Die BILD fragt „War­um spal­tet uns Coro­na?“ und der Ber­li­ner Psy­cho­lo­ge Dr. Wolf­gang Krü­ger ant­wor­tet. Der Mann muss auch Ber­lin-Psy­cho­lo­ge sein, denn sei­ne Dia­gno­se klingt wie auf mär­ki­schem Sand gebaut und muss der all­ge­gen­wär­ti­gen “gro­ßen Poli­tik” ent­sprun­gen sein, mit der man in Ber­lin über­all in Berüh­rung kommt. BILD assis­tiert bei der Ein­ord­nung der Pati­en­ten auf der Couch und beschwert sich laut über die Pla­ge, von der das Land gera­de über­schwemmt wer­de. BILD: „Beim Grill­abend, im Büro, auf Face­book – über­all tauch­ten sie auf, die Ver­fech­ter von wil­den Theo­rien. Und es tat sich ein brei­ter Coro­na-Gra­ben zwi­schen Men­schen auf, die sich eigent­lich gut ver­ste­hen, Freun­de sind. Wie konn­te es so weit kommen?“

„Ver­fech­ter wil­der Theo­rien“ dient hier als Sam­mel­be­griff für vie­le Men­schen, die nicht theo­re­tisch, son­dern ganz prak­tisch offen­bar ande­re Erfah­run­gen in der Pan­de­mie gemacht haben oder anders von ihr betrof­fen sind, als die BILD und ihr Psych­ia­ter. Doch der kennt die Grün­de dafür:

„Coro­na stellt uns auf eine unend­lich har­te Pro­be, weil wir kein Licht am Ende des Tun­nels sehen. Vie­le kön­nen das nicht aus­hal­ten und fan­gen des­halb an, die Gefahr zu leug­nen bzw. für been­det zu erklären.“

Die Tat­sa­che, dass zahl­rei­che Men­schen ange­sichts der ver­füg­ba­ren Pilo­ten offen­bar so ihre Pro­ble­me mit Blind­flü­gen haben, kommt nicht mal ins Kal­kül. Die zumin­dest ver­ständ­li­che, viel­leicht sogar berech­tig­te Furcht vie­ler wird kur­zer­hand zur Leug­nung der Gefahr umde­fi­niert. Doch nach mei­ner Mei­nung unter­schei­den sich „Coro­na-Leug­ner“ ledig­lich durch die Gewich­tung unter­schied­li­cher Gefah­ren von allen ande­ren – wenn wir mal groß­zü­gig jene aus­blen­den, die unter Mor­bus Hild­mann lei­den oder in Bill Gates den ers­ten der vier Rei­ter der Apo­ka­lyp­se sehen wollen.

Es geht jedoch immer um die ganz indi­vi­du­el­le Fra­ge, wie hoch man die ver­schie­de­nen Lebens­ri­si­ken ein­schätzt, die Gefahr, sich mit Coro­na zu infi­zie­ren, ist nur eine der Gefah­ren – und für vie­le nicht ein­mal die größ­te. Doch nie­mand fragt nach die­sen ande­ren Risi­ken, weil Deutsch­land mal wie­der einen „gemein­sa­men Feind“ hat und wer sich da nicht kri­tik­los und mit klin­gen­dem Spiel in die Front ein­reiht, der wird infan­ti­li­siert, für ver­rückt oder gleich zum Volks­feind und poten­zi­el­lem Mör­der erklärt.

BILD: Doch war­um ent­wi­ckeln sich so vie­le zu Maß­nah­men-Zweif­lern und Coro­na-Leug­nern bis hin zu rück­sichts­lo­sen Ich-gehe-ohne-Maske-demonstrieren-Menschen?

„Sol­che Men­schen sind oft sehr kind­lich, […] Sie ver­ken­nen Gefah­ren und über­schät­zen sich selbst. Wie ein Fünf­jäh­ri­ger, der unbe­dingt vom Klet­ter­ge­rüst sprin­gen muss und nicht rea­li­siert, dass es zu hoch ist und er sich die Kno­chen bre­chen könn­te, gehen sie davon aus: Ich ste­cke mich nicht an, ich wer­de von Coro­na ver­schont bleiben.

