Das Jubel­jahr der Luther­an­er ist mir ein Rät­sel. Beson­ders seine Lage im Kalen­der. Es startete ein knappes Jahr vor dem Ereig­nis, dass eigentlich gefeiert wer­den soll mit dem Son­nen­gruß von Mar­got Käß­mann zum Jahreswech­sel 2016/17 an der Datums­gren­ze. Die Zeit lief also gewis­ser­maßen rück­wärts und war nach den ful­mi­nan­ten Feier­lichkeit­en am 31.Oktober 2017 eigentlich schon wieder vor­bei. Das kann man bedauern, beson­ders deshalb, weil es in den zehn Monat­en die das Jubel­jahr dauerte, nie­mand fer­tigge­bracht hat, eine zeit­genös­sis­che Inter­pre­ta­tion des kon­sti­tu­ieren­den Aktes in die Wege zu leit­en. Zum Beispiel indem man die 146 Artikel des Grundge­set­zes an die Tür des Kan­zler­amtes nagelt. Doch in alter Luther-Manier wollte man es sich nicht mit den Fürsten verder­ben, die noch dazu großzügig die Steuerzahler des Spren­gels Deutsch­land für die Fes­tiv­itäten zur Kasse gebeten haben, um bei der Finanzierung der Gau­di mitzuhelfen.

Und wir bekom­men ja auch was für’s Geld! Die Leser der „Neuen Presse“ Han­nover zum Beispiel erhiel­ten das evan­ge­lis­che Mag­a­zin „chris­mon spezial“ als kosten­lose Son­der­beilage zum Refor­ma­tion­stag. Aber was heißt schon kosten­los! Bere­its eine ganz­seit­ige Anzeige des ZDF auf Seite sieben sagt mir, dass neben dem Steuerzahler und dem Kirchen­s­teuerzahler auch der GEZ-Zahler sein Scher­flein beige­tra­gen hat. Doch lassen wir die finanzielle Haarspal­terei, denn ich las das Heftchen nicht, um die Ver­wen­dung mein­er Fernse­hge­bühren zu über­prüfen, son­dern weil es mir von jeman­dem, der im Unter­schied zu mir sog­ar Kirchen­s­teuer zahlt, mit den Worten „Lies das mal, ich bin kurz vor’m Platzen! Die wol­l’n mich wohl ver­arschen!“ in die Hand gedrückt wurde. Aufgeschla­gen war die Seite mit dem Leitar­tikel und es lächel­ten mir der EKD Ratsvor­sitzende Bischof Hein­rich Bed­ford-Strohm, Stu­dentin der Lit­er­atur­wis­senschaft Sofie Mörchen und The­ologe Julian-Christo­pher Marx ent­ge­gen, die dem Blatt ein gemein­sames Inter­view mit dem Titel „Wir wollen Visio­nen, kein ewiges Hin und Her“ gaben.

Schon der Titel ist unglück­lich gewählt, wollen doch ger­ade Stu­den­ten und junge Sozial­wis­senschaftler oft bei­des: Visio­nen und ewiges Hin und Her. Aber in dem Artikel ging es nicht um die Legal­isierung von Cannabis oder freie Liebe. Um Glaube, evan­ge­lis­che Kirche, die Lebenswirk­lichkeit der Gemein­demit­glieder, Kirchenaus­tritte, Luther, Ref­or­ma­tion oder deren Jubiläum ging es aber auch nicht. Es ging, sie wer­den es kaum glauben, vor allem um den Klimawandel!

Sag mir, was gewesen sein wird

Chris­mon möchte gle­ich zu Anfang von den Inter­view­part­nern wis­sen, wie denn die Zukun­ft in 20 Jahren ausse­hen werde. Eine Frage, an der selb­st Zukun­fts­forsch­er immer wieder so kläglich scheit­ern, wie Mete­o­rolo­gen am Wet­ter der näch­sten Woche. Doch Sofie Mörchen ken­nt die Antwort: „Es ist endlich etwas gegen die Klima­erwärmung passiert!“. Ich frage zurück: „Und, wird’s was genützt haben?“, aber da das Inter­view ja schon gedruckt ist, erhalte ich keine Antwort. Die kann ich jedoch ahnen und erfahre gle­ich zu Beginn, was Rich­tung und Zweck dieses mehr­seit­i­gen Inter­views sein wird: Kirche ist Poli­tik, Poli­tik ist alles, alle müssen Partei ergreifen – Kirche ist Partei! Klimapartei!

