uturn2030 soll sich der let­zte Zünd­schlüs­sel in einem neu zuge­lasse­nen Auto mit Ver­bren­nungsmo­tor drehen, danach sei Schluss mit Diesel und Ben­zin. Es wird natür­lich selb­st dann noch eine ganze Weile dauern, bis es nur noch Ver­bren­ner-Autos mit his­torischen “H‑Kennzeichen” auf unseren Straßen geben wird und Ben­zin wieder wie vor 1900 nur in der Apotheke zu kaufen ist, doch das Ziel des ganzen Decar­bonin­sierungswahns ist unter anderem eine 100%ige Elek­tro­mo­bil­ität. So ste­ht es geschrieben in diversen chlor­frei geble­icht­en Strate­giepa­pieren der Parteien und dann machen wir das auch so! Aber wie würde das in der Prax­is ausse­hen? Wie würde sich die Gesellschaft verän­dern? Gäbe es Gewin­ner und Ver­lier­er eines solchen Umbaus? Begeben wir uns also kurz ins Utopia von Katrin Göring-Eckardt, Anton Hofre­it­er und Angela Merkel und leg­en den Schal­ter um von Öl auf Ökostrom.

Wir gehen in der Rech­nung zunächst davon aus, dass die Deutschen es sich nicht nehmen lassen wollen, selb­st über Tag und Stunde bes­tim­men zu kön­nen, zu der sie ihre Fahrzeuge bewe­gen und dass es sich dabei immer noch um größ­ten­teils pri­vate Fahrzeuge han­deln wird. Aber selb­st wenn diverse Car-Shar­ing-Dien­ste beson­ders in den Großstädten zunehmen wür­den, dürfte die pro Per­son zu erbrin­gende Trans­portleis­tung kaum klein­er wer­den. Dadurch ver­ringert sich nur die Anzahl der PKW, nicht die Anzahl der gefahre­nen Kilo­me­ter oder der Energiebe­darf. Wir müssen also die Energie, die im Jahresver­brauch an Diesel und Ben­zin steckt, in Form von elek­trischem Strom bere­it­stellen. Im Jahr 2014 sah der Ver­brauch von Kraft­stof­fen in Deutsch­land so aus (ener­getis­che Umrech­nung siehe hier):

43,2 Mil­liar­den Liter Dieselkraft­stoff je 9,86 kWh = 425,9 Mil­liar­den kWh sowie
25 Mil­liar­den Liter Ben­zin je 8,77 kWh = 216,25 Mil­liar­den kWh

Zusam­men also 642 Mil­liar­den kWh. Aber keine Bange, diese Energie wird tech­nisch bed­ingt wegen des Ver­bren­nungsmo­tors nur zu etwa 30% genutzt, während ein Elek­troau­to auf stolze 85% Energieef­fizienz kommt. Prob­leme mit Außen­tem­per­atur, füll­stand­ab­hängigem Ver­brauch und Selb­stent­ladung ver­nach­läs­sige ich hier mal. Wir kön­nen den Energiebe­darf also durch 2,4 teilen und müssten so nur noch 267,58 Mil­liar­den kWh pro Jahr bere­it­stellen, damit sich auf den Straßen die Räder drehen. Ob das viel oder wenig ist, spielt zunächst mal keine Rolle. Auf jeden Fall ist es Energie, die zusät­zlich zu den etwa 2015 erzeugten 646 Mil­liar­den Kilo­wattstun­den (kWh) Strom erzeugt und bere­it­gestellt wer­den muss. Das entspricht etwa einem Drit­tel des derzeit jährlich in Deutsch­land erzeugten Stroms. Oben drauf. Das ist ein dick­es Stück Energie und das muss irgend­wo pro­duziert wer­den. Nur wie, das ist die Frage.