Der zwei­te, wesent­li­che Punkt ist Eigen­sinn: Immer wenn es von außen neue Vor­schrif­ten gibt, sagen sol­che Leu­te sofort: Das mache ich nicht, ich las­se mich nicht ein­schrän­ken. Dabei geht es gar nicht um die Sache an sich oder Ver­nunft, sie reagie­ren instink­tiv wie 13-jäh­ri­ge Kin­der in der Puber­tät. Das ist eine Form von Bockigkeit.“

Der Non­kon­for­mist von einst ist der Fünf­jäh­ri­ge von heu­te und der glaubt angeb­lich, Coro­na kön­ne ihm nichts anha­ben. Das Argu­ment ist bequem, denn es macht Hier­ar­chien deut­lich und kommt ganz neben­bei auch mit einem Erzie­hungs­auf­trag daher. Fünf­jäh­ri­ge eben! Die einen quen­geln an der Super­markt­kas­se, ande­re wol­len kei­nen Spi­nat essen und wie­der ande­re sind coro­nabo­ckig. Kennts­te einen, kenns­te alle! Haus­ar­rest und Taschen­geld strei­chen! Und bloß auf kei­ne Dis­kus­si­on ein­las­sen, wenn es dar­um geht, ob man zur Demo darf oder ins Bett muss. Erwach­se­ne Deut­sche ver­hal­ten sich da anders. Immer wenn es von außen neue Vor­schrif­ten gibt, rufen sie „das mache ich sofort, ich las­se mich gern ein­schrän­ken“. Die­ser Geschmei­dig­keit wäre ein Rück­grat oder ein eige­nes Urteils­ver­mö­gen natür­lich im Weg. Oder han­delt es sich bei der­art kri­tik­lo­sem Gehor­sam ganz im Lafontain‘schen Sinn womög­lich doch nur und „ganz prä­zis gesagt“ um eine Sekun­där­tu­gend, die zum Schlimms­ten befähigt?

„Es ist ver­dammt schwer, mit die­sem irra­tio­na­len Eigen­sinn umzu­ge­hen. Obwohl bzw. gera­de weil man die­sen Men­schen gern hat, sich mit ihm ver­bun­den füh­len möch­te. Zumin­dest pha­sen­wei­se ist das Band zer­ris­sen – genau­so wie jetzt bei Freun­den, die sich nicht coro­na­ei­nig sind.“

Nicht eine Sekun­de ver­schwen­det der Spit­zen­psy­cho­lo­ge auf die Fra­ge, ob dem bemän­gel­ten Eigen­sinn nicht viel­leicht durch­aus ratio­na­le Erwä­gun­gen zu Grun­de lie­gen könn­ten, die er nur nicht gel­ten lässt oder schlicht aus­blen­det. Die Rol­len sind klar ver­teilt. Auf der einen Sei­te der Ver­wal­ter der gül­ti­gen Coro­na-Wahr­heit, auf der ande­ren Sei­te das unein­sich­ti­ge Kind, dem man mit Argu­men­ten eh nicht bei­kommt, weil es intel­lek­tu­ell dazu gar nicht in der Lage ist. Unmün­dig, dumm, emo­tio­nal unreif. Für man­che mag das zutref­fen. Dar­aus die Ana­mne­se für eine gro­ße und noch dazu extrem hete­ro­ge­ne Grup­pe abzu­lei­ten, hal­te ich nicht für zuläs­sig. Und was die Gül­tig­keit der “Wahr­heit” angeht, stützt sich die­se auf so wenig Exper­ti­se wie sel­ten zuvor in einer Kri­sen­si­tua­ti­on. Denn von der pos­tu­lier­ten Coro­na­ei­nig­keit ist selbst unter den Exper­ten kei­ne Spur zu finden.