Während die Grü­nen in den let­zten Jahren den Weg von ein­er Partei zu ein­er Glaubens­ge­mein­schaft dog­ma­tis­ch­er Prä­gung im Eil­tem­po zurück­gelegt haben, geht die evan­ge­lis­che Kirche in Deutsch­land den ent­ge­genge­set­zten Weg – sie möchte Partei sein: Und da Reli­gion ein Minen­feld ist, sucht man sich lieber ein Parteipro­gramm mit großem Kon­senspoten­zial: die Kli­maer­wär­mung. Und die Migra­tion, denn Marx’ Zukun­ftsvi­sion sagt, dass „[…] wir in Europa eine gemein­same Lin­ie gefun­den haben [wer­den], mit der weltweit­en Migra­tion umzugehen.“

Was waren das doch für gold­ene Zeit­en, in denen die Kan­di­datin­nen ein­er „Miss Amer­i­ca Wahl“, nach ihren Träu­men befragt, nur so real­is­tis­che Ideen wie „Welt­frieden“ äußerten! Heutige Weltverbesser­er kühlen das Kli­ma auf den von Gott vorherbes­timmten ide­alen mit­tleren Wert, lassen Europa das Prob­lem der weltweit­en Migra­tion lösen und reg­ulieren als näch­stes die Rota­tion­s­geschwindigkeit der Milch­straße, wom­öglich durch einen Hunger­streik. Wann sind eigentlich aus gläu­bi­gen, fatal­is­tis­chen Chris­ten omnipo­tente Ich-glaube-also-weiß-ich gewor­den? Sind anmaßende, großspurige All­macht­sphan­tasien nicht die Sache von uns Athe­is­ten, die keine rel­a­tivierende, erratis­che und sich der Erken­nt­nis entziehende Instanz über sich dulden?

Bischof Bed­ford-Strohm ist jeden­falls ganz der Mei­n­ung von Marx & Mörchen und möchte wis­sen, was die Kirche beitra­gen kann. Was jet­zt fol­gt, ist die übliche rhetorisch-kausale Abwärtsspi­rale aus Kirche ist nah, Poli­tik ist fern. Kirche ver­ste­ht, Poli­tik nicht. Mit Parteien kön­nen junge Leute nichts anfan­gen, aber Kirche…doch hier bekommt das Argu­ment einen Knax, weil der Bischof es gle­ich vere­in­nahmt: „Wir alle sind Poli­tik. Und wer sich nicht ein­mis­cht und sel­ber ein­set­zt, der soll sich auch nicht vom Sofa aus beklagen.“

In dieser Aus­sage steck­en Über­he­blichkeit und Lüge: Die Über­he­blichkeit zeigt sich im konkreten Fall näm­lich immer dann, wenn das „ein­mis­chen“ nicht in den gewün­scht­en Bah­nen erfol­gt oder den offiziell verord­neten Losun­gen wider­spricht. Und die Lüge wiegt noch schw­er­er. Denn nir­gends in unser­er Ver­fas­sung ste­ht geschrieben, dass „bekla­gen“ nur dem­jeni­gen zustünde, der sich „selb­st ein­set­zt“. Dieser Mit­mach­fetisch ist ein Merk­mal von Dik­taturen, weil diese ein vitales Inter­esse daran haben, dass der Dreck ihrer Fehler möglichst unter jedem Fin­ger­nagel klebt: Mit­ge­gan­gen – Mitgehangen!

