Man kann buchstäblich jeden Unsinn in die Köpfe der Menschen pflanzen. Alles, was es dazu braucht, sind Geld, Zeit und Isolation. Sekten und Ideologien funktionieren so, wobei Sekten in erster Linie das Geld ihrer Anhänger benutzen, während Ideologien gern der Allgemeinheit unter Vorspiegelung höherer Ziele auf der Tasche liegen. Wie die Mistel den Baum braucht eine Ideologie die Gesellschaft und einen überwölbenden Staat zur Nahrung und sie schlägt wild um sich, wenn die parasitäre Verbindung gekappt wird, bevor der letzte Saft aus dem Wirt gesaugt ist. Was wir gerade tagtäglich an Bildern aus Minneapolis sehen, nimmt vorweg was in Deutschland passieren würde, sollte eine zukünftige Regierung in ähnlicher Weise ernst machen mit der Austrocknung der Milchwege und der Durchsetzung dessen, was an der Wahlurne von einer deutlichen Mehrheit des Elektorats gefordert wird. Die Angst vor hässlichen Bildern lies Angela Merkel im Jahr 2015 kapitulieren. Das Ergebnis dieser Feigheit wird sein, dass wir irgendwann noch viel hässlichere Bilder wie die aus Minneapolis haben werden.

Ich spreche vom tragischen Tod der Renee Nicole Good, die am 7. Januar 2026 in ihrem Auto von einem Beamten der amerikanischen Migrations- und Zollbehörde ICE erschossen wurde. Bis zu dieser Feststellung herrscht weitgehendes Einvernehmen, für jede qualitative Bewertung der Situation und den vorangegangenen und darauffolgenden Aktionen sitzen wir zwar alle im selben Kino und haben denselben Film gesehen, haben aber völlig konträre Interpretationen im Kopf. Lenkbewegung, Beschleunigung, Körperkontakt, Zornesrufe, Schüsse, Worte und Schreie – jeder interpretiert Motive und Absichten hinein, entweder zur Rechtfertigung des Ausgangs oder zur Rechtfertigung der eigenen gerechten Empörung über das, was man glaubt, gesehen zu haben.

Licht, Ton… Träne und Kamera läuft

Es ist völlig unmöglich, sich auf einen objektiven Tathergang zu verständigen – selbst wenn es den aus Sicht und Darstellung des Justizministeriums gibt – und deshalb werde ich das hier gar nicht erst darlegen. Es genügt, sich bei den vielen wütend geschüttelten Fäusten und vergossenen Tränen stets vor Augen zu führen, dass vor dem gerechten Zorn das perfekte Einrichten von Ton, Licht und Kamera steht. Die Empörung über den Tod von Renee Good ist so spontan wie die aktivistische Jagd auf ICE-Beamte. Wen stört es da schon, wenn nicht mal der Name der Person richtig geschrieben ist, gegen deren Tod man protestiert, indem man (genauer: Frau) sich vor laufender Kamera eine Glatze schneidet? Alles ist ein Spiel, ein LARP, ein live action role play. Die Blockaden wie die Trauerbekundungen. Haare wachsen wieder, doch mit seinem Leben sollte man achtsamer umgehen als im Spiel. Man hat nur eines und ist nicht kugelsicher.

Die einzigen, die den Tod von Renee Nicole Good jetzt feiern, sind jene, die schon den Tod von George Floyd im Jahr 2020 als willkommenes Fanal für den Start einer links-rassistischen Revolution nutzen wollten und dass man 2020 letztlich von diesem Ziel Abstand nahm, ist Ergebnis der ideologischen Geiselhaft, in der sich die Regierung Biden nach der Machtübernahme befand. Man hatte sich die Ruhe erkauft und der Ideologie mit viel Geld und Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft Tür und Tor geöffnet. Warum „friedlich“ Geschäfte abfackeln, wenn man mit verpflichtenden DEI-Kursen Millionen machen und die Personalabteilungen in Firmen und Behörden mit „Diversität“ auf Links drehen kann? Auf so viel Stockholm-Syndrom kann man in der Regierung Trump 2.0 nicht rechnen. Stattdessen läuft die Trockenlegung der Ideologie in schnellen, harten Schlägen: D.O.G.E., die Zerschlagung von USAID, DEI ersatzlos gestrichen, Einfrieren von Bundesmitteln bei Verdacht auf Betrug.

