uturn2030 soll sich der letz­te Zünd­schlüs­sel in einem neu zuge­las­se­nen Auto mit Ver­bren­nungs­mo­tor dre­hen, danach sei Schluss mit Die­sel und Ben­zin. Es wird natür­lich selbst dann noch eine gan­ze Wei­le dau­ern, bis es nur noch Ver­bren­ner-Autos mit his­to­ri­schen „H‑Kennzeichen“ auf unse­ren Stra­ßen geben wird und Ben­zin wie­der wie vor 1900 nur in der Apo­the­ke zu kau­fen ist, doch das Ziel des gan­zen Decar­bon­in­sie­rungs­wahns ist unter ande­rem eine 100%ige Elek­tro­mo­bi­li­tät. So steht es geschrie­ben in diver­sen chlor­frei gebleich­ten Stra­te­gie­pa­pie­ren der Par­tei­en und dann machen wir das auch so! Aber wie wür­de das in der Pra­xis aus­se­hen? Wie wür­de sich die Gesell­schaft ver­än­dern? Gäbe es Gewin­ner und Ver­lie­rer eines sol­chen Umbaus? Bege­ben wir uns also kurz ins Uto­pia von Kat­rin Göring-Eckardt, Anton Hof­rei­ter und Ange­la Mer­kel und legen den Schal­ter um von Öl auf Ökostrom.

Wir gehen in der Rech­nung zunächst davon aus, dass die Deut­schen es sich nicht neh­men las­sen wol­len, selbst über Tag und Stun­de bestim­men zu kön­nen, zu der sie ihre Fahr­zeu­ge bewe­gen und dass es sich dabei immer noch um größ­ten­teils pri­va­te Fahr­zeu­ge han­deln wird. Aber selbst wenn diver­se Car-Sharing-Diens­te beson­ders in den Groß­städ­ten zuneh­men wür­den, dürf­te die pro Per­son zu erbrin­gen­de Trans­port­leis­tung kaum klei­ner wer­den. Dadurch ver­rin­gert sich nur die Anzahl der PKW, nicht die Anzahl der gefah­re­nen Kilo­me­ter oder der Ener­gie­be­darf. Wir müs­sen also die Ener­gie, die im Jah­res­ver­brauch an Die­sel und Ben­zin steckt, in Form von elek­tri­schem Strom bereit­stel­len. Im Jahr 2014 sah der Ver­brauch von Kraft­stof­fen in Deutsch­land so aus (ener­ge­ti­sche Umrech­nung sie­he hier):

43,2 Mil­li­ar­den Liter Die­sel­kraft­stoff je 9,86 kWh = 425,9 Mil­li­ar­den kWh sowie
25 Mil­li­ar­den Liter Ben­zin je 8,77 kWh = 216,25 Mil­li­ar­den kWh

Zusam­men also 642 Mil­li­ar­den kWh. Aber kei­ne Ban­ge, die­se Ener­gie wird tech­nisch bedingt wegen des Ver­bren­nungs­mo­tors nur zu etwa 30% genutzt, wäh­rend ein Elek­tro­au­to auf stol­ze 85% Ener­gie­ef­fi­zi­enz kommt. Pro­ble­me mit Außen­tem­pe­ra­tur, füll­stand­ab­hän­gi­gem Ver­brauch und Selbst­ent­la­dung ver­nach­läs­si­ge ich hier mal. Wir kön­nen den Ener­gie­be­darf also durch 2,4 tei­len und müss­ten so nur noch 267,58 Mil­li­ar­den kWh pro Jahr bereit­stel­len, damit sich auf den Stra­ßen die Räder dre­hen. Ob das viel oder wenig ist, spielt zunächst mal kei­ne Rol­le. Auf jeden Fall ist es Ener­gie, die zusätz­lich zu den etwa 2015 erzeug­ten 646 Mil­li­ar­den Kilo­watt­stun­den (kWh) Strom erzeugt und bereit­ge­stellt wer­den muss. Das ent­spricht etwa einem Drit­tel des der­zeit jähr­lich in Deutsch­land erzeug­ten Stroms. Oben drauf. Das ist ein dickes Stück Ener­gie und das muss irgend­wo pro­du­ziert wer­den. Nur wie, das ist die Frage.