Mit­ge­hen ist auch das The­ma der ev. Kirche in Sachen Kli­mawan­del. Bed­ford-Strohm beschäftige die „Kli­mafrage“ seit er studiert habe. „Es war für mich ein beson­der­er Moment im Leben, als ich vor zwei Jahren Schirmherr des öku­­menischen Pil­ger­wegs nach Paris war.“ Die Klimapil­ger sind übri­gens ger­ade wieder unter­wegs, dies­mal nach Bonn, wo die diesjährige Syn­ode Kli­makon­ferenz stat­tfind­et. Pil­gern, das war in der Neuzeit und bis vor kurzem ein Mit­tel der inneren Einkehr, Entschle­u­ni­gung und Sinnsuche – heute über­wölbt eine zumin­d­est frag­würdi­ge poli­tis­che Agen­da eine Ver­anstal­tung, die von den Kirchen zu ein­er Art „Open Air Gottes­di­enst“ für den richti­gen Zweck erk­lärt wird. Und während Jesus auf dem Weg seine Gefol­gsleute unter­richt­en, Kranke heilen und Tote erweck­en würde, ren­nen seine Schäflein heute der Agen­da ein­er inter­na­tionalen Gruppe poli­tis­ch­er Schar­la­tane hin­ter­her, die alle Jahre wieder ein kom­plett über­flüs­siges Konzil abhal­ten, gegen welch­es das Konzil von Kon­stanz die kli­ma­tis­che Beschei­den­heit des Jahre­str­e­f­fens eines Tauben­züchter­vere­ins hat. Die Kirchen – die deutschen vorneweg – bilden gern das gesellschaftlich schmück­ende Bei­w­erk, singt den Kli­maret­tern ein „Te deum“ und Bed­ford-Strohm ist ob so viel Volon­taris­mus doch tat­säch­lich noch erstaunt, dass Christi­na Figueres, die Chefin des Klimabüros in Paris, zu Trä­nen gerührt war. Zumin­d­est ein Ziel ist mit dem Klimapil­gern erre­icht: die „ökol­o­gis­che Umstel­lung unser­er Mobil­ität“, welche Bed­ford-Strohm fordert. Denn mehr als laufen ist gemäß der neuen Reli­gion ein­fach nicht drin.

Wo man ein schlechtes Gewissen braucht, ist Afrika nicht weit

Kli­ma­tisch düsteres weiß der Bischof Bed­ford-Strohm aus Tansa­nia zu bericht­en, das er unlängst besuchte. Doch wenn er den CO2-Ausstoß des Lan­des (0,2 Ton­nen pro Jahr und Ein­wohn­er) mit dem Deutsch­lands (10 Ton­nen) oder der USA (16 Ton­nen) ver­gle­icht, stellt sich da wirk­lich die Frage „Ist das gerecht?“ Allein die Reisen der Teil­nehmer der näch­sten Kli­makon­ferenz schla­gen mit so vie­len Ton­nen CO2 ins Kon­tor, dass es wohl reichen kön­nte, Tansa­nia 50 Jahre in die Zukun­ft zu kat­a­pul­tieren. Allein schon die 4,9 Ton­nen CO2, die dem Bischof für seine Reise nach Afri­ka angerech­net wer­den müssen, heben ihn deut­lich über den deutschen Durch­schnitt und machen seinen Ruf nach Kli­ma-Gerechtigkeit zum leeren Gerede, oder, um es mit Heine und somit bess­er auszudrücken:

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Wom­it man ein­lullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Her­ren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heim­lich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Tansa­nia zählt dabei noch zu den afrikanis­chen Län­dern, denen es ver­gle­ich­sweise gut geht. So gut, dass es sich wie viele andere Staat­en der Region eine blühende Kor­rup­tion leis­ten kann und seinen Par­la­mentsab­ge­ord­neten fürstliche Diäten zahlt, die mit $ 7.200 pro Monat etwa dreimal so hoch aus­fall­en, wie in Spanien. Auch dahin fließt let­ztlich das Geld der Entwick­lung­spro­jek­te, von denen Bed­ford-Strohm sprach.

Betra­chtet man die Aufmerk­samkeit, welche das neue Lieblings­the­ma der evan­ge­lis­chen Kirche von seinen Repräsen­tan­ten und Adepten erhält, kön­nte man denken, es könne kaum bess­er laufen. Denn offen­bar sind für den Bischof The­men wie Kirchenaus­tritte, eine zunehmende Ver­ro­hung unser­er Gesellschaft durch die Aus­bre­itung ein­er anderen, weniger koop­er­a­tiv­en Reli­gion nicht die Felder, die man im Jubel­jahr beack­ern muss. Und doch sieht Bed­ford-Strohm Anlass zur Klage: „Wenn die Kirche zu einem The­menabend ein­lädt „Was kommt nach dem Tod?“, dann sind die Säle voll. Machen wir eine Ver­anstal­tung zum Kli­mawan­del, kom­men deut­lich weniger.“ Ich sag’s ja nur ungern, aber warum wun­dert sich der Zim­mer­mann, dass man sein Brot nicht kauft? Fehlt ihm wom­öglich die Exper­tise als Bäck­er? Glaubt der Bischof wirk­lich, die Men­schen suchen in der Kirche Antworten auf den Kli­mawan­del, statt Halt und Trost im Glauben? Denkt er ern­sthaft, ein The­ma, dass von beina­he allen poli­tis­chen Kräften und fast allen Medi­en tagtäglich mit größter Kraft gegeißelt wird, muss nun auch noch von sein­er Kirche erschla­gen werden?

