Wann kann man eine gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung als auf abseh­ba­re Zeit unum­kehr­bar bezeich­nen? Gibt es im Vor­feld gro­ßer Zusam­men­brü­che den einen Moment, an dem erkenn­bar eine Wei­che gestellt wird, deren eine Sei­te in Rich­tung Unge­wiss­heit führt, wäh­rend die ande­re Sei­te zwangs­läu­fig in Rich­tung Abgrund weist? His­to­ri­ker fin­den in der Geschich­te zahl­rei­che Ereig­nis­se, deren kata­stro­pha­les Ende sie gern auf ein initia­les Ereig­nis zurück­füh­ren, aus dem her­aus die fol­gen­den Hand­lun­gen gera­de­zu auto­ma­ti­siert und fol­ge­rich­tig ablie­fen. Als Bei­spiel sei hier nur das Atten­tat in Sara­je­wo genannt, das lan­ge Zeit als „der Aus­lö­ser“ des Ers­ten Welt­krie­ges galt, von dem aus sich alles ande­re zwangs­läu­fig ent­wi­ckelt habe. Nun krankt die ver­glei­chen­de Geschichts­for­schung bekannt­lich an der man­gel­haf­ten Infra­struk­tur für Zeit­rei­sen, wes­halb sie den end­gül­ti­gen Beweis für der­lei „Initi­al-The­sen“ stets schul­dig blei­ben muss. Sie kann näm­lich nie den Gegen­be­weis füh­ren, indem sie eine Wei­che in der Ver­gan­gen­heit anders stellt und dann fest­stellt, was auch hät­te pas­sie­ren können.

Des­halb ist das, was ich jetzt zu tun beab­sich­ti­ge unstatt­haft, unwis­sen­schaft­lich, unge­nau, unbe­weis­bar und dem­entspre­chend rei­ne Spe­ku­la­ti­on. Ich wer­de ein sol­ches als „Initi­al“ betrach­te­tes Ereig­nis in die Gegen­wart pro­ji­zie­ren und behaup­ten, dass gera­de wie­der ein ähn­li­cher Zeit­punkt kurz bevor steht, an dem sich die Zukunft in zwei sehr unter­schied­li­che Rich­tun­gen ent­wi­ckeln kann.

24. März 1933

Jeder, der sich auch nur ein Wenig in der Geschich­te aus­kennt, wird mit dem Begriff „Ermäch­ti­gungs­ge­setz“ etwas anfan­gen kön­nen. Er steht syn­onym für die wohl­be­grün­de­te und erfolg­rei­che Selbstent­mach­tung des Deut­schen Par­la­ments und damit am Ende des Endes der Demo­kra­tie der Wei­ma­rer Repu­blik. Ab dem 25.3.1933 konn­te Hit­ler damit begin­nen, auch noch die letz­ten Res­te der Demo­kra­tie in Deutsch­land zu besei­ti­gen. Die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le war abge­schafft, das Par­la­ment hat­te sich per Gesetz selbst ent­mach­tet.  Eine „gro­ße Koali­ti­on“ aller Par­tei­en – mit Aus­nah­me der SPD, die geschlos­sen gegen das Gesetz stimmt und der KPD, die durch Ver­fol­gung und Ver­bot an der Abstim­mung nicht mehr teil­neh­men konn­te – stimmt mit „ja“ und sorgt für die nöti­ge 2/3‑Mehrheit zuguns­ten des Selbst­mor­des mit Ansa­ge, des­sen Titel „Gesetz zur Behe­bung der Not von Volk und Reich“ so gar nicht nach dem klang, was es eigent­lich impli­zier­te: Die Abschaf­fung jeder Oppo­si­ti­on und die Mög­lich­keit für Hit­ler, alter­na­tiv­los „durch­zu­re­gie­ren“. Die letz­ten Wor­te im frei gewähl­ten Reichs­tag, die Otto Wels von der SPD sprach, kennt heu­te fast jeder. „Frei­heit und Leben kann man uns neh­men, die Ehre nicht.“ Noch auf­schluss­rei­cher fin­de ich aber ein Zitat aus der Rede von Lud­wig Kaas, der mit dem katho­li­schen Zen­trum für das Gesetz stimm­te und vor Wels sprach:

„Die gegen­wär­ti­ge Stun­de kann für uns nicht im Zei­chen der Wor­te ste­hen, ihr ein­zi­ges, ihr beherr­schen­des Gesetz ist das der raschen, auf­bau­en­den und ret­ten­den Tat. Und die­se Tat kann nur gebo­ren wer­den in der Sammlung.“

Die „rasche, auf­bau­en­de, ret­ten­de Tat“ blieb indes aus, wie wir wis­sen. Die durch das Ermäch­ti­gungs­ge­setz legi­ti­mier­te auto­kra­ti­sche Herr­schaft der NSDAP sorg­te statt­des­sen bin­nen kür­zes­ter Zeit durch Aus­schal­tung jeder Oppo­si­ti­on und Demo­kra­tie nur für rasche, zer­stö­ren­de und mor­den­de Taten – alles im Namen der Wahr­heit und der Alter­na­tiv­lo­sig­keit. Das bit­te­re Ende, das zwölf Jah­re spä­ter als Rauch über Trüm­mern und Lei­chen­ber­gen schweb­te, war selbst­re­dend nicht das, was sich Prä­lat Kaas in sicher guter Absicht von sei­ner Zustim­mung erhofft hatte.

2017 könn­te es wie­der zu einer Situa­ti­on kom­men, die für lan­ge Zeit die Wei­chen in die­sem Land zu stel­len ver­mag – ganz ähn­lich wie 1933 wür­de vom Par­la­ment auch heu­te nicht expli­zit die Abschaf­fung der Mei­nungs­frei­heit ver­langt. Nein, man wählt sich heu­te Fake-News und Hate-Speech als Ziel aus. Ein­mal abge­feu­ert könn­te die­ser Pfeil jedoch auch ande­res Wild gleich mit erlegen.

Wir wis­sen noch nicht genau wie und wann, aber dass unse­re Bun­des­re­gie­rung an der Errich­tung eines wie auch immer genann­ten „Wahr­heits­mi­nis­te­ri­ums“ arbei­tet, wis­sen wir. Denn der deut­sche Poli­tik­be­trieb hat den Feind im eige­nen Land ent­deckt, der in schö­ner Regel­mä­ßig­keit den Ver­laut­ba­run­gen der Regie­rungs­laut­spre­cher Wort für Wort folgt, nur um in die­sen dann anschlie­ßend das Ver­hält­nis der Inhalts­stof­fe Fak­ten, Beru­hi­gungs- und Auf­putsch­mit­tel mit­tels Apo­the­ker­waa­ge zu bestim­men und die Ergeb­nis­se ohne wei­ter Prü­fung Online zugäng­lich zu machen. Ein Blog­ger in Hin­ter­tup­fin­gen ist heu­te genau­so schnell bei sei­nen Lesern, wie ein Regie­rungs­spre­cher bei sei­nen Mul­ti­pli­ka­to­ren befreun­de­ter Medien.

2017 – das Jahr, in dem die Meinungsfreiheit verloren gehen könnte

Es gibt seit eini­ger Zeit eine ero­si­ve Stim­mung im Land, die uns vor­zu­füh­ren die regie­rungs­na­hen Medi­en nicht müde wer­den. Über­all ent­ste­hen der­weil pri­va­te und halb­staat­li­che Orga­ni­sa­tio­nen, die sich dem Kampf gegen Ras­sis­mus, Rechts, Rechts­po­pu­lis­mus, Isla­mo­pho­bie, Aus­län­der­feind­lich­keit und natür­lich Faschis­mus ver­schrie­ben haben – am bes­ten kämpft man gegen alles zusam­men, am tap­fers­ten ist man dort, wo kei­ner der dekla­rier­ten Fein­de sein fre­ches Haupt erhebt. Die „frei­en Radi­ka­len“ stür­zen sich wie Mär­chen­prin­zen von edlem Geblüt Gemüt auf all die bösen Gesin­nungs­dra­chen, um ihnen die rech­ten Köp­fe abzu­schla­gen. Allein, es scheint nicht zu fruch­ten, wenn sich selbst Bun­des­mi­nis­ter und Mei­nungs­über­brin­ger wie Spie­gel, Süd­deut­sche und Zeit immer wie­der als Schild und Schwert der gro­ßen Koali­ti­on mit Begriffs­keu­len hel­fend auf die Dra­chen stür­zen. „Elen­der Spal­ter!“ sind die Wor­te, die der Keil von der Axt zu hören bekommt, bevor deren Wucht auf ihn her­nie­der saust. Der Dra­che zieht sich indes in die siche­ren Höh­len des Inter­net zurück, wo er für die bra­ven Rit­ter kaum zu errei­chen ist. Noch nicht.