Ein durch­schnitt­li­ches Kern­kraft­werk hat eine Nenn­leis­tung von 1 Giga­watt und man kann pro Jahr mit etwa 8.000 Betriebs­stun­den rech­nen. Macht also 8 Mil­li­ar­den kWh pro Jahr. Wir bräuch­ten somit etwa 33 neue Kern­kraft­wer­ke, um die Ener­gie zu erzeu­gen, die wir im Jahr 2014 in Form von Ben­zin und Die­sel ver­braucht haben. Rech­nen wir nicht in Kern­kraft­wer­ken, von denen haben wir uns ja dank eines kur­zen Nach­den­kens von Frau Mer­kel ver­ab­schie­det. Wir schal­ten lie­ber 17 AKW ab als 33 neue zu bau­en! Rech­nen wir auch nicht in Koh­le­kraft­wer­ken, denn die erzeu­gen CO2, was uns bei der „Decar­bo­ni­sie­rung“ lei­der gar nicht hilft. Aber kann man in Wind­an­la­gen rech­nen? Oder in Qua­drat­me­tern Solar­vol­ta­ik? Im spa­ni­schen Welt­reich des 16. Jahr­hun­derts ging die Son­ne bekannt­lich nie­mals unter, die­ses Pri­vi­leg haben wir in Deutsch­land lei­der nicht. Auch der Wind ist ein sehr unzu­ver­läs­si­ger Gesel­le, selbst dann, wenn wir die Off­shore-Kraft­wer­ke in der Nord­see nehmen…im schlimms­ten Fall ist es mög­lich, dass kein ein­zi­ges der wind- und son­nen­ab­hän­gi­gen Kraft­wer­ke Strom lie­fert. Zumin­dest weht der Wind bei Tag und Nacht glei­cher­ma­ßen wahr­schein­lich, was man von der Ein­satz­be­reit­schaft einer Solar­an­la­ge kaum sagen kann. Des­halb rech­nen wir ab jetzt der Ein­fach­heit hal­ber nur mit der Wind­ener­gie weiter.

Ein On-Shore Wind­rad leis­tet heu­te etwa 3 Mega­watt und kommt auf 1500–5000 Voll­last-Betriebs­stun­den pro Jahr. Eigent­lich kann man mit kei­ner ein­zi­gen Kilo­watt­stun­de wirk­lich rech­nen (obwohl man auch mit allen Voll­last­be­trieb­stun­den fer­tig wer­den muss) und es gibt erheb­li­che Regel-Pro­ble­me nach oben und unten, wir rech­nen aber mal sehr opti­mis­tisch und neh­men an, dass jedes Wind­rad 3000 Stun­den läuft und so pro Jahr ins­ge­samt 9 GWh (0,009 TWh) erzeu­gen kann – wann immer das auch sein mag oder wie über das Jahr ver­teilt. Um die benö­tig­ten 267 TWh für unse­re Elek­tro­mo­bi­li­tät zu erzeu­gen, bräuch­te man also etwa 29.666 gro­ße Wind­an­la­gen – theo­re­tisch, Sie wis­sen schon. Denn lei­der sind Wind- und Solar­an­la­gen nicht grund­last­fä­hig, weil sie den Strom nicht dann erzeu­gen, wenn er gebraucht wird – und ande­rer­seits, wenn er erzeugt wird, er auch sofort ver­braucht wer­den muss. Autos laden geht also nur, wenn der Wind weht – das zu regeln muss das „intel­li­gen­te Netz“ der Zukunft leisten.

Willkommen in Nordkorea

Der­zeit schaf­fen die 26.800 instal­lier­ten Wind­an­la­gen einen Anteil von 13.3% an der deut­schen Strom­pro­duk­ti­on. Um den Anteil auf theo­re­ti­sche 100% zu stei­gern, wären wei­te­re 115.000 Anla­gen not­wen­dig, plus die 29.666 Anla­gen für unse­re Elek­tro­mo­bi­li­tät, macht etwa 171.500 Anla­gen oder je 2,1 km2 in Deutsch­land ein Wind­rad oder alle 1,45 km in jede Rich­tung ein Wind­rad, egal ob Hoch­ge­bir­ge, Münch­ner Innen­stadt, Natur­schutz­ge­biet oder Are­na auf Schal­ke – herz­li­chen Glück­wunsch, auch an euch, lie­be Zug­vö­gel! Außer­dem wür­de Deutsch­land bei Wind­stil­le vom Welt­all aus betrach­tet nachts so aus­se­hen wie Nordkorea.