Ein durch­schnit­tlich­es Kernkraftwerk hat eine Nennleis­tung von 1 Gigawatt und man kann pro Jahr mit etwa 8.000 Betrieb­sstun­den rech­nen. Macht also 8 Mil­liar­den kWh pro Jahr. Wir bräucht­en somit etwa 33 neue Kernkraftwerke, um die Energie zu erzeu­gen, die wir im Jahr 2014 in Form von Ben­zin und Diesel ver­braucht haben. Rech­nen wir nicht in Kernkraftwerken, von denen haben wir uns ja dank eines kurzen Nach­denkens von Frau Merkel ver­ab­schiedet. Wir schal­ten lieber 17 AKW ab als 33 neue zu bauen! Rech­nen wir auch nicht in Kohlekraftwerken, denn die erzeu­gen CO2, was uns bei der „Decar­bon­isierung“ lei­der gar nicht hil­ft. Aber kann man in Win­dan­la­gen rech­nen? Oder in Quadrat­metern Solar­voltaik? Im spanis­chen Wel­tre­ich des 16. Jahrhun­derts ging die Sonne bekan­ntlich niemals unter, dieses Priv­i­leg haben wir in Deutsch­land lei­der nicht. Auch der Wind ist ein sehr unzu­ver­läs­siger Geselle, selb­st dann, wenn wir die Off­shore-Kraftwerke in der Nord­see nehmen…im schlimm­sten Fall ist es möglich, dass kein einziges der wind- und son­nen­ab­hängi­gen Kraftwerke Strom liefert. Zumin­d­est weht der Wind bei Tag und Nacht gle­icher­maßen wahrschein­lich, was man von der Ein­satzbere­itschaft ein­er Solaran­lage kaum sagen kann. Deshalb rech­nen wir ab jet­zt der Ein­fach­heit hal­ber nur mit der Winden­ergie weit­er.

Ein On-Shore Win­drad leis­tet heute etwa 3 Megawatt und kommt auf 1500–5000 Vol­l­last-Betrieb­sstun­den pro Jahr. Eigentlich kann man mit kein­er einzi­gen Kilo­wattstunde wirk­lich rech­nen (obwohl man auch mit allen Vol­l­last­be­trieb­stun­den fer­tig wer­den muss) und es gibt erhe­bliche Regel-Prob­leme nach oben und unten, wir rech­nen aber mal sehr opti­mistisch und nehmen an, dass jedes Win­drad 3000 Stun­den läuft und so pro Jahr ins­ge­samt 9 GWh (0,009 TWh) erzeu­gen kann – wann immer das auch sein mag oder wie über das Jahr verteilt. Um die benötigten 267 TWh für unsere Elek­tro­mo­bil­ität zu erzeu­gen, bräuchte man also etwa 29.666 große Win­dan­la­gen – the­o­retisch, Sie wis­sen schon. Denn lei­der sind Wind- und Solaran­la­gen nicht grund­last­fähig, weil sie den Strom nicht dann erzeu­gen, wenn er gebraucht wird – und ander­er­seits, wenn er erzeugt wird, er auch sofort ver­braucht wer­den muss. Autos laden geht also nur, wenn der Wind weht – das zu regeln muss das „intel­li­gente Netz“ der Zukun­ft leis­ten.

Willkommen in Nordkorea

Derzeit schaf­fen die 26.800 instal­lierten Win­dan­la­gen einen Anteil von 13.3% an der deutschen Strompro­duk­tion. Um den Anteil auf the­o­retis­che 100% zu steigern, wären weit­ere 115.000 Anla­gen notwendig, plus die 29.666 Anla­gen für unsere Elek­tro­mo­bil­ität, macht etwa 171.500 Anla­gen oder je 2,1 km2 in Deutsch­land ein Win­drad oder alle 1,45 km in jede Rich­tung ein Win­drad, egal ob Hochge­birge, Münch­n­er Innen­stadt, Naturschutzge­bi­et oder Are­na auf Schalke – her­zlichen Glück­wun­sch, auch an euch, liebe Zugvögel! Außer­dem würde Deutsch­land bei Wind­stille vom Weltall aus betra­chtet nachts so ausse­hen wie Nord­ko­rea.

