Die meiste Zeit ver­mit­telt uns die Medi­en­öf­fent­lich­keit ein osten­ta­tiv zur Schau gestell­tes Des­in­ter­esse an dem, was Poli­ti­ker der AfD so sagen und tun. Doch spä­tes­tens bei Zwi­schen­ru­fen wie „Kopf­tuch­mäd­chen“ und „Vogel­schiss“ wird schnell allen klar, dass die Jour­na­lis­ten gera­dezu an den Mündern dieser Partei kleben. Wir dürfen also davon aus­ge­hen, dass wir über jede unge­heu­er­li­che Aussage, die je ein Ver­tre­ter dieser Partei von sich geben wird, aus­führ­lich unter­rich­tet werden. Von der Rede Alice Weidels, die zu 99% ein fun­dier­ter Angriff auf die Mer­kel­re­gie­rung war, wird jedoch nur der ver­zerrt dar­ge­stellte Halb­satz mit den „Mes­ser­män­nern und Kopf­tuch­mäd­chen“ im Gedächt­nis bleiben. Selbst Par­la­ments­prä­si­dent Schäuble hatte offen­bar Mühe, der Zei­chen­set­zung und Bedeu­tungs­zu­ord­nung der Rede ange­mes­sen zu folgen, weshalb er eine Rüge aus­sprach, wo es nichts zu rügen gab. Etwas anders liegt die Sache bei der Rede Gau­lands auf dem Bun­des­kon­gress der „Jungen Alter­na­tive“, in der er die zwölf Jahre der Nazi-Herr­schaft als „einen Vogel­schiss auf 1.000 Jahren erfolg­rei­cher deut­scher Geschichte“ bezeich­nete.

Im Kontext wird klar – und das sollte man ehr­li­cher­weise auch so fest­hal­ten – dass Gauland diese zwölf Jahre offen­sicht­lich gerade nicht als Ruh­mes­blatt der deut­schen Geschichte dar­zu­stel­len ver­sucht. Seinem Ekel durch die Ver­wen­dung aus­ge­rech­net des harm­lo­sen Begriffs „Vogel­schiss“ Aus­druck zu ver­lei­hen, darf man deshalb min­des­tens als rhe­to­ri­sches Arma­ged­don bezeich­nen, wie es einem Poli­ti­ker nicht unter­lau­fen sollte. Gern würde man ihm noch schlim­me­res unter­stel­len, passte dies doch perfekt zum all­ge­mei­nen Nazi-Sprech mit brauner Soße, der von jeher kübel­weise auf allen Kanälen über ihm aus­ge­brei­tet wird. Der Versuch des Spiegel, Gau­lands Äuße­rung im Mund des Vor­sit­zen­den der „Jungen Alter­na­tive“ gleich noch zum „Mücken­schiss“ auf­zu­bla­sen, wurde jedoch nach kurzer Zeit klein­laut kor­ri­giert „Anmer­kung der [SPON-] Redak­tion: Nach Erschei­nen dieses Textes schrieb uns der zitierte JA-Vor­sit­zen­den Damian Lohr, er habe ‚die 12 Jahre nicht als Mücken­schiss bezeich­net’. Der Text wurde ange­passt.“ Man schafft es beim Spiegel offen­sicht­lich nicht einmal dann bei der aus­schmü­ckungs­lo­sen Wahr­heit zu bleiben, wenn diese so offen­sicht­lich selbst nach Maul­schel­len ver­langt. Immer muss es noch eine ver­schär­fende Unter­stel­lung geben, was der Glaub­wür­dig­keit leider nie zuträg­lich ist.

Tauschte man den „Vogel­schiss“ hin­ge­gen durch die geläu­fi­gere und akzep­tierte Vokabel „Schand­fleck“, hätte sich nie ein Skandal daraus zimmern lassen, noch hätte irgend­je­mand über die Rede berich­tet. Der Vogel­schiss jedoch, der trifft das deut­sche Seel­chen ebenso wie das Mit­tei­lungs­be­dürf­nis unserer Jour­na­lis­ten. Leider ging Gauland bei seiner Pro­vo­ka­tion nicht einmal halb so geschickt vor wie Weidel, und so wird uns der Anblick dut­zen­der sich als Soli­da­ri­täts­kopf­tuch­mäd­chen ent­blö­den­der Mit­bür­ger wohl erspart bleiben, die aus Protest einen Helm aus Vogel­scheiße auf dem Kopf tragen werden. Eine steile Kar­riere als „Unwort des Jahres“ pro­phe­zeie ich dem Schiss jedoch gern. Ver­mut­lich wird es die Begriffe „Rechts­bruch“ und „BAMF-Skandal“ weit hinter sich lassen, weil Taten, wenn sie sich hinter schönen Worten ver­ste­cken, in diesem Land für nichts gelten, während falsch ver­wen­dete Worte schon als Vor­weg­nahme von Taten ange­se­hen werden.

Ein Vogelschiss ist abwaschbar, eine Kausalkette nicht

Den von Gauland für die zwölf Hit­ler­jahre gewählte Begriff „Vogel­schiss“ halte ich für dämlich, weil er ver­harm­lo­send ist und das Nazi-Regime als eine Art Betriebs­un­fall dar­stellt. Denn ein Vogel­schiss ist zufäl­lig und abwasch­bar, während sich die Schand­fle­cke, welche die Nazi­zeit in der deut­schen Geschichte hin­ter­las­sen haben, als unaus­lösch­bar und als Ergeb­nis einer ganzen Kette von Ereig­nis­sen erwie­sen haben, welche die Deut­schen blind und eines nach dem anderen gesche­hen ließen. Auf dem Lack richtet des Vogels Geschäft nur dann Schäden an, wenn er nicht recht­zei­tig mit viel Wasser weg­ge­spült wird, während sich die mora­li­schen Ver­hee­run­gen der Nazi­zeit nicht weg­wa­schen lassen. Es ist völlig erwart­bar, dass Gauland solche Rei­ni­gungs­ge­lüste unter­stellt werden und er sollte eigent­lich intel­li­gent genug sein, dies vorher zu wissen. Die mediale Prügel bezieht er deshalb und in diesem Fall zu Recht.