„Auf der unmit­tel­ba­ren Ebe­ne soll­ten Sie sich von Freun­den fern­hal­ten, die sich nicht an die Vor­sichts­maß­nah­men hal­ten, die für Sie per­sön­lich wich­tig sind. Dadurch ver­rin­gert sich der Freun­des­kreis, aber das müs­sen Sie aus Grün­den der Selbst­für­sor­ge in Kauf neh­men.“ Bei ech­ten Her­zens­freun­den tre­ten sol­che Pro­ble­me eher sel­te­ner auf, sagt der Exper­te, weil man ähn­li­che Ansich­ten und Ver­hal­tens­wei­sen hat – wahr­schein­lich auch in die­ser Krise.

Damit wäre die Patho­lo­gi­sie­rung der Kri­ti­ker voll­stän­dig. Sei­ne Wahr­heit, dei­ne Lüge. Dia­gno­se: man­geln­den Coro­na­ei­nig­keit, The­ra­pie: Lie­bes­ent­zug, Kon­takt­be­schrän­kung, Ver­wand­te blei­ben sicher­heits­hal­ber in der für sicher erklär­ten Mei­nungs­bla­se und hal­ten sich so von „wil­den Ideen“ fern. Tu’s für dich, aus Selbst­für­sor­ge. Bleib gesund, auch im Kopf! Kom­mu­ni­zie­re nicht mit „Cov­idio­ten“ und schal­ten sie um Him­mels Wil­len die Feind­sen­der aus!

„Coro­na ist eine emo­tio­na­le Her­aus­for­de­rung, der man mit Argu­men­ten nur schwer begeg­nen kann.“

Coro­na ist in der Tat auch eine emo­tio­na­le Her­aus­for­de­rung, doch der Exper­te lässt nur einen klei­nen Teil, näm­lich den des „Duck and Cover“ als sol­che gel­ten. Alles, was es dem ein­zel­nen ermög­licht, die her­un­ter­ge­reich­ten Befeh­le treu aus­zu­füh­ren, ist gut. Gehor­sam ist gut. Coro­na­ei­nig­keit ist gut. Und da den Irren „mit Argu­men­ten nur schwer zu begeg­nen ist“, muss man sich auch nicht die Mühe machen, wel­che zu haben oder die­se gegen Kri­tik zu verteidigen.

Die “Coro­na-Argu­men­te” kön­nen ja gut und rich­tig sein und zwei­fel­los sind das auch vie­le. Aber das müs­sen sie – egal wie ermü­dend das auch sein mag – im Dis­kurs immer wie­der bewei­sen. Für die­sen Dis­kurs braucht es stets die Infra­ge­stel­lung des Sta­tus Quo. Denn wenn alle im Lock­down glück­lich, krea­tiv und zufrie­den sind, die Beschrän­kun­gen als Chan­ce begrei­fen, sich alle Pro­ble­me ein­fach mit Geld zuschüt­ten las­sen, Insol­ven­zen per Ver­ord­nung ver­bo­ten sind und geplatz­te Kre­di­te ein­fach igno­riert wer­den kön­nen, war­um soll­te der Aus­nah­me­zu­stand dann je enden, wo er doch schein­bar die bes­se­re Rea­li­tät ist, in der die Bestat­tungs­in­sti­tu­te Staats­hil­fen bean­tra­gen müs­sen, weil nie­mand mehr stirbt?

BILD: Wenn man nicht wei­ter­kommt, was dann? Das The­ma aus­klam­mern und ansons­ten nor­mal wei­ter­ma­chen? Den Freund wie auf Face­book dis­li­ken? Oder ihn nur vor­über­ge­hend unsicht­bar machen und abwar­ten, ob sich die Kluft nach Coro­na wie­der schlie­ßen lässt?

