Von Indianern, Quilts und wünschenswerter Queerness

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Nachdem ich bereits in meinem letzten Artikel über die eigen­ar­tige Spaß­brem­sen­ak­tion „Ich bin kein Kostüm“ gestol­pert war, haben sich mitt­ler­weile auch andere Kri­ti­ker mit diesem Phä­no­men befasst. Stefan Laurin geht bei den Ruhr­ba­ro­nen auf den Aspekt der „kul­tu­rel­len Aneig­nung“ ein und dia­gnos­ti­ziert bei den Initia­to­ren und Unter­stüt­zern der Aktion die letzten Zuckun­gen der Empö­rungs­in­dus­trie.

Ich kann nur hoffen, dass er recht behält. Wobei ich einer­seits seiner Dia­gnose einige Aspekte hin­zu­fü­gen möchte, ande­rer­seits aber auch befürchte, dass das geis­tige Gift, welches von den Prot­ago­nis­ten der Empö­rungs­in­dus­trie nun schon seit einigen Jahren in die Köpfe der Men­schen geträu­felt wird, langsam zu wirken beginnt. weiter lesen

Karneval in der Besserungsanstalt für korrektes Verkleiden

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Ich bin kein Kostüm” heißt es dem­nächst bei einer Pla­kat­ak­tion in Köln. Harems­dame, Geisha, Othello…alles nicht witzig, alles dis­kri­mi­nie­rend, meinen die Pla­kat­fi­nan­zie­rer von der Moral­front. Bei dem Motiv mit India­ner wurde ich aber stutzig, ebenso bei den selt­sa­men ame­ri­ka­ni­schen Logos rechts unten. Kann nicht sein, sagte ich mir dann und fragte meinen Freund Google, was er davon hält. Die Logos rechts von „Die Linke”, „Amadeu Antonio Stif­tung”, Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ver­band passen zudem so perfekt ins Bild des insti­tu­tio­na­li­sier­ten staat­lich ali­men­tier­ten Erzie­hungs­wahn­sinns, dass ich noch weniger glauben konnte, das Meme könne echt sein. Zu viel Kli­schee! Die werden doch nicht den hei­li­gen Kölner Kar­ne­val… weiter lesen

Prämien für Araber, Gefängnis für Juden

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Elor Azaria muss für 18 Monate ins Gefäng­nis, so das Urteil des israe­li­schen Gerichts. Azaria, der im März 2016 einen paläs­ti­nen­si­schen Ter­ro­ris­ten erschoss, welcher nach einem Mord­ver­such bereits gestoppt war und am Boden lag, gab an, er hätte befürch­tet, der Atten­tä­ter wolle einen Spreng­stoff­gür­tel zünden – das Gericht mochte seiner Ein­schät­zung der Lage nicht folgen. Ich bewerte das an dieser Stelle nicht, unter­stelle aber, dass auch die Gerichte in Israel nicht leicht­fer­tig ent­schei­den. weiter lesen

Haley sagt „Bahnhof“, die ARD hört „Koffer klauen“

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Es gibt Gepflo­gen­hei­ten in der Welt der Diplo­ma­tie, die nimmt man einfach so hin. Dazu gehört, dass sich die UN haupt­säch­lich mit dem Schick­sal der Paläs­ti­nen­ser und der Ver­ant­wor­tung Israels dafür befasst. War schon immer so, muss man nicht ver­ste­hen. Und es gibt schlechte Ange­wohn­hei­ten, die sich schnel­ler ver­fes­ti­gen als das Her­um­lie­gen­las­sen getra­ge­ner Socken. Dazu gehört, das aus dem Stall Trumps nichts Gutes kommen kann, das muss man auch nicht mehr hin­ter­fra­gen, da darf sofort gek­ü­belt werden und genau hin­hö­ren muss man bei den Trump­schen Knall­tü­ten selbst­re­dend auch nicht mehr. Oder richtig über­set­zen. Das dachte sich wohl auch die Tages­schau, als sie über eine Rede der UN-Bot­schaf­te­rin Nikki Haley berich­tete, die natür­lich als ein Kind der Trumpo­ca­lypse dar­ge­stellt werden muss. Haley kam gerade aus einer der monat­li­chen Sit­zun­gen des UN-Sicher­heits­ra­tes zum Thema „Mitt­le­rer Osten“ und hatte einiges mit­zu­tei­len. Die Tages­schau kom­men­tierte Haleys Worte so: weiter lesen

