Pro­fes­sor Chris­t­ian Rieck ist Wirtschaftswis­senschaftler und erk­lärt den Zuschauern seines YouTube-Kanals jede Woche anhand eines prak­tis­chen Beispiels die Spielthe­o­rie. Die Videos sind stets sehr inter­es­sant, Pro­fes­sor Rieck stets gut aufgelegt und voll im Stoff. Seine spielthe­o­retis­chen Lösungsan­sätze wer­fen oft ein über­raschen­des Licht auf poli­tis­che oder wirtschaftliche Vorgänge. In seinem let­zten Video befasste er sich mit der Frage, welche Moti­va­tion Twit­ter mit der Löschung der Benutzerkon­ten von Präsi­dent Trump haben kön­nte. Kurz zusam­menge­fasst kommt Rieck zu dem Schluss, Twit­ter habe durch eine Macht­demon­stra­tion die Poli­tik wis­sen lassen, wer am län­geren Hebel sitzt und damit auch Joe Biden und Kamala Har­ris ein Warnsignal gesendet, weil let­ztere ja bere­its mit der Reg­ulierung der Big-Tech-Konz­erne gedro­ht habe.

Als Bild für das Macht­ge­fälle zwis­chen Poli­tik und Twit­ter wählt Rieck den Plot des Ita­lo-West­erns „Spiel mir das Lied vom Tod“, beset­zt die Rolle des schw­er kranken Eisen­bah­n­moguls Mor­ton mit „der Poli­tik“, der den Revolver­helden „Frank“ (Twit­ter) dafür bezahlt, den ren­i­ten­ten McBain zum Verkauf sein­er Farm zu drän­gen, aber bitte ohne Gewalt! Frank ballert natür­lich alle über den Haufen und beweist so, dass er und nicht Mor­ton die Macht in diesem Spiel hat, genau wie Twit­ter die Macht habe, willkür­lich Löschun­gen vorzunehmen und somit virtuell Leute über den Haufen zu schießen. Rieck geht also davon aus, dass Twit­ter mit der Löschung Trumps ein Sig­nal an die Poli­tik senden wolle, sich nicht mit „Frank“ anzulegen.

Das kön­nte natür­lich alles genau so sein, wie Rieck sagt. Aber ich würde nicht über dieses spielthe­o­retis­che Erk­lärvideo schreiben, wenn ich nicht der Ansicht wäre, dass da ein gän­zlich anderes Spiel mit ganz anders verteil­ten Rollen gespielt wird.

Strategische Interaktion

Rieck fragt „Man muss sich fra­gen, wann kom­men die [Tech-Konz­erne] den Demokrat­en eigentlich zu Hil­fe? Erst nach­dem die Wahl gelaufen ist!“ Hier liegt nach mein­er Mei­n­ung der entschei­dende Fehler in seinem Szenario. Denn Hil­festel­lung gab es in Wirk­lichkeit bere­its mas­siv und offen in der Schlussphase des Wahlkampfes, also schon vor der Wahl. Es waren Twit­ter und Face­book, die immer wieder Trumps Kam­pag­nen-Accounts löscht­en und Presse­berichte über die Ver­wick­lun­gen von Biden selb­st und seinem Sohn Hunter auf ihren Plat­tfor­men block­ierten. In der Sen­at­san­hörung (vor der Wahl) kam Twit­ter-CEO Dorsey gewaltig ins Schwim­men, als er nach den Grün­den der Zen­sur des Artikels in der New York Post gefragt wurde. Man habe von „ehe­ma­li­gen Geheim­di­en­st­mi­tar­beit­ern“ gehört, die Beweise seien rus­sis­che Pro­pa­gan­da, meinte Dorsey, plap­perte also diesel­ben Mel­dun­gen nach, die auch über CNN und CBS flim­merten. Dass aktuelle Geheim­di­en­st­mi­tar­beit­er das anders sahen, kon­nte an der Entschei­dung Twit­ters nichts ändern, die NYP-Artikel zu block­ieren. Twit­ter war es auch, wo nach der Wahl jed­er noch so belan­glose Tweet Trumps mit dem Label „umstrit­ten“ verse­hen wurde.