Man mag von der Regierung Trump halten, was man will, aber die Bekämpfung der illegalen Migration ist buchstäblich das Thema, für welches die Mehrheit der Wähler Trump ein Mandat erteilt hat. Die Umsetzung – so verlangen es Verfassung und ein ganzer Kanon aus Bundesgesetzen, die über viele Jahre vom Kongress verabschiedet wurden – obliegt dem Justizministerium, dem Heimatschutzministerium und der Bundesbehörde ICE, die man am ehesten mit einer Kombination aus deutschem Zoll und Bundesgrenzschutz vergleichen könnte. An der Zuständigkeit von ICE für illegale Einwanderer gibt es keinen Zweifel, wie 2024 auch der Bundesstaat Texas feststellen musste, als man dort ob der Untätigkeit von ICE unter der Regierung Biden selbst zu Grenzsperrungen und Stacheldraht griff. Geht nicht, sagt der Supreme Court. Migration ist Bundesangelegenheit und wenn der Präsident entscheidet, nichts zu tun, dann sei das eben so. Jetzt tut ICE etwas und das passt vielen nicht, weil ihnen der Präsident nicht passt, der es anordnet.

Dass sich heute die Empörung an der Anwesenheit der ICE-Agenten gerade in den großen, von Demokraten regierten Städten entzünden kann, liegt schlicht daran, dass sich die Regierungen etwa in Minnesota, Illinois oder Oregon dazu entschlossen haben, in Migrationsangelegenheiten nicht mit den Bundesbehörden zusammenzuarbeiten. Während ICE also beispielsweise in Miami der örtlichen Polizei die Verhaftung eines illegal eingereisten Gang-Mitglieds überlassen kann, muss man in Chicago oder Minneapolis schon selbst an die Tür klopfen. Aktuell begleitet von einer Kakophonie aktivistischer Schreie und megafonverstärkten Schlachtrufen, unter perfekt orchestrierten Protesten und Behinderungen und verschärft durch die Tatsache, dass die Polizei das alles durchgehen lässt und nicht ermittelt, wenn Gewalt sich gegen die Bundesbehörde richtet. „Sanctuary City“ ist nur ein anderes Wort für „Bundesrecht gilt hier nicht, wir erkennen eure Autorität nicht an“.

Günter aus Gührmany

Ein Beispiel: sagen wir, bei einem Verkehrsunfall – jemand ist gegen einen Baum gefahren – ist Alkohol im Spiel. Die gerufene Polizei nimmt den Fahrer – nennen wir ihn Günter, um hier keine Klischees zu bedienen – fest. Günter muss sich für Fahren unter Alkohol verantworten und ein Richter schickt ihn einige Monate ins Gefängnis. Günter taucht aber auch auf den Fahndungslisten von ICE auf, weil er illegal im Land ist. Eingereist mit einem Touristenvisum, das vor zehn Jahren abgelaufen ist. Nach Ende der Haft würde die Polizei Günter eigentlich an ICE übergeben, die ihn in den nächsten Flieger nach Guatemala Gührmany setzen, Günters Heimatland. Da die Polizei aber nicht mit ICE zusammenarbeiten darf, so hat es der Gouverneur von Minnesota verfügt, entlässt man Günter einfach, obwohl sein Status anderes verlangt. So verfährt man nicht nur mit Trunkenbolden, sondern auch mit „Güntern“, die wegen Mord, Menschenhandel und anderen Nettigkeiten gesucht werden und wenn ICE statt vor dem Gefängnistor in Günters Nachbarschaft auftaucht, wird sie von Steinen und Hupkonzerten begrüßt. Was gut für Günter ist, ist schlecht für den Rechtsstaat.

Wie die Papageien plappern die Aktivisten nach, was ihnen die Einflüsterer in Politik und Medien als gegebene Fakten seit Monaten in die Ohren träufeln: ICE handelt illegitim, ICE ist keine „richtige“ Polizei, ICE begeht Gräueltaten am laufenden Band, ICE ist Trumps rassistische Privatarmee und im Grunde sowieso Nazis. Man bestärkt die Papageien darin, dass ICE dem Druck der Straße weichen werde, sich von gebrüllten Parolen und Beleidigungen einschüchtern lasse, baldigst unter dem Druck der „Guten Sache“ weinend zusammenbreche und sich von der lokalen Polizei in Ketten legen lasse. Bis dahin kann man mit ihnen spielen, Steine und Flaschen nach ihnen werfen, nach ihren Waffen greifen und ihre Einsätze mit Straßenblockaden behindern.