„Ver­su­chen Sie viel­leicht erst noch ein­mal die Rich­tung zu ändern. Unter­hal­ten Sie sich nicht dar­über, ob es Coro­na gibt oder nicht oder wel­che Maß­nah­men sinn­voll sind oder nicht, son­dern dar­über, inwie­fern Coro­na eine Chan­ce ist. Eine Chan­ce her­aus­zu­fin­den, wie wir mit weni­ger Bespa­ßung aus­kom­men. Wie wir das Zuhaus­e­sein mehr genie­ßen kön­nen. Wie wir uns mit inten­si­ven Gesprä­chen nahe sein kön­nen, obwohl wir uns nicht in den Arm neh­men dür­fen. Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, die­se Situa­ti­on gemein­sam gut zu über­ste­hen, sodass wir im Nach­hin­ein viel­leicht sogar sagen kön­nen: Das hat mich im Leben weitergebracht.“

Nun sind wir end­gül­tig in der Päd­ago­gik für Klein­kin­der ange­kom­men. Coro­na als Chan­ce, Ver­zicht als Chan­ce, Schmerz als Chan­ce, Ein­sam­keit als Chan­ce, allein ster­ben als Chan­ce, Bür­ger­krieg als Chan­ce, Ver­schüt­tet sein, Ange­hö­ri­ge ver­lie­ren, ent­führt wer­den, sich mit allem abfin­den, nichts mehr riskieren…alles ist irgend­wie „Chan­ce“, die man sich nur inten­siv genug in die Bir­ne prü­geln muss, um sie letzt­lich toll zu fin­den. Hier fin­det sich die unaus­rott­ba­re Idee von einer Rea­li­tät, die sich durch Auto­sug­ges­ti­on rosa­rot färbt.

Wenn alle nur posi­tiv däch­ten, wenn alle stän­dig Mas­ken trü­gen, wenn alle immer und über­all kor­rekt gen­dern wür­den, wenn nie­mand mehr von „Moh­ren­kopf“ sprä­che, dann wäre die Welt geret­tet und Ras­sis­mus, das Patri­ar­chat und Coro­na wür­den ver­schwin­den. Oder eben auch nicht. Wer mir nach all den Mona­ten media­len Dau­er­alarms, Not­stands­ge­set­zen, Schul­schlie­ßun­gen, wirt­schaft­li­cher Tal­fahrt und Mil­lio­nen Men­schen, die je nach Kon­sti­tu­ti­on kurz vor dem Zusam­men­bruch oder der Explo­si­on ste­hen, Coro­na immer noch als Chan­ce ver­kau­fen will, soll­te sich über die Inju­rie „Schar­la­tan“ nicht ärgern. Schließ­lich eröff­nen sich dadurch jede Men­ge Chan­cen für die Kar­rie­re – als Exper­te im öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk bei­spiels­wei­se oder als Inter­view­part­ner für BILD.

„Bei Unver­bes­ser­li­chen, bei denen weder Argu­men­te noch Umden­ken noch die Auf­for­de­rung zur Rück­sicht­nah­me hilft, gilt: auf Abstand gehen. Im ech­ten Leben und in den sozia­len Medi­en. Bei der eige­nen Fami­lie ist das extrem schwer, des­halb soll­ten Sie sich Hil­fe holen – vor allem wenn der Coro­na-Frust in dis­kri­mi­nie­ren­de Ver­schwö­rungs­theo­rien umschlägt. Es ist wich­tig, in die­ser Situa­ti­on zu ler­nen, wie man sich emo­tio­nal abgren­zen kann.“

Dass ein zum Umden­ken auf­ge­for­der­ter nicht umdenkt, geht natür­lich gar nicht! Gut, dass Dr. Krü­ger gleich das pas­sen­de Hilfs­an­ge­bot zur Hand hat: Den Ber­li­ner Kri­sen­dienst. Der hilft näm­lich tat­säch­lich, etwa bei Depres­sio­nen, Trau­ma­ta, Sucht­pro­ble­men oder Sui­zid­ge­dan­ken. Wenn Vater oder Mut­ter also mal wie­der auf eine Coro­na-Demo gehen, kann das woke Töch­ter­lein (Sozio­lo­gie, vier­tes Semes­ter) sich dort pro­fes­sio­nel­le Hil­fe holen. Doch viel­leicht kennt man die Eltern dort bereits, denn weil deren Fir­ma wegen der Lock­down-Maß­nah­men kurz vor der Plei­te steht und der Vater sich mit Selbst­mord­ge­dan­ken trägt, hat die Mut­ter längst beim Kri­sen­dienst um Hil­fe gebe­ten. Bei der nächs­ten Sit­zung kön­nen die bei­den sich dann gleich ihre Coro­na­ei­nig­keit glatt­zie­hen las­sen, wenn sie schon mal da sind.