Das gute Wort bannt nicht die böse Tat

Was die Reak­tio­nen auf dessen Äuße­run­gen angeht, offen­ba­ren diese jedoch auch die Fixie­rung der Deut­schen auf das Ritual der bloßen Rhe­to­rik der Buß­übun­gen, die zur Abwehr der Fins­ter­nis fest im poli­ti­schen Denken ver­drah­tet sind. Man glaubt, wenn man nur immer die vor­ge­schrie­be­nen Worte ver­wen­det, kommt die Abso­lu­tion von ganz allein und deshalb spendet man sie sich nur zu gern gleich selbst. Das hat zur Folge, dass die Deut­schen dazu neigen, die Gegen­wart nur mit den eigenen Scha­blo­nen der Ver­gan­gen­heit zu messen und diese Scha­blo­nen zum Gold­stan­dard des Ver­bre­chens zu erklä­ren. Das wich­tigste dabei ist das Dogma der Sin­gu­la­ri­tät deut­scher Ver­bre­chen. Im Rück­blick ist dies vom Ergeb­nis her betrach­tet sogar korrekt, denn egal wie weit man in der Ver­gan­gen­heit zurück­schaut, man wird nir­gends einen Genozid erbli­cken, wie ihn die Deut­schen ins­be­son­dere an sechs Mil­lio­nen Juden began­gen haben und es ist zu hoffen, dass es für immer bei dieser Sin­gu­la­ri­tät bleibt. Mir erschei­nen die Scha­blo­nen jedoch oft als viel zu groß und zu starr, als dass sie dazu taugen könnten, die Bedro­hun­gen der Gegen­wart korrekt zu messen. Anstatt nämlich die Mecha­nis­men zu erken­nen, die das Ent­ste­hen dieses Schand­flecks auf der deut­schen Geschichte begüns­tig­ten und daraus Schlüsse für die Gegen­wart zu ziehen, gefällt man sich in der Politik vor allem in Buß­übun­gen, die auf die Ver­gan­gen­heit zielen. Nir­gends wir dies deut­li­cher als in der Inbrunst, mit der man öffent­lich das Leid des jüdi­schen Volkes unter der Nazi­herr­schaft beklagt, dem eine ent­setz­li­che Gleich­gül­tig­keit bezüg­lich des immer stärker wer­den­den welt­wei­ten Anti­se­mi­tis­mus, der sich nur schlecht als Israel­kri­tik tarnt, gegen­über­steht. Die pro­vo­kante Fest­stel­lung, dass Herr und Frau Stol­per­stein erschre­cken­der­weise die bekann­tes­ten Juden in Deutsch­land seien, trifft leider zu.

An Hitler erinnern, aber Heine zitieren

Für die Zeit zwi­schen 1933 und 1945, in der ein poli­tisch fast voll­kom­men gleich­ge­schal­te­tes Deutsch­land seine Aufgabe in der Erobe­rung der Welt, der Aus­rot­tung ganzer Völker und der Selbst­ver­herr­li­chung sah, ist fast jede ein­zelne Vokabel zu schwach für die Beschrei­bung. Leicht­sin­ni­ger­weise wurde in letzter Zeit gerade die taug­lichste davon durch infla­tio­näre Ver­wen­dung zur Ver­un­glimp­fung Anders­den­ken­der ent­wer­tet. Es gehört heute schon fast zum Begrü­ßungs­ri­tual von regie­rungs­kri­ti­schen Men­schen, sich gegen­sei­tig zu befra­gen, für welche Äuße­rung sie mit dem Attri­but „Nazi“ bedacht wurden. Hier sind die Scha­blo­nen durch zu häu­fi­gen Gebrauch bereits untaug­lich gewor­den, ver­harm­lost doch die infla­tio­näre Ver­wen­dung dieses Begrif­fes die Gräuel, die unter seiner Fahne einst ange­rich­tet wurden.

Alex­an­der Gauland sei emp­foh­len, seine durch­aus glaub­hafte Abscheu gegen­über den ver­bre­che­ri­schen Ereig­nis­sen des Nazi­re­gimes, die eine tiefe Zäsur in unserer Geschichte dar­stel­len, durch geeig­ne­tere Voka­beln als aus­ge­rech­net mit „Vogel­schiss“ zu beschrei­ben, seiner Dar­stel­lung eine aus­führ­li­chere Erklä­rung nach­zu­fü­gen und sich ansons­ten sinn­vol­ler auf die Beschrei­bung der Gegen­wart und der Zukunft zu ver­le­gen. Denn Gleich­schal­tung, Aus­gren­zung und Dämo­ni­sie­rung Anders­den­ken­der und die uner­träg­lich bes­ser­wis­se­ri­sche Selbst­ge­rech­tig­keit deut­schen Denkens, welche sich heute als „Euro­päi­scher Geist“ tarnt, könnten sonst irgend­wann auch die letzte zivi­li­sa­to­ri­sche Sin­gu­la­ri­tät in den Schat­ten stellen. Diesmal durch eine poli­ti­sche Implo­sion der EU, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Ver­gli­chen mit dem, was die Ver­harm­lo­sung des welt­weit gras­sie­ren­den Anti­se­mi­tis­mus anrich­tet und der Wei­ge­rung, in der EU den öko­no­mi­schen Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Markt­wirt­schaft wieder Geltung zu ver­schaf­fen, könnte sich jeder daneben gegan­gene his­to­ri­sche Ver­gleich künftig in der Tat als Vogel­schiss erwei­sen.

