Pro­fes­sor Chris­ti­an Rieck ist Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler und erklärt den Zuschau­ern sei­nes You­Tube-Kanals jede Woche anhand eines prak­ti­schen Bei­spiels die Spiel­theo­rie. Die Vide­os sind stets sehr inter­es­sant, Pro­fes­sor Rieck stets gut auf­ge­legt und voll im Stoff. Sei­ne spiel­theo­re­ti­schen Lösungs­an­sät­ze wer­fen oft ein über­ra­schen­des Licht auf poli­ti­sche oder wirt­schaft­li­che Vor­gän­ge. In sei­nem letz­ten Video befass­te er sich mit der Fra­ge, wel­che Moti­va­ti­on Twit­ter mit der Löschung der Benut­zer­kon­ten von Prä­si­dent Trump haben könn­te. Kurz zusam­men­ge­fasst kommt Rieck zu dem Schluss, Twit­ter habe durch eine Macht­de­mons­tra­ti­on die Poli­tik wis­sen las­sen, wer am län­ge­ren Hebel sitzt und damit auch Joe Biden und Kama­la Har­ris ein Warn­si­gnal gesen­det, weil letz­te­re ja bereits mit der Regu­lie­rung der Big-Tech-Kon­zer­ne gedroht habe.

Als Bild für das Macht­ge­fäl­le zwi­schen Poli­tik und Twit­ter wählt Rieck den Plot des Ita­lo-Wes­terns „Spiel mir das Lied vom Tod“, besetzt die Rol­le des schwer kran­ken Eisen­bahn­mo­guls Mor­ton mit „der Poli­tik“, der den Revol­ver­hel­den „Frank“ (Twit­ter) dafür bezahlt, den reni­ten­ten McBain zum Ver­kauf sei­ner Farm zu drän­gen, aber bit­te ohne Gewalt! Frank bal­lert natür­lich alle über den Hau­fen und beweist so, dass er und nicht Mor­ton die Macht in die­sem Spiel hat, genau wie Twit­ter die Macht habe, will­kür­lich Löschun­gen vor­zu­neh­men und somit vir­tu­ell Leu­te über den Hau­fen zu schie­ßen. Rieck geht also davon aus, dass Twit­ter mit der Löschung Trumps ein Signal an die Poli­tik sen­den wol­le, sich nicht mit „Frank“ anzulegen.

Das könn­te natür­lich alles genau so sein, wie Rieck sagt. Aber ich wür­de nicht über die­ses spiel­theo­re­ti­sche Erklär­vi­deo schrei­ben, wenn ich nicht der Ansicht wäre, dass da ein gänz­lich ande­res Spiel mit ganz anders ver­teil­ten Rol­len gespielt wird.

Strategische Interaktion

Rieck fragt „Man muss sich fra­gen, wann kom­men die [Tech-Kon­zer­ne] den Demo­kra­ten eigent­lich zu Hil­fe? Erst nach­dem die Wahl gelau­fen ist!“ Hier liegt nach mei­ner Mei­nung der ent­schei­den­de Feh­ler in sei­nem Sze­na­rio. Denn Hil­fe­stel­lung gab es in Wirk­lich­keit bereits mas­siv und offen in der Schluss­pha­se des Wahl­kamp­fes, also schon vor der Wahl. Es waren Twit­ter und Face­book, die immer wie­der Trumps Kam­pa­gnen-Accounts lösch­ten und Pres­se­be­rich­te über die Ver­wick­lun­gen von Biden selbst und sei­nem Sohn Hun­ter auf ihren Platt­for­men blo­ckier­ten. In der Senats­an­hö­rung (vor der Wahl) kam Twit­ter-CEO Dor­sey gewal­tig ins Schwim­men, als er nach den Grün­den der Zen­sur des Arti­kels in der New York Post gefragt wur­de. Man habe von „ehe­ma­li­gen Geheim­dienst­mit­ar­bei­tern“ gehört, die Bewei­se sei­en rus­si­sche Pro­pa­gan­da, mein­te Dor­sey, plap­per­te also die­sel­ben Mel­dun­gen nach, die auch über CNN und CBS flim­mer­ten. Dass aktu­el­le Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter das anders sahen, konn­te an der Ent­schei­dung Twit­ters nichts ändern, die NYP-Arti­kel zu blo­ckie­ren. Twit­ter war es auch, wo nach der Wahl jeder noch so belang­lo­se Tweet Trumps mit dem Label „umstrit­ten“ ver­se­hen wurde.