Gleich­zei­tig ver­mit­teln die Kämp­fer für das ewig Gute den Ein­druck der Erschöp­fung, weil man all der Dra­chen, der fal­schen Mei­nun­gen, Sati­ren, Fake-News und der bösen frem­den Mäch­te (Putin, Chi­na, Nord­ko­rea, le Pen, Trump…ideologisch unpas­sen­des bit­te strei­chen) kaum noch Herr zu wer­den glaubt. Wenn man das Schwert der Wahr­heit zu füh­ren glaubt, sieht jedes Gegen­über wie die leib­haf­ti­ge Lüge aus. „Zuneh­men­der Rechts­po­pu­lis­mus“ steht dafür als sym­bo­li­sche For­mu­lie­rung, um die Rich­tung der Debat­te vor­zu­ge­ben, die irgend­wann nur noch einen Schluss zulas­sen soll: Man muss ret­tend ein­grei­fen, bevor alles noch viel schlim­mer wird und am Ende womög­lich der edle Rit­ter die Schlacht ver­liert! War­um also nicht mit einem „Gesetz zur Behe­bung der Not Argu­men­ta­ti­ons­not von Volk Bevöl­ke­rung und Reich Euro­pa“ dem Rit­ter das Schlacht­feld frei räumen?

Im Jah­re 2017 sind es aus­ge­rech­net die SPD und die von ihr geführ­ten Minis­te­ri­en für Jus­tiz und Fami­le, von denen die größ­ten Anstren­gun­gen in dem Bemü­hen aus­ge­hen, die Mei­nungs­frei­heit an eine belie­big straff­ba­re Ket­te zu legen, indem man mög­lichst unter dem öffent­li­chen Radar ver­sucht, ein „Abwehr­zen­trum gegen Des­in­for­ma­ti­on“ zu eta­blie­ren. Die will­fäh­ri­gen Lands­knech­te lässt man schon mal „auf Pro­be“ von der Lei­ne, wie die Hen­sel-Aktio­nen „Kein­Geld­Für­Rechts“ und „Stop Hate­ver­ti­sing“ bzw. dem semi­pro­fes­sio­nel­len dafür aber dop­pel­mo­ra­li­schen „cor­rec­tiv“ zeig­ten. Und sei es nur um zu tes­ten, wie der vor­lau­te Pöbel reagiert und wie bereit­wil­lig sich des­sen frechs­te Ver­tre­ter in die Wüs­te jagen und die Res­te der frei­en Wirt­schaft von sol­chen Aktio­nen ein­schüch­tern lassen.

Indes ste­hen neue Hel­den bereit, den in ers­ten Gefech­ten ver­schlis­se­nen Rit­tern zur Sei­te zu sprin­gen. Und wenn Stef­fen Sei­bert mit sei­nem Ang­ler­la­tein erschöpft ist, schlägt die Stun­de für Ran­ga Yogeshwar vom WDR.

„Chi­na behält eine gewis­se Kon­trol­le dar­über, wel­che Nach­rich­ten ihr Land pene­trie­ren. Das brau­chen auch wir, um sicher­zu­stel­len, dass nicht das Betriebs­sys­tem unse­res Lan­des gestört wird.“ 

Nun ach­tet Chi­na nicht nur dar­auf, wel­che Nach­rich­ten das Land errei­chen, son­dern auch, wel­che es ver­las­sen und wel­che inner­halb des Lan­des zir­ku­lie­ren dür­fen. Das bedeu­tet nichts ande­res, als dass die kom­mu­nis­ti­sche Par­tei­füh­rung die Kon­trol­le über das Inter­net und all die chi­ne­si­schen und west­li­chen Dra­chen hat. Ein Traum für alle in Deutsch­land, die „sys­tem­nah“ beschäf­tigt sind, auch für den sonst so sym­pha­ti­schen Erklär­bä­ren vom WDR.