An alle anderen Par­teien geht meine Auf­for­de­rung, der AfD die Suche nach posi­ti­ven Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merk­ma­len in unserer Geschichte nicht länger zu über­las­sen und auf die Farbe der Fund­stü­cke zu schauen, anstatt selbst auf die Suche zu gehen, um den Men­schen neben Schuld & Sühne auch Stolz & Ver­bun­den­heit anbie­ten zu können. Es ist alle mal besser und gesün­der, an Hitler zu erin­nern und Heine zu zitie­ren, als umge­kehrt!

33 Kommentare

  1. Vogel­schiß” wird garan­tiert nicht das Unwort des Jahres werden. 🙂

    Weil „Vogel­schiß” nichts impli­ziert, keine Ver­bin­dung zu bösen „rechts­ge­rich­te­ten” Gedan­ken wie z.B. die Wörter „Gut­mensch” oder „Lügen­presse”. 🙂

    Was ist an Gau­lands Worten so schlimm? Er hat doch völlig recht. Diese zwölf Jahre sind (lang­fris­tig) tat­säch­lich so etwas wie ein Unfall, ein Malheur. Was wissen Sie denn, wie sich der Ver­gan­gen­heits­dis­kurs in den nächs­ten 200 Jahren ent­wi­ckeln wird? Das ist doch der Witz, daß jeg­li­che Ver­gan­gen­heit irgend­wann zur „Mytho­lo­gie” wird, zum Märchen, zur Legende. Nicht weil man deren Rea­li­tät leugnen würde, sondern weil es einfach immer unwich­ti­ger, immer sur­rea­ler wird. Die jewei­li­gen Ereig­nisse hätten genauso gut eben auch nicht statt­ge­fun­den haben können.

    Das ist ein zwangs­läu­fi­ger his­to­ri­scher Prozeß. Gauland hat letzt­lich recht. Wir über­hö­hen uns da auch selbst. Auch eine deut­sche Krank­heit: unsere Schuld­g­ran­dio­si­tät, der Grö­ßen­wahn unserer Schuld. Schaut man der­einst mal im Jahre 2200 zurück aufs 20. Jahr­hun­dert, sieht man einfach einen großen Brei aus tota­li­tä­rer Inhu­ma­ni­tät, eine Epoche, die längst abge­schlos­sen ist. Man sieht, daß diverse Staaten viele Mil­lio­nen Tote ver­ur­sacht haben, man sieht aber vor allem die vielen Inter­de­pen­den­zen, die Schick­sals­haf­tig­keit und Zwangs­läu­fig­keit und wird sehr viel milder zurück­schauen.

    Eben genauso, wie wir heute z.B. auf den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg schauen. Das ganze pein­li­che Pathos, was mir heute auf­ge­drückt wird, wird es nicht mehr geben.

    Inso­fern sind Gau­lands Worte pro­phe­tisch. Die Leute, die bei diesem Thema ver­strahlt sind, sind die Nazi-fixier­ten 68er-Gut­men­schen, die nicht die Phan­ta­sie haben, sich vor­zu­stel­len, daß das alles in nicht mehr allzu langer Zeit als total unwich­tig ange­se­hen wird.

    Die heu­ti­gen Gene­ra­tio­nen sind gera­dezu beses­sen vom Nazi-Nar­ra­tiv, von ihrer eigenen daraus resul­tie­ren­den Gutheit. Wir sind da wohl ein bißchen ego­zen­trisch und über­schät­zen ganz einfach diesen Geschichts­ab­schnitt.

    Ich brauche auch nichts über diese Zeit zu wissen, damit sie sich nicht „wie­der­holt”, wie mir viele Gut­men­schen weis­ma­chen wollen. Da reicht bereits eine humane, gewalt­freie Erzie­hung aus, um solche Gewalt­ex­zesse zu ver­hin­dern, eine Erzie­hung, die um das Jahr 1900 prak­tisch inexis­tent war.

    Ich muß ja auch nichts über den Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg wissen, um diesen Scheiß-Katho­li­ken nicht mehr auf die Birne zu hauen. 🙂

    Ich will mit diesen lau­ni­gen Aus­füh­run­gen nur mal klar­ma­chen, wie unglaub­lich ego­zen­trisch und deppert unsere Dis­kurse sind.

    • …wenn Sie­ferle Recht behält, werden wir an unserer Schuld­g­ran­dio­si­tät und unserem Pathos zugrun­de­ge­hen. Die Sache ist also noch nicht ent­schie­den, je nach dem, was schnel­ler kommt…Normalisierung also VOR oder NACH dem Unter­gang. 😉

  2. Warum Herr Letsch schei­ben Sie hier immer die 12 Jahre wären ein Vogel­schiß?
    Hitler und die Nazis waren ein Vogel­schiß, sagte Gauland.
    Kann denn gar keiner mehr etwas korrekt wie­der­ge­ben? Reicht es nicht, daß die Lügen- und Lücken presse alles ver­dreht und wegläßt?

  3. Einer der besten Bei­träge von Roger unter seinen vielen sehr guten. Auch mein Ein­druck war, eine selten däm­li­che For­mu­lie­rung. Zumal wenn man weiß wie sehr man unter stän­di­ger Beob­ach­tung steht.

