Es fühlt sich schon wie Krieg an

0

In einer Bezie­hung gibt es Dinge, Vor­komm­nisse, Taten oder Worte, deren Aus­spra­che jedes Stück Por­zel­lan, das viel­leicht schon den einen oder anderen Riss hat, zum Zer­bers­ten bringt. Fast uner­träg­lich ist es nach solchen Momen­ten, dass die Partner in den meisten Fällen nicht einfach ihrer Wege gehen können, weil viele Fäden sie noch lange anein­an­der fesseln. Das Haus, die Kinder, Freunde, Geld, Schul­den. Man sitzt oft noch Monate und Jahre im selben Raum, spricht noch mit­ein­an­der obwohl man sich längst nichts mehr zu sagen hat und selbst ein harm­lo­ses „Guten Morgen“ wird auf ver­bor­gene Gemein­hei­ten abge­klopft. Man miss­traut ein­an­der, jeder fühlt sich ver­ra­ten und sich selbst fast voll­kom­men unschul­dig an den Gescheh­nis­sen. weiter lesen

Das Universum in der Millisekunde

0

Oder: Wer hat den Schnellsten?

Was kann man mit 100 Euro alles kaufen? Vor einigen Jahren ant­wor­tete Claudia Schif­fer auf diese Frage „100 Euro? Dafür bekomme ich ja nicht mal ein T-Shirt!“. Heute könnte man dafür je nach Talent und Bedürf­nis­sen in Europa zwi­schen einer Stunde und einem Monat leben, 5–7 mal ins Kino gehen, zweimal voll­tan­ken oder zwei Monats­kar­ten für Bus und Bahn kaufen.

Sie könnten dafür auch morgens um 9 Uhr einen Kredit über 1.000 Euro auf­neh­men, das Geld für die Anzah­lung eines 10.000 Euro Kre­di­tes ver­wen­den und zu einem schnel­len Com­pu­ter gehen, der den inter­na­tio­na­len Han­dels­plät­zen in New York, London oder Frank­furt mög­lichst nahe ist (es geht wirk­lich um jeden Meter). Sie müssen sich beeilen, denn ihre Kre­dit­ge­ber erwar­ten 1.100 Euro bzw. 11.000 Euro um 18 Uhr von Ihnen zurück. Aber der Yen steht gerade günstig, Sie haben viel­leicht einen Freund bei Toyota der Ihnen ver­ra­ten hat, dass die Gewinne in diesem Quartal besser oder schlech­ter als erwar­tet sein werden. Es kann los­ge­hen, Sie haben ja einen schnel­len Com­pu­ter. Sie kaufen und ver­kau­fen Yen und Toyota-Aktien (die Sie sich viel­leicht auch gerade gelie­hen haben), einige Mil­lio­nen mal pro Sekunde. Sie wissen Bescheid, Sie sind im Vorteil, also halten Sie sich ran! Ihr Algo­rith­mus ist ein ganz schlauer denn er sorgt dafür, dass Sie an jeder Trans­ak­tion in der 5. Stelle nach dem Komma ver­die­nen. weiter lesen

Pfeift auf Griechenland, rettet die Griechen!

0

Wenn es auf­grund von Bür­ger­krie­gen, Erd­be­ben, Miss­wirt­schaft oder anderen Kata­stro­phen zu unhalt­ba­ren huma­ni­tä­ren Zustän­den in einem Land kommt, wenn die lokale Regie­rung nicht mehr in der Lage ist, ihren admi­nis­tra­ti­ven Pflich­ten nach­zu­kom­men, dann wenden sich inter­na­tio­nale Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen direkt an die Men­schen. Grie­chen­land ist auf dem Weg, ein solcher „Failed State“ zu werden. Ver­hand­lun­gen mit der grie­chi­schen Regie­rung konnten dies offen­sicht­lich nicht mehr ver­hin­dern. Die EU scheint bereits umzu­schwen­ken und sich auf die huma­ni­täre Hilfe für die Grie­chen vor­zu­be­rei­ten. Für die Grie­chen, nicht für Grie­chen­land. weiter lesen