Kriminelle Banden „protestieren” gegen Polizeigewalt

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Erstaun­lich still ist es im deut­schen Blät­ter­wald ange­sichts der Gewalt­welle, die gerade durch Frank­reich rollt. „Pro­teste gegen Poli­zei­ge­walt“ so euphe­mis­tisch kann man die bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Zustände, die Frank­reich gerade erschüt­tern, natür­lich auch nennen – sofern man über­haupt darüber berich­tet. Der Deutsch­land­funk war redlich bemüht, aus­rei­chend „einer­seits und ande­rer­seits“ in seiner Sendung „Europa Heute“ vom 16.2.2017 zu ver­brei­ten und „die Pro­teste” klingt ja auch viel fort­schritt­li­cher und euro­pa­kom­pa­ti­bler als No-Go-Areas oder Ban­den­kriege. Versagt hat ja eigent­lich nur die Regie­rung, weil sie es ent­ge­gen Prä­si­dent Hol­lan­des Ver­spre­chun­gen eben nicht geschafft habe, der aus­ge­grenz­ten mus­li­mi­schen Migran­ten­ju­gend neue Per­spek­ti­ven zu bieten. Mit anderen Worten: Es wurde nicht genug SchutzFör­der­geld gezahlt – und dann ist Gewalt unver­meid­lich, wie jeder Bau­un­ter­neh­mer zum Bei­spiel in Kala­brien oder Sizi­lien weiß. weiter lesen

Die Limburger Glockenposse und andere böse Märchen

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Sowas Ver­rück­tes gab‘s doch früher nicht!“ sagte ein Bekann­ter, als er von der Lim­bur­ger Glo­cken­posse erfuhr. Das Glo­cken­spiel im Rat­haus­turm der Lim­bur­ger Innen­stadt wird vorerst nicht mehr das Kin­der­lied „Fuchs, du hast die Gans gestoh­len” spielen. Der Bür­ger­meis­ter von Limburg wolle damit einer veganen, tier­schüt­zen­den Mit­bür­ge­rin bloß einen Gefal­len erwei­sen, weil die Tier­schüt­ze­rin sich an der Lied­zeile „Sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schieß­ge­wehr” störte und deshalb Protest ein­ge­legt hatte. weiter lesen

Die Feder der Islamischen Revolution und die „israelische Frage“

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Hält man als Repor­ter eines eng­lisch­spra­chi­gen Mediums ein Mikro­fon unter die Nase eines Fatah-Führers und fragt nach Israel, kann man ohne Zweifel lange Reden über Besat­zung, Rück­kehr­recht, Apart­heid und andere Net­tig­kei­ten mit­schnei­den. Wenn das Mikro­fon aus­ge­schal­tet ist, wäre die Zurück­hal­tung auf Seiten des Inter­view­ten sicher kleiner, die er sich bei der Frage nach dem Exis­tenz­recht Israels auf­er­le­gen würde. Klar, der Hamas wäre es sogar egal, ob jemand mit­schnei­det, aber im Großen und Ganzen wissen die ara­bi­schen Paläs­ti­nen­ser, wo das Geld her­kommt, das in den schi­cken Häusern und fetten Limou­si­nen ihrer Füh­rungs­kaste steckt, da möchte man nicht ehr­li­cher sein als nötig. Denn irgend­wie reagie­ren die Euro­päer immer wieder ver­stört, wenn sie von den Objek­ten ihrer Für­sorge erfah­ren, dass diese nicht nur einen eigenen Staat haben wollen, sondern den des Nach­barn Israel am liebs­ten gleich mit. weiter lesen