Es sieht jedoch so aus, als habe er in tat­säch­lichen Glaubens­fra­gen längst kapit­uliert. Wie son­st ist es zu erk­lären, dass die Gläu­bi­gen nicht mal von einem Bischof eine klare, der Selb­stvergewis­serung dien­liche Aus­sage zum Islam erhal­ten? Bed­ford-Strohm: „Auch im Islam gibt es starke Kräfte, die für diesen Grund­kon­sens [Men­scherechte] ein­treten. Ver­teufeln wir den Islam als Ganzes, set­zen wir auch seine Mod­ernisier­er schachmatt.“ Was der Islam unter Men­schen­recht­en ver­ste­ht, haben seine „starken Kräfte“ in der Kairoer Erk­lärung in der Tat klar formuliert.

Dort ste­ht, dass die Scharia der Kit sei, der die Men­schheit zusam­men­hal­ten soll und dass es außer­halb der Scharia keine Men­schen­rechte gebe. Sucht Bed­ford-Strohm dort die „Mod­ernisier­er“ des Islam? Denn alle wirk­lichen Mod­ernisier­er wer­den von den Vertretern ihrer Reli­gion früher oder später aus dem Islam hin­aus­ge­drängt, wo sie dann als „Nest­beschmutzer“ und „Apos­tat­en“ auch den Respekt der Kirchen ver­lieren und schachmatt geset­zt wer­den. Ein Bischof, dessen Kirche von einem exkom­mu­nizierten Mönch gegrün­det wurde, sollte eigentlich wis­sen, dass eine erstar­rte, verknöcherte Reli­gion nicht von innen reformiert wer­den kann. Ex-Mus­lime, die dies fol­gerichtig von außen tun wollen, erfahren in unser­er Gesellschaft jedoch keine Unter­stützung, weil uns das zu gefährlich ist.

Und Mörchen springt dem Bischoff noch sekundierend zur Seite: „Nicht zu vergessen: Opfer des islamis­chen Ter­rors sind haupt­säch­lich Mus­lime. Das hat doch Gründe. Woher kommt der Ter­ror über­haupt? Sind wir im West­en daran ganz unschuldig? Ich denke nicht. Darüber müssen wir ehrlich reden.“ Ein­fältiges Mörchen! Solche Äußerun­gen kämen dir sich­er nicht in den Sinn, gin­ge es um Todes­opfer in ein­er Auseinan­der­set­zung zweier mexikanis­ch­er Dro­genkartelle – die meis­ten Todes­opfer dort sind näm­lich üblicher­weise Ban­den­mit­glieder. Spricht diese Tat­sache die Ban­den etwa von ihrer Ver­ant­wor­tung frei? Die Tat­sache, dass die meis­ten Opfer des islamis­chen Ter­rors Mus­lime sind, zeigt doch nur, wo der Ter­ror zuhause ist: in mus­lim­is­chen Gesellschaften!

Quo vadis, Kirchen-Reichweite?