    • Ich finde, eine absolut her­vor­ra­gende For­mu­lie­rung des Hrn. Gauland. Daß Hitler ein Vogel­schiß war, kann man nicht besser for­mu­lie­ren. Oben­drein gibt es mas­sen­haft Auf­merk­sam­keit – gratis. Und jede Werbung ist gute Werbung (alte Weis­heit der US-Geschäfts­welt)

  4. Wenn ich heute sowas lesen muss
    https://​www​.bild​.de/​r​e​g​i​o​n​a​l​/​b​e​r​l​i​n​/​a​n​t​i​s​e​m​i​t​i​s​m​u​s​/​w​e​g​e​n​-​i​s​r​a​e​l​i​s​c​h​e​r​-​m​u​s​i​k​-​g​e​s​c​h​l​a​g​e​n​-​5​5​8​9​2​7​8​0​.​b​i​l​d​.​h​tml
    dann frage ich mich, was eigent­lich schlim­mer ist:
    Eine blöde Wort­wahl oder das Schaf­fen solche anti­se­mi­ti­schen Zustände.
    Eins ist jeden­falls klar, auch wenn Alt­par­teien und mit ihnen ver­bün­dete Jour­na­lis­ten, die AfD für wirk­lich alles ver­ant­wort­lich machen – für diese anti­se­mi­ti­schen Über­griffe sind aus­schließ­lich die Alt­par­teien ver­ant­wort­lich.

    btw.
    Hier der Aus­schnitt der Gauland -Rede:
    „Aber wir wollen weder in der Welt noch in Europa auf­ge­hen. Wir haben eine ruhm­rei­che Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre. Und nur wenn wir uns zu dieser Geschichte beken­nen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestal­ten.

    Ja, wir beken­nen uns zu unserer Ver­ant­wor­tung für die 12 Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogel­schiss in unserer über 1000-jäh­ri­gen Geschichte. Und die großen Gestal­ten der Ver­gan­gen­heit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bis­marck sind der Maßstab, an dem wir unser Handeln aus­rich­ten müssen. Gerade weil wir die Ver­ant­wor­tung für die 12 Jahre über­nom­men haben, haben wir jedes Recht den Stauf­er­kai­ser Fried­rich II., der in Palermo ruht, zu bewun­dern. Der Bam­ber­ger Reiter gehört zu uns wie die Stif­ter­fi­gu­ren des Naum­bur­ger Doms.

    Liebe Freunde, denken wir immer daran, dass ein deut­scher Jude, Ernst Kan­to­ro­wicz, den Ruhm des Stauf­er­kai­sers beschrie­ben hat. Nein, der Islam gehört nicht zu uns. Unsere Vor­fah­ren haben ihn 1683 vor Wien besiegt. Aber das deut­sche Juden­tum von Ballin und Bleich­rö­der über Rathenau und Kan­to­ro­wicz war Teil einer deut­schen Hel­den­ge­schichte, die Hitler ver­nich­ten wollte.

    Liebe Freunde, uns muss man nicht vom Unwert des Natio­nal­so­zia­lis­mus über­zeu­gen. Wir haben diesen Unwert im Blut. Aber, liebe Freunde, wer eine Rot-Kreuz-Flagge aus den letzten Tages des Kampfes um Berlin ent­sorgt, hat keine Achtung vor sol­da­ti­schen Tra­di­tio­nen, die es jen­seits der Ver­bre­chen auch in der Wehr­macht gab.“
    aus
    https://​www​.afdbun​des​tag​.de/​w​o​r​t​l​a​u​t​-​d​e​r​-​u​m​s​t​r​i​t​t​e​n​e​n​-​p​a​s​s​a​g​e​-​d​e​r​-​r​e​d​e​-​v​o​n​-​a​l​e​x​a​n​d​e​r​-​g​a​u​l​a​nd/

    • Danke, Thomas. Diese lange Passage kannte ich noch nicht. Ein Grund mehr, wegen Gau­lands Rede nicht gleich drei Kreuze zu schla­gen und fromm zu murmeln: „Wir Deut­schen haben eine beson­dere… Wir Deut­schen haben eine beson­dere… Wir Deut­schen haben eine beson­dere…”

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  5. Ich finde den stän­di­gen Bezug auf die Zeit von 33–45 auch voll­kom­men unnötig. Leute, es gibt doch nun wirk­lich genug aktu­elle Themen und Leichen immer Keller der Block­par­teien von Merkel!!
    Oder holen die Amis ständig die Skla­ve­rei oder Mas­sa­ker an den India­nern aus der Mot­ten­kiste? Die Hol­län­der und den Buren in Süd­afrika? Die Spanier mit den Inkas? Oder die Russen mit den Stalin-Gulags?

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    • Ja, tun sie. Das ist ein in allen west­li­chen Gesell­schaf­ten ver­brei­te­tes Problem. Die Poli­tisch Kor­rek­ten haben gelernt, dass es Zuge­ständ­nisse gibt, wenn man auf den Schuld-Knopf der Mehr­heit ein­häm­mert. Darum tun sie es exzes­siv. Auch in den USA.

      Damit ist auch zu rechnen, weil sich massig Kohle im sozia­len Sektor ver­die­nen lässt, der umso wich­ti­ger wird, je mehr Pro­bleme wahr­ge­nom­men werden, und umso mehr Pro­bleme wahr­ge­nom­men werden, je hys­te­ri­scher man kreischt.

      Im Ide­al­fall lässt man sich von dem Gekrei­sche nicht beein­träch­ti­gen, sondern bewahrt sich die Frei­heit Dinge zu tun, wegen denen gekreischt wird, und ist nicht zu Zuge­ständ­nis­sen bereit, wenn jemand kreischt. Man ver­han­delt auch nicht mit Ter­ro­ris­ten. Das sind Schuld­kom­plex-Ter­ro­ris­ten.

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    • Ich hab schlechte Nach­rich­ten: Die Amis holen leider ständig die Skla­ve­rei und die India­ner­lei­den aus der Mot­ten­kiste. Letz­te­res wird sogar von den Linken so hoch­ge­spielt, dass sie damit den Holo­caust rela­ti­vie­ren. Also die Seuchen werden zu nicht statt­ge­fun­de­nen Mas­sa­kern erklärt.