Alles intelligent geregelt – das volatile Stromnetz der Zukunft

Wenn Sie sich dar­an gewöhnt haben, sich mor­gens zu einer bestimm­ten Zeit mit dem Auto auf Ihren Weg zur Arbeit zu machen, wer­den Sie sich umstel­len müs­sen. Denn nur, wenn über Nacht genug Kapa­zi­tät im Netz war, hat Ihr Auto auf­la­den kön­nen. Außer­dem hin­gen zur sel­ben Zeit so vie­le ande­re Autos am Tropf, dass das „Intel­li­gen­te Netz“, wel­ches es heu­te noch gar nicht gibt, aus­ge­rech­net Ihrem Auto das Laden ver­wei­ger­te. Pech gehabt, mehr Glück beim nächs­ten Mal. Viel­leicht reden Sie mal mit Ihrem Chef, ob er für ein saf­ti­ges Ent­gelt Ihre Lade­prio­ri­tät im Minis­te­ri­um für Ener­gie­zu­tei­lung und Man­gel­wirt­schaft erhö­hen las­sen könn­te. Denn Sie wis­sen ja: Grü­ne Minis­ter und VIP Strom­kun­den wer­den zuvor­kom­mend belie­fert. Für die VIP‘s ent­fal­len auch die Zwangs­pau­sen auf län­ge­ren Rei­sen oder im Büro, wenn das intel­li­gen­te Netz zwecks Abbau von Netz­über­ka­pa­zi­tä­ten alle Auto­fah­rer von der Stra­ße und aus den Büros holt. Freie Fahrt, auch bei Schwach- oder Stark­wind – dar­an erkennt man die mobi­le Ober­klas­se im Jahr 2050.

Da Sie nun nicht zur Arbeit fah­ren kön­nen, haben Sie die Gele­gen­heit, mal aus­gie­big zu früh­stü­cken. Lei­der konn­te der Bäcker kei­ne Bröt­chen backen, ihm fehl­te die Ener­gie. Aber die Pro­gno­se des intel­li­gen­ten Net­zes sagt, dass es so gegen 11 Uhr soweit sein könn­te, der Bäcker wird recht­zei­tig auto­ma­tisch geweckt, um sein Ener­gie­fens­ter opti­mal nut­zen zu kön­nen. Ihre Netz-Ener­gieu­hr sagt Ihnen sowie­so gera­de, dass jetzt noch nicht die Zeit zum Früh­stü­cken ist. Legen Sie sich also wie­der hin, decken Sie sich gut zu und den­ken nicht mal an die Hei­zung. Die gehorcht Ihren Wün­schen näm­lich nur dann, wenn es Strom dafür gibt. Ab 11 Uhr viel­leicht. Denn für „Hei­zung um Sie­ben“ reicht Ihr Gehalt aus­ge­rech­net heu­te nun wirk­lich nicht!

Da es nach abge­schlos­se­ner Ener­gie­wen­de kaum noch grund­last­fä­hi­ge Kraft­wer­ke gibt, die­nen die weni­gen Was­ser­kraft­wer­ke vor allem dazu, das intel­li­gen­te Netz zu erhal­ten und die Ener­gie für die Regel­pro­zes­se und IT zu lie­fern. Die Steue­rung sämt­li­cher Ener­gie­pro­zes­se (Ein­spei­sung und Ver­brauch) muss­te an das Netz über­ge­ben wer­den, wel­ches nun genau und auto­ma­ti­siert regelt, wann eine Wasch­ma­schi­ne läuft, ein E‑Auto gela­den (oder ent­la­den) wird und ob und wann ein Rock-Kon­zert statt­fin­den darf. Letz­te­res kann nur gesi­chert statt­fin­den, wenn alle Besu­cher die Rest­ka­pa­zi­tät ihrer E‑Autos an die Büh­nen­an­la­ge abge­ben – viel­leicht reicht es ja sogar noch für den Heim­weg, wenn die Band auf die Zuga­be ver­zich­tet. Jeder­zeit müs­sen die Ver­brau­cher sich an die extre­men Ener­gie­an­ge­bots- und Preis­schwan­kun­gen anpas­sen, die Taschen­lam­pen-App am Smart­pho­ne wird so sicher zur wich­tigs­ten Funk­ti­on im Jahr 2050.