Twit­ter und Face­book sind für CNN, MSNBC, CBS & Co längst zum entschei­den­den Ver­trieb­skanal ihrer Inhalte gewor­den. Kaum jemand sucht deren Seit­en noch direkt auf. Man lässt sich die Mel­dun­gen vielmehr von Face­book und Twit­ter auf den Schirm brin­gen und zur Suche ver­wen­det man Google. Die Anzahl der Schalt­stellen für Rel­e­vanz und Aufmerk­samkeit ist klein gewor­den, der Mei­n­ungsko­r­ri­dor entsprechend eng. Bis auf wenige Aus­nah­men sind die Medi­en­häuser ein­deutig den Demokrat­en nah­este­hende Unternehmen, deren Agen­da Twit­ter über Jahre kla­g­los trans­portierte. Hier verorte ich auch die Entschei­dung Twit­ters, sich gewis­ser­maßen „auf eine Seite zu schla­gen“: man wählt die Seite, wo die wichtig­sten Kun­den sind und deren Geld ist. Da ist fol­glich kein „links reden aber anders han­deln“, wie Rieck sagt, son­dern kalkuliert­er Prag­ma­tismus. Wenn etwa von „größ­ten­teils friedlichen Protesten“ die Rede war, wenn Reporter vor bren­nen­den Häusern standen und Plün­der­er die Arme voller Beute hat­ten, ging das stets ungerügt und ohne Fak­tencheck durch. Die „Kun­den und das Geld“ woll­ten das ja genau­so sehen. Man über­nahm voll­ständig das Fram­ing der Demokrat­en und hat­te kein Prob­lem damit.

Twitter – der Ort, wo Politiker und Journalisten sich gegenseitig ihrer Wichtigkeit versichern

Da Twit­ter nicht von Wahrheit­en, son­dern von Inter­ak­tio­nen lebt, ist es die ide­ale Plat­tform für den Empörungs­be­darf. Egal wie gut oder schlecht Trump auch für Amerikas poli­tis­che Kaste gewe­sen sein mag, für Twit­ter war er pures Quoten­gold! Mit seinem Wahlkampf 2015 und dem Amt­santritt ein Jahr später gin­gen die Userzahlen bei Twit­ter wieder hoch, nach­dem sie von 2011 bis 2014 immer weit­er gesunken waren.

Mit nichts befasst sich die Twit­ter­meute seit vier Jahren so hinge­bungsvoll, wie mit dem, was Trump schreibt, sagt oder ver­schweigt. Der halbe Plan­et Twit­ter ging sich deshalb an die Gurgel. Die einen, um Trump nun endlich den finalen Stoß zu ver­set­zen, die anderen, um ihn zu vertei­di­gen. Jet­zt wird es knif­fe­lig. Denn wenn man wie Pro­fes­sor Rieck unter­stellt, Twit­ter seien „die Mil­liar­den wichtiger als Karma­punk­te bei irgendwelchen Wal­dorf­schülern“ hat Dorsey ger­ade sein wertvoll­stes Asset gelöscht. Man mag die Augen­brauen heben angesichts der Aus­sicht, ein Don­ald Trump kön­nte die Poli­tik der Biden-Admin­is­tra­tion vom Golf­platz aus per Twit­ter kom­men­tieren. Den Empörungslev­el hielte es aber auf Tem­per­atur und somit auch Twit­ter, wo auch die näch­sten vier Jahre die ver­schosse­nen Patro­nen­hülsen leichtsin­niger Tweets die Kasse hät­ten klin­geln lassen können.

Ein wenig Zen­sur hier, ein gelöschter Tweet Trumps dort…all sowas ließe die Mas­chine nur noch schneller laufen. Gin­ge es Twit­ter in der Causa Trump also in der genan­nten Weise Weise um Geld, warum dann keine Kurzzeitsperre oder Tweet­löschung, son­dern Ver­nich­tung? Die User ver­lassen Twit­ter in Scharen auf­grund der Löschung von Trumps Accounts oder wer­den gar aktiv von Twit­ter gelöscht. Man ver­liert also heute Geld und Karma­punk­te – aber man gewin­nt mor­gen Karma­punk­te bei der neuen Admin­is­tra­tion. Vielle­icht ist die War­nung von Kamala Har­ris, man über­lege die Zer­schla­gung der Big-Tech-Gigan­ten, ja eher so zu ver­ste­hen: ‚Steigst du in der Opfer­kat­e­gorie einen Lev­el auf. Ver­liere heute Geld und User, aber ver­di­ene auch mor­gen noch welch­es. Falls nicht, stre­ichen wir euch das Plat­tform­priv­i­leg und ihr kommt aus dem Löschen, Zen­sieren und Prozessieren gar nicht mehr her­aus! Wir wollen uns nicht die näch­sten vier Jahre mit Trumps Kom­mentaren von der Seit­en­lin­ie herum­pla­gen! Da gibts doch sich­er was von Ratio­pharm…‘ Es ist übri­gens nicht notwendig, dass solche Worte tat­säch­lich aus­ge­sprochen wer­den. Diese Art von Ein­ver­ständ­nis funk­tion­iert auch ungesagt.