Der The­ologe Marx steuert schließlich einen Satz bei, der mein­er Mei­n­ung nach per­fekt das Dilem­ma aufzeigt, in das sich die ev. Kirche selb­st gebracht hat: „Die christliche Reli­gion muss anschlussfähig sein für die religiös Indif­fer­enten.“ – denn genau das muss sie nicht! Ich will nicht, dass die Kirche mir nach­steigt und ver­sucht, mich mit are­ligiösen The­men zu ködern! Gut, mit religiösen The­men klappt das bei mir auch nicht, aber wenn Marx anmah­nt, dies zudem „…nicht mit ein­er the­ol­o­gisch verquas­ten Sprache [zu tun], die unverse­hens von bes­timmten Glaubenswahrheit­en aus­ge­ht: ­Jesus Chris­tus, der Erlös­er, die Sünde, das ewige Leben…“ und der Bischof hier nicht gle­ich Ein­spruch erhebt, scheint es mit dem Markenkern der Protes­tanten heute nicht mehr weit her zu sein. Bed­ford-Strohm beg­ibt sich lieber auf ver­mintes Gelände: „Gestern haben wir in einem öku­menis­chen Gottes­di­enst uns alle an den Hän­den gehal­ten, beim Vaterunser die Hände nach oben gestreckt. Solche For­men von Kör­per­lichkeit gehören dazu. Oder dass dir jemand ein Kreuz auf die Stirn malt.“ Davon kann ich nur abrat­en, Herr Bischof. In Zeit­en, in denen jede kör­per­liche Berührung auch nachträglich umgedeutet, aufgew­ertet und per Hash­tag sank­tion­iert wer­den kann, sollte man jeden kör­per­lichen Kon­takt, zumal wenn er in einem grup­pen­dy­namis­chen Umfeld evoziert ist, tun­lichst ver­mei­den. Hol­ly­wood dreht ger­ade durch, britis­che Poli­tik­er stürzen über „Hand am Knie“ und deutsche Ex-Botschafter machen Staatssekretärin­nen mit Aufmerk­samkeits­de­fiz­it Kom­pli­mente, die diese zu sex­uellen Übertre­tun­gen aufblasen.

Ich denke, genau dieser Aspekt men­schlichen Zusam­men­lebens, näm­lich einige moralis­che Grund­prinzip­i­en alltäglich­er men­schlich­er Begeg­nun­gen im öffentlichen und pri­vat­en Raum, sind früher maßge­blich durch kirch­liche Def­i­n­i­tion und Sank­tion stark bee­in­flusst wor­den. Doch wahrschein­lich weil die Kirchen in der jün­geren Ver­gan­gen­heit auf­grund divers­er moralisch rel­e­van­ter Skan­dale auf diesem Feld kläglich ver­sagt haben, ver­ab­schiedete man sich gle­ich ganz aus dem Minen­feld zwis­chen­men­schlich­er Inter­ak­tion und suchte sich als Ersatz abge­hobene Meta-Ebe­nen wie den Kli­mawan­del zur Sin­nge­bung. Doch brauchen wir in der Kli­mawan­del­re­li­gion wirk­lich weit­ere Predi­ger? Oder noch eine weit­ere Grüne Partei? Diese Fra­gen möge sich jed­er selb­st beant­worten. Ich jeden­falls werde das mir unver­hofft zuge­laufene Exem­plar “chris­mon spezial” gut und kli­mawan­del­sich­er auf­be­wahren. Nur für den Fall, dass in zwanzig Jahren mal jemand von mir wis­sen möchte, wie es zum Unter­gang der evan­ge­lis­chen Kirche kom­men konnte.

Vorheriger ArtikelWie die deutsche Einheit Katalonien die Unabhängigkeit bringen kann
Nächster ArtikelAb sofort bin ich „Menschenrechtsaktivist“!