Twit­ter und Face­book sind für CNN, MSNBC, CBS & Co längst zum ent­schei­den­den Ver­triebs­ka­nal ihrer Inhal­te gewor­den. Kaum jemand sucht deren Sei­ten noch direkt auf. Man lässt sich die Mel­dun­gen viel­mehr von Face­book und Twit­ter auf den Schirm brin­gen und zur Suche ver­wen­det man Goog­le. Die Anzahl der Schalt­stel­len für Rele­vanz und Auf­merk­sam­keit ist klein gewor­den, der Mei­nungs­kor­ri­dor ent­spre­chend eng. Bis auf weni­ge Aus­nah­men sind die Medi­en­häu­ser ein­deu­tig den Demo­kra­ten nahe­ste­hen­de Unter­neh­men, deren Agen­da Twit­ter über Jah­re klag­los trans­por­tier­te. Hier ver­or­te ich auch die Ent­schei­dung Twit­ters, sich gewis­ser­ma­ßen „auf eine Sei­te zu schla­gen“: man wählt die Sei­te, wo die wich­tigs­ten Kun­den sind und deren Geld ist. Da ist folg­lich kein „links reden aber anders han­deln“, wie Rieck sagt, son­dern kal­ku­lier­ter Prag­ma­tis­mus. Wenn etwa von „größ­ten­teils fried­li­chen Pro­tes­ten“ die Rede war, wenn Repor­ter vor bren­nen­den Häu­sern stan­den und Plün­de­rer die Arme vol­ler Beu­te hat­ten, ging das stets unge­rügt und ohne Fak­ten­check durch. Die „Kun­den und das Geld“ woll­ten das ja genau­so sehen. Man über­nahm voll­stän­dig das Framing der Demo­kra­ten und hat­te kein Pro­blem damit.

Twitter – der Ort, wo Politiker und Journalisten sich gegenseitig ihrer Wichtigkeit versichern

Da Twit­ter nicht von Wahr­hei­ten, son­dern von Inter­ak­tio­nen lebt, ist es die idea­le Platt­form für den Empö­rungs­be­darf. Egal wie gut oder schlecht Trump auch für Ame­ri­kas poli­ti­sche Kas­te gewe­sen sein mag, für Twit­ter war er pures Quo­ten­gold! Mit sei­nem Wahl­kampf 2015 und dem Amts­an­tritt ein Jahr spä­ter gin­gen die User­zah­len bei Twit­ter wie­der hoch, nach­dem sie von 2011 bis 2014 immer wei­ter gesun­ken waren.

Mit nichts befasst sich die Twit­ter­meu­te seit vier Jah­ren so hin­ge­bungs­voll, wie mit dem, was Trump schreibt, sagt oder ver­schweigt. Der hal­be Pla­net Twit­ter ging sich des­halb an die Gur­gel. Die einen, um Trump nun end­lich den fina­len Stoß zu ver­set­zen, die ande­ren, um ihn zu ver­tei­di­gen. Jetzt wird es knif­fe­lig. Denn wenn man wie Pro­fes­sor Rieck unter­stellt, Twit­ter sei­en „die Mil­li­ar­den wich­ti­ger als Kar­ma­punk­te bei irgend­wel­chen Wal­dorf­schü­lern“ hat Dor­sey gera­de sein wert­volls­tes Asset gelöscht. Man mag die Augen­brau­en heben ange­sichts der Aus­sicht, ein Donald Trump könn­te die Poli­tik der Biden-Admi­nis­tra­ti­on vom Golf­platz aus per Twit­ter kom­men­tie­ren. Den Empö­rungs­le­vel hiel­te es aber auf Tem­pe­ra­tur und somit auch Twit­ter, wo auch die nächs­ten vier Jah­re die ver­schos­se­nen Patro­nen­hül­sen leicht­sin­ni­ger Tweets die Kas­se hät­ten klin­geln las­sen können.