Ich bin ja nicht so der Demo-Typ. Das hat his­to­ri­sche Grün­de, die spä­ter ins Prin­zi­pi­el­le umschlu­gen. Ich hal­te die meis­ten Demons­tra­tio­nen für ziem­lich zweck­los, weil sie ent­we­der Aus­druck der Macht oder der Ohn­macht sind. Zuge­ge­ben, es gibt Aus­nah­men. Wenn ich jedoch Arti­kel wie die­ses BILD-Inter­view mit Dr. Krü­ger lese, male ich im Geis­te bereits ein Trans­pa­rent: „Die Kanz­le­rin sprach: ‚Läch­le, es könn­te schlim­mer kom­men!‘ Und ich lächel­te. Und es kam schlimmer.“

Der Titel ist eine Text-Anlei­he aus die­ser Sze­ne aus “Das Leben des Bri­an”. Gleich erkannt, oder?

 

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17 Kommentare

  1. Mir kommt es der­zeit vor, dass Deutsch­land durch die vie­len, oft will­kür­li­chen Coro­na-Maß­nah­men in einen gro­ßen Kin­der­gar­ten ver­wan­delt hat. Und ich bin kei­nes­wegs sicher, ob die Polit­na­sen nicht dem­nächst einen zwei­ten Lock­down für not­wen­dig erach­ten. Fr. Mer­kel hat in Davos von der “gro­ßen Trans­for­ma­ti­on” gespro­chen. Ist das die ’neue Nor­ma­li­tät’, an die wir uns gewöh­nen sol­len? Das wür­de doch bedeu­ten, dass u.a. eine Deindus­tria­li­sie­rung, ver­bun­den mit Armut, auf uns zukom­men wür­de. Grund­fes­ten der Demo­kra­tie (Legis­la­ti­ve, Judi­ka­ti­ve, Exe­ku­ti­ve) gehö­ren nicht zu die­ser Trans­for­ma­ti­on, nur Legis­la­ti­ve und Wis­sen­schaft (mit z.B. den Dros­tens, Wie­lers, Lau­ter­bachs). Ich hof­fe, dass Fr. Mer­kel unter “Gro­ßer Trans­for­ma­ti­on” etwas Bes­se­res sieht. Sonst wäre das übel.

  2. Man mun­kelt, es gab Jah­re mit reich­lich Hit­ze­to­ten bei uns: 2003 mit 7 600. 2006 mit 6 200 Hit­ze­to­ten, 2015 mit 6 100 und 2010 mit 3 700. In den übri­gen Jah­ren lag die Zahl zwi­schen 300 in 2011 und 1 600 im Jahr 2005.
    Auch soll’s mal eine Grip­pe (2016/17?) gege­ben haben mit 25.000 Toten. 