14 Kommentare

  1. Die Leser­brief­schreiber vom 4. 11. 2017 ver­an­lassen mich zu dieser Anmerkung.
    Der Kri­tik von Roger Letsch in Sachen Bed­ford — Strohm ist zuzus­tim­men und wenig hinzuzufü­gen. Seid dieser aus­gerech­net auf dem Tem­pel­berg sein Bis­cħof­skreuz aus vorau­seilen­dem Gehor­sam ver­leugnete und dies pein­lich begrün­dete ist er für mich als EKD — Ratsvor­sitzen­der mein­er Kirche obso­let. Ja, Sie lesen lesen richtig: Mein­er Kirche. In manchen Ohren mag das heute wie ein heik­les “Out­ing ” klin­gen, aber wie auch Deutsch­land mein Land bleibt, obwohl es derzeit merke­lisiert ist, so bleibt meine Kirche meine Kirche. Trotz alledem.
    Wenn Bed­ford — Strohm wom­öglich für Ter­ror­is­ten betet — oder Frau Käß­mann ? — und sich um die “Mod­ernisier­er” des Islam Sor­gen macht, dann ist das seine Pri­vatan­gele­gen­heit. (Dass let­ztere deshalb aus dem Islam gedrängt wür­den und dann den Respekt der Kirchen ver­lören, ist eine frag­würdi­ge These. )
    Bed­ford — Strohm & Co. haben die naive Hoff­nung jet­zt oder früher oder später mit dem Islam auf Augen­höhe kom­mu­nizieren zu kön­nen. Mit Unter­w­er­fungs­gesten ( Tem­pel­berg) und Tol­er­an­zap­pellen ver­suchen sie ihn milde zu stim­men und biedern sich ein­er Ide­olo­gie an, für die sie b e s t e n f a l l s als Ungläu­bige gelten.
    Da die Res­o­nanz in der EKD auf die Islam — Debat­te, vor­sichtig aus­ge­drückt, ver­hal­ten ist und ein Christ großen Wert auf den Erhalt der Schöp­fung legt, ver­suchen einige Kirchen­führer mit der “Kli­mawan­del — Reli­gion” zu punk­ten. Die Grün — Ide­ol­o­gisierung dieses The­mas stößt allerd­ings einen lutherischen Protes­tanten eher ab. Das Dilem­ma ist die Tat­sache, dass die Kirche tat­säch­lich zu oft vor Glaubens­fra­gen kapit­uliert und die Verkündi­gung vernachlässigt.
    Wenn allerd­ings — so der Tenor der o. g. Leser­brief­schreiber — die Kirche als über­holte Insti­tu­tion aus der Ver­gan­gen­heit abgekanzelt und der Aus­tritt als einzige Option ange­priesen wird, so darf man fra­gen: Wom­it — um Him­mels Willen ! — kön­nen wir dem Islam ern­sthaft und glaubens­gestützt ent­ge­gen treten ?
    Das Luther­jahr hat uns und der Kirche dur­chaus “Amt­shil­fe” gewährt. Man musste sie nur suchen und finden.
    Schlussbemerkung :
    Das Lamen­tieren über die leeren Kirchen als Pauschal­symp­tom bringt nichts und ist dur­chaus nicht angebracht.
    In mein­er Gemeinde war am 31. Okto­ber — dem Refor­ma­tion­sju­biläum — kein unbe­set­zter Platz mehr zu finden.
    Dirk Jungnickel

    (Hat­te den Leser­brief lei­der auf der Achse 5 Minuten zu spät eingereicht.)

    • Bei mir ist es nie zu spät. 😉
      Die Sache mit den abgelegten Kreuzen emp­fand ich übri­gens als unprovozierte Unter­w­er­fungs­geste unter den Islam. JEDER Christ, mit dem ich darüber sprach — und viele hörten und sahen das Gebaren ihrer geistlichen Fürsten bei der Gele­gen­heit zum ersten mal — sah das genauso!

      • Yep. Sog­ar ich als Jude finde dieses osten­ta­tiv-feige Able­gen eines Kreuzes unter aller Kanone.
        Soviel Antichristlichkeit und Selb­sthass bei einem Beruf­schris­ten!, ah, wie abstoßend kläglich.

  2. Das ist nicht mehr eine Kirche unseres vor­ange­gan­genen Con-Erzpropheten Jeshua XVIII. — Erzprophet der Papageien — son­dern ein schmutziger Ort des bösar­ti­gen Sslick gewor­den. Kehret um und werdet Pan­the­is­ten! Befre­it Euch von der Nieder­tra­cht der Kirchen! Perei! https://tuesdeus.de/

    Aeaeio XXII. — Erzprophet der Haie

    • Nun ja. Ach schon. Ach doch-.
      Ander­er­seits hät­ten Sie ein Anal­o­gon ver­sus Islam­i­co­rumque usf. weniger leichthin hingeschrieben, nicht?

  3. Ich bekenne mich zum Glauben an Gott, Schöpfer der Uni­ver­sums, und Jesus Chris­tus, seinen Sohn und ihm gle­ich. Ich denke, dass man dies auch heute guten Gewis­sens in intellek­tueller Redlichkeit auch tun kann, wiewohl es keine zwin­gen­den Gründe gibt, genau das zu glauben. Darum wäre ich sehr froh, wenn diese Glaubensin­halte auch adäquat in der Kirche gelehrt wür­den. In der EKD und auch in der RKK sehe ich das zur Zeit nicht mehr. Wenn ich noch in ein­er der Großkirchen wäre, würde ich sofort aus­treten. Ich erkenne hierin nicht mehr ein­er Repräsen­tanz christlichen Glaubens. Ich will mich auch nicht zu ein­er absur­den Kli­mare­li­gion beken­nen, die eben nicht intellek­tuell redlich vertret­bar ist. Wäre Luther unter uns, würde er sich­er eben­so aus dieser Kirche aus­treten, die ihr Ker­nan­liegen ver­rat­en hat.