Alles intelligent geregelt – das volatile Stromnetz der Zukunft

Wenn Sie sich daran gewöh­nt haben, sich mor­gens zu ein­er bes­timmten Zeit mit dem Auto auf Ihren Weg zur Arbeit zu machen, wer­den Sie sich umstellen müssen. Denn nur, wenn über Nacht genug Kapaz­ität im Netz war, hat Ihr Auto aufladen kön­nen. Außer­dem hin­gen zur sel­ben Zeit so viele andere Autos am Tropf, dass das „Intel­li­gente Netz“, welch­es es heute noch gar nicht gibt, aus­gerech­net Ihrem Auto das Laden ver­weigerte. Pech gehabt, mehr Glück beim näch­sten Mal. Vielle­icht reden Sie mal mit Ihrem Chef, ob er für ein saftiges Ent­gelt Ihre Lade­pri­or­ität im Min­is­teri­um für Energiezuteilung und Man­gel­wirtschaft erhöhen lassen kön­nte. Denn Sie wis­sen ja: Grüne Min­is­ter und VIP Stromkun­den wer­den zuvork­om­mend beliefert. Für die VIP‘s ent­fall­en auch die Zwangspausen auf län­geren Reisen oder im Büro, wenn das intel­li­gente Netz zwecks Abbau von Net­züberka­paz­itäten alle Aut­o­fahrer von der Straße und aus den Büros holt. Freie Fahrt, auch bei Schwach- oder Stark­wind – daran erken­nt man die mobile Oberk­lasse im Jahr 2050.

Da Sie nun nicht zur Arbeit fahren kön­nen, haben Sie die Gele­gen­heit, mal aus­giebig zu früh­stück­en. Lei­der kon­nte der Bäck­er keine Brötchen back­en, ihm fehlte die Energie. Aber die Prog­nose des intel­li­gen­ten Net­zes sagt, dass es so gegen 11 Uhr soweit sein kön­nte, der Bäck­er wird rechtzeit­ig automa­tisch geweckt, um sein Energiefen­ster opti­mal nutzen zu kön­nen. Ihre Netz-Energieuhr sagt Ihnen sowieso ger­ade, dass jet­zt noch nicht die Zeit zum Früh­stück­en ist. Leg­en Sie sich also wieder hin, deck­en Sie sich gut zu und denken nicht mal an die Heizung. Die gehorcht Ihren Wün­schen näm­lich nur dann, wenn es Strom dafür gibt. Ab 11 Uhr vielle­icht. Denn für „Heizung um Sieben“ reicht Ihr Gehalt aus­gerech­net heute nun wirk­lich nicht!

Da es nach abgeschlossen­er Energiewende kaum noch grund­last­fähige Kraftwerke gibt, dienen die weni­gen Wasserkraftwerke vor allem dazu, das intel­li­gente Netz zu erhal­ten und die Energie für die Regel­prozesse und IT zu liefern. Die Steuerung sämtlich­er Energieprozesse (Ein­speisung und Ver­brauch) musste an das Netz übergeben wer­den, welch­es nun genau und automa­tisiert regelt, wann eine Waschmas­chine läuft, ein E‑Auto geladen (oder ent­laden) wird und ob und wann ein Rock-Konz­ert stat­tfind­en darf. Let­zteres kann nur gesichert stat­tfind­en, wenn alle Besuch­er die Restka­paz­ität ihrer E‑Autos an die Büh­ne­nan­lage abgeben – vielle­icht reicht es ja sog­ar noch für den Heimweg, wenn die Band auf die Zugabe verzichtet. Jed­erzeit müssen die Ver­brauch­er sich an die extremen Energieange­bots- und Preiss­chwankun­gen anpassen, die Taschen­lam­p­en-App am Smart­phone wird so sich­er zur wichtig­sten Funk­tion im Jahr 2050.

Musste man früher nur einen Schal­ter umle­gen, um Strom zu ver­brauchen, ist der Schal­ter in der Zukun­ft nur noch dazu da, den Wun­sch nach Ver­brauch anzukündi­gen. Den Rest regeln das Netz, Ihre Stel­lung im Sys­tem und der Zufall des Gle­ichgewichts an Energieange­bot und Energien­ach­frage. Das Netz sorgt auch schon mal dafür, dass mit­ten in der Nacht alle Lichter ange­hen, weil eine gigan­tis­che Kapaz­itäts­blase die Net­ze zu über­las­ten dro­ht, da mal wieder ein „Sturm mit Namen“ über Deutsch­land fegt. In dem Fall wer­den Sie aber zuver­läs­sig automa­tisch geweckt, denn Lichtzeit ist Lesezeit! Nutzen Sie die Gele­gen­heit, schlafen kön­nen Sie mor­gen früh, wenn der Wind sich wieder gelegt hat!