Muss­te man frü­her nur einen Schal­ter umle­gen, um Strom zu ver­brau­chen, ist der Schal­ter in der Zukunft nur noch dazu da, den Wunsch nach Ver­brauch anzu­kün­di­gen. Den Rest regeln das Netz, Ihre Stel­lung im Sys­tem und der Zufall des Gleich­ge­wichts an Ener­gie­an­ge­bot und Ener­gie­nach­fra­ge. Das Netz sorgt auch schon mal dafür, dass mit­ten in der Nacht alle Lich­ter ange­hen, weil eine gigan­ti­sche Kapa­zi­täts­bla­se die Net­ze zu über­las­ten droht, da mal wie­der ein „Sturm mit Namen“ über Deutsch­land fegt. In dem Fall wer­den Sie aber zuver­läs­sig auto­ma­tisch geweckt, denn Licht­zeit ist Lese­zeit! Nut­zen Sie die Gele­gen­heit, schla­fen kön­nen Sie mor­gen früh, wenn der Wind sich wie­der gelegt hat!

Auf unse­re Nach­barn in Euro­pa kön­nen wir im Ener­gie­not­fall übri­gens nicht mehr hof­fen. Die haben sich mitt­ler­wei­le von unse­rem Netz abge­kop­pelt, weil die Unbe­re­chen­bar­keit unse­rer Impor­t/­Ex­port-Strom­men­gen die Sta­bi­li­tät in ihren eige­nen, nicht so stark gere­gel­ten Net­zen stän­dig gefähr­de­te. Ener­gie-Insel Deutsch­land. Ener­gie­spei­cher? Immer noch nicht in Sicht. Nicht für die­se Kapa­zi­tä­ten. Außer­dem ist ein­fach kein Platz für gro­ße Pump­spei­cher­kraft­wer­ke, weil über­all Wind­kraft­an­la­gen ste­hen oder der Juch­ten­kä­fer sie­delt. Eine ent­wi­ckel­te mensch­li­che Gesell­schaft, die wei­test­ge­hend unab­hän­gig von Tages­licht, Tem­pe­ra­tur, Jah­res­zeit, Wind und Flau­te funk­tio­niert, kon­su­miert, ver­braucht und „ein­fach so“ lebt, wird es dann nicht mehr geben. Jeden­falls nicht für alle.

Weniger ist das neue mehr, gemeinsam das neue individuell

Aber viel­leicht führt uns die­se Man­gel­en­er­gie-Uto­pie auch gleich einen Schritt wei­ter. Viel­leicht bau­en wir mehr als nur unse­re Ener­gie­wirt­schaft um, dann müs­sen wir nicht ganz so vie­le Wind­kraft­an­la­gen bau­en. Zunächst ein­mal stel­len wir sicher, dass es kei­ne Not­wen­dig­keit mehr für Indi­vi­du­al­ver­kehr gibt. Jeder wohnt maxi­mal 10 Kilo­me­ter von sei­nem Arbeits­platz ent­fernt. Pri­va­te Autos brau­chen wir dann nicht mehr, das Fahr­rad über­nimmt die Kurz­stre­cke. Die ener­gie­auf­wen­di­ge Ver­sor­gung eines jeden ein­zel­nen Haus­hal­tes mit Lebens­mit­teln und ande­ren Gütern muss weg­fal­len. Wir kochen und essen viel effi­zi­en­ter in Gemein­schafts­kü­chen, die zen­tral belie­fert wer­den kön­nen. Super­märk­te gibt es auch nicht mehr, so fällt noch ein Trans­port­schritt weg. 99% der Men­schen in Deutsch­land woh­nen dann in Metro­po­len mit min­des­tens 500.000 Ein­woh­nern, eine Rei­se „weit weg“ wird für die meis­ten genau­so undenk­bar sein wie vor 200 Jah­ren, denn aus ener­ge­ti­schen Grün­den bewe­gen wir uns nur sel­ten aus unse­rer Home-Zone her­aus. Vor 200 Jah­ren war es der Man­gel an Trans­port­mög­lich­kei­ten – es gab nur das Pferd – in Zukunft ist es der Man­gel an Ener­gie, der uns an einen Ort fesselt.