  6. Warum sich die Deut­schen über­haupt noch mit der Zeit vor mehr als 70 Jahren (immer­hin mitt­ler­weile 3 Gene­ra­tio­nen) selbst­geis­seln, das wissen nur die Götter.

    Warum sich einige der immer­hin fast 30.000 AfD-Mit­glie­der immer wieder dazu hin­reis­sen lassen, einen Bezug zur NS-Zeit her­zu­stel­len, das können wohl nur kli­ni­sche Psych­ia­ter beur­tei­len.

    Völlig unnö­ti­ger Blöd­sinn.

    Nach vorne schauen”, muss die Devise heissen.

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    • Holger
      Man muß sich Seiner Geschichte schon bewusst sein und alles dafür tuhen das sich
      diese Grau­en­haf­ten Gesche­hen nicht wie­der­ho­len! Nur ist es nicht Normal, diese Schuld
      bis in Ewige Zeiten mit sich herrum zu tragen. Und wie es hier pas­siert in Deutsch­land ,
      vor lauter unter­wür­fi­gen Schuld­ge­füh­len sich ständig ins Eigene Nest zu Pissen und zu
      Scheis­sen, sich selbst in ewig gebück­ter Haltung selbst zu kas­teien, um Anderen zu gefal­len,
      Die schon längst ein Geschäft daraus gemacht haben und alles tuhen das Das so bleibt!
      Es wird Zeit, das Wir das nicht ver­ges­sen was War,aber es wird auch Zeit langsam Anders damit
      umzu­ge­hen. Zumal gerade Die, Die Uns mit Eifer immer wieder Unsere Schuld vor­hal­ten,
      Sich selber der Größten Ver­bre­chen in der Neuzeit schul­dig gemacht haben!

  7. Er hat Vogel­schiss gesagt! Na und? Natür­lich ist das keine ange­mes­sene Bezeich­nung für den Holo­caust. Und natür­lich würde ich mich als Jude, der jeman­den aus seiner Familie im Holo­caust ver­lo­ren hat, zu Recht darüber empören. Was ich jedoch nicht ver­stehe, ist die mora­li­sche Ent­rüs­tung der­je­ni­gen, die keine Juden sind. Muss man sich denn jede dumme Äuße­rung eines deut­schen Poli­ti­kers zu Eigen machen? Gauland hat Vogel­schiss gesagt. Na und? Des­we­gen muss sich doch kein Deut­scher vor seinen jüdi­schen Freun­den schämen. Diese reflex­hafte öffent­li­che Empö­rung hat etwas Exal­tier­tes, zur Schau Gestell­tes, Tugend Signa­li­sie­ren­des, Bekennt­nis­haf­tes und Hys­te­ri­sches. Ich finde sie ekel­haft, genauso wie ich öffent­li­ches Beten ekel­haft finde.

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  8. Der Mufl jagt die Milf –
    Die Lücken­presse schweigt.
    Doch ruft sie „Herr! Hilf!!”
    Wenn Gauland Kante zeigt.

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  9. So ist es leider nicht. Es zählen auch Worte, denn sie können früher oder später auch zu Taten führen. Sprache ist sehr wichtig, in mehr­fa­cher Hin­sicht. Zwar haben Gauland und Kon­sor­ten nie­man­den umge­bracht oder ver­ge­wal­tigt (das haben Merkel & Co. aller­dings auch nicht selbst), aber sie ver­harm­lo­sen sys­te­ma­tisch eine wahn­sin­nige Dik­ta­tur, die Mil­lio­nen Ermor­dete zu ver­ant­wor­ten hat. Wer so rechts­ex­trem und teil­weise sogar Nazi-like denkt und redet wie manche AfD-Leute, macht die eigene „Gnade der späten Geburt” kaputt und begüns­tigt faschis­ti­sche Kräfte, die es leider nach wie vor gibt. Man kann nicht die einen (eta­blierte Par­teien, Main­stream­me­dien, links­grüne Ideo­lo­gen, Islam-Fana­ti­ker) zu Recht kri­ti­sie­ren, aber den anderen alles durch­ge­hen lassen. Gleiche Maß­stäbe für alle!

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    • Dann ist Zensur also okay, und es wäre ange­mes­sen, wenn bewaff­nete Leute jeman­den aus seiner Wohnung zerren, um ihn zusam­men mit ver­ur­teil­ten Gewalt­tä­tern in einen Käfig zu sperren, weil diese Person etwas gesagt hat, von dem jemand denkt, dass es womög­lich in einigen Fällen einer Tat Dritter vor­aus­ge­hen KÖNNTE? Wär das nicht mehr ein gewalt­sa­mer Über­griff gegen­über einem Unschul­di­gen, den man ledig­lich mit dem rein hypo­the­ti­schen Ver­hal­ten unbe­tei­lig­ter Dritter recht­fer­tigt, die in diesem Zusam­men­hang über­haupt nichts getan haben? Klingt nicht die Zensur viel mehr wie ein Ver­bre­chen, und der Zensor nach einem Ver­bre­cher, als irgend­et­was Gesag­tes?

      Falls jetzt wieder jemand sagen sollte, dass das ein Stroh­mann ist, oder es Off Topic ist: In diesem Fall sollte Rede­frei­heit gelten. Bezie­hungs­weise deren schwer trau­ma­ti­sierte und schon schon häufig miss­brauchte, jüngere Cousine, die Mei­nungs­frei­heit. Die einen Kran­ken­haus­be­such und eine längere sta­tio­näre The­ra­pie im Miss­brauchs­zen­trum mit­ler­weile drin­gend nötig hätte.