Machtgefälle

Chris­t­ian Rieck unter­stellt, dass Twit­ter mit der willkür­lichen Löschung eines User­pro­fils tat­säch­lich Macht ausüben kann. Ein wenig sich­er, doch das ist eine sehr ober­fläch­liche Macht. Trump war auf Twit­ter angewiesen, weil dies fast seine einzige direk­te Kom­mu­nika­tion­s­möglichkeit mit sein­er Basis war. Demokrat­en wie Biden, Har­ris oder Pelosi ste­hen Heer­scharen von Jour­nal­is­ten zu Gebote, die bere­itwillig ihre Poli­tik abseg­nen, ihre Sätze been­den und über ihre Skan­dale und Skandälchen gnädig den Man­tel des Schweigens breiten.

Dieses Biotop aus Jour­nal­is­mus und Poli­tik existierte nie unter Trump und er gab sich auch alle Mühe, die Medi­en dies spüren zu lassen. Was würde wohl passieren, wenn Twit­ter zum Beispiel Kamala Har­ris Pro­fil löschte? Ganz ein­fach: Har­ris würde giggel­nd lachend mit Whoopi Gold­berg bei „The View“ und Jim Acos­ta bei CNN über die längst fäl­lige Reg­ulierung der außer Rand und Band ger­ate­nen Social Media Gigan­ten sprechen. Man habe zwar die Löschung Trumps noch toleriert, weil die zwar unrecht­mäßig, aber doch für eine gute Sache gewe­sen sei. Aber dass nun auch PoC-Frauen gelöscht wür­den, die Tag für Tag für das Wohl der ärm­sten Amerikaner…ich ers­pare ihnen den moralis­chen Overkill, liebe Leser. Sie kön­nen den Satz müh­e­los im Geiste ad Infini­tum moralisch steigern und beenden.

Das Macht­ge­fälle zwis­chen Poli­tik und Wirtschaft ist zudem riesig! Twit­ter mag die Macht haben, die Accounts von Poli­tik­ern löschen. Poli­tik­er mit Macht jedoch kön­nten Twit­ter löschen! Die oft (von Poli­tik­ern) erzählte Geschichte, die Wirtschaft habe sich längst das Pri­mat über die Poli­tik ver­schafft, sollte spätestens seit 2020 als Märchen erkan­nt sein. Wäre es anders, säße nicht die Wirtschaft, son­dern die Poli­tik­er im Lock­down und statt der Forderung nach Enteig­nung von Mil­liardären befasste man sich mit den viel gigan­tis­cheren Geld­men­gen, welche die Poli­tik in kürzester Zeit zu bewe­gen im Stande ist.

Rieck bemerkt völ­lig richtig, dass Plat­tfor­men wie Twit­ter mit­tler­weile Demokratiefeindliche Insti­tu­tion sind. „Während wir nor­maler­weise Leg­isla­tive, Judika­tive und Exeku­tive voneinan­der tren­nen, haben wir hier alles in ein­er einzi­gen Plat­tform.“ Nur kann man nicht voraus­set­zen, dass die Leg­isla­tive selb­st keine Ambi­tio­nen hat, an der einen oder anderen Stelle eine solch prak­tis­che „Abkürzung“ des Diskurs­es zu nehmen.

In Deutsch­land hat­te die Leg­isla­tive sog­ar die Frech­heit, die War­nun­gen der Judika­tive in den Wind zu schla­gen und die Aufhe­bung der Tren­nung in ein Gesetz zu gießen. Man nan­nte diese Krea­tur „Net­zw­erk­durch­set­zungs­ge­setz“ und aus­gerech­net Kan­z­lerin Merkel vergießt heute Krokodil­strä­nen angesichts der Willkür bei Twit­ter. Hat sie etwa die „War­nung“ von Twit­ter nicht ver­standen? Nein, Merkel ist Twit­ter schlicht egal. Wahrschein­lich hat sie in ihrem ganzen Leben noch kein LOL dort hin­ter­lassen. Ver­gle­ich­bares wie das Net­zDG ste­ht in den Staat­en übri­gens noch aus, die näch­sten vier Jahre kön­nten da Abhil­fe schaffen.