Denn man weiß ganz sicher – die Papageientrainer sprechen pausenlos darüber – dass ICE keine US-Bürger anhalten oder kontrollieren dürfe, also kann man gefahrlos mit ihnen spielen und seinen Mut an ihnen erproben. Es sind schließlich keine echten Polizisten, was soll schon passieren! Ich übertreibe? Keineswegs. Als Rebecca, die filmende Freundin von Renee Nicole Good nach den tödlichen Schüssen völlig aufgelöst und schreiend zu dem Honda von Good am Straßenrand rannte, schrie sie völlig entsetzt die folgenden Worte: „Warum habt ihr scharfe Munition?“ Im Spiel der Gerechten gegen die Bösen ist sowas nicht vorgesehen!

Stadtguerilla mit Kinderbetreuung

Als aktives Mitglied von „ICE Watch“ – einem Teil dessen, was man in Deutschland gern euphemistisch Zivilgesellschaft nennen würde – hatte Good in Kursen gelernt, wie man Verhaftungen durch Bundesbehörden verhindert, wie man „Gefangene“ aus den Autos von ICE und FBI befreit, wie man zuschlagen muss, um den Griff eines Beamten zu lösen, wie man Straßen blockiert und Lärm schlägt, falls man ICE-Agenten sieht und wie man deren Familien belästigt, wenn man Namen und Adressen herausbekommt. Übrigens der einzige Grund, warum die ICE-Beamten heute im Einsatz maskiert auftreten. Tim Walz, der Gouverneur von Minnesota und Jacob Frey, der Bürgermeister von Minneapolis bestärkten die Bürger noch darin, Widerstand gegen Bundesrecht und dessen Durchsetzung zu leisten: Man solle den Notruf 911 wählen, sobald man ICE-Agenten sehe und alles Filmen. Es werde bald eine Datenbank geben, in der die Monstrositäten von ICE gesammelt würden. Man muss sich klar machen, was das bedeutet: Walz und Frey möchten die Polizei gegen die Bundespolizei einsetzen…nun ermittelt das Justizministerium gegen beide.

Die Behinderung von Bundesagenten war Goods Hauptbeschäftigung, einen anderen Job hatte sie nicht und um diesem Job nachgehen zu können, waren ihre drei Kinder in einem Daycare-Center von Minneapolis untergebracht. Zumindest ist nun erwiesen, dass es in dieser Stadt echte „Learing-Center“ gibt, in denen tatsächlich Kinder betreut werden, damit ihre Eltern Bundesbeamte der Exekutive an der Arbeit hindern können. Eine aufgepeitschte, größenwahninnige und in Selbstgerechtigkeit und Selbstermächtigung schwimmende Stadtguerilla, größtenteils weiß, größtenteils weiblich und überzeugt, der „Gesellschaft“ für die ihnen eingeredeten „weißen Privilegien“ etwas schuldig zu sein.

„Warum habt ihr scharfe Munition?“ – das ist der Protestschrei eines Spielers, der beim Roulette alles auf die Null gesetzt hat, nun räumt der Croupier Tod den Einsatz ab. Die Politiker, die in ihren empörungsvollen Reden die Unrechtmäßigkeit des Handelns von „Trumps Gestapo“ als selbstverständlich darstellten und sofortiges politische Handeln ankündigten, waren nicht auf den Straßen, stellten sich nicht den Autos der Beamten in den Weg, warfen keine Steine. Sie prophezeiten stattdessen, dass bald jemand kommen werde, der in gerechtem Zorn Steine wirft und Straßen blockiert. Sie treffe keine Schuld, an ihren Fingern klebe kein Blut, man hat keine Befehle gegeben! Bürgermeister Jacob Frey in einer Pressekonferenz: „Wann habe ich je zu etwas anderem als zum Frieden aufgerufen!“ Die Antwort wird Gegenstand von Ermittlungen gegen ihn sein.

Man stiftete doch nicht zur Gewalt an, man warnte doch davor! Sobald ICE aus Stadt und Staat verschwunden sei und man wieder seinen kleinen Korruptionsgeschäften nachgehe kann, werde gewiss Ruhe einkehren. Die Renee Goods in diesem Spiel vertrauen ihren Anführern und den Regeln, die man ihnen eingebläut hat: ICE kann euch gar nichts, ihr seid ja keine illegalen Migranten, ihr seid weiß und deshalb privilegiert. Dass ihnen Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey gleichzeitig Gruselgeschichten erzählten, ICE fange willkürlich Leute – angeblich auch Amerikaner – von der Straße weg und lasse sie in ihren unmarkierten Vans verschwinden, hätte zumindest einige logische Fragen aufwerfen müssen, denn beides kann nicht gleichzeitig stimmen. Stattdessen die naive Frage: „Warum habt ihr scharfe Munition?“