      Was Nazis, eta­blierte Par­teien, links­grüne Ideo­lo­gen (die auch einen Body­count haben), Islam-Fana­ti­ker, Mao­is­ten, Sta­li­nis­ten, was auch immer in Com­bi­dia an der Macht war, was auch immer in Nord­ko­rea an der Macht ist, die Hutu-Power Bewe­gung im All­ge­mei­nen und die Inte­r­ahamwe im Beson­de­ren, und das Meiste von dem, womit man sonst noch nicht den Pla­ne­ten teilen möchte, gemein­sam haben, ist Fol­gen­des:

      - Die Ansicht, man könne nicht ohne ein über­mäch­ti­ges Gewalt­kol­lek­tiv leben
      – Die Ansicht, es exis­tiere das Recht, sich mittels dessen über Andere zu erheben

      Und es gibt unzäh­lige Spiel­ar­ten, wie diese Kon­stel­la­tion schief laufen kann, und der zweite Punkt wird über einen län­ge­ren Zeit­raum immer wieder auf­tre­ten, egal, was man macht. Wenns Mehrere gibt, die das Spiel spielen, ists Krieg, wenns nur Einer macht, ists etwas dys­to­pi­sches. Die echten Natio­nal­so­zia­lis­ten, die heute nicht mehr exis­tie­ren, sind nur eine der Mög­lich­kei­ten, und die haben die Auf­merk­sam­keit nicht ver­dient, die ihnen zuteil wird. Das waren Ver­sa­ger, die nur eska­lie­ren konnten, wenn ihnen etwas nicht passte, und deren ganze hoch­ge­lobte Gesell­schafts­ord­nung zusam­men­brach, nachdem sie ihr Eska­la­ti­ons­po­ten­zial erreicht hatten, und immer noch jemand übrig war. Die Pseudo­na­zis, die exis­tie­ren, sind LARPer, denen schnell lang­wei­lig werden würde, wenn man es ihnen erlau­ben würde, mit Hit­ler­bärt­chen und Haken­kreuz­binde am Wochen­ende in Reih und Glied in der Innen­stadt spa­zie­ren zu gehen, und dabei „Die Fahne hoch” zu singen. Was mich übri­gens unge­mein belus­ti­gen würde. Sobald denen lang­wei­lig wird, bleiben die zu Hause, hören Landser, saufen Bier, stören darüber hinaus höchs­tens noch ihre Nach­barn im Plat­ten­bau mit zu lauter Musik, und würden es, nach anfäng­li­cher Eupho­rie, bald als Strafe emp­fin­den, wenn sie am nächs­ten Wochen­ende wieder mit­mar­schie­ren müssten.

      Im End­ef­fekt läuft es doch darauf hinaus, dass man unter dem Nazis-sind-böse Deck­man­tel heut­zu­tage Aso­ziale abhän­gig von ihrem Musik­ge­schmack dis­kri­mi­niert, die sich frei­wil­lig als Böse­wichte outen, weil die sich mit irgend­wel­chen Sym­bo­len schmü­cken, die gerade Tabu sind. Und das ist idio­tisch. Bei den mit­tel­al­ter­li­chen Hexen­ver­bren­nun­gen gabs auch Geständ­nisse von Men­schen, die an Hexerei glaub­ten, und die selbst dachten, mit dem Teufel im Bunde zu sein, und sich der Hexerei schul­dig gemacht zu haben. Das ist genau der selbe Mecha­nis­mus, der heute gegen­über „Nazis” zum Tragen kommt. Von beiden Seiten. Eine Seite macht sich mit Sym­bo­lik „schul­dig”, und die Andere Seite sieht in dieser „Schuld” ihre Berech­ti­gung, einen nicht exis­ten­ten „Teufel” aus­trei­ben. Das ist doch alles Psy­cho­drama von Men­schen, die nicht damit klar­kom­men, dass ihre Meinung der Rea­li­tät scheiß­egal ist, und pas­sie­ren wird, was pas­sie­ren kann.

      Wenn man nicht will, dass sich das wie­der­holt, was unter den Natio­nal­so­zia­lis­ten pas­siert ist, muss man die zwei Punkte angrei­fen, die ich zu Beginn genannt habe. Macht man aber nicht, weil sichs nicht mit dem aktu­el­len Gesell­schafts­sys­tem ver­ein­ba­ren lässt, und jeder denkt, es gäbe keine Welt außer­halb des Tel­ler­rands. Statt­des­sen prügelt man auf Gespens­ter ein, die längst tot sind. Das taten die Nazis übri­gens auch, als sie immer noch wegen jeder Klei­nig­keit eine jüdi­sche Ver­schwö­rung wit­ter­ten, nachdem sie ihre Gesell­schaft längst vom „jüdi­schen” Ein­fluss gesäu­bert hatten. Das ist eine nicht sin­gu­läre psy­chi­sche Fehl­funk­tion, die schon für viele Alb­träume gesorgt hat, die nicht mit den echten Natio­nal­so­zia­lis­ten aus­ge­stor­ben ist, und deren erneu­ten kol­lek­ti­ven Aus­bruch man nicht daran erkennt, dass jemand von einem vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­bruch deli­riert.

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      • Dann ist Zensur also okay, und es wäre ange­mes­sen, wenn bewaff­nete Leute jeman­den aus seiner Wohnung zerren, um ihn zusam­men mit ver­ur­teil­ten Gewalt­tä­tern in einen Käfig zu sperren, weil diese Person etwas gesagt hat, von dem jemand denkt, dass es womög­lich in einigen Fällen einer Tat Dritter vor­aus­ge­hen KÖNNTE?”

        Welch maßlose Über­in­ter­pre­ta­tion meines Bei­trags! Nichts davon habe ich geschrie­ben oder gemeint. Gauland & Co. können – wie jeder andere – sagen, was sie wollen, aber eben nicht erwar­ten, dass es ohne Wider­spruch und Kritik bleibt. Nicht mehr und nicht weniger.

