Er ist wieder da!

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Er ist wieder da!

Kalter Krieg 2.0

Was war die Welt früher doch einfach zu verstehen! Je nach dem auf welcher Seite des eisernen Vorhangs man saß, gab es in der Summe klare Vorstellungen von Gut und Böse. Die atomare Abschreckung sorgte dafür, dass sie Großmächte jeweils das Messer an der Kehle des anderen hatten, alle Konflikte traten hinter diese „Mutter der Konflikte“ zurück. Ich stand damals natürlich – wie jeder andere überall auf der Welt übrigens auch – auf der „guten“ Seite. Jedenfalls sagten uns die Greise im Politbüro, das dies so sei und dass das Bestreben der anderen, bösen Imperialisten aus dem Westen sei, uns zu vernichten. Und wenn sie das nicht mit Pershigs, Leopardpanzern und Helmut Schmidt schafften, versuchten sie es eben mit den Verlockungen des Wohlstands. Reisen, Autos, Musik…perfinde Dinge, die uns schwächen und einlullen sollten. Der arme, geknechtete Arbeiter im Westen hingegen, wenn er nicht der imperialistischen Hirnwäsche erlegen war, liebte die DDR. So sollten wir das sehen. Taten wir aber nicht. Wir schauten nicht nur die aktuelle Kamera und den Schwarzen Kanal, wir wurden umso misstrauischer, je mehr Geifer über unsere offiziellen Medien verbreitet wurde. weiter lesen

Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

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Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

Heute las ich Ihre SPON-Kolumne, Herr Augstein. Und ich denke, Sie liegen diesmal daneben.

Ein Ergebnis des zweiten Weltkrieges und der Nazizeit ist für manche eine Art singulärer Weltrekord, den selbstverständlich Deutschland eingestellt hat und der für alle Zeiten unerreichbar bleiben muss. Die meisten Toten, die größte Schuld, der perfekte Genozid, das schlimmste Grauen. Das ist der Maßstab, an dem sich alles Elend dieser Welt messen lassen muss! Da bestehen wir `drauf! Verglichen mit dem, was Deutschland angerichtet hat, ist alles andere nur eine Lappalie! Die Hamas greift Israel mit Raketen an? Unsere V1 war treffsicherer!  Korruption und Schuldenwirtschaft in Griechenland? Wir waren schlimmer! Griechische Reeder bezahlen ihre Steuern nicht? Ach was, deutsche Soldaten haben halb Europa ermordet!

Aber gut, bleiben wir bei ihrem Vergleich Herr Augstein, schauen wir uns die Lage in Griechenland an und vergleichen sie mit der in Deutschland nach WWII. Der erste Unterschied der uns auffällt – und wahrscheinlich ist es der wichtigste – ist, dass Deutschland nach dem Krieg ein besetztes Land war, ein geteiltes und verkleinertes noch dazu. Auch wenn es den einen oder anderen unbelehrbaren Nazi gab (und gibt) und sich viele um ihre gerechte Strafe herumdrückten war doch die Einsicht, dass da in den letzten 12 Jahren etwas gehörig und unglaublich schief gelaufen war, was man schwerlich jemand anderem in die Schuhe schieben konnte, bei den meisten vorhanden. In Griechenland war diese Einsicht höchstens kurz aufgeflackert, dann hatte man wieder ein bequemeres Feindbild. Die Deutschen eignen sich aufgrund ihrer historischen Qualifikation bestens dafür und Frau Merkel ist ja auch aus ihrem Heimatland Satire gewohnt. weiter lesen

To Russia with love…

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To Russia with love…

Lieber Waldimir,

es läuft gerade gar nicht gut zwischen uns. Ich habe heute deine Pressekonferenz gesehen in der du ausführlich erklärst, dass an all dem was gerade passiert natürlich ich – der Westen – Schuld bin. Was den Kurs des Rubels angeht, hast du sicher sogar teilweise recht damit. Du bist ein brillanter Taktiker und deine Analysen des Ist-Zustands unserer Beziehungen sind wie immer messerscharf. Leider sind deine Strategischen Fähigkeiten mit deinen taktischen nicht zu vergleichen. Schlimmer noch: Du scheinst anzunehmen, dass auch ich bei der Beurteilung der Lage nur auf die jüngsten Ereignisse schaue. Das ist aber nicht so. Du denkst, keiner würde dich verstehen. Ich denke, das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich werde versuchen, dir die wichtigsten Fakten aus meiner Sicht zu erklären: weiter lesen

Am Ende siegt der Zweifel

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Am Ende siegt der Zweifel

Georg Diez befasst sich in seinem Artikel bei SPON mit dem Hass der IS-Terroristen – und findet kreative Erklärungen

Lieber Herr Diez, geht’s nicht auch mal eine Spur weniger selbstanklagend? Schon wieder jemand der meint, dass im Grunde doch der Westen Schuld ist an der Misere im Irak und Syrien. Muss ja so sein! Da gibt der Islamisten-Rekrutierer Hasnain Kazim im Spiegel-Interview von sich (http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-streitgespraech-mit-einem-islamisten-a-998720.html) „Wer hat die Welt erobert und versucht, alle fremden Kulturen und Religionen zu unterwerfen? Die Geschichte des Kolonialismus ist lang und blutig. Und sie dauert bis heute an, in Form von Arroganz des Westens gegenüber allen anderen.“ weiter lesen

Die guten und die bösen Islamisten

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Selektive Wahrnehmung und Appeasement in Europa

Noch vor wenigen Wochen wurden die Friedensbewegten hierzulande nicht müde zu fordern, Israel müsse mit der Hamas verhandeln. Und das waren noch die moderatesten Stimmen! Andere verglichen Israels Armee schon mal mit jener der Nazis und glaubten an einen neuen Völkermord. Die Hamas sei schließlich die gewählte Regierung im Gazastreifen, sagte man. Verhandlungen seien unumgänglich. Nun macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und eine Wahl noch keine Demokratie – sowas lernt man auf jeder Diktatorenschule. Außerdem steht und stand die Hamas auf der Terrorliste des EU Ministerrats und bei aller berechtigten Häme und Misstrauen gegen die Institutionen der EU… auf diese Liste kommt man nicht, weil man krumme Gurken verkauft oder zu schnell durch Brüssel gefahren ist. weiter lesen

Wie man die richtigen Fragen stellt

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Wie man die richtigen Fragen stellt

Das absolut unabhängige Nachrichtenmagazin RT.COM (Russia Today) besticht seit langem durch seine ausgewogene Berichterstattung und Neutralität. Dieser Satz ist nicht gänzlich frei von Ironie.

Es ist ja nicht so, dass RT seine Zuschauer und Leser nicht nach ihrer Meinung fragt – allerdings holt man nur genau die Meinungen beim Beobachter ab, die einem in den Kram passen. Immer wieder gern werden in Online-Medien ja Umfragen gestartet. Welches Smartphone man kaufen will, wie zufrieden man mit einem Auto ist oder welche Partei man am Sonntag wählen würde. Eine Online-Umfrage von RT vom 10.9.2014 hat mir besonders gut gefallen, weshalb ich sie hier mal kurz wiedergebe: weiter lesen