    Say no more, say no more…

  3. Dan­ke für die­sen Arti­kel über die­ses schwer erträg­li­che Inter­view. Ich muss­te mich sehr bemü­hen, mei­ne Aver­si­on gegen BILD zu unter­drü­cken, aber was lässt man sich nicht alles in dieser
    “Es-wird- nie- wie­der- nor­mal-Coro­na- Bla­se“ gefal­len, unfass­bar. Ich hät­te auch nie gedacht, dass ich mir eines Tages einen Qua­si- Niqab ins Gesicht hän­ge. Aber ich rebel­lie­re heim­lich, indem ich die­sen unter mei­ne Nase zup­fe. Erin­nert mich frap­pie­rend an die geball­te Faust in der Hosen­ta­sche zu DDR- Zeiten.
    Damals war ich übri­gens auf eini­gen Demos und ich war auch als über 60- jäh­ri­ge am 1.8. über 200 km nach Ber­lin gefah­ren. Ein­fach aus Selbst­ach­tung und aus dem Gefühl her­aus, du musst was tun, steh von der Couch auf! Und es hat mei­ner See­le gut getan, mal so als Fazit. Nicht mehr und nicht weniger…
    Und ich habe mich doch sehr gewun­dert- Ber­lin hat doch über 3 Mil­lio­nen Ein­woh­ner, war­um muss­ten soviel von außer­halb anreisen?
    Und wenn alle damals so gedacht hät­ten wie Sie, hoch­ver­ehr­ter Herr Letsch (ich bin ja nicht so der Demo- Typ, …aus Prin­zip…), dann hät­ten wir heu­te noch die “Zone“. Aber ich kann mich auch irren und das Gan­ze war damals schon längst von den Allier­ten ins Auge gefasst. Wer­den wir wohl nie erfah­ren und wenn, dann zu 90% geschwärzt.

  4. Sicher­lich kom­men die Coro­na-Leug­ner mit Kreu­zi­gung davon. Erst­tä­ter. Schnei­di­ge Ras­se, die­se Dros­tens und Lau­ter­bachs. Fra­gen uns noch, wie her­um wir gekreu­zigt wer­den wol­len. Emp­feh­len uns Urlaub daheim im Reich, loben uns für unse­ren Kada­ver­ge­hor­sam. Das hat’s nicht mehr gege­ben seit… – Shut up!

  5. Vie­len Dank, Herr Letsch, für die Zita­te eines hoch­auf­ra­gen­den Ein­keim­blätt­lers. Sehen wir ein­mal davon ab, dass „Dr. Krü­ger“ nicht ansatz­wei­se über die Kom­pe­tenz ver­fü­gen dürf­te, ein eigen­stän­di­ges, fun­dier­tes Urteil zu Epi­de­mio­lo­gie, Immu­no­lo­gie, Dyna­mik, Gefähr­dungs­po­ten­ti­al, mathe­ma­ti­scher Model­lie­rung etc. von COVID-19 zu for­mu­lie­ren. Da bleibt natür­lich die imi­ta­tio psitt­a­co­rum ela­bo­ra­ta. Und hier wird es kuri­os. „Dr. Krü­ger“ unter­stellt ande­ren (a) Rea­li­täts­ver­lust, (b) her­me­ti­sche Abschir­mung ihrer Mei­nun­gen. Er hat für alles eine latri­na­lo­gi­sche Erklä­rung, für die man sicher so etwas wie Psy­cho­lo­gie stu­diert haben muss. Wie aber sieht es mit ihm selbst aus? Könn­te „Dr. Krü­ger“ jemals sei­ne her­me­tisch abge­si­cher­te Mei­nung ändern? Er erin­nert an Adep­ten, die im Käfig ihrer all­er­klä­ren­den Theo­rie sit­zen, um den ande­ren drau­ßen, die sie hin­ter Git­ter­stä­ben wan­deln sehen, zuzu­ru­fen, sie soll­ten doch hin­ein in die Frei­heit kom­men. „Men­te cap­tus“, sagt der Latei­ner. Und sind Sie sicher, dass „Dr. Krü­ger“ nicht ein Pseud­onym ist? Soll­te es sich um eine vul­gär­psy­cho­lo­gi­sche Par­odie han­deln, der das Blatt auf den Leim ging?

  6. Der Psy­cho­lo­ge Dr. Wolf­gang Krü­ger: „Coro­na stellt uns auf eine unend­lich har­te Pro­be, weil wir kein Licht am Ende des Tun­nels sehen.” Haha­ha, der ist sau­gut! — Kunst­stück, Herr Dok­tor, denn das Licht ist ja schon im März 2020 aus­ge­schal­tet worden.