Auf unsere Nach­barn in Europa kön­nen wir im Energien­ot­fall übri­gens nicht mehr hof­fen. Die haben sich mit­tler­weile von unserem Netz abgekop­pelt, weil die Unberechen­barkeit unser­er Import/­Ex­port-Strom­men­gen die Sta­bil­ität in ihren eige­nen, nicht so stark geregel­ten Net­zen ständig gefährdete. Energie-Insel Deutsch­land. Energiespe­ich­er? Immer noch nicht in Sicht. Nicht für diese Kapaz­itäten. Außer­dem ist ein­fach kein Platz für große Pump­spe­icherkraftwerke, weil über­all Wind­kraftan­la­gen ste­hen oder der Jucht­enkäfer siedelt. Eine entwick­elte men­schliche Gesellschaft, die weitest­ge­hend unab­hängig von Tages­licht, Tem­per­atur, Jahreszeit, Wind und Flaute funk­tion­iert, kon­sum­iert, ver­braucht und „ein­fach so“ lebt, wird es dann nicht mehr geben. Jeden­falls nicht für alle.

Weniger ist das neue mehr, gemeinsam das neue individuell

Aber vielle­icht führt uns diese Man­ge­len­ergie-Utopie auch gle­ich einen Schritt weit­er. Vielle­icht bauen wir mehr als nur unsere Energiewirtschaft um, dann müssen wir nicht ganz so viele Wind­kraftan­la­gen bauen. Zunächst ein­mal stellen wir sich­er, dass es keine Notwendigkeit mehr für Indi­vid­u­alverkehr gibt. Jed­er wohnt max­i­mal 10 Kilo­me­ter von seinem Arbeit­splatz ent­fer­nt. Pri­vate Autos brauchen wir dann nicht mehr, das Fahrrad übern­immt die Kurzstrecke. Die energieaufwendi­ge Ver­sorgung eines jeden einzel­nen Haushaltes mit Lebens­mit­teln und anderen Gütern muss weg­fall­en. Wir kochen und essen viel effizien­ter in Gemein­schaft­sküchen, die zen­tral beliefert wer­den kön­nen. Super­märk­te gibt es auch nicht mehr, so fällt noch ein Trans­ports­chritt weg. 99% der Men­schen in Deutsch­land wohnen dann in Metropolen mit min­destens 500.000 Ein­wohn­ern, eine Reise „weit weg“ wird für die meis­ten genau­so undenkbar sein wie vor 200 Jahren, denn aus ener­getis­chen Grün­den bewe­gen wir uns nur sel­ten aus unser­er Home-Zone her­aus. Vor 200 Jahren war es der Man­gel an Trans­port­möglichkeit­en – es gab nur das Pferd – in Zukun­ft ist es der Man­gel an Energie, der uns an einen Ort fes­selt.

Tschüss Autoin­dus­trie, es war schön mit dir all‘ die Jahre. Das war’s dann Touris­mus, die Welt gibt’s nur noch bei GoogleEarth. Auf Nim­mer­wieder­se­hen, chemis­che Indus­trie und Phar­mazie! Euren Bedarf an unun­ter­broch­en­er Energiezu­fuhr kön­nen wir nicht mehr befriedi­gen. Met­al­lurgie und Maschi­nen­bau, macht‘s gut! Euer Stahl will ein­fach nicht so schmelzen, wie Wind und Sonne dies ges­tat­ten. Ihr alle werdet schon ein Plätzchen find­en auf dem Plan­eten und die Fachkräfte aus Deutsch­land wer­den sich­er gern hin­ter­herkom­men. Aber das Flüchtling­sprob­lem, das ist gelöst. Wenn die Migranten erst sehen, wohin die Decar­bon­isierung Deutsch­lands Indus­triege­sellschaft gebracht hat, biegt man mit seinem Traum vom eige­nen BMW spätestens in Libyen lieber nach rechts in Rich­tung Indi­en ab. Dort erfüllt sich der Traum vom neuen 5er Mod­ell vielle­icht noch. Mit einem Auto aus den Ban­ga­lore Motoren Werken.