Ein wenig Zen­sur hier, ein gelösch­ter Tweet Trumps dort…all sowas lie­ße die Maschi­ne nur noch schnel­ler lau­fen. Gin­ge es Twit­ter in der Cau­sa Trump also in der genann­ten Wei­se Wei­se um Geld, war­um dann kei­ne Kurz­zeit­sper­re oder Tweet­lö­schung, son­dern Ver­nich­tung? Die User ver­las­sen Twit­ter in Scha­ren auf­grund der Löschung von Trumps Accounts oder wer­den gar aktiv von Twit­ter gelöscht. Man ver­liert also heu­te Geld und Kar­ma­punk­te – aber man gewinnt mor­gen Kar­ma­punk­te bei der neu­en Admi­nis­tra­ti­on. Viel­leicht ist die War­nung von Kama­la Har­ris, man über­le­ge die Zer­schla­gung der Big-Tech-Gigan­ten, ja eher so zu ver­ste­hen: ‚Steigst du in der Opfer­ka­te­go­rie einen Level auf. Ver­lie­re heu­te Geld und User, aber ver­die­ne auch mor­gen noch wel­ches. Falls nicht, strei­chen wir euch das Platt­form­pri­vi­leg und ihr kommt aus dem Löschen, Zen­sie­ren und Pro­zes­sie­ren gar nicht mehr her­aus! Wir wol­len uns nicht die nächs­ten vier Jah­re mit Trumps Kom­men­ta­ren von der Sei­ten­li­nie her­um­pla­gen! Da gibts doch sicher was von Ratio­pharm…‘ Es ist übri­gens nicht not­wen­dig, dass sol­che Wor­te tat­säch­lich aus­ge­spro­chen wer­den. Die­se Art von Ein­ver­ständ­nis funk­tio­niert auch ungesagt.

Machtgefälle

Chris­ti­an Rieck unter­stellt, dass Twit­ter mit der will­kür­li­chen Löschung eines User­pro­fils tat­säch­lich Macht aus­üben kann. Ein wenig sicher, doch das ist eine sehr ober­fläch­li­che Macht. Trump war auf Twit­ter ange­wie­sen, weil dies fast sei­ne ein­zi­ge direk­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­keit mit sei­ner Basis war. Demo­kra­ten wie Biden, Har­ris oder Pelo­si ste­hen Heer­scha­ren von Jour­na­lis­ten zu Gebo­te, die bereit­wil­lig ihre Poli­tik abseg­nen, ihre Sät­ze been­den und über ihre Skan­da­le und Skan­däl­chen gnä­dig den Man­tel des Schwei­gens breiten.

Die­ses Bio­top aus Jour­na­lis­mus und Poli­tik exis­tier­te nie unter Trump und er gab sich auch alle Mühe, die Medi­en dies spü­ren zu las­sen. Was wür­de wohl pas­sie­ren, wenn Twit­ter zum Bei­spiel Kama­la Har­ris Pro­fil lösch­te? Ganz ein­fach: Har­ris wür­de gig­gelnd lachend mit Who­opi Gold­berg bei „The View“ und Jim Acos­ta bei CNN über die längst fäl­li­ge Regu­lie­rung der außer Rand und Band gera­te­nen Social Media Gigan­ten spre­chen. Man habe zwar die Löschung Trumps noch tole­riert, weil die zwar unrecht­mä­ßig, aber doch für eine gute Sache gewe­sen sei. Aber dass nun auch PoC-Frau­en gelöscht wür­den, die Tag für Tag für das Wohl der ärms­ten Amerikaner…ich erspa­re ihnen den mora­li­schen Over­kill, lie­be Leser. Sie kön­nen den Satz mühe­los im Geis­te ad Infi­ni­tum mora­lisch stei­gern und beenden.