      • Ver­ste­he die­se Anspie­lung von Ihnen nicht.
        Aber ich möch­te doch klar stel­len, dass die USA in Viet­nam gewon­nen haben. Das haben auch die Viet­cong ein­ge­se­hen und das Pari­ser Abkom­men unter­zeich­net wo fest­ge­hal­ten wird, dass die Viet­cong den Süden nicht mehr angrei­fen und falls doch, dass die USA jeden Pan­zer, jedes Schuss Muni­ti­on, wel­che der Süden ver­braucht, 1 zu 1 erset­zen wer­den. Das nach dem Water­ga­te-Skan­dal die Demo­kra­ten ihre Zusa­ge aus par­tei­po­li­ti­schen Grün­den nicht mehr ein­hiel­ten, dem Süden die Waf­fen nicht mehr lie­fer­ten, trotz Beschwö­run­gen sei­tens der Repu­bli­ka­ner und Süd-Viet­na­me­sen, ist ein Tief­punkt in der Geschich­te und war der Unter­gang des frei­en Süd-Viet­nams. Die Aus­wir­kun­gen waren grau­en­haft, auch in den Nach­bar­län­dern. Man hat so einen Sieg gegen Kom­mu­nis­ten ver­schenkt. Eine Schan­de. Auch eine Schan­de ist es, dass hier immer noch das Mär­chen von den geschei­ter­ten Ame­ri­ka­nern auf­recht erhal­ten wird.

        • Die Anspie­lung war ein Wort­spiel. Aber es stimmt schon, über die Fra­ge, wer in Viet­nam gewann lässt sich treff­lich strei­ten. Aus heu­ti­ger Sicht ist aller­dings der Ver­such, Mus­ter in ver­schüt­te­ter Milch zu deuten.

          • Dan­ke für die Ant­wort aber ich sehe es nicht so. Ich bin nähm­lich der Mei­nung, dass es eine objek­ti­ve Geschich­te gibt, auch wenn die Post­mo­der­nis­ten alles ger­ne rela­ti­vie­ren wür­den und tun. Ich mei­ne damit aber nicht Sie.
            Wenn der 2. Welt­krieg klar rekon­struir­bar ist und man dar­aus die Gescheh­nis­se ablei­ten kann, dann kann man das in einem Krieg, der 20 Jah­re spä­ter statt­ge­fun­den hat umso besser.
            Lei­der nimmt aber die­se his­to­ri­sche Sicher­heit immer mehr und schnel­ler ab. Wie wer­den die zukünf­ti­gen Genera­tio­nen die­se Coro­na-Dik­ta­tur bewer­ten? Kommt dar­auf an, wer die Macht über die Archi­ve hat. Wenn es die Lin­ken sind, dann gute Nacht.