„Euro­pa muss bei den Mas­sen­me­di­en eine gewis­se Sou­ve­rä­ni­tät behalten.“

Wer ist in die­sem Satz Euro­pa und wes­sen Sou­ve­rä­ni­tät ist gemeint? Die der Kon­su­men­ten oder die Kon­struk­teu­re? Und was, wenn sich die Bun­des­re­gie­rung die­se Sou­ve­rä­ni­tät in der Wei­se sichert, dass staat­li­che und staat­lich Beauf­trag­te Orga­ni­sa­tio­nen über Wahr und Falsch im Netz wachen dür­fen wie in Chi­na? Was, wenn man nach ein paar zum Schwei­gen gebrach­ter omi­nö­ser Quel­len, die sowie­so jeder kennt, denkt, man kön­ne ruhig noch einen Schritt wei­ter gehen? Was, wenn Tei­le der Wahr­heit die Bevöl­ke­rung nur ver­un­si­chern könn­ten und man ihnen das aus Für­sorg­lich­keit lie­ber erspa­ren möch­te? Was, wenn man dafür sor­gen könn­te, dass eine Demons­tra­ti­on, von der sowie­so nur Ärger zu erwar­ten wäre, nie zustan­de käme, weil man die für das Zustan­de­kom­men nöti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on unter­bin­det? Was, wenn „klei­ne­re“ Ter­ror­an­schlä­ge mit weni­gen Opfern so lokal und unter dem Radar blei­ben könn­ten, wie sie statt­fin­den? Die ARD hät­te sich viel­leicht nie erklä­ren müs­sen, der Mord an Maria in Frei­burg sei nur ein „loka­les Ereig­nis“ ohne natio­na­le Rele­vanz, weil es eben unwi­der­spro­chen ein loka­les Ereig­nis geblie­ben wäre. Was, wenn gleich­ge­schal­te­ten Staats­me­di­en, die direkt vom Poli­tik­be­trieb abhän­gig sind, ergänzt durch ali­men­tier­te pri­va­te Rest­me­di­en – um den Schein der Mei­nungs­viel­falt zu wah­ren – in der Lage wären, ein Schein­bild aus Har­mo­nie und „good gover­nan­ce“ auf­recht­erhal­ten, wäh­rend es in Wirk­lich­keit an allen Ecken knallt und zischt? Was wenn die Mel­dun­gen der Kle­bers und Gau­ses und all der ande­ren Ver­tre­ter der Plap­per-Class nicht mehr hin­ter­frag­bar sind, weil sie unter dem Prüf­s­igel der „Cor­rek­tiv-News“ Sakro­sankt sind? Wird das der Beginn einer har­mo­ni­schen und kon­flikt­ar­men Zeit sein, oder das Ende der bür­ger­li­chen Demo­kra­tie bedeuten?

Die EU kann heu­te zwar Was­ser­mal­far­ben und Bunt­stif­te wegen deren Gif­tig­keit aus dem Ver­kehr zie­hen und die maxi­ma­le Leis­tungs­auf­nah­me von Staub­saugern regeln, die inne­re Sicher­heit jedoch ist als natio­na­les Gut kaum zu ver­tei­di­gen und daher auf­zu­ge­ben, Ter­ror­an­schlä­ge gehö­ren zum Rest­ri­si­ko, was aber bit­te nie­man­den dazu brin­gen soll­te, sei­ne Lebens- und Kon­sum­ge­wohn­hei­ten zu ändern.

Nur eine Frage

Es ent­behrt nicht einer gewis­sen Komik, dass die über­für­sorg­li­che EU aus­ge­rech­net Bunt­stif­te für eine Gefahr hält, wo in Deutsch­land doch sonst die Kun­ter­bunt­heit als Wert an sich geprie­sen wird.  Was pas­siert aber, wenn nach den Bunt­stif­ten die bun­ten Mei­nun­gen wegen ver­meint­li­cher Gif­tig­keit aus dem Ver­kehr gezo­gen wer­den? Ob Herr Maas von der SPD eine Ahnung davon hat, dass es aus­ge­rech­net das eige­ne Par­tei­or­gan „Vor­wärts“ war, das so soft wie kein ande­res Medi­um in der Geschich­te Deutsch­lands ver­bo­ten wur­de? Ob allen, die jetzt die ord­nen­de Hand des Gärt­ners for­dern, um die unkrau­ti­gen Mei­nun­gen aus­zu­rei­ßen, die zwi­schen den ver­meint­lich siche­ren Geh­weg­plat­ten der Leit­me­di­en sprie­ßen, wirk­lich klar ist, dass auch Hein­rich Hei­ne einst als Nest­be­schmut­zer galt, als der aus sei­nem Pari­ser Exil auf Deutsch­land schaute?