Tschüss Auto­in­dus­trie, es war schön mit dir all‘ die Jah­re. Das war’s dann Tou­ris­mus, die Welt gibt’s nur noch bei Goog­leE­arth. Auf Nim­mer­wie­der­se­hen, che­mi­sche Indus­trie und Phar­ma­zie! Euren Bedarf an unun­ter­bro­che­ner Ener­gie­zu­fuhr kön­nen wir nicht mehr befrie­di­gen. Metall­ur­gie und Maschi­nen­bau, macht‘s gut! Euer Stahl will ein­fach nicht so schmel­zen, wie Wind und Son­ne dies gestat­ten. Ihr alle wer­det schon ein Plätz­chen fin­den auf dem Pla­ne­ten und die Fach­kräf­te aus Deutsch­land wer­den sicher gern hin­ter­her­kom­men. Aber das Flücht­lings­pro­blem, das ist gelöst. Wenn die Migran­ten erst sehen, wohin die Decar­bo­ni­sie­rung Deutsch­lands Indus­trie­ge­sell­schaft gebracht hat, biegt man mit sei­nem Traum vom eige­nen BMW spä­tes­tens in Liby­en lie­ber nach rechts in Rich­tung Indi­en ab. Dort erfüllt sich der Traum vom neu­en 5er Modell viel­leicht noch. Mit einem Auto aus den Ban­ga­lo­re Moto­ren Werken.

Fazit

Die Rech­nun­gen hier kön­nen Sie auf­grund des vor­lie­gen­den Zah­len­ma­te­ri­als leicht selbst nach­voll­zie­hen. Es braucht nicht viel mehr als Drei­satz. Mir ist völ­lig klar, dass ich mit mei­nen Annah­men mei­len­weit dane­ben­lie­gen könn­te. Ich bin sicher, dass ich ver­se­hent­lich eini­ge Feh­ler über­nom­men habe, die das Ergeb­nis mehr oder weni­ger beein­flus­sen, aber mein Ansatz ist ja auch nicht streng wis­sen­schaft­lich, son­dern empi­risch. Aller­dings habe ich bereits ähn­li­che Rech­nun­gen mit ähn­li­chen Ergeb­nis­sen von seriö­sen Wis­sen­schaft­lern gese­hen. Im bes­ten Fall ist das alles hier Hum­bug und die Ener­gie­wen­de wird am Ende tat­säch­lich genau wie geplant funk­tio­nie­ren, weil Skep­ti­ker wie ich irgend­et­was Ent­schei­den­des über­se­hen haben. Viel­leicht ist es aber auch genau umge­kehrt und der „Gro­ße Plan“ hat am Ende nicht mehr Sub­stanz und Wirk­lich­keits­be­zug als ein Fünf-Jah­res-Plan des Zen­tral­ko­mi­tees der SED. Viel­leicht haben die Initia­to­ren der Ener­gie­wen­de und der Decar­bo­ni­sie­rung ihrer­seits etwas Wich­ti­ges über­se­hen und wir gehen gera­de einen sehr gefähr­li­chen Weg – dass wir ihn der­zeit fast allein gehen, könn­te ein Indiz dafür sein. Viel­leicht zeigt der epi­sche Irr­tum des Jür­gen Trit­tin, der mein­te, die Ener­gie­wen­de wer­de jeden Bun­des­bür­ger monat­lich „nicht mehr kos­ten, als eine Kugel Eis“ aber auch, dass es genau­so gut sei­ne Sei­te sein könn­te, die kom­plett dane­ben­liegt.