Von der Freiheit der Interpretation

0

In Schu­lun­gen für Tele­fon­mar­ke­ting lernt man Fragen zu ver­mei­den, die auf der anderen Seite schnell und ein­deu­tig mit ja oder nein beant­wor­tet werden können. Unsere täg­li­chen Ent­schei­dun­gen ver­su­chen wir nach Mög­lich­keit auf ja oder nein zu redu­zie­ren – die Hose passt, oder nicht. Das Essen schmeckt, oder eben nicht. Die Bibel ist hier auch ein­deu­tig: „Eure Rede sei ja, ja – nein, nein. Alles andere ist von übel“. Was aber, wenn man die Frage nicht ver­steht oder die Kon­se­quen­zen, die sich aus einer Antwort ergeben, allzu schreck­lich sind? weiter lesen

Bargeld ist Wahrgeld, Freiheit, unverzichtbar!

0

In ver­schie­de­nen Ländern Europas wird seit einiger Zeit und immer mal wieder der Versuch unter­nom­men, ein angeb­li­ches Relikt aus der Ver­gan­gen­heit abzu­schaf­fen: Das Bargeld. Für den Euro­raum gibt es angeb­lich Über­le­gun­gen, dies bereits 2018 zu tun.

Natür­lich wird uns das nicht als Verlust ver­kauft, es werden – ähnlich wie bei der Ein­füh­rung des Euro – die Vor­teile her­vor­ge­ho­ben. Der Euro erleich­tert uns ja angeb­lich das Geld­aus­ge­ben im Urlaub, weil nichts mehr umge­rech­net werden muss und dem unbe­darf­ten Urlau­ber das Schlep­pen von Lira-Bündeln und Peseten-Haufen erspart bliebe. Nun wissen wir aber, dass es zum Urlaubs­er­leb­nis gehört, mit fremder Währung zu bezah­len und Preise zu ver­glei­chen. Und wer möchte schon bei einem Ägypten-Urlaub auf die nütz­li­chen 1$-Noten ver­zich­ten, wenn es das all überall fällige Bak­schisch zu ent­rich­ten gilt und die Ägypter nur Scheine akzep­tie­ren? Andere Wäh­run­gen sind also durch­aus nütz­lich, nicht zuletzt erzäh­len sie uns viel über das Selbst­ver­ständ­nis des aus­ge­ben­den Landes und dessen Geschichte. Aber zurück zum Versuch, uns das Bargeld als solches „madig“ zu machen. Was steckt dahin­ter? weiter lesen

Griechenland in der „Demokritie“

0

Worüber sollen die Grie­chen am 5.7. eigent­lich abstim­men? Über ein Spar­pro­gramm, das nicht mehr vor­liegt? Über Ret­tungs­gel­der, die längst ver­fal­len sind? Über Reform­vor­schläge, die keiner kennt und welche die Regie­rung Grie­chen­lands ablehnt? Tsipras stellt sein Volk vor eine Wahl, die es nie hatte um Wahl­ver­spre­chen zu erfül­len, die er nie hätte machen dürfen. Wenn es eines Bewei­ses bedurfte, dass diese links/rechte Gur­ken­truppe keine Regie­rung, sondern eine Kata­stro­phe für Grie­chen­land ist, wurde er heute erbracht. weiter lesen

Rette mich wer kann!

0

Nun also doch. Tsipras bringt sich in Sicher­heit, indem er ein Refe­ren­dum durch­füh­ren lässt, bei dem er das grie­chi­sche Volk über nichts weniger als den Ver­bleib im Euro abstim­men lässt. Das sagt er zwar nicht so expli­zit, er stellt die Frage anders: „Wollt ihr den totalen Spar­kurs?“ und fügt gleich noch hinzu „Also ich will den auf keinen Fall!“.