Des­halb mei­ne Fra­ge an die mar­gi­na­li­sier­te und oppor­tu­nis­ti­sche Oppo­si­ti­on aus Grü­nen, Lin­ken und ein biss­chen CSU: Wenn es zum Schwur käme, wenn Arti­kel 5 des Grund­ge­setz­tes, wel­cher die Mei­nungs- Rede- und Pres­se­frei­heit garan­tiert, eine neue minis­te­ria­le und gesetz­li­che Klam­mer bekom­men soll­te (zum Schutz, ver­steht sich), könn­te es im Jahr 2017 ähn­lich wie 1933 zu einer „raschen, auf­bau­en­den, ret­ten­den Tat“ kom­men? Wür­de, die Mehr­heit der Grü­nen und Lin­ken die Hand zur Abschaf­fung „fal­scher Mei­nun­gen“ heben, weil „[..] die­se Tat nur gebo­ren wer­den kann in der Samm­lung“ der Oppo­si­ti­on und der Regierung?

Ich bin gespannt.

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5 Kommentare

  1. Ich kann Ihre Ein­schät­zung, auch aus eige­ner Erfah­rung, völ­lig nach­voll­zie­hen und tei­le auch Ihre Beden­ken. Im Prin­zip habe ich Ähn­li­ches schon bei ZON geäu­ßert, dies wur­de lei­der als „unsach­lich” gelöscht.
    Die­se von Ihnen beschrie­be­ne äußerst bedenk­li­che Ent­wick­lung zeigt sich bei den „Leit­me­di­en” , näm­lich der Trend, Kom­men­ta­re gar nicht mehr zuzu­las­sen, auch wenn man sich offi­zi­ell als „libe­ral” gibt und ver­bal immer die Mei­nungs­frei­heit hoch­hält. Auch wenn wenigs­tens bei ZON noch Kom­men­ta­re mög­lich sind, zeigt sich seit eini­ger Zeit, dass dort die Zen­sur­re­geln schlei­chend und für unbe­darf­te Beob­ach­ter fast unmerk­lich ver­schärft wer­den – von Monat zu Monat. Grund ist wahr­schein­lich der, dass man kaum noch so nai­ve Kom­men­ta­to­ren fin­det, wel­che die „Will­kom­mens­kul­tur” hochjubeln. 

    Bei­spie­le:
    – Die Sor­tie­rung nach Anzahl der Emp­feh­lun­gen wur­de eli­mi­niert (man will doch nicht, dass unlieb­sa­me Mei­nun­gen ganz oben in der Lis­te stehen)
    – Wenn ich mal einen kri­ti­schen Kom­men­tar an ers­ter Stel­le plat­zie­ren konn­te, wur­de der umge­hend als „unsach­lich” gelöscht
    – Die ZEIT-Redak­ti­ons­emp­feh­lun­gen spie­geln nur den Main­stream der ZON-Redak­ti­on wider, auch wenn es unter 100 Kom­men­ta­ren nur einen gibt, der auf Linie liegt, wird der hochgejubelt
    – Seit 2017 wer­den alle mei­ne Kom­men­ta­re vor der Ver­öf­fent­li­chung erst stun­den­lang geprüft. Falls(!) sie dann online gehen, sind sie irgend­wo ver­schwun­den, so dass sie, wie ZON hofft, kei­ner mehr liest
    – Die meis­ten mei­ner Kom­men­ta­re wer­den jedoch gar nicht mehr ver­öf­fent­licht – ohne Begrün­dung und ohne Ant­wort trotz Nach­fra­ge. Frü­her wur­den sie wenigs­tens noch gelöscht. Jetzt tau­chen sie ein­fach gar nicht mehr auf und sind und waren somit nicht exis­tent. Dies ist Mei­nungs­se­lek­ti­on vom Feins­ten. Wenn die „Leit­me­di­en” so wei­ter machen, brau­chen wir das Wahr­heits­mi­nis­te­ri­um (mit Frau Kaha­ne als Minis­te­rin) viel­leicht gar nicht mehr.