Ich ergreife Partei

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Ich ergreife Partei

Wir haben uns fein eingerichtet in unserer humanitären Wolke. Wir sind die guten, weil wir seit einigen Jahren unsere Nachbarn nicht mehr überfallen haben, Geld für Flutopfer, Tierheime, kleine Afrikaner mit dicken Bäuchen und palästinensische Flüchtlinge spenden. Wir gehen auf die Straße und protestieren gegen Israel – haben aber natürlich nichts gegen Juden! Ein bisschen Protest muss schon sein, das gehört zur Empörungskultur. Wenn’s mal eine Weile nicht kracht im heiligen Land, haben wir tolle Ideen für das friedliche Zusammenleben von Israelis und Palästinensern und unsere Kinder malen in der Schule Bilder, wie die Kinder der Israelis und Palästinenser Hand in Hand lächelnd unter dem blauen Himmel stehen.
Wir geben das Geld ja auch gern! Unsere Regierung, wir kleinen Leute…alle. Wir wollen auch gar nicht so genau wissen, was das UNRWA mit dem Geld so alles treibt. Es wird schon was bei den Menschen ankommen – Prinzip Gießkanne.
Nun hat das Tunnelnetz der Hamas offenbar Ausmaße erreicht, an die das Straßennetz in Gaza kaum noch heranreicht – aber die Bewohner des Gazastreifens nutzen diese Tunnel ja nach Meinung einiger Journalisten nur dazu, mal „kurz die Luft der Freiheit“ zu schnuppern. Ausgerechnet Israelische Luft.
Krieg ist immer Scheiße. Ganz egal wie gerecht, notwendig, heldenhaft oder heilig er ist. Seit Kriege nicht mehr zwischen Armeen auf einem Schlachtfeld zwischen zwei Hügeln ausgetragen werden, kosten sie immer zivile Opfer. Kinder, Frauen, „Unschuldige“, Alte, Wehrlose… Männer sterben übrigens auch.
Wie sieht nun im Fall Gaza die Alternative aus? Ich muss ehrlich zugeben, dass ich keine Ahnung habe! Ich werde auch keine Belehrungen über die Verhältnismäßigkeit ausstoßen, weil das von hier aus niemand beurteilen kann. Ich könnte resigniert den Kopf schütteln und denken, dass beide Seiten mal wieder keine Gelegenheit auslassen, eine Chance zu verpassen. Fragt man sich aber mal, wem die aktuelle Situation nützt, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Hamas nun all das hat, was sie eigentlich will. All ihr Bestreben gilt dem Kampf gegen Israel. Ihre gesamte Organisations- und Infrastruktur ist darauf gerichtet. weiter lesen

Von Schornsteinen und Schweinen oder wie mir die Wurst ausgetrieben wurde

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Quelle: Bart1983 - Fotolia.com
Quelle: Bart1983 – Fotolia.com

Ich will von einer Abneigung berichten. Einer ganz ausgeprägten Abneigung. Weil sich diese dem Außenstehenden aber sicher nicht so leicht erschließt, werde ich einige Zeit vor dem auftreten dieser Abneigung mit meinem Bericht beginnen. Mit meinem Elternhaus. Eigentlich ist es ja das Haus meiner Großeltern. 1949 steht mit kleinen Ziegelsteinchen am Schornstein geschrieben. Mein Großvater hat es nach dem Krieg gebaut. Die Steine dafür stammten aus den Ruinen eines eingestürzten Fabrikschornsteins. Beste Klinker, kein einziger rechteckig, alles Trapeze. Zwar war der „Abbau“ dieser Steine illegal und es stand nur ein kleiner Bollerwagen zur Verfügung, um die Steine vom fünf Kilometer entfernten Abbaugebiet zu fördern und das ging auch nur nachts – aber es wurde geschafft. So war mein Großvater schneller mit dem Transport als die Russen, die – wenig wählerisch – alles vom zerbombten Werksgelände wegschleppten, was ihnen wertvoll erschien. Die Steine ließen sie meinem Opa. weiter lesen

Warum Vanilleeis mein Lieblingseis ist

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Quelle: fotolia.de
Quelle: fotolia.de

Vor vier Tagen brachen wir von Alice Springs auf. Die sommersprossige Dame in der Mietwagenfirma runzelte zwar etwas die Stirn, als wir ihr unsere geplante Strecke auf der Rückseite des Mietvertrages skizzierten, sah aber letztlich doch von einer höheren Kaution ab. Allrad wollten wir sowieso nehmen. Noch Vorräte, Wasser und Diesel für eine Woche kaufen, beim Parkranger ordnungsgemäß abmelden und los geht’s. Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen.

Es ist November und der Sommer im vollen Gange. Vor uns liegen 500 km „Simpson desert“, eine der trockensten Orte dieses Planeten. Der „eyre creek“, der im Frühling reißende, gelbbraune Schlammassen am östlichen Rand der wüste vorbeiführt, ist im Sommer restlos ausgetrocknet. Diesen „Flusslauf“ zu finden sollte nicht schwer sein. Von dort sind es nur noch etwas weniger als 40 km bis nach Birdsville, wo wir unser getreues Landrover-Ross auf einen Zug laden können. Die restlichen 1.470 km bis Brisbane sitzen wir dann bequem auf „einer Backe ab“. weiter lesen