Wenn Yelp der erklärte Feind schlechter Küche und Gastlichkeit ist, dann hat YouTube diese Rolle für Filme und TV-Serien, die seit mehr als einer Dekade aus Hollywood auf die Welt losgelassen werden. Und die Produzenten von TV-Trash fühlen sich nicht weniger missverstanden als Köche, die die Vermählung von Zucker, Zimt und Zungenragout für etwas halten, worauf die Welt nur gewartet habe, was diese aber unerklärlicherweise nicht zu würdigen weiß. Review-Bombing nennt sich das Phänomen, mit dem es Hollywood zu tun bekommt. Denn statt Filmkritik gefälligst bezahlten „Experten“ zu überlassen, greifen verzweifelte und beleidigte Konsumenten selbst zu Mikrofon und Kamera, um ihrem Frust über den Umgang der Traumfabrik mit „ihrem“ Stoff, aus „ihrem“ Universum Luft zu machen. Comic-Verfilmungen sind anfällig für solche Empörung, ebenso Adaptionen innerhalb fiktionaler, aber in sich geschlossener Welten wie StarWars und StarTrek.
Divers: check!
Der neueste Spross des StarTrek-Universums heißt „Starfleet Academy“ und versucht den Spagat zwischen Teenie-Herz-Schmerz-High-School-Musical und Action-Weltraum-Epos. Gemacht ist das Ganze unter Aufsicht von Diversity-Managern der Preisverleiher aus der Filmbranche, die auf ihren Klemmbrettern Häckchen setzen wollen: „Body Positiving“ – Check! LGBTQ – Check! „Aliens of Color“ – Check! Auch wenn der Schiffscomputer mit der Stimme von Steven Colbert behauptet, da wäre die Elite einer neuen Generation zusammengekommen, um auf dem Raumschiff „Athena“ ihre Reise von Bajor zur Erde anzutreten, ist offensichtlich das Gegenteil der Fall: die meisten haben Mühe, auf eigenen Beinen zu stehen, stehen emotional stets an der Abbruchkante oder haben sonst irgendeinen Knacks. Dem Zuschauer wird schnell klar, von dieser Crew braucht im Ernstfall niemand Einfallsreichtum oder Heldenmut erwarten, weil jeder Zweite emotionalen Support, Stuhlkreise und eine Umarmung nötig hat. Nun kann man einwenden, dass dies ja noch Kadetten sind, aber die eigentliche Crew des Raumschiffs Athena ist ja auch nicht besser!
Während die Diversity-Abteilung bei Paramount den Cast zusammenstellte, sorgte offenbar ein Progressivity-Manager dafür, dass alle gerade gültigen Narrative vorkommen und „The Message“ in großen, hässlichen Fettaugen auf der Serienbrühe schwimmt. Fasst man die erste Folge unter diesem Aspekt knapp zusammen, haben wir folgenden Verlauf: Kinder dürfen niemals von ihren Eltern getrennt werden, selbst wenn diese kriminell werden und ins Gefängnis müssen, jeder Kriminelle ist ein vom „System“ gebrochener Hochbegabter und steckt man ihn erst in die richtige Uniform, kann man ihm vertrauen. Die eingesammelten superdiversen Kadetten machen sich (vollständig durchgeimpft) auf den Weg, werden unterwegs mal kurz von einem alten weißen Mann angegriffen und kommen wohlbehalten an ihrem Ziel an, wo sie andächtig auf Bilder der Golden Gate Bridge starren und „If you‘re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair“ singen. Das kann man machen, wirkt dann halt albern. Das Gute kommt hier eher unbeabsichtigt, denn der Plot ist so nahe am Slapstick, dass ich wohl seit Monty Python nicht mehr so gelacht habe. Danke, Paramount!

Reden wir gar nicht erst über die unzähligen Verstöße gegen jede Logik oder die sehr eigene „Physik“ des StarTrek-Universums. Doch wer mit so grobem Pinsel malt, lädt die Kritiker natürlich ein, hier exakt Buch zu führen. Warum genau muss ein Hologramm übergewichtig und leicht debil sein und was macht es unter der Dusche? Ist jemand, der ständig seinen Kommunikator verschluckt, in der Starfleet Academy am richtigen Platz oder gehört doch eher in eine Krabbelgruppe? Ach, geschenkt! Auch dass StarTrek sich von der Idee verabschiedet zu haben scheint, die Crews Probleme lösen zu lassen und die Protagonisten stattdessen selbst die Probleme sind, kann man versuchen. Die Comic-Serie „Star Trek: Lower Decks“ bekam das ja ganz gut hin. Mit echten Schauspielern erreicht man jedoch schnell die Grenze der Lächerlichkeit.
Unterkomplex und überempfindlich
Was wirklich schmerzt, ist die Tatsache, dass die Figuren so langweilig und unterkomplex agieren, was jedoch nicht die Schuld der Schauspieler, sondern des Drehbuchs und des woken Modus Operandi ist. Jeder reibt einem seine Eigenheiten bei erster Gelegenheit unter die Nase wie Pronomen im X-Profil. Man presst einen Schauspieler in die Form eines Tigers und sagt ihm dann, er soll einen Fisch spielen. Und weil die Erwartung beim Publikum instinktiv in eine andere Richtung geht, muss ständig erklärt werden, warum wer jetzt gerade wie handelt. Nichts entwickelt sich mit der Zeit, nichts bleibt dem Zuschauer überlassen, alle Geheimnisse sind offenbar, jede Interpretation jedes Charakters ist in die gewünschten Bahnen und Boxen gelenkt. Mitdenken überflüssig, die Interpretation geschieht nicht in den Köpfen der Zuschauer, sondern wird mitgeliefert. Man spürt die Absicht und man ist verstimmt.