Und wie immer gilt: wer es bes­ser weiß, darf mei­ne Zwei­fel gern mit­hil­fe stich­hal­ti­ger Kom­men­ta­re zerstreuen.

Auch erschie­nen auch achgut.com

Teil 2 des Arti­kels fin­den Sie hier


Kleines Glossar

Instal­lier­te Leis­tung: Die maxi­ma­le Leis­tung eines Kraft­wer­kes, eines Wind­ra­des oder einer Solar­an­la­ge, die es im Betrieb abge­ben kann, ohne den Fak­tor Zeit. Man spricht auch oft von Nenn­leis­tung. Ein Sprin­ter wie Ursain Bolt hat zum Bei­spiel eine bestimm­te maxi­ma­le Leis­tung, die er jedoch nur über eine Stre­cke von 100 oder 200 Meter erbrin­gen kann, was uns zum Begriff des

Regel­ar­beits­ver­mö­gens führt. Wie­viel Sprints kann Bolt pro Jahr lau­fen? Wie­viel Zeit muss er für Trai­ning, Schlaf, Essen und ande­re Din­ge auf­brin­gen? Ein Kraft­werk muss gewar­tet wer­den, ein AKW hat regel­mä­ßi­ge Revi­sio­nen und pro­du­ziert dann kei­nen Strom. Ein Wind­kraft­werk steht still bei Flau­te und star­kem Sturm und muss auch immer wie­der gewar­tet werden.

Bei einem Netz aus grund­last­fä­hi­gen Kraft­wer­ken lässt sich die Regel­ar­beit so abstim­men, dass immer eine gewis­se gefor­der­te Grund­en­er­gie­ver­sor­gung sicher­ge­stellt ist, weil ihr Betrieb nicht von unbe­ein­fluss­ba­ren Fak­to­ren wie Wind oder Son­ne anhän­gig ist. Dabei ist ein Gleich­ge­wicht aus Ener­gie­er­zeu­gern und Ener­gie­ver­brau­chern abso­lut ent­schei­dend. Ändert sich auf einer der bei­den Sei­ten etwas, spricht man von

Regel­be­darf. Kraft­werks­ka­pa­zi­tät muss zuge­schal­tet oder abge­schal­tet wer­den. Das Laden eines Elek­tro­au­tos, womög­lich noch mit Schnell­la­de­funk­ti­on, stellt eine erheb­li­che Belas­tung auf der Ver­brau­cher­sei­te dar. Das Auto ist in die­sem Moment der mit Abstand größ­te Ver­brau­cher im Haus. Schon heu­te war­nen die Netz­be­trei­ber vor unkal­ku­lier­ba­ren Über­las­tun­gen, wenn die Anzahl der Elek­tro­au­tos stark zunäh­me. Ohne einen raschen regeln­den Ein­griff kann das Netz dann schon mal zusam­men­bre­chen – genau­so, wie im Fall eines Über­an­ge­bots auf der Erzeu­ger­sei­te. Das Pro­blem bei einem Zusam­men­bruch des Net­zes ist es, das Netz dann Stück für Stück wie­der hoch­zu­fah­ren. Dazu benö­tigt man zunächst Kraft­wer­ke mit einer beson­de­ren Fähig­keit, dem

Schwarz­start. Das bedeu­tet, dass ein Kraft­werk ohne elek­tri­sche Ener­gie­zu­fuhr von außen selbst­stän­dig wie­der mit der Strom­erzeu­gung begin­nen kann, was in Deutsch­land fast nur Was­ser­kraft­wer­ke kön­nen. Selbst Wind­an­la­gen müs­sen im Zwei­fels­fall zunächst mit Ener­gie von außen in die rich­ti­ge Rich­tung gedreht werden.