    • ZON und SPON gehö­ren zu den ganz gro­ßen Geh­weg­plat­ten auf den Gar­ten­we­gen der „gelenk­ten Demo­kra­tie”. Ich habe es längst auf­ge­ge­ben, Leser und Autoren dort mit mei­ner Mei­nung beläs­ti­gen zu wollen.

  2. und noch eine Par­ral­le­le: den tota­li­tä­ren Ideo­lo­gien ist gemein­sam, dass sie den Men­schen nicht als Indi­vi­du­um anse­hen oder akzep­tie­ren, son­dern ihn als kol­lek­ti­ve Mas­se betrach­ten, die in der Hand einer beru­fe­nen Eli­te zu etwas Neu­em, Bes­se­rem geführt und umge­formt wer­den muss. Die­sen „Neu­en Men­schen” wollte/will der Kom­mu­nis­mus auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne schaf­fen; der Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­such­te ähn­li­ches auf Basis einer „Eth­nie”. Und auch hin­ter den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zeigt sich immer deut­li­cher die glei­che häß­li­che ideo­lo­gi­sche Frat­ze. Hen­ryk Bro­der und Ande­re haben ein Doku­ment des von der „Kanz­le­rin” hoch­ge­lob­ten, regie­rungs­na­hen „Rats für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung” („Dia­lo­ge Zukunft – Visio­nen 2050”) ana­ly­siert, in dem davon die Rede ist, dass bis 2050 eine „Durch­mi­schung” der Bevöl­ke­rung statt­fin­den sol­le, die dazu führt, dass „jeder einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund” hat. Das ist umge­kehr­ter Ras­sis­mus, kaum anders als der der Natio­nal­so­zia­lis­ten. „Paving the way for the new World Order”. Tut mir leid, aber ich habe das nicht erfunden.

    • Ob es Zufall ist, dass der Ereig­nis­ho­ri­zont des zu eta­blie­ren­den „New-Speech” in Orwells „1984” auch bis 2050 reichte?

  3. Das ist auch mei­ne Befürch­tung. Viel­leicht noch ein Wort zu 1933. Die Macht­über­nah­me Hit­lers war für mein Ver­ständ­nis der End­punkt einer Ent­wick­lung, die schon unge­fähr in der Mit­te 1920er Jah­ren begann. In Deutsch­land herrsch­ten Zustän­de, die man ohne Wei­te­res als chao­tisch bezeich­nen könn­te. Der End­punkt die­ses Zeit­ab­schnit­tes brach­te Hit­ler her­vor mit allen sei­nen Fol­gen. Deutsch­land ist seit Herbst 2015 zu einem sicht­bar chao­ti­schen Staat gemacht wor­den. Der Beginn die­ser Ent­wick­lung war schon eini­ge Jah­re vor­her. Es begann schlei­chend. Für mein Ver­ständ­nis set­ze ich den Anfang der 2000er Jah­re als Punkt. Es begann – man kann zur Agen­da 2010 ste­hen wie man will – mit der Arbeits­pflicht und bei Nicht­be­fol­gung, aus wel­chen Grün­den auch immer, mit dem Ent­zu­ges der Lebens­grund­la­ge, egal ob man jahr­zehn­te­lang in die­sem Land Wer­te geschaf­fen hat­te oder nicht. Auch das ist nicht so im GG vor­ge­se­hen und hat­te sein Vor­bild im NS-Staat. Für mich ist der Knack­punkt der Herbst 2015, als Deutsch­land als Nati­on auf­hör­te zu exis­tie­ren. Ohne Gren­zen kei­ne Nati­on. Viel­leicht etwas über­trie­ben, nur in der Geschich­te, wird man das viel­leicht sehr viel spä­ter so sehen. Ich weiß nicht, ob die­se Ent­wick­lung noch umkehr­bar ist. Ich glau­be nicht dar­an. Ich bin nicht mehr so lan­ge auf der Erde und mei­ne Kin­der und Enkel­kin­der müs­sen damit fer­tig wer­den. Da die­se sich nicht weh­ren, muss ich lapi­dar fest­stel­len, wer­den sie Pech haben und nicht in Frei­heit leben können.

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