Fazit

Die Rech­nun­gen hier kön­nen Sie auf­grund des vor­liegen­den Zahlen­ma­te­ri­als leicht selb­st nachvol­lziehen. Es braucht nicht viel mehr als Dreisatz. Mir ist völ­lig klar, dass ich mit meinen Annah­men meilen­weit daneben­liegen kön­nte. Ich bin sich­er, dass ich verse­hentlich einige Fehler über­nom­men habe, die das Ergeb­nis mehr oder weniger bee­in­flussen, aber mein Ansatz ist ja auch nicht streng wis­senschaftlich, son­dern empirisch. Allerd­ings habe ich bere­its ähn­liche Rech­nun­gen mit ähn­lichen Ergeb­nis­sen von ser­iösen Wis­senschaftlern gese­hen. Im besten Fall ist das alles hier Hum­bug und die Energiewende wird am Ende tat­säch­lich genau wie geplant funk­tion­ieren, weil Skep­tik­er wie ich irgen­det­was Entschei­den­des überse­hen haben. Vielle­icht ist es aber auch genau umgekehrt und der „Große Plan“ hat am Ende nicht mehr Sub­stanz und Wirk­lichkeits­bezug als ein Fünf-Jahres-Plan des Zen­tralkomi­tees der SED. Vielle­icht haben die Ini­tia­toren der Energiewende und der Decar­bon­isierung ihrer­seits etwas Wichtiges überse­hen und wir gehen ger­ade einen sehr gefährlichen Weg – dass wir ihn derzeit fast allein gehen, kön­nte ein Indiz dafür sein. Vielle­icht zeigt der epis­che Irrtum des Jür­gen Trit­tin, der meinte, die Energiewende werde jeden Bun­des­bürg­er monatlich „nicht mehr kosten, als eine Kugel Eis“ aber auch, dass es genau­so gut seine Seite sein kön­nte, die kom­plett daneben­liegt.

Und wie immer gilt: wer es bess­er weiß, darf meine Zweifel gern mith­il­fe stich­haltiger Kom­mentare zer­streuen.

Auch erschienen auch achgut.com

Teil 2 des Artikels find­en Sie hier


Kleines Glossar

Instal­lierte Leis­tung: Die max­i­male Leis­tung eines Kraftwerkes, eines Win­drades oder ein­er Solaran­lage, die es im Betrieb abgeben kann, ohne den Fak­tor Zeit. Man spricht auch oft von Nennleis­tung. Ein Sprint­er wie Ursain Bolt hat zum Beispiel eine bes­timmte max­i­male Leis­tung, die er jedoch nur über eine Strecke von 100 oder 200 Meter erbrin­gen kann, was uns zum Begriff des

Rege­lar­beitsver­mö­gens führt. Wieviel Sprints kann Bolt pro Jahr laufen? Wieviel Zeit muss er für Train­ing, Schlaf, Essen und andere Dinge auf­brin­gen? Ein Kraftwerk muss gewartet wer­den, ein AKW hat regelmäßige Revi­sio­nen und pro­duziert dann keinen Strom. Ein Wind­kraftwerk ste­ht still bei Flaute und starkem Sturm und muss auch immer wieder gewartet wer­den.

Bei einem Netz aus grund­last­fähi­gen Kraftwerken lässt sich die Rege­lar­beit so abstim­men, dass immer eine gewisse geforderte Grun­den­ergiev­er­sorgung sichergestellt ist, weil ihr Betrieb nicht von unbee­in­fluss­baren Fak­toren wie Wind oder Sonne anhängig ist. Dabei ist ein Gle­ichgewicht aus Energieerzeugern und Energie­ver­brauch­ern abso­lut entschei­dend. Ändert sich auf ein­er der bei­den Seit­en etwas, spricht man von

Regelbe­darf. Kraftwerk­ska­paz­ität muss zugeschal­tet oder abgeschal­tet wer­den. Das Laden eines Elek­troau­tos, wom­öglich noch mit Schnel­l­lade­funk­tion, stellt eine erhe­bliche Belas­tung auf der Ver­brauch­er­seite dar. Das Auto ist in diesem Moment der mit Abstand größte Ver­brauch­er im Haus. Schon heute war­nen die Net­z­be­treiber vor unkalkulier­baren Über­las­tun­gen, wenn die Anzahl der Elek­troau­tos stark zunähme. Ohne einen raschen regel­nden Ein­griff kann das Netz dann schon mal zusam­men­brechen – genau­so, wie im Fall eines Überange­bots auf der Erzeuger­seite. Das Prob­lem bei einem Zusam­men­bruch des Net­zes ist es, das Netz dann Stück für Stück wieder hochz­u­fahren. Dazu benötigt man zunächst Kraftwerke mit ein­er beson­deren Fähigkeit, dem