Die Antwort ist so schmerzhaft wie simpel: ‚Weil wir so legitim und echt sind, wie es nur sein kann. Weil wir ein Arm der Exekutive sind und einen legitimen, von der Legislative erteilten Auftrag haben. Weil wir Instrument der Rechtsdurchsetzung sind, und Mörder, Vergewaltiger und Drogendealer fangen, die in acht von zehn Fällen gewaltbereit und bewaffnet sind. Weil wir seit unserem Bestehen auf richterliche Anordnung Festnahmen und Abschiebungen durchführen. Wir sind bewaffnet, weil wir es oft mit Gang-Mitgliedern zu tun haben und weil wir im Gegensatz zur lokalen Polizei, denen ihr die Zusammenarbeit mit uns verbietet, keine Einsatzprofile zur „Crowd Control“ haben und deshalb nicht mit Farbpatronen schießen. Ihr wollt uns auf Geheiß eurer Einflüsterer loswerden, wollt die Grenzen unbewacht und gesuchte Mörder auf freiem Fuß haben und illegale Einwanderer als billige, rechtlose Arbeitskräfte in euren Küchen und auf euren Feldern sehen? Bitte, dann geht zu den Abgeordneten, die ihr nach Washington D.C. schickt, und sagt ihnen, sie sollen die Gesetze ändern, die uns legitimieren und euch nicht gefallen. Bis es so weit ist, steht uns gefälligst nicht im Weg. Und ja, wir haben scharfe Munition! Zwingt uns bitte nicht, sie einzusetzen!‘

Rückblende

Zieht man die aktivistisch-moralische Vorhänge weg, sind die gewaltsamen Proteste gegen ICE nichts anderes als die Weigerung, Trumps Wahlsieg und damit die Legitimation seiner Agenda zu akzeptieren. Oder kürzer: die Papageien und ihre Trainer haben ein Problem mit der Demokratie. Und da man es nicht schafft, die Wahl als solches zu delegitimieren – dafür war das Votum zu deutlich –, versucht man es mit den politischen Konsequenzen, die aus ihr folgen. Die Einwanderungsbehörden handeln jedoch immer noch nach denselben Gesetzen und Verfahren, die auch unter Joe Biden galten. Lediglich der Wille, sie durchzusetzen, ist ein anderer. Und natürlich die Reflektion in den Medien.

Im Jahr 2016 – die Präsidentschaft von Barak Obama (der wegen Abschiebungen auf Rekordniveau spöttisch „deporter in chief“ genannt wurde) neigte sich ihrem Ende zu – begleitete ausgerechnet CNN, wo man heute vor Empörung über die Tätigkeit von ICE Schnappatmung hat, genau solche ICE-Beamten bei ihrer Tätigkeit in Chicago. Der Tonfall der Berichterstattung steht in bemerkenswertem Kontrast zur aktivistischen Aufgeregtheit des Senders heute. Sachlich und geradezu zustimmend wird über die Verhaftung illegaler Einwanderer berichtet, die Einsätze laufen nicht anders ab als heute, nur die aktivistisch-bedrohliche Kulisse fehlt. Eine Verwechslung bei einer Verhaftung wird gar unter „kann ja mal passieren, wurde ja auch korrigiert“ verbucht. Was hat sich seit der CNN-Doku „A Day With ICE in Chicago“ verändert? Nur eines: Nicht Obama, sondern Trump bestimmt die großen Linien und das kann einfach nicht hingenommen werden – und sei es um den Preis eines Bürgerkrieges.

Der Intersektionalismus verstößt seine Kinder

Das für die Ermittlungen zuständige FBI teilte mit, dass es gegen den ICE-Agenten Jonathan Ross, von dem der tödliche Schuss auf Renee Good kam, keine Anklage erhoben werde. Einsatzprofil und Situation rechtfertigen nach Auffassung der Ermittler das tragische Ergebnis. Und es gibt weitere schlechte Nachrichten für all jene, die aus Renee Good nun gern eine Märtyrerin nach dem Vorbild von George Floyd machen wollen. Denn die Solidarität findet ihre Grenzen im wieder erstarkten Rassismus und eine Opfergruppe steht in der perversen Hackordnung des woken Intersektionalismus ganz weit unten: Weiße. Selbst wenn sie Aktivisten sind wie Renee Good. Unter dem etablierten Slogan „Say Her Name“ wollte man den Protest gegen den Tod Renee Goods in die Medien und auf die Straßen tragen, doch da macht die Black-Live-Matter-Fraktion nicht mit. „Say her name is only for black people“.

Vorheriger ArtikelZurück zur Realität

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein