Die meiste Zeit ver­mit­telt uns die Medi­enöf­fentlichkeit ein osten­ta­tiv zur Schau gestelltes Desin­ter­esse an dem, was Poli­tik­er der AfD so sagen und tun. Doch spätestens bei Zwis­chen­rufen wie „Kopf­tuch­mäd­chen“ und „Vogelschiss“ wird schnell allen klar, dass die Jour­nal­is­ten ger­adezu an den Mün­dern dieser Partei kleben. Wir dür­fen also davon aus­ge­hen, dass wir über jede unge­heuer­liche Aus­sage, die je ein Vertreter dieser Partei von sich geben wird, aus­führlich unter­richtet wer­den. Von der Rede Alice Wei­dels, die zu 99% ein fundiert­er Angriff auf die Merkel­regierung war, wird jedoch nur der verz­er­rt dargestellte Halb­satz mit den „Messer­män­nern und Kopf­tuch­mäd­chen“ im Gedächt­nis bleiben. Selb­st Par­la­mentspräsi­dent Schäu­ble hat­te offen­bar Mühe, der Zeichenset­zung und Bedeu­tungszuord­nung der Rede angemessen zu fol­gen, weshalb er eine Rüge aussprach, wo es nichts zu rügen gab. Etwas anders liegt die Sache bei der Rede Gaulands auf dem Bun­deskongress der „Jun­gen Alter­na­tive“, in der er die zwölf Jahre der Nazi-Herrschaft als „einen Vogelschiss auf 1.000 Jahren erfol­gre­ich­er deutsch­er Geschichte“ bezeichnete.

Im Kon­text wird klar – und das sollte man ehrlicher­weise auch so fes­thal­ten – dass Gauland diese zwölf Jahre offen­sichtlich ger­ade nicht als Ruhmes­blatt der deutschen Geschichte darzustellen ver­sucht. Seinem Ekel durch die Ver­wen­dung aus­gerech­net des harm­losen Begriffs „Vogelschiss“ Aus­druck zu ver­lei­hen, darf man deshalb min­destens als rhetorisches Armaged­don beze­ich­nen, wie es einem Poli­tik­er nicht unter­laufen sollte. Gern würde man ihm noch schlim­meres unter­stellen, passte dies doch per­fekt zum all­ge­meinen Nazi-Sprech mit brauner Soße, der von jeher kübel­weise auf allen Kanälen über ihm aus­ge­bre­it­et wird. Der Ver­such des Spiegel, Gaulands Äußerung im Mund des Vor­sitzen­den der „Jun­gen Alter­na­tive“ gle­ich noch zum „Mück­en­schiss“ aufzublasen, wurde jedoch nach kurz­er Zeit klein­laut kor­rigiert „Anmerkung der [SPON-] Redak­tion: Nach Erscheinen dieses Textes schrieb uns der zitierte JA-Vor­sitzen­den Dami­an Lohr, er habe ‘die 12 Jahre nicht als Mück­en­schiss beze­ich­net’. Der Text wurde angepasst.“ Man schafft es beim Spiegel offen­sichtlich nicht ein­mal dann bei der auss­chmück­ungslosen Wahrheit zu bleiben, wenn diese so offen­sichtlich selb­st nach Maulschellen ver­langt. Immer muss es noch eine ver­schär­fende Unter­stel­lung geben, was der Glaub­würdigkeit lei­der nie zuträglich ist.

Tauschte man den „Vogelschiss“ hinge­gen durch die geläu­figere und akzep­tierte Vok­a­bel „Schand­fleck“, hätte sich nie ein Skan­dal daraus zim­mern lassen, noch hätte irgend­je­mand über die Rede berichtet. Der Vogelschiss jedoch, der trifft das deutsche Seelchen eben­so wie das Mit­teilungs­bedürf­nis unser­er Jour­nal­is­ten. Lei­der ging Gauland bei sein­er Pro­voka­tion nicht ein­mal halb so geschickt vor wie Wei­del, und so wird uns der Anblick dutzen­der sich als Sol­i­dar­ität­skopf­tuch­mäd­chen ent­blö­den­der Mit­bürg­er wohl erspart bleiben, die aus Protest einen Helm aus Vogelscheiße auf dem Kopf tra­gen wer­den. Eine steile Kar­riere als „Unwort des Jahres“ prophezeie ich dem Schiss jedoch gern. Ver­mut­lich wird es die Begriffe „Rechts­bruch“ und „BAMF-Skan­dal“ weit hin­ter sich lassen, weil Tat­en, wenn sie sich hin­ter schö­nen Worten ver­steck­en, in diesem Land für nichts gel­ten, während falsch ver­wen­dete Worte schon als Vor­weg­nahme von Tat­en ange­se­hen werden.

Ein Vogelschiss ist abwaschbar, eine Kausalkette nicht

Den von Gauland für die zwölf Hitler­jahre gewählte Begriff „Vogelschiss“ halte ich für däm­lich, weil er ver­harm­losend ist und das Nazi-Regime als eine Art Betrieb­sun­fall darstellt. Denn ein Vogelschiss ist zufäl­lig und abwaschbar, während sich die Schand­flecke, welche die Naz­izeit in der deutschen Geschichte hin­ter­lassen haben, als unaus­löschbar und als Ergeb­nis ein­er ganzen Kette von Ereignis­sen erwiesen haben, welche die Deutschen blind und eines nach dem anderen geschehen ließen. Auf dem Lack richtet des Vogels Geschäft nur dann Schä­den an, wenn er nicht rechtzeit­ig mit viel Wass­er wegge­spült wird, während sich die moralis­chen Ver­heerun­gen der Naz­izeit nicht weg­waschen lassen. Es ist völ­lig erwart­bar, dass Gauland solche Reini­gungs­gelüste unter­stellt wer­den und er sollte eigentlich intel­li­gent genug sein, dies vorher zu wis­sen. Die medi­ale Prügel bezieht er deshalb und in diesem Fall zu Recht.

Das gute Wort bannt nicht die böse Tat

Was die Reak­tio­nen auf dessen Äußerun­gen ange­ht, offen­baren diese jedoch auch die Fix­ierung der Deutschen auf das Rit­u­al der bloßen Rhetorik der Bußübun­gen, die zur Abwehr der Fin­ster­n­is fest im poli­tis­chen Denken ver­drahtet sind. Man glaubt, wenn man nur immer die vorgeschriebe­nen Worte ver­wen­det, kommt die Abso­lu­tion von ganz allein und deshalb spendet man sie sich nur zu gern gle­ich selb­st. Das hat zur Folge, dass die Deutschen dazu neigen, die Gegen­wart nur mit den eige­nen Sch­ablo­nen der Ver­gan­gen­heit zu messen und diese Sch­ablo­nen zum Gold­stan­dard des Ver­brechens zu erk­lären. Das wichtig­ste dabei ist das Dog­ma der Sin­gu­lar­ität deutsch­er Ver­brechen. Im Rück­blick ist dies vom Ergeb­nis her betra­chtet sog­ar kor­rekt, denn egal wie weit man in der Ver­gan­gen­heit zurückschaut, man wird nir­gends einen Genozid erblick­en, wie ihn die Deutschen ins­beson­dere an sechs Mil­lio­nen Juden began­gen haben und es ist zu hof­fen, dass es für immer bei dieser Sin­gu­lar­ität bleibt. Mir erscheinen die Sch­ablo­nen jedoch oft als viel zu groß und zu starr, als dass sie dazu tau­gen kön­nten, die Bedro­hun­gen der Gegen­wart kor­rekt zu messen. Anstatt näm­lich die Mech­a­nis­men zu erken­nen, die das Entste­hen dieses Schand­flecks auf der deutschen Geschichte begün­stigten und daraus Schlüsse für die Gegen­wart zu ziehen, gefällt man sich in der Poli­tik vor allem in Bußübun­gen, die auf die Ver­gan­gen­heit zie­len. Nir­gends wir dies deut­lich­er als in der Inbrun­st, mit der man öffentlich das Leid des jüdis­chen Volkes unter der Naz­i­herrschaft beklagt, dem eine entset­zliche Gle­ichgültigkeit bezüglich des immer stärk­er wer­den­den weltweit­en Anti­semitismus, der sich nur schlecht als Israelkri­tik tarnt, gegenüber­ste­ht. Die pro­vokante Fest­stel­lung, dass Herr und Frau Stolper­stein erschreck­ender­weise die bekan­ntesten Juden in Deutsch­land seien, trifft lei­der zu.

An Hitler erinnern, aber Heine zitieren

Für die Zeit zwis­chen 1933 und 1945, in der ein poli­tisch fast vol­lkom­men gle­ichgeschal­tetes Deutsch­land seine Auf­gabe in der Eroberung der Welt, der Aus­rot­tung ganz­er Völk­er und der Selb­stver­her­rlichung sah, ist fast jede einzelne Vok­a­bel zu schwach für die Beschrei­bung. Leichtsin­niger­weise wurde in let­zter Zeit ger­ade die tauglich­ste davon durch infla­tionäre Ver­wen­dung zur Verunglimp­fung Ander­s­denk­ender entwertet. Es gehört heute schon fast zum Begrüßungsritu­al von regierungskri­tis­chen Men­schen, sich gegen­seit­ig zu befra­gen, für welche Äußerung sie mit dem Attrib­ut „Nazi“ bedacht wur­den. Hier sind die Sch­ablo­nen durch zu häu­fi­gen Gebrauch bere­its untauglich gewor­den, ver­harm­lost doch die infla­tionäre Ver­wen­dung dieses Begriffes die Gräuel, die unter sein­er Fahne einst angerichtet wurden.

Alexan­der Gauland sei emp­fohlen, seine dur­chaus glaub­hafte Abscheu gegenüber den ver­brecherischen Ereignis­sen des Naziregimes, die eine tiefe Zäsur in unser­er Geschichte darstellen, durch geeignetere Vok­a­beln als aus­gerech­net mit „Vogelschiss“ zu beschreiben, sein­er Darstel­lung eine aus­führlichere Erk­lärung nachzufü­gen und sich anson­sten sin­nvoller auf die Beschrei­bung der Gegen­wart und der Zukun­ft zu ver­legen. Denn Gle­ich­schal­tung, Aus­gren­zung und Dämon­isierung Ander­s­denk­ender und die unerträglich besser­wis­serische Selb­st­gerechtigkeit deutschen Denkens, welche sich heute als „Europäis­ch­er Geist“ tarnt, kön­nten son­st irgend­wann auch die let­zte zivil­isatorische Sin­gu­lar­ität in den Schat­ten stellen. Dies­mal durch eine poli­tis­che Implo­sion der EU, wie sie die Welt noch nicht gese­hen hat. Ver­glichen mit dem, was die Ver­harm­lo­sung des weltweit grassieren­den Anti­semitismus anrichtet und der Weigerung, in der EU den ökonomis­chen Geset­zmäßigkeit­en der Mark­twirtschaft wieder Gel­tung zu ver­schaf­fen, kön­nte sich jed­er daneben gegan­gene his­torische Ver­gle­ich kün­ftig in der Tat als Vogelschiss erweisen.

An alle anderen Parteien geht meine Auf­forderung, der AfD die Suche nach pos­i­tiv­en Iden­ti­fika­tion­s­merk­malen in unser­er Geschichte nicht länger zu über­lassen und auf die Farbe der Fund­stücke zu schauen, anstatt selb­st auf die Suche zu gehen, um den Men­schen neben Schuld & Sühne auch Stolz & Ver­bun­den­heit anbi­eten zu kön­nen. Es ist alle mal bess­er und gesün­der, an Hitler zu erin­nern und Heine zu zitieren, als umgekehrt!

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33 Kommentare

  1. “Vogelschiß” wird garantiert nicht das Unwort des Jahres werden. 🙂

    Weil “Vogelschiß” nichts impliziert, keine Verbindung zu bösen “rechts­gerichteten” Gedanken wie z.B. die Wörter “Gut­men­sch” oder “Lügen­presse”. 🙂

    Was ist an Gaulands Worten so schlimm? Er hat doch völ­lig recht. Diese zwölf Jahre sind (langfristig) tat­säch­lich so etwas wie ein Unfall, ein Mal­heur. Was wis­sen Sie denn, wie sich der Ver­gan­gen­heits­diskurs in den näch­sten 200 Jahren entwick­eln wird? Das ist doch der Witz, daß jegliche Ver­gan­gen­heit irgend­wann zur “Mytholo­gie” wird, zum Märchen, zur Leg­ende. Nicht weil man deren Real­ität leug­nen würde, son­dern weil es ein­fach immer unwichtiger, immer sur­real­er wird. Die jew­eili­gen Ereignisse hät­ten genau­so gut eben auch nicht stattge­fun­den haben können.

    Das ist ein zwangsläu­figer his­torisch­er Prozeß. Gauland hat let­ztlich recht. Wir über­höhen uns da auch selb­st. Auch eine deutsche Krankheit: unsere Schuld­grandiosität, der Größen­wahn unser­er Schuld. Schaut man dere­inst mal im Jahre 2200 zurück aufs 20. Jahrhun­dert, sieht man ein­fach einen großen Brei aus total­itär­er Inhu­man­ität, eine Epoche, die längst abgeschlossen ist. Man sieht, daß diverse Staat­en viele Mil­lio­nen Tote verur­sacht haben, man sieht aber vor allem die vie­len Inter­de­pen­den­zen, die Schick­sal­shaftigkeit und Zwangsläu­figkeit und wird sehr viel milder zurückschauen.

    Eben genau­so, wie wir heute z.B. auf den Dreißigjähri­gen Krieg schauen. Das ganze pein­liche Pathos, was mir heute aufge­drückt wird, wird es nicht mehr geben.

    Insofern sind Gaulands Worte prophetisch. Die Leute, die bei diesem The­ma ver­strahlt sind, sind die Nazi-fix­ierten 68er-Gut­men­schen, die nicht die Phan­tasie haben, sich vorzustellen, daß das alles in nicht mehr allzu langer Zeit als total unwichtig ange­se­hen wird.

    Die heuti­gen Gen­er­a­tio­nen sind ger­adezu besessen vom Nazi-Nar­ra­tiv, von ihrer eige­nen daraus resul­tieren­den Gutheit. Wir sind da wohl ein bißchen egozen­trisch und über­schätzen ganz ein­fach diesen Geschichtsabschnitt.

    Ich brauche auch nichts über diese Zeit zu wis­sen, damit sie sich nicht “wieder­holt”, wie mir viele Gut­men­schen weis­machen wollen. Da reicht bere­its eine humane, gewalt­freie Erziehung aus, um solche Gewal­texzesse zu ver­hin­dern, eine Erziehung, die um das Jahr 1900 prak­tisch inex­is­tent war.

    Ich muß ja auch nichts über den Dreißigjähri­gen Krieg wis­sen, um diesen Scheiß-Katho­liken nicht mehr auf die Birne zu hauen. 🙂

    Ich will mit diesen lau­ni­gen Aus­führun­gen nur mal klar­ma­chen, wie unglaublich egozen­trisch und dep­pert unsere Diskurse sind.

    • …wenn Siefer­le Recht behält, wer­den wir an unser­er Schuld­grandiosität und unserem Pathos zugrun­dege­hen. Die Sache ist also noch nicht entsch­ieden, je nach dem, was schneller kommt…Normalisierung also VOR oder NACH dem Untergang. 😉

  2. Warum Herr Letsch scheiben Sie hier immer die 12 Jahre wären ein Vogelschiß?
    Hitler und die Nazis waren ein Vogelschiß, sagte Gauland.
    Kann denn gar kein­er mehr etwas kor­rekt wiedergeben? Reicht es nicht, daß die Lügen- und Lück­en presse alles ver­dreht und wegläßt?

  3. Ein­er der besten Beiträge von Roger unter seinen vie­len sehr guten. Auch mein Ein­druck war, eine sel­ten däm­liche For­mulierung. Zumal wenn man weiß wie sehr man unter ständi­ger Beobach­tung steht.

    • Ich finde, eine abso­lut her­vor­ra­gende For­mulierung des Hrn. Gauland. Daß Hitler ein Vogelschiß war, kann man nicht bess­er for­mulieren. Oben­drein gibt es massen­haft Aufmerk­samkeit — gratis. Und jede Wer­bung ist gute Wer­bung (alte Weisheit der US-Geschäftswelt)

  4. Wenn ich heute sowas lesen muss
    https://www.bild.de/regional/berlin/antisemitismus/wegen-israelischer-musik-geschlagen-55892780.bild.html
    dann frage ich mich, was eigentlich schlim­mer ist:
    Eine blöde Wort­wahl oder das Schaf­fen solche anti­semi­tis­chen Zustände.
    Eins ist jeden­falls klar, auch wenn Alt­parteien und mit ihnen ver­bün­dete Jour­nal­is­ten, die AfD für wirk­lich alles ver­ant­wortlich machen — für diese anti­semi­tis­chen Über­griffe sind auss­chließlich die Alt­parteien verantwortlich.

    btw.
    Hier der Auss­chnitt der Gauland ‑Rede:
    „Aber wir wollen wed­er in der Welt noch in Europa aufge­hen. Wir haben eine ruhm­re­iche Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre. Und nur wenn wir uns zu dieser Geschichte beken­nen, haben wir die Kraft, die Zukun­ft zu gestalten.

    Ja, wir beken­nen uns zu unser­er Ver­ant­wor­tung für die 12 Jahre. Aber, liebe Fre­unde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unser­er über 1000-jähri­gen Geschichte. Und die großen Gestal­ten der Ver­gan­gen­heit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bis­mar­ck sind der Maßstab, an dem wir unser Han­deln aus­richt­en müssen. Ger­ade weil wir die Ver­ant­wor­tung für die 12 Jahre über­nom­men haben, haben wir jedes Recht den Staufer­kaiser Friedrich II., der in Paler­mo ruht, zu bewun­dern. Der Bam­berg­er Reit­er gehört zu uns wie die Stifter­fig­uren des Naum­burg­er Doms.

    Liebe Fre­unde, denken wir immer daran, dass ein deutsch­er Jude, Ernst Kan­torow­icz, den Ruhm des Staufer­kaisers beschrieben hat. Nein, der Islam gehört nicht zu uns. Unsere Vor­fahren haben ihn 1683 vor Wien besiegt. Aber das deutsche Juden­tum von Ballin und Ble­ichröder über Rathenau und Kan­torow­icz war Teil ein­er deutschen Heldengeschichte, die Hitler ver­nicht­en wollte.

    Liebe Fre­unde, uns muss man nicht vom Unwert des Nation­al­sozial­is­mus überzeu­gen. Wir haben diesen Unwert im Blut. Aber, liebe Fre­unde, wer eine Rot-Kreuz-Flagge aus den let­zten Tages des Kampfes um Berlin entsorgt, hat keine Achtung vor sol­datis­chen Tra­di­tio­nen, die es jen­seits der Ver­brechen auch in der Wehrma­cht gab.“
    aus
    https://www.afdbundestag.de/wortlaut-der-umstrittenen-passage-der-rede-von-alexander-gauland/

    • Danke, Thomas. Diese lange Pas­sage kan­nte ich noch nicht. Ein Grund mehr, wegen Gaulands Rede nicht gle­ich drei Kreuze zu schla­gen und fromm zu murmeln: “Wir Deutschen haben eine beson­dere… Wir Deutschen haben eine beson­dere… Wir Deutschen haben eine besondere…”

  5. Ich finde den ständi­gen Bezug auf die Zeit von 33–45 auch vol­lkom­men unnötig. Leute, es gibt doch nun wirk­lich genug aktuelle The­men und Leichen immer Keller der Block­parteien von Merkel!!
    Oder holen die Amis ständig die Sklaverei oder Mas­sak­er an den Indi­an­ern aus der Mot­tenkiste? Die Hol­län­der und den Buren in Südafri­ka? Die Spanier mit den Inkas? Oder die Russen mit den Stalin-Gulags?

    • Ja, tun sie. Das ist ein in allen west­lichen Gesellschaften ver­bre­it­etes Prob­lem. Die Poli­tisch Kor­rek­ten haben gel­ernt, dass es Zugeständ­nisse gibt, wenn man auf den Schuld-Knopf der Mehrheit ein­häm­mert. Darum tun sie es exzes­siv. Auch in den USA.

      Damit ist auch zu rech­nen, weil sich mas­sig Kohle im sozialen Sek­tor ver­di­enen lässt, der umso wichtiger wird, je mehr Prob­leme wahrgenom­men wer­den, und umso mehr Prob­leme wahrgenom­men wer­den, je hys­ter­isch­er man kreischt.

      Im Ide­al­fall lässt man sich von dem Gekreis­che nicht beein­trächti­gen, son­dern bewahrt sich die Frei­heit Dinge zu tun, wegen denen gekreis­cht wird, und ist nicht zu Zugeständ­nis­sen bere­it, wenn jemand kreis­cht. Man ver­han­delt auch nicht mit Ter­ror­is­ten. Das sind Schuldkomplex-Terroristen.

    • Ich hab schlechte Nachricht­en: Die Amis holen lei­der ständig die Sklaverei und die Indi­an­er­lei­den aus der Mot­tenkiste. Let­zteres wird sog­ar von den Linken so hochge­spielt, dass sie damit den Holo­caust rel­a­tivieren. Also die Seuchen wer­den zu nicht stattge­fun­de­nen Mas­sak­ern erklärt.

  6. Warum sich die Deutschen über­haupt noch mit der Zeit vor mehr als 70 Jahren (immer­hin mit­tler­weile 3 Gen­er­a­tio­nen) selb­st­geis­seln, das wis­sen nur die Götter.

    Warum sich einige der immer­hin fast 30.000 AfD-Mit­glieder immer wieder dazu hin­reis­sen lassen, einen Bezug zur NS-Zeit herzustellen, das kön­nen wohl nur klin­is­che Psy­chi­ater beurteilen.

    Völ­lig unnötiger Blödsinn. 

    “Nach vorne schauen”, muss die Devise heissen.

    • Hol­ger
      Man muß sich Sein­er Geschichte schon bewusst sein und alles dafür tuhen das sich
      diese Grauen­haften Geschehen nicht wieder­holen! Nur ist es nicht Nor­mal, diese Schuld
      bis in Ewige Zeit­en mit sich her­rum zu tra­gen. Und wie es hier passiert in Deutschland ,
      vor lauter unter­wür­fi­gen Schuldge­fühlen sich ständig ins Eigene Nest zu Pis­sen und zu
      Scheis­sen, sich selb­st in ewig gebück­ter Hal­tung selb­st zu kasteien, um Anderen zu gefallen,
      Die schon längst ein Geschäft daraus gemacht haben und alles tuhen das Das so bleibt!
      Es wird Zeit, das Wir das nicht vergessen was War,aber es wird auch Zeit langsam Anders damit
      umzuge­hen. Zumal ger­ade Die, Die Uns mit Eifer immer wieder Unsere Schuld vorhalten,
      Sich sel­ber der Größten Ver­brechen in der Neuzeit schuldig gemacht haben!

  7. Er hat Vogelschiss gesagt! Na und? Natür­lich ist das keine angemessene Beze­ich­nung für den Holo­caust. Und natür­lich würde ich mich als Jude, der jeman­den aus sein­er Fam­i­lie im Holo­caust ver­loren hat, zu Recht darüber empören. Was ich jedoch nicht ver­ste­he, ist die moralis­che Entrüs­tung der­jeni­gen, die keine Juden sind. Muss man sich denn jede dumme Äußerung eines deutschen Poli­tik­ers zu Eigen machen? Gauland hat Vogelschiss gesagt. Na und? Deswe­gen muss sich doch kein Deutsch­er vor seinen jüdis­chen Fre­un­den schä­men. Diese reflex­hafte öffentliche Empörung hat etwas Exaltiertes, zur Schau Gestelltes, Tugend Sig­nal­isieren­des, Beken­nt­nishaftes und Hys­ter­isches. Ich finde sie ekel­haft, genau­so wie ich öffentlich­es Beten ekel­haft finde.

  8. Der Mufl jagt die Milf –
    Die Lück­en­presse schweigt.
    Doch ruft sie “Herr! Hilf!!”
    Wenn Gauland Kante zeigt.

  9. So ist es lei­der nicht. Es zählen auch Worte, denn sie kön­nen früher oder später auch zu Tat­en führen. Sprache ist sehr wichtig, in mehrfach­er Hin­sicht. Zwar haben Gauland und Kon­sorten nie­man­den umge­bracht oder verge­waltigt (das haben Merkel & Co. allerd­ings auch nicht selb­st), aber sie ver­harm­losen sys­tem­a­tisch eine wahnsin­nige Dik­tatur, die Mil­lio­nen Ermordete zu ver­ant­worten hat. Wer so recht­sex­trem und teil­weise sog­ar Nazi-like denkt und redet wie manche AfD-Leute, macht die eigene “Gnade der späten Geburt” kaputt und begün­stigt faschis­tis­che Kräfte, die es lei­der nach wie vor gibt. Man kann nicht die einen (etablierte Parteien, Main­streamme­di­en, links­grüne Ide­olo­gen, Islam-Fanatik­er) zu Recht kri­tisieren, aber den anderen alles durchge­hen lassen. Gle­iche Maßstäbe für alle!

    • Dann ist Zen­sur also okay, und es wäre angemessen, wenn bewaffnete Leute jeman­den aus sein­er Woh­nung zer­ren, um ihn zusam­men mit verurteil­ten Gewalt­tätern in einen Käfig zu sper­ren, weil diese Per­son etwas gesagt hat, von dem jemand denkt, dass es wom­öglich in eini­gen Fällen ein­er Tat Drit­ter voraus­ge­hen KÖNNTE? Wär das nicht mehr ein gewalt­samer Über­griff gegenüber einem Unschuldigen, den man lediglich mit dem rein hypo­thetis­chen Ver­hal­ten unbeteiligter Drit­ter recht­fer­tigt, die in diesem Zusam­men­hang über­haupt nichts getan haben? Klingt nicht die Zen­sur viel mehr wie ein Ver­brechen, und der Zen­sor nach einem Ver­brech­er, als irgen­det­was Gesagtes?

      Falls jet­zt wieder jemand sagen sollte, dass das ein Strohmann ist, oder es Off Top­ic ist: In diesem Fall sollte Rede­frei­heit gel­ten. Beziehungsweise deren schw­er trau­ma­tisierte und schon schon häu­fig miss­brauchte, jün­gere Cou­sine, die Mei­n­ungs­frei­heit. Die einen Kranken­haus­be­such und eine län­gere sta­tionäre Ther­a­pie im Miss­brauch­szen­trum mitler­weile drin­gend nötig hätte.

      Was Nazis, etablierte Parteien, links­grüne Ide­olo­gen (die auch einen Body­count haben), Islam-Fanatik­er, Maois­t­en, Stal­in­is­ten, was auch immer in Com­bidia an der Macht war, was auch immer in Nord­ko­rea an der Macht ist, die Hutu-Pow­er Bewe­gung im All­ge­meinen und die Inter­a­hamwe im Beson­deren, und das Meiste von dem, wom­it man son­st noch nicht den Plan­eten teilen möchte, gemein­sam haben, ist Folgendes:

      - Die Ansicht, man könne nicht ohne ein über­mächtiges Gewaltkollek­tiv leben
      — Die Ansicht, es existiere das Recht, sich mit­tels dessen über Andere zu erheben

      Und es gibt unzäh­lige Spielarten, wie diese Kon­stel­la­tion schief laufen kann, und der zweite Punkt wird über einen län­geren Zeitraum immer wieder auftreten, egal, was man macht. Wenns Mehrere gibt, die das Spiel spie­len, ists Krieg, wenns nur Ein­er macht, ists etwas dystopis­ches. Die echt­en Nation­al­sozial­is­ten, die heute nicht mehr existieren, sind nur eine der Möglichkeit­en, und die haben die Aufmerk­samkeit nicht ver­di­ent, die ihnen zuteil wird. Das waren Ver­sager, die nur eskalieren kon­nten, wenn ihnen etwas nicht passte, und deren ganze hochgelobte Gesellschaft­sor­d­nung zusam­men­brach, nach­dem sie ihr Eskala­tionspoten­zial erre­icht hat­ten, und immer noch jemand übrig war. Die Pseudon­azis, die existieren, sind LARP­er, denen schnell lang­weilig wer­den würde, wenn man es ihnen erlauben würde, mit Hitler­bärtchen und Hak­enkreuzbinde am Woch­enende in Reih und Glied in der Innen­stadt spazieren zu gehen, und dabei “Die Fahne hoch” zu sin­gen. Was mich übri­gens unge­mein belusti­gen würde. Sobald denen lang­weilig wird, bleiben die zu Hause, hören Landser, saufen Bier, stören darüber hin­aus höch­stens noch ihre Nach­barn im Plat­ten­bau mit zu lauter Musik, und wür­den es, nach anfänglich­er Euphorie, bald als Strafe empfind­en, wenn sie am näch­sten Woch­enende wieder mit­marschieren müssten.

      Im End­ef­fekt läuft es doch darauf hin­aus, dass man unter dem Nazis-sind-böse Deck­man­tel heutzu­tage Asoziale abhängig von ihrem Musikgeschmack diskri­m­iniert, die sich frei­willig als Bösewichte out­en, weil die sich mit irgendwelchen Sym­bol­en schmück­en, die ger­ade Tabu sind. Und das ist idi­o­tisch. Bei den mit­te­lal­ter­lichen Hex­en­ver­bren­nun­gen gabs auch Geständ­nisse von Men­schen, die an Hex­erei glaubten, und die selb­st dacht­en, mit dem Teufel im Bunde zu sein, und sich der Hex­erei schuldig gemacht zu haben. Das ist genau der selbe Mech­a­nis­mus, der heute gegenüber “Nazis” zum Tra­gen kommt. Von bei­den Seit­en. Eine Seite macht sich mit Sym­bo­l­ik “schuldig”, und die Andere Seite sieht in dieser “Schuld” ihre Berech­ti­gung, einen nicht exis­ten­ten “Teufel” aus­treiben. Das ist doch alles Psy­chodra­ma von Men­schen, die nicht damit klarkom­men, dass ihre Mei­n­ung der Real­ität scheiße­gal ist, und passieren wird, was passieren kann.

      Wenn man nicht will, dass sich das wieder­holt, was unter den Nation­al­sozial­is­ten passiert ist, muss man die zwei Punk­te angreifen, die ich zu Beginn genan­nt habe. Macht man aber nicht, weil sichs nicht mit dem aktuellen Gesellschaftssys­tem vere­in­baren lässt, und jed­er denkt, es gäbe keine Welt außer­halb des Teller­rands. Stattdessen prügelt man auf Gespen­ster ein, die längst tot sind. Das tat­en die Nazis übri­gens auch, als sie immer noch wegen jed­er Kleinigkeit eine jüdis­che Ver­schwörung wit­terten, nach­dem sie ihre Gesellschaft längst vom “jüdis­chen” Ein­fluss gesäu­bert hat­ten. Das ist eine nicht sin­guläre psy­chis­che Fehlfunk­tion, die schon für viele Alb­träume gesorgt hat, die nicht mit den echt­en Nation­al­sozial­is­ten aus­gestor­ben ist, und deren erneuten kollek­tiv­en Aus­bruch man nicht daran erken­nt, dass jemand von einem vor­ange­gan­genen Aus­bruch deliriert.

      • “Dann ist Zen­sur also okay, und es wäre angemessen, wenn bewaffnete Leute jeman­den aus sein­er Woh­nung zer­ren, um ihn zusam­men mit verurteil­ten Gewalt­tätern in einen Käfig zu sper­ren, weil diese Per­son etwas gesagt hat, von dem jemand denkt, dass es wom­öglich in eini­gen Fällen ein­er Tat Drit­ter voraus­ge­hen KÖNNTE?”

        Welch maßlose Über­in­ter­pre­ta­tion meines Beitrags! Nichts davon habe ich geschrieben oder gemeint. Gauland & Co. kön­nen — wie jed­er andere — sagen, was sie wollen, aber eben nicht erwarten, dass es ohne Wider­spruch und Kri­tik bleibt. Nicht mehr und nicht weniger.

        • Gut, dann entschuldige ich mich. Wir leben in ein­er Welt, in der manche Mei­n­un­gen mit Gewalt durchge­set­zt wer­den, so auch diese, dass es angemessen ist, Men­schen in einen Käfig zu sper­ren, weil sie “Heil Hitler” gesagt haben. Ich bin dafür, dass man diese Äußerung kri­tisiert und angreift, und dage­gen, dass deshalb jemand auf­grund von etwas Gesagtem rechtliche Prob­leme bekommt, und ver­wech­selte Ersteres wohl mit ein­er Recht­fer­ti­gung des Letzteren.

  10. Gauland ist kein Nazi, aber er fis­cht bewußt in braunen Gewässern. Das zeigte schon seine Äußerung, man dürfe stolz sein auf die “Leis­tun­gen” (!) der deutschen Sol­dat­en während der bei­den Weltkriege. Die NS-Dik­tatur war ein Jahrtausend­ver­brechen. Mit dem “Vogelschiß” richtet Gauland sich in mehrfach­er Hin­sicht selb­st. Wenn die AfD so weit­er macht, wird sie hof­fentlich sehr bald zum Fliegen­schiss der Geschichte. Die Hoff­nung auf eine lib­er­al-kon­ser­v­a­tive Alter­na­tive zu der vielfach ver­fehlten Poli­tik der übri­gen Parteien wird von Gauland, Höcke und Gesin­nungsgenossen sys­tem­a­tisch zer­stört. Die fatal­en Fehler des Merkel-Regierun­gen und der Pseudoop­po­si­tion kön­nen die recht­sex­tremen Aus­fälle der AfD-Leute wed­er entschuldigen noch gar rechtfertigen.

    • Wie viele Men­schen wur­den denn als Resul­tat der Hand­lun­gen der Her­ren Gauland und Höcke bere­its verge­waltigt oder umge­bracht, und in welch­er Größenord­nung bewe­gen sich diese Zahlen in abse­hbar­er Zukunft?

      Tat­en != Worte.
      Tat­en zählen. Worte nicht.

        • Nicht?

          “Die fatal­en Fehler des Merkel-Regierun­gen und der Pseudoop­po­si­tion kön­nen die recht­sex­tremen Aus­fälle der AfD-Leute wed­er entschuldigen noch gar rechtfertigen.”

          Klang für mich so. Aber das kön­nte dur­chaus eine Fehlin­ter­pre­ta­tion mein­er­seits sein, die mit mein­er Inter­pre­ta­tion ihrer Auf­gabe zusam­men­hängt. Für mich haben die im Augen­blick lediglich die Funk­tion, so viel kaputt zu machen, wie möglich, damit es Spiel­raum gibt, die Alt­las­ten abzule­gen. Dafür würde ich ihnen gerne freie Hand lassen. Sobald sie dann etwas zu melden haben, werde ich kri­tis­ch­er, aber im Augen­blick ist es nicht ihre Auf­gabe, lang­weilig und angepasst zu sein. Im Gegen­teil, ich finde die noch viel zu lieb und harm­los. Die sind neu und unge­bun­den, und kön­nen sich jet­zt noch aus­suchen, was sie sein wollen. Wenn sie so wer­den, wie alle, wäre das eine ver­passte Chance. Grobe Fehltritte halte ich daher eher für ein gutes Zeichen.

          Ich schreibe zu viel.

  11. Ich möchte hier mal einige The­sen vertreten, für die ich gehas­st wer­den werde:

    1. Eben­so wie jedes andere Ereig­nis, ist auch der Holo­caust einzi­gar­tig, und wird sich inner­halb der Leben­szeit unser­er Galax­ie nicht wieder­holen, weil zu viele Vari­ablen in einzi­gar­tiger Kon­stel­la­tion daran beteiligt sind. Diese Aus­sage ist deshalb belan­g­los. Es wur­den während der gesamten Men­schheits­geschichte alle möglichen Arten des Genozids oder Demozids aus­pro­biert, und der Holo­caust war ein­er dieser Ver­suche. Ruan­da war bru­taler, die Sovi­ets hat­ten den höheren Body­count, und wären die dazu notwendi­gen tech­nol­o­gis­chen Voraus­set­zun­gen schon länger da, gäbs auch bere­its einen Genozid, der tech­nol­o­gisch effizien­ter umge­set­zt wurde.

    2. Der Holo­caust hat nichts mit Deutsch-Sein zu tun. Die Grund­vor­raus­set­zun­gen des Holo­caust, wenn man ihn als Sin­gu­lar­ität betra­chtet, ist nicht irgen­deine Volk­sange­hörigkeit, oder die Inden­ti­fizierung mit irgendwelchen pop­ulären Schlag­worten (Volk, Kul­tur, etc.), son­dern die Kom­bi­na­tion von tech­nol­o­gis­chem Sachver­stand mit der Ansicht, Men­schen haben das Recht sich auf kollek­tivem Wege durch die nutzung des Staats, oder eines ver­gle­ich­baren Gewaltkollek­tivs, über Andere zu erheben. Bei­des sind Dinge, die nichts mit Herkun­ft zu tun haben. Wenn man den Holo­caust als ein Ereig­nis unter Vie­len betra­chtet, fällt die Notwendigkeit des tech­nol­o­gis­chen Sachver­stands weg, weil es auch ver­armte, unge­bildete, im Schnitt nicht sehr intel­li­gente, und über­wiegend mit Knüp­peln und Macheten Bewaffnete Ruan­der geschafft haben, ein Low-Tech Gewaltkollek­tiv zu bilden, dessen erwiesene Fähigkeit einen Alb­traum zu real­isieren dem der Nazis in nichts nachsteht. 