Nein, lieber Herr Rieck, Twit­ter ist hier nicht der skru­pel­lose „Frank“ aus Ser­gio Leones Meis­ter­w­erk. Die Macht ist anders verteilt, lassen sie sich von der Knochen­tu­berku­lose Mor­tons nicht täuschen! Da dro­ht nicht Twit­ter dem zukün­fti­gen Präsi­den­ten, Twit­ter macht sich vielmehr lieb Kind mit der zukün­fti­gen Admin­is­tra­tion und wird für seine Rechts­beu­gung ein entsprechen­des Ent­ge­genkom­men erwarten. Deshalb schlage ich eine andere Analo­gie für vor. Ich kenne mich lei­der nicht so gut mit Italow­est­ern aus, deshalb musste ich für mein Spiel selb­st einen Plot schreiben.

Spiel mir ein anderes Lied vom Tod

Ein neuer Bürg­er­meis­ter kommt in weni­gen Tagen die Stadt. Der alte Bürg­er­meis­ter wurde abge­set­zt, den Hon­o­ra­tioren der Stadt passten seine unge­ho­bel­ten Umgangs­for­men nicht, außer­dem trieb er sich lieber im Saloon herum, statt mit dem Eisen­bahn-Tycoon, dem Rinder­baron und dem Gold­mi­nenbe­sitzer im Hol­i­day Inn zu speisen und sich deren Reden und Kla­gen im Coun­try-Club anzuhören. Im Saloon sitzt er auch jet­zt ger­ade, der Alte. Er erzählt jedem, der es nicht wis­sen will, dass er beab­sichtige, zurück­zukom­men und außer­dem jeden Son­ntag dem Saloon einen Besuch abstat­ten werde. Ja, mor­gen werde er die Stadt ver­lassen, um dem „Neuen“ über­mor­gen nicht die Hand schüt­teln zu müssen, aber er werde wieder kom­men und dann werde man schon sehen…

Der Druck­er Tweety Jack fragt sich, ob der neue Bürg­er­meis­ter ihn für loy­al hal­ten wird. Tweety Jack hat­te näm­lich gut Kasse gemacht in den let­zten vier Jahren, in denen er mehr zu tun hat­te als je zuvor. Ständig hat­te der Alte den Bürg­ern der Stadt irgend­was mitzuteilen. Im Grunde bestand Tweety Jack ganzes Geschäft fast nur noch aus dem Ver­bre­it­en von Reden des Bürg­er­meis­ters und den empörten Gegenre­den. Die Feinde des Alten kauften ihr Brief­pa­pi­er bei Tweety Jack, damit sie ihre Dro­hbriefe ver­fassen kon­nten. Die Anhänger des Alten lasen mit Begeis­terung die täglichen Bul­letins und Aushänge, die auch alle gedruckt wer­den mussten. Auch die Zeitun­gen fan­den reißend Absatz, alle schrieben eifrig und empört über das, was der Bürg­er­meis­ter sagte oder meinte oder sagen oder meinen sollte. Tweety Jack kon­nte es gle­ich sein, er ver­di­ente an jedem Blatt Papi­er. Die näch­sten Jahre kön­nten hinge­gen mager wer­den, denn der Neue war lang­weiliger Typ, der lieber unter der Hand regierte und nicht allzu red­selig war. Würde er Tweety Jack über­haupt brauchen oder vielle­icht einen dieser neu­modis­chen Telegrafen anschaf­fen, um ihn zu erset­zen? Wie nur kon­nte Tweety Jack den Neuen von sein­er Loy­al­ität überzeu­gen und davon, dass er noch gebraucht wurde? Jack lud seinen sil­ber­nen 45er Colt und ging in den Saloon. Er wusste, er würde keine hal­ben Sachen machen und alle sechs Patro­nen abfeuern.

Musik zum Text: Nan­cy (nein, nicht Pelosy) Sina­tra! „Bang Bang“
Lustiger­weise sind bei­de Nan­cys Jahrgang 1940. Doch während die eine nicht mehr singt, kann die andere nicht von der Poli­tik lassen. Ich wün­schte, es wäre andersherum.