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9 Kommentare

  1. 1. Nicht ver­ges­sen für 1 Liter Die­sel oder Ben­zin wer­den 1 bis 2 KW verbraucht.
    2. Sehr vie­le Elek­tro­mo­bils­ten haben schon heu­te Ihre Solar­zel­len am Dach.
    3. Wie weit rei­chen unse­re Lithi­um Vor­rä­te: Bericht Horst Lüning: https://www.youtube.com/watch?v=ckPZzHXHUYE
    4. Die Deut­schen haben sowie­so schon einen Gro­ßen Teil verschlafen.
    Elek­tro­mo­bi­li­tät: Revo­lu­ti­on der Auto­mo­bil­in­dus­trie von Lars Thomsen.
    https://www.youtube.com/watch?v=JHUzfw24oCk.
    Und und und.…..

    • Das mit de, Ener­gie­fens­ter ist ja durch­aus lös­bar – Strom kann man spei­chern. Das Pro­blem ist nur, daß die bis­lang bes­te Mög­lich­keit (Pump­spei­cher­kraft­werk nur auf dem Papier 85% Wir­kungs­grad erreicht – in der Pra­xis sind es ja sogar bei sehr moder­nen eher 80 % (es gibt durch­aus auch alte Kraft­wer­ke Wir­kungs­gra­den u, die 2/3 rum). Und da hilft es auch kaum, daß die Ener­gie für die Kraft­stoff­er­zeu­gung ent­fällt. Pump­spei­cher­kraft­wer­ke in gro­ßen Men­gen sind kaum durch­zu­set­zen und ins Flach­land kann man die nicht stel­len, Was über­all, also auch im Flach­land, geht ist u.a, Methan als Spei­cher – dum­mer­wei­se bleibt da am Ende gera­de mal ein knap­pes Drit­tel der Ener­gie übrig. Läßt man also mal die Lei­tungs­ver­lus­te weg, ist zumin­dest ein moder­nes (und mit teu­ren hoch­ef­fi­zi­en­ten Maschi­nen aus­ge­stat­te­tes) Pump­spei­cher­kraft­werk in der Lage soviel Ener­gie zu spei­chern, daß der Ver­lust gera­de mal so dem der Kraft­stoff­her­stel­lung ent­spricht. Da sind Lei­tungs­ver­lus­te (bei mas­si­ver Stei­ge­rung der Strom­spei­che­rung wer­den die sys­tem­be­dingt mehr) noch nicht mal eingerechnet.
      Die auf­ge­mach­te Rech­nung ist also sogar noch beschö­nigt – tat­säch­lich ist ein Wind­rad alle 1,45 km nicht ausreichend.

    • Sieg­fried Hue­mer shcriebt: ‚Sehr vie­le Mobi­lis­ten haben schon heu­te Ihre Solar­zel­len auf dem Dach.‘

      Das ist ja wun­der­bar. Dann kön­nen sie nach Rück­kehr vom Arbeits­platz nachts ihr Auto mit Solar­strom laden. Das ist doch mal ein rich­tig durch­dach­tes ‚über­zeu­gen­des‘ Konzept.
      Nicht mal Hon­ecker et al. wäre der­ar­ti­ger Schwach­sinn ein­ge­fal­len. Die hat­ten es auch nur mit 5‑Jah­res-Plä­nen. Seit Mer­kel haben wir aber 30- und 60-Jah­res-Plä­ne. Die haben den rie­si­gen Vor­teil, dass man ihr Schei­tern nicht schon nach 5 Jah­ren sieht. Plan­wirt­schaft 2.0.

      • War­um nicht tags­über wird der Strom in Bat­te­rie­spei­chern gela­den und nachts das Auto aufgeladen.

  2. Darf ich fra­gen, woher Sie denn die gan­zen Roh­stof­fe für die Auto­ak­kus neh­men? Trotz Ener­gie­ef­fi­zi­enz wer­den die immer noch sehr viel Lithi­um benö­ti­gen, aber gibt es nun mehr Lithi­um als die 2–3kg pro Per­son der Welt? Braucht ein Auto­ak­ku nicht das 100-fache? Und die Pro­duk­ti­on von Akkus ist auch ohne Ener­gie mög­lich bzw. mit­ten in einem Pro­duk­ti­ons­schritt unter­brech­bar (da kein Strom!)?