  7. In dem Maße, in dem sich Ver­ant­wor­tungs­trä­ger von die­ser Her­aus­for­de­rung über­for­dert füh­len, ent­wi­ckeln sich auch die Stra­te­gien, auf die­se Dis­so­nanz zu reagie­ren. In einer Gesell­schaft, deren Mit­glie­der zuneh­mend nar­ziss­ti­sche Antei­le auf­wei­sen (ver­mehrt natür­lich in der Poli­tik, die qua­si ein Pool für die­se Stö­rung dar­stellt), ist mit der ein­fachs­ten Lösung also kaum noch zu rech­nen: Die Ver­ant­wor­tung abge­ben. Ver­ein­facht: Ver­sa­gen im rea­len Leben -> Schmach, Min­der­wer­tig­keits­ge­fühl -> Lebens­rea­li­tät als Bedro­hung wahr­neh­men. Folg­lich kom­men Stra­te­gien (Abwehr) in Betracht, die geeig­net sind, sich dem allg. Rea­li­täts­druck zu ent­zie­hen. Sehr häu­fig geschieht das durch Ver­drän­gung, aber auch durch Pro­jek­ti­on. Letz­te­re zeigt sich gera­de­zu exem­pla­risch in dem zitier­ten Imi­tat eines Inter­views. Kaum etwas gibt prä­zi­ser über die tat­säch­li­chen Befind­lich­kei­ten Aus­kunft, als das Unter­be­wuss­te des Gegen­über wäh­rend einer sol­chen Pro­jek­ti­on. Wenn man also genau zuhört (liest), wird man Zeu­ge, wel­che unge­lieb­ten Eigen­an­tei­le „über­tra­gen“ wer­den sol­len. Meis­tens sogar 1:1 unter Ver­wen­dung der ori­gi­na­len „Klin­gel­wör­ter“. Fällt also „Infan­ti­li­tät“, ist durch­aus die eige­ne kind­li­che Schutz­su­che vor den Risi­ken der Rea­li­tät gemeint (s.o.). Hören wir „Leug­nung“ und „Bockig­keit“, spricht der Eigen­an­teil, der sich reni­tent einer Argu­men­ta­ti­on ver­wei­gert, obwohl Fak­ten (Zah­len) die Sub­stanz dazu böten. Wird von „Zuhaus­e­sein“ und „Selbst­für­sor­ge“ gespro­chen, arti­ku­liert das unter Umstän­den den eige­nen kind­li­chen Regres­si­ons­wil­le, sich wie­der (oder erst­mals?) in müt­ter­li­che Obhut zu bege­ben (A.M.?).
    Des­halb mei­ne ernst­ge­mein­te Fra­ge, deren Ant­wort ich für mich auch nicht abschlie­ßend ken­ne: Ist es wirk­lich sinn­voll, einen Dis­kurs auf eine sach- und fach­be­zo­ge­nen Ebe­ne zu zwin­gen, des­sen Kern mög­li­cher­wei­se im Bereich der Patho­psy­cho­lo­gie zu fin­den ist? Also immer mehr vom Glei­chen zu tun (mei­nen Respekt für dei­ne Arbeit!), anstatt den Blick­win­kel ver­suchs­wei­se zu ändern?

    • Krü­ger gehört offen­sicht­lich zu jener Spe­zi­es, die ihren Blick­win­kel nicht ändern kann. Der kann nicht kön­nen, weil er nicht wol­len will, so. Weil ihm sonst der Kathe­der­ton und die pro­fes­sio­nell schwät­zen­de Amts-Über­le­gen­heit über die ein­fa­chen Leu­te abhan­den käme, und das kann er nim­mer­mehr gestat­ten!, denn was ist ein Ober­psy­cho­lo­ge, dem die Auto­ri­tät und das Herr­schafts­wis­sen abhan­den kom­men?, ach ach, dann bricht dem doch alles koppheister.

  8. “First they igno­re you.
    Then they ridi­cu­le you.
    And then they attack you and want to burn you.
    And then they build monu­ments to you.”
    Nicho­las Klein, Bal­ti­more, 15. Mai 1918

  9. Egal ob Coro­na, Kli­ma, EU oder Finanz­wirt­schaft, es gibt bei uns gesetz­te Fak­ten, die bei Stra­fe der sozia­len Ver­damm­nis nicht hin­ter­fragt wer­den dürfen.
    Das ist der eigent­li­che Kin­der­glau­be, der allen Regeln der Wis­sen­schaft wider­spricht. Es gibt die Gläu­bi­gen, die die­se Fak­ten als gege­ben anse­hen, und es gibt die, die die­se Fak­ten hin­ter­fra­gen, die nicht glau­ben son­dern wis­sen wol­len. Da ver­läuft die Trenn­li­nie. Auf dem Glau­ben der From­men beruht die Macht, nicht auf den Zweif­lern, die sind Ket­zer, mit dem Teu­fel im Bunde.

    • Ja. Es ist alles sehr ekkle­si­a­stich; rand­voll mit hei­li­gen Hier­ar­chien, Infal­li­bi­li­täts­dog­men, Erlö­sung & Ver­damm­nis, Buße, Schei­ter­hau­fen, und auch mit Hei­lig­spre­chun­gen selbstverfreilich.
      Da ist ja gar nichts Ande­res.

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