Die BILD fragt „Warum spaltet uns Corona?“ und der Ber­li­ner Psy­cho­loge Dr. Wolf­gang Krüger ant­wor­tet. Der Mann muss auch Berlin-Psy­cho­loge sein, denn seine Dia­gnose klingt wie auf mär­ki­schem Sand gebaut und muss der all­ge­gen­wär­ti­gen „großen Politik” ent­sprun­gen sein, mit der man in Berlin überall in Berüh­rung kommt. BILD assis­tiert bei der Ein­ord­nung der Pati­en­ten auf der Couch und beschwert sich laut über die Plage, von der das Land gerade über­schwemmt werde. BILD: „Beim Grill­abend, im Büro, auf Face­book – überall tauch­ten sie auf, die Ver­fech­ter von wilden Theo­rien. Und es tat sich ein breiter Corona-Graben zwi­schen Men­schen auf, die sich eigent­lich gut ver­ste­hen, Freunde sind. Wie konnte es so weit kommen?“

Ver­fech­ter wilder Theo­rien“ dient hier als Sam­mel­be­griff für viele Men­schen, die nicht theo­re­tisch, sondern ganz prak­tisch offen­bar andere Erfah­run­gen in der Pan­de­mie gemacht haben oder anders von ihr betrof­fen sind, als die BILD und ihr Psych­ia­ter. Doch der kennt die Gründe dafür:

Corona stellt uns auf eine unend­lich harte Probe, weil wir kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Viele können das nicht aus­hal­ten und fangen deshalb an, die Gefahr zu leugnen bzw. für beendet zu erklä­ren.“

Die Tat­sa­che, dass zahl­rei­che Men­schen ange­sichts der ver­füg­ba­ren Piloten offen­bar so ihre Pro­bleme mit Blind­flü­gen haben, kommt nicht mal ins Kalkül. Die zumin­dest ver­ständ­li­che, viel­leicht sogar berech­tigte Furcht vieler wird kur­zer­hand zur Leug­nung der Gefahr umde­fi­niert. Doch nach meiner Meinung unter­schei­den sich „Corona-Leugner“ ledig­lich durch die Gewich­tung unter­schied­li­cher Gefah­ren von allen anderen – wenn wir mal groß­zü­gig jene aus­blen­den, die unter Morbus Hild­mann leiden oder in Bill Gates den ersten der vier Reiter der Apo­ka­lypse sehen wollen.

Es geht jedoch immer um die ganz indi­vi­du­elle Frage, wie hoch man die ver­schie­de­nen Lebens­ri­si­ken ein­schätzt, die Gefahr, sich mit Corona zu infi­zie­ren, ist nur eine der Gefah­ren – und für viele nicht einmal die größte. Doch niemand fragt nach diesen anderen Risiken, weil Deutsch­land mal wieder einen „gemein­sa­men Feind“ hat und wer sich da nicht kri­tik­los und mit klin­gen­dem Spiel in die Front ein­reiht, der wird infan­ti­li­siert, für ver­rückt oder gleich zum Volks­feind und poten­zi­el­lem Mörder erklärt.

BILD: Doch warum ent­wi­ckeln sich so viele zu Maß­nah­men-Zweif­lern und Corona-Leug­nern bis hin zu rück­sichts­lo­sen Ich-gehe-ohne-Maske-demons­trie­ren-Men­schen?

Solche Men­schen sind oft sehr kind­lich, […] Sie ver­ken­nen Gefah­ren und über­schät­zen sich selbst. Wie ein Fünf­jäh­ri­ger, der unbe­dingt vom Klet­ter­ge­rüst sprin­gen muss und nicht rea­li­siert, dass es zu hoch ist und er sich die Knochen brechen könnte, gehen sie davon aus: Ich stecke mich nicht an, ich werde von Corona ver­schont bleiben.