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        • Gut, dann ent­schul­dige ich mich. Wir leben in einer Welt, in der manche Mei­nun­gen mit Gewalt durch­ge­setzt werden, so auch diese, dass es ange­mes­sen ist, Men­schen in einen Käfig zu sperren, weil sie „Heil Hitler” gesagt haben. Ich bin dafür, dass man diese Äuße­rung kri­ti­siert und angreift, und dagegen, dass deshalb jemand auf­grund von etwas Gesag­tem recht­li­che Pro­bleme bekommt, und ver­wech­selte Ers­te­res wohl mit einer Recht­fer­ti­gung des Letz­te­ren.

  10. Gauland ist kein Nazi, aber er fischt bewußt in braunen Gewäs­sern. Das zeigte schon seine Äuße­rung, man dürfe stolz sein auf die „Leis­tun­gen” (!) der deut­schen Sol­da­ten während der beiden Welt­kriege. Die NS-Dik­ta­tur war ein Jahr­tau­send­ver­bre­chen. Mit dem „Vogel­schiß” richtet Gauland sich in mehr­fa­cher Hin­sicht selbst. Wenn die AfD so weiter macht, wird sie hof­fent­lich sehr bald zum Flie­gen­schiss der Geschichte. Die Hoff­nung auf eine liberal-kon­ser­va­tive Alter­na­tive zu der viel­fach ver­fehl­ten Politik der übrigen Par­teien wird von Gauland, Höcke und Gesin­nungs­ge­nos­sen sys­te­ma­tisch zer­stört. Die fatalen Fehler des Merkel-Regie­run­gen und der Pseu­do­op­po­si­tion können die rechts­ex­tre­men Aus­fälle der AfD-Leute weder ent­schul­di­gen noch gar recht­fer­ti­gen.

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    • Wie viele Men­schen wurden denn als Resul­tat der Hand­lun­gen der Herren Gauland und Höcke bereits ver­ge­wal­tigt oder umge­bracht, und in welcher Grö­ßen­ord­nung bewegen sich diese Zahlen in abseh­ba­rer Zukunft?

      Taten != Worte.
      Taten zählen. Worte nicht.

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          • Nicht?

            Die fatalen Fehler des Merkel-Regie­run­gen und der Pseu­do­op­po­si­tion können die rechts­ex­tre­men Aus­fälle der AfD-Leute weder ent­schul­di­gen noch gar recht­fer­ti­gen.”

            Klang für mich so. Aber das könnte durch­aus eine Fehl­in­ter­pre­ta­tion mei­ner­seits sein, die mit meiner Inter­pre­ta­tion ihrer Aufgabe zusam­men­hängt. Für mich haben die im Augen­blick ledig­lich die Funk­tion, so viel kaputt zu machen, wie möglich, damit es Spiel­raum gibt, die Alt­las­ten abzu­le­gen. Dafür würde ich ihnen gerne freie Hand lassen. Sobald sie dann etwas zu melden haben, werde ich kri­ti­scher, aber im Augen­blick ist es nicht ihre Aufgabe, lang­wei­lig und ange­passt zu sein. Im Gegen­teil, ich finde die noch viel zu lieb und harmlos. Die sind neu und unge­bun­den, und können sich jetzt noch aus­su­chen, was sie sein wollen. Wenn sie so werden, wie alle, wäre das eine ver­passte Chance. Grobe Fehl­tritte halte ich daher eher für ein gutes Zeichen.

            Ich schreibe zu viel.

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  11. Ich möchte hier mal einige Thesen ver­tre­ten, für die ich gehasst werden werde:

    1. Ebenso wie jedes andere Ereig­nis, ist auch der Holo­caust ein­zig­ar­tig, und wird sich inner­halb der Lebens­zeit unserer Galaxie nicht wie­der­ho­len, weil zu viele Varia­blen in ein­zig­ar­ti­ger Kon­stel­la­tion daran betei­ligt sind. Diese Aussage ist deshalb belang­los. Es wurden während der gesam­ten Mensch­heits­ge­schichte alle mög­li­chen Arten des Geno­zids oder Demo­zids aus­pro­biert, und der Holo­caust war einer dieser Ver­su­che. Ruanda war bru­ta­ler, die Soviets hatten den höheren Body­count, und wären die dazu not­wen­di­gen tech­no­lo­gi­schen Vor­aus­set­zun­gen schon länger da, gäbs auch bereits einen Genozid, der tech­no­lo­gisch effi­zi­en­ter umge­setzt wurde.

    2. Der Holo­caust hat nichts mit Deutsch-Sein zu tun. Die Grund­vorraus­set­zun­gen des Holo­caust, wenn man ihn als Sin­gu­la­ri­tät betrach­tet, ist nicht irgend­eine Volks­an­ge­hö­rig­keit, oder die Inden­ti­fi­zie­rung mit irgend­wel­chen popu­lä­ren Schlag­wor­ten (Volk, Kultur, etc.), sondern die Kom­bi­na­tion von tech­no­lo­gi­schem Sach­ver­stand mit der Ansicht, Men­schen haben das Recht sich auf kol­lek­ti­vem Wege durch die nutzung des Staats, oder eines ver­gleich­ba­ren Gewalt­kol­lek­tivs, über Andere zu erheben. Beides sind Dinge, die nichts mit Her­kunft zu tun haben. Wenn man den Holo­caust als ein Ereig­nis unter Vielen betrach­tet, fällt die Not­wen­dig­keit des tech­no­lo­gi­schen Sach­ver­stands weg, weil es auch ver­armte, unge­bil­dete, im Schnitt nicht sehr intel­li­gente, und über­wie­gend mit Knüp­peln und Mache­ten Bewaff­nete Ruander geschafft haben, ein Low-Tech Gewalt­kol­lek­tiv zu bilden, dessen erwie­sene Fähig­keit einen Alb­traum zu rea­li­sie­ren dem der Nazis in nichts nach­steht.