Schwarzs­tart. Das bedeutet, dass ein Kraftwerk ohne elek­trische Energiezu­fuhr von außen selb­st­ständig wieder mit der Stromerzeu­gung begin­nen kann, was in Deutsch­land fast nur Wasserkraftwerke kön­nen. Selb­st Win­dan­la­gen müssen im Zweifels­fall zunächst mit Energie von außen in die richtige Rich­tung gedreht wer­den.

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9 Kommentare

  1. 1. Nicht vergessen für 1 Liter Diesel oder Ben­zin wer­den 1 bis 2 KW ver­braucht.
    2. Sehr viele Elek­tro­mo­bil­sten haben schon heute Ihre Solarzellen am Dach.
    3. Wie weit reichen unsere Lithi­um Vor­räte: Bericht Horst Lün­ing: https://www.youtube.com/watch?v=ckPZzHXHUYE
    4. Die Deutschen haben sowieso schon einen Großen Teil ver­schlafen.
    Elek­tro­mo­bil­ität: Rev­o­lu­tion der Auto­mo­bilin­dus­trie von Lars Thom­sen.
    https://www.youtube.com/watch?v=JHUzfw24oCk.
    Und und und.…..

    • Das mit de, Energiefen­ster ist ja dur­chaus lös­bar — Strom kann man spe­ich­ern. Das Prob­lem ist nur, daß die bis­lang beste Möglichkeit (Pump­spe­icherkraftwerk nur auf dem Papi­er 85% Wirkungs­grad erre­icht — in der Prax­is sind es ja sog­ar bei sehr mod­er­nen eher 80 % (es gibt dur­chaus auch alte Kraftwerke Wirkungs­graden u, die 2/3 rum). Und da hil­ft es auch kaum, daß die Energie für die Kraft­stof­ferzeu­gung ent­fällt. Pump­spe­icherkraftwerke in großen Men­gen sind kaum durchzuset­zen und ins Flach­land kann man die nicht stellen, Was über­all, also auch im Flach­land, geht ist u.a, Methan als Spe­ich­er — dum­mer­weise bleibt da am Ende ger­ade mal ein knappes Drit­tel der Energie übrig. Läßt man also mal die Leitungsver­luste weg, ist zumin­d­est ein mod­ernes (und mit teuren hochef­fizien­ten Maschi­nen aus­ges­tat­tetes) Pump­spe­icherkraftwerk in der Lage soviel Energie zu spe­ich­ern, daß der Ver­lust ger­ade mal so dem der Kraft­stoffher­stel­lung entspricht. Da sind Leitungsver­luste (bei mas­siv­er Steigerung der Strom­spe­icherung wer­den die sys­tem­be­d­ingt mehr) noch nicht mal ein­gerech­net.
      Die aufgemachte Rech­nung ist also sog­ar noch beschönigt — tat­säch­lich ist ein Win­drad alle 1,45 km nicht aus­re­ichend.

    • Siegfried Hue­mer shcriebt: ‘Sehr viele Mobilis­ten haben schon heute Ihre Solarzellen auf dem Dach.’

      Das ist ja wun­der­bar. Dann kön­nen sie nach Rück­kehr vom Arbeit­splatz nachts ihr Auto mit Solarstrom laden. Das ist doch mal ein richtig durch­dacht­es ‘überzeu­gen­des’ Konzept.
      Nicht mal Honeck­er et al. wäre der­ar­tiger Schwachsinn einge­fall­en. Die hat­ten es auch nur mit 5‑Jahres-Plä­nen. Seit Merkel haben wir aber 30- und 60-Jahres-Pläne. Die haben den riesi­gen Vorteil, dass man ihr Scheit­ern nicht schon nach 5 Jahren sieht. Plan­wirtschaft 2.0.

      • Warum nicht tagsüber wird der Strom in Bat­ter­iespe­ich­ern geladen und nachts das Auto aufge­laden.