Der zweite, wesent­li­che Punkt ist Eigen­sinn: Immer wenn es von außen neue Vor­schrif­ten gibt, sagen solche Leute sofort: Das mache ich nicht, ich lasse mich nicht ein­schrän­ken. Dabei geht es gar nicht um die Sache an sich oder Ver­nunft, sie reagie­ren instink­tiv wie 13-jährige Kinder in der Puber­tät. Das ist eine Form von Bockig­keit.“

Der Non­kon­for­mist von einst ist der Fünf­jäh­rige von heute und der glaubt angeb­lich, Corona könne ihm nichts anhaben. Das Argu­ment ist bequem, denn es macht Hier­ar­chien deut­lich und kommt ganz neben­bei auch mit einem Erzie­hungs­auf­trag daher. Fünf­jäh­rige eben! Die einen quen­geln an der Super­markt­kasse, andere wollen keinen Spinat essen und wieder andere sind coro­nabo­ckig. Kenntste einen, kennste alle! Haus­ar­rest und Taschen­geld strei­chen! Und bloß auf keine Dis­kus­sion ein­las­sen, wenn es darum geht, ob man zur Demo darf oder ins Bett muss. Erwach­sene Deut­sche ver­hal­ten sich da anders. Immer wenn es von außen neue Vor­schrif­ten gibt, rufen sie „das mache ich sofort, ich lasse mich gern ein­schrän­ken“. Dieser Geschmei­dig­keit wäre ein Rück­grat oder ein eigenes Urteils­ver­mö­gen natür­lich im Weg. Oder handelt es sich bei derart kri­tik­lo­sem Gehor­sam ganz im Lafontain‘schen Sinn womög­lich doch nur und „ganz präzis gesagt“ um eine Sekun­där­tu­gend, die zum Schlimms­ten befä­higt?

Es ist ver­dammt schwer, mit diesem irra­tio­na­len Eigen­sinn umzu­ge­hen. Obwohl bzw. gerade weil man diesen Men­schen gern hat, sich mit ihm ver­bun­den fühlen möchte. Zumin­dest pha­sen­weise ist das Band zer­ris­sen – genauso wie jetzt bei Freun­den, die sich nicht coro­na­ei­nig sind.“

Nicht eine Sekunde ver­schwen­det der Spit­zen­psy­cho­loge auf die Frage, ob dem bemän­gel­ten Eigen­sinn nicht viel­leicht durch­aus ratio­nale Erwä­gun­gen zu Grunde liegen könnten, die er nur nicht gelten lässt oder schlicht aus­blen­det. Die Rollen sind klar ver­teilt. Auf der einen Seite der Ver­wal­ter der gül­ti­gen Corona-Wahr­heit, auf der anderen Seite das unein­sich­tige Kind, dem man mit Argu­men­ten eh nicht bei­kommt, weil es intel­lek­tu­ell dazu gar nicht in der Lage ist. Unmün­dig, dumm, emo­tio­nal unreif. Für manche mag das zutref­fen. Daraus die Ana­mnese für eine große und noch dazu extrem hete­ro­gene Gruppe abzu­lei­ten, halte ich nicht für zuläs­sig. Und was die Gül­tig­keit der „Wahr­heit” angeht, stützt sich diese auf so wenig Exper­tise wie selten zuvor in einer Kri­sen­si­tua­tion. Denn von der pos­tu­lier­ten Coro­na­ei­nig­keit ist selbst unter den Exper­ten keine Spur zu finden.

Auf der unmit­tel­ba­ren Ebene sollten Sie sich von Freun­den fern­hal­ten, die sich nicht an die Vor­sichts­maß­nah­men halten, die für Sie per­sön­lich wichtig sind. Dadurch ver­rin­gert sich der Freun­des­kreis, aber das müssen Sie aus Gründen der Selbst­für­sorge in Kauf nehmen.“ Bei echten Her­zens­freun­den treten solche Pro­bleme eher sel­te­ner auf, sagt der Experte, weil man ähn­li­che Ansich­ten und Ver­hal­tens­wei­sen hat – wahr­schein­lich auch in dieser Krise.

Damit wäre die Patho­lo­gi­sie­rung der Kri­ti­ker voll­stän­dig. Seine Wahr­heit, deine Lüge. Dia­gnose: man­geln­den Coro­na­ei­nig­keit, The­ra­pie: Lie­bes­ent­zug, Kon­takt­be­schrän­kung, Ver­wandte bleiben sicher­heits­hal­ber in der für sicher erklär­ten Mei­nungs­blase und halten sich so von „wilden Ideen“ fern. Tu’s für dich, aus Selbst­für­sorge. Bleib gesund, auch im Kopf! Kom­mu­ni­ziere nicht mit „Cov­idio­ten“ und schal­ten sie um Himmels Willen die Feind­sen­der aus!

Corona ist eine emo­tio­nale Her­aus­for­de­rung, der man mit Argu­men­ten nur schwer begeg­nen kann.“

Corona ist in der Tat auch eine emo­tio­nale Her­aus­for­de­rung, doch der Experte lässt nur einen kleinen Teil, nämlich den des „Duck and Cover“ als solche gelten. Alles, was es dem ein­zel­nen ermög­licht, die her­un­ter­ge­reich­ten Befehle treu aus­zu­füh­ren, ist gut. Gehor­sam ist gut. Coro­na­ei­nig­keit ist gut. Und da den Irren „mit Argu­men­ten nur schwer zu begeg­nen ist“, muss man sich auch nicht die Mühe machen, welche zu haben oder diese gegen Kritik zu ver­tei­di­gen.

Die „Corona-Argu­mente” können ja gut und richtig sein und zwei­fel­los sind das auch viele. Aber das müssen sie – egal wie ermü­dend das auch sein mag – im Diskurs immer wieder bewei­sen. Für diesen Diskurs braucht es stets die Infra­ge­stel­lung des Status Quo. Denn wenn alle im Lock­down glück­lich, kreativ und zufrie­den sind, die Beschrän­kun­gen als Chance begrei­fen, sich alle Pro­bleme einfach mit Geld zuschüt­ten lassen, Insol­ven­zen per Ver­ord­nung ver­bo­ten sind und geplatzte Kredite einfach igno­riert werden können, warum sollte der Aus­nah­me­zu­stand dann je enden, wo er doch schein­bar die bessere Rea­li­tät ist, in der die Bestat­tungs­in­sti­tute Staats­hil­fen bean­tra­gen müssen, weil niemand mehr stirbt?

BILD: Wenn man nicht wei­ter­kommt, was dann? Das Thema aus­klam­mern und ansons­ten normal wei­ter­ma­chen? Den Freund wie auf Face­book dis­li­ken? Oder ihn nur vor­über­ge­hend unsicht­bar machen und abwar­ten, ob sich die Kluft nach Corona wieder schlie­ßen lässt?

Ver­su­chen Sie viel­leicht erst noch einmal die Rich­tung zu ändern. Unter­hal­ten Sie sich nicht darüber, ob es Corona gibt oder nicht oder welche Maß­nah­men sinn­voll sind oder nicht, sondern darüber, inwie­fern Corona eine Chance ist. Eine Chance her­aus­zu­fin­den, wie wir mit weniger Bespa­ßung aus­kom­men. Wie wir das Zuhaus­e­sein mehr genie­ßen können. Wie wir uns mit inten­si­ven Gesprä­chen nahe sein können, obwohl wir uns nicht in den Arm nehmen dürfen. Welche Mög­lich­kei­ten gibt es, diese Situa­tion gemein­sam gut zu über­ste­hen, sodass wir im Nach­hin­ein viel­leicht sogar sagen können: Das hat mich im Leben wei­ter­ge­bracht.“

Nun sind wir end­gül­tig in der Päd­ago­gik für Klein­kin­der ange­kom­men. Corona als Chance, Ver­zicht als Chance, Schmerz als Chance, Ein­sam­keit als Chance, allein sterben als Chance, Bür­ger­krieg als Chance, Ver­schüt­tet sein, Ange­hö­rige ver­lie­ren, ent­führt werden, sich mit allem abfin­den, nichts mehr riskieren…alles ist irgend­wie „Chance“, die man sich nur inten­siv genug in die Birne prügeln muss, um sie letzt­lich toll zu finden. Hier findet sich die unaus­rott­bare Idee von einer Rea­li­tät, die sich durch Auto­sug­ges­tion rosarot färbt.

Wenn alle nur positiv dächten, wenn alle ständig Masken trügen, wenn alle immer und überall korrekt gendern würden, wenn niemand mehr von „Moh­ren­kopf“ spräche, dann wäre die Welt geret­tet und Ras­sis­mus, das Patri­ar­chat und Corona würden ver­schwin­den. Oder eben auch nicht. Wer mir nach all den Monaten media­len Dau­er­alarms, Not­stands­ge­set­zen, Schul­schlie­ßun­gen, wirt­schaft­li­cher Tal­fahrt und Mil­lio­nen Men­schen, die je nach Kon­sti­tu­tion kurz vor dem Zusam­men­bruch oder der Explo­sion stehen, Corona immer noch als Chance ver­kau­fen will, sollte sich über die Injurie „Schar­la­tan“ nicht ärgern. Schließ­lich eröff­nen sich dadurch jede Menge Chancen für die Kar­riere – als Experte im öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk bei­spiels­weise oder als Inter­view­part­ner für BILD.

Bei Unver­bes­ser­li­chen, bei denen weder Argu­mente noch Umden­ken noch die Auf­for­de­rung zur Rück­sicht­nahme hilft, gilt: auf Abstand gehen. Im echten Leben und in den sozia­len Medien. Bei der eigenen Familie ist das extrem schwer, deshalb sollten Sie sich Hilfe holen – vor allem wenn der Corona-Frust in dis­kri­mi­nie­rende Ver­schwö­rungs­theo­rien umschlägt. Es ist wichtig, in dieser Situa­tion zu lernen, wie man sich emo­tio­nal abgren­zen kann.“

Dass ein zum Umden­ken auf­ge­for­der­ter nicht umdenkt, geht natür­lich gar nicht! Gut, dass Dr. Krüger gleich das pas­sende Hilfs­an­ge­bot zur Hand hat: Den Ber­li­ner Kri­sen­dienst. Der hilft nämlich tat­säch­lich, etwa bei Depres­sio­nen, Trau­mata, Sucht­pro­ble­men oder Sui­zid­ge­dan­ken. Wenn Vater oder Mutter also mal wieder auf eine Corona-Demo gehen, kann das woke Töch­ter­lein (Sozio­lo­gie, viertes Semes­ter) sich dort pro­fes­sio­nelle Hilfe holen. Doch viel­leicht kennt man die Eltern dort bereits, denn weil deren Firma wegen der Lock­down-Maß­nah­men kurz vor der Pleite steht und der Vater sich mit Selbst­mord­ge­dan­ken trägt, hat die Mutter längst beim Kri­sen­dienst um Hilfe gebeten. Bei der nächs­ten Sitzung können die beiden sich dann gleich ihre Coro­na­ei­nig­keit glatt­zie­hen lassen, wenn sie schon mal da sind.

Ich bin ja nicht so der Demo-Typ. Das hat his­to­ri­sche Gründe, die später ins Prin­zi­pi­elle umschlu­gen. Ich halte die meisten Demons­tra­tio­nen für ziem­lich zweck­los, weil sie ent­we­der Aus­druck der Macht oder der Ohn­macht sind. Zuge­ge­ben, es gibt Aus­nah­men. Wenn ich jedoch Artikel wie dieses BILD-Inter­view mit Dr. Krüger lese, male ich im Geiste bereits ein Trans­pa­rent: „Die Kanz­le­rin sprach: ‚Lächle, es könnte schlim­mer kommen!‘ Und ich lächelte. Und es kam schlim­mer.“

Der Titel ist eine Text-Anleihe aus dieser Szene aus „Das Leben des Brian”. Gleich erkannt, oder?

17 Kommentare

  1. Mir kommt es derzeit vor, dass Deutsch­land durch die vielen, oft will­kür­li­chen Corona-Maß­nah­men in einen großen Kin­der­gar­ten ver­wan­delt hat. Und ich bin kei­nes­wegs sicher, ob die Polit­na­sen nicht dem­nächst einen zweiten Lock­down für not­wen­dig erach­ten. Fr. Merkel hat in Davos von der „großen Trans­for­ma­tion” gespro­chen. Ist das die ’neue Nor­ma­li­tät’, an die wir uns gewöh­nen sollen? Das würde doch bedeu­ten, dass u.a. eine Deindus­tria­li­sie­rung, ver­bun­den mit Armut, auf uns zukom­men würde. Grund­fes­ten der Demo­kra­tie (Legis­la­tive, Judi­ka­tive, Exe­ku­tive) gehören nicht zu dieser Trans­for­ma­tion, nur Legis­la­tive und Wis­sen­schaft (mit z.B. den Dros­tens, Wielers, Lau­ter­bachs). Ich hoffe, dass Fr. Merkel unter „Großer Trans­for­ma­tion” etwas Bes­se­res sieht. Sonst wäre das übel.

  2. Man munkelt, es gab Jahre mit reich­lich Hit­ze­to­ten bei uns: 2003 mit 7 600. 2006 mit 6 200 Hit­ze­to­ten, 2015 mit 6 100 und 2010 mit 3 700. In den übrigen Jahren lag die Zahl zwi­schen 300 in 2011 und 1 600 im Jahr 2005.
    Auch soll’s mal eine Grippe (2016/17?) gegeben haben mit 25.000 Toten.

    Say no more, say no more…

  3. Danke für diesen Artikel über dieses schwer erträg­li­che Inter­view. Ich musste mich sehr bemühen, meine Aver­sion gegen BILD zu unter­drü­cken, aber was lässt man sich nicht alles in dieser
    “Es-wird- nie- wieder- normal-Corona- Blase“ gefal­len, unfass­bar. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mir eines Tages einen Quasi- Niqab ins Gesicht hänge. Aber ich rebel­liere heim­lich, indem ich diesen unter meine Nase zupfe. Erin­nert mich frap­pie­rend an die geballte Faust in der Hosen­ta­sche zu DDR- Zeiten.
    Damals war ich übri­gens auf einigen Demos und ich war auch als über 60- jährige am 1.8. über 200 km nach Berlin gefah­ren. Einfach aus Selbst­ach­tung und aus dem Gefühl heraus, du musst was tun, steh von der Couch auf! Und es hat meiner Seele gut getan, mal so als Fazit. Nicht mehr und nicht weniger…
    Und ich habe mich doch sehr gewun­dert- Berlin hat doch über 3 Mil­lio­nen Ein­woh­ner, warum mussten soviel von außer­halb anrei­sen?
    Und wenn alle damals so gedacht hätten wie Sie, hoch­ver­ehr­ter Herr Letsch (ich bin ja nicht so der Demo- Typ, …aus Prinzip…), dann hätten wir heute noch die “Zone“. Aber ich kann mich auch irren und das Ganze war damals schon längst von den Allier­ten ins Auge gefasst. Werden wir wohl nie erfah­ren und wenn, dann zu 90% geschwärzt.

  4. Sicher­lich kommen die Corona-Leugner mit Kreu­zi­gung davon. Erst­tä­ter. Schnei­dige Rasse, diese Dros­tens und Lau­ter­bachs. Fragen uns noch, wie herum wir gekreu­zigt werden wollen. Emp­feh­len uns Urlaub daheim im Reich, loben uns für unseren Kada­ver­ge­hor­sam. Das hat’s nicht mehr gegeben seit… – Shut up!

  5. Vielen Dank, Herr Letsch, für die Zitate eines hoch­auf­ra­gen­den Ein­keim­blätt­lers. Sehen wir einmal davon ab, dass „Dr. Krüger“ nicht ansatz­weise über die Kom­pe­tenz ver­fü­gen dürfte, ein eigen­stän­di­ges, fun­dier­tes Urteil zu Epi­de­mio­lo­gie, Immu­no­lo­gie, Dynamik, Gefähr­dungs­po­ten­tial, mathe­ma­ti­scher Model­lie­rung etc. von COVID-19 zu for­mu­lie­ren. Da bleibt natür­lich die imi­ta­tio psitt­a­co­rum ela­bo­rata. Und hier wird es kurios. „Dr. Krüger“ unter­stellt anderen (a) Rea­li­täts­ver­lust, (b) her­me­ti­sche Abschir­mung ihrer Mei­nun­gen. Er hat für alles eine latri­na­lo­gi­sche Erklä­rung, für die man sicher so etwas wie Psy­cho­lo­gie stu­diert haben muss. Wie aber sieht es mit ihm selbst aus? Könnte „Dr. Krüger“ jemals seine her­me­tisch abge­si­cherte Meinung ändern? Er erin­nert an Adepten, die im Käfig ihrer all­er­klä­ren­den Theorie sitzen, um den anderen draußen, die sie hinter Git­ter­stä­ben wandeln sehen, zuzu­ru­fen, sie sollten doch hinein in die Frei­heit kommen. „Mente captus“, sagt der Latei­ner. Und sind Sie sicher, dass „Dr. Krüger“ nicht ein Pseud­onym ist? Sollte es sich um eine vul­gär­psy­cho­lo­gi­sche Parodie handeln, der das Blatt auf den Leim ging?