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9 Kommentare

  1. Die Spielthe­o­rie lebt von klar definierten Spie­len mit klar definierten Regeln und sehr weni­gen Akteuren. Sie geht, wie auch der Lib­er­al­is­mus, von Akteuren aus, die bewusst ins Spiel ein­greifen um mess­bare Vorteile zu erhal­ten. – Doch wed­er Covid noch Welt­poli­tik ist so ein Spiel. Beim Zusam­men­wirken von sehr vie­len Akteuren neu­tral­isieren sich vielmehr deren Par­tiku­lar­in­ter­essen und poten­zieren sich ihre ide­ol­o­gis­chen Prämis­sen oder Patholo­gien. – Eine Kul­tur mit suizidären Ten­den­zen wird in ihrem Zusam­men­wirken genau diesen pro­duzieren. Aber das Leben find­et einen Weg. Die geheim­sten Wün­sche wer­den Wirk­lichkeit, nur eben in dialek­tis­ch­er Brechung. Wir erleben in diesen Wochen eine „unsicht­bare Hand“, einen „Geist der Geschichte“, dessen Spiel viel mächtiger ist als die Aktio­nen jedes einzel­nen Mitspielers.

  2. Die meis­ten Infor­matik­er sind echte Gläu­bige. Bei der neuen Reli­gion kom­men Fachid­ioten und echte Idioten zusam­men. Man kon­nte das schon sehen bei der „James Demore“-Causa bei Google und den „Gen­der Work­shops“, an denen er teil­nehmen musste. Man kann es auch im per­sön­lichen Gespräch erleben. 

    Wie soll jemand den ganzen Tag Gebrauch­san­weisun­gen (tuto­ri­als, doc­u­men­ta­tion) lesen und Tests durch­führen, um Prob­leme zu lösen, und dann auch noch hin­ter­fra­gen, was er zwis­chen Tür und Angel hört, plus das, was er schon in der Schule eingeimpft bekam?

    Der Tag von intel­li­gen­ten Leuten hat auch nur 24 Stun­den. Und daran muss Rieck, den ich sehr schätze, auch scheit­ern. Die Spielthe­o­rie geht von ratio­nalen Play­ern aus. Massen­wahn, kul­turelle Muster, alte, evo­lu­tionär ent­standene Instink­te in falsch­er Anwen­dung kön­nen nicht erfasst werden. 

    Und an diese Gren­ze stoßen nicht nur Spielthe­o­retik­er. So wirk­lich ver­standen hat die Sit­u­a­tion wohl nie­mand. Ich sowieso nicht. 

    Lange Rede kurz­er Sinn: Jack Dorsey glaubt an das ewige, kli­masta­bil­isierte Leben durch Tofu-Piz­za und Ras­sis­mus­bekämp­fung. Er sieht auch längst aus wie ein Eemit. Und Mark Zucker­berg hält Mei­n­ungs­frei­heit tat­säch­lich für Folk­lore, so ne Tra­di­tion, die man sich in Ameri­ka halt dum­mer­weise angewöh­nt hat. Sie sind keine Bluffer.

  3. Ich darf noch ergänzen:
    Das account eines geschla­ge­nen Präsi­den­ten zu löschen ist wie „einen toten Hund zu treten“ — Eine überzeu­gende Macht­demon­stra­tion???? Eher nicht!

  4. Und erstens kommt es anders und zweit­ens als man denkt.…..
    Kap­i­tal­is­mus hat auch eine Selbst-reinigungs-funktion.
    Genau­so wie die Immo­bilien Preise in New York ins boden­lose fall­en nach dem Boom, fall­en jet­zt die Anzahl der Twit­ter accounts. Rus­sis­ches Telegramm jet­zt mit 550 Mil­lio­nen Nutzern, Twit­ter nur noch 330 Mil­lio­nen. Möglich ist auch dass bald eine neue Plat­tform online geht. Lei­der wird der deutsche Tech-Michel wieder nicht dabei sein aber an erster Stelle für Zen­sur eintreten.