Ein unwissenschaftlicher Vergleich – und dann gab’s das Dritte Reich…

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Wann kann man eine gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung als auf abseh­bare Zeit unum­kehr­bar bezeich­nen? Gibt es im Vorfeld großer Zusam­men­brü­che den einen Moment, an dem erkenn­bar eine Weiche gestellt wird, deren eine Seite in Rich­tung Unge­wiss­heit führt, während die andere Seite zwangs­läu­fig in Rich­tung Abgrund weist? His­to­ri­ker finden in der Geschichte zahl­rei­che Ereig­nisse, deren kata­stro­pha­les Ende sie gern auf ein initia­les Ereig­nis zurück­füh­ren, aus dem heraus die fol­gen­den Hand­lun­gen gera­dezu auto­ma­ti­siert und fol­ge­rich­tig ablie­fen. Als Bei­spiel sei hier nur das Atten­tat in Sara­jewo genannt, das lange Zeit als „der Aus­lö­ser“ des Ersten Welt­krie­ges galt, von dem aus sich alles andere zwangs­läu­fig ent­wi­ckelt habe. Nun krankt die ver­glei­chende Geschichts­for­schung bekannt­lich an der man­gel­haf­ten Infra­struk­tur für Zeit­rei­sen, weshalb sie den end­gül­ti­gen Beweis für derlei „Initial-Thesen“ stets schul­dig bleiben muss. Sie kann nämlich nie den Gegen­be­weis führen, indem sie eine Weiche in der Ver­gan­gen­heit anders stellt und dann fest­stellt, was auch hätte pas­sie­ren können. weiter lesen

Make thinking logical again

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Der Schock über die Wahl Trumps lag wie ein Biber­damm im Gefühls­strom der Deut­schen. Doch nun bricht sich schein­bar etwas Bahn, was acht Jahre lang als gezähm­tes und „dif­fe­ren­zier­tes“ Rinnsal durch deut­sche Gemüts­schluch­ten und Blät­ter­wäl­der kroch: Der latente linke Anti­ame­ri­ka­nis­mus.

Auf der einen Seite war da der natür­lich zu ver­ach­tende ame­ri­ka­ni­sche Impe­ria­lis­mus, böse Geheim­dienste, Todes­strafe, libe­ra­les Waf­fen­recht, Welt­po­li­zei, TTIP, Guan­ta­namo und Droh­nen­krieg. Ande­rer­seits sang Beyoncé zur Inau­gu­ra­tion Obamas die Natio­nal­hymne, warf niemand so gekonnt und elegant wie er den Base­ball zur Sai­son­er­öff­nung, hielt niemand so empha­ti­sche Reden über Frieden und Abrüs­tung in aller Welt und konnte Obama wie kein Prä­si­dent oder Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger vor ihm so über­zeu­gend alle Dif­fe­ren­zen weg­lä­cheln, die „der Westen“ mit dem Rest der Welt hatte. Ganz abge­se­hen von seiner Frau, deren modi­scher Geschmack und freund­li­ches Auf­tre­ten so manches dilet­tan­ti­sche Agieren ihres Mannes wett­machte. Hach, wie hatten doch alle die Obamas lieb! weiter lesen

Die Journalisten-Fabrik und das Schweigen der Bürger

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Wer in der DDR ohne Studium der Klassik Musik machen wollte, durfte auf Ver­an­stal­tun­gen selbst­ver­ständ­lich nicht einfach so drauf­los­fie­deln! Alles musste seinen „sozia­lis­ti­schen Gang“ gehen, wie man das nannte. Denn es konnte und durfte nicht sein, dass man einfach von sich aus und unge­prüft musi­ka­li­sche – und womög­lich textlich/politische Aus­sa­gen durch die Gassen träl­lerte. Man brauchte eine Ein­stu­fung, auch Pappe genannt, die von „ver­dien­ten Kunst­be­ur­tei­lern des Volkes“, einer Kom­mis­sion, in meh­re­ren Stufen ver­ge­ben wurde. Es ent­behrt zum Bei­spiel nicht einer unfrei­wil­li­gen Komik, wenn ein befreun­de­ter begab­ter Soul­sän­ger, der aus Sambia kam, dessen Mut­ter­spra­che Eng­lisch war und dessen Deutsch in Momen­ten der Auf­re­gung nur aus Schimpf­wor­ten bestand, von solchen „Kom­mis­sio­nen“ gefragt wurde, welche „Deut­schen Lieder“ er im Reper­toire habe. „Keins? Keine Ein­stu­fung!“ – „Fuck!“ weiter lesen