Das Macht­ge­fäl­le zwi­schen Poli­tik und Wirt­schaft ist zudem rie­sig! Twit­ter mag die Macht haben, die Accounts von Poli­ti­kern löschen. Poli­ti­ker mit Macht jedoch könn­ten Twit­ter löschen! Die oft (von Poli­ti­kern) erzähl­te Geschich­te, die Wirt­schaft habe sich längst das Pri­mat über die Poli­tik ver­schafft, soll­te spä­tes­tens seit 2020 als Mär­chen erkannt sein. Wäre es anders, säße nicht die Wirt­schaft, son­dern die Poli­ti­ker im Lock­down und statt der For­de­rung nach Ent­eig­nung von Mil­li­ar­dä­ren befass­te man sich mit den viel gigan­ti­sche­ren Geld­men­gen, wel­che die Poli­tik in kür­zes­ter Zeit zu bewe­gen im Stan­de ist.

Rieck bemerkt völ­lig rich­tig, dass Platt­for­men wie Twit­ter mitt­ler­wei­le Demo­kra­tie­feind­li­che Insti­tu­ti­on sind. „Wäh­rend wir nor­ma­ler­wei­se Legis­la­ti­ve, Judi­ka­ti­ve und Exe­ku­ti­ve von­ein­an­der tren­nen, haben wir hier alles in einer ein­zi­gen Platt­form.“ Nur kann man nicht vor­aus­set­zen, dass die Legis­la­ti­ve selbst kei­ne Ambi­tio­nen hat, an der einen oder ande­ren Stel­le eine solch prak­ti­sche „Abkür­zung“ des Dis­kur­ses zu nehmen.

In Deutsch­land hat­te die Legis­la­ti­ve sogar die Frech­heit, die War­nun­gen der Judi­ka­ti­ve in den Wind zu schla­gen und die Auf­he­bung der Tren­nung in ein Gesetz zu gie­ßen. Man nann­te die­se Krea­tur „Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“ und aus­ge­rech­net Kanz­le­rin Mer­kel ver­gießt heu­te Kro­ko­dils­trä­nen ange­sichts der Will­kür bei Twit­ter. Hat sie etwa die „War­nung“ von Twit­ter nicht ver­stan­den? Nein, Mer­kel ist Twit­ter schlicht egal. Wahr­schein­lich hat sie in ihrem gan­zen Leben noch kein LOL dort hin­ter­las­sen. Ver­gleich­ba­res wie das NetzDG steht in den Staa­ten übri­gens noch aus, die nächs­ten vier Jah­re könn­ten da Abhil­fe schaffen.

Nein, lie­ber Herr Rieck, Twit­ter ist hier nicht der skru­pel­lo­se „Frank“ aus Ser­gio Leo­nes Meis­ter­werk. Die Macht ist anders ver­teilt, las­sen sie sich von der Kno­chen­tu­ber­ku­lo­se Mor­tons nicht täu­schen! Da droht nicht Twit­ter dem zukünf­ti­gen Prä­si­den­ten, Twit­ter macht sich viel­mehr lieb Kind mit der zukünf­ti­gen Admi­nis­tra­ti­on und wird für sei­ne Rechts­beu­gung ein ent­spre­chen­des Ent­ge­gen­kom­men erwar­ten. Des­halb schla­ge ich eine ande­re Ana­lo­gie für vor. Ich ken­ne mich lei­der nicht so gut mit Ita­lo­wes­tern aus, des­halb muss­te ich für mein Spiel selbst einen Plot schreiben.

Spiel mir ein anderes Lied vom Tod

Ein neu­er Bür­ger­meis­ter kommt in weni­gen Tagen die Stadt. Der alte Bür­ger­meis­ter wur­de abge­setzt, den Hono­ra­tio­ren der Stadt pass­ten sei­ne unge­ho­bel­ten Umgangs­for­men nicht, außer­dem trieb er sich lie­ber im Saloon her­um, statt mit dem Eisen­bahn-Tycoon, dem Rin­der­ba­ron und dem Gold­mi­nen­be­sit­zer im Holi­day Inn zu spei­sen und sich deren Reden und Kla­gen im Coun­try-Club anzu­hö­ren. Im Saloon sitzt er auch jetzt gera­de, der Alte. Er erzählt jedem, der es nicht wis­sen will, dass er beab­sich­ti­ge, zurück­zu­kom­men und außer­dem jeden Sonn­tag dem Saloon einen Besuch abstat­ten wer­de. Ja, mor­gen wer­de er die Stadt ver­las­sen, um dem „Neu­en“ über­mor­gen nicht die Hand schüt­teln zu müs­sen, aber er wer­de wie­der kom­men und dann wer­de man schon sehen…

Der Dru­cker Tweety Jack fragt sich, ob der neue Bür­ger­meis­ter ihn für loy­al hal­ten wird. Tweety Jack hat­te näm­lich gut Kas­se gemacht in den letz­ten vier Jah­ren, in denen er mehr zu tun hat­te als je zuvor. Stän­dig hat­te der Alte den Bür­gern der Stadt irgend­was mit­zu­tei­len. Im Grun­de bestand Tweety Jack gan­zes Geschäft fast nur noch aus dem Ver­brei­ten von Reden des Bür­ger­meis­ters und den empör­ten Gegen­re­den. Die Fein­de des Alten kauf­ten ihr Brief­pa­pier bei Tweety Jack, damit sie ihre Droh­brie­fe ver­fas­sen konn­ten. Die Anhän­ger des Alten lasen mit Begeis­te­rung die täg­li­chen Bul­le­tins und Aus­hän­ge, die auch alle gedruckt wer­den muss­ten. Auch die Zei­tun­gen fan­den rei­ßend Absatz, alle schrie­ben eif­rig und empört über das, was der Bür­ger­meis­ter sag­te oder mein­te oder sagen oder mei­nen soll­te. Tweety Jack konn­te es gleich sein, er ver­dien­te an jedem Blatt Papier. Die nächs­ten Jah­re könn­ten hin­ge­gen mager wer­den, denn der Neue war lang­wei­li­ger Typ, der lie­ber unter der Hand regier­te und nicht all­zu red­se­lig war. Wür­de er Tweety Jack über­haupt brau­chen oder viel­leicht einen die­ser neu­mo­di­schen Tele­gra­fen anschaf­fen, um ihn zu erset­zen? Wie nur konn­te Tweety Jack den Neu­en von sei­ner Loya­li­tät über­zeu­gen und davon, dass er noch gebraucht wur­de? Jack lud sei­nen sil­ber­nen 45er Colt und ging in den Saloon. Er wuss­te, er wür­de kei­ne hal­ben Sachen machen und alle sechs Patro­nen abfeuern.

Musik zum Text: Nan­cy (nein, nicht Pelo­sy) Sina­tra! „Bang Bang”
Lus­ti­ger­wei­se sind bei­de Nan­cys Jahr­gang 1940. Doch wäh­rend die eine nicht mehr singt, kann die ande­re nicht von der Poli­tik las­sen. Ich wünsch­te, es wäre andersherum.

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9 Kommentare

  1. Die Spiel­theo­rie lebt von klar defi­nier­ten Spie­len mit klar defi­nier­ten Regeln und sehr weni­gen Akteu­ren. Sie geht, wie auch der Libe­ra­lis­mus, von Akteu­ren aus, die bewusst ins Spiel ein­grei­fen um mess­ba­re Vor­tei­le zu erhal­ten. – Doch weder Covid noch Welt­po­li­tik ist so ein Spiel. Beim Zusam­men­wir­ken von sehr vie­len Akteu­ren neu­tra­li­sie­ren sich viel­mehr deren Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen und poten­zie­ren sich ihre ideo­lo­gi­schen Prä­mis­sen oder Patho­lo­gien. – Eine Kul­tur mit sui­zi­dä­ren Ten­den­zen wird in ihrem Zusam­men­wir­ken genau die­sen pro­du­zie­ren. Aber das Leben fin­det einen Weg. Die geheims­ten Wün­sche wer­den Wirk­lich­keit, nur eben in dia­lek­ti­scher Bre­chung. Wir erle­ben in die­sen Wochen eine „unsicht­ba­re Hand“, einen „Geist der Geschich­te“, des­sen Spiel viel mäch­ti­ger ist als die Aktio­nen jedes ein­zel­nen Mitspielers.

  2. Die meis­ten Infor­ma­ti­ker sind ech­te Gläu­bi­ge. Bei der neu­en Reli­gi­on kom­men Fach­idio­ten und ech­te Idio­ten zusam­men. Man konn­te das schon sehen bei der „James Demore”-Causa bei Goog­le und den „Gen­der Work­shops”, an denen er teil­neh­men muss­te. Man kann es auch im per­sön­li­chen Gespräch erleben. 

    Wie soll jemand den gan­zen Tag Gebrauchs­an­wei­sun­gen (tuto­ri­als, docu­men­ta­ti­on) lesen und Tests durch­füh­ren, um Pro­ble­me zu lösen, und dann auch noch hin­ter­fra­gen, was er zwi­schen Tür und Angel hört, plus das, was er schon in der Schu­le ein­ge­impft bekam?

    Der Tag von intel­li­gen­ten Leu­ten hat auch nur 24 Stun­den. Und dar­an muss Rieck, den ich sehr schät­ze, auch schei­tern. Die Spiel­theo­rie geht von ratio­na­len Play­ern aus. Mas­sen­wahn, kul­tu­rel­le Mus­ter, alte, evo­lu­tio­när ent­stan­de­ne Instink­te in fal­scher Anwen­dung kön­nen nicht erfasst werden. 

    Und an die­se Gren­ze sto­ßen nicht nur Spiel­theo­re­ti­ker. So wirk­lich ver­stan­den hat die Situa­ti­on wohl nie­mand. Ich sowie­so nicht. 

    Lan­ge Rede kur­zer Sinn: Jack Dor­sey glaubt an das ewi­ge, kli­ma­sta­bi­li­sier­te Leben durch Tofu-Piz­za und Ras­sis­mus­be­kämp­fung. Er sieht auch längst aus wie ein Eemit. Und Mark Zucker­berg hält Mei­nungs­frei­heit tat­säch­lich für Folk­lo­re, so ne Tra­di­ti­on, die man sich in Ame­ri­ka halt dum­mer­wei­se ange­wöhnt hat. Sie sind kei­ne Bluffer.

  3. Ich darf noch ergänzen:
    Das account eines geschla­ge­nen Prä­si­den­ten zu löschen ist wie „einen toten Hund zu tre­ten” – Eine über­zeu­gen­de Macht­de­mons­tra­ti­on???? Eher nicht!

  4. Und ers­tens kommt es anders und zwei­tens als man denkt.…..
    Kapi­ta­lis­mus hat auch eine Selbst-reinigungs-funktion.
    Genau­so wie die Immo­bi­li­en Prei­se in New York ins boden­lo­se fal­len nach dem Boom, fal­len jetzt die Anzahl der Twit­ter accounts. Rus­si­sches Tele­gramm jetzt mit 550 Mil­lio­nen Nut­zern, Twit­ter nur noch 330 Mil­lio­nen. Mög­lich ist auch dass bald eine neue Platt­form online geht. Lei­der wird der deut­sche Tech-Michel wie­der nicht dabei sein aber an ers­ter Stel­le für Zen­sur eintreten.

  5. Weder sind die Fir­men rei­ne Befehls­emp­fa­en­ger, noch ist die Poli­tik all­maech­tig. Big Tech hat vier Jah­re nicht ver­sucht, Vor­tei­le von einem Prae­si­den­ten zu erhal­ten, son­dern ihn durch­ge­hend beka­empft. War­um? Weil Poli­ti­ker eben doch nicht gleich Poli­ti­ker ist und *prin­zi­pi­el­le* Unter­schie­de zwi­schen ihnen bestehen koen­nen, wie Trump deut­lich zeigt.
    Big Tech ist auch nicht erst im Wahl­kampf ein­ge­stie­gen. Bekann­ter­mas­sen geho­ert die Washing­ton Post Ama­zons Besit­zer Bezos, und die ging gegen Trump von Tag 1 an los. Inter­es­san­ter­wei­se ist sie fuer 300 Mil­le von ihm unge­fa­ehr zur sel­ben Zeit gekauft wor­den, zu der Ama­zon einen 600-Mil­lio­nen-Kon­trakt von der CIA bekom­men hat.
    Wenn Sie oef­ter in US-Aka­de­mi­ker-Krei­sen unter­wegs sind – ein­schliess­lich der Bescha­ef­tig­ten im Dunst­kreis Big Tech – wer­den sie auch deut­lich mer­ken, dass die Gehirn­wa­esche unter die­sen ander­wei­tig teil­wei­se hoechst­in­tel­li­gen­ten Leu­ten schon sehr lan­ge lae­uft, nur noch bestimm­te Mei­nun­gen d’ac­cord sind und bis zu emp­find­li­chen Mass­nah­men alles schon Jah­re vor­han­den ist, was Trump jetzt oef­fent­lich­keits­wirk­sam droht. Wie hier gibt es einen links-libe­ra­len Speck, der ueber­all sei­ne Ten­ta­kel im Spiel hat.