    Daraus schlie­ßend würde ich behaup­ten, dass der Holo­caust, ebenso wie jeder andere Genozid und Demozid, ein Schand­fleck nicht für Deut­sche, sondern für Kol­lek­ti­vis­ten ist, und es irre­füh­rend ist, diese Ereig­nisse mit Ober­fläch­lich­kei­ten wie der Her­kunft in Ver­bin­dung zu bringen. Men­schen, die ein über­mäch­ti­ges Gewalt­kol­lek­tiv haben wollen, schaf­fen dadurch die Vor­aus­set­zun­gen für Geno­zide. Sobald dieses Ding exis­tiert, das die Fähig­keit dazu hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Fähig­keit zum Einsatz kommt. Dabei ist es gleich­gül­tig, mit welchen Mitteln man ver­sucht, die Wahr­schein­lich­keit zu redu­zie­ren. Selbst extrem unwahr­schein­li­che Ereig­nisse treten irgend­wann mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit ein, wenn die Zeit­achse nur lang genug ist.

    Uns fehlt zudem die Fähig­keit, die Unzahl der für sich unwahr­schein­li­chen Ein­zel­er­eig­nisse, die zu Chaos führen können, über­haupt abzu­schät­zen. Da unwahr­schein­li­che Ereig­nisse unwahr­schein­lich sind, treten sie nur so selten auf, dass sie in unserer kom­ple­xen Welt unvor­her­seh­bar sind, und wir uns nicht darauf vor­be­rei­ten können, welches spe­zi­fi­sche dieser extrem zahl­rei­chen poten­zi­el­len unwahr­schein­li­chen Ereig­nisse als nächs­tes ein­tritt. Wir über­schät­zen deshalb unsere Fähig­keit die Gewalt­kol­lek­tive unter Kon­trolle zu halten. Wir ver­su­chen es nicht­mal auf halb­wegs effek­ti­vem Weg.

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    • Was wollt ihr immer bloß mit der Ein­zig­ar­tig­ar­tig­keit? Es wäre schön , wenn es andem wäre. Mao , der größte Mas­sen­mör­der, Stalin, Pol Pot , der ein Drittel seines Volkes umge­bracht hat und die ganzen anderen linken Poten­ta­ten, die im Blut gewatet sind, was also sind dann diese? Ist es nur Ras­sis­mus, nach dem Motto tote Chi­ne­sen zählen nicht , Blind­heit auf dem linken Auge, Unwis­sen­heit, der Holo­caust ist keine Sin­gu­la­ri­tät. Und ob ein Opfer danach aus­ge­sucht wird , das es Jude ist oder das es eine Brille trägt, können für mich keinen Unter­schied erken­nen lassen.

  12. Ich stimme nicht mit Ihnen überein, dass das Juden­ge­no­zid eine Sin­gu­la­ri­tät der Deut­schen ist. Einen ähn­li­chen Völ­ker­mord gab es zu Pol Pots Zeiten in Kam­bo­dscha, das wird aber im Westen kaum zur Kennt­nis gewor­den. Solche Greu­el­ta­ten können immer pas­sie­ren, auch in der heu­ti­gen Zeit. Das ist nicht eine Eigen­schaft der Deut­schen, sondern der Men­schen all­ge­mein. Leider.

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    • Ja, mit der Sin­gu­la­ri­tät ist das so eine Sache, mit der Ver­gleich­bar­keit auch. Die Ver­tre­ter der „Sin­gu­la­ri­tät” würden nämlich ins Feld führen, dass auf den killing Fields „nur” zwei Mil­lio­nen Men­schen ermor­det wurden. Das ist zynisch, aber viele Men­schen denken leider so.

      • Eigent­lich bin ich scho­ckiert, dass man über­haupt nicht eini­ger­ma­ßen frei über den Holo­caust reden kann. Ich tu mich auch schwer die „rich­ti­gen” Dinge immer dazu im exakten Wort­laut zu sagen. Es getraut sich doch über­haupt keiner mehr. Was bedeu­tet über­haupt „indus­tri­el­ler” Mas­sen­mord? Waren die Gulags (schon unter Lenin bevor Hitler an die Macht kam) nicht indus­tri­ell? Und warum muss man auf der „Sin­gu­la­ri­tät” rum­rei­ten? Will ich einen Mas­sen­mord in Zukunft ver­hin­dern, dann muss ich alle auf Gemein­sam­kei­ten und Unter­schiede absu­chen, vom Holo­do­mor bis zum Großen Sprung (und noch etliche weniger bekannte, Dschin­gis Khan ermor­dete 40 Mil­lio­nen). Ich weiß nicht, ob ich mich damit schon straf­bar mache.

  13. Das ist völlig richtig. Vogel­schiß ist daneben und eine Ver­harm­lo­sung der Grauen des III. Reiches. Da muss sich jemand ent­schul­di­gen oder den Weg frei machen für jüngere Nach­fol­ger. Per­sön­lich mag ich Herrn Gauland und sehe in ihm einen auf­rich­ti­gen Ver­tei­di­ger Deutsch­lands. Was auch klar sein muss, es gibt keine über die Gene­ra­tio­nen blei­bende Kol­lek­tiv­schuld, für kein Land dieser Erde und auch keine Men­schen. Wer heute geboren wurde, muss sich das schlechte Gewis­sen der Ver­gan­gen­heit nicht anhän­gen lassen. Das wider­spricht nicht einer mah­nen­den Kultur der Erin­ne­rung an den Holo­caust und anderen Gräu­el­ta­ten der mensch­li­chen Geschichte.

    • Vogel­schiß ist nicht daneben, denn Gauland sagte, Hilter und die Nazis waren ein Vogel­schiß und da hat er ver­dammt genau Recht!

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