glei­chen Zuge ver­schwan­den / ver­schwin­den näm­lich per­ma­nent ‘Rote Lini­en’ spur­los, die ich mal für Boll­wer­ke gegen die kul­tu­rel­le Bar­ba­rei gehal­ten habe. (Und wer sich erkühnt, auf deren fort­dau­ern­de Gül­tig­keit zu pochen, ver­schwin­det stan­te pede … ja, genau … hin­ter der dicken roten Linie der “Ewig­gest­ri­gen”.)

  4. Ich fin­de den Arti­kel wirk­lich ganz ausgezeichnet.
    Jedes Wort trifft zu.
    Vie­len Dank für die­se kla­ren Gedanken!

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