  6. Der Psy­cho­loge Dr. Wolf­gang Krüger: „Corona stellt uns auf eine unend­lich harte Probe, weil wir kein Licht am Ende des Tunnels sehen.” Hahaha, der ist saugut! – Kunst­stück, Herr Doktor, denn das Licht ist ja schon im März 2020 aus­ge­schal­tet worden.

      • Ver­stehe diese Anspie­lung von Ihnen nicht.
        Aber ich möchte doch klar stellen, dass die USA in Vietnam gewon­nen haben. Das haben auch die Viet­cong ein­ge­se­hen und das Pariser Abkom­men unter­zeich­net wo fest­ge­hal­ten wird, dass die Viet­cong den Süden nicht mehr angrei­fen und falls doch, dass die USA jeden Panzer, jedes Schuss Muni­tion, welche der Süden ver­braucht, 1 zu 1 erset­zen werden. Das nach dem Water­gate-Skandal die Demo­kra­ten ihre Zusage aus par­tei­po­li­ti­schen Gründen nicht mehr ein­hiel­ten, dem Süden die Waffen nicht mehr lie­fer­ten, trotz Beschwö­run­gen seitens der Repu­bli­ka­ner und Süd-Viet­na­me­sen, ist ein Tief­punkt in der Geschichte und war der Unter­gang des freien Süd-Viet­nams. Die Aus­wir­kun­gen waren grau­en­haft, auch in den Nach­bar­län­dern. Man hat so einen Sieg gegen Kom­mu­nis­ten ver­schenkt. Eine Schande. Auch eine Schande ist es, dass hier immer noch das Märchen von den geschei­ter­ten Ame­ri­ka­nern auf­recht erhal­ten wird.

        • Die Anspie­lung war ein Wort­spiel. Aber es stimmt schon, über die Frage, wer in Vietnam gewann lässt sich treff­lich strei­ten. Aus heu­ti­ger Sicht ist aller­dings der Versuch, Muster in ver­schüt­te­ter Milch zu deuten.

          • Danke für die Antwort aber ich sehe es nicht so. Ich bin nähm­lich der Meinung, dass es eine objek­tive Geschichte gibt, auch wenn die Post­mo­der­nis­ten alles gerne rela­ti­vie­ren würden und tun. Ich meine damit aber nicht Sie.
            Wenn der 2. Welt­krieg klar rekon­struir­bar ist und man daraus die Gescheh­nisse ablei­ten kann, dann kann man das in einem Krieg, der 20 Jahre später statt­ge­fun­den hat umso besser.
            Leider nimmt aber diese his­to­ri­sche Sicher­heit immer mehr und schnel­ler ab. Wie werden die zukünf­ti­gen Genera­tio­nen diese Corona-Dik­ta­tur bewer­ten? Kommt darauf an, wer die Macht über die Archive hat. Wenn es die Linken sind, dann gute Nacht.