Nicht dass ich hier falsch ver­stan­den werde, das nun geplante Aus­schei­den aus dem Euro halte ich für das Beste, was Grie­chen­land derzeit tun kann. Die erra­ti­schen Hand­lun­gen der grie­chi­schen Regie­rung um das Aus­schei­den her­bei­zu­füh­ren sind es, die mich fas­sungs­los machen. Die Ankün­di­gung des Refe­ren­dums samt der Emp­feh­lung mit Nein zu stimmen hat für klare Ver­hält­nisse gesorgt. Für klar chao­ti­sche Ver­hält­nisse. Es ist als hätte der Chef­me­teo­ro­loge zur besten Sen­de­zeit einen gigan­ti­schen Sturm ange­kün­digt und anstatt die Bevöl­ke­rung zur Ruhe zu gemah­nen gesagt, er werde nun noch mal schnell einen Super­markt plün­dern, weil ja morgen eh alles kaputt sei. weiter lesen

Hoffnung und Vergeblichkeit

0

Gerd Buur­mann ist wie wir alle ent­setzt über den Terror, der heute über die Men­schen in Tune­sien, Frank­reich und Kuwait gekom­men ist. In seinem Blog appel­liert er an die schwei­gende Mehr­heit der fried­lie­ben­den Muslime, sich endlich gegen solche Taten zu empören.

Lieber Gerd,

Du appel­lierst an den Huma­nis­mus der Muslime. Das ist löblich, aber ver­geb­lich. Du bist zuerst Mensch, dann Christ. Für Dich kann jemand ein Arsch­loch, Voll­idiot oder Mörder sein, ohne dass Du seine Reli­gion auch nur kennst, weil Du die Men­schen nach ihren Taten beur­teilst. Du kannst jede noch so spin­nerte Idee ertra­gen, die jemand hat, wenn diese Idee nicht das Leben anderer Men­schen ver­letzt oder zu deren Mord aufruft. weiter lesen

Dummheit-Macht-Politik

0

Die Deut­schen sind ver­liebt in ihre Währung. Zwei totale Zusam­men­brü­che nach Welt­krieg Eins nebst Welt­wirt­schafts­krise der Zwan­zi­ger Jahre und dem Zweiten Welt­krieg haben hier­zu­lande die Evo­lu­tion zur „Schwä­bi­schen Haus­frau“ erst möglich gemacht. „Schaffe, schaffe: Häusle baue“ einer­seits, „Hund ver­kau­fed‘, selber belled“ auf der anderen. Kaum ein anderes Land ist so beses­sen vom Sparen und der „hohen Kante“ oder arg­wöhnt derart bei „Kredit“ und „Pump“. Zuge­ge­ben, das klappt auch hier­zu­lande nicht immer wirk­lich gut. Bund, Länder und Kom­mu­nen sind im Grunde über beide Ohren ver­schul­det und einige Kom­mu­nen – wie so manche Stadt im Ruhr­ge­biet – haben auch die Ohren nicht mehr über Wasser, aber alles in allem kann Deutsch­land seinen Schul­den­dienst pünkt­lich bedie­nen. Die Alli­ier­ten gaben den West­deut­schen die D-Mark (und schufen damit de Facto auch für die nicht so weit ent­fern­ten Ost-Deut­schen den Wäh­rungs­stan­dard, weil es eben „echte“ und „Alu­blech­mark“ gab) welche zu einer Sta­bi­len Währung wurde, der die Men­schen ver­trauen. Regie­run­gen kamen und gingen, die D-Mark blieb wie sie war. Das stetige Wirt­schafts­wachs­tum mit nur wenigen „Knicks“ sorgte dafür, dass die Deut­schen nach dem Krieg nie eine massive Abwer­tung ihres Geldes hin­neh­men mussten, wie etwa Frank­reich, Italien oder Grie­chen­land dies zu tun gezwun­gen waren. Der Sog der D-Mark machte es 1990 auch unmög­lich, einen anderen, für die marode DDR-Wirt­schaft scho­nen­de­ren Weg als die bedin­gungs­lose Kapi­tu­la­tion ein­zu­schla­gen: Die schnellst­mög­li­che Wie­der­ver­ei­ni­gung – die eigent­lich ein Bei­tritt war – erwies sich als unum­gäng­lich. weiter lesen

Die Bahn kommt nicht!