Kritik verbittet man sich bei Paramount, man fühlt sich missverstanden. StarTrek sei schon immer woke gewesen, meint etwa Robert Picardo, der Darsteller des Doktors, den wir schon aus der Serie StarTrek: Voyager kennen. Das stimmt nur zum Teil, denn die Woke-Bewegung von heute hat sich längst vom Technik-Optimismus früherer linker Weltverbesserer verabschiedet. War der überall durchschimmernde Sozialismus in früheren StarTrek-Serien eher vage und unbestimmt, konnte man den technologischen Fortschritt in Energie- und Zeiteinheiten messen. „Law and Order“ schwebte in Form der „Obersten Direktive“ über allem. Man rang manchmal damit, stellte die Ordnung als solche aber nie in Frage, während die Handlung in späteren woken Serien wie „StarTrek: Discovery“ eher von emotionaler Befindlichkeit, Tränenfluss und stumpfer „Systemkritik“ vorangetrieben wurde.
Bezeichnenderweise war es in „StarTrek: Discovery“ eine Art emotionale Überladung, die „The Burn“ und damit das Ende der Warp-Technologie für mehrere Jahrhunderte in der gesamten Galaxie auslöste. Emotion besiegt Technik in einer Art „Great Reset“, wie ihn sich Emotionssimulantin Greta Thunberg oder Kernkraftvernichter Jürgen Trittin nicht schöner und technikfeindlicher hätte ausdenken können. Nein, auch „Starfleet Academy“ wohnt kein Optimismus inne, kein Aufbruch, kein „Trek“ im Sinne früherer Siedlerpioniere und Entdecker. Die Forschungen finden in den eigenen Emotionen statt, jedes Crew-Mitglied ist sein eigenes Universum, das bewundert, kartografiert und mit „Nicht betreten“-Schildern umkränzt werden will. Man verlässt die Erde ja auch nicht, man kehrt dorthin zurück. Mit Blumen im Haar. Woke ist die Kapitulation der Rationalität vor der Emotionalität, vollendet verkörpert im Film, dem einzigen Medium, das dafür duldsam genug ist. Man schluckt die cineastische Pille und fängt an zu lachen, weil man den ellenlangen Beipackzettel – in dem erklärt wird, dass man eigentlich weinen sollte – weggeworfen hat, statt ihn zu lesen.
LED trifft LSD
Im krassen Gegensatz zur emotionalen Angefasstheit der Crew steht das komplette Set-Design. Alles daran schreit Körperverletzung und spontane Erblindung. So sollen die Safe-Spaces der Zukunft aussehen? Die Athena selbst ist eine Mischung aus verspielt, hässlich und unpraktisch, die Brücke groß wie ein Tanzsaal mit dem Charme eines amerikanischen Diners aus den 50er Jahren, in den jemand einen Seecontainer voller bunter LED-Lichter ausgekippt hat. Die Crew guckt überall in überflüssige, grelle Lampen, sogar in den Konsolen, an denen sie arbeitet. Ein Chaos aus Formen, Farben und Lichtern ohne erkennbaren Zweck, unpraktisch wie die Uniformen, die wirken, als hätte sich Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer mal wieder das Jackett falsch zugeknöpft – und zwar vorn und hinten! Und kann mir jemand erklären, warum verzerrt und unerreichbar weit oben im Raum eingeblendete holografische Bildschirme Bedienelemente brauchen?

Genug der Designkritik, in die man ja nur verfällt, weil die Handlung so sterbenslangweilig ist und sich gleichzeitig selbst so ernst nimmt, dass das Abgleiten ins Komische nur peinlich wirkt. Der einzig gute Grund, die Pilotfolge bis zum gesungenen Finale zu schauen, ist es, danach eine Kritik darüber zu schreiben – und die fällt auf Seiten der Konsumenten weitgehend vernichtend aus. Da hilft es auch nicht, die erste Folge kostenlos auf YouTube (geoblocking, ev. VPN nötig) anzubieten. Disney hat StarWars auf dem Gewissen, StarTrek wurde von Paramount gekillt. Beide Welten menschlicher Fantasie wurden Opfer einer Pandemie, die einst an den amerikanischen Universitäten aus dem „Critical Theory Labor“ entkam und in Hollywood die meisten Opfer forderte. Das Woke-Virus vernichtete Geld, Talente und die Erwartungen der Konsumenten.
Man hatte gehofft, die natürliche Immunität des menschlichen Geistes gegen Bullshit hätte die Pandemie inzwischen unter Kontrolle gebracht. Der jüngste Ausbruch von WOKE-26 bei Paramount zeigt leider, dass noch keine Entwarnung gegeben werden kann. Es bleibt bei rotem Alarm. Behalten sie also einen kühlen Kopf und begeben sie sich zu ihrer Kampfstation. Kein Grund jedoch, „Roter Alarm! Roter Alarm!“ zu brüllen und wild gestikulierend wie auf der Brücke der Athena herumzulaufen!