  7. In dem Maße, in dem sich Ver­ant­wor­tungs­trä­ger von dieser Her­aus­for­de­rung über­for­dert fühlen, ent­wi­ckeln sich auch die Stra­te­gien, auf diese Dis­so­nanz zu reagie­ren. In einer Gesell­schaft, deren Mit­glie­der zuneh­mend nar­ziss­ti­sche Anteile auf­wei­sen (ver­mehrt natür­lich in der Politik, die quasi ein Pool für diese Störung dar­stellt), ist mit der ein­fachs­ten Lösung also kaum noch zu rechnen: Die Ver­ant­wor­tung abgeben. Ver­ein­facht: Ver­sa­gen im realen Leben -> Schmach, Min­der­wer­tig­keits­ge­fühl -> Lebens­rea­li­tät als Bedro­hung wahr­neh­men. Folg­lich kommen Stra­te­gien (Abwehr) in Betracht, die geeig­net sind, sich dem allg. Rea­li­täts­druck zu ent­zie­hen. Sehr häufig geschieht das durch Ver­drän­gung, aber auch durch Pro­jek­tion. Letz­tere zeigt sich gera­dezu exem­pla­risch in dem zitier­ten Imitat eines Inter­views. Kaum etwas gibt prä­zi­ser über die tat­säch­li­chen Befind­lich­kei­ten Aus­kunft, als das Unter­be­wusste des Gegen­über während einer solchen Pro­jek­tion. Wenn man also genau zuhört (liest), wird man Zeuge, welche unge­lieb­ten Eigen­an­teile „über­tra­gen“ werden sollen. Meis­tens sogar 1:1 unter Ver­wen­dung der ori­gi­na­len „Klin­gel­wör­ter“. Fällt also „Infan­ti­li­tät“, ist durch­aus die eigene kind­li­che Schutz­su­che vor den Risiken der Rea­li­tät gemeint (s.o.). Hören wir „Leug­nung“ und „Bockig­keit“, spricht der Eigen­an­teil, der sich reni­tent einer Argu­men­ta­tion ver­wei­gert, obwohl Fakten (Zahlen) die Sub­stanz dazu böten. Wird von „Zuhaus­e­sein“ und „Selbst­für­sorge“ gespro­chen, arti­ku­liert das unter Umstän­den den eigenen kind­li­chen Regres­si­ons­wille, sich wieder (oder erst­mals?) in müt­ter­li­che Obhut zu begeben (A.M.?).
    Deshalb meine ernst­ge­meinte Frage, deren Antwort ich für mich auch nicht abschlie­ßend kenne: Ist es wirk­lich sinn­voll, einen Diskurs auf eine sach- und fach­be­zo­ge­nen Ebene zu zwingen, dessen Kern mög­li­cher­weise im Bereich der Patho­psy­cho­lo­gie zu finden ist? Also immer mehr vom Glei­chen zu tun (meinen Respekt für deine Arbeit!), anstatt den Blick­win­kel ver­suchs­weise zu ändern?

    • Krüger gehört offen­sicht­lich zu jener Spezies, die ihren Blick­win­kel nicht ändern kann. Der kann nicht können, weil er nicht wollen will, so. Weil ihm sonst der Kathe­der­ton und die pro­fes­sio­nell schwät­zende Amts-Über­le­gen­heit über die ein­fa­chen Leute abhan­den käme, und das kann er nim­mer­mehr gestat­ten!, denn was ist ein Ober­psy­cho­loge, dem die Auto­ri­tät und das Herr­schafts­wis­sen abhan­den kommen?, ach ach, dann bricht dem doch alles kopp­he­is­ter.

  8. First they ignore you.
    Then they ridi­cule you.
    And then they attack you and want to burn you.
    And then they build monu­ments to you.”
    Nicho­las Klein, Bal­ti­more, 15. Mai 1918

  9. Egal ob Corona, Klima, EU oder Finanz­wirt­schaft, es gibt bei uns gesetzte Fakten, die bei Strafe der sozia­len Ver­damm­nis nicht hin­ter­fragt werden dürfen.
    Das ist der eigent­li­che Kin­der­glaube, der allen Regeln der Wis­sen­schaft wider­spricht. Es gibt die Gläu­bi­gen, die diese Fakten als gegeben ansehen, und es gibt die, die diese Fakten hin­ter­fra­gen, die nicht glauben sondern wissen wollen. Da ver­läuft die Trenn­li­nie. Auf dem Glauben der Frommen beruht die Macht, nicht auf den Zweif­lern, die sind Ketzer, mit dem Teufel im Bunde.

    • Ja. Es ist alles sehr ekkle­si­a­stich; rand­voll mit hei­li­gen Hier­ar­chien, Infal­li­bi­li­täts­dog­men, Erlö­sung & Ver­damm­nis, Buße, Schei­ter­hau­fen, und auch mit Hei­lig­spre­chun­gen selbst­ver­frei­lich.
      Da ist ja gar nichts Anderes.

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