    Daraus schließend würde ich behaupten, dass der Holo­caust, eben­so wie jed­er andere Genozid und Demozid, ein Schand­fleck nicht für Deutsche, son­dern für Kollek­tivis­ten ist, und es irreführend ist, diese Ereignisse mit Ober­fläch­lichkeit­en wie der Herkun­ft in Verbindung zu brin­gen. Men­schen, die ein über­mächtiges Gewaltkollek­tiv haben wollen, schaf­fen dadurch die Voraus­set­zun­gen für Genozide. Sobald dieses Ding existiert, das die Fähigkeit dazu hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Fähigkeit zum Ein­satz kommt. Dabei ist es gle­ichgültig, mit welchen Mit­teln man ver­sucht, die Wahrschein­lichkeit zu reduzieren. Selb­st extrem unwahrschein­liche Ereignisse treten irgend­wann mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahrschein­lichkeit ein, wenn die Zeitachse nur lang genug ist. 

    Uns fehlt zudem die Fähigkeit, die Unzahl der für sich unwahrschein­lichen Einzel­ereignisse, die zu Chaos führen kön­nen, über­haupt abzuschätzen. Da unwahrschein­liche Ereignisse unwahrschein­lich sind, treten sie nur so sel­ten auf, dass sie in unser­er kom­plex­en Welt unvorherse­hbar sind, und wir uns nicht darauf vor­bere­it­en kön­nen, welch­es spez­i­fis­che dieser extrem zahlre­ichen poten­ziellen unwahrschein­lichen Ereignisse als näch­stes ein­tritt. Wir über­schätzen deshalb unsere Fähigkeit die Gewaltkollek­tive unter Kon­trolle zu hal­ten. Wir ver­suchen es nicht­mal auf halb­wegs effek­tivem Weg.

    • Was wollt ihr immer bloß mit der Einzi­gar­ti­gar­tigkeit? Es wäre schön , wenn es andem wäre. Mao , der größte Massen­mörder, Stal­in, Pol Pot , der ein Drit­tel seines Volkes umge­bracht hat und die ganzen anderen linken Poten­tat­en, die im Blut gewa­tet sind, was also sind dann diese? Ist es nur Ras­sis­mus, nach dem Mot­to tote Chi­ne­sen zählen nicht , Blind­heit auf dem linken Auge, Unwis­senheit, der Holo­caust ist keine Sin­gu­lar­ität. Und ob ein Opfer danach aus­ge­sucht wird , das es Jude ist oder das es eine Brille trägt, kön­nen für mich keinen Unter­schied erken­nen lassen.

  12. Ich stimme nicht mit Ihnen übere­in, dass das Judengenozid eine Sin­gu­lar­ität der Deutschen ist. Einen ähn­lichen Völk­er­mord gab es zu Pol Pots Zeit­en in Kam­bod­scha, das wird aber im West­en kaum zur Ken­nt­nis gewor­den. Solche Greueltat­en kön­nen immer passieren, auch in der heuti­gen Zeit. Das ist nicht eine Eigen­schaft der Deutschen, son­dern der Men­schen all­ge­mein. Leider.

    • Ja, mit der Sin­gu­lar­ität ist das so eine Sache, mit der Ver­gle­ich­barkeit auch. Die Vertreter der “Sin­gu­lar­ität” wür­den näm­lich ins Feld führen, dass auf den killing Fields “nur” zwei Mil­lio­nen Men­schen ermordet wur­den. Das ist zynisch, aber viele Men­schen denken lei­der so.

      • Eigentlich bin ich schock­iert, dass man über­haupt nicht einiger­maßen frei über den Holo­caust reden kann. Ich tu mich auch schw­er die “richti­gen” Dinge immer dazu im exak­ten Wort­laut zu sagen. Es getraut sich doch über­haupt kein­er mehr. Was bedeutet über­haupt “indus­trieller” Massen­mord? Waren die Gulags (schon unter Lenin bevor Hitler an die Macht kam) nicht indus­triell? Und warum muss man auf der “Sin­gu­lar­ität” rum­re­it­en? Will ich einen Massen­mord in Zukun­ft ver­hin­dern, dann muss ich alle auf Gemein­samkeit­en und Unter­schiede absuchen, vom Holodomor bis zum Großen Sprung (und noch etliche weniger bekan­nte, Dschingis Khan ermordete 40 Mil­lio­nen). Ich weiß nicht, ob ich mich damit schon straf­bar mache.

  13. Das ist völ­lig richtig. Vogelschiß ist daneben und eine Ver­harm­lo­sung der Grauen des III. Reich­es. Da muss sich jemand entschuldigen oder den Weg frei machen für jün­gere Nach­fol­ger. Per­sön­lich mag ich Her­rn Gauland und sehe in ihm einen aufrichti­gen Vertei­di­ger Deutsch­lands. Was auch klar sein muss, es gibt keine über die Gen­er­a­tio­nen bleibende Kollek­tivschuld, für kein Land dieser Erde und auch keine Men­schen. Wer heute geboren wurde, muss sich das schlechte Gewis­sen der Ver­gan­gen­heit nicht anhän­gen lassen. Das wider­spricht nicht ein­er mah­nen­den Kul­tur der Erin­nerung an den Holo­caust und anderen Gräueltat­en der men­schlichen Geschichte.

    • Vogelschiß ist nicht daneben, denn Gauland sagte, Hilter und die Nazis waren ein Vogelschiß und da hat er ver­dammt genau Recht!

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