0

Und es ist mir per­sön­lich kom­plett wurscht! Ich lebe auf dem platten Land und mein ein­zi­ger Kontakt zum ÖPNV besteht in einem freund­li­chen „Hallo“ zu meinem Nach­barn, der als Bus­fah­rer arbei­tet. Jeder Ort, den ich nicht zu Fuß errei­chen kann oder mangels Zula­de­ka­pa­zi­tät oder Zeit will, wird von mir auf umwelt­schäd­li­che Weise per Auto oder Flug­zeug ange­steu­ert. Solange es gesell­schaft­lich noch gedul­det wird, dass es Men­schen wie mich gibt, die weit weg von U-, S- und DieBahn leben, um ihren Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten aber in die große weite Stadt und Welt hinaus müssen, werde ich mich dessen auch nicht schämen. Ich schaffe es, meine Wege per Auto so genau zu timen, dass mir auch Staus, Streiks, Frost, Hagel­schlag und Masern­epe­de­mieen nicht den Tag ver­mie­sen können – was natür­lich nicht bedeu­tet, dass ich immer und überall pünkt­lich bin. Wer will das schon! weiter lesen

Die Nachtwölfe und die nicht genutzte Chance

0

Putins Biker werden am 9. Mai ver­mut­lich nicht durch Berlin knat­tern, um der gefal­le­nen Rot­ar­mis­ten des zweiten Welt­krie­ges zu geden­ken und ihre „Sie­ges­fahrt“ zu krönen. Schade, dabei hätte das ein echter Spaß werden können. Man hat es von rus­si­scher Seiten aber auch wirk­lich unge­schickt vor­be­rei­tet: Einfach mal so durch Polen fahren? Wie unsen­si­bel! Warum nicht statt­des­sen eine gemein­same Stern­fahrt mit einen deut­schen Rocker­club nach War­schau um dort des unse­li­gen Hitler-Stalin-Paktes zu geden­ken, der den Polen im Sep­tem­ber 1939 einen über­ra­schen­den Zwei­fron­ten­krieg samt anschlie­ßen­der Auf­tei­lung bescherte? Statt­des­sen wählt man die Route so, dass man unwei­ger­lich an eine Reihe von Domi­no­stei­nen denkt, die vor 70 Jahren einer nach dem anderen unter Sowje­ti­sche Vor­herr­schaft gerie­ten – und es für viele Jahre der „brü­der­li­chen Freund­schaft“* auch blieben. weiter lesen

Teurer Freund und billige Polemik

0

Selbst wenn Nach­kriegs­kon­fe­ren­zen, Gerichts­ur­teile, frei­wil­li­gen Zah­lun­gen, For­mu­lie­rungs­tricks und bila­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Grie­chen­land und Deutsch­land die Repa­ra­ti­ons­frage als erle­digt zurück­las­sen finde ich es geschmack­los, die aktu­el­len Schul­den mit diesen For­de­run­gen zu ver­knüp­fen. Zuge­ge­ben: Von Seiten der Bun­des­re­gie­rung hört man derlei Ver­qui­ckung nicht. Aber die Blogs und Foren hier­zu­lande sind voll mit Gehäs­sig­kei­ten, die man höchs­tens ober­fläch­lich nach­voll­zie­hen kann. Ich möchte gern etwas tiefer graben und auch unsere grie­chi­schen Freunde ein­la­den, etwas genauer hin­zu­se­hen. weiter lesen

Flüchtlingsgeschichten

0

Flüchtlingsgeschichten

Es war einmal eine Mutter. Unschul­dig am ver­gan­ge­nen Krieg, ihr Mann in eben diesem Krieg gefal­len, flieht sie mit ihren drei kleinen Töch­tern (5−10 Jahre alt) aus ihrer Heimat, als diese von der sieg­rei­chen Seite besetzt wurde. Sicher, ihr eigenes Land hat den Krieg begon­nen – aber sie selbst war an der Ent­schei­dung, die Nach­bar­völ­ker zu über­fal­len sicher nicht betei­ligt. Alles Futsch, alles kaputt! Ent­wur­zelt, ver­zwei­felt, zu Fuß auf der Flucht. Nun wachsen die Töchter nach dem frühen Tod der Mutter in der Fremde heran. Allein, ohne Eltern, immer noch ent­wur­zelt. In ihrer neuen Heimat spricht man wenigs­tens ihre Sprache, auch wenn der eigene Dialekt ein wenig befremd­lich wirkt. Aber es mussten ja alle von dort fliehen und eine neue Heimat finden. Einige zogen 100 Kilo­me­ter, andere 1000 Kilo­me­ter oder weiter. Die Töchter werden größer und gründen Fami­lien. Sie… weiter lesen

Er ist wieder da!