    • Ja, der Luther würde die protes­tantis­che Kirche sofort reformieren, aber sowas von. Er würde den nöti­gen Juden­hass sor­rfor­rt wieder ein­führen, weil der ja apos­tolisch ist (der mod­ernistis­che Israel­hass ist solch­es ist das aber nicht), und er würde die Kli­maid­ee als Teufel­swerk beze­ich­nen, weil es bloß darauf ankomme, ob man Gnade abkriege, und wenn nicht, warum nicht.

      Für­wahr auf großar­tig­ste Weise würde Luther die Käßmän­nis­che Son­nen­kli­makirche wieder regothisieren.

      • Was soll denn das? Luthers Anliegen war der Glaube an den gnädi­gen Gott, der in Jesus uns das Heil erwirkt. Das hat sein Leben und seine Ref­or­ma­tion geprägt, denn das fand er in der RKK nicht mehr. Heute ist die EKD auch vom Kurs abgekom­men und hat sich frem­den Unheil­slehren geöffnet. Was Luther vom Kli­mawan­del gehal­ten hätte, weiß ich nicht. Er hätte auf jeden Fall fest­stellen müssen, dass dies mit der Kern­botschaft des NT nichts mehr zu tun hat. 

        Bezüglich des Juden­hass und sein­er Aus­fälle gegen Bauern: Luther ist wahrlich nicht über Kri­tik erhaben, aber er war auch Kind sein­er Zeit. Er leit­ete großes für die Geis­tes­geschichte, aber er schrieb auch Dinge, die wir zu Recht ver­ab­scheuen. Ohne den Zeit­bezug würde es für eine Empörung reichen. Aber wer wird denn Anachro­nist sein wollen?

        • Nein, Luther war in punc­to Ver­nich­tungsaufrufen gegen die Juden und in punc­to Hass auf Bauern ja dur­chaus kein “Kind sein­er Zeit”, son­dern der stier­nack­ig­ste Scharf­mach­er sein­er Zeit, Herr Landvoigt.
          Human­is­ten also wahre Kinder jen­er Zeit wie Eras­mus von Rot­ter­dam oder Johannes Reuch­lin sahen das völ­lig anders, aber sie waren eben nicht laut, grob und skru­pel­los genug, um Wellen von Gewalt zu ent­fachen. Luther kon­nte das viel besser.

  4. Dankeschön für diesen kri­tis­chen Text zu ein­er bizarren Real­itäts­ferne, mit deren Auswirkun­gen auch der Athe­ist und Natur­wis­senschhaftler leben muss. Der Begriff “Kli­makirche” bringt wohl viele Auswüchse her­vor, erwart­bar noch bizarrere, dieser ist beson­ders wider­wär­tig. Gle­ich­wohl bin ich dankbar, meine Erfahrun­gen mit ein­er Kircheno­brigkeit bestätigt zu sehen, die sich nir­gends wohler fühlte als in Strom­lin­ie zur Polit­bürokratie. Beson­ders übel, wenn sich Bis­chöfe und andere Wür­den­träger nach dem Kol­laps von Dik­taturen die Ver­di­en­ste der weni­gen im Wider­stand befind­lichen schwarzen Schafe und Hirten zurech­nen und sich als “innere Wider­ständler” out­en, die unter Schmerzen auch schon ein­mal Priv­i­legien am Tisch der Herrschen­den erdulden mussten. Glaube, Spir­i­tu­al­ität, Reli­gion: Sie sind mit dieser Art “Fröm­migkeit” so wenig vere­in­bar, wie Grun­dregeln von Wis­senschaft und Kun­st. Die Ket­zer wer­den diesen Kirchen niemals ausgehen.

  5. Auf einen Beschw­erde­brief über dieses Heft “chris­mon”, das notge­drun­gen an vie­len Stellen herum­liegt, bekam ich neben auss­chließlich Ver­satzbausteinen die sub­stanzielle Antwort, dass bei ein­er Auflage von 7 Mil­lio­nen, sehr viel Wer­bung nötig sei. Wie viele Bäume mussten dafür gefällt werden?

Kommentarfunktion ist geschlossen.