    Die „Nach­denk­sei­ten” – die mir poli­tisch i.a.R. nicht nahe­ste­hen – haben vor eini­ger Zeit ein­mal jemand eine inter­es­san­te Auf­fas­sung dar­le­gen las­sen. Im Gegen­satz sowohl zum mar­xis­ti­schen „Der Staat ist das Macht­in­stru­ment der herr­schen­den Klas­se” als auch Ihrer eige­nen umge­kehr­ten Vor­stel­lung der Macht­ver­tei­lung zwi­schen Poli­tik und Unter­neh­men ver­trat der Autor die The­se, dass der Staat manch­mal ein Ueber­ka­pi­ta­list ist, der aktiv z.B. in Ver­tei­lungs­ka­emp­fe ein­greift. In der Form, dass er bestimm­te Indus­trien bevor­teilt, von denen er sich von objek­tiv begru­end­ba­ren Zukunfts­aus­sich­ten bis zur bana­len Schmie­rung des eige­nen Vor­teils alles Moe­g­li­che erwar­ten kann – und dafu­er ande­re benach­tei­ligt oder ganz kaltstellt.
    In die­sem Zusam­men­hang sehen sie sich ein­mal an, WELCHE Wirt­schafts­zwei­ge eigentlcih im Lock­down lie­gen und wel­che nicht. Deutsch­land hat man­gels leis­tungs­fa­e­hi­ger High­tech des Infor­ma­ti­ons­zeit­al­ters da nicht sofort die schla­gen­den Bei­spie­le zu bie­ten (die feh­len trotz­dem nicht voel­lig, auch nicht in prin­zi­pi­el­ler Form), aber Ama­zon z.B. gehts blen­dend – ich habe seit 2012 Akti­en von denen, rein mer­kan­til kann ich nur sagen: Haet­te ich nur mehr gekauft. Tes­la wird hofiert, Face­book, wer auch immer. Von wegen, Frau Mer­kel ist da ahnungs­los. Bei ihrer Sen­si­bi­li­ta­et fuer Medi­en­ein­dru­ecke bestimm­ter Art weiss sie genau um die Macht der Mani­pu­la­ti­ons­fa­e­hig­kei­ten die­ser Konzerne.

    Fuer mich per­so­en­lich stel­len sich die Din­ge so dar: Einer­seits gibt es hier einen Kampf zwi­schen neu­em und alten Geld im Wes­ten selbst, in dem auch Staa­ten und Regie­run­gen bestimm­te Posi­tio­nen ein­neh­men. Und dann gibt es eine Kon­kur­renz zum Osten. Jetzt wird es etwas ver­schwoe­rungs­tech­nisch: Man kann aber durch­aus der Mei­nung sein, dass mass­geb­li­che Krei­se im Wes­ten erkannt haben, dass man oeko­no­misch fort­lau­fend Boden gegen eine Gesell­schaft mit einst viel­ge­hass­ter Zen­tral­ge­walt ver­liert. Und jene zu dem Schluss gekom­men sind, dass man die­se viel­leicht kopie­ren soll­te. Dazu ist es z.B. sinn­voll, die ueber lan­ge Zeit vor­der­gru­en­dig anders erzo­ge­ne eige­ne Bevoel­ke­rung ein­mal dar­auf zu tes­ten, was sie so mit sich machen las­sen. Und da wae­ren wir dann bei Sinn und Zweck der Uebung Coro­na. Ich glau­be, da knal­len schon gerau­me Zeit die Kor­ken, wie ein­fach das letzt­lich ist.

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