0

Er ist wieder da!

Kalter Krieg 2.0

Was war die Welt früher doch einfach zu ver­ste­hen! Je nach dem auf welcher Seite des eiser­nen Vor­hangs man saß, gab es in der Summe klare Vor­stel­lun­gen von Gut und Böse. Die atomare Abschre­ckung sorgte dafür, dass sie Groß­mächte jeweils das Messer an der Kehle des anderen hatten, alle Kon­flikte traten hinter diese „Mutter der Kon­flikte“ zurück. Ich stand damals natür­lich – wie jeder andere überall auf der Welt übri­gens auch – auf der „guten“ Seite. Jeden­falls sagten uns die Greise im Polit­büro, das dies so sei und dass das Bestre­ben der anderen, bösen Impe­ria­lis­ten aus dem Westen sei, uns zu ver­nich­ten. Und wenn sie das nicht mit Pers­higs, Leo­pard­pan­zern und Helmut Schmidt schaff­ten, ver­such­ten sie es eben mit den Ver­lo­ckun­gen des Wohl­stands. Reisen, Autos, Musik…perfinde Dinge, die uns schwä­chen und ein­lul­len sollten. Der arme, geknech­tete Arbei­ter im Westen hin­ge­gen, wenn er nicht der impe­ria­lis­ti­schen Hirn­wä­sche erlegen war, liebte die DDR. So sollten wir das sehen. Taten wir aber nicht. Wir schau­ten nicht nur die aktu­elle Kamera und den Schwar­zen Kanal, wir wurden umso miss­traui­scher, je mehr Geifer über unsere offi­zi­el­len Medien ver­brei­tet wurde. weiter lesen

Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

0

Herr Augstein spricht vom Neuanfang in Griechenland

Heute las ich Ihre SPON-Kolumne, Herr Aug­stein. Und ich denke, Sie liegen diesmal daneben.

Ein Ergeb­nis des zweiten Welt­krie­ges und der Nazi­zeit ist für manche eine Art sin­gu­lä­rer Welt­re­kord, den selbst­ver­ständ­lich Deutsch­land ein­ge­stellt hat und der für alle Zeiten uner­reich­bar bleiben muss. Die meisten Toten, die größte Schuld, der per­fekte Genozid, das schlimmste Grauen. Das ist der Maßstab, an dem sich alles Elend dieser Welt messen lassen muss! Da bestehen wir ‚drauf! Ver­gli­chen mit dem, was Deutsch­land ange­rich­tet hat, ist alles andere nur eine Lap­pa­lie! Die Hamas greift Israel mit Raketen an? Unsere V1 war treff­si­che­rer! Kor­rup­tion und Schul­den­wirt­schaft in Grie­chen­land? Wir waren schlim­mer! Grie­chi­sche Reeder bezah­len ihre Steuern nicht? Ach was, deut­sche Sol­da­ten haben halb Europa ermor­det!

Aber gut, bleiben wir bei ihrem Ver­gleich Herr Aug­stein, schauen wir uns die Lage in Grie­chen­land an und ver­glei­chen sie mit der in Deutsch­land nach WWII. Der erste Unter­schied der uns auf­fällt – und wahr­schein­lich ist es der wich­tigste – ist, dass Deutsch­land nach dem Krieg ein besetz­tes Land war, ein geteil­tes und ver­klei­ner­tes noch dazu. Auch wenn es den einen oder anderen unbe­lehr­ba­ren Nazi gab (und gibt) und sich viele um ihre gerechte Strafe her­um­drück­ten war doch die Ein­sicht, dass da in den letzten 12 Jahren etwas gehörig und unglaub­lich schief gelau­fen war, was man schwer­lich jemand anderem in die Schuhe schie­ben konnte, bei den meisten vor­han­den. In Grie­chen­land war diese Ein­sicht höchs­tens kurz auf­ge­fla­ckert, dann hatte man wieder ein beque­me­res Feind­bild. Die Deut­schen eignen sich auf­grund ihrer his­to­ri­schen Qua­li­fi­ka­tion bestens dafür und Frau Merkel ist ja auch aus ihrem Hei­mat­land Satire gewohnt. weiter lesen