  2. Darf ich fra­gen, woher Sie denn die ganzen Rohstoffe für die Autoakkus nehmen? Trotz Energieef­fizienz wer­den die immer noch sehr viel Lithi­um benöti­gen, aber gibt es nun mehr Lithi­um als die 2–3kg pro Per­son der Welt? Braucht ein Autoakku nicht das 100-fache? Und die Pro­duk­tion von Akkus ist auch ohne Energie möglich bzw. mit­ten in einem Pro­duk­tion­ss­chritt unter­brech­bar (da kein Strom!)?

    Sich­er kön­nen hier “uni­verselle” Physikge­set­ze aus­ge­he­belt wer­den. 😉
    Son­nige Grüsse

    • Die Mate­ri­alien für die Akkus sparen wir uns, weil wir schon die Mate­ri­alien für die Wind­kraftan­la­gen nicht zusam­men bekom­men. 😉

  3. Ein Meis­ter­w­erk!
    Und wie Sie schon erwäh­n­ten, ist der eigentlich zu würdi­gende, kluge glob­alpoli­tis­che Ansatz dieser “Idee”, dass in Folge der Fol­gen zumin­d­est unser dann ver­armtes Land von ein­er Völk­er­wan­derung ver­schont wer­den wird. Raf­finiert!

  4. Guten Tag, grund­sät­zlich stimme ich Ihrer Bew­er­tung der “Decar­bon­isierung” als Wah­nidee völ­lig zu. Meines Eracht­ens überse­hen Sie jedoch einen Punkt, denn Sie unter­stellen in Ihrer Argu­men­ta­tion, daß es prak­tisch auf dem Verkehrssek­tor zwis­chen Pferd und Kraft­fahrzeug nichts gäbe. Wenn Sie jedoch einen Blick in die Geschichte wer­fen, wer­den Sie fest­stellen, daß die Entwick­lung Deutsch­lands zur ein­er mod­er­nen Indus­trien­ation gän­zlich ohne Kraft­fahrzeuge von­stat­ten ging, indem die Eisen­bahn den weit über­wiegen­den Teil aller Trans­portleis­tun­gen über­nom­men hat­te. Tat­säch­lich ist es möglich, wieder einen erhe­blichen Teil des Verkehrsaufkom­mens auf die Eisen­bahn zu ver­langern, die ins­beson­dere mit elek­trisch­er Energie wesentlich effizien­ter umge­ht als ein Heer von Elek­troau­tos das kön­nte. Sie müssen auch berück­sichti­gen, daß ein Teil der heuti­gen Auto-Mobil­ität eine erzwun­gene ist (in dem Dorf, in dem ich aufgewach­sen bin, war es noch in den siebziger Jahren auf­grund ein­er vorhan­de­nen Nahver­sorgung ohne weit­eres möglich, ohne Auto auszukom­men, während es heute fast nur noch nur mit dem Auto zu erre­ichende Einkauf­s­gele­gen­heit­en gibt), es wäre also möglich, durch eine andere Sied­lungs- und Ver­sorgungsstruk­tur mit weit weniger Verkehr auszukom­men, ohne daß man deswe­gen schlechter lebte. Verkehr ist let­ztlich ein Aufwand, der zur Bedürfnis­be­friedi­gung erforder­lich ist, und daher wäre es sin­nvoll, den Aufwand zu min­imieren. Das ändert selb­stver­ständlich nichts daran, daß die soge­nan­nten erneuer­baren Energien aus den von Ihnen völ­lkom­men zutre­fend dargelegten Grün­den ein Irrweg sind, der die Energiev­er­sorgung gefährdert.

    • Nahver­sorgung auf dem flachen Land ist ener­getisch kaum bess­er und die Schienen-Aus­baustufe, die man bräuchte, um den LKW-Verkehr und Indi­vid­u­alverkehr zu erset­zen, kostet mehr als nur Kraft und poli­tis­che Entschei­dun­gen. Fakt ist, dass meine Annah­men im Artikel noch der­art opti­mistisch sind, dass sie der Real­ität nicht mal ansatzweise stand­hal­ten kön­nen. Ich arbeite deshalb bere­its an ein­er Fort­set­zung des Artikels. Die Head­line kann ich schon mal ver­rat­en “Back to Black” — in Anlehnung an den “auf­muntern­den” Song von Amy Wine­house. 😉

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