    Sicher kön­nen hier „uni­ver­sel­le“ Phy­sik­ge­set­ze aus­ge­he­belt werden. 😉
    Son­ni­ge Grüsse

    • Die Mate­ria­li­en für die Akkus spa­ren wir uns, weil wir schon die Mate­ria­li­en für die Wind­kraft­an­la­gen nicht zusam­men bekommen. 😉

  3. Ein Meis­ter­werk!
    Und wie Sie schon erwähn­ten, ist der eigent­lich zu wür­di­gen­de, klu­ge glo­bal­po­li­ti­sche Ansatz die­ser „Idee“, dass in Fol­ge der Fol­gen zumin­dest unser dann ver­arm­tes Land von einer Völ­ker­wan­de­rung ver­schont wer­den wird. Raffiniert!

  4. Guten Tag, grund­sätz­lich stim­me ich Ihrer Bewer­tung der „Decar­bo­ni­sie­rung“ als Wahn­idee völ­lig zu. Mei­nes Erach­tens über­se­hen Sie jedoch einen Punkt, denn Sie unter­stel­len in Ihrer Argu­men­ta­ti­on, daß es prak­tisch auf dem Ver­kehrs­sek­tor zwi­schen Pferd und Kraft­fahr­zeug nichts gäbe. Wenn Sie jedoch einen Blick in die Geschich­te wer­fen, wer­den Sie fest­stel­len, daß die Ent­wick­lung Deutsch­lands zur einer moder­nen Indus­trie­na­ti­on gänz­lich ohne Kraft­fahr­zeu­ge von­stat­ten ging, indem die Eisen­bahn den weit über­wie­gen­den Teil aller Trans­port­leis­tun­gen über­nom­men hat­te. Tat­säch­lich ist es mög­lich, wie­der einen erheb­li­chen Teil des Ver­kehrs­auf­kom­mens auf die Eisen­bahn zu ver­lan­gern, die ins­be­son­de­re mit elek­tri­scher Ener­gie wesent­lich effi­zi­en­ter umgeht als ein Heer von Elek­tro­au­tos das könn­te. Sie müs­sen auch berück­sich­ti­gen, daß ein Teil der heu­ti­gen Auto-Mobi­li­tät eine erzwun­ge­ne ist (in dem Dorf, in dem ich auf­ge­wach­sen bin, war es noch in den sieb­zi­ger Jah­ren auf­grund einer vor­han­de­nen Nah­ver­sor­gung ohne wei­te­res mög­lich, ohne Auto aus­zu­kom­men, wäh­rend es heu­te fast nur noch nur mit dem Auto zu errei­chen­de Ein­kaufs­ge­le­gen­hei­ten gibt), es wäre also mög­lich, durch eine ande­re Sied­lungs- und Ver­sor­gungs­struk­tur mit weit weni­ger Ver­kehr aus­zu­kom­men, ohne daß man des­we­gen schlech­ter leb­te. Ver­kehr ist letzt­lich ein Auf­wand, der zur Bedürf­nis­be­frie­di­gung erfor­der­lich ist, und daher wäre es sinn­voll, den Auf­wand zu mini­mie­ren. Das ändert selbst­ver­ständ­lich nichts dar­an, daß die soge­nann­ten erneu­er­ba­ren Ener­gien aus den von Ihnen völl­kom­men zutre­fend dar­ge­leg­ten Grün­den ein Irr­weg sind, der die Ener­gie­ver­sor­gung gefährdert.

    • Nah­ver­sor­gung auf dem fla­chen Land ist ener­ge­tisch kaum bes­ser und die Schie­nen-Aus­bau­stu­fe, die man bräuch­te, um den LKW-Ver­kehr und Indi­vi­du­al­ver­kehr zu erset­zen, kos­tet mehr als nur Kraft und poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Fakt ist, dass mei­ne Annah­men im Arti­kel noch der­art opti­mis­tisch sind, dass sie der Rea­li­tät nicht mal ansatz­wei­se stand­hal­ten kön­nen. Ich arbei­te des­halb bereits an einer Fort­set­zung des Arti­kels. Die Head­line kann ich schon mal ver­ra­ten „Back to Black“ – in Anleh­nung an den „auf­mun­tern­den“ Song von Amy Winehouse. 😉

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