  5. Wed­er sind die Fir­men reine Befehlsemp­faenger, noch ist die Poli­tik all­maechtig. Big Tech hat vier Jahre nicht ver­sucht, Vorteile von einem Praes­i­den­ten zu erhal­ten, son­dern ihn durchge­hend bekaempft. Warum? Weil Poli­tik­er eben doch nicht gle­ich Poli­tik­er ist und *prinzip­ielle* Unter­schiede zwis­chen ihnen beste­hen koen­nen, wie Trump deut­lich zeigt.
    Big Tech ist auch nicht erst im Wahlkampf eingestiegen. Bekan­nter­massen geho­ert die Wash­ing­ton Post Ama­zons Besitzer Bezos, und die ging gegen Trump von Tag 1 an los. Inter­es­san­ter­weise ist sie fuer 300 Mille von ihm unge­faehr zur sel­ben Zeit gekauft wor­den, zu der Ama­zon einen 600-Mil­lio­nen-Kon­trakt von der CIA bekom­men hat.
    Wenn Sie oefter in US-Akademik­er-Kreisen unter­wegs sind — ein­schliesslich der Beschaeftigten im Dun­stkreis Big Tech — wer­den sie auch deut­lich merken, dass die Gehirn­waesche unter diesen ander­weit­ig teil­weise hoech­stin­tel­li­gen­ten Leuten schon sehr lange laeuft, nur noch bes­timmte Mei­n­un­gen d’ac­cord sind und bis zu empfind­lichen Mass­nah­men alles schon Jahre vorhan­den ist, was Trump jet­zt oef­fentlichkeitswirk­sam dro­ht. Wie hier gibt es einen links-lib­eralen Speck, der ueber­all seine Ten­takel im Spiel hat.

    Die „Nach­denk­seit­en“ — die mir poli­tisch i.a.R. nicht nah­este­hen — haben vor einiger Zeit ein­mal jemand eine inter­es­sante Auf­fas­sung dar­legen lassen. Im Gegen­satz sowohl zum marx­is­tis­chen „Der Staat ist das Machtin­stru­ment der herrschen­den Klasse“ als auch Ihrer eige­nen umgekehrten Vorstel­lung der Machtverteilung zwis­chen Poli­tik und Unternehmen ver­trat der Autor die These, dass der Staat manch­mal ein Ueberkap­i­tal­ist ist, der aktiv z.B. in Verteilungskaempfe ein­greift. In der Form, dass er bes­timmte Indus­trien bevorteilt, von denen er sich von objek­tiv begru­end­baren Zukun­ft­saus­sicht­en bis zur banalen Schmierung des eige­nen Vorteils alles Moegliche erwarten kann — und dafuer andere benachteiligt oder ganz kaltstellt.
    In diesem Zusam­men­hang sehen sie sich ein­mal an, WELCHE Wirtschaft­szweige eigentl­cih im Lock­down liegen und welche nicht. Deutsch­land hat man­gels leis­tungs­fae­higer High­tech des Infor­ma­tion­szeital­ters da nicht sofort die schla­gen­den Beispiele zu bieten (die fehlen trotz­dem nicht voel­lig, auch nicht in prinzip­ieller Form), aber Ama­zon z.B. gehts blendend — ich habe seit 2012 Aktien von denen, rein merkan­til kann ich nur sagen: Haette ich nur mehr gekauft. Tes­la wird hofiert, Face­book, wer auch immer. Von wegen, Frau Merkel ist da ahnungs­los. Bei ihrer Sen­si­bil­i­taet fuer Medi­enein­druecke bes­timmter Art weiss sie genau um die Macht der Manip­u­la­tions­fae­higkeit­en dieser Konzerne.

    Fuer mich per­soen­lich stellen sich die Dinge so dar: Ein­er­seits gibt es hier einen Kampf zwis­chen neuem und alten Geld im West­en selb­st, in dem auch Staat­en und Regierun­gen bes­timmte Posi­tio­nen ein­nehmen. Und dann gibt es eine Konkur­renz zum Osten. Jet­zt wird es etwas ver­schwoerung­stech­nisch: Man kann aber dur­chaus der Mei­n­ung sein, dass mass­ge­bliche Kreise im West­en erkan­nt haben, dass man oekonomisch fort­laufend Boden gegen eine Gesellschaft mit einst viel­ge­has­ster Zen­tral­ge­walt ver­liert. Und jene zu dem Schluss gekom­men sind, dass man diese vielle­icht kopieren sollte. Dazu ist es z.B. sin­nvoll, die ueber lange Zeit vorder­gru­endig anders erzo­gene eigene Bevoelkerung ein­mal darauf zu testen, was sie so mit sich machen lassen. Und da waeren wir dann bei Sinn und Zweck der Uebung Coro­na. Ich glaube, da knallen schon ger­aume Zeit die Korken, wie ein­fach das let­ztlich ist.

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